Der zwölfjährige Jesus im Tempel
Max Liebermann
Max Liebermanns Gemälde von 1879 entfesselte einen massiven Kunstskandal, als es auf der Ersten Internationalen Kunstausstellung in München gezeigt wurde. Der Kunstkritiker Friedrich Pecht griff das Werk als blasphemisch und antisemitisch an und beschrieb die Figuren mit Hasspropaganda, worauf auch antisemitische Politiker wie der Hofprediger Adolf Stoecker gegen den preußisch-liberalen Künstler mobil machten. Als Reaktion auf den Proteststurm übermalte Liebermann die Figur des jungen Jesus grundlegend: Aus einem barfuß, kurzharig und mit stereotypisch jüdischen Zügen dargestellten Jungen wurde ein nachdenkliches, blondes Kind mit europäischen Gesichtszügen. Trotz dieser dramatischen Überarbeitung versöhnte sich mit dem Kunstwerk kaum einer seiner Kritiker – das Gemälde verschwand aus der Öffentlichkeit und wurde erst 1907 zur Berliner Sezessions-Ausstellung wieder gezeigt.
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„Das kannst du an der Geschichte eines Bildes von Max Liebermann 1884, glaube ich, sehen. Der hat, selber Jude Max Liebermann, hat also den Jesus im Tempel gezeichnet mit schwarzen Haaren und einer gebogenen Nase. Und ein Aufschrei war da, dass der Jesus als Jude gezeichnet wird.“
Johanna Haberer erzählt die Skandalgeschichte um Liebermanns Gemälde, um zu illustrieren, wie weit sich das christliche Bewusstsein von den jüdischen Wurzeln Jesu entfernt hatte. Das Bild zeigte Jesus als erkennbar jüdischen Jungen, was einen Aufschrei auslöste und Liebermann zwang, es zu übermalen – Jesus bekam daraufhin ‚goldene Löckchen' und wurde zum Germanen umgedeutet.
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