Ein Künstler kehrt zurück ins Nazireich
Adam Soboczynski, Iris Radisch
In der allerersten Folge des neuen ZEIT-Bücherpodcasts besprechen die Gastgeber Daniel Kehlmanns neuen Roman „Lichtspiel
„Wir lebten in einer Opfergesellschaft, die selbstgefällig den Status des Opfers mit dem des Helden verwechselt.“
Erwähnte Medien (21)
Die Vermessung der Welt
Daniel Kehlmann · 2005
The young Austrian writer Daniel Kehlmann conjures a brilliant and gently comic novel from the lives of two geniuses of the Enlightenment. Toward the end of the eighteenth century, two young Germans set out to measure the world. One of them, the Prussian aristocrat Alexander von Hum-boldt, negotiates savanna and jungle, travels down the Orinoco, tastes poisons, climbs the highest mountain known to man, counts head lice, and explores every hole in the ground.
🗣 Radisch referenziert bei ⏱ 00:01:12 „Wir kennen Daniel Kehlmann natürlich und sind ganz gespannt, ob das jetzt diesmal wieder so ein toller, großer Roman ist, wie zum Beispiel die Vermessung der Welt oder Till.“
Als fruherer Welterfolg Kehlmanns zum Vergleich herangezogen.
Till
Daniel Kehlmann · 2017
Das vorliegende Werk ist eine Rezension des neuen Romans »Tyll« von Daniel Kehlmann durch den Rezensenten Joachim Weiser, um dem Leser den vielschichtigen Inhalt des Romans näherzubringen. Dies ist eine ausführliche Rezension über den Roman mit grundlegenden Gedanken zu dem Werk, Erörterung der Handlung, der Figuren und der historischen Hintergründe.
🗣 Radisch referenziert bei ⏱ 00:01:12 „Wir kennen Daniel Kehlmann natürlich und sind ganz gespannt, ob das jetzt diesmal wieder so ein toller, großer Roman ist, wie zum Beispiel die Vermessung der Welt oder Till.“
Fruherer historischer Roman Kehlmanns, als Vergleich genannt.
Tyll
Daniel Kehlmann · 2017
Till Eulenspiegel wird in den Dreißigjährigen Krieg versetzt. Der Roman erzählt von Betrügereien und Eulenspiegeleien und zeigt, wie Betrug nicht nur vom Täter ausgeht, sondern ein Publikum braucht, das bereit ist, betrogen zu werden.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:01:51 „Wir kennen Daniel Kehlmann natürlich und sind ganz gespannt, ob das jetzt diesmal wieder so ein toller, großer Roman ist, wie zum Beispiel die Vermessung der Welt oder Till.“
Till (Tyll) wird neben der Vermessung der Welt als Beispiel für Kehlmanns große historische Romane genannt. Adam Soboczynski ordnet ihn später als einen der historischen Romane ein, mit denen Kehlmann sein Können bereits bewiesen hat.
Lichtspiel
Daniel Kehlmann
Ein historischer Roman über Filmregisseur Georg Wilhelm Pabst, einen linken Pazifisten, der sich trotz seiner Überzeugungen den Nazis andient. Die Geschichte erforscht den Widerspruch zwischen moralischen Prinzipien und persönlichen Entscheidungen unter politischem Druck.
🗣 Radisch empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:00 „Sieben oder acht Jahre warten wir jetzt auf diesen neuen großen Roman. Daniel Kehlmann ist ja vielleicht der bekannteste Schriftsteller in Deutschland und einer der ganz wenigen großen.“
Hauptbuch der Episode. Kehlmanns neuer Roman uber den Filmregisseur G. W. Pabst, der sich im Dritten Reich den Nazis andient. Ausgiebig besprochen und kontrovers diskutiert.
Chor der Erinnyen
Marion Poschmann · 2023
In ihrer Parallelgeschichte zum Bestseller Die Kieferninseln schreibt Marion Poschmann humorvoll, poetisch und höchst originell über Kontrollverlust, aufdringliche Freundinnen und aufbegehrende Mütter, über den Frevel an der Natur und ihre fragile Schönheit, über die Dämonisierung von Frauen und die Kraft der Verbundenheit. Mathildas Mann hat fluchtartig das Haus verlassen, ohne Erklärung. Ob ihr das Sorge bereitet, lässt sie sich nicht anmerken.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:02:04 „Dann machen wir weiter mit dem Roman von Marion Poschmann. Marion Poschmann, eigentlich bekannt als Naturlyrikerin, aber auch Romanautorin, hat ein neues Buch, einen neuen Roman, der ist bei Surkamp erschienen und heißt Der Chor der Irinien.“
Der Chor der Erinnyen ist das zweite besprochene Buch der Folge. Iris Radisch stellt Marion Poschmann als renommierte Naturlyrikerin vor, die auch Romane schreibt. Der Roman handelt von drei Frauen – wie die mythologischen Erinnyen – und ist in der deutschen Gegenwart angesiedelt, enthält aber viele naturmagische und naturlyrische Elemente.
V13
Emmanuel Carrere · 2022
V13 : c’est le nom de code du procès des attentats terroristes qui, le vendredi 13 novembre 2015, ont causé 130 morts au Stade de France, sur des terrasses de l’est parisien, dans la salle de concert du Bataclan. 14 accusés, 1 800 parties civiles, 350 avocats, un dossier haut de 53 mètres : ce procès hors norme a duré neuf mois, de septembre 2021 à juin 2022. Je l’ai suivi, du premier au dernier jour, pour l’hebdomadaire L’Obs.
🗣 Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:02:40 „Das Zitat stammt aus dem neuen Buch von Emmanuel Carré, ein französischer Schriftsteller, der ziemlich eigenwillig ist. Das Buch heißt V13, die Terroranschläge in Paris, Gerichtsreportage.“
Zitat des Monats. Gerichtsreportage uber die Pariser Attentate von 2015 und den Bataclan-Prozess.
Das Reich Gottes
Emmanuel Carrère · 2014
In einer Phase von Selbstzweifeln und Depression gerät Emmanuel Carrère in eine Krise des Unglaubens. Er wendet sich dem Christentum zu und versucht, sich zum Glauben zu überzeugen. Nach einer Zeit der intensiven Auseinandersetzung mit den Ursprüngen des Christentums und dem Versuch, konsequent den christlichen Idealen zu folgen, gerät er in eine zweite Krise, eine Krise des Glaubens.
🗣 Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:06:14 „Er hat ja beispielsweise das Reich Gottes geschrieben. Ein Buch über die Frühgeschichte, wo er seine eigene Biografie mit tatsächlich frühgeschichtlichen Bibelgeschichten verzahnte.“
Als fruheres Werk Carreres erwahnt, um dessen eigenwilligen Stil zu illustrieren.
Die Buchse der Pandora
G. W. Pabst · 1929
Lulu ist eine hübsche junge Frau, die von den Zuwendungen der Männer lebt, die ihr verfallen sind. Auch Dr. Schön verliebt sich in Lulu und will sie, obwohl er bereits einer anderen versprochen ist, ehelichen. Es kommt tatsächlich zur Hochzeit, was aber der Beginn einer grauenvollen Zeit für die Braut ist, denn ihr neuer Gatte ist krankhaft eifersüchtig, was sie und einige ihrer ehemaligen Bekanntschaften in ärgste Probleme bringen soll.
🗣 Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:09:03 „Da ist er vor allen Dingen berühmt geworden mit Filmen wie Die Büchse der Pandora, Die freudlose Gasse, Westfront 1918.“
Als Werk des Regisseurs G. W. Pabst im Kontext von Kehlmanns Roman erwahnt.
Die Büchse der Pandora
Georg Wilhelm Pabst · 1929
Lulu ist eine hübsche junge Frau, die von den Zuwendungen der Männer lebt, die ihr verfallen sind. Auch Dr. Schön verliebt sich in Lulu und will sie, obwohl er bereits einer anderen versprochen ist, ehelichen. Es kommt tatsächlich zur Hochzeit, was aber der Beginn einer grauenvollen Zeit für die Braut ist, denn ihr neuer Gatte ist krankhaft eifersüchtig, was sie und einige ihrer ehemaligen Bekanntschaften in ärgste Probleme bringen soll.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:11:42 „Da ist er vor allen Dingen berühmt geworden mit Filmen wie Die Büchse der Pandora, Die freudlose Gasse, Westfront 1918. Die frühen Stummfilme waren das noch gewesen.“
Im Rahmen der Besprechung von Kehlmanns Lichtspiel stellt Adam Soboczynski den realen Filmregisseur Georg Wilhelm Pabst vor. Die Büchse der Pandora wird als einer seiner berühmtesten Filme aus der Weimarer Republik genannt, mit dem er weltweit bekannt wurde.
Die freudlose Gasse
Georg Wilhelm Pabst · 1925
Ein Querschnitt menschlicher Schicksale im Wien der Inflationszeit: In der Melchiorgasse liegen Elend und Luxus nah beieinander. Hier treffen sich die Verlierer und Gewinner, Prostituierte und Geschäftemacher, Kuppler und Spekulanten.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:11:42 „Da ist er vor allen Dingen berühmt geworden mit Filmen wie Die Büchse der Pandora, Die freudlose Gasse, Westfront 1918. Die frühen Stummfilme waren das noch gewesen.“
Die freudlose Gasse wird als weiterer berühmter Film von Pabst aus der Weimarer Republik erwähnt, im Kontext der Vorstellung der historischen Figur, um die Kehlmanns Roman Lichtspiel kreist.
Westfront 1918
Georg Wilhelm Pabst · 1930
Vier Soldaten – Karl, der Bayer, der Student und der Leutnant – verbringen ein paar freie Tage der Erholung hinter der Front. Sie scheinen schon alle Illusionen und jegliche Kriegsbegeisterung verloren zu haben. Zurück im Kampfgeschehen erleben die Vier wieder den Schrecken und die Entbehrungen des Kriegsalltags. Karl erhält schließlich Heimaturlaub, doch zuhause erlebt er nur den Hunger der Zurückgebliebenen und seine untreue Ehefrau.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:11:42 „Da ist er vor allen Dingen berühmt geworden mit Filmen wie Die Büchse der Pandora, Die freudlose Gasse, Westfront 1918. Die frühen Stummfilme waren das noch gewesen.“
Westfront 1918 wird als dritter bekannter Film von Pabst genannt. Die Erwähnung dient dazu, Pabsts pazifistische und linke Haltung als Regisseur zu unterstreichen – was den späteren moralischen Fall, den Kehlmanns Roman beschreibt, umso dramatischer macht.
A Modern Hero
Georg Wilhelm Pabst · 1934
Georg Wilhelm Pabsts Hollywood-Film dokumentiert das Scheitern des amerikanischen Studiosystems der 1930er Jahre. Das Studio zwang dem Regisseur talentlose Hauptdarsteller auf und beschnitt ihm jede künstlerische Freiheit, wodurch ein faszinierendes Lehrstück über Zensur und künstlerische Unterdrückung entstand. Der Film gilt als Schlüsselerlebnis für Pabsts spätere Rückkehr nach Europa und zeigt die destruktive Macht von Finanzkapital über künstlerische Vision.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:13:15 „Er hat dann eigentlich nur einen Film gemacht, im Modern Hero, wieder sind wir bei den Helden. Da muss ich ja jetzt immer einschränkend sagen, so wie Kehlmann die Geschichte schildert, weil wir haben ja keine wirkliche Gegenerzählung.“
Iris Radisch erwähnt den einzigen Film, den Pabst in den USA drehen konnte, als Beleg für sein Scheitern in Hollywood. Kehlmanns Roman beschreibt, wie Pabst dort an der Kommerzialisierung scheiterte und seine künstlerische Eigenständigkeit beim Schnitt nicht ausleben durfte.
Jud Suss
Veit Harlan · 1940
Der einflußreiche Jude Josef Süß Oppenheimer wird am Hofe des Herzogs von Württemberg zum Geheimen Finanzrat ernannt. Durch gefinkelte Transaktionen nimmt er den Herzog immer mehr für sich ein. Seine Agitation bringt das Herzogtum bis an den Rand eines Bürgerkrieges. Es gelingt ihm, den Herzog zu überzeugen, die Verfassung außer Kraft zu setzen und den Bann über die Juden, die Stuttgart nicht betreten dürfen, aufzuheben.
🗣 Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:15:11 „Es sind nicht die schlimmen Propagandafilme wie Jut Süß beispielsweise. Er hat jetzt nicht den Haarland gemacht“
Als Negativ-Beispiel fur schlimme NS-Propagandafilme genannt, im Gegensatz zu Pabsts Filmen.
Paracelsus
Georg Wilhelm Pabst · 1943
Seinen Gegnern ist der legendäre Basler Arzt Paracelsus ein Dorn im Auge. Denn er folgt nicht den Lehren der Fakultäten, er stellt seine ganz persönlichen Theorien von der Heilkunde auf. Er sieht sich als Arzt des Volkes und folgt seinen Grundprinzipien der Heilung, die heute noch Gültigkeit haben. Als es Paracelsus gelingt, den von allen aufgegebenen Buchdrucker Froben zu heilen, ist seine Lehre mit einem Mal in aller Munde.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:16:06 „Die habe ich ja sogar mir angeschaut. Paracelsus beispielsweise, den er gedreht hat. Die sind natürlich zeitgenössische Filme. Es geht um deutsche Figuren, die dann irgendwie vorgeführt werden und erzählt werden.“
Adam Soboczynski erwähnt, dass er sich Pabsts Filme aus der NS-Zeit tatsächlich angeschaut hat, darunter Paracelsus. Er argumentiert, dass diese Filme trotz des Kontexts eine gewisse Eigenwilligkeit bewahrt hätten und keine schlimmen Propagandafilme gewesen seien.
Jud Süß
Veit Harlan · 1940
Der einflußreiche Jude Josef Süß Oppenheimer wird am Hofe des Herzogs von Württemberg zum Geheimen Finanzrat ernannt. Durch gefinkelte Transaktionen nimmt er den Herzog immer mehr für sich ein. Seine Agitation bringt das Herzogtum bis an den Rand eines Bürgerkrieges. Es gelingt ihm, den Herzog zu überzeugen, die Verfassung außer Kraft zu setzen und den Bann über die Juden, die Stuttgart nicht betreten dürfen, aufzuheben.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:16:13 „Aber die haben trotzdem noch eine gewisse Eigenwilligkeit. Es sind nicht die schlimmen Propagandafilme wie Jut Süß beispielsweise. Er hat jetzt nicht den Haarland gemacht, den es auch gegeben hat.“
Jud Süß wird als Negativbeispiel für schlimme NS-Propagandafilme herangezogen, um Pabsts Filme davon abzugrenzen. Adam Soboczynski argumentiert, dass Pabst eben nicht solche extremen Propagandafilme wie Veit Harlan gedreht habe.
Der Fall Molander
Georg Wilhelm Pabst · 1945
Der Fall Molander ist ein unvollendet gebliebener, deutscher Spielfilm aus den Jahren 1944/45 von G. W. Pabst mit Paul Wegener in der Hauptrolle.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:25:01 „Papst eine Grenzüberschreitung macht bei der Herstellung eines Filmes 1945 seinen letzten Film in Berlin. Nazi-Deutschland, der gar nicht mehr übermittelt ist, den kennen wir gar nicht, der Fall Molander heißt es.“
Adam Soboczynski beschreibt den Höhepunkt von Kehlmanns Roman: Pabsts letzter Film von 1945, der nicht überliefert ist und unter abscheulichen Bedingungen gedreht wurde. Gerade weil es keine historische Überlieferung gibt, beginnt hier Kehlmanns künstlerische Freiheit, und die moralische Paradoxie wird auf die Spitze getrieben.
Der rote Himmel
Christian Petzold · 2023
Mirco ist ein ganz normales Kind im Italien der frühen 70er-Jahre. Er spielt gern Blinde Kuh mit seinen Freunden und liebt es, mit seinem Vater ins Kino zu gehen. Doch dann verliert er durch einen tragischen Unfall sein Augenlicht und muss in einem Internat für blinde Kinder weit weg von seinen Eltern zur Schule gehen. Mirco kommt mit der Trennung von seinen Eltern und mit seiner Blindheit nicht zurecht und reagiert mit Wut und Aggression auf seine neue Situation. In Don Giulio findet er jedoch
🗣 Radisch referenziert bei ⏱ 00:34:56 „Und ich weiß nicht, ob du diesen tollen, tollen Film gesehen hast von Christian Petzold, Der rote Himmel.“
Radisch vergleicht Poschmanns Roman mit Petzolds Film, in dem ebenfalls Naturromantik und Waldbrand vorkommen.
Undine
Christian Petzold · 2020
Als ihr Freund Johannes sie verlässt, bricht für Stadthistorikerin Undine eine Welt zusammen. Denn wenn ihre Liebe verraten wird, muss sie den treulosen Mann töten und ins Wasser zurückkehren, aus dem sie einst gekommen ist. Sie wehrt sich gegen diesen Fluch der zerstörten Liebe und begegnet dem Industrietaucher Christoph - diese Liebe will sie nicht verlieren.
🗣 Radisch referenziert bei ⏱ 00:35:46 „Sie spricht zum Beispiel Undine an. Von Bachmann. Das ist ein Motiv, was übrigens auch Petzold verfilmt hat, den Undine-Film.“
Petzolds Undine-Verfilmung als Vergleich zu Poschmanns mythologischen Motiven.
Undine geht
Ingeborg Bachmann · 1961
Bachmanns Erzählung adaptiert die Undine-Mythologie in literarischer Form. Das Werk dient als bedeutsames Vorbild für mythologische Motive in der Literatur und erforscht klassische Mythologie in modernem erzählerischen Kontext.
🗣 Radisch referenziert bei ⏱ 00:35:46 „Sie spricht zum Beispiel Undine an. Von Bachmann.“
Bachmanns Undine-Erzahlung als literarisches Vorbild fur Poschmanns mythologische Motive erwahnt.
Undine geht
Ingeborg Bachmann · 1984
Undine geht ist eine Erzählung der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann und stammt aus ihrem ersten Erzählband Das dreißigste Jahr (1961). Darin stellt „Undine geht“ den abschließenden Text dar. Die als Monolog gestaltete Erzählung stellt eine moderne Auseinandersetzung mit dem seit der Romantik bekannten Undine-Stoff dar. „Undine geht“ gehört zu Ingeborg Bachmanns bekanntesten Erzählungen.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:37:14 „Sie spricht zum Beispiel Undine an. Von Bachmann. Das ist ein Motiv, was übrigens auch Petzold verfilmt hat, den Undine-Film.“
Iris Radisch diskutiert Marion Poschmanns Roman 'Der Chor der Irinien' und dessen Bezüge zu weiblicher Mythologie. Sie nennt Bachmanns 'Undine' als eines der mythologischen Motive, mit denen Poschmann arbeitet, und verweist darauf, dass auch Christian Petzold dieses Motiv verfilmt hat.
Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers
Stefan Zweig
Stefan Zweigs Autobiografie beschreibt sein Aufwachsen im Wien des 19. Jahrhunderts und zeichnet ein anschauliches Bild der damaligen Gesellschaftsnormen. Besonders einprägsam sind die Passagen über die Prüderie der Zeit, etwa dass Frauen das Wort "Hose" nicht aussprechen durften und stattdessen von "Beinkleidern" sprechen mussten. Das Werk zeigt auf humorvolle Weise, wie restriktiv die weibliche Lebensrealität war und gibt historischen Kontext für das später emanzipatorische Motiv der Frauenrechte.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:41:29 „Stefan Zweig, Die Welt von gestern, Erinnerung eines Europäers. Das ist geschrieben worden im Exil 1939 bis 1942. Im brasilianischen Exil geschrieben, unvollständig, weil er sich umgebracht hat, also ein ganz tragisches Buch.“
Stefan Zweigs autobiografisches Werk ist der 'Klassiker des Monats'. Beide Kritiker sind sich einig, dass das Buch erschreckend aktuell ist: Zweigs Beschreibung einer sicheren, liberalen Welt, die plötzlich in Krieg und Barbarei zerfällt, erinnert sie an die heutige geopolitische Lage. Soboczynski hebt die Passage hervor, dass alles Radikale und Gewaltsame für unmöglich gehalten wurde – genau wie vor dem aktuellen Krieg in Europa. Radisch betont Zweigs Beschreibung der 'Gleichgewichtsstörung' im Exil als zeitlose Wahrheit über Flucht.