Mediale Zielscheibe - Der Fall Brosius-Gersdorf
Markus Lanz, Richard David Precht
Im Mittelpunkt steht der Fall Frauke Brosius-Gersdorf, einer Verfassungsrechtlerin aus Potsdam, die als mögliche Bundesverfassungsrichterin zum Ziel einer beispiellosen medialen Kampagne wurde — inklusive Morddrohungen und dem Vorwurf, eine linksradikale Aktivistin zu sein. Lanz beschreibt, wie er im Interview eine sichtlich erschütterte Frau erlebte, die kein Medienprofi ist, sondern eine brillante Juristin, deren Positionen — etwa zur Abtreibung, Impfpflicht und zum Gendern — systematisch verzerrt und aus dem Kontext gerissen wurden. Besonders absurd: Sie war für den zweiten Senat vorgesehen, der mit Abtreibungsfragen gar nicht befasst ist, und Precht zerlegt die Etikettierung als "links" als historisch zufällige Zuordnung ohne inhaltliche Substanz.
„Das sind wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Ganz egal, ob man einzelne Positionen teilt oder nicht. Aber das ist eine Exzellenz auch in diesem Land, auf der man aufbauen kann, mit der man was machen kann.“
Erwähnte Medien (7)
Ferien auf Saltkrokan
Astrid Lindgren · 1968
Die schwedische Großstadtfamilie Melcherson verbringt ihren Sommerurlaub auf der Schäreninsel Saltkrokan vor der Küste Stockholm. Dort hat Vater Melcher das “Schreinerhaus” gemietet, naiv wie er ist, weil er den Namen so romantisch fand. Zusammen mit seinen Kindern Malin, Pelle, Jan und Niklas macht er sich daran, die Mängel des Hauses auszubessern.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:00:44 „Wir sind auf der Insel, wo wir als Kinder immer hingefahren sind, über viele, viele Jahre. Und ja, jetzt sind 15 Mitglieder meiner Familie hier. Und mittlerweile sind unsere eigenen Kinder schon zum Teil erwachsen. Und ja, das ist alles sehr dicht und sehr intensiv. Und wir machen hier lauter nutzlose und sinnlose Dinge und es geht uns gut. Ferien auf Salbkrokaten.“
Richard David Precht beschreibt seinen Familienurlaub auf einer dänischen Insel, auf der er schon als Kind war, und vergleicht die idyllische Situation scherzhaft mit der schwedischen Kinderserie bzw. dem Buch 'Ferien auf Saltkrokan' von Astrid Lindgren. Der leicht verballhornte Name ('Salbkrokaten') unterstreicht den humorvollen Ton.
Living Next Door to Alice (Who the Fuck Is Alice)
Smokie
Smokie ist eine britische Popgruppe und zählt – neben Boney M. und ABBA – zu den populärsten und erfolgreichsten Bands der 1970er Jahre in Großbritannien, Deutschland und großen Teilen Europas. Werdegang In den frühen 1970ern gründeten Sänger Chris Norman (* 25. Oktober 1950, Redcar), Gitarrist Alan David Silson (* 21. Juni 1951, Bradford) und Bassist Terry David Uttley (* 9. Juni 1951, Bradford, ✝ 16.12.2021), die sich alle von der St.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:36 „Und eine Sache noch ganz schnell. Die weltberühmte Frage, who the fuck is Alice, wurde ergänzt um die Frage, wer zum Geier ist Lutz?“
Markus Lanz greift den berühmten Partysong-Refrain 'Who the Fuck Is Alice' auf, um humorvoll auf Hörerfeedback zur letzten Episode überzuleiten. Hörer hatten gefragt, wer der in der Vorsendung erwähnte 'Lutz' sei – Prechts ältester Freund aus Studienzeiten.
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Heinrich Böll · 2009
Heinrich Bölls Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann sorgte bei ihrem Erscheinen im Jahr 1974, das von einem Vorabdruck im Spiegel flankiert wurde, für eine heftige Auseinandersetzung um die Methoden des Boulevardjournalismus. Die Hauswirtschafterin Katharina Blum, die nebenbei bei Empfängen und Festlichkeiten die kalten Buffets besorgt und sich davon eine Appartementwohnung und einen Volkswagen leisten kann, gerät zufällig in den Mi...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:12:48 „Du würdest sagen, ihr Motiv ist, ihre Ehre zu retten? Ja, exakt. Geht es ein bisschen um die verlorene Ehre der Frauke Brosius-Gerstorf?“
Richard David Precht spielt bewusst auf Heinrich Bölls Erzählung 'Die verlorene Ehre der Katharina Blum' an, indem er den Titel auf Frauke Brosius-Gersdorf überträgt. Die Parallele ist inhaltlich treffend: Wie bei Böll geht es um eine Frau, die durch mediale Hetzjagd und Vorverurteilung in eine existenzielle Krise getrieben wird. Lanz bestätigt die Analogie sofort.
Interview im Unimagazin der Universität Potsdam
Das Interview mit dem Unimagazin der Universität Potsdam dokumentiert die Aussage einer Verfassungsrichterkandidatin zu Geschlechtergerechtigkeit im Staat. Sie argumentiert, dass die staatliche Wortwahl die Grundrechte aller Menschen, einschließlich Frauen und diversgeschlechtlicher Personen, berücksichtigen sollte. Dies wird oft missverstanden als Forderung nach Gender-Sprache in der Verfassung, während es tatsächlich um die Einhaltung verfassungsrechtlicher Verpflichtungen geht.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:34:26 „Tatsächlich hat sie in einem Interview mit dem Unimagazin der Uni Potsdam gesagt, der Staat ist immer dann, wenn er die Wahl zwischen verschiedenen Ausdrucksformen hat, verpflichtet, eine Ausdrucksweise zu wählen, die den Grundrechten der Frauen und diversgeschlechtlichen Personen und der Verfassung usw. im Übrigen gerecht wird.“
Lanz ordnet den Vorwurf ein, die Verfassungsrichterkandidatin wolle das Grundgesetz gendern lassen. Er zitiert die eigentliche Aussage aus einem Interview mit dem Unimagazin der Uni Potsdam, in dem sie lediglich sagte, der Staat solle Formulierungen wählen, die den Grundrechten aller gerecht werden – weit entfernt von der öffentlichen Zuspitzung.
Compact
Compact ist eine deutsche Zeitschrift mit rechtskonservativem Profil, die nach einem Verbotsverfahren wieder erscheinen darf. Sie behandelt politische und gesellschaftliche Themen und ist Gegenstand verfassungsrechtlicher Diskussionen in Deutschland.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:36:37 „Ich kriege nur mit und das ist sozusagen das, was ich von anderen Verfassungsrechtlern höre. Die sagen zum Beispiel, dass das Kompaktverfahren ja, darf ja jetzt wieder erscheinen, diese rechte Zeitschrift. Das ist alles sehr, sehr, sehr, sehr gut begründet.“
Lanz diskutiert die Erfolgsaussichten eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens. Er verweist auf das Gerichtsverfahren um die rechte Zeitschrift Compact, die nach einem Verbot wieder erscheinen durfte. Verfassungsrechtler hätten ihm gesagt, die Urteilsbegründung im Compact-Verfahren zeige, wie hoch die Hürden für ein Parteiverbot seien.
Ruck-Rede (Berliner Rede 1997)
Roman Herzog · 1999
Die Ruck-Rede am 26. April 1997 war eine Rede des damaligen deutschen Bundespräsidenten, Roman Herzog, im neu gebauten Hotel Adlon Kempinski in Berlin zur Wiedereröffnung des Hotels. Sie begründete das Format der Berliner Rede. Offiziell trug die Ruck-Rede den Titel „Aufbruch ins 21. Jahrhundert“.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:43:42 „Der damalige Vorsitzende war, wenn mich nicht alles täuscht, Roman Herzog, der spätere Bundespräsident. Der Ruck Herzog.“
Precht spricht über ein umstrittenes Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Sitzblockaden in den 1980er Jahren und identifiziert den damaligen Vorsitzenden Roman Herzog über seinen berühmten Beinamen 'Der Ruck Herzog', der auf seine bekannte Berliner Rede von 1997 zurückgeht, in der er forderte: 'Durch Deutschland muss ein Ruck gehen'.
Wolfszeit
Harald Jähner
Sachbuch über die deutsche Nachkriegszeit (1945–1955), das zeigt, wie psychologische Reaktionen auf Wut, Demütigung und Verdrängung die Deutschen in eine kollektive Arbeitswut trieben, die das Wirtschaftswunder ermöglichte, gleichzeitig aber eine echte Auseinandersetzung mit der historischen Schuld verhinderte.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:48:35 „Ich weiß natürlich, dass damals in den 50er Jahren sehr, sehr viele Juristen in Amt und Würden waren, die das auch bereits im Dritten Reich waren. Das ist ja sehr bekannt in der Wolfszeit, von der du gesprochen hast, hat man natürlich, weil man gar keine anderen Juristen hatte, auf die alle zurückgegriffen.“
Precht erklärt, warum die Verfassungsväter die Besetzung des Bundesverfassungsgerichts bewusst der Politik überließen statt der Justiz. Er verweist auf die Nachkriegszeit – die ‚Wolfszeit' –, in der viele Juristen noch aus dem Dritten Reich stammten und man demokratischen Parteien mehr vertraute als der belasteten Richterschaft. Das Buch wurde offenbar in einem früheren Teil des Gesprächs eingeführt.