Ausgabe Neunundvierzig
Markus Lanz & Richard David Precht
In dieser Folge plaudern die beiden über das Versinken in kreative Welten beim Schreiben — inspiriert von Autorin Andrea Wulff, die mit ihren Buchfiguren lebt, und Romancier Gisbert Heves, der sich zwei Schreibtische leistet. Dazu gibt Precht Einblicke in seine vollgestopfte Bibliothek samt erbärmlichem Gästebett und Yogamatte, bevor das Gespräch zu alten Judo-Verletzungen abdriftet — inklusive einer Schulterprellung nach einem ungebremsten Wandkontakt.
„Das ist auch immer schwierig rauszukommen. Also das ist so dieses Umschalten und wieder in die Realität anzukommen.“
Erwähnte Medien (10)
Die Erfindung der Natur: Alexander von Humboldts neue Welt
Andrea Wulf · 2016
Andrea Wulfs "Die Erfindung der Natur" ist eine brillante Biografie des Naturforschers Alexander von Humboldt, die zum Weltbestseller wurde. Das Buch dokumentiert Humboldts revolutionäre Expeditionen und sein ganzheitliches Verständnis der Natur, das die moderne Umweltbewegung maßgeblich beeinflusste. Wulf beleuchtet mit großer Leidenschaft, wie dieser außergewöhnliche Denker unsere Sicht auf die Welt nachhaltig veränderte.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:37 „Ich habe, sehr interessant, kennst du Andrea Wulff? Die hat dieses großartige Buch über Humboldt geschrieben. Ja, die hatte ich mal als Gast in meiner Sendung. Die ist ja ein Weltbestseller gewesen.“
Markus Lanz erzählt zu Beginn des Gesprächs von Andrea Wulf und ihrem Humboldt-Buch, das ein Weltbestseller war. Er nutzt die Anekdote, um über den kreativen Prozess des Schreibens zu sprechen – Wulf habe ihm erzählt, dass sie beim Schreiben so tief in ihre Bücher versinke, dass die historischen Figuren zu 'ihren eigenen Leuten' werden.
Generation Guido
Sie verehren Captain Kirk und belächeln Che Guevara. Sie wollen cool sein, nicht moralisch. Sie glauben an sich selbst statt an Solidarität. Die 40-Jährigen lieben die Pose - und wüssten gern, was sie wirklich wollen. Von Dirk Kurbjuweit
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:08:06 „Der Spiegel hat mal vor knapp 20 Jahren eine Titelgeschichte gemacht, die hieß Generation Guido. Das sind wir. Damals nach Guido Westerwelle. Der für damalige Verhältnisse jung quasi politische Karriere gemacht hat.“
Im Gespräch über die Babyboomer-Generation und deren zahlenmäßige Dominanz erwähnt Precht eine Spiegel-Titelgeschichte von etwa 2005, die seine Generation als 'Generation Guido' bezeichnete – nach dem damals als jung geltenden Politiker Guido Westerwelle. Der Begriff stand für eine Generation, die immer zu viele waren und stets mit harter Konkurrenz um Studienplätze und Arbeitsplätze kämpfen musste.
The Road to Somewhere
David Goodhart · 2017
SUNDAY TIMES, GUARDIAN AND TELEGRAPH BOOKS OF THE YEAR 2017 'A provocative take on the UK's new tribal divisions ... a book whose timing is pitch-perfect' Andrew Marr Many Remainers reported waking up the day after the Brexit vote feeling as if they were living in a foreign country. In fact, they were merely experiencing the same feeling that many British people have felt every day for years.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:20:24 „Da hatte ein amerikanischer Autor ein Buch geschrieben, das wurde dann hunderttausendmal, wurden die Begriffe benutzt, von den Somewheres und den Anywheres. Erinnerst du dich daran? Da war gesagt, also wer reich ist, unserer Oberschicht oder zur oberen Mittelschicht gehört, der ist ein Anywhere.“
Precht greift ein vor etwa zehn Jahren vieldiskutiertes Buch auf, das die Gesellschaft in 'Somewheres' (ortsgebundene, weniger mobile Menschen) und 'Anywheres' (globalisierte, hochgebildete Kosmopoliten) einteilte. Er nutzt es, um die Illusion der grenzenlosen Mobilität zu hinterfragen, und ergänzt die These mit der Beobachtung eines Topmanagers, dass selbst in Führungsetagen die meisten auf ihren Heimatmarkt zurückkehren. Precht ordnet den Autor fälschlich als Amerikaner ein – David Goodhart ist Brite.
Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?
Richard David Precht · 2024
Der große Bestseller in neuer Ausgabe! Bücher über Philosophie gibt es viele. Aber Richard David Prechts Buch ist anders als alle anderen. Denn es gibt bisher keines, das den Leser so umfassend und kompetent – und unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse – an die großen philosophischen Fragen des Lebens herangeführt hätte: Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Was darf die Hirnforschung? Prechts Buch schlägt einen weiten Bogen über die verschiedenen Disziplinen und is...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:06 „Da war ich vier Wochen in Griechenland. Das ist die Szene, mit der Wer bin ich beginnt. Da fängt quasi die Eingangsszene von Wer bin ich und wenn ja, wie viele die spielt an.“
Beim Gespräch über den ersten Urlaub allein erzählt Precht von seiner Reise nach Naxos während des Zivildienstes. Er verknüpft die persönliche Erinnerung mit der Eingangsszene seines bekanntesten Buchs, die genau dort am Strand von Agia Anna spielt. Lanz kennt die Szene offensichtlich und fragt nach dem genauen Ort.
Musik von DJ Pulse Driver
DJ Pulse Driver (Slobodan Petrovic)
DJ Pulse Driver ist ein DJ und Musikproduzent aus Schleswig-Holstein, dessen bürgerlicher Name Slobodan Petrovic lautet. Lanz begeistert sich für seine Produktionen, da dieser großes handwerkliches Geschick bei der Musik-Erstellung mit Logic und professioneller Audio-Bearbeitung unter Beweis stellt. Die Musik des international anmutenden Künstlers überraschte Lanz durch ihre technische Qualität und Präzision.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:29:42 „Ich habe neulich so eine Produktion gehört, ich höre immer so darauf, wie Musik produziert ist. Kennst du DJ Pulse Driver? Das ist ein DJ und das klang sehr cool gemacht. Ich dachte, wow, da hat einer echt Ahnung von Logic, Audio und so weiter.“
Lanz spricht über seine eigene Leidenschaft für Musikproduktion und erzählt begeistert von einer Produktion von DJ Pulse Driver, die er kürzlich gehört hat. Er war überrascht, dass der international klingende Produzent in Wahrheit Slobodan Petrovic heißt und in Schleswig-Holstein lebt.
Émile ou De l'éducation
Jean-Jacques Rousseau · 1848
Émile oder Über die Erziehung (französisch Émile ou De l’éducation) ist das 1762 publizierte reformpädagogische Hauptwerk Jean-Jacques Rousseaus. In einer Mischung aus Abhandlung und exemplarischem Bildungsgang in Romanform beschreibt der Autor Jean-Jacques zur Veranschaulichung seiner Theorie die Erziehung Émiles von seiner Geburt an bis zu seiner Heirat mit Sophie. Die erste deutsche Ausgabe Aemil oder Von der Erziehung erschien in einer anonymen Übersetzung im selben Jahr in Berlin.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:44:33 „Du kennst ja den berühmten Satz von Rousseau, dass nicht der am meisten gelebt hat, der am ältesten geworden ist, sondern derjenige, der am meisten gefühlt hat.“
Im Gespräch über das Lebensgefühl junger Generationen und die Frage, ob man sich als junger Mensch mit dem Thema Rente beschäftigt, zitiert Precht Rousseau mit einem bekannten Satz über die Intensität des Lebens. Das Zitat stammt aus Rousseaus pädagogischem Hauptwerk.
Interview mit Thomas Gottschalk
Spiegel-Artikel, in dem Thomas Gottschalk die junge Generation als zu weich und angstgetrieben kritisiert. Lanz und Precht debattieren, ob diese Generationenkritik berechtigt ist oder Generationen bloße Produkte ihrer Erziehung sind.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:44:59 „Ich habe neulich einen interessanten Satz von Thomas Gottschalk dazu im Spiegel gelesen. Thomas Gottschalk, Zitat, die junge Generation heute ist so weich gekocht und so ängstlich auf Erfolg bedacht.“
Lanz zitiert einen Satz von Thomas Gottschalk aus dem Spiegel, um das Lebensgefühl der jüngeren Generation zu diskutieren. Precht kontert, dass die Jugend ein Produkt ihrer Erziehung sei und Gottschalk als berufsjugendlicher Entertainer selbst kaum in der Position sei, solche 'Opasprüche' abzulassen.
Pippi Langstrumpf
Astrid Lindgren
Als Pippi Langstrumpf in die Villa Kunterbunt einzieht, staunen Tommy und Annika nicht schlecht. Denn Pippi hat nicht nur einen Koffer voller Goldstücke, ein Pferd und einen Affen – sie ist auch das stärkste Mädchen der Welt. Astrid Lindgrens Klassiker über Freiheit, Fantasie und Freundschaft.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:35 „Ja, vor allem ausgerechnet jemand, der so berufsjugendlich ist wie Thomas Gottschalk und der sich sicherlich so wie Pippi Langstrumpf als Kind gesagt hat, er will nie erwachsen werden. Dass ausgerechnet der so einen Opaspruch ablässt, ist auch erstaunlich.“
Precht vergleicht Thomas Gottschalk mit Pippi Langstrumpf, um die Ironie herauszustellen, dass ausgerechnet ein Entertainer, der selbst nie erwachsen werden wollte, die jüngere Generation als weichgekocht kritisiert.
Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten
Richard David Precht · 2022
Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Und warum eigentlich? Nichts, was die Arbeit anbelangt, ist heute mehr selbstverständlich. Das zweite Maschinenzeitalter selbstlernender Computer und Roboter revolutioniert unseren Arbeitsmarkt. Es definiert neu was »Arbeit« ist, und wozu wir eigentlich noch arbeiten. Schon seit einiger Zeit arbeiten wir in den westlichen Industrieländern nicht mehr, um unsere Existenz zu sichern. Wir arbeiten, um zur Erwerbsarbeitsgesellschaft dazuzugehören.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:48:14 „Und ich habe in meinem Buch über, mein letztes Buch, Freiheit für alle, geschrieben, in einer Arbeitsgesellschaft keine Arbeit zu haben, ist eventuell immer noch besser, als in einer Sinngesellschaft keinen Sinn zu finden.“
Im Gespräch über die Überforderung der jungen Generation durch zu viele Wahlmöglichkeiten zitiert Precht eine zentrale These aus seinem eigenen Buch. Er argumentiert, dass die Multioptionsgesellschaft eine Bedrohung darstellt, weil Sinnlosigkeit in einer Sinngesellschaft schlimmer sein kann als Arbeitslosigkeit in einer Arbeitsgesellschaft.
Artikel über Annalena Baerbock und ihre Generation
Uli Schulte
Uli Schulte analysiert Annalena Baerbock als Repräsentantin einer Generation, deren Eltern schon die bloße Existenz ihrer Kinder als Sensation feierten. Diese übermäßige elterliche Bestätigung führt laut Schulte dazu, dass Betroffene ihre eigene Mittelmäßigkeit irgendwann für Genialität halten. Der Artikel entstand im Kontext des Plagiats- und Biografiestreits um Baerbock während des Bundestagswahlkampfs 2021. Schulte nutzt Baerbock als Fallbeispiel für eine gesellschaftliche Prägung durch übertriebenes Lob und fehlende kritische Rückmeldung.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:51:11 „Uli Schulte, ein großartiger Autor, war mal bei uns zu Gast und der hat damals, als es den Ärger um Annalena Baerbock und ihre Biografie gab, hat er so sinngemäß mal geschrieben, dass sie irgendwann ihre eigene Mittelmäßigkeit für genial halten.“
Lanz zitiert sinngemäß einen Text des taz-Autors Uli Schulte, der Annalena Baerbock als typisches Beispiel einer Generation beschrieb, deren bloße Existenz von den Eltern bereits als Sensation gefeiert wurde. Die These: Diese übermäßige Bestätigung führt dazu, dass Menschen ihre eigene Mittelmäßigkeit für genial halten.