Lanz & Precht – Ausgabe Zweiunddreissig
#032

Ausgabe Zweiunddreissig

Lanz & Precht / 08. April 2022 / 8 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode kreist um eine zentrale Frage: Woher kommt die wachsende Wut in der Mitte der Gesellschaft? Zwischen einem launigen Einstieg über Robert Musils Gleichgültigkeit gegenüber Orten und Bahn-Kaffee nach dem Motto „Hauptsache immer dasselbe

„Je sensibler eine Gesellschaft wird, umso empfindlicher wird eine Gesellschaft. Und je empfindlicher sie wird, umso aggressiver kann sie dann auch wieder werden.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (8)

Der Mann ohne Eigenschaften

Der Mann ohne Eigenschaften

Robert Musil · 1930

Robert Musils unvollendeter Monumentalroman, erschienen ab 1930. Das Werk begleitet den Mathematiker Ulrich durch das Wien des Jahres 1913 und verbindet essayistisches Denken mit erzählerischer Brillanz. Musil entwirft ein Panorama der untergehenden k.u.k.-Monarchie und fragt nach den Möglichkeiten eines gelingenden Lebens.

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:01:06 „Ich muss dann immer denken an meinen Lieblingsschriftsteller Robert Musil, der gesagt hat, es wäre eigentlich völlig egal, wo man ist. Weil die Überschätzung der Frage, wo man ist, stammt aus der Hordenzeit, als man sich die Futterplätze merken musste.“

Precht zitiert Robert Musil als seinen Lieblingsschriftsteller und gibt ein Zitat über die Irrelevanz des Aufenthaltsorts wieder. Das konkrete Werk wird nicht genannt, aber Musil ist vor allem für 'Der Mann ohne Eigenschaften' bekannt, aus dessen gedanklichem Umfeld das Zitat stammen dürfte. Es dient als launiger Einstieg ins Gespräch.

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Erkenne die Welt – Eine Geschichte der Philosophie

Erkenne die Welt – Eine Geschichte der Philosophie

Richard David Precht · 2015

Vierbändiges Nachschlagewerk zur Philosophiegeschichte, das die historischen Denkwege von den Ursprüngen bis zur Gegenwart nachzeichnet. Das Werk vermittelt nicht nur philosophische Antworten, sondern zeigt den Weg zum eigenständigen kritischen Denken – als Anleitung zum tieferen Verstehen der Welt.

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:10 „Also ich habe zum Beispiel den gestrigen Tag im Zug verbracht. Ich hatte einen Vortrag in Weimar, bin also fünf, sechs Stunden nach Weimar gefahren, fünf, sechs Stunden wieder zurück, habe in der Zeit an meiner Philosophiegeschichte gearbeitet.“

Precht erwähnt beiläufig, dass er im Zug an seiner Philosophiegeschichte arbeitet — gemeint ist seine mehrbändige Reihe 'Erkenne die Welt' / 'Erkenne dich selbst' / 'Sei du selbst'. Die Erwähnung dient als Illustration dafür, wie sehr er sich geistig in seine Arbeit vertiefen kann.

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Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren

Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren

Svenja Flaßpöhler · 2021

»Sensibilität ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Im Kampf um Anerkennung unterdrückter Gruppen spielt sie eine wichtige Rolle. Aber sie kann auch vom Progressiven ins Regressive kippen. Über diese Dialektik müssen wir nachdenken, um die gesellschaftliche Polarisierung zu überwinden.« Svenja Flaßpöhler Mehr denn je sind wir damit beschäftigt, das Limit des Zumutbaren neu zu justieren.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:14:19 „Wir haben hier im Podcast schon mal vor einiger Zeit über das Buch von Svenja Flassböhler gesprochen. Das Buch über Sensibilität. Und sie sagt darin, wir leben heute in der sensibelsten Gesellschaft, die es wahrscheinlich je gegeben hat.“

Precht greift auf Flaßpöhlers Buch zurück, um seine zentrale These zu untermauern: Wachsende Sensibilität führt zu wachsender Empfindlichkeit, und diese Empfindlichkeit kann in Aggression umschlagen. Er nutzt das Buch als theoretischen Rahmen für die Diskussion über die zunehmende Wut in der Gesellschaft.

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Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Richard David Precht · 2022

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Und warum eigentlich? Nichts, was die Arbeit anbelangt, ist heute mehr selbstverständlich. Das zweite Maschinenzeitalter selbstlernender Computer und Roboter revolutioniert unseren Arbeitsmarkt. Es definiert neu was »Arbeit« ist, und wozu wir eigentlich noch arbeiten. Schon seit einiger Zeit arbeiten wir in den westlichen Industrieländern nicht mehr, um unsere Existenz zu sichern. Wir arbeiten, um zur Erwerbsarbeitsgesellschaft dazuzugehören.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:15:03 „Vor wenigen Tagen hat jemand eine Rezension auf Amazon meines neuen Buches Freiheit für alle geschrieben. Das ist ein Buch, da geht es um die Arbeit und vorne auf der ersten Seite ist ein Zitat von Aristoteles, ein wunderschönes Zitat, in dem er sagt, wenn irgendwann Maschinen die ganze menschliche Arbeit leisten, dann braucht es keine Sklaven mehr in dieser Gesellschaft.“

Precht erzählt von einer Amazon-Rezension seines eigenen Buches, um ein Beispiel für überzogene Empfindlichkeit zu illustrieren. Eine Rezensentin hatte das Buch abgelehnt, weil auf der ersten Seite ein Aristoteles-Zitat steht — und Aristoteles frauenfeindliche Ansichten vertrat. Precht nutzt dies als Beleg für eine Kultur, in der Teilperspektiven zum absoluten Maßstab erhoben werden.

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Politik

Politik

Aristoteles · 1880

Die Politik (altgriechisch Πολιτικά Politiká „die politischen Dinge“) ist die wichtigste staatsphilosophische Schrift des Aristoteles. Das in acht Bücher aufgeteilte Werk behandelt hauptsächlich verschiedene real existierende und abstrakte Verfassungen. In diesem Werk stellt Aristoteles vier Thesen auf, die „jahrhundertelang widerspruchslos anerkannt“ wurden.

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:15:03 „Vorne auf der ersten Seite ist ein Zitat von Aristoteles, ein wunderschönes Zitat, in dem er sagt, wenn irgendwann Maschinen die ganze menschliche Arbeit leisten, dann braucht es keine Sklaven mehr in dieser Gesellschaft, keine Ausgebeuteten mehr. Man muss sich das vorstellen. Vierten Jahrhundert vor Christus geschrieben.“

Das Aristoteles-Zitat über Maschinen und Sklaven stammt aus dessen 'Politik'. Precht hat es als Motto auf die erste Seite seines Buches 'Freiheit für alle' gestellt und nutzt die Anekdote der empörten Rezensentin, um zu zeigen, wie identitätspolitische Maßstäbe historische Denker pauschal disqualifizieren.

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C Studie

Concept Creep: Psychology's Expanding Concepts of Harm and Pathology

Nick Haslam

Haslams einflussreiche Studie untersucht, wie sich gesellschaftliche Begriffe für Schaden und psychische Störungen kontinuierlich ausweiten. Das Phänomen „Concept Creep" beschreibt, wie Maßstäbe für Normalität schleichend verschoben werden und immer mehr Verhaltensweisen als pathologisch oder schädlich klassifiziert werden. Das Buch erklärt die Mechanismen dieser Verschiebung und ihre Konsequenzen für Gesellschaft und Individuum.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:19:03 „Es gibt auch einen Begriff dafür, Concept Creep. Kennst du das? Ich glaube, du nennst das immer Shifting Baselines. Wenn sich das so einschleicht, wenn dann plötzlich das immer weiter verschoben wird.“

Lanz und Precht diskutieren, wie sich gesellschaftliche Maßstäbe für Normalität verschieben. Lanz bringt den Fachbegriff 'Concept Creep' ein, den Precht als 'Shifting Baselines' kennt. Der Begriff stammt aus Nick Haslams einflussreicher psychologischer Studie von 2016 über die schleichende Ausweitung von Schadens- und Pathologiebegriffen.

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P Studie

Prevalence-induced concept change in human judgment

Daniel Levari et al.

Psychologische Studie über 'Prevalence-induced Concept Change': Probanden bewerten Gesichter als aggressiv oder freundlich. Als die Häufigkeit aggressiver Gesichter sinkt, werden neutrale Gesichter zunehmend als unfreundlich wahrgenommen. Die Studie zeigt, wie sich unsere Normalitätsmaßstäbe dynamisch an verändernde Häufigkeiten anpassen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:19:08 „Ich habe neulich von einem faszinierenden Versuch in Psychologie gelesen, da hat man Probanden die Gesichter von aggressiv guckenden Menschen und freundlich guckenden Menschen vorgelegt. Und es war sehr klar, die sollten sortieren, wer böse ist und wer gut ist.“

Lanz beschreibt ausführlich ein psychologisches Experiment, bei dem die Anzahl aggressiver Gesichter schrittweise reduziert wurde und neutrale Gesichter daraufhin als unfreundlich wahrgenommen wurden. Dies entspricht der bekannten Studie von Levari et al. (2018, Science) über 'prevalence-induced concept change'. Lanz nutzt das Experiment als Beleg für die These der sich verschiebenden Normalitätsmaßstäbe.

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Montagsspaziergänge-Reportage im Spiegel

Montagsspaziergänge-Reportage im Spiegel

Frauke Huhnfeld

Die Reportage von Frauke Hohenfeld beschreibt die Corona-Montagsspaziergänge in Sachsen aus verschiedenen Perspektiven. Sie zeigt die Zerreißproben zwischen den Teilnehmern und den Behörden, exemplarisch anhand eines Hoteliers und eines Polizisten. Der Artikel dokumentiert, wie sich gesellschaftliche Spannungen in dieser Bewegung manifestieren und belegt die These einer Radikalisierung aus der Mitte der Gesellschaft.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:29:04 „Ich habe vor einiger Zeit mal ein wirklich gutes, sehr lesenswertes Stück von, ich glaube, Frauke Hohenfeld gelesen im Spiegel, die über die Montagsspaziergänge beschrieben hat. Und diese Frauke Huhnfeld hat sich, ich kenne die nicht persönlich, aber das ist ein wirklich, wirklich guter Text, weil sie sich in bester Reporter-Manier die Mühe gemacht hat, einmal hinzugehen und mit diesen Leuten zu reden.“

Lanz empfiehlt ausführlich eine Spiegel-Reportage über die Corona-Montagsspaziergänge in Sachsen. Er zitiert mehrere Szenen daraus im Detail: einen Hotelier Jens Weißflog in Oberwiesenthal, der zwischen Gäste-Frust und Behörden-Vorgaben zerrieben wird, und einen jungen Polizisten namens Stefan, der statt mit Hooligans plötzlich mit föhnfrisierten Damen und Rentnern konfrontiert wird. Der Artikel dient Lanz als Beleg für seine These der Radikalisierung aus der Mitte.

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