Odyssee
Homer
Homers Epos über die zehnjährige Irrfahrt des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Auf seiner Heimreise nach Ithaka begegnet er Kyklopen, Sirenen und anderen Gefahren. Eines der Gründungswerke der europäischen Literatur.
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„Ja, und wie es auch bei Odysseus war, bei der Ilias und bei der Odyssee, diese ganzen großen Sagen der Griechen. Warum ist die Odyssee kein Religionsbuch? Was unterscheidet denn die Geschichten aus der Bibel von denen zum Beispiel der griechischen Sagen, die ihnen ja vom Sound her und von der Blutrunst her und von der Vitalität her sehr, sehr verwandt sind?“
Sabine Rückert stellt die Frage, warum die Odyssee kein Religionsbuch geworden ist, obwohl sie der Bibel in Ton, Vitalität und Drastik sehr ähnelt. Johanna Haberer antwortet, dass sich die griechische Götterwelt korrumpiert habe, während der hebräische Gott ein unsichtbarer Gott des Geistes sei – rationaler und moderner.
„Jetzt muss ich aber doch an Odysseus denken. Odysseus ist ja eine ähnliche Figur. Odysseus ist ja der große Dulder. Er wird in der griechischen Sage der große Dulder genannt.“
Rückert vergleicht Abraham ausführlich mit Odysseus als dem 'großen Dulder': Beide warten jahrzehntelang auf die Erfüllung eines Versprechens. Sie erzählt die Odysseus-Geschichte mit dem Trojanischen Krieg und der 20-jährigen Irrfahrt nach.
„Jetzt muss ich aber doch an Odysseus denken. Odysseus ist ja eine ähnliche Figur. Odysseus ist ja der große Dulder.“
Rückert vergleicht erneut Abraham mit Odysseus: Beide sind große Dulder, aber der Unterschied liegt darin, dass Odysseus' Leiden durch den Streit der Götter (Poseidon vs. Athene) verursacht wird, während Abraham unter dem einen Gott leidet, der seine Verheißung nicht erfüllt.
„Er stellt diese Geschichte gegenüber der Geschichte, wo Odysseus von seiner langen Reise nach Hause kommt und die Magd erkennt ihn, seine Frau erkennt ihn nicht, die Freier seiner Frau erkennen ihn nicht, aber die Magd erkennt Odysseus. Die alte Amme, die erkennt ihn an einer Narbe, die er sich als Kind zugezogen hat.“
Die Odyssee wird als Gegenbeispiel zur biblischen Erzählweise herangezogen, im Rahmen von Auerbachs Vergleich. Während die Bibel vieles im Dunkeln lässt, wird bei Homer alles im Detail ausgeleuchtet — wie Odysseus sich die Narbe bei einer Wildschweinjagd zuzog, wird minutiös erzählt. Die beiden Werke stehen für zwei fundamental verschiedene Erzähltraditionen.
„Eine Blaupause, eine Blaupause, so wie Odysseus ja auch, die ist ja auch eine ähnliche Blaupause für die Heldengeschichten der ganzen westlichen Welt.“
Sabine Rückert stellt die Odyssee neben die Josef-Geschichte als fundamentale Blaupause der westlichen Erzähltradition. Beide Geschichten liefern das archetypische Muster: Ein Held muss in die Fremde gehen und durch Prüfungen hindurch zu seiner Bestimmung finden.
„Und wenn ich mir dann überlege, wie Odysseus nach 20 Jahren nach Hause kommt. Also was die beiden Sachen verbindet, die Rückkehr des Odysseus und die Rückkehr des Josef zu seiner Familie, ist ja, dass beide unerkannt sind.“
Sabine Rückert vergleicht Josefs Wiedersehen mit seinen Brüdern mit der Heimkehr des Odysseus nach Ithaka. Beide kommen unerkannt zurück, doch der entscheidende Unterschied liegt im Ausgang: Während Josef seinen Brüdern vergibt und sie umarmt, kennt Odysseus keine Gnade und tötet alle Freier. Dieser Kontrast zwischen griechischer Rache und biblischer Vergebung zieht sich durch die gesamte Passage.
„Und weißt du, an was mich das erinnert? Das ist die Geschichte vom Odysseus. Odysseus hat genau dieselbe Situation. Er hat zehn Jahre vor Troja gelegen, er fährt nach Hause, es geht relativ rasch.“
Der Sprecher zieht eine ausführliche Parallele zwischen der Situation der Israeliten vor Kanaan und der Odyssee. So wie die Israeliten kurz vor dem gelobten Land zurückgeworfen werden, sieht Odysseus bereits Ithaka, doch seine Gefährten öffnen den Windsack des Aeolus und werden zurückgeschleudert – in beiden Fällen führen Misstrauen und Gier dazu, dass das Ziel zum Greifen nah war und doch verfehlt wird.
„Jetzt so standen die Götter, die Geber des Guten im Vorsaal und ein langes Gelächter erscholl bei den seligen Göttern.“
Ausgehend von Sabine Rückerts charakteristischem Lachen kommt das Gespräch auf den Begriff des 'homerischen Lachens'. Jochen Wegner zitiert direkt aus der Odyssee die Szene, in der die Götter über Hephaistos lachen, der seine untreue Frau Aphrodite in einem Netz gefangen hat. Sabine Rückert erzählt daraufhin die gesamte mythologische Hintergrundgeschichte detailliert nach.
„Und an dem Seil, das die Rahab aus dem Fenster hängte, kletterten die Israeliten ins Haus der Rahab und von da aus gelangten sie in die Stadt. So ein bisschen wie bei Odysseus und dem Pferd.“
Sabine Rückert vergleicht die These, Rahab habe als Insiderin den Israeliten durch ihr Haus Zugang zur Stadt verschafft, mit der List des Trojanischen Pferdes aus der Odyssee. Johanna Haberer greift den Vergleich auf und nennt Rahab das 'trojanische Pferd der Israeliten'.
„Ich hatte noch so die Vorstellung von Homer oder so im Kopf. Ich hatte die Odyssee mitgenommen als 20-Jähriger in meinem Zivildiensturlaub.“
Precht erzählt von seiner prägenden Reise nach Naxos 1985, auf die er als 20-Jähriger Homers Odyssee mitnahm. Die Lektüre passte zu seiner romantischen Griechenland-Vorstellung, obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht für Philosophie interessierte.
„Es gibt ja auch die Odyssee. Die Odyssee ist ja auch die Irrfahrten des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Als er bei der Zauberin Zirze ist, macht Odysseus einen Ausflug in die Unterwelt. Da wird beschrieben in der griechischen Mythologie, wie man sich dort das Leben nach dem Tod vorgestellt hat, nämlich schrecklich, schrecklich.“
Sabine Rückert schildert ausführlich die Unterwelt-Szene aus der Odyssee (Nekyia), in der Odysseus auf die Seelen gefallener Helden wie Achilles und Ajax trifft. Sie nutzt die Passage als Gegenbeispiel zur christlichen Seelenhoffnung: Die griechische Vorstellung eines ewigen Schattendaseins in Kälte und Dunkelheit sei eine fürchterliche Vorstellung – die Toten bereuen ihren Ruhm und wünschen sich nur noch ein paar Tage im lebendigen Körper.
„Andra Moinepe, Musa Politropon, Hos Mala Pola, Blanchete, das kriege ich heute noch hin. Das ist nicht sechs. Das ist doch mehr als sechs.“
Günther Jauch erzählt von seiner Schulzeit und dem Griechisch-Unterricht. Er rezitiert die Anfangsverse von Homers Odyssee auf Griechisch, um zu beweisen, dass seine Leistung in Griechisch besser als null Punkte war, obwohl er sich selbst scherzhaft null Punkte gegeben hatte.
„Aber wir haben dieses Motiv, ich bin verfolgt oder will mich irgendwie verdrücken, indem ich mich verrückt zeige. Das haben wir ja schon beim Odysseus. Der Odysseus soll ja mit in den Krieg ziehen und dann macht er doch auch verrückt.“
Johanna Haberer zieht eine literarische Parallele zwischen David, der sich bei den Philistern wahnsinnig stellt, und Odysseus, der ebenfalls Wahnsinn vortäuschte, um nicht in den Trojanischen Krieg ziehen zu müssen. Die Parallele dient dazu, das biblische Motiv der vorgetäuschten Verrücktheit als universelles literarisches Muster einzuordnen.
„Und da wird zum ersten Mal auch in der exegetischen Literatur dieser Vergleich zwischen Odysseus, der durch Geschicklichkeit und Klugheit schlug. Zum Beispiel so ähnlich wie Odysseus Troja so nimmt David Jerusalem. Da wird eine Parallele gezogen, die in der Erzähltradition sich sehr ähnelt.“
Johanna Haberer zieht einen Vergleich zwischen Davids listiger Einnahme Jerusalems über den Wasserschacht und der Eroberung Trojas durch Odysseus. Sie ordnet dies als Parallele in der exegetischen Literatur ein, die zeigt, dass die David-Geschichte als Heldennarrativ für die kanaanäischen Jebusiter funktionieren sollte.
„Odysseus muss die Sirenen passieren, das Schiff und die Crew lockt in den sicheren Untergang, aber sie dürfen den Gesang nicht hören. Und was macht Odysseus in diesem abendländischen Urmoment, wie Adorno und Horkheimer ihn da beschrieben haben? Er lässt sich an den Mast fesseln von seiner Crew.“
Die Sirenen-Episode aus Homers Odyssee dient Lars Weisbrod als zentrale Analogie für seine Maskenkritik. Er vergleicht das Maskentragen mit der Selbstfesselung des Odysseus: beides sei rational begründbar, habe aber einen Preis – eine Form der Entwürdigung, die man benennen dürfe, ohne das Mittel grundsätzlich abzulehnen.
„Und vor allen Dingen muss man ja auch sagen, in der Odyssee, und das ist natürlich alles, also er ist schon, das ist sehr überlegt. In der Odyssee spiegelt sich natürlich auch die unmögliche Heimkehr. Also so wie der Herr Hettche, der hier heimkehrt in das etwas spießige Ferienhaus, Schweizer Ferienhaus seiner Eltern, spiegelt sich das ja nochmal in der großen Weltliteratur, nämlich in Odysseus, wie er versucht, heimzukehren.“
Iris Radisch zeigt, wie Hettche Homers Odyssee als literarische Spiegelfolie in seinen Roman einwebt. Die unmögliche Heimkehr des Odysseus wird als mythisches Vorbild für die Rückkehr des Ich-Erzählers in sein Schweizer Ferienhaus gelesen. Auch das Motiv der bedrohlichen Weiblichkeit bei Odysseus findet seine Entsprechung im Roman.
„Und später begegnet ihm dann Odysseus in der Unterwelt, als er die Unterwelt bereist. Und da tritt Achilles an ihn heran und sagt, ich gebe allen Ruhm hin für einen einzigen Tag an der Sonne.“
Sabine erzählt die Szene aus der Odyssee, in der Odysseus dem toten Achilles in der Unterwelt begegnet und dieser seinen Ruhm bereut – als Parallele zur Frage, ob man für sein Kind Ruhm oder ein langes Leben wählen würde.
„Es gibt berühmte Stellen sowohl in der Odyssee als auch in Vergils Buchstaben, wo einmal Odysseus und ein anderes Mal Aeneas in die Unterwelt herabsteigt, und zwar, wie es antik heißt, zu den Schatten.“
Ijoma Mangold zeichnet eine Kulturgeschichte der Unsterblichkeit und verweist auf die Odyssee als Schlüsseltext der antiken Jenseitsvorstellung. In Homers Epos steigt Odysseus in den Hades hinab und trifft dort auf die Toten als bloße Schatten – ein trostloser Zustand, der zeigt, dass die Antike kein erstrebenswertes Leben nach dem Tod kannte und Ruhm daher die einzige Form von Unsterblichkeit war.
„Oder es ist ganz wertfrei, bei Homer ist die allgemeine Bezeichnung für unbekannte Gottheit. Der Odysseus fährt da in der Gegend rum und trifft dann ab und zu mal Unbekannte.“
Johanna Haberer erklärt, dass bei Homer der Begriff 'Daimon' wertfrei als allgemeine Bezeichnung für unbekannte Gottheiten verwendet wird. Sie verweist auf Odysseus' Begegnungen als Beispiel, um den Bedeutungswandel des Dämonenbegriffs von der griechischen Antike bis zum Neuen Testament nachzuzeichnen.
„Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an das tolle Schauspiel Itaka, das von der Rückkehr des Odysseus erzählt, der nach zehn Jahren Krieg vor Troja und zehn Jahren Irrfahrt endlich wieder auf seiner Heimatinsel Itaka ankommt. Dort sitzt noch seine treue Frau Penelope, belagert von den Freiern.“
Die Odyssee wird als Vorlage für Botho Strauß' Theaterstück Ithaka herangezogen. Mangold erzählt die Handlung der Odysseus-Heimkehr nach, um den Gewaltakt als Ordnungsstiftung zu illustrieren – ein Kerngedanke von Girards Theorie. Nina Pauer ergänzt die grausamen Details, die in Kinderzusammenfassungen weggelassen werden.
„Und wenn wir jetzt auch mal ein bisschen den westlichen Kanon in Erinnerung rufen, in der Odyssee von Homer, was ja wichtig ist für unsere Kulturgeschichte, wird ja genau die List gelobt. Die List des Odysseus ist das Thema der Odyssee.“
Im Gespräch über die Täuschungsfähigkeit von KI-Systemen zieht Gabriel eine Parallele zur antiken Literatur. Er argumentiert, dass List und Täuschung schon in der Odyssee als Tugenden gefeiert werden – und dass heutige KI-Systeme genau diese Listigkeit verkörpern.
„Und du hast jetzt hier eine kleine Assoziation zu Odysseus und zu Jona. Ja, zu Jonah. Du hast zu Jonah, du hast die Jesuskurve und dann hast du aber noch diese alttestamentlichen Propheten, die dann immer wieder auch in die Narration, sagt man modern, in die Erzählweise Einfluss nehmen.“
Johanna Haberer erkennt in der Schiffbruch-Erzählung der Apostelgeschichte literarische Parallelen zur Odyssee. Die Irrfahrt des Paulus über das Mittelmeer, der Sturm und die Strandung auf einer Insel erinnern an Odysseus' Abenteuer — ein Beleg dafür, dass Lukas als Autor bewusst antike Erzählmuster aufgreift.
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