Die sogenannte Gegenwart – Willkommen in der biochemischen Lotterie
#087

Willkommen in der biochemischen Lotterie

Die sogenannte Gegenwart / 22. April 2024 / 14 Medien

Ijoma Mangold, Nina Pauer

Ausgehend von Kate Middletons Krebsdiagnose unternehmen die drei eine feuilletonistische Bestandsaufnahme: Wie sprechen und fühlen wir über Krebs, wie wurde die Krankheit historisch als Metapher gedeutet, und was hat sich daran verändert? Als Leitfaden dient das Buch «Krebsfühlen» der Historikerin Bettina Hitzer. Im Gegenwartscheck geht es vorweg um ein ganz anderes Zeitgeist-Phänomen: die allgegenwärtige Bitcoin-FOMO, die inzwischen sogar in der Plakatwerbung angekommen ist.

„Wir wollen die nunmehr drei Wochen zurückliegende Botschaft von Kate Middleton natürlich zum Anlass nehmen, über das Sprechen und Fühlen rund um Krebs zu reden.“
🗣 Nina Pauer

Erwähnte Medien (14)

Krebsfühlen

Krebsfühlen

Bettina Hitzer · 2020

Preis der Leipziger Buchmesse 2020 Die Diagnose »Krebs« war früher ein Todesurteil. Heute ist dies nicht mehr der Fall. Es dauerte lange, bis Ärzte, Krankenschwestern, Krebspatienten und ihre Angehörigen sich auf ihre Gefühle einließen, die Krebskrankheiten auslösen: Zuversicht, Lebensangst, Lebensfreude, Verzweiflung, Mut, Trauer, Leid, Apathie. Bettina Hitzer schildert, wie es zu dieser Gefühlsrevolution in Medizin und Gesellschaft kam.

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:14 „Als Leitfaden haben wir dazu ein spannendes Buch gelesen, nämlich Krebsfühlen von der Historikerin Bettina Hitzer.“

Das Buch dient als inhaltlicher Leitfaden für die gesamte Episode. Nina Pauer und Ijoma Mangold nutzen es, um eine historische Einordnung des gesellschaftlichen Umgangs mit Krebs vorzunehmen – wie sich das Sprechen, Fühlen und die metaphorische Deutung der Krankheit über die Jahrzehnte verändert hat. Nina Pauer erwähnt auch, ein Interview mit der Historikerin gelesen zu haben, das sie beeindruckt hat.

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Krebsfühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts

Krebsfühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts

Bettina Hitzer · 2020

Preis der Leipziger Buchmesse 2020 Die Diagnose »Krebs« war früher ein Todesurteil. Heute ist dies nicht mehr der Fall. Es dauerte lange, bis Ärzte, Krankenschwestern, Krebspatienten und ihre Angehörigen sich auf ihre Gefühle einließen, die Krebskrankheiten auslösen: Zuversicht, Lebensangst, Lebensfreude, Verzweiflung, Mut, Trauer, Leid, Apathie. Bettina Hitzer schildert, wie es zu dieser Gefühlsrevolution in Medizin und Gesellschaft kam.

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:21 „Als Leitfaden haben wir dazu ein spannendes Buch gelesen, nämlich Krebsfühlen von der Historikerin Bettina Hitzer.“

Das Buch dient als inhaltlicher Leitfaden für die gesamte Episode über das Sprechen und Fühlen rund um Krebs

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Harry Potter

Harry Potter

J. K. Rowling · 2024

Harry Potter is leaving Privet Drive for the last time. But as he climbs into the sidecar of Hagrid’s motorbike and they take to the skies, he knows Lord Voldemort and the Death Eaters will not be far behind. The protective charm that has kept him safe until now is broken. But the Dark Lord is breathing fear into everything he loves.

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:09:13 „Also es gibt es auch so als Harry Potter Modell, wo man dann den Zug sieht oder das Schloss oder sowas und man kriecht da so ein bisschen gefühlt mit dem Blick so rein und es ist so ganz in so gemütlichen, eigentlich ist es so ein bisschen herbstartig fast, so nett mit Tee zum Lesen.“

Nina Pauer spricht über den Trend der 'Book Nooks' – dekorative 3D-Miniaturwelten fürs Bücherregal. Harry Potter wird mehrfach als beliebtes Motiv genannt, etwa das Zuggleis oder das Schloss. Ijoma Mangold bestätigt den starken Einfluss von Harry Potter als Stilideal bei der jüngeren Generation.

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Harry Potter (Buchreihe)

Harry Potter (Buchreihe)

J. K. Rowling · 2015

Für Harry beginnt das vierte Schuljahr in Hogwarts. Doch davor steht noch ein sportliches Großereignis, das die scheußlichen Sommerferien vergessen lässt: die Quidditch-Weltmeisterschaft. Und ein weiterer Wettkampf wird die Schüler das ganze Schuljahr über beschäftigen: das Trimagische Turnier, in dem Harry eine Rolle übernimmt, die er sich im Traum nicht vorgestellt hätte. Natürlich steckt dahinter das Böse, das zurück an die Macht drängt: Lord Voldemort. Es wird eng für Harry, sehr eng.

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:10:06 „es gibt es auch so als Harry Potter Modell, wo man dann den Zug sieht oder das Schloss“

Harry Potter wird im Kontext des Book-Nook-Trends als beliebtes Dekorations-Thema für Bücherregale erwähnt

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The Crown

The Crown

Peter Morgan · 2016

Die politischen Rivalitäten und Romanzen während der Regentschaft von Elizabeth II. sowie die Ereignisse, die die 2. Hälfte des 20. Jh. prägten, sind Thema dieser Serie.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:23:09 „Man kennt es aus der schönen Serie The Crown, ist George VI, König George VI, der ein starker Raucher war und an Lungenkrebs erkrankte, ich glaube in den frühen 50er Jahren. Damit steigt sie ein und dem haben seine Ärzte selbst verheimlicht, dass er Lungenkrebs hatte.“

Ijoma Mangold nutzt die Serie The Crown als kulturelles Referenzbeispiel, um zu illustrieren, wie früher mit Krebsdiagnosen umgegangen wurde. Die Einstiegsszene der Serie – in der George VI. seine eigene Krebsdiagnose verheimlicht wird – dient als Ausgangspunkt für die historische Rekonstruktion des gesellschaftlichen Umgangs mit Krebs. Auch Nina Pauer bestätigt, dass dieses Bild aus der Serie bei ihr hängengeblieben ist.

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Krebs fühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts

Krebs fühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts

Bettina Hitzer · 2020

Medizinhistorische Studie über Krebs als Kulturfigur und Metapher: Eine Rekonstruktion, wie die Krankheit von der Antike bis zur Gegenwart sozial konnotiert und interpretiert wurde – von der antiken Säftelehre über die NS-Zeit bis zu modernen Darstellungen in sozialen Medien.

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:46 „Sie hat nämlich ein Buch geschrieben, ihre Habilitationsschrift war das 2017 und erschienen ist es als Buch 2020, hat den Preis der Leipziger Buchmesse dann erhalten und zwar Krebsfühlen, eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts.“

Das Buch ist das zentrale Sachbuch dieser Podcast-Folge. Nina Pauer stellt es als Habilitationsschrift der Medizinhistorikerin Bettina Hitzer vor, die darin rekonstruiert, wie Krebs durch die Epochen hindurch sozial konnotiert und als Metapher benutzt wurde – von der antiken Säftelehre über die NS-Zeit bis zu heutigen Instagram-Accounts. Beide Hosts beziehen sich im gesamten Gespräch immer wieder auf Hitzers Analysen.

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Wallenstein

Wallenstein

Friedrich Schiller

Schillers Trilogie über Feldherr Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg erforscht Macht, Ehrgeiz und menschliche Natur. Das Werk wurde später für die psychosomatische Medizin der 1920er-30er Jahre herangezogen, besonders der Satz »Es ist der Geist, der sich den Körper baut«.

🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:40:49 „Einer der Mediziner aus den 20er und 30er Jahren zitiert Schiller, aus dessen Wallenstein der Satz stammt, es ist der Geist, der sich den Körper baut.“

Ijoma Mangold zitiert Schillers Wallenstein-Trilogie im Zusammenhang mit der psychosomatischen Krebsmedizin der 1920er-30er Jahre. Der berühmte Satz 'Es ist der Geist, der sich den Körper baut' wurde von Medizinern jener Zeit herangezogen, um die These zu untermauern, dass seelisches Befinden körperliche Krankheiten verursache.

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Mars

Mars

Fritz Zorn

Autobiographisches Buch über die These, dass Krebs die physische Manifestation innerer Zerrüttung und gesellschaftlicher Verdrängung ist. Zorns literarische Auseinandersetzung mit seiner eigenen Krebserkrankung zeigt, wie angestaute Gefühle und verdrängte Tränen sich als Tumor manifestieren. Ein psychosomatisches Dokument aus den 1970er Jahren.

🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:44:06 „Und kein Buch hat diesen Zusammenhang so gut in Szene gesetzt, wie das Buch des Schweizer Schriftstellers, ich glaube, es ist ein Pseudonym, Fritz Zorn. Das ist geschrieben worden in den mittleren 70er Jahren.“

Ijoma Mangold führt Fritz Zorns autobiographisches Buch als das eindrücklichste literarische Beispiel für die These ein, Krebs sei Symptom einer inneren Zerrüttung und gesellschaftlichen Verdrängung. Lars Weisbrod liest den berühmten ersten Absatz vor, und Nina Pauer ergänzt ein weiteres Zitat über angestaute, nicht geweinten Tränen, die sich als Tumor manifestieren.

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Die Unfähigkeit zu trauern

Die Unfähigkeit zu trauern

Alexander und Margarete Mitscherlich · 1967

Die Unfähigkeit zu trauern ist ein psychoanalytisches Klassiker-Werk von Alexander und Margarete Mitscherlich über die gesellschaftliche Verdängung deutscher Vergangenheit. Der Titel wird im Podcast herangezogen, um die fehlende emotionale und gesellschaftliche Aufarbeitung von Gastarbeiter- und Einwanderungsgeschichte zu analysieren. Das Buch bietet theoretische Ansätze zum Verständnis kollektiver psychologischer Verdrängungsmechanismen in modernen Gesellschaften.

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:46:13 „Die Verdrängung der Taten des Dritten Reiches, die Unfähigkeit zu trauern, all das, was man unter sich frisst. Die Mitscherlichs, genau.“

Im Gespräch über Fritz Zorns These, dass Krebs aus gesellschaftlicher Verdrängung entsteht, verweist Ijoma Mangold auf die deutsche Nachkriegsverdrängung. Nina Pauer ergänzt mit dem Stichwort 'Die Mitscherlichs', womit das einflussreiche Buch über die kollektive Unfähigkeit der Deutschen, die NS-Vergangenheit zu betrauern, gemeint ist.

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Krankheit als Metapher

Krankheit als Metapher

Susan Sontag

Sontags Essay gegen die metaphorische Deutung von Krankheiten, insbesondere Krebs. Sie wendet sich vehement gegen die Interpretation von Krankheit als Folge unterdrückter Gefühle oder moralischer Strafe. Ein Meilenstein der Entmystifizierung von Krankheit und des Kampfes gegen Schuldprojektion auf Kranke.

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:48:26 „Susan Sontag als Stichwort, Krankheit als Metapher, ein großer Meilenstein gewesen gegen diese Schuldzuweisung“

Wird als intellektueller Meilenstein gegen die metaphorische Aufladung und Schuldzuweisung bei Krebserkrankungen genannt

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Aids und seine Metaphern

Aids und seine Metaphern

Susan Sontag · 2025

Susan Sontag’s celebrated essays on cancer and AIDS now available in one volume. In 1978, Sontag wrote Illness as Metaphor, a classic work described by Newsweek as “one of the most liberating books of its time.” A cancer patient herself when she was writing the book, Sontag shows how the metaphors and myths surrounding certain illnesses, especially cancer, add greatly to the suffering of patients and often inhibit them from seeking proper treatment.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:53:45 „Krankheit und Schuld ist ein interessanter Zusammenhang und wir kennen ihn natürlich, auch darüber hat Susan Sonsack später dann einen tollen Essay geschrieben, wir kennen ihn dann auch bei Aids, wo gewissermaßen der Hauptbetroffenengruppe der Schwulen dann vorgeworfen wurde, das ist die Strafe für eure losen sexuellen Sitten.“

Mangold spricht über den Zusammenhang von Krankheit und Schuldzuschreibung und verweist auf Sontags Essay über AIDS als Parallele zur Metaphorisierung von Krebs. Sontag habe beschrieben, wie Schwulen als Hauptbetroffenen eine moralische Schuld an ihrer Erkrankung zugeschrieben wurde. Der Essay wird als Fortführung von Sontags Arbeit über Krankheitsmetaphern eingeordnet.

Zum Artikel bei Fischerverlage.de Details
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein

So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein

Christoph Schlingensief · 2009

So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein! - Ein bewegendes Tagebuch über den Kampf gegen den Lungenkrebs und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Als bei dem renommierten Regisseur und Künstler Christoph Schlingensief im Januar 2008 Lungenkrebs diagnostiziert wird, beginnt für ihn ein Albtraum der Freiheitsberaubung. Ein Lungenflügel wird entfernt, Chemotherapien und Bestrahlungen folgen, die Prognose ist ungewiss.

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:54:58 „Schlingensief, wie heißt dein Buch? So schön wie hier kann es im Himmel gar nicht sein.“

Schlingensiefs Krebstagebuch wird als Beispiel für eine ältere, emotionalere Form des Umgangs mit der Krankheit besprochen

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Arbeit und Struktur

Arbeit und Struktur

Wolfgang Herrndorf · 2013

«Dann Telefonat mit einem mir unbekannten, älteren Mann in Westdeutschland. Noch am Tag der Histologie war Holm abends auf einer Party mit dem Journalisten T. ins Gespräch gekommen, dessen Vater ebenfalls ein Glioblastom hat und noch immer lebt, zehn Jahre nach der OP. Wenn ich wolle, könne er mir die Nummer besorgen. Es ist vor allem dieses Gespräch mit einem Unbekannten, das mich aufrichtet. Ich erfahre: T. hat als einer der Ersten in Deutschland Temodal bekommen.

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:54:58 „als Buch dann bei Rowold Arbeit und Struktur von Wolfgang Herndorf“

Herrndorfs Krebstagebuch wird als Gegenbeispiel zu Schlingensief genannt – nüchterner, metapherfreier Umgang mit der Krankheit

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Herrndorf-Biografie

Herrndorf-Biografie

Tobias Rüther · 2023

Wenn die (vermeintliche) Liebe das Leben zur Hölle macht: Terézia Moras »Muna oder Die Hälfte des Lebens« markiert in erschütternder und sprachlich exzellenter Form den Auftakt einer neuen Roman-Trilogie, in dem die in der DDR unter schwierigen Verhältnissen aufgewachsene Protagonistin in fatale emotionale Abhängigkeit von Lehrer Magnus gerät (Illustration: Jorghi Poll); Moshtari Hilal geht in ihrem mehrdimensionalen Essayband »Hässlichkeit« mittels Fotocollagen und Skizzen schonungslos der Dikt...

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:58:13 „Ich habe aus Anlass unseres Podcasts nochmal dazu gegriffen, von unserem Kollegen Tobias Rüther von der FAS ist eine glänzende Herndorf-Biografie erschienen, der auch das leicht furchterregende, also die kalten Schauer, die am Rücken runterlaufen über die Art der, ich will jetzt nicht sagen Inszenierung, aber ins Werksetzung seines Suizids sehr einfühlsam, sehr genau, sehr nuanciert beschreibt.“

Mangold empfiehlt die Herrndorf-Biografie seines FAZ/FAS-Kollegen Tobias Rüther als ergänzende Lektüre zu 'Arbeit und Struktur'. Er hebt besonders hervor, wie Rüther die Umstände von Herrndorfs Suizid einfühlsam und nuanciert beschreibe – ein Aspekt, der ihm beim erneuten Lesen Schauer über den Rücken gejagt habe.

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