Lanz & Precht – Alte Kriege - neue Kriege
#142

Alte Kriege - neue Kriege

Lanz & Precht / 24. Mai 2024 / 12 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode nimmt die Friedensillusion der 90er Jahre als Ausgangspunkt und konfrontiert sie mit der heutigen Realität: 58 bis 60 Kriege weltweit, Rüstungsausgaben von 2,4 Billionen Dollar — Jahr für Jahr steigend. Während Hunger, Armut und Klimakrise globale Antworten verlangen, fließt immer mehr Geld in Waffen statt in die drängenden Probleme der Menschheit.

„Wir sind ja heute mehr Menschen denn je, aber wir sind viel mehr dazu verdammt, eine Notgemeinschaft zu sein, um die existenziellen Probleme auf diesem Planeten zu bekämpfen.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (12)

Stern-Artikel zum Abnutzungskrieg in der Ukraine

Stern-Artikel zum Abnutzungskrieg in der Ukraine

Richard David Precht

Richard David Precht reflektiert über seine frühen Einschätzungen zum Ukraine-Krieg. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn hatte der Philosoph und Autor in einem Stern-Artikel prognostiziert, dass es zu einem langen Abnutzungskrieg kommen und Rückeroberungen kaum möglich sein würden. Im Gespräch erläutert er diese Analyse anhand der Überlegenheit moderner Verteidigungstechnologie.

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:08 „Was also diesen Abnutzungskrieg, den ja viele von Anfang an erwartet haben, ich auch, ich habe das im Stern geschrieben, wenige Wochen nach Kriegsbeginn, dass dieser Abnutzungskrieg, dass der ewig und endlos dauern kann und dass Rückeroberungen eigentlich kaum mehr möglich sind.“

Precht erwähnt beiläufig einen eigenen Artikel im Stern, den er wenige Wochen nach Beginn des Ukraine-Krieges veröffentlichte. Darin prognostizierte er einen langen Abnutzungskrieg, in dem Rückeroberungen kaum möglich seien – eine Einschätzung, die er im Gespräch durch die Analyse der Verteidigungsüberlegenheit moderner Kriegstechnik untermauert.

Zum Artikel bei Stern Details
Die neuen Kriege

Die neuen Kriege

Herfried Münkler · 2011

Das Zeitalter der zwischenstaatlichen Kriege geht offenbar zu Ende. Aber der Krieg ist keineswegs verschwunden, er hat nur seine Erscheinungsform verändert. In den neuen Kriegen spielen nicht mehr die Staaten die Hauptrolle, sondern Warlords, Söldner und Terroristen. Die Gewalt richtet sich vor allem gegen die Zivilbevölkerung; Hochhäuser werden zu Schlachtfeldern, Fernsehbilder zu Waffen. Herfried Münkler macht die Folgen dieser Entwicklung deutlich.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:18:35 „ich hatte kürzlich Herfried Münkler in der Sendung, der schon 2003 über die sogenannten neuen Kriege gesprochen hat“

Münklers Analyse asymmetrischer Kriege wird als visionär beschrieben, da sie heutige Konfliktformen vorwegnahm

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Die neue Unübersichtlichkeit

Die neue Unübersichtlichkeit

Jürgen Habermas · 1985

In den zeitdiagnostischen Beiträgen und Interviews dieses Sammelbandes, dessen Titel rasch zu einem geflügelten Wort avancierte, nimmt Jürgen Habermas Stellung zu aktuellen Fragen, angefangen mit dem Vordringen des Neokonservatismus im geistigen und politischen Leben der USA und der Bundesrepublik, über die Krise des Wohlfahrtsstaates und der Erschöpfung utopischer Energien bis hin zum gegenwärtigen intellektuellen Klima in der Bundesrepublik.Der Band, der kurz nach seinem Erscheinen mit dem Ges...

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:23:06 „Um das Habermas Wort zu nehmen, eine neue Unübersichtlichkeit findet heute bei Kriegen statt.“

Richard David Precht nutzt Habermas' berühmten Begriff, um die zunehmend unübersichtliche Lage moderner Kriegsführung zu beschreiben – asymmetrische Kriege, Bürgerkriege, hybride Konflikte, Terrorismus und Geheimdienstoperationen, die sich nicht mehr in klassische Kategorien einordnen lassen.

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Tribale Kriege

Tribale Kriege

Jürg Helbling · 2006

Im Unterschied zu Kriegen zwischen Staaten und zu Bürgerkriegen werden tribale Kriege zwischen Dorfgemeinschaften ausgetragen, die noch nicht oder nicht mehr von einer staatlichen Zentralgewalt kontrolliert werden. Anhand von Beispielen unter anderem aus Neuguinea, Amazonien und Ostafrika untersucht Jürg Helbling die Verlaufsformen und Ursachen dieser Kriege.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:18 „das bedeutendste Buch, was ich zu dem Thema kenne, hat Jörg Helbling geschrieben, ein Schweizer Anthropologe... Tribale Kriege heißt das Buch“

Precht bezeichnet es als das bedeutendste Buch zum Thema Krieg und Sesshaftigkeit und beschreibt den persönlichen Austausch mit dem Autor

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Tribale Kriege

Tribale Kriege

Jörg Helbling · 2021

1914-1918 und 1941-1945 waren deutsche Streitkräfte auf dem Balkan im Kriegseinsatz. Beide Male waren die Soldaten mit dem Kleinen Krieg (Partisanenkrieg) in einem schwierig zu meisterndem Raum konfrontiert. Wie nahmen sie den Kleinen Krieg wahr, wie versuchten sie, ihm Herr zu werden, und welche Veränderungen gab es dabei? Das vorliegende Buch gibt darauf Antworten. Es zeigt die Bedeutung der taktisch-operativen sowie der strategisch-politischen Ebene auf.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:26:26 „Also das bedeutendste Buch, was ich zu dem Thema kenne, hat Jörg Helbling geschrieben. Ein Schweizer Anthropologe, ein sehr, sehr netter Mensch, mit dem ich mich auch sehr lange und intensiv persönlich unterhalten habe. Sehr beeindruckender Mann. Er hat sich über das Thema habilitiert. Tribale Kriege heißt das Buch.“

Im Gespräch über den Ursprung organisierter Kriege empfiehlt Richard David Precht das Buch des Schweizer Anthropologen Jörg Helbling als das bedeutendste Werk zu diesem Thema. Helbling vertritt darin die These, dass organisierte Kriege erst mit der Sesshaftwerdung des Menschen vor etwa 10.000-12.000 Jahren begannen, weil nomadische Völker einander ausweichen konnten, sesshafte Gesellschaften jedoch um Territorien kämpfen mussten.

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Homo Deus

Homo Deus

Yuval Noah Harari · 2024

Step into the future with Yuval Noah Harari’s groundbreaking book, Homo Deus: A Brief History of Tomorrow. Discover how humanity’s next chapter may be defined by the pursuit of immortality, artificial intelligence, and ultimate happiness, as we attempt to transcend our biological limitations. Harari challenges everything we know about the future of humankind, revealing the possibility that we might soon become gods ourselves.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:30:08 „ich glaube Harari macht den Punkt in Homo Deus, wo er darauf hinweist, dass es im Grunde zwischen 1913 herrscht zwischen Deutschland und Frankreich Frieden“

Hararis These wird herangezogen, um die historische Selbstverständlichkeit von Krieg und die eurozentrische Friedensillusion zu illustrieren

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Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit

Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit

Steven Pinker · 2011

Die Geschichte der Menschheit – eine ewige Abfolge von Krieg, Genozid, Mord, Folter und Vergewaltigung. Und es wird immer schlimmer. Aber ist das richtig? In einem wahren Opus Magnum, einer groß angelegten Gesamtgeschichte unserer Zivilisation, untersucht der weltbekannte Evolutionspsychologe Steven Pinker die Entwicklung der Gewalt von der Urzeit bis heute und in allen ihren individuellen und kollektiven Formen, vom Verprügeln der Ehefrau bis zum geplanten Völkermord.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:30:08 „Genau, das ist das, was Steven Pinker, den wir ja auch das ein oder andere Mal zitiert haben, wo er seinen Optimismus rauszieht. Aber das Ärgerliche ist eben, dass es im Augenblick wieder steigt.“

Precht verweist auf Pinkers bekannte These vom historischen Rückgang der Gewalt, die er als Quelle für Optimismus beschreibt. Er kontert jedoch, dass die aktuellen Entwicklungen – Rückkehr zur Kriegstüchtigkeit, Aufrüstung – diesen positiven Trend wieder umkehren.

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Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch

Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch

Francis Fukuyama · 2022

Ist Geschichte eine endlose Wiederholung von Aufstieg und Verfall? In seinem weltberühmten Grundlagenwerk legt Francis Fukuyama dar, warum für ihn die liberale Demokratie den Endpunkt der Geschichte bedeutet. Im Sommer 1989 elektrisierte ein Artikel eines bis dato unbekannten Politikwissenschaftlers in der Zeitschrift The National Interest die Welt. Er führte zu Kontroversen bis in die Leitartikel diverser Zeitungen.

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:37:43 „Damals eine sehr schöne Friedenszeit, gutes Verhältnis auch zu Russland. Putin redet Anfang der 2000er Jahre im Deutschen Bundestag. Die Welt wird gut, alles Fukuyama, das Ende der Geschichte, alles in diese Richtung.“

Precht erwähnt Fukuyamas berühmte These vom 'Ende der Geschichte' als Chiffre für den Optimismus der Nullerjahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Er nutzt die Referenz, um zu zeigen, wie sehr sich die Hoffnungen auf eine friedliche, vernetzte Welt als Illusion erwiesen haben.

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Das Kommunistische Manifest

Das Kommunistische Manifest

Karl Marx · 2025

Das Kommunistische Manifest, erstmals 1848 veröffentlicht, prägte nicht nur die Arbeiterbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts, sondern wurde auch zu einem zentralen Bezugstext zahlreicher linker Theorien und Bewegungen weltweit. In prägnanter Sprache analysieren Marx und Engels die gesellschaftlichen Klassenverhältnisse und entwickeln das Ziel einer klassenlosen, kommunistischen Gesellschaft.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:42:04 „Weil der letzte Satz im Kommunistischen Manifest hieß, das Endziel des Kommunismus ist die Weltherrschaft. Das war zwar völlig anders gemeint, aber es wurde damals so interpretiert, dass man dachte, die wollen ihren Machtbereich mit aller Gewalt und wenn wir nicht, dann machen die.“

Precht erwähnt das Kommunistische Manifest im Kontext der ideologischen Auseinandersetzung im Kalten Krieg. Er erklärt, dass die westliche Interpretation des Manifests – die Angst vor kommunistischer Weltherrschaft – die Aufrüstungslogik der damaligen Zeit begründete, und kontrastiert dies mit der heutigen Situation, in der eine vergleichbare ideologische Konfrontation fehle.

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Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf

Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf

Immanuel Kant · 1795

Philosophische Abhandlung über die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden zwischen Völkern. Kant argumentiert, dass ein Föderalismus freier, demokratischer Staaten und universelle Moralgesetze die Grundlage für internationale Ordnung bilden. Das Werk prägt bis heute Konzepte von Völkerrecht und internationalen Institutionen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:46:52 „Und Heribert Prantl hat vor ein paar Wochen einen grandios guten Text zu dem Thema geschrieben und hat nochmal, weil er ein guter, wirklich exzellenter Jurist ist, nochmal darauf hingewiesen, auf die Feinheiten, was da wirklich drin steht. Ganz handfest, ganz konkret. Also du meinst jetzt ganz schrift zum ewigen Frieden. Zum ewigen Frieden, genau.“

Kants philosophische Schrift 'Zum ewigen Frieden' wird ausführlich diskutiert. Lanz und Precht gehen detailliert auf die konkreten Forderungen ein – keine Kriegskredite, keine Einmischung in andere Staaten, Abschaffung stehender Heere – und kontrastieren sie mit der heutigen Rückkehr zur Kriegstüchtigkeit. Precht nennt den Text einen der bedeutendsten philosophischen Texte der Menschheitsgeschichte.

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Artikel über Kants 'Zum ewigen Frieden'

Artikel über Kants 'Zum ewigen Frieden'

Heribert Prantl

Heribert Prantl analysiert in seinem Kommentar zum 300. Geburtstag von Immanuel Kant dessen 1795 veröffentlichte Friedensschrift und arbeitet ihre juristischen Forderungen heraus: kein Kriegskredite, keine gewaltsame Einmischung in andere Staaten, Abschaffung stehender Heere und republikanische Verfassungen. Der Friedensphilosoph wird feierlich begangen, doch die konkreten Forderungen gelten heute als weltfremd, während Pazifisten als naive Narren der Nationen abgetan werden. Prantl stellt die provokative Frage, wo denn die politisch Mutigen sind, die sich zu diesen radikalen Positionen bekennen würden.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:46:52 „Heribert Prantl hat vor ein paar Wochen einen grandios guten Text zu dem Thema geschrieben und hat nochmal, weil er ein guter, wirklich exzellenter Jurist ist, nochmal darauf hingewiesen, auf die Feinheiten, was da wirklich drin steht.“

Markus Lanz verweist auf einen kürzlich erschienenen Text von Heribert Prantl, der anlässlich des 300. Geburtstags von Kant dessen Friedensschrift juristisch analysiert und die konkreten Forderungen – keine Kriegskredite, keine Einmischung, Abschaffung stehender Heere – herausarbeitet.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
Zum ewigen Frieden

Zum ewigen Frieden

Immanuel Kant · 2022

Kants 1795 veröffentlichte philosophische Schrift entwickelt ein Konzept für dauerhaften Weltfrieden. Er argumentiert, dass stabiler Frieden zwei Bedingungen erfordert: alle Staaten müssen freiheitliche Republiken sein und ein Völkerbund muss legitime Kriegshandlungen regulieren. Diese grundlegende Schrift wurde zur Grundlage für die Charta der Vereinten Nationen.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:47:40 „Danach ist es sozusagen zum ewigen Frieden benannt. Und das heißt, er hat also einerseits darauf hingewiesen, dass der Friedhof markierte sozusagen das Bedrohungsszenario“

Precht analysiert ausführlich Kants Schrift und ihre metaphorische Einleitung mit dem Friedhofsbild sowie die zeitlose Aktualität der darin formulierten Friedensbedingungen

Zum Artikel bei Deutschlandfunkkultur.de Details
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