Schoenheit
Markus Lanz & Richard David Precht
Was macht Schönheit heute aus, und warum ist der durchtrainierte Körper zum Statussymbol des 21. Jahrhunderts geworden? Ausgehend von der Beobachtung, dass Fitness und Aussehen zur „Diesseits-Religion
„Ich habe mich auch für Mädchen interessiert, aber meine Chancen bei Elefanten-Rüssel-Fischen waren deutlich größer als bei Mädels.“
Erwähnte Medien (8)
Liebe. Ein unordentliches Gefühl
Richard David Precht · 2009
Das unverzichtbare Buch für alle, die Ratgebern misstrauen und trotzdem endlich wissen wollen, was es mit der Liebe auf sich hat Die Liebe bewegt uns wie nichts anderes, sie vermag unser Leben auf den Kopf zu stellen und jegliche Ordnung zu Fall zu bringen. Dennoch wissen wir gar nicht so genau, was sie ist – die Liebe. Der Bestsellerautor Richard David Precht bringt Ordnung in dieses unordentlichste der Gefühle.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:01:59 „das war in der Zeit meines Liebesbuches 2009“
Precht erwähnt sein eigenes Buch über die Liebe im Zusammenhang mit einem früheren Interview, bei dem es um Schönheit ging
Germany's Next Topmodel
Heidi Klum / ProSieben · 2006
Germany’s Next Topmodel (kurz: GNTM) ist eine deutsche Castingshow im Reality-TV-Format des Senders ProSieben. Die seit 2006 jährlich ausgestrahlte Sendung wird von Heidi Klum moderiert und ist eine glokalisierte Adaption des amerikanischen Next-Topmodel-Formats.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:12:06 „Aber du kannst bei Germany's Next Topmodel aus unerfindlichen Gründen, weil da sind die Wege, Heidi ist ja unergründlich, Topmodel am Ende werden oder sogenanntes Topmodel, bist du ja damit nicht, aber sozusagen Fernsehgewinnerin.“
Precht kritisiert die gesellschaftliche Verwechslung von Erfolg und Leistung. Er nutzt Germany's Next Topmodel als Beispiel dafür, dass Menschen Erfolg bewundern, der völlig von echter Leistung entkoppelt ist – während etwa eine hervorragende Krankenschwester keinerlei gesellschaftliche Anerkennung erhält.
Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Walter Benjamin · 2025
Benjamin analysiert die ästhetischen und politischen Implikationen dieser Verschiebung, wobei er das revolutionäre Potenzial des Kinos als Instrument zur kollektiven Bewusstseinsbildung betont. Seine Untersuchung berührt Themen wie sinnliche Wahrnehmung, die Beziehung zwischen Faschismus und der Ästhetisierung von Gewalt und die Rolle der Kunst in Industriegesellschaften.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:42 „Also wenn alle wie Models aussehen, dann ist wie Models aussehen nicht mehr das, worauf es ankommen wird. Da sind wir noch ein Stück von entfernt, aber das wird irgendwann kommen.“
Precht paraphrasiert Walter Benjamins berühmten Essay, indem er von Schönheit 'im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit' spricht. Er überträgt Benjamins These auf die Demokratisierung von Schönheit durch Chirurgie: Wenn alle gleich schön aussehen können, verliert das Schönheitsideal seinen Wert – genau wie das Kunstwerk seine Aura verliert.
Walk like an Egyptian
The Bangles
Walk Like an Egyptian ist ein Lied von The Bangles aus dem Jahr 1986, das von Liam Sternberg geschrieben und von David Kahne produziert wurde. Es erschien auf dem Album Different Light.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:21:58 „Walk like an Egyptian, frei nach den Bengels. Susanne Hoffs übrigens. Ich war immer sehr verliebt. Zum Thema schönen Frauen, würde ich auch sagen.“
Precht und Lanz sprechen über ägyptische Schönheitsideale und die stilisierte Seitenansicht in der ägyptischen Kunst. Precht macht einen humorvollen Abstecher zum Bangles-Hit und schwärmt dabei von Sängerin Susanne Hoffs, was beide als gemeinsamen Geschmack bei schönen Frauen verbindet.
Venus von Willendorf
Kalkstein-Figurine aus der Altsteinzeit (ca. 29.000 Jahre), die eine weibliche Figur mit üppigen Formen darstellt. Symbol für alternative Schönheitsideale und unterschiedliche Körperstandards zwischen Kulturen. Die genaue Funktion bleibt umstritten — möglicherweise Fruchtbarkeitssymbol, Ritual oder einfach künstlerische Darstellung. Ikonisches Werk der Vorgeschichte in der Kunstgeschichte.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:29 „Ich meine, in der Altsteinzeit, die Venus von Willendorf, das war ja ein anderes Schönheitsideal, das war üppig.“
Lanz zeichnet die Geschichte der Schönheitsideale nach und nennt die altsteinzeitliche Figurine als Beispiel für ein völlig anderes Körperideal. Precht relativiert allerdings, dass wir nicht sicher wissen, ob die Figur tatsächlich ein Schönheitsideal abbildet oder etwas anderes repräsentiert.
Mona Lisa
Leonardo da Vinci
Ölmalerei von Leonardo da Vinci aus dem frühen 16. Jahrhundert. Das berühmte Porträt zeigt eine Frau und folgt den stilisierten Schönheitsidealen der Renaissance mit charakteristischen Merkmalen wie dünnen Augenbrauen und feinen Gesichtszügen. Das Werk exemplifiziert die porträtistische Konvention seiner Epoche, in der viele Frauenporträts einem standardisierten Schönheitskanon folgten. Es zählt zu den weltweit bekanntesten Kunstwerken der Malerei.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:23:55 „Die Mona Lisa zum Beispiel. Wir wissen überhaupt nicht, wie die aussah, weil es gibt sehr, sehr viele Frauen in der Renaissance, die gemalt worden sind, die fast alle genauso aussehen. Die haben so ganz dünne, ganz, ganz hochgezogene Augenbrauen, fast kaum merklich und auch diese spezifischen Nasen wie bei der Mona Lisa.“
Precht erläutert anhand der Mona Lisa, wie stark Renaissance-Porträts einem stilisierten Schönheitsideal folgten – mit schmalen Vogelmund, dünnen Augenbrauen und spezifischer Nasenform. Er argumentiert, dass heute kaum jemand die Mona Lisa als schön empfindet, und kontrastiert sie mit den lebendigeren Madonnen Raphaels, die volkstümliche Bauernmädchen porträtierten.
Madonnenmalerei Raffaels
Raffael
Raffaels Madonna-Gemälde stellen einen revolutionären Bruch mit der stilisierten Renaissance-Ästhetik dar: Der Künstler porträtierte italienische Bauernmädchen als Madonnen, mit dunkleren Haaren und üppigerer Erscheinung statt idealisierter Gesichter. Diese volkstümlichere, lebendigere Darstellung war eine bewusste Provokation gegen die künstliche Schönheitsideale seiner Zeit.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:24:27 „Viel schöner aus heutiger Perspektive ist das, was danach kam, als dann Raphael anfing, die Bauernmädchen in Italien zu porträtieren und aus ihnen Madonnen zu machen. Die hatten dann meistens dunklere Haare, die waren ein bisschen üppiger und die hatten jetzt nicht mehr diese stilisierten Gesichter. Das war übrigens wirklich eine Provokation.“
Im Kontext eines kunsthistorischen Exkurses über Schönheitsideale beschreibt Precht, wie Raffaels Madonna-Gemälde einen Bruch mit dem stilisierten Renaissance-Ideal der Mona-Lisa-Ästhetik darstellten. Indem Raffael einfache Bauernmädchen als Madonnen malte, schuf er volkstümlichere, lebendigere Gesichter, die laut Precht für heutige Betrachter sehr viel mehr Lebendigkeit ausstrahlen.
Phaedros
Platon · 1998
In diesem platonischen Dialog wird die menschliche Seele als geflügeltes Himmelswesen dargestellt, das beim Anblick von Schönheit an die himmlische Sphäre zurückerinnert wird. Das Bild des sprießenden Seelengefieder erklärt auf poetische Weise, was Verliebtheit ist – eine Alternative zur neurochemischen Deutung.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:30:35 „Und das findet sich im Phaedros. Das ist einer der Dialoge von Platon, wo man früher immer gedacht hat, das ist ein Jugendwerk. Heute ist man sich da nicht so sicher. Und Platon ist ja ein Geschichtenerzähler. Immer wenn er intellektuell oder gedanklich nicht weiter weiß, erzählt er eine Geschichte.“
Precht erläutert Platons Theorie aus dem Phaedros, wonach die menschliche Seele einst ein geflügeltes Himmelswesen war und beim Anblick eines schönen Menschen eine Erinnerung an die himmlische Sphäre spürt – das berühmte Bild vom sprießenden Seelengefieder. Er stellt diese poetische Erklärung der Verliebtheit bewusst der neurochemischen Erklärung über Phenylethylamin gegenüber und findet die platonische überzeugender.