Episoden
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Was richtig ist, muss richtig bleiben
Roman Pletter & Gäste
Boris Palmer, der streitbare Grünen-Oberbürgermeister von Tübingen, ist zu Gast bei der ZEIT-Matinée in der Bucerius Law School Hamburg. Palmer polarisiert: Er lieferte sich Kontroversen mit der eigenen Partei über die Flüchtlingspolitik, bezeichnete einen dunkelhäutigen Fahrrad-Rowdy vorschnell als Flüchtling und wollte eigenhändig einen lärmenden Studenten kontrollieren – gleichzeitig hat er Tübingens CO2-Ausstoß um 32 Prozent gesenkt, kostenlosen Samstags-Nahverkehr eingeführt und jede zweite Sozialwohnung in Baden-Württemberg entstand zuletzt in seiner Stadt. Geprägt von seinem Vater Helmut Palmer, der sein Leben dem Kampf gegen die Obrigkeit widmete und 250 Mal erfolglos um Bürgermeisterämter kandidierte, erklärt sich Palmers eigenwilliges Selbstverständnis als zupackender Rebell mit Amtsverantwortung.
Die Tote im Eistal
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Erstmals mit Gast: Tanja Stelzer, Ressortleiterin im Dossier der ZEIT, bringt einen rätselhaften Cold Case aus Norwegen mit. Im November 1970 fanden Spaziergänger in einem abgelegenen Tal nahe Bergen eine Frauenleiche — bis heute ist weder ihre Identität noch die Todesursache zweifelsfrei geklärt.
Der Tod im Rückspiegel
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Am 14. Juli 2003 rast ein schwarzer Mercedes mit über 220 km/h auf der A5 bei Karlsruhe auf einen Kia zu, dessen Fahrerin — eine 21-jährige Mutter — vor Schreck das Steuer herumreißt, die Kontrolle verliert und mit ihrer zweijährigen Tochter tödlich gegen einen Baum prallt. Der Fall wurde zum Jedermann-Fall, der wochenlang die Republik beschäftigte, weil er jeden hätte treffen können — auf der Opfer- wie auf der Täterseite.
Gibt es noch gute Nachrichten, Herr Wickert
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Ulrich Wickert, geboren in Tokio, aufgewachsen am Mount Fuji und geprägt von Frankreich, blickt auf ein Leben zwischen Diplomatie und Journalismus zurück. Er erzählt von seinem legendären Gang über den Place de la Concorde, der ihn 1984 über Nacht berühmt machte — und davon, dass er als Tagesthemen-Moderator bewusst auf Fremdwörter verzichtete, weil er verstanden werden wollte.
Wann fliegen die Helikoptertaxis, Dorothee Bär
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Dorothee Bär, damalige Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt, gibt sich als Fränkin, Jägerin, Gamerin und CSU-Politikerin zu erkennen — und erklärt, warum man in ihrer Partei nicht gleichzeitig Feministin sein darf. Als erste Gästin in zehn Folgen bringt sie Blumen für die Produzentin mit, spricht offen über politische Fehler der Union und definiert Künstliche Intelligenz auf eine Weise, die im Raum hängen bleibt.
Die Justiz kratzt und beißt
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In der vierten Folge zum Osnabrücker Justizskandal geht es um den Moment, in dem der Fall öffentlich wird: Ein vierseitiges Dossier in der Zeit legt offen, wie zwei unschuldige Männer wegen erfundener Vergewaltigungsvorwürfe jahrelang im Gefängnis saßen — und wie die niedersächsische Justiz auf die Enthüllung nicht etwa mit Selbstkritik reagiert, sondern mit Empörung über die Berichterstattung.
Jana Hensel, warum beschweren sich die Ossis
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Jana Hensel, Autorin des Buchs 'Zonenkinder', spricht über ostdeutsche Identität und warum der Graben zwischen Ost und West bis heute spürbar ist — während Wessis gar nicht wissen, wer Ossi und wer Wessi ist, googeln Ossis es notfalls nach. Hensel zieht eine nüchterne Bilanz: Die ostdeutschen Länder seien wirtschaftlich und strukturell abgehängt, das lasse sich nicht mehr aufholen. Zwischen Nüchternheit und Literatur findet sie aber auch eine Formel fürs Weiterleben.
Lug und Trug vor Gericht
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Ein Vater und ein Onkel werden wegen Vergewaltigung derselben jungen Frau zu langen Haftstrafen verurteilt — und kämpfen über ein Jahrzehnt um ihre Rehabilitation. Adolf S. schreibt aus dem Gefängnis 2.500 Bittbriefe an Gerichte und Ministerien, Bernhard M. sitzt seine Strafe bis zum letzten Tag ab, weil er als uneinsichtiger Sexualstraftäter gilt, und verkriecht sich danach bei seinen Eltern. Am Ende stellt sich heraus: Die Anklägerin Amelie hatte die Prozesse zu einer theatralischen Inszenierung gemacht, während ihre eigene Familie ihr längst nicht mehr glaubte.
Ein Ahnungsloser wird mitgerissen
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Im zweiten Teil des Justizskandals aus Papenburg wird deutlich, wie ein brutaler, aber unschuldiger Vater zum perfekten Sündenbock wurde: Adolf S. wurde in nur drei Verhandlungstagen wegen zehn Vergewaltigungen an seiner Tochter Amelie verurteilt und verbüßte sieben Jahre Haft — obwohl eine gynäkologische Untersuchung ergab, dass Amelie noch Jungfrau war. Familie, Polizei und Gericht ignorierten entlastende Fakten, weil der gewalttätige Charakter des Vaters das Bild eines Täters so überzeugend zeichnete.
Unschuldig im Gefängnis
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Ein Tipp des renommierten Rechtsmediziners Professor Brinkmann führt zu einer der aufsehenerregendsten Justizrecherchen Deutschlands: In der JVA Meppen sitzen zwei Männer aus dem katholischen Emsland, die für Taten verurteilt wurden, die sie nachweislich nicht begangen haben. Als alle juristischen Wege gescheitert sind — selbst Brinkmanns Gutachten wird vom Gericht ignoriert — wird der Fall von der Justiz- zur Pressesache, und die akribische Recherche führt schließlich zum Freispruch wegen erwiesener Unschuld.