Der Fenstersturz der Isebel
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Im Nordreich Israel liegt König Joram verwundet darnieder, als der Prophet Elischa einen verdeckten Staatsstreich anzettelt: Er schickt einen Jünger los, um den Militär Jehu heimlich zum neuen König zu salben — mit dem Auftrag, das gesamte Haus Ahab auszulöschen und Rache für das von Isebel vergossene Blut zu nehmen. Eine Geschichte über Propheten, die Politik machen, und Könige, die den Fehler begehen, krank zu werden.
„Krank sollte man nicht werden im Alten Testament. Vor allem nicht, wenn man König ist und nicht gleich zum Schwert greifen kann.“
Erwähnte Medien (6)
Ben Hur
William Wyler · 1959
Als Judah Ben-Hurs Jugendfreund Messala, der ihm einst das Leben rettete, nach Jerusalem kommt, um dort neuer römischer Kommandant zu werden, ist die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten groß. Die Freundschaft zwischen Messala und Judah wird auf die Probe gestellt, als Judah die jüdischen Aufständischen verraten soll. Nachdem bei einer römischen Parade der neue Statthalter vor Judahs Haus schwer verletzt wird, verdächtigt man Judah und seine Familie des Attentats.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:11:23 „Mir kam jetzt gerade die Filmszene von Ben Hur, wo die dann mit den Wagen aufeinander rasen und die fahren da zwar nebeneinander, aber die rasen aufeinander zu und schreien sich dann gegenseitig an.“
Johanna Haberer vergleicht die dramatische Bibelszene, in der Jehu und König Joram mit ihren Streitwagen aufeinander zurasen, mit der berühmten Wagenrennen-Szene aus dem Film Ben Hur. Der Vergleich verdeutlicht die filmreife Dramatik der biblischen Erzählung.
Game of Thrones
David Benioff, D. B. Weiss / HBO · 2011
Game of Thrones (engl. für „Spiel der Throne“, oft abgekürzt mit GoT) ist eine US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie von David Benioff und D. B. Weiss für den US-Kabelsender HBO. Die von Kritikern gelobte und kommerziell erfolgreiche Serie basiert auf der Romanreihe A Song of Ice and Fire („Das Lied von Eis und Feuer“) des US-amerikanischen Schriftstellers George R. R. Martin, der anfangs ebenfalls an der Serie mitwirkte.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:19:30 „Das ist ja auch wie bei Game of Thrones, wo also eine Blutschuld mit der anderen ausgelöscht wird und dann aber neue Rachegelüste wieder in dritten hervorruft“
Sabine zieht erneut den Vergleich zu Game of Thrones, diesmal bezogen auf die endlose Spirale aus Rache und Blutschuld zwischen den Herrscherhäusern
Die Liste wird immer länger. Wieder mal ein mysteriöser Todesfall in Russlands Elite
Der Artikel dokumentiert die gehäufte Serie mysteriöser Todesfälle in Russlands Elite seit dem Ukraine-Krieg 2022. Zahlreiche hochrangige russische Funktionäre und Oligarchen sind durch Treppen- oder Fensterstürze sowie andere ungeklärte Umstände gestorben, was Verdacht auf unnatürliche Ursachen aufwirft. Das Stern-Reportage zeigt ein beunruhigendes Muster verdächtiger Todesfälle, die als Zeichen von Machtkämpfen und Säuberungen innerhalb der russischen Führungselite gedeutet werden.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:21:52 „Und da ist mir auch ein Artikel im Stern aufgefallen. Die Liste wird immer länger. Wieder mal ein mysteriöser Todesfall in Russlands Elite, schreibt der Stern. Ja, jetzt im September 22. Da steht, Angehörige der russischen Elite sind in den letzten Monaten mit auffälliger Häufigkeit unerklärlicherweise ums Leben gekommen.“
Sabine Rückert vergleicht das Ende der Königin Isabel – die aus dem Fenster geworfen wird – mit der auffälligen Serie mysteriöser Fensterstürze und Todesfälle russischer Oligarchen und Putin-Kritiker. Sie zitiert ausführlich einen Stern-Artikel vom September 2022, der dutzende verdächtige Todesfälle auflistet, um zu zeigen, dass das biblische Motiv des Fenstersturzes als Machtmittel erschreckend aktuell ist.
De Civitate Dei (Vom Gottesstaat)
Augustinus · 2021
“Die zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat” (lateinisch: De civitate Dei), oft auch “Vom Gottesstaat” genannt, ist ein Buch der christlichen Philosophie, geschrieben in Latein von Augustinus von Hippo im frühen 5. Jahrhundert. Das Buch war eine Antwort auf die Behauptung, das Christentum habe den Niedergang Roms herbeigeführt, und gilt neben den Bekenntnissen und dem Enchiridion als eines der wichtigsten Werke des Augustinus.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:41:43 „Dann muss der Augustinus im vierten Jahrhundert sich damit auseinandersetzen, warum ist Rom gefallen.“
Johanna Haberer zeichnet eine Linie von biblischer Geschichtstheologie über Augustinus bis zur Aufklärung. Sie nennt Augustinus als Beispiel dafür, wie Theologen historische Katastrophen im Licht des Glaubens deuten mussten – konkret den Fall Roms, den Augustinus in seinem Hauptwerk verarbeitete.
Oberammergauer Passionsspiele
Traditionsreiches Passionsspiel aus Oberammergau, das die Leidensgeschichte Jesu darstellt. Die historische Version enthielt antisemitische Elemente, die in modernen Aufführungen konsequent entfernt wurden – ein Beispiel für theologische Selbstkritik des Christentums nach Auschwitz.
🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:14 „Dass man zum Beispiel die Oberammergauer Passionsspiele vollständig von antisemitischen Bemerkungen reinigt. Dass man sagt, wir können nicht auf einem antisemitischen Weg gehen als Christen, das hat Auschwitz auch bewirkt.“
Im Kontext einer Diskussion darüber, wie Auschwitz die christliche Theologie verändert hat, nennt Johanna Haberer die Oberammergauer Passionsspiele als konkretes Beispiel: Sie wurden von antisemitischen Inhalten gereinigt, was zeige, dass historische Katastrophen auch positive theologische Korrekturen anstoßen können.
Widerstand und Ergebung
Dietrich Bonhoeffer · 2019
Bonhoeffers Briefe und Aufzeichnungen sind ein privates Dokument von größter zeitgeschichtlicher Bedeutung. Das Buch enthält die an den Theologen, Freund und späteren Biografen Eberhard Bethge gerichteten Briefe. Nach der Lektüre dieses Buches ist ein Christentum nicht mehr möglich, das sich nicht zu engagieren weiß.
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:43:51 „Und das würde ich gerne mit einem sehr frommen Text als gutes Wort zum Schluss beenden. Diese ganze Blutorgie, ein Glaubensbekenntnis, das Dietrich Bonhoeffer geschrieben hat, der im Widerstand gegen Hitler sein Leben verloren hat.“
Johanna Haberer schließt die Episode mit einem Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer ab, das aus seinen Gefängnisbriefen stammt (gesammelt in 'Widerstand und Ergebung'). Sie kontrastiert Bonhoeffers Haltung – Gott könne aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen – mit der gefährlichen deuteronomistischen Geschichtstheologie, die zuvor diskutiert wurde. Bonhoeffer biete eine andere Form von Geschichtstheologie, die auf menschliches Handeln setze.