Unter Pfarrerstöchtern – Warum sollen die Ersten die Letzten sein
#118

Warum sollen die Ersten die Letzten sein

Unter Pfarrerstöchtern / 08. März 2024 / 11 Medien

Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler

Diese Folge widmet sich der Bergpredigt — einem kurzen Text mit gewaltiger Wirkungsgeschichte, der vermutlich so nah wie kaum ein anderer an den tatsächlichen Worten Jesu heranreicht. Die Schwestern vergleichen die beiden überlieferten Versionen bei Matthäus und Lukas, spüren den Unterschieden nach und schauen dabei tief in die Werkstatt der antiken Texterstellung: Warum fehlt die Bergpredigt bei Markus und Johannes komplett, und warum hat Lukas dieselben Worte über sein ganzes Evangelium verstreut?

„Es ist einfach so ein Text, der so eine gewaltige Geschichte geschrieben hat und wir alle davon ausgehen, dass es The Master's Voice, O-Ton Jesus gewesen ist und dass wir vielleicht da ganz nah dran sind an dem, was Jesus tatsächlich programmatisch zu sagen hatte.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (11)

Christ: A Crisis in the Life of God

Christ: A Crisis in the Life of God

Jack Miles · 2002

Focuses on the New Testament to present Jesus as a spiritual figure and literary character with ties that span from the creation to the end of time.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:09:16 „Zunächst mal habe ich natürlich geguckt, was sagt unser Freund Jack Miles dazu, der uns jetzt auch durch das Neue Testament begleitet in seinem Jesusbuch. Und er sagt Folgendes.“

Sabine Rückert zieht Jack Miles' Jesusbuch als theologischen Begleiter heran, um die politische Sprengkraft der Bergpredigt einzuordnen. Sie liest eine längere Passage vor, in der Miles erklärt, wie das christliche Paradox – die Letzten werden die Ersten sein – das politische Bewusstsein des Abendlandes bis heute prägt und jede Herrschaft unter Kritik-Vorbehalt stellt.

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Epoden (Beatus ille)

Epoden (Beatus ille)

Horaz · 2016

Horaz: Oden und Epoden Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Bildes: Albert Dreßler, Frauen am Brunnen, vor 1897. Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.

🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:24 „Der Horatz sagt zum Beispiel, glücklich ist der, der der Arbeit fern ist. Also solche Varianten.“

Johanna Haberer erwähnt Horaz' berühmtes 'Beatus ille' als Beispiel dafür, dass die literarische Form der Seligpreisung – 'Glücklich ist, wer...' – auch in der antiken Philosophie existiert, nicht nur in der jüdisch-christlichen Tradition.

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Der Antichrist

Der Antichrist

Friedrich Nietzsche · 2022

"Dies Buch gehört den Wenigsten. Vielleicht lebt selbst noch Keiner von ihnen. Es mögen Die sein, welche meinen Zarathustra verstehn: wie dürfte ich mich mit Denen verwechseln, für welche heute schon Ohren wachsen? – Erst das Übermorgen gehört mir. Einige werden posthum geboren." (Zitat auf S. 3 in diesem Buch) Friedrich Nietzsche. Der Antichrist. Versuch einer Kritik des Christenthums. Erstdruck: C. G. Naumann Verlag, Leipzig 1895.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:13:52 „In seiner Schrift Der Antichrist schrieb Nietzsche Folgendes. Was ist gut? Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht. Was ist schlecht? Alles, was aus der Schwäche stammt.“

Im Kontext der Diskussion über die Bergpredigt als 'Umwertung aller Werte' liest Sabine Rückert Nietzsches radikale Gegenposition vor. Nietzsche, selbst Pfarrerssohn, verwirft das christliche Mitleid als Schwäche und feiert stattdessen den Willen zur Macht – eine Position, die Jack Miles als 'den Ausbruch des Irren' in der letzten Kirchenbank beschreibt.

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Menschliches, Allzumenschliches

Menschliches, Allzumenschliches

Friedrich Nietzsche · 2022

"– eine Zeit lang erwog ich die verschiedenen Beschäftigungen, denen sich die Menschen in diesem Leben überlassen und machte den Versuch, die beste von ihnen auszuwählen. Aber es thut nicht noth, hier zu erzählen, auf was für Gedanken ich dabei kam: genug, dass für meinen Theil mir Nichts besser erschien, als wenn ich streng bei meinem Vorhaben verbliebe, das heisst: wenn ich die ganze Frist des Lebens darauf verwendete, meine Vernunft auszubilden und den Spuren der Wahrheit in der Art und Weise...

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:15:46 „Und die Kirchendiener, die mit dem Irren jetzt ringen, um ihn zu überwältigen, müssen, wenn sie ehrliche Christen sind, auch mit ihrer menschlichen, allzu menschlichen Neigung ringen, ihm letztlich beizupflichten.“

Sabine Rückert liest aus Jack Miles' Jesusbuch vor, in dem dieser Nietzsches Kritik an der Bergpredigt kommentiert. Miles verwendet dabei die Wendung 'menschlich, allzu menschlich' als literarische Anspielung auf Nietzsches gleichnamiges Werk, um die innere Zerrissenheit gläubiger Christen gegenüber Nietzsches Einwänden zu beschreiben.

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Der Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts

Der Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts

Alfred Rosenberg · 1942

"As population estimates for 2050 reach over 9 billion, issues of food security and nutrition have been dominating academic and policy debates. A total of 805 million people are undernourished worldwide and malnutrition affects nearly every country on the planet. Despite impressive productivity increases, there is growing evidence that conventional agricultural strategies fall short of eliminating global hunger, as well as having long-term ecological consequences.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:15:59 „Rosenberg ist der Theoretiker des Nationalsozialismus, der das große Buch Mythos des 20. Jahrhunderts geschrieben hat, wo er die theoretischen Grundlagen des Nationalsozialismus legt“

Als Beispiel dafür, wohin die Ablehnung der christlichen Werte der Bergpredigt führen kann, wird Rosenbergs ideologisches Hauptwerk erwähnt

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Der Mythus des 20. Jahrhunderts

Der Mythus des 20. Jahrhunderts

Alfred Rosenberg · 1942

"As population estimates for 2050 reach over 9 billion, issues of food security and nutrition have been dominating academic and policy debates. A total of 805 million people are undernourished worldwide and malnutrition affects nearly every country on the planet. Despite impressive productivity increases, there is growing evidence that conventional agricultural strategies fall short of eliminating global hunger, as well as having long-term ecological consequences.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:16:26 „Da kann man dann nachlesen, dass er mit dem Christentum abrechnet. Rosenberg ist der Theoretiker des Nationalsozialismus, der das große Buch Mythos des 20. Jahrhunderts geschrieben hat, wo er die theoretischen Grundlagen des Nationalsozialismus legt.“

Johanna Haberer zieht die Linie von Nietzsches Kritik an der Bergpredigt weiter zum Nationalsozialismus. Sie verweist auf Rosenbergs Hauptwerk, in dem dieser das christlich-jüdische Weltbild als 'Feigheitslehre' verwirft und stattdessen einen Mythos von Volksseele und Ehre propagiert – eine Position, die sich laut Haberer in der Katastrophe des Nationalsozialismus selbst widerlegt hat.

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Neujahrsausgabe 2024 – Träume vom neuen Jahr

Neujahrsausgabe 2024 – Träume vom neuen Jahr

Peter M. Buhr, Webmaster der ZEIT, schildert seine Erlebnisse als Soldat in der Nationalen Volksarmee 1988 in Eggesin. Er unterscheidet zwischen erreichbaren Träumen wie Milch zum Stillen körperlicher Mängel und unerreichbaren Träumen von Freiheit: Flucht aus der Kaserne, Kontakt zur Freundin, die inzwischen heiratet, Ausreise in den Westen trotz Großvaters Angebot aus Paraguay, sowie Zugang zu verbotener Literatur. Sein Wunsch war es, wie Volker Braun oder Heiner Müller als Schriftsteller die Wahrheit schreiben zu dürfen. Der Essay zeigt die Frustration eines jungen Mannes, dessen Zukunft in einem rigiden System vorgezeichnet erschien.

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:19:07 „Aus unserer Zeitung, aus der Zeit, in der in der Neujahrsausgabe in der Politik zehn Leute gefragt wurden, was ihr Traum vom neuen Jahr ist“

Sabine Rückert liest den Beitrag von Edith Ohel aus der ZEIT-Neujahrsausgabe vor, in dem die Mutter einer Hamas-Geisel ihre Haltung beschreibt – als lebendiges Beispiel für die Werte der Bergpredigt

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Träume für 2024

Träume für 2024

Edith Ohel

Edith Ohel schreibt in der ZEIT-Neujahrsausgabe 2024 über ihren Traum für das neue Jahr. Die Mutter eines von der Hamas entführten Pianisten reflektiert, wie sie trotz tiefsten Leids an Freundlichkeit und Licht festhält. Ein Beitrag, der innere Widerstandskraft angesichts von Tragödie bezeugt.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:19:07 „Ich wollte dir einen Text vorlesen, den ich aus der Zeitung habe. Aus unserer Zeitung, aus der Zeit, in der in der Neujahrsausgabe in der Politik zehn Leute gefragt wurden, was ihr Traum vom neuen Jahr ist.“

Sabine Rückert liest einen Text aus der ZEIT-Neujahrsausgabe 2024 vor, in dem Edith Ohel, die Mutter eines von der Hamas entführten Pianisten, beschreibt, wie sie trotz des Leids an Freundlichkeit und Licht festhält. Rückert sieht darin die Bergpredigt in Reinform – gelebt von einer Jüdin, nicht einer Christin.

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We Shall Overcome

We Shall Overcome

Joan Baez

We Shall Overcome ist ein Protestlied, das eine wichtige Rolle in der US-Bürgerrechtsbewegung spielte. Die Refrainzeile, die auch als Titel dient, bedeutet: „Wir werden (es) überwinden!“ Titel und/oder Song werden heute weltweit als musikalischer Protest gegen jede Art von Missständen verwendet. Die bekannteste Fassung des Liedes stammt von Joan Baez.

🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:11 „Es gibt ja auch christliche Friedenskirchen, wie die Quaker zum Beispiel oder die Mennoniten, die ganz streng danach leben. Dieses We shall overcome, wie heißt die, John Bass?“

Im Gespräch über christliche Friedenskirchen, die die Bergpredigt konsequent leben, erwähnt Johanna Haberer das Lied 'We Shall Overcome' als Beispiel für große Friedenslieder, die aus dem amerikanischen Bibelbelt und Quäker-Familien stammen. Der Name wird im Transkript als 'John Bass' wiedergegeben, gemeint ist Joan Baez.

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Interview zum 80. Geburtstag von Wolfgang Schäuble

Interview zum 80. Geburtstag von Wolfgang Schäuble

Der Glaube habe ihm in der Politik geholfen, sagte der CDU-Politiker 2022 im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Am 26. Dezember 2023 ist Wolfgang Schäuble im Kreise seiner Familie gestorben. Lesen Sie hier noch einmal das Interview mit ihm

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:30:41 „Man kann zum Beispiel zum 80. Geburtstag von Schäuble kann man ein Interview mit Chrismon nachlesen, wo er versucht hat zu sagen, ich kann das in die Politik nicht eins zu eins umsetzen, aber ich kann es als eine Zielbeschreibung von Politik beschreiben.“

Auf die Frage, warum die Bergpredigt politisch nie beherzigt werde, verweist Johanna Haberer auf ein Chrismon-Interview mit Wolfgang Schäuble zu dessen 80. Geburtstag. Darin habe Schäuble die Bergpredigt als Zielbeschreibung von Politik beschrieben, die man nicht eins zu eins umsetzen könne – ein Beispiel dafür, dass christlich sozialisierte Politiker sich durchaus damit auseinandersetzen.

Zum Artikel bei Chrismon.de Details
Im Winter

Im Winter

Karl Ove Knausgård · 2017

Die Jahreszeiten-Bücher von Karl Ove Knausgård: "Im Winter" ist der zweite Teil einer aus vier Bänden bestehenden grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt. Enthalten: Briefe an eine neu geborene Tochter, Essays über Weihnachten und den Schnee, das Licht am Winterhimmel und ein Feuerwerk zwischen den Jahren, das Leben im Winter. „Es ist seltsam, dass es dich gibt, du aber nichts darüber weißt, wie die Welt aussieht.

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:37:43 „Die menschliche Seele ist eine Rodung im Wald und dem göttlich Reinen und Makellosen muss es völlig unbegreiflich sein, warum sie immer wieder zuwächst. Das ist der Kampf, von dem die Bibel erzählt.“

Zum Abschluss der Folge liest Sabine Rückert eine Passage von Knausgård vor, die ihr besonders gefallen hat. Knausgård beschreibt darin, wie eng Diesseits und Jenseits in der Bibel verbunden waren und wie Gottes ständige Eingriffe nie zu dauerhafter Besserung führten. Er vergleicht die menschliche Seele mit einer Lichtung im Wald, die immer wieder zuwächst – ein Bild, das beide Sprecherinnen als Überleitung zum nächsten Thema (‚Seid das Licht der Welt') nutzen.

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