Berliner und anderes Liebeslieben
Iris Radisch, Adam Soboczynski
Das monatliche Zitat lautet: 'Kommunisten sind die einzigen Menschen auf der Welt, denen Literatur wichtig ist' — und der Satz entfaltet eine überraschende Diskussion. Adam Soboczynski konzediert die quasi-religiöse Lesewut linker Zirkel, hält aber dagegen, dass echte Kommunisten Literatur meist nur als Abbild gesellschaftlicher Strukturen lesen, nicht um der Schönheit eines Satzes willen. Iris Radisch ergänzt, was DDR-Schriftsteller nach der Wende schmerzhaft lernten: Plötzlich rief kein Staatsmann mehr an.
„Es rufen keine Staatsmänner mehr an, sie werden nicht mehr so ernst genommen und vielleicht sagen sie, ja Gott, machen wir jetzt eigentlich nur noch, sind wir in der Nische, machen wir nur noch bessere Unterhaltung, zählen wir gar nicht mehr.“
Erwähnte Medien (21)
Sister Europe
Nell Zink · 2025
An irresistible and poignant novel about the upper echelons of Berlin society, a grand literary celebration, and the after-party that upends the night and carries a group of guests deeper into the city Naema, an elderly princess dedicated to her pet causes, is in a bind: struck by a malady that maroons her in Montreux, she’s unable to host an exclusive gala dinner in Berlin to honor the author Masud al-Huzeil for his lifetime achievement in Arabic literature.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:00:32 „Kommunisten sind die einzigen Menschen auf der Welt, denen Literatur wichtig ist.“
In der Rubrik 'Der erste Satz' wird Nell Zinks Roman 'Sister Europe' vorgestellt, eine Berlin-Satire über eine Preisverleihungsnacht im Berliner Literaturbetrieb. Übersetzt von Tobias Schnettler.
Das kommunistische Postskriptum
Boris Groys · 2006
Boris Groys (russisch: Борис Ефимович Гройс; Betonung: Borís Jefímowitsch Grois; * 19. März 1947 in Ost-Berlin) ist ein russisch-deutscher Philosoph, Kunstkritiker und Medientheoretiker.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:04:25 „Es gibt ein ganz hübsches, kleines, etwas kompliziertes, aber grandioses Buch von Einem Kulturwissenschaftler, der heißt Boris Greuss, das heißt das kommunistische Postscriptum.“
Soboczynski empfiehlt Boris Groys' Buch im Zusammenhang mit der Diskussion über Literatur im Kommunismus und die Bedeutungsverschiebung für DDR-Schriftsteller nach der Wende.
Roberto und ich
Anna-Katharina Fröhlich · 2025
Er, Roberto Calasso, ist der Mailänder Verleger, der Autoren aus aller Welt im von ihm geführten Adelphi Verlag versammelt, und zudem ein scharfsinnig gelehrter und sprachlich eleganter Autor. Sie, Anna Katharina Fröhlich, zieht von Frankfurt nach Mornaga am Gardasee und befindet sich als junge, abenteuerliche Frau zwischen Büchern und ihrem Garten auf dem Weg zur erfolgreichen Schriftstellerin. Zum ersten Mal begegnen sich die beiden im Oktober 1995 auf der Frankfurter Buchmesse. »Eine Liebesge
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:08:14 „Es war etwa 12 Uhr mittags, als ich In einem käfergrünen, bodenlangen, vielleicht aus einem Gardinen- oder Bezugsstoff genähtem Wollkleid mit Damastmuster, Puffärmeln und einer Reihe grünglänzender Plastikknöpfe, unter einem breitrandigen, ebenfalls grünen Filzhut, neben meiner Mutter in Halle 4 der Frankfurter Buchmesse stand.“
Erstes Hauptbuch der Episode. Anna-Katharina Fröhlichs autobiografischer Roman über ihre 30-jährige Liebesbeziehung zum italienischen Verleger Roberto Calasso (Adelphi-Verlag). Erschienen bei Friedenauer Presse.
Die Yacht
Anna-Katharina Fröhlich · 2024
Die Yacht ist eine Sommernovelle von Anna Katharina Fröhlich über die Engländerin Martha Oberon, die in Italien auf den Lebenskünstler Salvatore Spinelli trifft und in die elegante Welt der Superreichen auf Sizilien eintaucht. Das Buch zelebriert mit Witz und Ironie eine ästhetische Welt jenseits des Gewöhnlichen und eignet sich als anspruchsvolle Sommerlektüre für Leser, die literarische Subtilität schätzen.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:11:25 „Wir haben ja hier auch schon im Podcast ihre Erzählung »Die Yacht« vor nicht allzu langer Zeit mal besprochen, die uns beiden sehr gefallen hat. Und wo Adam, wo du hier in dem neuen Buch sogar, ich glaube, aus unserem Podcast zitiert wirst mit dem schönen Satz »Über die Yacht«, diese Novelle ist völlig nutzlos. Sie ist große Kunst.“
Cammann verweist auf eine frühere Erzählung von Anna-Katharina Fröhlich, die bereits im Podcast besprochen wurde und beiden Sprechern gut gefallen hat. Das Zitat daraus – 'völlig nutzlos, große Kunst' – taucht sogar in Fröhlichs neuem Buch auf.
Das andere Geschlecht
Simone de Beauvoir · 2018
Das berühmte Standardwerk von Simone de Beauvoir! Die universelle Standortbestimmung der Frau, die aus jahrtausendealter Abhängigkeit von männlicher Vorherrschaft ausgebrochen ist, hat nichts an Gültigkeit eingebüßt. Die Scharfsichtigkeit der grundlegenden Analyse tritt in der Neuübersetzung noch deutlicher hervor. Simone de Beauvoir überprüft die subjektiven und objektiven Einschränkungen und Belastungen, denen Frauen ausgesetzt waren und sind. Aus souveränem Verständnis, profundem Wissen und u
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:15:11 „Also wenn man sich jemanden vorstellt, der sich als das zweite Geschlecht, also das meinte sie ja, das andere Geschlecht hat sie ja, also der französische Titel ist Ludusiam Sex, das andere Geschlecht auf Deutsch.“
Radisch verweist auf Beauvoirs feministisches Hauptwerk, dessen Thesen dem Lebensentwurf von Fröhlich diametral entgegenstehen.
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Marcel Proust
Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Originaltitel: ›À la recherche du temps perdu‹) • Neu editiert, mit aktualisierter Rechtschreibung • Voll verlinkt, und mit eBook-Inhaltsverzeichnis • Mit einem aktuellen Vorwort des Herausgebers (Nov/2014) • Enthält den 1919 mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis ausgezeichneten zweiten Band ›Im Schatten junger Mädchenblüte‹ (›À l’ombre des jeunes filles en fleurs‹) sowie den kompletten dritten Band in der Übersetzung von Walter B...
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:19:02 „Und manchmal sagt sie auch, naja, jetzt habe ich mich aber wieder wie die Odette bei Prust befasst. Habe ich mich selbst inszeniert?“
Im Gespräch über Anna-Katharina Fröhlichs 'Roberto und ich' vergleicht Alexander Cammann deren Selbstinszenierung mit der Figur Odette aus Prousts Romanwerk. Die Figur Odette de Crécy stammt aus 'Auf der Suche nach der verlorenen Zeit'.
Glanz und Elend der Kurtisanen
Honoré de Balzac · 2015
Honoré de Balzacs Roman über das Leben von Kurtisanen im 19. Jahrhundert dient als literarischer Referenzrahmen für die Selbstinszenierung der Schauspielerin Anna-Katharina Fröhlich. Der Podcast bezieht sich auf das Werk, um zu zeigen, wie sich Fröhlich selbst durch literarische Rollenbilder versteht und ihre gesellschaftliche Position interpretiert.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:19:14 „Oder sie sagt, da war ich ja wieder wie eine Marketenderin. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie so Rollen wie bei Balsak, das Leben der Kortisanen.“
Alexander Cammann beschreibt, wie Anna-Katharina Fröhlich sich selbst in literarischen Rollenbildern sieht. Er verweist auf Balzacs Roman über das Leben der Kurtisanen als Referenzrahmen für ihre Selbstinszenierung.
Pariser Tagebücher
Ernst Jünger
Tagebucheinträge von Ernst Jünger aus seinem Pariser Aufenthalt, gefüllt mit philosophischen Beobachtungen zur Kultur, Gesellschaft und zum intellektuellen Leben. Ein Werk feinsinniger Reflexionen eines bedeutenden deutschen Schriftstellers des 20. Jahrhunderts.
🗣 Iris Radisch erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:22:41 „Ernst Jünger, Pariser Tagebuch, eine herrliche Szene.“
In einer komischen Szene aus dem Buch liest Fröhlich auf der Zugtoilette Ernst Jüngers Pariser Tagebuch, um sich vor der Ehefrau Calassos zu verstecken.
Pariser Tagebuch
Ernst Jünger · 2010
Literarisches Tagebuch mit Jüngers intimen Beobachtungen und Reflexionen während seiner Zeit in Paris. Die feinsinnigen Einträge verbinden historische Beobachtung mit persönlicher Kontemplation und zeigen seine charakteristische Prosa-Kunst im Porträt einer faszinierenden Stadt.
🗣 Iris Radisch erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:23:13 „Und dann, dass wir nicht so rühren, nimmt ein Buch raus und liest auf der Zugtoilette, wahrscheinlich völlig angefasst und zitternd, Ernst Jünger, Pariser Tagebuch, eine herrliche Szene.“
In einer komischen Szene aus 'Roberto und ich' versteckt sich Fröhlich auf der Zugtoilette vor Calassos Ehefrau – und liest ausgerechnet Ernst Jüngers Pariser Tagebuch. Cammann findet die Szene rührend und komisch zugleich.
Wilde Orangen
Anna-Katharina Fröhlich
Schlüsselroman einer Liebesgeschichte, erzählt unter fiktiven Namen. Dieselbe autobiografische Episode verarbeitete die Autorin später explizit in 'Roberto und ich'.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:25:11 „Es gibt ein Buch, das heißt, glaube ich, Wilde Orangen, wo auch schon diese Geschichten, die hier... Und da ist es dann versteckt.“
Im Vergleich zum autobiografischen 'Roberto und ich' erwähnt Cammann ein früheres Buch Fröhlichs, in dem dieselbe Liebesgeschichte bereits als Schlüsselroman mit fiktiven Namen verarbeitet wurde.
Abschied
Sebastian Haffner · 2025
Eine Entdeckung aus dem Nachlass von Sebastian Haffner. »Ein federleichter Roman über das kostbare Glück der Freiheit – und wie schnell es mit ihr vorbei sein kann.« Iris Berben Raimund ist verliebt. Ungeheuer verliebt. Nur für ein paar Tage ist er aus dem dumpfen Deutschland der frühen Dreißigerjahre nach Paris gereist. Jetzt naht bereits sein Abschied von der herrlichen Teddy, die mit all ihrem Esprit dorthin ausgewandert ist. Umschwärmt wird sie von etlichen in Paris gestrandeten Gentlemen, g
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:27:13 „Sebastian Haffner. der 1999 schon gestorben ist. War einer der wichtigsten Publizisten nach dem Krieg. Aber vielleicht erzählen wir noch ein ganz kleines bisschen, dachte ich kurz, etwas über sein Leben.“
Zweites Hauptbuch der Episode. Erstmals veröffentlichter Roman Sebastian Haffners aus dem Herbst 1932, eine Liebesgeschichte an einem einzigen Tag in Paris. Mit Nachwort von Volker Weidermann, erschienen im Hanser Verlag.
Geschichte eines Deutschen
Sebastian Haffner
Sebastian Haffners autobiographisches Werk dokumentiert die prägenden Jahre seiner Jugend von 1914 bis 1933 in Deutschland. Die Erinnerungen bieten einen persönlichen Blick auf die Weimarer Republik und die Entstehung des Nationalsozialismus aus der Perspektive eines intellektuellen Zeitgenossen. Das Buch erfreut sich erneuerter Aufmerksamkeit, nachdem Haffners lange unveröffentlichter Roman kürzlich Bestseller-Status erreichte. Eine wichtige historische Quelle für das Verständnis dieser turbulenten Epoche.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:29:20 „Richtig in mein Bewusstsein ist er eben auch gekommen, auch mit einem Posthum veröffentlichten Buch, das war die Geschichte eines Deutschen, das war im Grunde die Vorgeschichte des Nationalsozialismus, die er da beschrieben hat, nämlich die Zeit 1914 bis 1933.“
Als Hintergrund zu Sebastian Haffner erwähnt Cammann dessen posthum veröffentlichten Bestseller, der eine halbe Million Mal verkauft wurde. Das Buch versuche psychologisch und mentalitätsgeschichtlich zu erklären, wie die Deutschen den Nationalsozialismus mittrugen – mit dem eindrücklichen Begriff 'Zauber des Ekelhaften'.
Nachwort zu Hafners Buch
Volker Weidermann
Volker Weidermann schreibt im Nachwort zu Sebastian Haffners Roman „Abschied" über die intensive Erzählweise und innere Dringlichkeit des Buches. Der Protagonist Raimund lebt mit der ständigen Gewissheit, dass die erlebten Momente schnell vorübergehen werden, und durchlebt deshalb Liebe, Schreiben und Leben in fieberhafter Geschwindigkeit. Diese Euphorie des Augenblicks transformiert sich jedoch am Ende in tiefe Trauer – symbolisiert durch die Abfahrt des Zuges nach Berlin, wenn sich die Momente endgültig schließen. Haffner erfasst in seinem Roman jenes paradoxe Gefühl zwischen glückhafter Gegenwartserfahrung und dem gleichzeitigen Wissen um Vergänglichkeit.
🗣 Adam Soboczynski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:28 „Ja, das Nachwort ist von Volker Weidermann, unserem Kollegen. Tolles Nachwort.“
Der unbekannte Sprecher hebt das Nachwort von Volker Weidermann zu Sebastian Haffners Buch lobend hervor. Weidermann wird als Kollege der Sprecher bezeichnet, was auf die gemeinsame ZEIT-Zugehörigkeit hindeutet.
Pariser Rechenschaft
Sebastian Haffner · 1885
Ein Whistleblower (im deutschen Sprachraum in der Vergangenheit und heute zunehmend auch wieder Informant, Hinweisgeber, Enthüller oder Aufdecker) ist eine Person, die für die Öffentlichkeit wichtige Informationen aus einem geheimen oder geschützten Zusammenhang veröffentlicht.
🗣 Iris Radisch empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:32:20 „Ja, und da erfährt man eben, dass es auch die Frau wirklich gab. Also das ist alles, wie du ja schon sagtest, ganz autobiografisch ist. Nur, dass sie hier eben immer nur Teddy heißt. Und es ist in einer hinreißend, ja, literarisch naiven Sprache geschrieben.“
Das Gespräch dreht sich weiterhin um Sebastian Haffners autobiografischen Roman über seinen Paris-Aufenthalt Anfang der 1930er Jahre. Cammann beschreibt die literarische Qualität des Buches und seine Echtzeitstruktur — ein endloser Abschied an einem einzigen Tag, in dem ein junger Deutscher sich von seiner Geliebten Teddy und von Paris trennen muss.
Fabian. Die Geschichte eines Moralisten
Erich Kästner · 1931
"Ich bewundere diesen Roman, den ich mehrmals gelesen habe, zutiefst." Graham Greene über "Fabian" Hier "lässt der Dichter mitten im irrsinnigen Berlin einen Menschen herumlaufen, einen weder sehr starken noch sehr geschickten, aber eben einen Menschen: einen, der noch nicht irrsinnig ist, der Herz und Verstand hat". Hermann Hesse Dr. Jakob Fabian lässt sich durch das Berlin der "Goldenen Zwanziger" treiben.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:40:11 „Erich Kästner, wir haben hier die Ausgaben vom Atrium Verlag. Fabian, so hieß der Roman, ganz lange Zeit die Geschichte eines Moralisten. Es gibt eine vollständige Fassung, weil ein paar Dinge nie gedruckt worden sind. Ein paar Kapitel, das ist vor ein paar Jahren rausgekommen. Der Gang vor die Hunde, das war Kästners eigentlicher Titel gewesen.“
Klassiker-Empfehlung der Episode. Kästners Berlin-Roman aus der Weimarer Republik über den jungen Moralisten Jakob Fabian im Berliner Großstadtleben wird intensiv diskutiert, u.a. im Vergleich zu Haffners Paris-Roman und Nell Zinks Berlin-Satire.
Der Gang vor die Hunde
Erich Kästner · 2013
"Fabian" ist Erich Kästners Meisterwerk. Doch der Roman wurde vor seinem Erscheinen verändert und gekürzt. Jetzt liegt er zum ersten Mal so vor, wie ihn Kästner geschrieben und gemeint hat unter dem Titel, den Kästner ursprünglich vorgesehen hatte: "Der Gang vor die Hunde". 1931 lieferte Erich Kästner seinem Verlag ein Manuskript mit dem Titel Der Gang vor die Hunde: die Geschichte des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian, der durch das überhitzte Berlin der späten zwanziger Jahre streift, eine...
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:42:23 „Es gibt eine vollständige Fassung, weil ein paar Dinge nie gedruckt worden sind. Ein paar Kapitel, das ist vor ein paar Jahren rausgekommen. Der Gang vor die Hunde, das war Kästners eigentlicher Titel gewesen.“
Die vollständige, ungekürzte Fassung von Kästners Roman erschien unter dem ursprünglichen Arbeitstitel 'Der Gang vor die Hunde'. Einige Kapitel waren bei der Erstveröffentlichung als 'Fabian' nicht gedruckt worden und wurden erst Jahre später nachgereicht.
Gefährliche Liebschaften
Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos · 1782
Der Roman Gefährliche Liebschaften von Choderlos de Laclos ist ein französischer Klassiker des 18. Jahrhunderts, der in Briefform erzählt wird. Das Werk nutzt eine moralische Rahmung, um freizügige und skandalöse Inhalte darstellen zu können – ein Darstellungsverfahren, das im Podcast mit Kästners moralisierendem Schreibstil verglichen wird. Der Roman behandelt Intrigen, Manipulation und erotische Machtkämpfe innerhalb der französischen Aristokratie.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:49:56 „wie bei den verbotenen Liebschaften von Delacro beispielsweise, wird eine Moral drüber gesetzt, um dann die Schweinereien zu erzählen“
Soboczynski zieht einen Vergleich zwischen Kästners moralisierender Darstellungsstrategie und Laclos' Briefroman, wo eine moralische Rahmung dazu dient, freizügige Inhalte erzählen zu können.
Fabian oder Der Gang vor die Hunde
Dominik Graf · 2021
Berlin in den 1930er-Jahren: Dr. Jakob Fabian, der tagsüber in der Werbung einer Zigarettenfirma arbeitet und nachts durch die Straßen der Stadt streift, verliebt sich in eine Schauspielerin. Während ihre Karriere aufblüht, schwinden seine Zukunftsaussichten.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:51:23 „Im Übrigen habe ich letztens gesehen, gibt es eine grandiose Verfilmung von Dominik Graf. Fabian oder der Gang vor die Hunde ist der Film. Der ist sagenhaft gut.“
Soboczynski empfiehlt die Verfilmung von Kästners 'Fabian' durch Dominik Graf als 'sagenhaft gut'.
Les Liaisons dangereuses
Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos · 2020
Der Roman Gefährliche Liebschaften schildert in 175 Briefen die Geschichte zweier Intrigen, deren erklärtes Ziel die Verführung zweier junger Damen ist. Der vorgebliche Chronist und Sammler all dieser Briefe kommentiert: 'Dieses Werk oder vielmehr diese Zusammenstellung, die der Leser vielleicht noch zu umfangreich finden wird, enthält doch nur die kleinere Anzahl der Briefe, welche die gesamte Korrespondenz bilden.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:51:50 „Wie bei den verbotenen Liebschaften von Delacroix beispielsweise, wird eine Moral drüber gesetzt, um dann die Schweinereien zu erzählen.“
Der Sprecher zieht einen Vergleich zu den 'Gefährlichen Liebschaften' (hier fälschlich Delacroix statt Laclos zugeschrieben), um seine These zu stützen, dass Kästner den moralischen Rahmen möglicherweise strategisch einsetzte, um die erotischen Inhalte überhaupt darstellbar zu machen — ein klassisches Verfahren großer Moralisten.
Lyrische Hausapotheke
Erich Kästner · 1936
"Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es!" "Was soll einer einnehmen, den die trostlose Einsamkeit des möblierten Zimmers quält oder die nasskalten, nebelgrauen Herbstabende? Zu welchen Rezepten soll der greifen, den der Würgeengel der Eifersucht gepackt hat? Womit soll ein Lebensüberdrüssiger gurgeln?" Die Antwort auf diese von ihm selbst gestellten Fragen hat Erich Kästner mit seiner Lyrischen Hausapotheke geliefert.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:52:39 „Und man kennt ja auch ein bisschen Erich Kästner, man kennt seine lyrische Hausapotheke, man kennt seine Briefe an die Mama.“
Cammann verweist auf Kästners bekannte Gedichtsammlung und seine Briefe, um zu belegen, dass die moralisierende Haltung in 'Fabian' kein bloßes literarisches Kalkül war, sondern Kästners tatsächlichem Charakter entsprach — ein eher biederer, warmherziger Mensch.
Briefe an die Mama
Erich Kästner · 2010
Meine Mutter setzte alles auf eine Karte - und diese Karte war ich. Die Geschichte von Erich Kästner und seiner Mutter ist eine besondere: "Meine Mutter war mein bester Freund", sagte er über sie. Und sie wusste: "Mein Sohn verschweigt mir nichts." Tatsächlich war der kleine Erich seiner Mutter Lebenselixier sowie Schutzengel. Auch in späteren Jahren versuchte er, ihr beides zu sein - und sich trotzdem ganz behutsam ein wenig von ihr zu lösen.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:52:39 „Und man kennt ja auch ein bisschen Erich Kästner, man kennt seine lyrische Hausapotheke, man kennt seine Briefe an die Mama.“
Cammann erwähnt Kästners Briefwechsel mit seiner Mutter als Beleg dafür, dass die kleinbürgerlich-moralische Perspektive in 'Fabian' authentisch Kästners eigener Haltung entspricht, nicht nur eine literarische Strategie war.