Die Taufe – Eine Stimme im Kopf
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
In nur acht Zeilen schildert das Markusevangelium die Taufe Jesu — sein erster Auftritt überhaupt, ohne jede Kindheitsgeschichte. Die Schwestern tauchen ein in die Welt der Johannestaufe als radikales Reinigungsritual am Jordan, der heute nur noch ein dünnes Rinnsal ist, weil rechts und links alles abgezapft wird, und erklären, wie aus einem körperlichen Tauchbad ein geistiger Neuanfang wurde.
„Keine Kindheitsgeschichte, sondern der tritt mit der Taufe auf — der erste Auftritt von diesem Jesus im ältesten aller Evangelien.“
Erwähnte Medien (8)
Einheitsübersetzung
· 2017
Die Einheitsübersetzung ist eine der drei großen kanonischen Bibelausgaben im deutschsprachigen Raum und wird von der Katholischen Kirche verwendet. Sabine Rückert bespricht die Bibel in einer eigenen Reihenfolge und grenzt sich bewusst von dieser sowie von der lutherischen und jüdischen Bibelordnung ab. Der Artikel ist relevant, weil er zeigt, dass die Anordnung und Auslegung der biblischen Texte nicht universell einheitlich ist, sondern je nach theologischer Tradition unterschiedlich ausfällt. Für Bibelleser bietet die Einheitsübersetzung damit eine wichtige Referenzbasis, um verschiedene Interpretationsansätze zu verstehen.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:14 „Ich lese jetzt einfach mal diese acht Zeilen vor in meiner Einheitsübersetzung hier.“
Johanna Haberer nutzt diese Bibelübersetzung zum Vorlesen der Markus-Stelle über die Taufe Jesu
Gott. Eine Biografie
Jack Miles · 2001
Five years after his everywhere-acclaimed, brilliantly successful, Pulitzer Prize-winning book about God as portrayed in the Old Testament--God: A Biography--Jack Miles gives us his striking consideration of Christ. He presents Christ as a hero of literature based only in part on the historical Jesus, asking us to take the idea of Christ as God Incarnate not as a dogma of religion but as the premise of a work of art, the New Testament.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:13:06 „Jack Miles hat auch noch nach seiner Biografie Gottes ein neues Buch geschrieben. Das heißt Jesus, der Selbstmord des Gottessohnes.“
Im Gespräch über die Jesaja-Prophetie und den historischen Kontext der Taufe Jesu wird Jack Miles als Referenzautor eingeführt. Seine 'Biografie Gottes' wurde offenbar bereits in früheren Folgen herangezogen – Johanna Haberer kommentiert trocken, dass Miles 'mit Hiob und Gott schon am Ende' gewesen sei. Das Buch dient als theologisch-literarische Brücke zwischen Altem und Neuem Testament.
Wie soll ich dich empfangen
Paul Gerhardt
Das Lied Wie soll ich dich empfangen von Paul Gerhardt (1607–1676) erschien erstmals im Jahr 1653 in der fünften Auflage des Gesangbuchs Praxis Pietatis Melica von Johann Crüger, der dazu auch die Melodie schuf.
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:13:49 „Das ist übrigens das Adventslied, wie soll ich dich empfangen? Bereitet doch feintüchtig den Weg dem großen Gast. Macht alle Steige richtig und so weiter.“
Als die Jesaja-Stelle über den geebneten Weg besprochen wird, stellt Johanna Haberer die Verbindung zum bekannten Adventslied von Paul Gerhardt her. Sabine Rückert ergänzt spontan die nächste Zeile ('Lasst alles, was er hasst'), woraus sich ein kurzer Moment schwesterlicher Freude über das gemeinsame Liedwissen ergibt.
Die Biografie Gottes
Jack Miles · 1995
Traditionelle Religionen sind vor langen Zeiten entstanden und spiegeln frühere zeit-geschichtliche Gesellschaftsverhältnisse, die selten durch Merkmale unserer heutigen Zeit, z. B. demokratische Prinzipien, charakterisiert sind. Der meistens absolute 'Wahrheit'sanspruch von Religionen erschwert inhaltliche Veränderungen. Das heißt auch, dass heutzutage autoritäre Denkmuster in Religionen weit verbreitet sind. Im protestantischen Bereich haben sich vor allem seit dem 18. und 19.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:16:08 „Jack Miles hat auch noch nach seiner Biografie Gottes ein neues Buch geschrieben.“
Wird als Vorgängerwerk von Jack Miles erwähnt, das mit dem Buch Hiob und Gott endete
Septuaginta
Anonyme jüdische Gelehrte (3. Jh. v. Chr.)
Griechische Übersetzung der hebräischen Bibel für die griechischsprachigen Juden Ägyptens im 3. Jahrhundert v. Chr. Sie versetzte die hellenistischen Gemeinden in die Lage, die heiligen Schriften in ihrer eigenen Sprache zu lesen und ebnete damit dem frühen Christentum den Weg in die Mittelmeerdiaspora.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:50 „Die griechische Ausgabe der jüdischen Schriften für die griechisch sprechenden Juden Ägyptens nannte man dann Septuaginta. Und dazu schreibt Jack Miles, als sich der Glaube an Christus von den griechischsprachigen Juden Palästinas auf die zahlreichen griechischsprachigen Juden der mediterranen Diaspora ausbreitete, war die Schrift in griechischer Sprache bereits da und wartete gewissermaßen auf ihn.“
Im Kontext der Sprachgeschichte der Bibel, vorgelesen aus Jack Miles, wird die Septuaginta als griechische Übersetzung der jüdischen Schriften beschrieben. Sie wird als entscheidendes Medium erklärt, das die Ausbreitung des Christentums im griechischsprachigen Mittelmeerraum erst ermöglichte.
The Rise of Christianity
Rodney Stark · 1996
Rodney Stark, a sociologist by training, has written a book that should end much of the Christian-bashing occuring in academia. Stark demonstrates that Christianity became popular very quickly because it offered its adherents a better faith than competing religions and treated those believers better both physically and spiritually.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:39:17 „Der Soziologe Rodney Stark zeigt überzeugend, dass das Christentum auch dann noch eine mehrheitlich jüdische Bewegung war, als der neutestamentliche Kanon längst abgeschlossen war.“
Im Rahmen des Jack-Miles-Zitats wird der Soziologe Rodney Stark erwähnt, der überzeugend nachgewiesen habe, dass das frühe Christentum über Jahrhunderte eine überwiegend jüdische Bewegung blieb. Die Erwähnung stützt die These, dass der Übertritt zum Christentum für Nichtjuden wie ein Anschluss an eine jüdische Bewegung wirkte.
König Ödipus
Sophokles
Antikes griechisches Trauerspiel von Sophokles, in dem Ödipus die schicksalhafte Wahrheit über seine Abstammung enthüllt. Das Stück konzentriert sich auf die psychologische Tragik dieser Erkenntnis und setzt die Kenntnis der mythologischen Hintergründe voraus. Als Klassiker der antiken Tragödie demonstriert es die menschliche Suche nach Wahrheit und die Übermacht des Schicksals.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:42:37 „Was eine Tragödie wie König Oedipus auf die Bühne bringt, ist kaum mehr als Oedipus' Entdeckung der Wahrheit über seine Abstammung. Sophocles verzichtet darauf, noch einmal die ganze Mythologie darzubieten, auf der das Stück beruht. Er setzt voraus, dass die Zuschauer in Athen mit umfassenden Kenntnissen dieser Mythologie ins Theater kommen.“
Im Rahmen eines Zitats aus Jack Miles' Buch wird Sophokles' König Ödipus als Analogie herangezogen: So wie Sophokles voraussetzte, dass das Athener Publikum die Mythologie bereits kannte, so setzt das Neue Testament die Kenntnis des Alten Testaments voraus. Die Analogie verdeutlicht, wie kulturelles Vorwissen die emotionale Wirkung eines Werks steigert.
Ave Maria (Bach/Gounod)
Charles Gounod / Johann Sebastian Bach
Das Bach-Gounod Ave Maria ist eine Komposition, bei der Gounods Melodie über Bachs ursprüngliche Arpeggio-Akkorde gelegt wurde. Im Podcast dient das Werk als Analogie für das Verhältnis zwischen Altem und Neuem Testament: Wie die Bach-Akkorde auch ohne direktes Erklingen wahrgenommen werden, durchzieht das Alte Testament als unsichtbare harmonische Grundlage das Neue Testament. Die Komposition illustriert damit ein tiefes theologisches Konzept über die Kontinuität und Verflechtung biblischer Traditionen.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:43:40 „Wenn die Gounoge-Melodie des Bach-Gounogen Ave Maria ohne die übliche Begleitung von Bachs ursprünglichen Arpeggio-Akkorden gesungen wird, hört das westliche Ohr diese Akkorde trotzdem.“
Ebenfalls aus Jack Miles' Buch zitiert, dient das Bach-Gounod Ave Maria als musikalische Analogie für das Verhältnis von Altem und Neuem Testament: So wie man bei der Gounod-Melodie die Bach'schen Akkorde mithört, auch wenn sie nicht gespielt werden, so schwingt das Alte Testament im Neuen immer mit – als implizite Harmonie.