Susanna im Bade
Sabine Rückert & Johanna Haberer
In dieser Folge geht es um die berühmte Legende der Susanna im Bade aus dem Buch Daniel — eine Geschichte, die in der katholischen und protestantischen Bibel unterschiedlich überliefert ist. Besonders spannend: Die Erzählung entpuppt sich als antiker Kriminalfall, in dem Daniel als eine Art Ermittler auftritt, der durch kluge Befragung Recht schafft.
„Ich muss mal vorausschicken, dass ich mich sehr freue über diese heutige Folge, denn es handelt sich um eine Folge von kriminalistischer Ermittlung.“
Erwähnte Medien (7)
Einheitsübersetzung
· 2017
Die Einheitsübersetzung ist eine der drei großen kanonischen Bibelausgaben im deutschsprachigen Raum und wird von der Katholischen Kirche verwendet. Sabine Rückert bespricht die Bibel in einer eigenen Reihenfolge und grenzt sich bewusst von dieser sowie von der lutherischen und jüdischen Bibelordnung ab. Der Artikel ist relevant, weil er zeigt, dass die Anordnung und Auslegung der biblischen Texte nicht universell einheitlich ist, sondern je nach theologischer Tradition unterschiedlich ausfällt. Für Bibelleser bietet die Einheitsübersetzung damit eine wichtige Referenzbasis, um verschiedene Interpretationsansätze zu verstehen.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:11 „Du hast die eine Einheitsübersetzung, die auf der griechischen Gesamtübersetzung der Septuaginta beruht, vor dir liegen.“
Johanna beschreibt die unterschiedlichen Bibelausgaben, die sie und Sabine für die Lektüre des Daniel-Buches verwenden
Lutherübersetzung (revidiert 2017)
Martin Luther
Luthers Bibelübersetzung in revidierter Fassung von 2017. Diese Ausgabe unterscheidet sich von älteren Versionen durch Ergänzungen wie die Susanna-Geschichte, die als Anhang zu Daniel ('Stücke zu Daniel') aufgenommen wurde. Sie bietet eine klassische deutsche Übersetzung des christlichen Kanons mit textlichen Überarbeitungen.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:28 „Ich habe die protestantische von 2017 vor mir liegen, die Lutherübersetzung, die revidierte. Da steht ein anderes Buch, Daniel, drin, als das, das du vorliegen hast.“
Johanna Haberer liest aus der revidierten Lutherübersetzung von 2017, in der die Susanna-Geschichte erst seit der Revision als Anhang ('Stücke zu Daniel') aufgenommen wurde. Der Vergleich der beiden Bibelausgaben bildet den Rahmen der Folge.
Orestie
Aischylos
Antike griechische Tragödie-Trilogie über Orestes' Konflikt zwischen Rache und Gerechtigkeit. Kernthema: der Richter, der über sich selbst urteilen muss. Stück thematisiert den Wandel von privater Vendetta zur demokratischen Rechtsprechung und politischer Urteilsfähigkeit in Athen.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:08 „Das ist eine Szene, die ja auch in der Antike bis in die neuere Zeit ein Motiv ist, der Richter, der sich selbst verurteilt. Das passiert in der Orestes-Geschichte, wo er das Urteil über sich selbst sprechen muss.“
Johanna Haberer ordnet das Motiv des sich selbst verurteilenden Richters in eine literarische Tradition ein, die von der antiken Orestes-Geschichte über König David bis zu Kleists 'Der zerbrochne Krug' reicht. Die Parallele dient dazu, die literarische Tiefe der Susanna-Erzählung zu zeigen.
Der zerbrochene Krug
Heinrich von Kleist
Klassische deutsche Komödie von Heinrich von Kleist, die einen rätselhaften Kriminalfall humorvoll entfaltet. Im Kontext des Podcasts repräsentiert dieses Stück die Schulaufführungen zu den Ruhrfestspielen, die Hape Kerkeling als Schüler erlebte und die seinen Wunsch weckten, ein Publikum aktiv einzubeziehen statt es passiv sitzen zu lassen.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:27 „Aber woran auch die Komik mich erinnert, ist natürlich der zerbrochene Krug. Der zerbrochene Krug ist das. Der Richter Adam. Natürlich. Der ist selber, der klagt an. Ist aber selber der Schuldige und fängt dann an rumzulavieren. Ist eine riesige komische Geschichte und dies ist im Grunde genommen das gleiche Motiv.“
Johanna vergleicht das Motiv des Richters, der sich selbst verurteilt, mit Kleists Komödie, in der Richter Adam zugleich der Schuldige ist
Der zerbrochne Krug
Heinrich von Kleist
Klassisches deutsches Lustspiel von Heinrich von Kleist über einen korrupten Dorfrichter und den Diebstahl seines Krugs. Die Aufführung bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen prägte die Schulbesuche des Podcast-Gastgebers und zeigte ihm die Herausforderung, ein unaufmerksames Publikum zur Mitarbeit auf der Bühne zu bewegen – ein Moment, der seinen späteren Wunsch nach direkter Publikumsinteraktion inspirierte.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:29:37 „Aber woran auch die Komik mich erinnert, ist natürlich der zerbrochene Krug. Der zerbrochene Krug ist das. Der Richter Adam. Natürlich. Der ist selber, der klagt an. Ist aber selber der Schuldige und fängt dann an rumzulavieren.“
Johanna Haberer zieht eine literarische Parallele zwischen der Daniel-Susanna-Geschichte und Kleists Komödie 'Der zerbrochne Krug'. Das Motiv des Richters, der sich durch seine eigene Verhandlung selbst entlarvt, verbindet beide Werke. Die Komik der biblischen Szene – zwei Richter, die sich gegenseitig widersprechen – erinnert sie an Richter Adam.
Susanna im Bade
Peter Paul Rubens
Ölgemälde von Peter Paul Rubens, das das klassische Motiv "Susanna im Bade" darstellt. Das Werk exemplifiziert die kunsthistorische Tradition, in der sexuelle Übergriffe durch ästhetische Meisterschaft verharmlost werden – die Figur der Susanna blickt die Voyeure verführerisch an statt Angst oder Abwehr zu zeigen. Als Paradigma der europäischen Aktmalerei verdeutlicht es, wie Gewalt gegen Frauen durch künstlerische Virtuosität normalisiert wurde.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:32:48 „Susanna im Bade ist ein Traditionsmotiv und feministische Betrachterinnen, die sagen auch häufig, dass ihnen sehr kritisch auffällt, dass die Susanna eigentlich auf den ganzen Gemälden von Rubens bisher doch sehr verführerisch diese beiden alten Herren ansehen würde.“
Johanna Haberer diskutiert die Darstellung der Susanna im Bade in der Kunstgeschichte. Sie erwähnt Rubens' Gemälde als Beispiel dafür, wie das Motiv feministisch kritisiert wird: Die Darstellung suggeriere durch den verführerischen Blick der Susanna eine Mitschuld des Opfers.
Psycho
Alfred Hitchcock · 1960
Die Sekretärin Marion Crane unterschlägt 40.000 Dollar und macht auf ihrer Flucht in einem abgelegenen Motel Station, das der eigentümliche Norman Bates leitet, der mit seiner Mutter im Haus neben dem Motel lebt. Als Marion sich frisch machen will, wird sie während des Duschens erstochen. Nachdem ein Privatdetektiv, der ihre Spur gefunden hatte, ebenfalls verschwindet, begeben sich Marions Freund Sam und ihre Schwester Lila auf die Suche. Im Bates Motel machen sie eine grausige Entdeckung.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:33:11 „In jedem Fall ist dieses Motiv von der Susanna im Bade auch bei Psycho von Hitchcock wichtig. Dieser Norman Bates, der Mörder, der beobachtet. Der die Frau ersticht in der Dusche.“
Johanna Haberer verfolgt die Motivgeschichte der 'Susanna im Bade' bis in die Filmgeschichte. In Hitchcocks Psycho hängt vor dem Guckloch, durch das Norman Bates die Frauen beobachtet, ein Gemälde der Susanna im Bade – eine bewusste Anspielung auf das voyeuristische Motiv der biblischen Erzählung.