Macht Vollzeit unser Leben kaputt
Lars Weisbrod, Nina Pauer
Anhand von Theresa Bückers Buch "Alle Zeit" diskutieren die drei, warum Zeit kein privates Organisationsproblem ist, sondern eine zutiefst politische Frage: Wer kann es sich leisten, Vollzeit zu arbeiten, und wer bleibt mit Care-Arbeit, Mental Load und Zeitarmut zurück? Bücker fordert eine Reduktion der Lohnarbeitszeit und stellt die 5-Tage-Woche grundsätzlich infrage — nicht als Lifestyle-Tipp, sondern als feministische Notwendigkeit.
„Zeit ist ein immanent politisches Thema, vielleicht sogar das politische Thema unserer Gegenwart, an dem sich alle Befreiungsbewegungen wie der Feminismus letztlich abarbeiten müssen.“
Erwähnte Medien (21)
Alle Zeit
Teresa Bücker · 2022
Soziale Gerechtigkeit bedeutet gerechte Verteilung von Zeit. Zeit ist die zentrale Ressource unserer Gesellschaft. Doch sie steht nicht allen gleichermaßen zur Verfügung. Teresa Bücker, eine der einflussreichsten Journalistinnen in Deutschland, macht konkrete Vorschläge, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann, die für mehr Gerechtigkeit, Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgt.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:03 „Wir haben ein Buch gelesen und zwar das Buch von Theresa Bücker mit dem Titel Alle Zeit und darum geht es um unser heutiges Thema, nämlich um Zeit, also unsere Lebenszeit und wie wir die alle aufteilen in verschiedene Tätigkeiten und Kontexte, die wir mit Erwerbsarbeit verbringen, mit kleinen Kindern, mit großen Kindern, mit pflegebedürftigen Angehörigen.“
Das Buch ist das Hauptthema der Episode. Theresa Bücker argumentiert darin, dass Zeit ein zutiefst politisches Thema ist und dass strukturelle Zeitarmut – besonders bei Frauen, Familien und Care-Arbeitenden – durch politische Reformen bekämpft werden muss. Nina Pauer und Lars Weisbrod haben es gemeinsam gelesen und diskutieren Bückers Thesen zu Zeitgerechtigkeit, Care-Arbeit und der Frage, ob wir zu viel Zeit mit Lohnarbeit verbringen.
Glass Onion
Rian Johnson · 2022
Der weltberühmte Detektiv Benoit Blanc reist nach Griechenland, um das Rätsel um einen Tech-Milliardär und dessen facettenreiche Entourage zu lösen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:10:56 „es gibt gerade einen Film von dem Regisseur Rian Johnson, der vor allem so in den letzten Wochen sehr viel auf Twitter besprochen wurde, der heißt Glass Onion“
Lars nutzt die zentrale Metapher des Films – die Glaszwiebel – als Bild für die durchsichtige Scheinkomplexität der Gegenwart
Glass Onion: A Knives Out Mystery
Rian Johnson · 2022
Der weltberühmte Detektiv Benoit Blanc reist nach Griechenland, um das Rätsel um einen Tech-Milliardär und dessen facettenreiche Entourage zu lösen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:11:38 „Und zwar gibt es gerade einen Film von dem Regisseur Rian Johnson, der vor allem so in den letzten Wochen sehr viel auf Twitter besprochen wurde, der heißt Glass Onion. Mir geht es eher um die zentrale Metapher in diesem Film, die ich einfach mal rausschneide und nur kurz nacherzähle.“
Lars Weisbrod bringt den Film als Gegenwartscheck-Vorschlag ein. Ihn interessiert weniger der Film selbst als die zentrale Metapher der Glaszwiebel: Unsere Gegenwart tue so, als hätte sie komplexe Schichten, sei aber in Wahrheit durchsichtig und banal – von Rechtspopulisten bis Kryptowährungen. Nina Pauer gibt ihm dafür allerdings keinen Punkt.
Wednesday
Tim Burton · 2022
Clever, sarkastisch und fast eiskalt will Wednesday Addams eine Mordserie aufklären. Dabei findet sie an der Nevermore Academy jedoch nicht nur Freunde.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:13:07 „Also ich meine, du hattest das ja letztens mal versucht bei Ijeoma, eine neue Serie, Wednesday, glaube ich, als Gegenwart, einfach eine neue Serie.“
Nina Pauer erwähnt die Serie Wednesday nur beiläufig als Rückverweis auf eine frühere Episode, in der Lars Weisbrod die Serie als Gegenwartsphänomen vorgeschlagen hatte. Es wird inhaltlich nicht weiter darauf eingegangen.
Glass Onion (Beatles-Song)
The Beatles
The Beatles, auch The White Album (Weißes Album), ist das neunte Studioalbum der gleichnamigen britischen Band. Es wurde im November 1968 in Großbritannien und Deutschland veröffentlicht. In Deutschland war es ihr 13., in den USA ihr 16. Album. Das schlichte weiße Cover wurde von Richard Hamilton entworfen. Es war das erste Album der Beatles, das auf ihrem eigenen Label Apple Records erschien. Das Album erreichte in Deutschland, Großbritannien und den USA die Spitze der Charts.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:13:25 „das Wort, glaube ich, aus einem Beatles-Song kommt“
Lars verweist darauf, dass der Filmtitel Glass Onion ursprünglich von einem Beatles-Song stammt
Glass Onion
The Beatles
Glass Onion (englisch für: ‚Gläserne Zwiebel‘) ist ein Lied der britischen Band The Beatles, das 1968 auf ihrem neunten Studioalbum The Beatles veröffentlicht wurde. Komponiert wurde es von John Lennon und unter der Autorenangabe Lennon/McCartney veröffentlicht.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:03 „Was für dich sprechen würde, ist, dass das Wort, glaube ich, aus einem Beatles-Song kommt.“
Lars Weisbrod merkt an, dass der Titel des Films 'Glass Onion' ursprünglich von einem Beatles-Song stammt. Es wird nur kurz als Herkunft des Begriffs erwähnt, nicht weiter inhaltlich besprochen.
Bücher über Kindererziehung (Jesper Juul)
Jesper Juul · 2015
Erstmals im Taschenbuch: Jesper Juuls Quintessenz aus 35 Jahren Familientherapie Der bekannte Familientherapeut Jesper Juul stellt in diesem Buch die fünf Grundsteine vor, auf deren Basis Familienleben gelingen kann: Er erklärt, was es mit Kooperation und Integrität auf sich hat, betont den Vorrang des Selbstwertgefühls gegenüber dem Selbstvertrauen, beschreibt, wie man persönliche Verantwortung übernimmt, warum Eltern als Leuchttürme wirken müssen und wie man die Kunst, »Nein« zu sagen, richtig...
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:17:37 „Mir fällt dann immer bei diesem, ich hab's gesehen, ein Jasper Juhl, der diese tollen Bücher über Kindererziehung geschrieben hat, der hat ja auch mal gesagt, man soll dem Kind auf der Rutsche sagen, ja, ich sehe dich. Und nicht so, ja, toll. Also nicht so eine Bewertungsleiche.“
Nina Pauer erinnert sich an einen Ratschlag aus einem Buch des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul: Man solle Kinder nicht ständig loben, sondern ihnen neutral signalisieren, dass man sie sieht. Sie zieht die Parallele zum WhatsApp-Phänomen des Nachricht-Likens als 'Ich sehe dich'-Geste. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt.
Kolumne in der SZ / SZ Magazin
Theresa Bücker
Die Süddeutsche Zeitung hat aus Teresa Bückers Kolumne »Freie Radikale« einen neuen Podcast entwickelt. Bücker diskutiert darin mit Lara Fritzsche, stellvertretender Chefredakteurin des SZ-Magazins, über gesellschaftliche Themen aus der Kolumne sowie über Leserfragen. Die zweite Folge behandelt alternative Familienmodelle und argumentiert, dass die klassische Kleinfamilie nicht mehr zeitgemäß ist und neue Organisationsformen nötig werden, um Eltern und Kinder zu entlasten. Der Podcast wird jeden Donnerstag um 17 Uhr auf iTunes, Spotify, Deezer und Pocket-Cast veröffentlicht.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:19:14 „Man kennt Theresa Bücker vielleicht inzwischen am besten, wenn man sie dann kennt, von ihrer Kolumne in der SZ oder ich glaube auf SZ Magazin Online“
Lars beschreibt Theresa Bückers Kolumne, die mit der wiederkehrenden Frage 'Ist es radikal, so zu denken?' beginnt
Ist es radikal ...? (Kolumne im SZ Magazin)
Theresa Bücker
Die Kolumnistin kritisiert Armin Laschets Aussage "2015 darf sich nicht wiederholen" als feige, mehrdeutig und ausweichend. Die Warnung entwerte das Engagement der über 50 Prozent der Bevölkerung, die 2015 Flüchtlingen halfen, und bediene stattdessen rassistische Ängste, statt ihnen entgegenzutreten. Sie argumentiert, dass ein künftiger Kanzler oder eine künftige Kanzlerin den Bürgern zutrauen sollte, solidarisch und weltoffen zu sein. Gerade Politiker, die sich auf christliche Werte berufen, sollten sich für die Aufnahme Schutzbedürftiger einsetzen, statt sich abzuschotten und das Land abzuschirmen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:19:52 „Man kennt Theresa Bücker vielleicht inzwischen am besten, wenn man sie dann kennt, von ihrer Kolumne in der SZ oder ich glaube auf SZ Magazin Online oder im SZ Brand Kosmos. Dort erzählt sie ja von im weitesten Sinne feministischen und anderen, ich sag mal, emanzipatorischen Ideen. Und diese Kolumne beginnt aber immer mit der Frage, ist es radikal, so zu denken, ist es radikal, das zu tun?“
Lars Weisbrod stellt Theresa Bückers regelmäßige Kolumne im SZ Magazin vor, in der sie scheinbar radikale Vorschläge aus der Lebenswelt unterbreitet – etwa ob es radikal sei, keine Karriere zu machen oder alle Care-Arbeit selbst zu erledigen. Die Kolumne wird als Kontext für Bückers publizistisches Profil herangezogen.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Vereinte Nationen · 2025
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet, gilt als grundlegender Text der modernen internationalen Menschenrechtsordnung. In dreißig Artikeln formuliert sie die unveräußerlichen Rechte jedes Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache, Geschlecht, Religion oder sozialem Status. Diese Ausgabe bietet den vollständigen Text in deutscher und englischer Sprache in der offiziellen Fassung der Vereinten Nationen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:23:07 „Sie zitiert mehrfach die Erklärung der Menschenrechte, in der das Recht auf freie Zeit festgeschrieben ist und appelliert, wir brauchen unbedingt mehr Zeitgerechtigkeit.“
Nina Pauer erwähnt, dass Theresa Bücker in ihrem Buch 'Alle_Zeit' die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte heranzieht, um zu belegen, dass das Recht auf freie Zeit ein fundamentales Menschenrecht ist. Dies dient als Argument für ihre Forderung nach mehr Zeitgerechtigkeit.
Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles
Dieses Ratgeberbuch behandelt das Konzept der Mental Load und kritisiert die Erwartung, dass Frauen unbegrenzte emotionale und organisatorische Verantwortung tragen. Es setzt sich mit traditionellen Rollenverteilungen auseinander und zeigt auf, dass Frauen nicht gleichzeitig perfekte Partnerin und Haushälterin sein können. Das Buch ist Teil der wachsenden Ratgeberliteratur zum Thema Mental Load, die gesellschaftliche Anforderungen an Frauen hinterfragt.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:26:51 „Die Titel sind dann auch von diesen Mental-Lord-Büchern. Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles“
Nina erwähnt den Buchtitel als Beispiel für die wachsende Ratgeberliteratur rund um Mental Load
Mittagsstunde
Lars Jessen · 2022
Ingwer Feddersen kehrt in sein Heimatdorf Brinkebüll zurück, als er sieht, dass seine Großeltern mit Problemen zu kämpfen haben. Sein Großvater will seine Kneipe nicht aufgeben und seine Großmutter wird immer verwirrter. Ingwer merkt schnell, dass das ganze Dorf nicht mehr so ist wie früher. Er fragt sich, wann genau der Niedergang begonnen hat.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:36:49 „Ja, ich habe diesen Film gesehen, Mittagsstunde von Dörte Hansen, der gerade im Kino läuft und da musste ich an dieses, weil ich auch mit der Theresa-Bücker-Brille durch die Welt gegangen bin und da geht es ja darum, dass ein Professor Charlie Hübner aufs norddeutsche, glatte Land wieder zurückgeht in sein kleines Dorf, um seine alten Eltern zu pflegen.“
Nina Pauer erwähnt den Kinofilm Mittagsstunde als Illustration zu Bückers Thesen über Care-Arbeit. Im Film nimmt sich ein Professor ein Sabbatical, um seine alten Eltern auf dem Land zu pflegen. Pauer nutzt den Film, um die Widerspenstigkeit und Unsichtbarkeit von Pflegearbeit anschaulich zu machen – parallel zur Betreuung kleiner Kinder.
Die sind wie Plankton
Der Artikel beschreibt eine neue Generation von Arbeitnehmern, die ihre Grenzen gegenüber Chefs deutlich setzen. Sie diktieren, wann und wie sie arbeiten – etwa ohne Dienstreisen am Wochenende. Der Text zeigt eine generationelle Verschiebung im Verhältnis zur Arbeitszeit, bei der jüngere Beschäftigte ihre Lebensqualität höher bewerten als frühere Generationen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:43:46 „Mir fehlen zwei Artikel, die wir in der Zeit hatten. Auch ein, einer war im Wirtschaftsteil. Ich habe mir den Titel irgendwie gemerkt, weil er so toll ist. Die sind wie Plankton, da ging es um eben neue Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihren Chefs diktieren, wie sie wann arbeiten wollen.“
Nina Pauer erinnert sich an einen ZEIT-Artikel aus dem Wirtschaftsteil mit dem Titel 'Die sind wie Plankton'. Der Artikel handelt von einer neuen Generation von Arbeitnehmerinnen, die ihren Chefs klare Grenzen setzen – etwa keine Dienstreisen am Wochenende. Pauer sieht darin eine Bestätigung von Bückers These, dass sich das Verhältnis zur Arbeitszeit generationell verschiebt.
Bullshit Jobs
David Graeber
Ein Bullshit-Job ist eine Beschäftigungsform, die so völlig sinnlos, unnötig oder schädlich ist, dass selbst der Arbeitnehmer ihre Existenz nicht rechtfertigen kann. Es geht also gerade nicht um Jobs, die niemand machen will, sondern um solche, die eigentlich niemand braucht. Im Jahr 1930 prophezeite der britische Ökonom John Maynard Keynes, dass durch den technischen Fortschritt heute niemand mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiten müsse.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:08 „Das ist ja wirklich ihr Hauptpunkt. Alle sollen weniger arbeiten. ...in der Folge, wo wir über Bullshitjobs geredet haben damals.“
Nina Pauer verweist auf eine frühere Podcast-Folge, in der über Bullshit Jobs gesprochen wurde. Der Verweis dient als Verbindung zum aktuellen Thema der veränderten Einstellung zur Lohnarbeit, insbesondere bei jüngeren Generationen.
Glück statt Geld
Das Buch untersucht die veränderten Lebensansprüche der Millennials in Bezug auf Arbeit. Während frühere Generationen Karriere und hohes Einkommen anstrebten, priorisieren junge Arbeitnehmer heute Freizeit, Sabbaticals und flexible Arbeitsmodelle wie Teilzeitarbeit. Der Autor zeigt auf, dass das klassische Ideal von Karriereaufstieg an Bedeutung verliert und sich gesellschaftliche Wertvorstellungen zum Thema Arbeit grundlegend verschieben.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:44:14 „Eine Kollegin hat mal ein Buch geschrieben, Glück statt Geld, wo es darum geht, dass die immer mehr Ansprüche haben an ihre Lebenszeit und eben nicht nur Führungspositionen und geile Bezahlungen und immer mehr Arbeiten toll ist, sondern dass das Ideal eher ist, auch mal ein Sabbatical zu nehmen, nur vier Tage die Woche zu arbeiten.“
Nina Pauer erwähnt ein Buch einer ZEIT-Kollegin über die veränderten Ansprüche der Millennial-Generation an Arbeit. Das Buch beschreibt den Wandel weg vom klassischen Karriereideal hin zu mehr Freizeit, Sabbaticals und Teilzeit. Pauer ordnet es in den Kontext von Bückers These ein, dass Menschen insgesamt weniger arbeiten wollen.
Stell dir vor, es ist Arbeit und keiner geht hin
Anita Blasberg
ZEIT-Artikel von Anita Blasberg über Quiet Quitting: Wie jüngere Menschen durch TikTok und soziale Medien dazu aufrufen, bei der Arbeit nur das Nötigste zu tun und klare Grenzen zwischen Privatleben und Beruf zu ziehen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:44:31 „Und Anita Blasberg, ebenfalls eine Kollegin von uns, hat einen Text über Quiet Quitting, was ich fast im Gegenwartscheck genannt hätte, weil darüber gibt es jetzt immer mehr Artikel diesen Herbst. Unter dem Titel Stell dir vor, es ist Arbeit und keiner geht hin.“
Nina Pauer empfiehlt einen ZEIT-Artikel ihrer Kollegin Anita Blasberg über das Phänomen Quiet Quitting. Der Text beschreibt, wie vor allem jüngere Menschen über TikTok und soziale Medien propagieren, nur das Nötigste bei der Arbeit zu tun und klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Pauer hätte das Thema fast als Gegenwartscheck der Folge gewählt.
Mach es nicht selbst
Tocotronic
Tocotronic ist eine deutsche Rockband, die 1993 gegründet wurde. Ähnlich wie Blumfeld stellte die Band nicht nur eine Innovation für deutschsprachige Musik dar, sondern inspirierte auch mehrere spätere Bands. Teile der Band Tocotronic sind aus Hamburg. Tocotronic war lange Zeit bei L'age D'or unter Vertrag. 2007 wechselte die Band zum Label Vertigo Berlin von UDD. Zusammen mit einer Gruppe von Bands und Künstlern, wie zum Beispiel Blumfeld,Die Sterne oder Rocko Schamoni bildeten sie die sogenannte "Hamburger Schule"
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:47:05 „Ich persönlich war lange jemand, der Arbeitsteilung geheiligt hat. Mein Paradigma war der Tokotronix-Song, mach es nicht selbst. Ausgenommen, Selbstauslöschung geht es, glaube ich, weiter, ja.“
Ijoma Mangold zitiert den Tocotronic-Song als sein früheres persönliches Paradigma für Arbeitsteilung. Er beschreibt einen Wandel in seiner Haltung: Früher fand er es naheliegend, alles zu delegieren, mittlerweile versteht er besser, warum Selbermachen – ob Kochen oder einen Tisch bauen – zum Menschsein dazugehört.
Time Enough for Love (Die Leben des Lazarus Long)
Robert Heinlein · 1987
The capstone and crowning achievement of the Future History series, from the New York Times bestselling Grand Master of Science Fiction... Time Enough for Love follows Lazarus Long through a vast and magnificent timescape of centuries and worlds. Heinlein's longest and most ambitious work, it is the story of a man so in love with Life that he refused to stop living it; and so in love with Time that he became his own ancestor.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:50:14 „Dahinter liegt ein Zitat des Science-Fiction-Schriftstellers Robert Heinlein, der eine Liste gemacht hat von Sachen, die er findet, die jeder Mensch können muss. Da kommt übrigens auch eine Windel wechseln vor, aber auch eine Mauer bauen, einen Seekrieg führen und so. Und sein Fazit ist, Menschen müssen das alles können, Spezialisierung ist für Insekten.“
Lars Weisbrod zitiert Robert Heinleins berühmte Liste menschlicher Fähigkeiten mit dem Fazit 'Spezialisierung ist für Insekten' im Kontext der Debatte über Arbeitsteilung versus Selbermachen. Das Zitat stammt aus dem Roman 'Time Enough for Love' (1973) bzw. den 'Notebooks of Lazarus Long'. Heinlein wird als politischer Gegenpol zu Theresa Bücker eingeordnet.
Ikigai
· 2018
ikigai ist »das, wofür es sich zu leben lohnt« Ob die Obstbauern von Sembikiya, der Keramiker Sokichi Nagae oder der 92-jährige Jiro Ono, der älteste mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Koch: Sie alle haben ihr ikigai gefunden und damit Sinn und Freude im Leben. Anhand dieser und anderer inspirierender Lebensgeschichten und fundiert durch wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt der japanische Neurowissenschaftler Ken Mogi die japanische Philosophie, die hilft, Erfüllung, Zufriedenheit und Ac...
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:50:49 „Ich weiß nicht, ob ich es richtig ausspreche, dass das Leben nicht nur ein Zentrum hat, dass man sagt, okay, Erwerbsarbeit, bis ich in Rente gehe und dann kommt die große Krise.“
Nina Pauer verweist auf das japanische Ikigai-Konzept, das aus Lifestyle-Magazinen bekannt geworden ist und sich mit der Frage beschäftigt, warum Menschen in Japan so lange leben. Sie nutzt es als Parallele zu Bückers These: Wer seinen Lebenssinn breit streut statt nur auf Erwerbsarbeit zu fokussieren, lebt erfüllter. Das Konzept ist eher als kulturelle Referenz denn als konkretes Buchzitat gemeint.
Beschleunigung / Beschleunigung und Entfremdung
Hartmut Rosa
Die rasante Beschleunigung des sozialen Lebens ist eines der hervorstechenden Merkmale der Gegenwart, wird in den Sozialwissenschaften aber häufig übersehen. Hartmut Rosa hat mit seinen maßgeblichen Untersuchungen diesbezüglich Grundlagenarbeit geleistet. In seinem neuen Essay legt er dar, wie eine kritische Gesellschaftstheorie verfasst sein muss, die den Zusammenhang von Beschleunigung und Entfremdung ernst nimmt.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:58:06 „da fiel mir Hartmut Rosa ein, der Soziologe, der auch viel über Zeitsoziologie geschrieben hat und der geschrieben hat, wir sind ja in einer beschleunigten Gesellschaft“
Nina zieht Hartmut Rosas Theorie der Beschleunigung heran, um zu erklären, warum trotz Zeitgewinnen durch Technik ein Gefühl von Zeitnot entsteht
Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne
Hartmut Rosa · 2017
Das Buch unternimmt erstmals den Versuch, die sich potenzierende Dynamisierung gesellschaftlicher Verhältnisse, wie sie in der jüngsten politischen und digitalen Beschleunigungswelle etwa unter dem Stichwort ›Globalisierung‹ firmiert, systematisch zu erfassen und sie in ihren kulturellen und strukturellen Ursachen ebenso wie in ihren Auswirkungen auf die individuelle und kollektive Lebensführung zu analysieren.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:59:47 „Da fiel mir Hartmut Rosa ein, der Soziologe, der auch viel über Zeitsoziologie geschrieben hat und der geschrieben hat, wir sind ja in einer beschleunigten Gesellschaft, also die Geschichte der Moderne ist eine Geschichte der Beschleunigung und wir haben einen Zeitgewinn.“
Nina Pauer bringt Hartmut Rosas Beschleunigungsthese als Ergänzung zu Bückers Buch ins Gespräch. Rosas zentrale These: Obwohl technischer Fortschritt uns mehr freie Zeit verschafft hat, empfinden wir diese als Zeitnot, weil die Steigerungsrate der Möglichkeiten die Beschleunigungsrate übersteigt – wir können nicht mehr 'lebensgesättigt sterben'. Lars Weisbrod zeigt sich beeindruckt und sagt, er müsse Rosa unbedingt lesen.