Soziologe Steffen Mau - Warum bleibt der Osten so anders
Matze Hielscher & Gäste
Steffen Mau erklärt, warum Ostdeutschland 34 Jahre nach der Wiedervereinigung politisch und kulturell so anders tickt — von Oststolz und Osttrotz bis zur Transformationsmüdigkeit einer ganzen Region. Er beschreibt, wie ausgerechnet die jüngeren Generationen sich stärker als ostdeutsch identifizieren als ihre Eltern, und warum die Landtagswahlerfolge von AfD und BSW eine gefährliche Weichenstellung markieren könnten.
„Meine Güte, das ist doch so schön hier. Euch geht es doch gut. Ihr habt auch zum Teil sehr großen Wohlstand erlangt und trotzdem gibt es irgendwie dieses Gefühl... Ja, da hat mir jemand irgendwie was weggenommen. Da hat mich jemand ungerecht behandelt.“
Erwähnte Medien (19)
Interview in der SZ mit Hartmut Rosa
Hartmut Rosa, einer der einflussreichsten Soziologen und Zeitdiagnostiker Deutschlands, analysiert in diesem Interview die fundamentale Krise der Moderne: Durch die ständige Beschleunigung ist es für Menschen unmöglich geworden, echte, „resonante" Beziehungen zu anderen Menschen und zur Welt zu pflegen. Der Jenaer Professor arbeitet in der Tradition kritischen Denkens (Adorno, Horkheimer) und hat sich mit Werken wie „Beschleunigung" (2005) und „Resonanz" (2016) als Zeitdiagnostiker etabliert. Rosas zentrale These lautet, dass die moderne Beschleunigung zu einem tiefgreifenden Vertrauensverlust führt – Menschen fühlen sich systematisch übergangen und betrogen, weil authentische Begegnungen zur Mangelware geworden sind.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:01:43 „es war Anfang des Jahres, da hast du ein Interview gegeben in der SZ zusammen mit Hartmut Rosa“
Matze bezieht sich auf ein gemeinsames Interview von Steffen Mau und Hartmut Rosa in der Süddeutschen Zeitung, in dem Mau vor dem Kippen der Demokratie warnte.
Ungleich vereint – Warum der Osten anders bleibt
Steffen Mau · 2024
Eine soziologische Analyse, die untersucht, warum Deutschland 34 Jahre nach der Wiedervereinigung strukturell unterschiedlich geblieben ist. Das Buch ergründet die bleibenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in Identität, Transformationserfahrungen und politischer Entwicklung.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:04 „Mein heutiger Gast ist Steffen Mau. Steffen Mau ist Soziologe und Autor. In diesem Jahr ist sein Buch Ungleichvereint erschienen, warum der Osten anders bleibt. Und er gründet darin, warum Deutschland 34 Jahre nach der Wiedervereinigung eben nicht eins ist.“
Matze Hielscher stellt seinen Gast Steffen Mau vor und nennt dessen aktuelles Buch als Ausgangspunkt des Gesprächs. Das Buch untersucht, warum Ost- und Westdeutschland auch 34 Jahre nach der Wiedervereinigung strukturell unterschiedlich geblieben sind. Es bildet den thematischen Rahmen für das gesamte Gespräch über ostdeutsche Identität, Transformationserfahrungen und politische Entwicklungen.
Interview in der Süddeutschen Zeitung (Anfang 2024)
Steffen Mau / Hartmut Rosa
Der Artikel beleuchtet die Analysen der Soziologen Steffen Mau und Hartmut Rosa zur zunehmend gespaltenen und gestressten Gesellschaft. Im Fokus steht die Frage, wie die steigende AfD-Unterstützung und der politische Extremismus die Stabilität der Demokratie gefährden, insbesondere mit Blick auf die ostdeutschen Landtagswahlen. Die Autoren untersuchen, inwiefern gesellschaftliche Polarisierung zum Kippen demokratischer Institutionen führen kann und versuchen, trotz der kritischen Lage optimistische Perspektiven zu bewahren.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:03:07 „Du hast, ich meine, es war Anfang des Jahres, hast du ein Interview gegeben in der SZ zusammen mit Hartmut Rosa. Und da hast du gesagt, mit dem Blick auf die Landtagswahlen, dass die Demokratie kippen könnte.“
Matze Hielscher erwähnt zu Beginn des Gesprächs ein gemeinsames Interview von Steffen Mau und dem Soziologen Hartmut Rosa in der Süddeutschen Zeitung, in dem Mau vor einem Kippen der Demokratie mit Blick auf die ostdeutschen Landtagswahlen gewarnt hatte. Es dient als Einstieg in die Diskussion über die aktuelle politische Lage.
Wie Demokratien sterben
Steven Levitsky / Daniel Ziblatt · 2018
»Das wichtigste Buch der Trump-Ära« The Economist Ausgezeichnet mit dem NDR Kultur Sachbuchpreis als bestes Sachbuch des Jahres Demokratien sterben mit einem Knall oder mit einem Wimmern. Der Knall, also das oft gewaltsame Ende einer Demokratie durch einen Putsch, einen Krieg oder eine Revolution, ist spektakulärer. Doch das Dahinsiechen einer Demokratie, das Sterben mit einem Wimmern, ist alltäglicher – und gefährlicher, weil die Bürger meist erst aufwachen, wenn es zu spät ist.
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 00:05:04 „Ja, das wird sicherlich nicht nur ein Zeitpunkt sein. Also das heißt ja auch immer, Demokratien sterben langsam, gibt ja auch so einen Buchtitel. Und der sagt natürlich schon, dass das in kleinen Schritten beginnt.“
Steffen Mau spricht über die Gefahr für die Demokratie nach den ostdeutschen Landtagswahlen und verweist auf den Buchtitel als konzeptionellen Rahmen für seine These der schleichenden demokratischen Erosion. Er nutzt die Idee, um sein eigenes Konzept der 'Allmählichkeitsschäden der Demokratie' einzuführen.
Triggerpunkte
Steffen Mau · 2023
»Soziale Konflikte sind nie einfach nur da, sie werden auch gesellschaftlich hergestellt: entfacht, angeheizt, getriggert.« Von einer »Spaltung der Gesellschaft« ist immer häufiger die Rede. Auch in der Alltagswahrnehmung vieler Menschen stehen sich zunehmend unversöhnliche Lager gegenüber. So plausibel sie klingen mögen, werfen entsprechende Diagnosen doch Fragen auf: Wie weit liegen die Meinungen in der Bevölkerung wirklich auseinander? Und ist die Gesellschaft heute wirklich zerstrittener als...
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:08:09 „wie Ungleichverein schreiben oder Trägerpunkte, dann bin ich in meiner Arbeit am besten“
Matze erwähnt das Buch als weiteres wichtiges Werk von Steffen Mau über gesellschaftliche Konfliktlinien.
Lütten Klein
Steffen Mau · 2019
30 Jahre nach 1989 zieht Mau mit dem ebenso scharfen wie empathischen Blick eines Lütten Kleiner Soziologen Bilanz. Er spricht mit Weggezogenen und Dagebliebenen, er schaut zurück auf das Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt. Wie veränderte sich die Sozialstruktur, wie die Mentalitäten? Was sind die Ursachen für Unzufriedenheit und politische Entfremdung in den neuen Ländern? Wie wurde aus der Stadt, in der er gemeinsam mit Kindern aller Schichten seine Jugend verbrachte, ein Ort soziale...
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 00:20:08 „Ich habe ja ein Buch geschrieben, Lütten Klein, über das Viertel, aus dem ich komme. Das hat auch so eine biografische Komponente, ist aber auch ein soziologisches Buch oder gesellschaftsinterpretierendes Buch. Und da habe ich schon gesehen, okay, ich muss eigentlich ein doppeltes Verfahren anwenden.“
Steffen Mau erklärt die Herausforderung, als Ostdeutscher über Ostdeutschland zu forschen. Lütten Klein ist sein Buch über das Rostocker Viertel, in dem er aufgewachsen ist. Er beschreibt die Doppelbewegung von wissenschaftlicher Distanz und biografischer Nähe, die er bei diesem Buch anwenden musste — ein Verfahren, das er mit Hitchcocks Kameratechnik vergleicht.
Stern 111
Lutz Seiler · 2020
Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben – die Wohnung, den Garten, ihre Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus: Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, einem »Lebensgeheimnis«, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:26:57 „Gerade in dieser Zeit zwischen 89, 90, du hast bestimmt auch Stern 111 gelebt. Ja, natürlich, ja. Was ja hier direkt um die Ecke spielt im Grunde. Das hat mich total fasziniert, diese unglaubliche Welt, wo wir jetzt noch so Kleinigkeiten von Seen, also es geht im Grunde ja auch um diese Art, jemand der nach Berlin kommt und einfach eine Wohnung besetzt und da lebt und sich irgendwie versucht zu finden und in dieser Zeit und die Eltern, so ein fantastisches Buch fand ich damals.“
Nachdem Steffen Mau von seiner Zeit als Hausbesetzer im Prenzlauer Berg nach dem Mauerfall erzählt, zieht Matze Hielscher die Verbindung zum Roman Stern 111. Er schwärmt von dem Buch, das genau diese Wendezeit-Erfahrung literarisch einfängt — das Besetzen von Wohnungen, das Sich-Finden in der neuen Freiheit — und das offenbar direkt in der Nachbarschaft des Gesprächsortes spielt.
Baseballschlägerjahre
Christian Bangel · 2025
Was erzählt Pop über die deutsche Geschichte? In der Popmusik spiegelt sich die Zeitgeschichte. Pop leistet dadurch einen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur und wird zum Kritiker der Zustände. Marcus S. Kleiner erzählt die Geschichte der deutschsprachigen Popmusik der letzten 80 Jahre zusammenhängend und beleuchtet das Zusammenspiel von Pop und Politik.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:32:15 „Für alle, die es nicht wissen, es gab die großen Angriffe auf Asylantenheimen. Und vor allen Dingen das Sonnenblumenhaus war so eins, ein großes. Also da gab es diese ganzen, alles, was man dann so als Baseballschlägerjahre später so zusammengefasst hat in dem Buch, ist eigentlich da, das steht so sinnbildlich, es ist eigentlich so das Originalbild.“
Matze Hielscher ordnet die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen 1992 historisch ein und verweist auf den Begriff 'Baseballschlägerjahre', der die rechtsextreme Gewalt der 90er Jahre in Ostdeutschland zusammenfasst. Er beschreibt das Sonnenblumenhaus als das sinnbildliche Originalbild für diese Epoche, die später unter diesem Begriff bekannt wurde.
Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft
Steffen Mau · 2019
Steffen Mau wächst in den siebziger Jahren im Rostocker Neubauviertel Lütten Klein auf. 1989 dient er bei der NVA, nach der Wende studiert er, wird schließlich Professor. 30 Jahre nach dem Mauerfall zieht Mau eine persönliche und sozialwissenschaftliche Bilanz. Er nimmt die gesellschaftlichen Brüche in den Blick, an denen sich Verbitterung und Unmut entzünden. Er spricht mit Weggezogenen und Dagebliebenen, schaut zurück auf das Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt.
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 00:49:47 „Ja, ich vertrete ja so ein bisschen so eine These in dem Buch, die auch andere vertreten, da bin ich nicht der Einzige, dass es eigentlich keinen so einen 1968 für die DDR gegeben hat und 1968 jetzt sozusagen als Moment des gesellschaftlichen Aufbruchs, auch als Befragung der nachfolgenden Generationen.“
Auf Matzes Frage, warum die DDR ihre Vergangenheit kaum aufgearbeitet habe, verweist Steffen Mau auf eine zentrale These seines eigenen Buchs: Der Osten hatte kein '68 — keinen generationellen Aufbruch, der die Eltern- und Großelterngeneration zu ihrer Rolle im Dritten Reich befragt hätte. Zuvor hatte Matze den Stadtteil Lütten Klein als Nachbarschaft zum Schauplatz der Pogrome verortet, was Buch und Biografie direkt verknüpft.
Liste der 500 wichtigsten deutschen Intellektuellen
Der Artikel behandelt eine Liste der 500 wichtigsten deutschen Intellektuellen, die das Magazin Cicero veröffentlicht hat. Eine Analyse dieser Liste zeigt eine deutliche Unterrepräsentation ostdeutscher Intellektueller: Der erste Ostdeutsche (Wolf Biermann) rangiert erst auf Platz 54 bis 57, unter den Top 100 sind nur etwa drei Ostdeutsche vertreten. Dies verdeutlicht die geringe Präsenz ostdeutscher Stimmen in der deutschen Öffentlichkeit.
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 00:54:37 „Vor ein paar Jahren mal vom Cicero, glaube ich, so eine Liste der 500 wichtigsten deutschen Intellektuellen, die hatte ich mir mal angeguckt, weil ich das auch mal für ein Buch benutze, weil ich das ganz interessant fand. Und da habe ich mir geguckt, wie viele Ostdeutsche sind da eigentlich drin.“
Mau nutzt eine vom Magazin Cicero veröffentlichte Rangliste der 500 wichtigsten deutschen Intellektuellen, um die Unterrepräsentation ostdeutscher Stimmen in der deutschen Öffentlichkeit zu belegen. Der erste Ostdeutsche (Wolf Biermann) tauchte erst auf Platz 54 oder 57 auf, unter den ersten 100 waren nur etwa drei Ostdeutsche. Mau verwendet diese Daten auch in einem seiner eigenen Bücher.
Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
Dirk Oschmann · 2023
»Der Osten hat keine Zukunft, solange er nur als Herkunft begriffen wird.« Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut zugeschrieben werden? Dirk Oschmann zeigt in seinem augenöffnenden Buch, dass der Westen sich über dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch immer als Norm definiert und d...
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 00:59:29 „Dirk Oschmann“
Steffen Mau nennt Oschmann als einen der Autoren, die zur neuen Ostdeutschland-Debatte beitragen.
Nachwendekinder
Anna Rabe · 2023
Gregory Jones-Katz hat in den USA studiert und in China gelehrt: Was ihn umtreibt, sind aber weniger die Unterschiede als die Ähnlichkeiten zwischen den beiden kapitalistischen Bildungssystemen. Auf das Feld der Literatur folgt Eckhard Schumacher den aktuellen Diskussionen um west-ost-deutsche Fragen und liest Romane (und Essays) von Anne Rabe, Charlotte Gneuß, Daniel Schulz, Manja Präkels und anderen.
🗣 Steffen Mau erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:59:29 „Auch Anna Rabe. Aber auch viele, wirklich eine ganze Menge von Büchern und interessanten Leuten.“
Steffen Mau nennt Anna Rabe als Teil der neuen Welle ostdeutscher Autorinnen und Autoren.
Diesseits der Mauer
Katja Hoyer · 2007
Katja aus dem Westen und Markus aus Ostberlin lernen sich 1984 kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick, eine unmögliche Liebe, denn die deutsch-deutsche Grenze scheint unüberwindbar. Ein bewegender autobiografischer Bericht über die Zeit, als zwischen Ost und West noch die Mauer stand. Ein Buch über die Liebe. Und eine Geschichte, die das Leben schrieb.
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 01:01:31 „Also die Erfolge jetzt von Katja Hoyers Buch, die sind ja jetzt nicht irgendwie einer großen Leistung als Historikerin zu verdanken, sondern weil sie sagt, die DDR war eben nicht nur schlecht und ich will jetzt auch mal das bunte Bild der DDR zeigen. Es kommt ja dieses Aber noch dazu.“
Mau übt deutliche Kritik an Katja Hoyers DDR-Buch, dessen Erfolg er nicht historischer Qualität, sondern dem Bedürfnis nach einer positiveren DDR-Erzählung zuschreibt. Er wirft dem Buch vor, vieles zu idealisieren und falsch zu interpretieren – insbesondere die Darstellung des DDR-Bildungswesens als paradiesisch, obwohl es keine freie Bildungs- und Berufswahl gab. Mau sieht darin eine problematische Tendenz zum Rosa-Rot-Zeichnen der DDR.
The End of History and the Last Man
Francis Fukuyama · 2006
Ever since its first publication in 1992, The End of History and the Last Man has provoked controversy and debate. Francis Fukuyama's prescient analysis of religious fundamentalism, politics, scientific progress, ethical codes, and war is as essential for a world fighting fundamentalist terrorists as it was for the end of the Cold War. Now updated with a new afterword, The End of History and the Last Man is a modern classic.
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:03:40 „Also das, was man sagt, das Ende der Geschichte, was man ja so ausgerufen hat mit der Wende, dachte ich eigentlich, das war dann irgendwie mit 2000.“
Matze Hielscher verweist beiläufig auf Francis Fukuyamas berühmte These vom 'Ende der Geschichte', um das Gefühl der frühen 2000er Jahre zu beschreiben, als die Ost-West-Thematik scheinbar keine Rolle mehr spielte. Er kontrastiert dieses trügerische Gefühl der Normalität mit dem späteren Wiederaufflammen der Spannungen ab den 2010er Jahren.
Beyond the Wall
Katja Hoyer · 2023
AN INTERNATIONAL BESTSELLER • From the ashes of the Second World War to the fall of the Berlin Wall, “an expansive and generous history” of East Germany (New Republic) In 1990, a country disappeared. When the Iron Curtain fell, East Germany ceased to be. For over forty years, from the ruin of the Second World War to the cusp of a new millennium, the German Democratic Republic presented a radically different Germany than what had come before and what exists today.
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 01:04:30 „die Erfolge jetzt von Katja Hoyers Buch, die sind ja jetzt nicht irgendwie einer großen Leistung als Historikerin zu verdanken, sondern weil sie sagt, die DDR war eben nicht nur schlecht und ich will jetzt auch mal das bunte Bild der DDR zeichnen.“
Steffen Mau kritisiert Katja Hoyers DDR-Buch als zu idealisierend, insbesondere deren Darstellung des DDR-Bildungswesens.
After Europe
Ivan Krastev · 2017
In this provocative book, renowned public intellectual Ivan Krastev reflects on the future of the European Union—and its potential lack of a future. With far-right nationalist parties on the rise across the continent and the United Kingdom planning for Brexit, the European Union is in disarray and plagued by doubts as never before.
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 01:04:55 „Das ist auch so eine These von Ivan Krastev, dass das doch zu einer auch stärkeren Spaltung innerhalb von Europas zwischen den mittel- und osteuropäischen Ländern und den westeuropäischen Ländern geführt hat, weil sozusagen diese Flüchtlingsbewegungen sehr unterschiedlich aufgenommen worden sind.“
Mau greift die These des bulgarisch-österreichischen Politologen Ivan Krastev auf, wonach die Flüchtlingskrise 2015/16 eine tiefe Spaltung innerhalb Europas ausgelöst habe. Die unterschiedliche Aufnahmebereitschaft in West- und Osteuropa erklärt Krastev mit der kürzeren Geschichte nationaler Souveränität in den osteuropäischen Ländern. Mau nutzt diese These als Parallele zur innerdeutschen Ost-West-Spaltung.
Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch
Francis Fukuyama · 2022
Ist Geschichte eine endlose Wiederholung von Aufstieg und Verfall? In seinem weltberühmten Grundlagenwerk legt Francis Fukuyama dar, warum für ihn die liberale Demokratie den Endpunkt der Geschichte bedeutet. Im Sommer 1989 elektrisierte ein Artikel eines bis dato unbekannten Politikwissenschaftlers in der Zeitschrift The National Interest die Welt. Er führte zu Kontroversen bis in die Leitartikel diverser Zeitungen.
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:05:39 „das Ende der Geschichte, was man ja so ausgerufen hat mit der Wende“
Matze verweist auf Fukuyamas berühmte These, um die Stimmung der frühen 2000er Jahre zu beschreiben, als Ost-West-Unterschiede irrelevant schienen.
Gesprächsband
Jürgen Habermas · 2001
Jürgen Habermas reflektiert in einem kommenden Gesprächsband über seine Generation – die sogenannte goldene Generation der Nachkriegszeit, die von wirtschaftlichem Boom, politischer Stabilität und wachsenden Freiheiten profitierte. Das Werk dient als Kontrastfolie zur gegenwärtigen Verunsicherung und dem Verlust an Zukunftszuversicht. Habermas analysiert dabei die strukturellen Bedingungen, die die Stabilität des westlichen Modells und dessen wirtschaftlichen Wohlstand ermöglicht haben.
🗣 Steffen Mau referenziert bei ⏱ 01:51:19 „Jürgen Habermas bringt ja demnächst einen Gesprächsband raus und der sagt auch, dass sie eigentlich zur goldenen Generation gehören, dieser Nachkriegszeit, der Stabilität des westlichen Modells, der erfolgreichen Etablierung von Ökonomie, auch der enorme ökonomische Boom, auch die Mehrung an Lebenschancen.“
Im Kontext der Frage, wie die nächsten 20 Jahre aussehen könnten, verweist Mau auf einen bald erscheinenden Gesprächsband von Jürgen Habermas. Habermas reflektiere darin, dass seine Generation unter paradiesischen Bedingungen gelebt habe – wirtschaftlicher Boom, Stabilität, wachsende Freiheit. Mau nutzt das als Kontrastfolie zur heutigen Verunsicherung und dem Verlust an Zukunftszuversicht.
Sortiermaschinen. Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert
Steffen Mau · 2021
Der kosmopolitische Traum von einer grenzenlosen Welt hat in den letzten Jahren tiefe Risse bekommen. Aber war er überhaupt jemals realistisch? Steffen Mau zeigt, dass Grenzen im Zeitalter der Globalisierung von Anbeginn nicht offener gestaltet, sondern zu machtvollen Sortiermaschinen umgebaut wurden. Während ein kleiner Kreis Privilegierter heute nahezu überallhin reisen darf, bleibt die große Mehrheit der Weltbevölkerung weiterhin systematisch außen vor.
🗣 Steffen Mau erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:57:43 „Ich habe davor ein Buch über Grenzen gemacht, über Transnationalisierung, also das sind so die Felder, die mich interessieren, eigentlich schon wie das gesellschaftliche Modell, das wir eigentlich kennen, wie sich das fundamental doch verändert.“
Mau zählt seine Forschungsfelder auf, um zu zeigen, dass er kein reiner Ost-Experte ist. Das Grenzen-Buch behandelt Transnationalisierung und die Frage, wie sich das gesellschaftliche Modell durch Globalisierung und Migration fundamental verändert. Er nennt es als Beleg für sein durchgehendes Grundmotiv: gesellschaftliche Transformationen und deren Spannungszustände.