Hotel Matze – Wofür schämen wir uns – Check In mit Philip Siefer
#526

Wofür schämen wir uns – Check In mit Philip Siefer

Hotel Matze / 19. April 2026 / 8 Medien

Matze Hielscher & Gäste

Philip Siefer erzählt direkt zu Beginn die absurde Geschichte eines fremden Schulkindes, das morgens bei ihm klingelt und dringend aufs Klo muss. Zwischen anfänglichem Misstrauen, schnell weggeräumtem Ehering und der Erkenntnis, dass es echt war (das Kind hatte tatsächlich Durchfall), wird daraus eine kleine Lektion über Scham, Vertrauen und mutige Bitten an Fremde.

„Ich finde das auch so eine Schamüberwindung, ehrlich gesagt.“
🗣 Philip Siefer

Erwähnte Medien (8)

Gleis 17

Gleis 17

Das Mahnmal Gleis 17 befindet sich an einem Berliner S-Bahnhof und erinnert an die Deportationen von Juden während des Holocaust. Das Gleis ist bewusst versteckt und schwer zugänglich angeordnet – es wird als „totes Gleis" bezeichnet. Im Boden sind Daten der Deportationen eingraviert, wie etwa „13.04.1942, 1000 Juden, Auschwitz", die Besucher plötzlich entdecken. Die Abgelegenheit des Ortes macht die Konfrontation mit dieser historischen Realität besonders eindringlich.

🗣 Philip Siefer referenziert bei ⏱ 00:06:19 „Wir waren zum Beispiel bei Gleis 17. Kennst du das? Das ist an einem der S-Bahnhöfe, gibt es ein Gleis, von dem die Züge für die Deportation gestartet sind. Und das ist so, das ist total versteckt, aber du kannst einfach, es ist so, du kannst auf Gleis 3, Gleis 4 und dann kannst du auf Gleis 17 gehen, das ist ein totes Gleis und dann ist da plötzlich dieses Mahnmal.“

Philip beschreibt seine Vorbereitung auf den Auschwitz-Besuch durch eine Berliner Tour zu Holocaust-Gedenkstätten. Das Mahnmal Gleis 17 hat ihn besonders berührt, weil es so versteckt ist und plötzlich Daten und Zahlen der Deportierten auf dem Boden auftauchen — '13.04.1942, 1000 Juden, Auschwitz'.

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Topographie des Terrors

Topographie des Terrors

Installativer Kunstwerk am Ort der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Berlin. Leuchtend gelbe Bodenmarkierungen zeichnen die Zellenwände nach, durch die Besucher imaginativ hindurchgehen können. Die Ausstellung dokumentiert Schicksale von NS-Opfern, darunter Dietrich Bonhoeffer, der dort sein berühmtes Gedicht verfasste. Ein eindringliches Denkmal, das Geschichte durch räumliche Erfahrung vermittelt.

🗣 Philip Siefer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:06:54 „Wir waren in dieser Topologie des Terrors, was mich gewundert hat, dass das so gute Ausstellungen waren. Also die ist wirklich total toll gemacht. Hier in Berlin auch ist die.“

Im Rahmen seiner Vorbereitung auf den Auschwitz-Besuch besuchte Philip mehrere Berliner Gedenkstätten. Er lobt die Qualität der Ausstellung in der Topographie des Terrors als überraschend gut gemacht.

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Die Wannsee-Konferenz

Die Wannsee-Konferenz

Dramatische Rekonstruktion der Wannsee-Konferenz von 1942 basierend auf stenografierten Protokollen. Der Film zeigt die NS-Führung in einem Raum bei ihren Diskussionen mit verstörender Direktheit und psychologischer Intensität. Ein unbequemes, fesselndes Drama über die bürokratische Kälte hinter einer der dunkelsten Entscheidungen der Geschichte – ein Film, der volle Konzentration verlangt.

🗣 Matze Hielscher empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:08:08 „Es gibt einen unglaublichen Film darüber, die Wannsee-Konferenz kam vor drei oder vier Jahren, meine ich, in der ARD. Der nimmt genau das, nimmt alles, was aufgeschrieben worden ist von dieser Konferenz und wie die da in diesem Raum saßen und drüber gesprochen haben, wie sie das nur alles hinkriegen und wie sie über Menschen sprechen.“

Im Gespräch über Philips Auschwitz-Besuch und die Wannsee-Konferenz empfiehlt Matze diesen ARD-Film, der die stenografierten Protokolle als Vorlage nutzt. Er beschreibt ihn als sehr beeindruckend und schmerzhaft — einen Film, bei dem man nicht nebenbei aufs Handy schauen kann. Philip stimmt zu und vergleicht den Tonfall der Konferenzteilnehmer mit modernen Startup-Talks und Unternehmensberatern.

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Artikel zur digitalisierten NSDAP-Kartei im Bundesarchiv

Artikel zur digitalisierten NSDAP-Kartei im Bundesarchiv

Die Zeit

Das Bundesarchiv hat die NSDAP-Kartei mit 9 Millionen Einträgen digitalisiert. Ein großer ZEIT-Artikel zeigt, wie man mit KI-Unterstützung nach eigenen Vorfahren in der Kartei suchen kann. Dies ist wichtig für die persönliche Aufarbeitung von Familiengeschichten und die Auseinandersetzung mit NS-Vergangenheit sowie mit transgenerationalem Ahnentrauma.

🗣 Philip Siefer referenziert bei ⏱ 00:23:33 „Das Archiv hat ja auch die ganzen Akten, das war ja auch noch irgendwie letzte Woche oder vor zwei Wochen. In der Zeit kann man das nachlesen, genau. In der Zeit gibt es einen riesen Artikel dazu, aber man kann es auch im Bundesarchiv einfach jetzt, und in die Zeit hat es mit KI irgendwie kombiniert, glaube ich.“

Philip verweist auf einen aktuellen Artikel der ZEIT, der die Digitalisierung der NSDAP-Kartei mit neun Millionen Einträgen thematisiert. Der Artikel ermöglicht es Lesern, mithilfe von KI nach Vorfahren in der Mitgliederkartei zu suchen — ein wichtiger Baustein für die Aufarbeitung von Familiengeschichten, über die Philip im Kontext von Ahnentrauma spricht.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Jerks

Jerks

Christian Ulmen · 2017

Christian Ulmen und Fahri Yardim sind beste Freunde und lassen keine Peinlichkeit aus. Während sie versuchen, die Tücken des Alltags zu meistern, treten sie in jedes noch so große Fettnäpfchen, verursachen überall ein riesiges Chaos und stoßen immer wieder an moralische Grenzen.

🗣 Philip Siefer referenziert bei ⏱ 00:46:37 „Ich habe den ganzen Ulm-Kram geguckt und fand das cool. Und meine Frau fand es schon immer cringe. Also meinst du die Jerks und sowas? Jerks und auch diese Golf-Serie und so. Ich habe das auch voll viel zitiert. Ich fand das ultra lustig. Und im Nachhinein habe ich mich natürlich auch total geschämt dafür.“

Philip Siefer reflektiert über seinen eigenen Humor-Geschmack im Kontext der Diskussion um Christian Ulmen/Ulmen Fernandes. Er gibt zu, die Serie 'Jerks' und ähnliche Formate früher witzig gefunden und zitiert zu haben, schämt sich nun aber im Nachhinein dafür. Das wird zum Beispiel für den eigenen blinden Fleck und dafür, wie 'creepy' Humor gesellschaftlich normalisiert wurde.

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John Wick

John Wick

Chad Stahelski · 2025

Nach einem regelrechten Blutbad ist die Familie Macarro praktisch ausgelöscht. Nur Eve lebt noch – und sie schwört Rache um jeden Preis. Mit diesem Plan vor Augen sucht sie Hilfe bei der Familie der Ruska-Roma, um sich dort an einer Ballettschule durch die Lehrerin Nogi zur kaltblütigen Killerin ausbilden zu lassen und sich dann auf die Suche nach denen zu machen, die ihre eigene Familie auf dem Gewissen haben. Doch das Ruska-Roma-Leben unter der strengen Herrschaft der Direktorin ist alles ande

🗣 Philip Siefer referenziert bei ⏱ 00:47:17 „Ein Teil von mir guckt gerne John Wick, wo tausende Leute erschossen werden. Dann fahre ich nach Auschwitz und gucke mir das an und denke so, das ist doch nicht witzig, sich das anzugucken. [...] Ich meine das Kino bei John Wick ist voll, Keanu Reeves finden wir alle toll, der ist auch so ein süßer Softie und der meditiert auch ganz viel und der ballert alle ab, alle tot.“

Philip Siefer nutzt 'John Wick' als Beispiel für die kollektive Schamlosigkeit unserer Mediennutzung: Wir feiern einen Film, in dem auf brutalste Weise massenhaft gemordet wird, und finden den Hauptdarsteller dabei sympathisch. Matze Hielscher gesteht, selbst John-Wick-Fan zu sein, weil der Film einen stellvertretenden Aggressionsabbau ermöglicht ('Dann beauftrage ich einfach John Wick'). Das wird zum Symbol für die 'Überschreitungsgesellschaft', die das Gespräch beschreibt.

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Falling Down

Falling Down

Ein arbeitsloser Ingenieur erleidet im Stau einen Nervenzusammenbruch und geht auf einen destruktiven Amoklauf durch die Stadt. Das psychologische Drama erkundet männliche Frustration, Isolation und Aggression in einer zerfallenden Gesellschaft mit unbarmherziger Intensität und ohne Sympathie für seinen Protagonisten.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:48:58 „Diese Momente, also ich kenne diesen Moment, ich kenne den Falling-Down-Moment. Du stehst im Stau und möchtest irgendwann aufstehen und einfach aufgehen und mit dem Baseballschläger alles zu klump hauen. Das habe ich in mir.“

Matze Hielscher referenziert den Film 'Falling Down' (mit Michael Douglas), um eine bestimmte männliche Wut-Erfahrung zu beschreiben — den Moment, in dem man im Alltag einfach nur noch alles zerschlagen will. Er nutzt den Filmtitel als Code für ein Gefühl, das man als Mann angeblich heute nicht mehr aussprechen darf, und das zur Diskussion über männliche Aggression und gesellschaftliche Tabus führt.

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F Studie

Forschung zur Scham als Wächterin der menschlichen Würde

Leon Wurmser

Psychoanalytische Forschung von Leon Wurmser zur Scham als fundamentale Emotion und Regulator menschlicher Würde. Zentrale These: Scham fungiert als Wächterin der menschlichen Würde und wirkt als gesellschaftliches Korrektiv. Die Forschung untersucht die schützende und regulierende Rolle von Scham in der menschlichen Psyche und Gesellschaft.

🗣 Matze Hielscher zitiert daraus bei ⏱ 01:01:29 „Es gibt ja einen Schamforscher, der heißt Leon Wurmson, der sagte, die Scham ist die Wächterin der menschlichen Würde. Ja, fand ich einen sehr, sehr guten Satz dazu.“

Matze zitiert den Psychoanalytiker Leon Wurmser (im Transkript fälschlich als 'Wurmson' transkribiert), der zur Scham geforscht hat. Das Zitat wird im Gespräch über die Bedeutung von Scham als gesellschaftliches Korrektiv und schützende Emotion eingeordnet. Wurmsers Hauptwerk zur Scham ist 'Die Maske der Scham'.

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