Die Spur im Feuer (1/2): Die fehlenden Leichen
Anne Kunze, Daniel Müller & Leonie Daumer
Autorin Leonie Daumer nimmt die Hörer mit auf die Azoreninsel Pico, wo die deutsche Auswanderin Ruth Hage seit 2005 mit ihrem Partner Branislav lebt. Was als Suche nach einem ruhigeren Leben auf der grünen Vulkaninsel im Atlantik begann, mündet in einen Doppelmord und einen Strafprozess, der aus deutscher Sicht kaum nachvollziehbar erscheint.
„Es geht um einen Doppelmord, um einen Strafprozess, der aus deutscher Sicht bestenfalls kurios anmutet und um eine Frau, die das Paradies suchte und die Hölle fand.“
Erwähnte Medien (9)
Das Feuer von Pico
Leonie Daumer, Alexander Rupflin
Ruth Hager ist eine deutsche Auswanderin, die auf der portugiesischen Azoren-Insel Pico ein neues Leben begonnen hat. Der Artikel erzählt, wie sie und ihr Lebensgefährte Tomislav Josic plötzlich unter Mordverdacht geraten. Die Reportage beleuchtet die Lebensumstände auf der abgelegenen Insel und die Umstände, die zu diesem Verdacht führten.
🗣 Leonie Daumer referenziert bei ⏱ 00:03:13 „Die Protagonistin deines Artikels Das Feuer von Pico, den du gemeinsam mit unserem lieben Kollegen Alexander Rupflin recherchiert hast, ist eine deutsche Frau, die nach Portugal ausgewandert ist. Bitte stell uns diese Frau doch einmal vor.“
Daniel Müller stellt den ZEIT-Artikel vor, der die Grundlage dieser Podcast-Folge bildet. Der Text erzählt die Geschichte von Ruth Hager, einer deutschen Auswanderin auf der Azoren-Insel Pico, die gemeinsam mit ihrem neuen Lebensgefährten Tomislav Josic unter Mordverdacht gerät. Müller zitiert später auch den atmosphärischen Einstieg des Artikels, um die Stimmung der Insel einzufangen.
The Killing Fields (Schreiendes Land)
Roland Joffé · 1984
Der amerikanische Reporter Sydney Schanberg berichtet für die „New York Times“ aus Kambodscha über den Krieg im benachbarten Vietnam. Der einheimische Dolmetscher Dith Pranh ist ihm nicht nur ein unentbehrlicher Helfer, sondern inzwischen auch ein guter Freund geworden. Als sich die Amerikaner 1975 überstürzt zurückziehen und die Roten Khmer die Macht übernehmen, versuchen sie verzweifelt, das Land zu verlassen.
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:18:41 „Es gab die sogenannten Killingfields, vielleicht erinnert ihr euch an den Film, der später... 1985. Schreiendes Land hieß der.“
Der Film wird als Referenz genannt, um die historischen Killing Fields in Kambodscha zu veranschaulichen
Schreiendes Land (The Killing Fields)
Roland Joffé · 1984
Der amerikanische Reporter Sydney Schanberg berichtet für die „New York Times“ aus Kambodscha über den Krieg im benachbarten Vietnam. Der einheimische Dolmetscher Dith Pranh ist ihm nicht nur ein unentbehrlicher Helfer, sondern inzwischen auch ein guter Freund geworden. Als sich die Amerikaner 1975 überstürzt zurückziehen und die Roten Khmer die Macht übernehmen, versuchen sie verzweifelt, das Land zu verlassen.
🗣 Leonie Daumer referenziert bei ⏱ 00:19:24 „Es gab die sogenannten Killingfields. Vielleicht erinnert ihr euch an den Film, der später schreiendes Land ist. Pathetischer Titel, aber in dem Fall wirklich zu Recht, weil diese Killingfields fand man überall.“
Im Gespräch über die Massenmorde der Roten Khmer erwähnt Anne Kunze den Film 'Schreiendes Land' (internationaler Titel: 'The Killing Fields', 1984) als Referenz, um den Begriff der Killing Fields zu erklären. Der Film wird als bekannte kulturelle Referenz genutzt, um das Ausmaß der Gräueltaten greifbar zu machen.
Der Process
Franz Kafka · 2010
Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. ›Der Proceߋ ist Franz Kafkas weltweit meistgelesener und bekanntester Roman – nicht zuletzt dank der kongenialen Verfilmung durch Orson Welles.
🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:22:24 „Wie bei Kafka.“
Kafka wird als Vergleich herangezogen für die Situation der Gefangenen in Tuol Sleng, die nicht wussten, warum sie verurteilt wurden
Artikel über Pol Pot und Tep Kunal
Erich Vollert
Erich Vollert porträtiert in diesem ZEIT-Artikel Tep Kunal, den Privatsekretär des Khmer-Rouge-Führers Pol Pot, der für den Völkermord in Kambodscha in den 1970er Jahren verantwortlich war. Das Gespräch im Podcast wird von einem Bild aus dem Artikel begleitet, das die enge persönliche Nähe zwischen Täter und Sekretär dokumentiert. Der Artikel beleuchtet die persönliche Dimension des Regimes und die Frage, wie Menschen in unmittelbarer Nähe eines Massenmörders funktionierten.
🗣 Daniel Müller empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:45 „Ich habe hier ein Bild, damit wurde dein Artikel, über den wir heute sprechen, illustriert.“
Der aktuelle Zeit-Artikel von Erich Vollert über Pol Pot und seinen Privatsekretär Tep Kunal, der Anlass für das Gespräch ist
It's Not a Dream
"It's Not a Dream" ist eine kambodschanische Fernsehsendung, in der ein Redaktionsteam durchs Land reist und Familien wieder zusammenführt, die durch die Herrschaft der Roten Khmer getrennt wurden. Die Dokumentation entstand 45 Jahre nach dem Ende des Pol-Pot-Regimes und veranschaulicht das Ausmaß der menschlichen Zerstörung, die das Regime verursacht hat. Sie zeigt eindrucksvoll, wie tiefe Narben dieser historischen Tragödie noch heute in der kambodschanischen Gesellschaft wirken.
🗣 Leonie Daumer referenziert bei ⏱ 00:32:59 „Was ich aber gefunden habe, ist eine ganz interessante kambodschanische Fernsehsendung. Ich weiß nicht, ob die heute noch existiert, aber vor wenigen Jahren gab es sie auf jeden Fall noch und sie hieß It's Not a Dream. Und die Idee war, dieses Redaktionsteam ist durchs Land gefahren und hat versucht, Verwandte zu finden.“
Andreas Sentker erzählt, wie er sich auf das Interview vorbereitet hat und in den Mediatheken kaum Material über Pol Pots Verbrechen fand. Stattdessen stieß er auf diese kambodschanische Fernsehsendung, die 45 Jahre nach dem Ende des Regimes Familien zusammenführte, die durch die Roten Khmer getrennt worden waren. Die Sendung illustriert für ihn das Ausmaß der Zerstörung, die Pol Pot über Kambodscha gebracht hat.
Food and Wine
Das NYC Wine and Food Festival ist New Yorks führendes kulinarisches Event, das Wein, Essen und Kultur zelebriert. Das Festival bringt Spitzenköche, Sommeliers und Kulinarik-Experten zusammen, um hochwertige Verkostungen, Masterclasses und gastronomische Erlebnisse anzubieten. Es ist eine jährliche Großveranstaltung, die die Vielfalt und Exzellenz der New Yorker Food-and-Wine-Szene präsentiert.
🗣 Anne Kunze erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:25 „Seine Frau wurde Journalistin und hat bei einem, man darf es nicht sich aussuchen, ist zu einem Magazin namens Food and Wine gegangen. Und wurde Spezialistin für Wein und Nahrungsmittel und gutem Essen.“
Anne Kunze erwähnt das amerikanische Magazin Food and Wine als Arbeitsplatz von Tep Kunals erster Ehefrau, die sich während seiner Abwesenheit in New York amerikanisierte. Die Erwähnung dient als ironisches Detail: Die Frau eines ehemaligen Vertrauten des Roten-Khmer-Regimes, das einen Agrarstaat mit Hungertoten geschaffen hatte, wurde ausgerechnet Spezialistin für gehobene Esskultur.
Memoiren von Pol Pot
Pol Pot · 2003
Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Orientalistik / Sinologie - Sonstiges, Note: 1, Ruhr-Universität Bochum (Fakultät für Ostasienwissenschaft), Veranstaltung: Politische Persönlichkeiten und politische Gestaltung in Ostasien, Sprache: Deutsch, Abstract: Die folgende Arbeit erörtert, ob Pol Pot der „Inbegriff des asiatischen Totalitarismus“ ist.
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:51:21 „Also Pol Pot wollte zumindest in seinen späteren Monaten, späteren Jahren, wollte er seine Memoiren diktieren. Also nicht nur ein genetisches, sondern auch ein geistiges Vermächtnis hinterlassen. Hatte Tep Kunal jeden Nachmittag zu sich gerufen in seine kleine Hütte, die er damals nur noch hatte und hat ihm seine Lebenserinnerungen diktiert.“
Anne Kunze berichtet von Pol Pots Versuch, gegen Lebensende seine Memoiren zu diktieren – ein geistiges Vermächtnis neben dem genetischen durch seine Tochter. Tep Kunal war der Empfänger dieser Diktate, behauptet aber, die Aufzeichnungen seien bei einem Angriff verbrannt. Kunze zweifelt daran und spekuliert, dass sie möglicherweise noch existieren könnten – ein faszinierendes historisches Dokument, das vermutlich verloren ist.
Die Dreigroschenoper
Bertolt Brecht
Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1928 ist ein Theaterstück, das im viktorianischen London spielt und einen erbitterten Konkurrenzkampf zwischen dem Verbrecherbosse Mackie Messer und dem Bettlermafia-Boss Jonathan Peachum darstellt. Der Konflikt eskaliert, als Mackie heimlich Peachums Tochter Polly heiratet, worauf Peachum plant, Mackie auszuliefern. Nach mehreren Verhaftungen und Fluchtversuchen wird Mackie schließlich zum Tode verurteilt, erhält aber in letzter Minute ein königliches Begnadigungsschreiben und wird sogar in den Adelsstand erhoben. Das Drama verbindet episches Theater mit 21 Liedern von Kurt Weill und kritisiert durch die Kriminalgeschichte die sozialen Verhältnisse der Zeit.
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 01:00:38 „Bertolt Brecht hat gesagt, was ist der Raub einer Bank gegen die Gründung einer Bank. Also er hat es umgedreht, er hat erst mal die Banken zerstören lassen und hat sie jetzt neu gegründet.“
Anne Kunze zitiert Brechts berühmtes Bonmot aus der Dreigroschenoper, um die Ironie von Tep Kunals Wandlung zu verdeutlichen: Der ehemalige Vertraute Pol Pots, unter dessen Regime Banken und wirtschaftliche Strukturen zerstört wurden, gründet nun selbst Banken und vergibt Mikrokredite an Bauern – eine verblüffende Wendung, die Kunze mit Brechts Kritik an der Scheinheiligkeit des Kapitalismus pointiert zusammenfasst.