Jana Hensel, warum beschweren sich die Ossis
Christoph Amend, Jochen Wegner & Jana Hensel
Jana Hensel, Autorin des Buchs 'Zonenkinder', spricht über ostdeutsche Identität und warum der Graben zwischen Ost und West bis heute spürbar ist — während Wessis gar nicht wissen, wer Ossi und wer Wessi ist, googeln Ossis es notfalls nach. Hensel zieht eine nüchterne Bilanz: Die ostdeutschen Länder seien wirtschaftlich und strukturell abgehängt, das lasse sich nicht mehr aufholen. Zwischen Nüchternheit und Literatur findet sie aber auch eine Formel fürs Weiterleben.
„Du kannst nur weiterleben, wenn du nach vorne schaust und du wirst nur leben können, wenn du weißt, wo du herkommst.“
Erwähnte Medien (84)
New Kids on the Block
New Kids on the Block
New Kids on the Block – kurz NKOTB oder New Kids genannt – sind eine 1984 gegründete US-amerikanische Popgruppe aus Boston, Massachusetts, die Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre international als Pop-Phänomen gefeiert wurde und zu den höchstbezahlten Entertainern der Welt zählte. Zur damaligen Zeit als Teenieband bezeichnet, gelten sie heute als der Prototyp der erfolgreichen Boygroups und waren Vorbild für nachfolgende Formationen der 1990er Jahre wie Take That, Caught in the Act, Back...
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:04:37 „Sie hat gerade gedeutet auf ein Plattencover von New Kids on the Block. Das sieht schon so historisch aus. Hast du das auch mal gehört?“
Christoph Amend beschreibt die WG-Wohnung, in der der Podcast aufgenommen wird. Jana Hensel entdeckt ein Plattencover von New Kids on the Block an der Wand und kommentiert es als Zeitdokument ihrer Generation.
Zonenkinder
Jana Hensel · 2002
Autobiografisches Werk über die Erfahrungen einer in der DDR aufwachsenen Generation nach der Wiedervereinigung. Erforscht die innere deutsche Einheit und fordert für Ostdeutschland ein neues Selbstbewusstsein statt alter Anerkennungsdebatten.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:04:54 „Bekannt geworden ist sie, als sie 2002 ihr Buch Zonenkinder veröffentlicht hat, das ein ziemlich unglaublicher Bestseller wurde, über ein Jahr lang auf den Bestsellerlisten stand, sich mehrere hunderttausend Mal verkauft hat, in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und damals unter anderem von einer gewissen Angela Merkel rezensiert wurde.“
Christoph Amend stellt Jana Hensel als Gast vor und nennt Zonenkinder als das Buch, das sie 2002 bekannt machte. Es war ein massiver Bestseller, der über ein Jahr auf den Bestsellerlisten stand und sogar von Angela Merkel rezensiert wurde. Das Buch ist der zentrale Ausgangspunkt für Hensels öffentliche Rolle als ostdeutsche Stimme.
Wer wir sind – Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein
Jana Hensel / Wolfgang Engler · 2018
Aktualisierte Neuausgabe des SPIEGEL-Bestsellers. Die Bundestagswahl 2017 ist eine Zäsur: Erstmals zog die AfD in den Bundestag ein. 21 Prozent gaben der rechtsextremistischen Partei damals im Osten ihre Stimme, doppelt so viele wie im Westen. Der Soziologe Wolfgang Engler und die Journalistin Jana Hensel nahmen das als eine der Ersten zum Anlass, um Ursachenforschung zu betreiben.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:05:15 „Seit damals hat sie mehrere Bücher veröffentlicht, die sich immer wieder, nicht nur, aber eben doch regelmäßig mit dem Thema Ost- und Westdeutschland auseinandergesetzt haben. Zuletzt gemeinsam mit Wolfgang Engler das Buch Wer wir sind, die Erfahrung Ostdeutsch zu sein.“
Christoph Amend erwähnt Jana Hensels aktuelles Buch, das sie gemeinsam mit Wolfgang Engler geschrieben hat. Es geht um die ostdeutsche Identität und Erfahrung. Jochen Wegner berichtet später von einer ausverkauften Buchvorstellung im Prenzlauer Berg mit 200-300 Leuten, was die große Resonanz des Themas zeigt.
Ferris macht blau
John Hughes · 1986
An einem Frühlingstag kurz vor seiner Abschlussprüfung geht Ferris Bueller seinem riesigen Bedürfnis nach, die Schule zu schwänzen, um mit seiner Freundin und seinem besten Freund durch die Innenstadt von Chicago zu streifen, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, einen Tag voller Freiheit zu genießen und zu zeigen, dass das Leben mit 17 ein wenig Einfallsreichtum, etwas Mut und mit einem roten Ferrari voller Spaß sein kann!
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:11:44 „Oder Ferris macht blau oder Crockett und Tubbs. Oder der Flug des Navigators ist mein absoluter Favorit.“
Jochen Wegner zählt westdeutsche Popkultur-Devotionalien auf, deren Filmplakate in der WG-Wohnung hängen, in der der Podcast aufgenommen wird. Die Filme dienen als Kontrast zur ostdeutschen Erfahrungswelt von Gast Jana Hensel.
Der Flug des Navigators
Randal Kleiser · 1986
David Freeman ist ein ganz normaler 12-jähriger Junge. Eines Tages erlebt er einen harmlosen Sturz und wird bewusstlos. Als er wieder erwacht, erwartet ihn Merkwürdiges: Fremde Leute wohnen in seinem Elternhaus, und die Polizei macht eine verblüffende Entdeckung: David ist seit acht Jahren als vermisst gemeldet... Plötzlich interessiert sich die NASA für ihn und findet heraus, dass es zwischen David und einem kürzlich gefundenen Raumschiff eine Verbindung geben muss.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:11:44 „Oder Ferris macht blau oder Crockett und Tubbs. Oder der Flug des Navigators ist mein absoluter Favorit.“
Jochen Wegner nennt den Film als seinen persönlichen Favoriten unter den Filmplakaten an der Wand der WG-Wohnung. Die westdeutschen Popkultur-Poster bilden einen beiläufigen Kontrast zur ostdeutschen Prägung, über die im Gespräch mit Jana Hensel gesprochen wird.
Miami Vice
Michael Mann · 1984
Auch in Miami, wo das Wetter niemals schlecht ist, gibt es Verbrechen. Sonny Crockett und Ricardo Tubbs, zwei Polizisten der “Miami Vice”, haben es auf die großen Fische im Drogengeschäft abgesehen. Das erklärt auch, warum sie es sich als einfache Cops leisten können, in schicken Sportwagen herumzufahren und Designeranzügen zu tragen: Sie arbeiten undercover, und das alles gehört zu ihrer Tarnung und wird vom Steuerzahler bezahlt.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:11:44 „Oder Ferris macht blau oder Crockett und Tubbs. Oder der Flug des Navigators ist mein absoluter Favorit.“
Jochen Wegner erwähnt 'Crockett und Tubbs', die Hauptfiguren der TV-Serie Miami Vice, als eines der Filmplakate an der Wand. Die Referenz steht im Kontext westdeutscher Popkultur-Erinnerungen, die in der Aufnahme-Wohnung hängen.
Star Wars
George Lucas · 1977
Seit der Vernichtung der Jedi-Ritter steht die Galaxie unter der grausamen Herrschaft des Imperiums. Nur eine kleine Gruppe von Rebellen, angeführt von der schönen Prinzessin Leia, widersetzt sich der dunklen Macht. Als es ihnen gelingt, die geheimen Baupläne für den gefährlichen Todesstern zu entwenden, gerät das Imperium in Aufruhr. Durch Zufall gelangen die Pläne ausgerechnet in die Hände des Farmerjungen Luke Skywalker, der spürt, dass er sein bisheriges Leben hinter sich lassen muss. Gemein
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:11:47 „Das sind die vielen Filmplakate, die hier an der Wand hängen in unserer kleinen WG-Wohnung. Star Wars.“
Jochen Wegner erwähnt ein Star-Wars-Filmplakat an der Wand der Aufnahme-Wohnung, als weiteres Beispiel für die westdeutsche Popkultur-Dekoration im Raum.
Interviewband mit Angela Merkel
Hugo Müller-Vogg · 2003
Interviewband von Hugo Müller-Vogg mit Angela Merkel, in dem die ehemalige Kanzlerin ausführlich über ihre DDR-Herkunft spricht. Das Gespräch zeigt, dass Merkel bereit war, ihre Ostidentität offen zu reflektieren. Damit wird deutlich, dass eine intensive Befragung ihrer Hintergrund in westdeutschen Medien lange ausblieb.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 00:16:21 „Obwohl man, wenn man frühere Interviewbände zum Beispiel mit dem hochgeschätzten Hugo Müller-Fock liest, dann ist... In diesem Interviewband spricht sie sehr, sehr viel über ihre DDR-Herkunft. Also da gibt sie auch redlich Auskunft und da will sie auch nichts verheimlichen. Es ist nur ganz klar zu sehen in dem Interview, für das Gegenüber ergibt sich damit null Erkenntnisinteresse.“
Jana Hensel verweist auf einen früheren Interviewband von Hugo Müller-Vogg (im Transkript als 'Müller-Fock' verschrieben) mit Angela Merkel, um zu zeigen, dass Merkel durchaus bereit war, über ihre DDR-Herkunft zu sprechen – aber der westdeutsche Interviewer nicht nachfragte. Hensel nutzt dies als Beleg für ihre These, dass Merkels Ostidentität bisher nicht ernst genug befragt wurde.
Mit Rechten reden / Roman aus der Lausitz über ein Brüderpaar
Lukas Rietzschel · 2026
Das große Epos unserer Gegenwart Sanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührenter, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel. Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwar...
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:56 „Ich war gestern in Leipzig, ich habe eine Lesung moderiert von einem Autor, der heißt Lukas Rietzel, das ist der Shootingstar des letzten Herbstes gewesen. Der erzählt aus der Lausitz die Geschichte eines Brüderpaars vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2015.“
Jana Hensel erzählt von einer Lesung in Leipzig, bei der sie das Debüt von Lukas Rietzschel (im Transkript 'Rietzel') moderiert hat – gemeint ist vermutlich 'Mit der Faust in die Welt schlagen'. Der Roman handelt von zwei Brüdern in der Lausitz, die langsam ins rechte Spektrum abrutschen und bei Pegida landen. Hensel nutzt das Buch, um zu erklären, dass die gesellschaftliche Radikalisierung seit 2015 ostdeutsche Geschichten endlich erzählbar gemacht hat.
Offener Brief an Angela Merkel
Jana Hensel
Jana Hensel berichtet von einem Wahlkampfauftritt Angela Merkels in Finsterwalde, bei dem die Kanzlerin von Pöblern niedergebrüllt wurde. Sie schrieb daraufhin einen offenen Brief über das Erlebnis, der viral ging und fast eine Million Leser erreichte. Der Text beschreibt, wie Hensel vor Ort war, aufgewühlt nach Hause fuhr und nachts impulsiv den Brief verfasste.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:28:08 „Du hast mal geschrieben über einen Wahlkampfauftritt von Angela Merkel in finster Walde, wenn ich mich recht entsinne. Und das Ding ist, ich bin ja jetzt Onliner, bei uns sagen wir, das geht jetzt viral. Das heißt, es haben wahnsinnig viele Leute weitergereicht, geteilt, gelesen. Ich nehme an, das ist in Richtung mittlerweile eine Million Leser unterwegs.“
Jochen Wegner spricht Jana Hensel auf ihren offenen Brief an Angela Merkel an, den sie nach einem Wahlkampfauftritt in Finsterwalde für ZEIT Online schrieb. Der Text ging viral und erreichte fast eine Million Leser. Hensel beschreibt ausführlich die Entstehungsgeschichte: Sie war vor Ort, erlebte wie Merkel niedergebrüllt wurde, fuhr aufgewühlt nach Hause und schrieb den Brief nachts — obwohl offene Briefe in der Redaktion als prätentiöse Form galten.
J'accuse
Émile Zola
Émile Zola prangert in „J'accuse...!" die Dreyfus-Affäre an: Der jüdische Offizier Alfred Dreyfus wurde zu Unrecht des Verrats bezichtigt. In einem offenen Brief an Präsident Félix Faure legt Zola systematisch dar, wie hochrangige Militäroffiziere Dreyfus durch Fabrikationen, Antisemitismus und Korruption verurteilten. Zola fordert Rechenschaftspflicht und riskiert Verleumdungsklagen, um die Wahrheit gegen institutionelles Unrecht durchzusetzen.
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:17 „Es gibt ja das historische Vorbild, Jacuzzi und da wenden sich dann alle immer dran und sagen dann, ich möchte auch so ein großer Journalist sein, wie damals.“
Christoph Amend verweist auf Émile Zolas berühmten offenen Brief 'J'accuse' als das historische Vorbild der Gattung, an dem sich Journalisten orientieren, wenn sie selbst offene Briefe schreiben wollen. Die Erwähnung fällt im Kontext der Diskussion über die journalistische Form des offenen Briefes, die Jana Hensel für ihren Merkel-Text gewählt hatte.
Abschiedstext über Angela Merkels Rückzug
Jana Hensel
Die Schriftstellerin Jana Hensel würdigt Angela Merkel in der Zeitung Die Zeit anlässlich deren Ankündigung, nicht erneut als Kanzlerin anzutreten. Der Kritiker Jochen Wegner hinterfragt, ob Hensel Merkel dabei verklärt. Hensel begründet ihre Faszination rational: Merkel als Ostdeutsche und Frau sei ein seltenes Vorbild, durch das sie die fehlende Repräsentation Ostdeutscher thematisieren könne. Der Artikel wirft die grundsätzliche Frage auf, ob Kunstschaffende wieder vermehrt die politische Obrigkeit verherrlichen – ein Phänomen, das lange als überwunden galt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:40:52 „Du hast auch ein sehr, für mich auch sehr lesenswertes, bewegendes Stück geschrieben, als sie angekündigt hat, dass sie nicht nochmal antritt. Und hast geschrieben, aber dennoch Merkels spröder Glanz, ihr so unglamouröser Glamour hat auch auf jene abgefärbt, die ihn stets bestritten haben. Wir alle wurden größer darin.“
Jochen Wegner zitiert aus einem weiteren Text von Jana Hensel über Angela Merkel — diesmal anlässlich der Ankündigung, nicht erneut als Kanzlerin anzutreten. Wegner nutzt das Zitat, um die Frage aufzuwerfen, ob Hensel Merkel nicht verkläre. Hensel verteidigt sich: Ihre Faszination sei rational begründet, weil Merkel als Ostdeutsche und Frau ein seltenes Vorbild darstelle und sie über Merkel die fehlende Repräsentation Ostdeutscher thematisieren könne.
Generation Golf
Florian Illies
Generation Golf von Florian Illies ist ein Kulturessay, das die Generation der 1960er- und 1970er-Geborenen porträtiert. Das Buch charakterisiert diese Altersgruppe als politisch desinteressiert und eher von Alltäglichem, Grau und Konformismus geprägt als von idealistischen Idealen. Illies' Werk wurde zur Leitidee für die Beschreibung einer unpolitischen, konsumorientierten Generationsmentalität und gilt als wichtiges Zeitdokument der deutschen Kulturgeschichte.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 00:52:00 „unter der Bank lasen die Leute Generation Golf und zwar nicht einer, sondern alle. Die Germanisten. Und wenn sie nicht Generation Golf lasen, dann lasen sie Tristesse Royale.“
Hensel erzählt, wie Generation Golf von Florian Illies damals allgegenwärtig war und sie provozierte, weil Ossis das Buch übernahmen, obwohl es nicht ihre Geschichte war. Dies war ein Auslöser für Zonenkinder.
Berliner Seiten
Das F.A.Z. Atrium in Berlin dokumentiert die legendären Berliner Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Diese 1999 eingeführten Seiten unter Florian Illies' Leitung prägten die Berliner Medienszene der späten 1990er Jahre und waren Teil des kulturellen Umfelds, das Generation Golf und Zonenkinder hervorbrachte.
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:53:06 „Hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung, ich versuche jetzt den Erklärtext zu sprechen, einen Lokalteil in Berlin, einen Berliner Föhrtor eingeführt, die berühmten Berliner Seiten.“
Christoph Amend erklärt den jüngeren Zuhörern die legendären Berliner Seiten der FAZ, die 1999 eingeführt wurden und unter Florian Illies' Leitung schnell Kultstatus erreichten. Jana Hensel beschreibt sie als prägend für die Berliner Medienszene der späten 90er und als Teil des kulturellen Umfelds, in dem Generation Golf und ihr eigenes Buch Zonenkinder entstanden.
Tristesse Royale
Sehr geehrtes Konsumvolk, liebe wohlstandsverwahrloste Jugend Deutschlands, dieses Buch ist für euch geschrieben. Ihr, die ihr Bücher übers Internet bestellt, IKEA-Katalog und WOM-Journal zum Blättern mit auf die Toilette nehmt und für einen höheren Überziehungskredit sogar etwas sparen würdet - dieses Buch ist für euch. Die fünf Wortführer der Tristesse Royale, die sich im Fin-de-siècle-Jahr 1999 im schönen Hotel Adlon getroffen haben, halten euch gnadenlos den Spiegel vor.
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:56:17 „Und wenn sie nicht Generation Golf lasen, dann lasen sie Tristesse Royale. Und ich dachte, und ich saß in der Humboldt-Universität und wir waren auf so einem Ostberliner Ground. Und ich dachte, das kann doch nicht wahr sein.“
Jana Hensel beschreibt die Stimmung in ihren Germanistik-Seminaren an der Humboldt-Universität um 2000. Unter der Bank lasen alle entweder Generation Golf oder Tristesse Royale — beides westdeutsch geprägte Bücher. Für Hensel, die auf ostdeutschem Boden saß, verstärkte das den Eindruck, dass die ostdeutsche Perspektive in der Kultur nicht vorkam.
Edith
Edith ist eine Leipziger Literaturzeitschrift, die von Jana Hensel, Jo Lentl und Tom Kraushaar gegründet wurde. Die Publikation besticht durch ihre ansprechende visuelle Gestaltung und hebt sich durch ihre ästhetische Qualität von westdeutschen Literaturzeitschriften ab. Sie dokumentiert die lebendige Kulturszene Leipzigs und deren Bedeutung für die deutschsprachige Literaturlandschaft.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:04:14 „Ja, Edith, Edith. Ich finde sie fantastisch. Ja, ja, die machen das gut, die Jungs und Mädels da in Leipzig.“
Jana Hensel erzählt, dass sie in Leipzig eine Literaturzeitschrift namens Edith herausgegeben hat, zusammen mit Jo Lentl (heute Verleger beim Hanser Verlag) und Tom Kraushaar (heute Verleger bei Klett-Cotta). Christoph Amend schwärmt davon, dass er die Zeitschrift noch liest und sie besser aussehe als westdeutsche Literaturzeitschriften je ausgesehen hätten.
Die Harald Schmidt Show
Harald Schmidt / SAT.1 · 1995
Die Harald-Schmidt-Show war eine deutsche Unterhaltungssendung, die von Harald Schmidt moderiert wurde.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:08:00 „Eine meiner ersten Fernsehauftritte war Harald Schmidt. [...] Harald Schmidt war ein Fernsehmoderator, der in Deutschland die sogenannte Late Night Show eingeführt hat“
Hensel erzählt von ihrem ersten Fernsehauftritt bei Harald Schmidt nach Erscheinen von Zonenkinder. Wegner erklärt jüngeren Hörern, dass Schmidt damals den Status von Angela Merkel hatte.
Tagebuch (Abfall für alle)
Rainald Goetz · 2004
Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft, Note: 1,0, Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft), Veranstaltung: Proseminar, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Biografie 1 des Autors Rainald Maria Goetz ist für die Rezeption seiner Werke von entscheidender Bedeutung. Goetz wurde 1954 in München geboren.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:12:21 „Reinhard Götz schrieb sein Tagebuch für alle. Thomas Meinecke sampelte Zeitungsartikel mit Filmen, Titeln und so. Das machte man damals.“
Jana Hensel ordnet ihren popliterarischen Stil in die literarische Strömung der späten 1990er ein. Sie nennt Rainald Goetz' Internet-Tagebuchprojekt als Beispiel für die damalige Praxis, Alltagsarchivierung als literarisches Verfahren zu nutzen — ein Muster, das sie auf die DDR-Erfahrung übertrug, was manche Feuilletonisten verstörte.
Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch
Francis Fukuyama · 2022
Ist Geschichte eine endlose Wiederholung von Aufstieg und Verfall? In seinem weltberühmten Grundlagenwerk legt Francis Fukuyama dar, warum für ihn die liberale Demokratie den Endpunkt der Geschichte bedeutet. Im Sommer 1989 elektrisierte ein Artikel eines bis dato unbekannten Politikwissenschaftlers in der Zeitschrift The National Interest die Welt. Er führte zu Kontroversen bis in die Leitartikel diverser Zeitungen.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:13:32 „Ich weiß. Fukuyama, Ende der Geschichte.“
Als Christoph Amend aus Zonenkinder die optimistische Passage vorliest, wonach die nächsten zehn Jahre ruhiger werden würden, kommentiert Jana Hensel selbstironisch mit dem Verweis auf Fukuyamas These vom Ende der Geschichte — sie teilte damals den Zeitgeist, dass die großen Konflikte vorbei seien, was sich als Fehleinschätzung herausstellte.
Spiegel-Porträt über Jana Hensel
Der Spiegel porträtiert Jana Hensel und ihr Debüt »Zonenkinder«, in dem die Autorin die Biografie ihrer Generation beschreibt. Das Porträt dokumentiert unter anderem einen gescheiterten Interview-Versuch des damaligen jungen Journalisten Kai Biermann mit Hensel.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:20:21 „Ich habe heute Morgen zwei Telefonate geführt vor dieser Sendung. Es gibt ein Spiegelporträt, eine Spiegelgeschichte über dich, in der erwähnt wird, dass ein gewisser Kai Biermann versucht hat, ein Interview mit dir zu führen und das abgebrochen hat.“
Jochen Wegner erzählt, dass er bei der Vorbereitung auf das Gespräch im Spiegel-Archiv ein Porträt über Jana Hensel gefunden hat, in dem die abgebrochene Interview-Situation mit dem jungen Kai Biermann (heute Investigativjournalist bei Zeit Online) erwähnt wird. Dies dient als Ausgangspunkt für die Diskussion über die ostdeutsche Kritik an Zonenkinder.
Zonenkinder (FAZ-Besprechung)
Peter Richter
Peter Richter rezensiert in der FAZ Jana Hensels Roman "Zonenkinder" sehr kritisch. Seine Besprechung fällt deutlich negativer aus als andere Reaktionen auf das Buch. Richter, selbst aus Dresden stammend, scheint dabei auch persönliche Gründe für seine heftige Kritik zu haben.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:25:09 „Ich weiß nicht, Peter Richter in seiner Besprechung in der FAZ hat, glaube ich, geschäumt.“
Im Gespräch über die heftige Kritik an Zonenkinder erwähnt Jana Hensel eine besonders negative Rezension von Peter Richter in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Richter, selbst aus Dresden stammend, habe in seiner Besprechung regelrecht geschäumt — Jana Hensel deutet dies auch als Neid, da sie als Unbekannte an allen vorbeigestochen sei.
Wir
Tristan Garcia · 2018
»Wir« zu sagen, ein »Wir« zu bilden, ist die politische Handlung par excellence. Wie aber konstituiert sich ein politisches Subjekt? Wie funktioniert diese Identitätsbildung? Und wie hat sie sich historisch in den letzten zwei Jahrhunderten entwickelt? Das sind die Fragen, denen Tristan Garcia in seinem neuen hochaktuellen Buch nachgeht. Eine fulminante Analyse der Identitätspolitik.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:30:45 „Es gibt einen französischen Philosophen, Soziologen, Tristan Garcia, letztes Jahr ein Buch gemacht, das heißt »Wir«. Er beschäftigt sich sozusagen mit dem »Wir« und er sagt ganz interessanterweise, »Wir« ist das politische »Ich«.“
Jana Hensel verteidigt ihre Verwendung des kollektiven 'Wir' in ihren Texten gegen den Vorwurf, sie würde damit für alle Ostdeutschen sprechen. Sie zieht Tristan Garcias philosophisches Werk heran, um zu zeigen, dass das 'Wir' als politisches Ich eine legitime Sprechposition ist und nicht bedeutet, jeden Einzelnen zu meinen.
Blühende Landschaften
Peter Richter · 2005
Die DDR hat Konjunktur wie nie zuvor - wer auf sich hält, schlürft Rotkäppchensekt und Kaffee aus Mitropa-Tassen, das Revival der bejubelten Eisprinzessin Kati Witt als TV-Star ist unaufhaltsam, und Zonengabi ist auch im Westen längst zur Ikone avanciert. Die medienwirksame, lukrative 'Ostalgie'- Welle rollt, doch wie ist es wirklich um das wiedervereinte Deutschland und die Beziehung zwischen Ost und West bestellt? Der Journalist Peter Richter, der in beiden Welten beheimatet ist, nimmt den Les...
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:32:47 „Moritz Basler heißt der, der beschäftigt sich mit Popliteratur, der hat sozusagen damals auch geschrieben, einen Peter Richter konnte dann ich sagen in seinem Buch, weil Jana Hensel wir gesagt hatte.“
Jana Hensel erklärt, wie ihr kollektives 'Wir' in Zonenkinder einen Raum eröffnete, in dem andere ostdeutsche Autoren wie Peter Richter danach individuelle Perspektiven entwickeln konnten. Der Literaturwissenschaftler Moritz Baßler habe diese Dynamik beschrieben.
Geboren am 13. August
Jens Bisky · 2004
Bisky - am 13.8.1966 geboren, jetzt Journalist - erzählt von Kindheit und Jugend in der DDR, von seinen Aktivitäten in FDJ, SED und NVA - und der Ostberliner Schwulenszene. Zeitzeugenbericht und Analyse des DDR-Sozialismus zugleich.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:33:02 „Jens Bisky konnte seine individuelle Autobiografie erzählen, geboren am 13. August, weil vorher jemand wir gesagt hatte. Es hatte jemand den Raum vermessen, innerhalb dem die anderen dann sozusagen ihre eigenen Geschichten erzählen konnten.“
Jana Hensel argumentiert, dass ihr kollektives Erzählen in Zonenkinder erst den Raum schuf, in dem Autoren wie Jens Bisky ihre individuellen ostdeutschen Biografien veröffentlichen konnten. Biskys autobiografisches Werk über das Aufwachsen in der DDR wird als Beispiel für diese Nachfolge genannt.
Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land
Wolfgang Engler · 2019
Endlich wieder lieferbar – das Standardwerk zur Mentalitätsgeschichte der Ostdeutschen. Lebendig und präzise schildert Wolfgang Engler, wie die ostdeutsche Gesellschaft in vierzig Jahren DDR das, was von oben in sie eingepflanzt wurde, verarbeitete und umdeutete. Er ergründet, wie die Menschen ihre Würde im Umgang mit der Macht verteidigten und was sie unter Reichtum, Glück und Freiheit verstanden. „Englers Kunde von einem verlorenen Land ist lesenswert.“ Deutsche Welle.
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:34:22 „Und er hat aber als Soziologe ein ganz wichtiges Buch gemacht, wie ich finde, das heißt die Ostdeutschen, Kunde von einem verlorenen Land und es ist die beste DDR-Geschichte, die ich kenne.“
Jana Hensel stellt Wolfgang Engler vor, mit dem sie auch ein gemeinsames Buch geschrieben hat. Sie empfiehlt sein Werk als die beste DDR-Geschichte, die sie kennt. Jochen Wegner ergänzt, dass Engler darin auch die grundsätzliche Frage stellt, ob man überhaupt von 'den Ostdeutschen' als Gruppe sprechen kann.
Oder
Christian Bangel · 2017
Man kann alles erreichen, wenn man nur will - daran würde Matthias Freier, 20, so gerne glauben. Aber wenn er im Jahr 1998 in seiner Platte sitzt und auf seine Heimatstadt Frankfurt (Oder) blickt, weiß er nicht recht: Ist das der wilde Osten der unbegrenzten Möglichkeiten oder nur eine öde Brache, die fest in der Hand der Angst und Schrecken verbreitenden Nazis ist? Freiers Kumpel Fliege hat sich entschieden, sein und Freiers Schicksal in die Hand zu nehmen.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:37:14 „Christian Bangel ist ein Redakteur bei Zeit Online, der aus dem Ossen kommt, auch gerade kürzlich einen Roman veröffentlicht hat über Frankfurt oder und ihr arbeitet sehr viel zusammen.“
Jochen Wegner erwähnt Christian Bangels Roman über Frankfurt (Oder) im Zusammenhang mit einem Telefonat, in dem Bangel Jana Hensels Perspektive dialektisch einordnet: Sie spreche zwar eigentlich nur für ostdeutsche Bildungsbürger, schaffe aber gerade dadurch eine gemeinsame Erzählung.
Beitrag über Christoph Heins Leben und 'Das Leben der Anderen'
Christoph Hein
Christoph Hein, DDR-Dramatiker, berichtet, wie Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck 2002 sein Leben für den Film "Das Leben der Anderen" recherchierte und ihn später im Vorspann dankte. Hein forderte danach erfolglos die Streichung seines Namens, da der Film sein Leben grundlegend verfälschte und die 1980er-Jahre in der DDR nicht realistisch abbildete: Während der Regisseur von geheimen Abhören und dramatischen Fluchtszenen berichtete, betont Hein, dass der Überwachungsstaat zu dieser Zeit bereits brüchelte und solche Szenarien nicht der Realität entsprachen. Der Regisseur rechtfertigte sich damit, dass ein Melodrama den Gesetzen des Kinos folgen müsse, nicht der historischen Wahrheit, und behauptete später, sich von Wolf Biermanns Biografie inspirieren lassen zu haben – eine Aussage, die Hein für absurd hält. Hein akzeptiert letztlich die Existenz einer „melodramatischen Wahrheit" neben der echten, kritisiert aber die künstlerische Willkür.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:50:29 „Ich habe gerade diesen Beitrag gelesen von Christoph Hain, der in der Süddeutschen beschrieben hat, wie eines Tages sein damaliger guter Freund Ulrich Mühe, der Schauspieler, ihn anruft und sagt, es gibt da einen jungen Filmregisseur, der würde gerne einen Film über dein Leben drehen.“
Christoph Amend bezieht sich auf einen kurz zuvor in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Beitrag von Christoph Hein, in dem dieser schildert, wie sein Leben zur Vorlage für den Film 'Das Leben der Anderen' wurde. Der Artikel thematisiert die Verfälschung von DDR-Geschichte durch das Verschränken unterschiedlicher Epochen.
Keinland. Ein Liebesroman
Jana Hensel, Elisabeth Raether · 2017
»Keinland" ist ein Liebesroman, aber auch ein Roman über Schuld, Erinnerung, Herkunft und Grenzen. Eigentlich hatte Nadja nur ein Interview mit Martin Stern führen wollen, aber von der ersten Sekunde an ist da eine schwer erklärbare Nähe – und eine Fremdheit, die sich auch dann nicht auflöst, als die beiden sich näherkommen. Woher rührt diese Nähe? Und warum ist diese Fremdheit nur so schwer zu überwinden? Nadja sagt ja zu dieser Liebe, an die Martin nicht recht glauben kann.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:57:03 „Ich habe ja mit Elisabeth Reiter ein Buch geschrieben, zusammen mit neudeutschen Mädchen. Elisabeth ist drei Jahre jünger als ich, stammt aus Heidelberg, sie hat genau dieselbe Erfahrung gemacht in genau derselben Zeit.“
Jana Hensel zieht die Parallele zwischen ihrer eigenen Vatergeschichte und der Erfahrung ihrer Co-Autorin Elisabeth Räther aus Westdeutschland. Beide Väter verließen in derselben Zeit die Familie, was Hensel als generationelles, nicht nur ostdeutsches Phänomen rahmt.
Neudeutsche Mädchen
Jana Hensel, Elisabeth Raether · 2017
The last two decades have been transformational, often discordant ones for German feminism, as a new cohort of activists has come of age and challenged many of the movement’s strategic and philosophical orthodoxies. Mad Mädchen offers an incisive analysis of these trans-generational debates, identifying the mother-daughter themes and other tropes that have defined their representation in German literature, film, and media.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 01:57:03 „Ich habe ja mit Elisabeth Reiter ein Buch geschrieben, zusammen mit neudeutschen Mädchen. Elisabeth ist drei Jahre jünger als ich, stammt aus Heidelberg, sie hat genau dieselbe Erfahrung gemacht in genau derselben Zeit.“
Jana Hensel erwähnt ihr gemeinsam mit Elisabeth Reiter verfasstes Buch im Kontext des Gesprächs über zerbrochene Familien und die Erfahrung, dass Väter nach Scheidungen den Kontakt zu ihren Kindern verloren haben. Das Buch verbindet ost- und westdeutsche Perspektiven auf ähnliche biografische Erfahrungen.
Magic Cleaning
Marie Kondo · 2017
Bei diesem Buch handelt es sich um einen Auszug aus dem Weltbestseller Magic Cleaning - Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. Er versammelt die praktischsten und am schnellsten umsetzbaren Tipps. Entdecken Sie die Magie des Aufräumens und befreien Sie sich von unnötigem Ballast, sodass Sie zu einem ausgeglichenen Menschen werden!
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:11:20 „Das Hin und Her aufgeräumter Wohnungen, das Wegwerfen von Dingen, was ein großes Ding ist gerade. Ja, ja, Marie Kondo, klar. Geht das in diese Richtung oder ist es völlig verfremdet?“
Jochen Wegner bringt Marie Kondo und das Aufräum-Phänomen ins Gespräch, als Jana Hensel davon erzählt, wie wenig sie an materiellem Besitz hängt. Er fragt, ob ihre Haltung zum Wegwerfen von Dingen in eine ähnliche Richtung geht wie Kondos Philosophie. Später erwähnt er, selbst einen Text darüber geschrieben zu haben.
Die Vermessung der Welt
Daniel Kehlmann · 2005
The young Austrian writer Daniel Kehlmann conjures a brilliant and gently comic novel from the lives of two geniuses of the Enlightenment. Toward the end of the eighteenth century, two young Germans set out to measure the world. One of them, the Prussian aristocrat Alexander von Hum-boldt, negotiates savanna and jungle, travels down the Orinoco, tastes poisons, climbs the highest mountain known to man, counts head lice, and explores every hole in the ground.
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:15:00 „Jemand wie Daniel Kehlmann ist es auch gelungen, jetzt mit Tüll einen ähnlich großen Erfolg wie damals die Vermessung der Welt.“
Wird als Vergleich zu Kehlmanns neuerem Erfolg Tyll erwähnt.
1913
Florian Illies · 2012
»Ich habe das neue ›1913‹ in einer einzigen Nacht durchgelesen. Es ist phantastisch, so reich, ein großes Geschenk.« Ferdinand von Schirach Sie hätten sich gewünscht, dass das Buch ›1913‹ von Florian Illies noch lange nicht zu Ende ist? Dem Autor ging es genauso. Seit Jahren hat er nach neuen aufregenden Geschichten aus diesem unglaublichen Jahr gesucht – und sie gefunden.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 02:18:42 „Also zum Beispiel, dass besagter Florian Illies mit 1913 sozusagen diesen gigantischen Erfolg wiederholen konnte. Da muss ich sagen, Respekt.“
Jana Hensel spricht über die Schwierigkeit, als Autor einen Bestseller-Erfolg zu wiederholen. Sie nennt Florian Illies als bewundernswertes Beispiel, dem es gelungen ist, nach seinem Debüterfolg mit '1913' erneut einen großen Erfolg zu landen.
Tyll
Daniel Kehlmann · 2017
Till Eulenspiegel wird in den Dreißigjährigen Krieg versetzt. Der Roman erzählt von Betrügereien und Eulenspiegeleien und zeigt, wie Betrug nicht nur vom Täter ausgeht, sondern ein Publikum braucht, das bereit ist, betrogen zu werden.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 02:18:52 „Jemand wie Daniel Kehlmann ist es auch gelungen, jetzt mit Tüll einen ähnlich großen Erfolg wie damals die Vermessung der Welt.“
Im selben Kontext der Bewunderung für Autoren, die ihren Erfolg wiederholen können, nennt Jana Hensel Daniel Kehlmanns 'Tyll' als zweites Beispiel – ein Roman, der an den Riesenerfolg von 'Die Vermessung der Welt' anknüpfen konnte.
Between the World and Me
Ta-Nehisi Coates · 2015
Between the World and Me is a 2015 nonfiction book written by American author Ta-Nehisi Coates and published by Spiegel & Grau. It is written as a letter to the author's teenage son about the feelings, symbolism, and realities associated with being Black in the United States. Coates recapitulates American history and explains to his son the "racist violence that has been woven into American culture." Coates draws from an abridged, autobiographical account of his youth in Baltimore, detailing the...
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:23:38 „Der ja auch einen offenen Brief für seinen Sohn geschrieben hat.“
Christoph Amend verweist auf Ta-Nehisi Coates' berühmtes Buch, das als Brief an seinen Sohn verfasst ist, im Zusammenhang mit der Parallele zwischen Coates' Perspektive als schwarzer Autor in den USA und Jana Hensels Perspektive als ostdeutsche Autorin. Das Werk wird nicht namentlich genannt, aber eindeutig referenziert.
My President Was Black
Ta-Nehisi Coates
Ta-Nehisi Coates' Titelgeschichte analysiert die historische Bedeutung der ersten afrikanisch-amerikanischen Präsidentschaft unter Barack Obama. Der Artikel beleuchtet nicht nur Obamas Zeit im Weißen Haus, sondern auch die gesellschaftlichen Transformationen und das Vermächtnis dieser Ära. Coates verbindet persönliche Reflexion mit historischer Analyse einer epochalen Verschiebung in der amerikanischen Geschichte.
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:24:10 „Also es war für mich als Leser heartbreaking, seine Titelgeschichte im Atlantic, My President Was Black. Und wenn ich sozusagen schreibe, mein Deutschlandgefühl ist ein Angela Merkel-Gefühl, dann kopiere ich das.“
Jana Hensel beschreibt Ta-Nehisi Coates als eines ihrer wichtigsten Vorbilder. Seine Titelgeschichte im Atlantic über Barack Obama hat sie so tief berührt, dass sie die Methode – die eigene Biografie an einer politischen Figur zu spiegeln – für ihre eigene Arbeit über Angela Merkel und Ostdeutschland übernommen hat.
Mit K
Kraftklub · 2012
Kraftklub ist eine fünfköpfige Rap-Rock-Band aus Chemnitz. Die Musik wird meist als eine Mischung aus Indie, Punkrock und Rap bezeichnet.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 02:25:00 „Die brachte ihr erstes Album mit K zum selben Zeitpunkt, kurz nachdem die NSU entdeckt wurde, raus. Und ich schrieb dann damals eine Titelgeschichte über diese unglaubliche Platte, die von 0 auf 1 in den Charts ging.“
Hensel erzählt, wie sie über Kraftklubs Debütalbum eine Titelgeschichte schrieb und die Band aus Chemnitz als erfolgreichste ihrer Generation bezeichnet.
Back to the Future
Robert Zemeckis · 1985
Der Teenager Marty McFly wird mit der Zeitmaschine seines Freundes, dem skurrilen Wissenschaftler Dr. Emmett Brown, versehentlich ins Jahr 1955 geschleudert. Dort verhindert er zunächst unabsichtlich, dass sich seine zukünftigen Eltern kennen lernen und in einander verlieben, womit er seine eigene Zeugung gefährdet. Zu allem Überfluss verguckt sich seine Mutter auch noch in ihn. Ihm bleibt nun eine Woche Zeit, seinen tollpatschigen Vater mit seiner Mutter zu verkuppeln und gemeinsam mit Docs dre
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:27:21 „Ich habe eine Tasse mitgebracht von dem Film Zurück in die Zukunft, Back to the Future mit Michael J. Fox.“
In einer lockeren Zwischenszene bringt Christoph Amend verschiedene Tassen zur Auswahl mit. Eine davon ist eine Tasse mit dem Motiv des Films 'Zurück in die Zukunft'. Es ist eine beiläufige Erwähnung ohne inhaltliche Tiefe.
Never Mind the Bollocks, Here's the Sex Pistols
Sex Pistols
Sex Pistols ist eine der bekanntesten englischen Punkrock-Bands der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Die Mitglieder sind John „Johnny Rotten“ Lydon, Steve Jones, Paul Cook und Glen Matlock, den in den Jahren 1977 und 1978 Sid Vicious (John Ritchie) ersetzte. Weitere wichtige Personen im Umfeld der Sex Pistols waren deren Manager Malcolm McLaren, der für sich in Anspruch nahm, die Band geschaffen und berühmt gemacht zu haben, die Modedesignerin Vivienne Westwood, der Regisseur Julien Temple, der ...
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:27:37 „Und ich habe eine Tasse mitgebracht, Never Mind the Bollocks, Here's the Sex Pistols.“
Bei der Tassenauswahl bringt Christoph Amend auch eine Tasse mit dem Motiv des ikonischen Sex-Pistols-Albums mit. Jana Hensel wählt genau diese Tasse – eine beiläufige, aber charmante Erwähnung des Punk-Klassikers.
Loser
Beck
Einflussreicher Alternative-Rock-Song mit Hip-Hop-Anklängen und selbstironischem Humor. Prägt durch eingängige Melodien, rhythmisches Groove und introspektive, melancholisch-witzige Texte. Definierte die Popkultur der 1990er Jahre.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:28:41 „Die sagen, ich bin aus Karl-Marx-Stadt, bin ein Verlierer, Baby. Why don't you kill me? Beck. Die deutsche Version von Beck und Loser.“
Christoph Amend zieht eine Parallele zwischen dem Kraftklub-Song über Karl-Marx-Stadt und Becks Hit 'Loser'. Jana Hensel hatte gerade den Songtext zitiert, woraufhin Amend die musikalische Referenz herstellt.
Bad Banks
Christian Schwochow · 2018
Die Serie handelt von der jungen Investmentbankerin Jana Liekam, die nach ihrer Entlassung von der Bank Crédit International Financial Group (CIFG) in Luxemburg zu der großen deutschen Investmentbank Deutschen Global Invest nach Frankfurt am Main wechselt und sich dabei immer tiefer in persönliche Abhängigkeiten und kriminelle Machenschaften begibt.
🗣 Christoph Amend empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:54:08 „Der Filmregisseur Christian Schwocho, auch in Ostdeutschland aufgewachsen, zuletzt sehr erfolgreich mit der wirklich fantastischen Fernsehserie Bad Banks über das Bankenmilieu in Frankfurt und Luxemburg, hat ja einen Film über die NSU-Terroristen gemacht.“
Christoph Amend erwähnt die Fernsehserie Bad Banks als Referenz für den Regisseur Christian Schwochow, bevor er auf dessen NSU-Film zu sprechen kommt. Er bezeichnet die Serie als 'wirklich fantastisch' und ordnet Schwochow als ostdeutschen Filmemacher ein.
NSU-Film
Christian Schwochow · 2016
Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe werden Anfang der 90er Jahre in der rechten Szene immer weiter radikalisiert. Eines Tages gehen sie in den Untergrund und starten eine Mordserie, sind dabei umgeben von „Nazi-Kameraden", die inzwischen als Spitzel für den Verfassungsschutz arbeiten. Ihre Aktionen sind sowohl der Polizei wie dem Verfassungsschutz bekannt, dennoch werden sie nicht festgenommen...
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:54:08 „Der Filmregisseur Christian Schwocho, auch in Ostdeutschland aufgewachsen, zuletzt sehr erfolgreich mit der wirklich fantastischen Fernsehserie Bad Banks über das Bankenmilieu in Frankfurt und Luxemburg, hat ja einen Film über die NSU-Terroristen gemacht. Und der hat mal gesagt, die ja alle Ossis waren oder sind, ihm war es wichtig, die so zu zeigen, als seien es Klassenkameraden von ihm gewesen.“
Christoph Amend spricht über Christian Schwochows Film über die NSU-Terroristen. Er zitiert Schwochows Aussage, er habe die Täter so zeigen wollen, als seien es seine Klassenkameraden gewesen – eine Perspektive, die Jana Hensel sofort nachvollziehen kann, weil sie das Gefühl teilt, die eigene Generation hätte auch so werden können.
Roman über zwei rechtsradikale Jugendliche
Lukas Rietzschel · 2026
Das große Epos unserer Gegenwart Sanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührenter, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel. Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwar...
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 02:56:23 „Lukas Rietzel gestern Abend, der diesen Roman über diese beiden Jungs schreibt, die rechts geworden sind, auf die Frage, was er eigentlich erzählen will, mein Bruder hat mich, als wir die ersten Pegida-Aufmärsche gesehen haben, gefragt, und warum sind wir nicht so geworden? Und ich konnte ihm die Frage nicht beantworten.“
Jana Hensel berichtet von einer Begegnung mit dem Autor Lukas Rietzschel am Vorabend. Sein Roman handelt von zwei Jugendlichen, die rechtsradikal werden. Die zentrale Frage des Buchs – 'Warum sind wir nicht so geworden?' – verbindet Hensel mit der kollektiven ostdeutschen Erfahrung. Gemeint ist vermutlich 'Mit der Faust in die Welt schlagen'.
Romane über Dresden
Peter Richter · 2016
Eine Liebeserklärung an die im Moment unbeliebteste Stadt Deutschlands Wie weit muss man weg gehen, um von seiner Herkunft nicht noch da eingeholt zu werden, wo man es am wenigsten vermutet? Wäre das heikle Wort Heimat der angemessenere Begriff? Oder wie soll man das nennen, wenn man sich ständig für eine Stadt rechtfertigen muss, in der man schon seit einem Vierteljahrhundert gar nicht mehr wohnt? Peter Richter arbeitet als Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in New York und wirft in s...
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:57:11 „Christian Bangel schreibt über Frankfurt Oder, ich schreibe über Leipzig, Peter Richter schreibt Romane über Dresden. Wir sind diesen Orten alle sehr verbunden, weil wir wissen, sie wären heute andere, wenn wir alle geblieben wären.“
Jana Hensel zählt ostdeutsche Autoren auf, die über ihre Herkunftsorte schreiben, und nennt Peter Richters Romane über Dresden. Sie verbindet das Schreiben über diese Orte mit einem kollektiven Schuldgefühl der Weggegangenen.
Fotografie (Zwei Männer hinter Bauzaun, 1930er Jahre)
Henri Cartier-Bresson
Ikonische Schwarz-Weiß-Fotografie von Henri Cartier-Bresson aus den 1930er Jahren, die zwei Männer zeigt, die durch einen Bauzaun blicken. Das Bild gilt als Paradebeispiel für Cartier-Bressons Konzept des entscheidenden Augenblicks und fängt einen Moment alltäglicher Neugier mit künstlerischer Tiefe ein. Die Komposition und die Spannung zwischen Sichtbar- und Unsichtbarem machen dieses Werk zu einem Klassiker der modernen Fotografie.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:01:55 „Das magischste Bild, was ich kenne. Das eine ist von Henri Cartier-Bresson. Zwei Männer, die in den 30er Jahren durch einen Bauzaun gucken.“
Jochen Wegner zeigt Jana Hensel ein Foto von Ben de Biel und erwähnt dabei, welche Bilder ihn am meisten faszinieren. Er nennt eine Fotografie von Henri Cartier-Bresson als eines der zwei magischsten Bilder, die er kennt.
Fotografie aus Friedrichshain 1990
Ben de Biel
Fotografische Dokumentation einer Berliner Straßenszene aus Friedrichshain vom Jahr 1990. Die Aufnahme von Ben de Biel zeigt das kosmopolitische und anarchische Leben im Osten Berlins während der Wendezeit mit charakteristischen Motiven wie Kaftanen, Ruinen und spielenden Kindern. Das Bild dient als visueller Einstiegspunkt für eine historische und kulturelle Analyse der einzigartigen Atmosphäre des damaligen Ostens.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:02:01 „Kennst du das? Ich zeige jetzt ein Bild, ein Foto von 1990 aus Friedrichshain, gemacht von einem Fotografen, der heißt Ben de Biel. Und es ist in einer Straße in Friedrichshain aufgenommen und es sieht aus wie in Tanger.“
Jochen Wegner zeigt eine Straßenszene aus dem Berlin der Wendezeit und beschreibt ausführlich, wie kosmopolitisch und wild die Szenerie wirkt – mit Kaftanen, Ruinen und nackten Kindern auf der Straße. Das Foto dient als Ausgangspunkt für ein Gespräch über die Atmosphäre des Ostens.
Feminismus-Artikel in der Zeit (Leben-Ressort)
Jana Hensel
Jana Hensels Artikel aus dem Jahr 2004 analysierte Frauenzeitschriften und löste eine massive Leserreaktion aus. Zahlreiche Frauen kritisierten die oberflächliche Darstellung von Feminismus und forderten eine tiefergehende gesellschaftliche Debatte. Der Text markiert den Anfang von Hensels intensiver Beschäftigung mit feministischen Themen.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 03:09:02 „Dann habe ich diese Frauenzeitschriften gelesen und dann habe ich das aufgeschrieben und dann erschien dieser Text, Christoph, und ich bekam, damals bekam man das noch, da wirklich Wäsche, Körber, Weiße, Post.“
Jana Hensel erzählt, wie sie um 2004 von der Zeit-Redakteurin Susanne Gaschke den Auftrag bekam, vier Wochen lang Frauenzeitschriften zu lesen und darüber zu schreiben. Der daraus entstandene Text löste eine massive Leserreaktion aus – körbeweise Post von Frauen, die forderten, wieder über Feminismus zu reden. Dies war Hensels Einstieg ins Thema.
Gespräch zwischen Alice Schwarzer und Verona Feldbusch bei Johannes B. Kerner
Der legendäre TV-Auftritt zwischen Alice Schwarzer und Verona Feldbusch bei Johannes B. Kerner in den frühen 2000ern wird als Sinnbild für den Zustand des Feminismus dieser Zeit betrachtet. Die breite gesellschaftliche Sympathie lag damals bei Feldbusch, während sich wenig Interesse für feministische Themen zeigte – eine Atmosphäre, in der junge Männer Frauen fragten, was sie denn noch wollten.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 03:10:37 „Und dann gab es dieses Gespräch mit Verona Feldbusch. Und alle, alle waren auf der Seite von Verena Feldbusch.“
Jana Hensel erinnert an den legendären TV-Auftritt von Alice Schwarzer und Verona Feldbusch bei Johannes B. Kerner als Sinnbild für den Zustand des Feminismus in den frühen 2000ern. Alle sympathisierten mit Feldbusch, niemand interessierte sich für Feminismus – eine Atmosphäre, in der junge Männer Frauen fragten, was sie denn noch wollten.
Artikel über Kraftklub
Jana Hensel
Jan Kummer und Beate Düber sind die Eltern berühmter Chemnitzer Kinder. Sie sind aber auch: Aufrechte aus der Mitte, die bei Wind und Wetter gegen Pegida demonstrieren.
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:16:35 „Ich habe zum Beispiel über Kraftklub geschrieben, ich habe auch über andere Sachen geschrieben, aber ich habe über die Sachen weiter geschrieben.“
Jana Hensel erwähnt ihren Artikel über die Band Kraftklub als Beispiel für Texte, die sie während ihrer Zeit beim Freitag schrieb – einer Phase, in der sich kaum jemand für ihre Arbeit interessierte, bevor das Ost-Thema wieder Konjunktur bekam.
Porträt über Ta-Nehisi Coates
Rasse und Rassismus sind das Lebensthema des afroamerikanischen Journalisten Ta-Nehisi Coates. In seiner Essaysammlung "We were eight years in power" vertritt er die These, die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten sei die Rache des weißen Amerika für die Ära Obama.
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:18:16 „Während man sich beispielsweise mit einem amerikanischen Essayisten trifft und ein langes Porträt über Tanehichi Coates schreibt, der sich mit Barack Obama befasst.“
Jana Hensel nutzt das Beispiel eines Porträts über Ta-Nehisi Coates, um zu illustrieren, wie westdeutsche Journalisten sich lieber mit fernen Themen wie amerikanischer Identitätspolitik beschäftigen, als die Ost-Erfahrung vor der eigenen Haustür als relevanten Erfahrungsraum anzuerkennen.
Porträt über Jens Bisky
Christoph Amend
Porträt des ostdeutschen Schriftstellers Jens Bisky, das untersucht, wie ostdeutsche Eliten funktionierten. Der Text reflektiert über die Rolle westdeutscher Intellektueller bei der Auseinandersetzung mit der ostdeutschen Gesellschaft jenseits klassischer Stasi-Täter-Opfer-Dichotomien.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:18:45 „Ich habe einen ostdeutschen Schriftsteller, den du vorhin schon erwähnt hast, Jens Bisky. Stimmt, du hast die Biskis gemischt. Aus dem Grunde 2004 porträtiert, weil es mich interessiert hat. Weil ich da das Gefühl hatte, ich will mal verstehen, wie ostdeutsche Eliten funktioniert haben.“
Christoph Amend erwähnt sein eigenes Porträt über den ostdeutschen Schriftsteller Jens Bisky aus dem Jahr 2004 als Gegenbeispiel zu Jana Hensels These, kein westdeutscher Intellektueller habe brauchbare Sätze zum Osten formuliert. Er wollte damals verstehen, wie ostdeutsche Eliten jenseits der Stasi-Täter/Opfer-Dichotomie funktionierten.
Wir brauchen euch / Brief an die Westdeutschen
Jana Hensel
Jana Hensel reflektiert in einem emotionalen Brief an Westdeutsche ihre Erfahrungen als Ostdeutsche zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Sie untersucht, warum Westdeutsche dieses Ereignis nicht als Teil ihrer eigenen Biographie wahrnehmen, und zieht dabei Parallelen zu migrantischen Identitäten, die in Deutschland ähnlich marginalisiert werden. Der Text entstand aus einer gescheiterten Recherche und offenbart die tiefen Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen Ost und West.
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:22:06 „Dann habe ich in dieser Nacht diesen Brief an die Westdeutschen geschrieben, wo ich diese Recherche nicht thematisiere, aber letztlich ist sie der Gegenstand davon.“
Jana Hensel erzählt ausführlich die Entstehungsgeschichte ihres Textes zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in der Zeit. Sie wollte ursprünglich recherchieren, warum Westdeutsche den Mauerfall nicht als Datum ihrer eigenen Biografie begreifen – fand aber keine brauchbaren Antworten und schrieb stattdessen in einer Nacht diesen emotionalen Brief, aus dem Christoph Amend den Satz 'Wir brauchen euch' / 'Ihr braucht uns nicht' zitiert.
Interview mit Naika Foroutan in der taz
Naika Foroutan
Naika Foroutan, Professorin für Integrationsforschung an der Humboldt-Universität Berlin und seit 2017 Leiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), setzt sich in ihrem Vortrag „Alles Osten, oder was?" mit ostmigrantischen Analogien auseinander. Die 1971 geborene Migrationsforscherin behandelt dabei Fragen der Integration und Gesellschaftspolitik. Sie diskutiert auf der taz lab 2024 in einer Panel-Veranstaltung „Was nun, Zivilgesellschaft?" gemeinsam mit David Begrich und René Wilke über die Rolle der Zivilgesellschaft in aktuellen gesellschaftlichen Debatten.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 03:23:06 „Es gab ein Interview mit Naika Furutan in der Taz, also die glaube ich inzwischen anerkannteste Integrationsforscherin dieses Landes, die ein Interview gegeben hat und die gesagt hat, ja es gibt Parallelen.“
Jana Hensel verweist auf ein taz-Interview mit der Integrationsforscherin Naika Foroutan, die Parallelen zwischen der ostdeutschen Erfahrung und der Migrationserfahrung feststellte. Hensel griff diese These auf und löste damit eine breite Debatte mit Pro- und Kontrapositionen aus beiden Perspektiven aus.
Artikel von Ferda Ataman zur Ost-Migrations-These
Ferda Ataman
Ferda Ataman, Bundesantidiskriminierungsbeauftragte, bereist den Osten Deutschlands und dokumentiert ein verändertes gesellschaftliches Klima: Rassismus und Diskriminierung sind salonfähiger und offener geworden. Die hohen Umfragewerte der AfD für die Herbst-Landtagswahlen korrelieren mit vermehrten Übergriffen im Alltag und Arbeitsleben. Migranten berichten von fehlender Sicherheit, und Beratungsstellen rechnen mit steigenden Fallzahlen rassistisch motivierter Gewalt. Der Text illustriert, wie politische Verschiebungen gesellschaftliche Grenzen verändern und marginalisierte Gruppen unmittelbar treffen.
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:23:29 „Und nicht nur Naikas Interview, auch mein Text und Ferda Ataman's Text haben doch, würde ich sagen, veritable Debatte ausgelöst, die mich wahnsinnig gefreut hat, in der es wie in jeder guten Debatte Pro- und Kontrapositionen gegeben hat.“
Jana Hensel nennt Ferda Atamans Text als Teil einer Debatte über die Parallelen zwischen ostdeutscher und migrantischer Erfahrung. Zusammen mit Hensels eigenem Text und Naika Foroutans Interview bildeten diese drei Beiträge den Kern einer emotionalen Diskussion mit Kontrapositionen aus beiden Perspektiven.
Stella
Takis Würger · 2019
Es ist 1942. Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten Kuss. Bei ihr kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft Kristin an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht: "Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt." Sie heißt Stella und ist Jüdin.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:24:57 „Ist dir Takis Würgers Roman zufällig untergekommen? Über den alle streiten. Beziehungsweise über den alle einer Meinung sind, dass er ganz fürchterlich ist. Ein kleiner Aspekt in dieser Debatte, den fand ich interessant. Takis Würger ist ein eigentlich Journalist beim Spiegel, der seinen zweiten Roman geschrieben hat. Stella. Und der erzählt die Geschichte einer Jüdin, die aber selbst sozusagen Verraten.“
Jochen Wegner bringt den umstrittenen Roman 'Stella' von Takis Würger ins Gespräch, der die Geschichte einer jüdischen Verräterin erzählt. Er verbindet die Debatte mit Jana Hensels These, dass Westdeutsche sich fremde Geschichten borgen, weil sie keine eigene Bruch-Biografie haben – und genau das bei Würger schiefgegangen sei.
Biografie
Maxim Biller
Maxim Biller hat den jüdischsten, amerikanischsten, komischsten Roman der deutschen Gegenwart geschrieben Dies ist die verrückte Geschichte von Soli und Noah, beste Freunde und fast Brüder seit ihrer Bar-Mizwa in der Hamburger Synagoge im Jahr 1976, verbunden durch ihre Herkunft, ihren Humor und ihre bizarren sexuellen Fantasien – und gemeinsam verstrickt in eine groteske Erpressungs- und Entführungsstory globalen Ausmaßes.
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:28:58 „Sein Roman Biografie, der sehr verrissen wurde, aber den ich für einen ganz großartigen Roman halte, der ist knapp tausend Seiten lang und der Bärs, der könnte auch doppelt so lang sein.“
Jana Hensel spricht über Autoren mit gebrochenen Biografien, die aus ihrem eigenen Leben schöpfen. Sie nennt Maxim Biller als Beispiel für einen jüdischen Autor, der unerschöpflich in sein eigenes Leben blickt, und verteidigt seinen Roman gegen die Verrisse als großartiges Werk.
Hochhäuser
Alexander Schimmelbusch · 2020
Die Königsallee, kurz Kö genannt, ist ein in nordsüdlicher Richtung verlaufender Boulevard im Stadtzentrum von Düsseldorf. Die Kö ist eine der führenden Luxuseinkaufsstraßen Europas. Charakteristisch für ihre Gestaltung sind der Stadtgraben (auch Kö-Graben genannt) und der eindrucksvolle Baumbestand. Mit fast durchgehend 87 Metern ist sie, von Haus- zu Hausfassade gemessen, die breiteste Straße Deutschlands.
🗣 Christoph Amend empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:33:51 „Der einen Roman geschrieben hat, aus seiner Erfahrung, der hat in London eine Zeit lang als Banker gearbeitet, ist zurückgezogen in die hessische Heimat, in der er aufgewachsen ist, Frankfurt, Kronberg.“
Christoph Amend nennt Alexander Schimmelbusch als Beispiel für einen westdeutschen Autor, der emotional nah an seiner eigenen Erfahrung erzählt und damit zeigt, dass auch nicht-migrantische westdeutsche Biografien spannende literarische Stoffe bieten können.
Der Club
Takis Würger · 2017
Eine raffinierte Kombination aus berührender Liebesgeschichte, Entwicklungsroman und spannungsreicher Ermittlung eines Verbrechens in einem hermetisch geschlossenen Kreis.
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:39:08 „Und ich mochte Tageswürges ersten Roman sehr, Der Club. Ich fand das einen sehr guten Roman. Ich bin da sozusagen arglos.“
Jana Hensel stellt klar, dass sie Takis Würgers Debütroman durchaus schätzte. Der Kontrast zu ihrer Kritik an seinem Holocaust-Roman Stella macht deutlich, dass es ihr nicht um den Autor generell geht, sondern um die Frage, wer welche Stoffe erzählen kann.
Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen
Hannah Arendt
Hannah Arendts klassisches Werk untersucht den Nazi-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann und prägt dabei das Konzept der "Banalität des Bösen" – die Idee, dass Grausamkeit nicht aus Böswilligkeit, sondern aus pflichtbewusster Bürokratie entsteht. Das Buch zeigt, wie Eichmann als Verwaltungsbeamter funktionierte und das moralische Grauen seiner Handlungen verdrängte. Arendts Analyse ist fundamental für das Verständnis von Enthumanisierung und institutionalisierter Verbrechen im 20. Jahrhundert.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 03:39:54 „Ist zum ersten Mal aufgekommen, als Hannah Arendt in der Betracht, als sie über den Eichmann-Prozess berichtete in Jerusalem in den 60er Jahren. Und in diesen Protokollen von dem Gerichtsprozess die Rolle der Judenräte thematisierte.“
Jana Hensel ordnet die Debatte um jüdischen Verrat historisch ein und verweist auf Hannah Arendts Bericht über den Eichmann-Prozess als ersten großen Moment, in dem die Rolle der Judenräte öffentlich thematisiert wurde — wofür Arendt massiv kritisiert wurde.
Der Vorleser
Bernhard Schlink · 1995
Der Lauschangriff aufs Abitur-Wissen: Bernhard Schlink verstehen - einfach übers Ohr! Unterwegs oder zu Hause auf dem Sofa: Praktischer kann die Prüfungsvorbereitung kaum sein. Abwechslung beim Zuhören: Hör dem Gespräch zu und Du weisst schnell alles, was Du fürs Abitur brauchst. Mögliche Abiturfragen mit Lösungsansätzen für die gezielte Prüfungsvorbereitung. Zum Nachlesen: Im Booklet findest Du nochmals alle wichtigen Informationen zu Autor, Werk und Epoche.
🗣 Wegner referenziert bei ⏱ 03:45:00 „habe ich mir Bernhard Schlink aufgeschrieben, den ich ziemlich gut finde, die Vorleserin, schreibt auch tolle Krimis und es gibt schon Bücher.“
Wegner nennt Bernhard Schlinks Der Vorleser als Gegenbeispiel in der Debatte, ob nachgeborene Deutsche über die Shoah schreiben können.
Kein Land
Jana Hensel · 2017
»Keinland" ist ein Liebesroman, aber auch ein Roman über Schuld, Erinnerung, Herkunft und Grenzen. Eigentlich hatte Nadja nur ein Interview mit Martin Stern führen wollen, aber von der ersten Sekunde an ist da eine schwer erklärbare Nähe – und eine Fremdheit, die sich auch dann nicht auflöst, als die beiden sich näherkommen. Woher rührt diese Nähe? Und warum ist diese Fremdheit nur so schwer zu überwinden? Nadja sagt ja zu dieser Liebe, an die Martin nicht recht glauben kann.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:46:59 „Als ich über Würger nachgedacht habe, als ich über dich nachgedacht habe, über Kein Land, also dieses Buch.“
Jochen Wegner erwähnt Jana Hensels Roman über eine deutsch-jüdische Liebesgeschichte im Zusammenhang mit der Frage, ob nachgeborene Deutsche Literatur über die Shoah verfassen können. Das Buch wurde von 25 Verlagen abgelehnt und erschien schließlich beim Wallstein Verlag.
Das Treibhaus
Wolfgang Koeppen · 1953
Roman über Deutschlands Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und dem Holocaust in der Nachkriegszeit. Koeppens Werk gehört zu den frühen literarischen Zeugnissen dieser traumatischen Periode und ihrer kritischen Verarbeitung.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 03:53:00 „Also wenn du Romane liest, dann Treibhaus von Köppen, Jonsson die Jahrestage, Bachmann, das zieht sich durch so viele Texte.“
Hensel nennt Koeppens Treibhaus als eines der literarischen Werke, die sich früh mit der deutschen Nachkriegsgeschichte und dem Holocaust auseinandergesetzt haben.
Ankunft im Alltag
Brigitte Reimann · 1961
Vom Idealismus der Jugend – und dem Erwachen. Drei Freunde wollen vor dem Studium für ein Jahr in einem Industriebetrieb arbeiten. Auf die Schwierigkeiten dort reagiert jeder von ihnen anders: Nikolaus handelt zielstrebig, Recha ist begeisterungsfähig und streitbar, Curt entpuppt sich als Zyniker. Als sich beide jungen Männer in Recha verlieben, muss die sich entscheiden ... Der legendäre DDR-Roman, der die »Ankunftsliteratur« begründete.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 03:53:00 „Brigitte Reimann, Ankunft im Alltag, ist ein ganz wichtiger Text für die DDR 60er Jahre. Da beginnen DDR-Autoren subjektiv zu erzählen.“
Hensel erwähnt Reimanns Roman als wichtiges DDR-Werk, das eine jüdische Figur enthält, deren Eltern im Holocaust umkamen – als frühes Beispiel für die literarische Auseinandersetzung in der DDR.
Holocaust (TV-Serie)
Marvin J. Chomsky / NBC · 1978
Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss ist eine vierteilige US-amerikanische TV-Mini-Serie aus dem Jahr 1978 von Marvin J. Chomsky. Sie erzählt die fiktive Geschichte der jüdischen Berliner Arztfamilie Weiss zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Serie wurde im Januar 1979 auch in der Bundesrepublik Deutschland ausgestrahlt, erreichte ein großes Publikum und führte zu einer breiten Diskussion über die nationalsozialistische Vergangenheit.
🗣 Amend referenziert bei ⏱ 03:53:00 „als sich die Ausstrahlung der Holocaust-Serie zum 40. Mal geehrt hat [...] dass 1979, also 34 Jahre nach Ende des Krieges, in Deutschland zum ersten Mal in der breiteren Öffentlichkeit über den Holocaust gesprochen wurde.“
Amend erinnert an die Ausstrahlung der US-Serie Holocaust 1979, die erstmals eine breite öffentliche Debatte in Deutschland auslöste – 34 Jahre nach Kriegsende.
Holocaust
Marvin J. Chomsky · 1978
Berlin, Deutschland, 1935. An dem Tag, an dem Karl Weiss, ein jüdischer Maler, und Inga Helms, eine Christin, heiraten, geraten beide und die gesamte Familie Weiss in den Strudel des Nazi-Regimes, in die Stürme des Zweiten Weltkriegs und in die Schrecken der verbrecherischen Endlösung, des Holocaust, der Shoah; während Erik Dorf, ein ehrgeiziger Anwalt, seinen Sturz in die Hölle durch die Hände des finsteren Reinhard Heydrich unternimmt.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:53:35 „Ich fand es so verrückt vor kurzem, als sich die Ausstrahlung der Holocaust-Serie zum 40-jährigen Mal gejährt hat. Und einem dann auch noch mal klar wird, dass 1979, also 34 Jahre nach Ende des Krieges, in Deutschland zum ersten Mal in der breiteren Öffentlichkeit über den Holocaust gesprochen wurde.“
Christoph Amend verweist auf das 40-jährige Jubiläum der US-Fernsehserie Holocaust (1979), die erstmals eine breite öffentliche Debatte in Deutschland auslöste. Er betont, wie lange es gedauert hat, bis das Thema in der Gesellschaft ankam.
Jahrestage
Uwe Johnson · 1970
Uwe Johnsons vierbändiger Romanzyklus "Jahrestage" untersucht die deutsche Teilung und Fluchtmotivationen von DDR-Bürgern. Das Werk stellt die zentrale Frage, ob Menschen primär aus der DDR fliehen wollten oder gezielt in den Westen strebten – eine wichtige historische Perspektive auf Fluchtbewegungen der Nachkriegszeit. Johnsons differenzierte Darstellung trägt zum Verständnis ideologischer Brüche und persönlicher Entscheidungen bei.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 03:55:20 „Jonsson in den Jahrestagen, da gibt es sozusagen diese Hannah Arendt-Figur in den Jahrestagen. Die Erzählerin wohnt ja in New York und schaut von da aus die da zurück. Also es gibt diese Geschichten.“
Jana Hensel verweist auf Uwe Johnsons Jahrestage als Beispiel für die literarische Auseinandersetzung mit dem Holocaust lange vor der gleichnamigen TV-Serie. Sie hebt die Hannah-Arendt-Figur und die New Yorker Exilperspektive als Elemente hervor.
Recherche über DDR-Doping-Opfer
Tausende Sportler aus der DDR leiden unter Spätschäden des systematischen Dopings während des Leistungssports. Laut dem Psychologen Harald Freyberger sterben diese Doping-Opfer zehn bis zwölf Jahre früher als der Durchschnitt und erkranken häufiger. Der Artikel dokumentiert die gesundheitlichen und sozialen Folgen für die Betroffenen und zeigt auf, dass die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der DDR-Sportgeschichte bis heute unzureichend ist.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:12:38 „Ich meinte, wir hätten mal eine Recherche veröffentlicht. Einem Jahr vielleicht über DDR-Doping-Opfer, nenne ich das jetzt mal, also Leute, die Spätschäden haben. Und das sei nicht aufgearbeitet.“
Im Gespräch über systematisches Doping im DDR-Leistungssport erinnert Jochen Wegner an eine ZEIT-Recherche über DDR-Doping-Opfer, die unter Spätschäden leiden. Er betont, dass das Thema nicht aufgearbeitet sei und es viele Betroffene gebe, die nicht einmal wissen, welche Mittel ihnen damals verabreicht wurden.
3000-seitige Kulturgeschichte der DDR
· 2019
Die »Kulturgeschichte der DDR« stellt den Kulturgeschichten der Bundesrepublik ein Pendant für die Deutsche Demokratische Republik zur Seite. Die Zeit des Bestehens der SBZ/DDR wird dabei chronologisch in drei Perioden unterteilt, die die Besonderheiten des jeweiligen historischen Zeitraums hervorheben.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 04:25:59 „Ich habe gerade ein Interview gemacht mit dem Kultusminister. Der Kulturwissenschaftler, der hat so eine 3000-seitige Kulturgeschichte. Die DDR war sozusagen ökonomisch auf dem Niveau von Griechenland.“
Jana Hensel verweist auf ein kürzlich geführtes Interview mit einem Kulturwissenschaftler, der eine umfangreiche Kulturgeschichte verfasst hat. Sie nutzt daraus die These, dass die DDR ökonomisch auf dem Niveau Griechenlands war, um eine Parallele zur griechischen Eurokrise zu ziehen. Der Titel und Autor des Werks werden nicht genannt.
Nachwendekindheit (Reportage)
Daniel Schulz
Daniel Schulz schildert in seiner preisgekrönten Reportage seine Nachwendekindheit und thematisiert dabei detailliert die Rassismen und den Antisemitismus, mit denen er aufwuchs. Als Kind einer Funktionseliten-Familie — sein Vater war Offizier — erlebte er den Zusammenbruch der DDR anders als andere ostdeutsche Generationen. Die Reportage beleuchtet die persönlichen und ideellen Folgen der Wende für seine Familie und die Diskriminierungserfahrungen seiner Kindheit.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 04:48:39 „Daniel Schulz, der diesen Text geschrieben hat über seine Nachwendekindheit, der jetzt gerade auch den Reporterpreis gewonnen hat, der erzählt sozusagen, der erzählt darin ja sehr detailliert und mitunter krass über all die Rassismen und all den Antisemitismus, mit dem er aufgewachsen ist.“
Jana Hensel vergleicht ihre eigene ostdeutsche Sozialisation mit der von Daniel Schulz, dessen preisgekrönte Reportage über seine Nachwendekindheit Rassismus und Antisemitismus schildert. Hensel betont, dass Schulz aus einer Funktionseliten-Familie stammt — sein Vater war Offizier — und deshalb nach 1989 einen anderen, ideellen Zusammenbruch erlebte als sie selbst.
Still (Essay über das Schreiben nach dem Freitag)
Jana Hensel · 2013
Moving through the elegiac ruins of the Berlin Wall and the Yugoslav disintegration, Writing Postcommunism explores literary evocations of the pervasive disappointment and mourning that have marked the postcommunist twilight.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 04:56:41 „Du hast ein Essay mal geschrieben. Ich glaube, es war in der Zeit, wenn ich deine Biografie richtig gespeichert habe, als du beim Freitag gegangen bist. Bist du eigentlich gegangen, hast du gekündigt? Du hast gekündigt, räumst deine Sachen zusammen, stellst sie in eine Ecke und hast einen neuen Alltag.“
Jochen Wegner spricht Jana Hensel auf ein Essay an, das sie vermutlich in der ZEIT veröffentlicht hat, in dem sie beschreibt, wie sie nach ihrer Kündigung beim Freitag in eine Phase der Stille geriet — und aus dieser Stille heraus begann, einen Roman zu schreiben. Jana bestätigt: 'Das stimmt, mein Text ist still.' Das Essay dient als Einstieg in ein Gespräch über Hensels literarischen Arbeitsprozess.
Mit der Faust in die Welt schlagen
Lukas Rietzschel · 2018
Zwei Brüder, ein Dorf in Ostsachsen und eine Wut, die immer größer wird Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlus...
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 04:58:08 „Er sagte, er hätte diesen Roman geschrieben, mit der Faust in die Welt schlagen, weil er wissen wollte, warum ist aus ihm kein Nazi geworden, wie aus allen anderen um ihn herum. Und er hatte am Ende des Romans, und dann habe ich gesagt, und was ist jetzt deine Antwort? Und er sagte, ich weiß es immer noch nicht.“
Jana Hensel berichtet von einem Gespräch mit Lukas Rietzschel über die Frage, was einen zum Schriftsteller macht. Rietzschel habe seinen Debütroman geschrieben, um zu verstehen, warum er nicht wie viele in seinem Umfeld zum Rechtsextremen wurde — doch selbst nach dem fertigen Buch habe er keine Antwort gefunden. Hensel zieht eine Parallele zu ihrer eigenen Motivation: auch sie schreibe, weil sie grundlegende Fragen zu Heimat und Identität nicht beantworten könne.
BRD Noir
Philipp Felsch · 2017
Nachdem Frank Witzel und Philipp Felsch im Frühjahr 2015 zwei aufsehenerregende Auseinandersetzungen mit der westdeutschen Vergangenheit veröffentlichten, blicken sie nun gemeinsam auf die alte BRD und das Aroma der Epoche zwischen Nachkriegszeit und Wende. Dabei fällt auf, dass die alte Bundesrepublik angesichts aktueller globaler Unsicherheit und Identitätskrisen mehr und mehr romantisiert und idealisiert wird, es wächst die Sehnsucht nach dem scheinbar heimeligen Rheinischen Kapitalismus und ...
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:17:00 „Mir ist nur eine Sache bekannt. Philipp Felsch, das ist ein Autor, der hat so ein BRD-Noir gemacht, so ein Erzählband mit einem, mit einem Autor und das ist so ein westdeutscher Autor, der, wo der, da habe ich hohen Respekt davor, dass Leute sozusagen Bundesrepublik als Bundesrepublik erzählen.“
Im Gespräch über die fehlende westdeutsche Selbsterzählung wird nach Büchern gesucht, die die BRD-Erfahrung explizit als westdeutsch labeln. Jana Hensel nennt Philipp Felschs BRD Noir als eines der wenigen Beispiele und zeigt Respekt dafür, dass jemand die Bundesrepublik bewusst als spezifischen Erfahrungsraum erzählt.
Kleine nachtblaue Hose
David Wagner · 2011
Aus einem verschwundenen Zauberreich – dem Westdeutschland der siebziger und achtziger Jahre Für die allermeisten ist eine Hose nicht viel mehr als ein Stück Stoff. Nicht so für den Ich-Erzähler dieses außergewöhnlichen Romans. Vielleicht liegt es daran, daß er an jenem Tag, als er seine nachtblaue Hose erstmals trägt, eine junge Frau kennenlernt. Eine Berliner Liebesgeschichte schließt sich an, eine Reise an den Rhein und in die Kindheit einer Generation.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 05:17:16 „Ich habe auch gerade kurz nachgedacht, ich glaube David Wagner, kleine nachtblaue Hose, war ein Roman, der damals sehr aufmerksam war. Viel Aufmerksamkeit bekommen.“
Christoph Amend ergänzt die Suche nach westdeutschen Erzählungen um David Wagners Roman als Beispiel eines Buchs, das die westdeutsche Erfahrung thematisiert und damals viel Aufmerksamkeit erhielt.
Faserland
Christian Kracht
Ein junger Mann irrt durch die alte Bundesrepublik. Wir schreiben das Jahr 1995, und die Mauer ist gefallen, das interessiert den jungen Mann aber nicht. Von Nord nach Süd lässt er sich treiben, von Sylt zum Bodensee, dann weiter nach Zürich ans Grab von Thomas Mann. Betrunken ist er häufig, angewidert eigentlich ständig. Von den Menschen, dem Land, der Zeit. Geld hat er viel, Stil auch, nur Halt hat er keinen. Er versteht alles, sagt er, dann entgleitet ihm wieder alles.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 05:17:44 „Faserland, ja, würde man sagen, hätte man im Nachhinein, labelt sich aber selbst auch nicht.“
Jana Hensel nennt Faserland als ein weiteres Beispiel für einen Roman, der rückblickend als westdeutsche Erzählung gelten könnte, sich selbst aber nicht explizit als solche versteht – was genau ihr Punkt ist: Das Westdeutsche wird nicht als spezifische Perspektive markiert.
Montauk
Max Frisch
Ein psychologischer Liebesroman über die intensive Begegnung zwischen einem Mann mittleren Alters und einer jungen Frau. Frisch erkundet Liebe, Intimität und die existenziellen Fragen einer Beziehung mit literarischer Subtilität.
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:25:10 „Es gibt diese Liebesromanen Montauk zum Beispiel von Max Frisch, den ich auch vor- und rückwärts gelesen habe in dieser Zeit.“
Im Gespräch darüber, warum es so wenige anspruchsvolle Liebesromane gibt, nennt Jana Hensel Montauk von Max Frisch als eines der seltenen Beispiele. Sie hat das Buch während ihrer eigenen Romanarbeit intensiv studiert – vor- und rückwärts gelesen.
Salz auf unserer Haut
Benoîte Groult · 2012
Die Geschichte einer im Grunde unmöglichen, einzigartigen Liebe: George, die Pariser Intellektuelle, und Gauvin, der bretonische Fischer - Welten trennen die beiden, die Barrieren von Erziehung und Bildung, von Weltanschauung und Geschmack stehen zwischen ihnen. Ein Leben miteinander halten beide für unmöglich. Und doch zieht sie ein Verlangen zueinander, das stärker ist als Vernunft und Konvention, eine Leidenschaft, die, auch als die Liebenden älter und reifer werden, nicht erlischt.
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:27:26 „In dem Moment, wo die beiden zueinander finden, schlaflos in Seattle, Salz auf unserer Haut.“
Jana Hensel argumentiert, dass Liebesgeschichten immer in dem Moment enden, wo die Liebe ihre Erfüllung findet. Sie nennt Salz auf unserer Haut als eines von mehreren Beispielen, bei denen mit dem Happy End der Abspann läuft.
Sleepless in Seattle
Nora Ephron · 1993
Sam ist seit einem Jahr Witwer, und sowohl er als auch sein Sohn Jonah sind darüber sehr unglücklich. Eines Tages bringt Jonah seinen Vater daher in eine Radiosendung, wo er in der Öffentlichkeit über seine Probleme reden kann. Die Folge: Sam bekommt massenweise Post von weiblichen Verehrerinnen, darunter auch von Annie aus New York, die sich auf den Weg von New York nach Seattle macht, um ihren Traummann kennenzulernen.
🗣 Jana Hensel erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:27:26 „In dem Moment, wo die beiden zueinander finden, schlaflos in Seattle, Salz auf unserer Haut.“
Jana Hensel nutzt Schlaflos in Seattle als Beispiel für ihre These, dass Liebesgeschichten immer genau dann enden, wenn die beiden zueinander finden – der Abspann läuft im Moment der Erfüllung.
Crazy Rich Asians
Jon M. Chu · 2018
In „Crazy Rich“ begleitet die geborene New Yorkerin Rachel Chu ihren langjährigen Lebensgefährten Nick Young zur Hochzeit seines besten Freundes nach Singapur. Rachel freut sich riesig auf ihre erste Asienreise, doch die Begegnung mit Nicks Familie steht ihr sehr bevor. Völlig unvorbereitet erfährt sie nun etliche Einzelheiten aus Nicks Leben, die er ihr bisher vorenthalten hat: Wie sich herausstellt, ist er nicht nur der Spross einer der reichsten Familien des Landes, sondern auch einer der beg...
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:27:34 „Crazy Rich Asians war das letzte, was ich gesehen habe.“
Jochen Wegner bestätigt Jana Hensels These über Liebesfilme mit seinem letzten Filmerlebnis. Später nennt er Crazy Rich Asians nochmals als Beispiel für einen in sich geschlossenen, wunderbaren Film – neben Sonnenallee.
Das Leben der Anderen
Florian Henckel von Donnersmarck · 2006
Ost-Berlin, November 1984. Fünf Jahre vor seinem Ende sichert der DDR-Staat seinen Machtanspruch mit einem erbarmungslosen System aus Kontrolle und Überwachung. Als Oberstleutnant Anton Grubitz den linientreuen Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler auf den erfolgreichen Dramatiker Georg Dreyman und seine Lebensgefährtin, den Theaterstar Christa-Maria Sieland, ansetzt, verspricht er sich davon einen Karriereschub. Immerhin stehen höchste politische Kreise hinter dem „operativen Vorgang“.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 05:28:00 „Da rief die Vogue an und sagte, können Sie nicht ein Porträt von Ulrich Mühe schreiben? [...] Und auch da war das so, ich merkte, wie ich im zweiten Teil des Films immer mehr mich aufmachte und ganz, ganz beeindruckt war von diesem Film.“
Hensel erzählt ausführlich von ihrer Privatvorführung des Films und dem Porträt über Ulrich Mühe, das sie daraufhin für die Vogue schrieb. Sie warnt aber davor, die Fiktion des Films mit der DDR-Realität zu verwechseln.
Sonnenallee
Leander Haußmann · 1999
Während die Wessis ihre Ost-Nachbarn von Aussichtsplattformen begaffen, versuchen die Bewohner des östlichen Abschnitts der Sonnenallee, ein halbwegs normales Leben zu führen. Der 17-jährige Michael Ehrenreich, genannt Micha, und sein bester Freund Mario wohnen am kürzeren Ende der Sonnenallee, direkt am Grenzübergang zwischen West- und Ost-Berlin.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 05:28:23 „Ah ja, das ist der letzte Satz aus Sonnenallee.“
Jochen Wegner zitiert den berühmten letzten Satz 'Es war die schönste Zeit meines Lebens, denn ich war jung und verliebt', und Jana Hensel erkennt ihn sofort als Schlusssatz aus Sonnenallee. Der Film wird anschließend als Ost-Kitsch diskutiert, den Jochen Wegner als Wessi toll findet.
Good Bye, Lenin!
Wolfgang Becker · 2003
Kurz vor dem Ende der DDR fällt die engagierte Sozialistin Christiane Kerner ins Koma, weil sie beobachtet, wie ihr Sohn Alexander während einer Anti-DDR-Demonstration festgenommen wird. Als sie nach dem Fall der Mauer wieder erwacht, muss sie geschont werden. Um sie nicht aufzuregen, versucht die Familie, zu der auch Tochter Ariane gehört, den nicht mehr existierenden Staat in der Wohnung zu simulieren. Das Unterfangen erweist sich jedoch als schwierige Mission.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 05:30:13 „Als Goodbye Lenin erschien, rief mich die Produktion an und sagten, die haben ja was, können sie sich das mal angucken. Dann habe ich meine ganzen Freunde eingesackt und dann sind wir zu zehnt in so ein leeres Kino gegangen.“
Jana Hensel erzählt ausführlich, wie sie vor dem Kinostart zu einer Privatvorstellung von Goodbye Lenin eingeladen wurde und mit zehn ostdeutschen Freunden den Film vorab sah. Alle machten sich Notizen über historische Fehler und gaben den Produzenten kritisches Feedback – doch der Film wurde ein gigantischer Erfolg, was sie zur Selbstkorrektur zwang.
Funny Games
Michael Haneke · 2008
Ein arriviertes Ehepaar macht zusammen mit seinem Sohn Urlaub im schicken Domizil in den Hamptons. Völlig unvermittelt brechen zwei weiß behandschuhte junge Männer in die Idylle ein. Nach kurzem Smalltalk geben sie der Familie gewalttätig zu verstehen, dass sie es auf das Leben der hilflosen Menschen abgesehen haben - nicht ohne sie zuvor mit "komischen Spielen" gefoltert zu haben: Sie zwingen die Frau zu wählen, wer zuerst und auf welche Weise sterben soll. Die Situation ist ausweglos.
🗣 Jana Hensel empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:33:53 „Funny Games, ganz großartiger Film mit Susanne Lothar, seiner Ehefrau. Und ich sollte ihn porträtieren.“
Jana Hensel erinnert sich an Funny Games als den letzten beeindruckenden Film von Ulrich Mühe vor Das Leben der Anderen. Sie beschreibt den Film als großartig und ordnet ihn in Mühes Karriere ein, die nach Jahren des Pechs mit diesem Haneke-Film einen Höhepunkt hatte.
Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
Reni Eddo-Lodge · 2019
»Dieses Buch verlangte danach, geschrieben zu werden. Es ist die Art von Buch, die eine Zukunft einfordert, in der wir solche Bücher nicht mehr brauchen. Essenziell.« Marlon James, Gewinner des Man Booker Prize 2015 Viel zu lange wurde Rassismus als reines Problem rechter Extremisten definiert. Doch die subtileren, nicht weniger gefährlichen Vorurteile finden sich dort, wo man am wenigsten mit ihnen rechnen würde – im Herzen der achtbaren Gesellschaft.
🗣 Jana Hensel referenziert bei ⏱ 06:00:32 „Ich erkläre den Westdeutschen den Osten nicht mehr. Ich mache das, also es gibt ja auch so ein Buch, oder? Es erscheint jetzt die Tage, warum ich mit Weißen nicht mehr über meinen Vater... Also die deutsche Übersetzung, genau. Und ich erkläre den Osten nicht mehr.“
Jana Hensel zieht eine Analogie zwischen ihrer Haltung, den Osten nicht mehr erklären zu wollen, und einem Buch über das Aufhören, Weißen bestimmte Erfahrungen zu erklären. Sie nutzt den Vergleich, um ihre veränderte Kommunikationsstrategie zu verdeutlichen: Statt an ein westdeutsches Publikum zu übersetzen, spricht sie nun in den eigenen ostdeutschen Raum hinein.
Go West
Pet Shop Boys · 1993
Pet Shop Boys (deutsch sinngemäß „Jungs aus der Zoohandlung“) sind ein britisches Elektropop-Duo, bestehend aus Neil Tennant und Chris Lowe. Sie sind seit 1985 mit Hits wie West End Girls, Suburbia, It’s a Sin und Go West international erfolgreich. Die Pet Shop Boys schreiben und produzieren für sich selbst, aber auch für andere Künstler.
🗣 Wegner referenziert bei ⏱ 06:03:00 „Go West. Das ist nicht so schlecht. Aber da braucht man die Melodie dafür. [...] Aber die Petro-Boys sind jetzt nicht die schlechtesten. Die Petro-Boys sind cool.“
Go West spielt eine besondere Rolle in Hensels Buch Zonenkinder. Sie singen es gemeinsam als Karaoke-Einlage. Wegner bemerkt, dass 'Life is peaceful there' ein krasser Satz sei, wenn man über die Warschauer Brücke fährt.
Sag mir, wo die Blumen sind
Marlene Dietrich / Pete Seeger · 1962
Ikonisches Antikriegslied aus der Folk-Tradition. Das Lied stellt durch seine poetische Frage die Sinnlosigkeit von Krieg in Frage und wird seit Jahrzehnten als Hymne für Friedensbewegungen genutzt. Eine zeitlose Komposition mit kraftvoller Botschaft über den Verlust und die Hoffnung auf eine bessere Welt.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:04:10 „Nina Hoss ins Karriere, Bühnenkarriere begann damit, dass sie, ich glaube, waren es mit vier, mit fünf, beim 50. Geburtstag ihres Vaters auf die Bühne ging und ein Lied gesungen hat. Sag mir, wo die Blumen sind. Und dann haben wir gedacht, Mensch, wir singen mit der Host. Sag mir, wo die Blumen sind.“
Jochen Wegner erzählt die Entstehungsgeschichte der Sing-Tradition im Podcast 'Alles gesagt?': Nina Hoss hatte als Kind beim 50. Geburtstag ihres Vaters 'Sag mir, wo die Blumen sind' gesungen, was zur Podcast-Tradition führte, mit jedem Gast ein Lied zu singen.