Faserland
Christian Kracht
Ein junger Mann irrt durch die alte Bundesrepublik. Wir schreiben das Jahr 1995, und die Mauer ist gefallen, das interessiert den jungen Mann aber nicht. Von Nord nach Süd lässt er sich treiben, von Sylt zum Bodensee, dann weiter nach Zürich ans Grab von Thomas Mann. Betrunken ist er häufig, angewidert eigentlich ständig. Von den Menschen, dem Land, der Zeit. Geld hat er viel, Stil auch, nur Halt hat er keinen. Er versteht alles, sagt er, dann entgleitet ihm wieder alles.
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Erwähnungen (6)
„Faserland, ja, würde man sagen, hätte man im Nachhinein, labelt sich aber selbst auch nicht.“
Jana Hensel nennt Faserland als ein weiteres Beispiel für einen Roman, der rückblickend als westdeutsche Erzählung gelten könnte, sich selbst aber nicht explizit als solche versteht – was genau ihr Punkt ist: Das Westdeutsche wird nicht als spezifische Perspektive markiert.
„Wir haben uns für die allererste Folge unseres Gegenwarts-Podcasts einen Roman ausgesucht, über den wir sprechen wollen, weil er für Gegenwärtigkeit steht, wie wahrscheinlich ganz lange kein deutschsprachiger Roman mehr. Viele haben dann gesagt, nicht mehr seit Christian Krachts Faserland oder so.“
Lars Weisbrod vergleicht Leif Randts Allegro Pastell mit Christian Krachts Faserland als letzten deutschsprachigen Roman, der eine vergleichbare Gegenwärtigkeit ausgestrahlt habe. Der Vergleich dient als Maßstab für die kulturelle Bedeutung von Allegro Pastell.
„Der neue Roman von Christian Kracht wurde bereits vom Verlag angekündigt als irgendwie eine Fortsetzung von Faserland.“
Vorgängerroman von Christian Kracht aus dem Jahr 1995, der als Referenzwerk ausführlich besprochen wird
„Deswegen hatte ich meine alte Barbeerjacke mitgenommen. Grün. Aus Faserland. Aus Faserland die Jacke mitgenommen.“
Christian Boros erzählt, wie er und seine Frau zum ersten Mal den Bunker in Berlin besichtigten. Er beschreibt, dass er seine grüne Barbour-Jacke mitnahm – und verweist dabei auf Faserland von Christian Kracht, in dem eine solche Jacke ein ikonisches Motiv ist. Die Erwähnung ist eine kulturelle Anspielung auf den Roman.
„Also, es fängt damit an, dass ich bei Fischgosch in List auf Sylt stehe und ein Jewe aus der Flasche trinke. Ich vermute mal, viele, viele, viele Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich diesen Podcast hier antun, werden auch sofort wissen, dass das der Anfang des Romans Faserland von Christian Kracht ist. Erschienen 1995, berühmterweise beginnt er ganz oben in Deutschland, in List auf Sylt, ganz im Norden von Sylt.“
Christian Krachts Roman wird ausführlich besprochen als literarische Schlüsselreferenz für die Sylt-Metaphorik. Mehrere Passagen werden wörtlich vorgelesen und analysiert – die Deutschlandreise des snobistischen Ich-Erzählers, die Verbindung von Landschaft und NS-Geschichte, sowie das Panorama der reichen-Leute-Szene mit Kokain, Champagner und Wachsjacken.
„Wir waren jetzt in der Geschichte der Pop-Literatur und zumindest in der Geschichte des Pops spielte Hamburg ja mal eine ganz wesentliche Rolle. Ich kam nämlich eben deswegen auf Hubert Fichte, weil ich mir Folgendes überlegt habe.“
Weisbrod skizziert die Geschichte der deutschen Popliteratur und nennt als Anfangspunkt 'Christian K., auf Süd, trinkt Jeva' – eine klare Anspielung auf die Eröffnungsszene von Faserland. Kracht wird mehrfach als Bezugspunkt für Randt diskutiert, als 'Feuilleton-Boy-Hero', dessen neuer Roman ebenfalls in einer früheren Podcast-Folge besprochen wurde.
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