Die sogenannte Gegenwart – Reden wie ein Bundespräsident
#088

Reden wie ein Bundespräsident

Die sogenannte Gegenwart / 06. Mai 2024 / 21 Medien

Lars Weisbrod, Ijoma Mangold

Im Zentrum steht Frank-Walter Steinmeiers neues Suhrkamp-Buch »Wir« — ein Bundespräsident, der sich im intellektuellen Verlag versucht. Doch bevor es ans Eingemachte geht, liefert der Gegenwartscheck eine Beobachtung über X-Accounts, die mit Superlativen europäischer Kathedralen und Altstädte einen ungeniert eurozentrischen Kulturkanon feiern — eine stille Gegenbewegung zum poststrukturalistischen Dekonstruktionseifer der Universitäten.

„Wenn man da durchläuft, könnte man meinen, man sei direkt quasi aus einer Eichendorff-Welt oder einer Eduard-Mörike-Novelle entstiegen.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (21)

Wir

Wir

Frank-Walter Steinmeier · 2024

Vor 75 Jahren wurde das Grundgesetz verkündet. Vor 35 Jahren fiel die Berliner Mauer. Die Bundesrepublik begeht 2024 ein doppeltes Jubiläum und kann es doch nicht mit ruhiger Selbstzufriedenheit feiern. Zu groß sind die Aufgaben, vor denen das Land steht. Internationale Krisen und Aufgaben der wirtschaftlichen Transformation setzen unsere Gesellschaft unter Stress, das Vertrauen in die Politik leidet, der Ton wird schärfer.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:01:07 „Wir wollen über ein Buch sprechen, das ganz frisch und neu erschienen ist und zwar von höchster Warte aus geschrieben, nämlich von unserem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Das Buch ist im klassischen intellektuellen Verlag Surkamp erschienen und trägt den Titel »Wir«.“

Das Buch ist das Hauptthema dieser Podcast-Folge. Steinmeier fragt darin, wer 'wir' als Gesellschaft sind und was uns zusammenhält. Mangold und Weisbrod diskutieren ausführlich Form und Inhalt: Das Buch markiere einen 'Nullpunkt des Diskurses' – frei von Originalität, aber gerade darin liege eine würdigenswerte geistige Askeseleistung, die nur ein Bundespräsident einnehmen könne.

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Wetten, dass..?

Wetten, dass..?

Frank Elstner, Thomas Gottschalk · 1981

In der erfolgreichen Fernsehshow sind viele Prominente zu Gast und nationale wie internationale Musik-Acts treten auf. Doch im Mittelpunkt stehen die äußert skurrilen Wetten, die häufig den Moderator sowie die Gäste staunen lassen.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:10:05 „Es wirkt sozusagen wie als wäre der ehemalige lineare Fernsehapparat zusammengebrochen und sozusagen aus den Trümmern, die man da rausziehen kann, diesen Ansteckmikros, wo man mal bei Wetten, dass sozusagen die richtig große Bühne perfekt inszeniert hat.“

Lars Weisbrod beschreibt die Ästhetik der Ansteck-Mikrofone in Instagram-Reels und kontrastiert sie mit der professionellen Inszenierung des linearen Fernsehens. 'Wetten, dass..?' dient als Sinnbild für die perfekt inszenierte TV-Ära, deren Trümmer nun in den Social-Media-Videos weiterleben.

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Akte X

Akte X

Chris Carter · 1993

Im Zentrum stehen die FBI-Agenten Dana Katherine Scully und Fox William Mulder die unter ihrem Vorgesetzten FBI Assistant Director Walter Skinner mysteriöse Fälle aufklären sollen. Obwohl die Ansichten der wissenschaftlich arbeitenden Scully und des intuitiv ermittelnden Mulder oft weit auseinander gehen, bilden sie ein hervorragendes Team. Gemeinsam ergründen sie paranormale wie auch außerirdische Aktivitäten.

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:25 „Was ich total vermisse ist, gerade im Film und Fernsehen, wo es ja auf die Inszenierung ankommt, ist das Zuklappen des Klapphandys. Das war immer eine schöne Szene, so Scully oder Mulder in Akte X. Irgendwie ist wieder nicht rausgekommen, dass es Werwölfe wirklich gibt. Und dann enttäuscht klappen sie sozusagen ihr Klapphandy zu.“

Im Gegenwartscheck über Ansteck-Mikros und Technik als Accessoire kommt Weisbrod auf das Zuklappen von Klapphandys zu sprechen. Er vermisst diese ikonische Geste aus Film und Fernsehen und nennt Akte X als Paradebeispiel für die inszenatorische Kraft dieses kleinen Moments.

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Der Weg ist nicht zu Ende, nur weil das Ziel explodiert

Der Weg ist nicht zu Ende, nur weil das Ziel explodiert

Heiner Müller

Heiner Müllers poetisches Zitat ermutigt zum Weitermachen, auch wenn Ziele nicht erreicht werden. Im Podcast wird es ironisch-tröstlich verwendet, um die Vergänglichkeit und Hoffnung zu thematisieren. Die Aussage symbolisiert, dass der Weg des Lebens nicht endet, nur weil Erwartungen scheitern.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:12:52 „An der Stelle möchte ich nur mal Heiner Müller zitieren. Der Weg ist nicht zu Ende, nur weil das Ziel explodiert. Das muss man sich in diesen Momenten immer sagen.“

Lars Weisbrod zitiert Heiner Müller im humorvollen Übergang nach dem Gegenwartscheck. Das berühmte Zitat stammt aus Müllers Werk und wird hier als ironisch-tröstliche Weisheit eingesetzt, nachdem Ijoma bedauert, die Klapphandy-Ära verpasst zu haben.

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Der lange Weg nach Westen

Der lange Weg nach Westen

Heinrich August Winkler · 2000

Der zweite Band von Heinrich August Winklers deutscher Geschichte behandelt die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Diktatur, die über vier Jahrzehnte, in denen Deutschland in zwei Staaten geteilt war, und schließlich die Wiedervereinigung. Es ist eine Geschichte von Zusammenbrüchen und Neuanfängen, von Diktatur und Demokratie und auch des Nachdenkens über Deutschland - eine dramatische Geschichte, anschaulich und spannend dargestellt von einem Historiker und Publizisten, der auch in seinem ...

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:21:23 „gewissermaßen der Historiker Heinrich August Winkler als geistiger Pate dieser Meistererzählung des langen Wegs nach Westen. Dann lese man Frank-Walter Steinmeier's Das Wir und dann bekommt man quasi eine Geschichte, die fängt an mit dem Demokratiedefizit des Kaiserreichs und seinem Militarismus.“

Mangold identifiziert Winklers Standardwerk zur deutschen Geschichte als den intellektuellen Bezugsrahmen für Steinmeiers Buch. Die These vom 'langen Weg nach Westen' – Deutschlands verspätete Demokratisierung – bildet laut Mangold das historische Gerüst von 'Das Wir'.

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Rezension zu Steinmeiers 'Wir'

Rezension zu Steinmeiers 'Wir'

Gustav Seibt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier veröffentlicht mit „Wir" einen Essay zum Doppeljubiläum der Bundesrepublik (75 Jahre Grundgesetz, 35 Jahre Mauerfall). Er argumentiert, dass Deutschland trotz internationaler Krisen und Vertrauensverlust in die Politik eine gemeinsame Identität brauchen muss – basierend nicht auf Ethnie oder Religion, sondern auf demokratischen Werten und gemeinschaftlichem Handeln. Der Rezensent Robert Misik würdigt zwar die Substanz des Buches, kritisiert aber dessen mangelnde Originalität und fehlende inspirierende Wirkung.

🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:28:42 „Der schreibt über das Buch, Zitat, »Der Bundespräsident ist in Deutschland so eine Art oberster Hüter des konsensuellen Symbolbestands. Er formuliert auftragsgemäß das, was allgemein Zustimmung findet, unter Beimengung von ein paar Molekülen Originalität.«“

Gustav Seibts Rezension von Steinmeiers Buch wird zitiert, um den bundespräsidialen Stil zu charakterisieren.

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Rezension zu 'Das Wir'

Rezension zu 'Das Wir'

Gustav Seibt

Gustav Seibts Buch "Ein Sommer mit Goethe" präsentiert den Klassiker nicht als systematische Biografie, sondern als Sammlung von 50 kurzen, unabhängigen Kapiteln, die Goethes Haltung zu zentralen Lebensthemen wie Liebe, Freiheit, Natur und Alter erkunden. Der Literaturkritiker nutzt überraschend modern wirkende Originalzitate als Ausgangspunkt, um Goethe als lebendig denkenden Menschen statt als unnahbares Genie darzustellen. Die Rezension würdigt Seibts geschickte Balance zwischen Leichtigkeit und Gelehrsamkeit, durch die komplexe Gedanken ohne Vereinfachung zugänglich werden. Das Buch richtet sich an Leser, die sich Goethe neu annähern möchten, ohne akademische Tiefe oder systematische Werkinterpretation erwartet. Besonders empfohlen wird es für jene, die frühere Goethe-Lektüre als anstrengend empfanden und nun intelligente, aber spielerische Gedankenbegleiter für alltägliche Lebensfragen suchen.

🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:29:02 „Der schreibt über das Buch, Zitat, der Bundespräsident ist in Deutschland so eine Art oberster Hüter des konsensuellen Symbolbestands. Er formuliert auftragsgemäß das, was allgemein Zustimmung findet, unter Beimengung von ein paar Molekülen Originalität. Schließlich will man nicht sofort einschlafen. Er soll mit Witz langweilig sein, so die implizite Stellenbeschreibung.“

Weisbrod zitiert ausführlich aus einer Rezension des Historikers und Kritikers Gustav Seibt zu Steinmeiers Buch. Seibt beschreibt darin treffend die Rolle des Bundespräsidenten als 'oberster Hüter des konsensuellen Symbolbestands', der mit wenigen Molekülen Originalität langweilig sein soll. Beide Hosts verehren Seibt – Mangold bewarb sich einst bei ihm um ein Praktikum.

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Demokratie. Eine deutsche Affäre

Demokratie. Eine deutsche Affäre

Hedwig Richter · 2023

Dass alle Menschen – wirklich alle! – gleich sein sollen, galt die längste Zeit als absurd. Die Historikerin Hedwig Richter erzählt, wie diese revolutionäre Idee aufkam, allmählich Wurzeln schlug, auch in Deutschland, und gerade hier so radikal verworfen und so selbstverständlich wieder zur Norm wurde wie nirgends sonst. Politikverdrossenheit und geringe Wahlbeteiligungen lassen die Alarmglocken schrillen.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:30:35 „Ich würde sagen, das Kaiserreich hatte ein höchstes Maß an Liberalität und Demokratiefähigkeit. Hedwig Richter, die Historikerin, hat darüber vor ein oder zwei Jahren publiziert.“

Mangold widerspricht Steinmeiers negativer Darstellung des Kaiserreichs und verweist auf die Historikerin Hedwig Richter, die in jüngerer Zeit die demokratischen Qualitäten des Kaiserreichs betont hat. Er nutzt Richters Forschung als Gegenargument zu Steinmeiers Meistererzählung vom deutschen Demokratiedefizit.

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Die Schweigespirale

Die Schweigespirale

Elisabeth Noelle-Neumann · 2005

Elisabeth Noelle-Neumann (amtlich zuletzt: Elisabeth Noelle; * 19. Dezember 1916 in Berlin; † 25. März 2010 in Allensbach) war eine deutsche Demoskopin, Kommunikationswissenschaftlerin und Publizistin. Sie arbeitete als Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität Mainz und war Gründerin des Instituts für Demoskopie (IfD) in Allensbach. Sie gilt als Pionierin der Demoskopie in Deutschland und war Begründerin der Theorie der Schweigespirale.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:45:32 „Steinmeier spricht interessanterweise, bezieht er sich einmal auf die Mutter der Meinungsumfrage auf Elisabeth Nölle-Neumann, die ich glaube in den 60er Jahren, die Formulierung von der sogenannten Schweigespirale geprägt habe, wonach nämlich die veröffentlichte Meinung immer eine andere ist, als die tatsächlich gefühlte, weil sich Menschen quasi unter dem Sozialdruck nicht wagen, das zu sagen, was aus ihrer Seele spricht.“

Mangold erklärt, wie Steinmeier sich auf Elisabeth Noelle-Neumanns Konzept der Schweigespirale bezieht, um dann für die Gegenwart das Gegenteil zu diagnostizieren: nicht Schweigen, sondern eine 'Verschärfungsspirale', in der immer heftigere Sätze gesagt werden. Das Konzept dient Steinmeier als Kontrastfolie.

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Triggerpunkte

Triggerpunkte

Steffen Mau · 2023

»Soziale Konflikte sind nie einfach nur da, sie werden auch gesellschaftlich hergestellt: entfacht, angeheizt, getriggert.« Von einer »Spaltung der Gesellschaft« ist immer häufiger die Rede. Auch in der Alltagswahrnehmung vieler Menschen stehen sich zunehmend unversöhnliche Lager gegenüber. So plausibel sie klingen mögen, werfen entsprechende Diagnosen doch Fragen auf: Wie weit liegen die Meinungen in der Bevölkerung wirklich auseinander? Und ist die Gesellschaft heute wirklich zerstrittener als...

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:53:19 „Das Buch wirklich zum ungünstigsten Zeitpunkt erschien, wo plötzlich so klar war, naja, das Buch wollte sagen, die Gesellschaft sei in Wahrheit gar nicht so polarisiert, wie immer gesagt würde. Und wenn man die Leute nur vernünftig miteinander reden lasse, dann könnten die sich am Ende schon auch alle irgendwie auf die Wärmepumpe einigen.“

Ijoma Mangold beschreibt Steffen Maus Buch, das die These vertritt, die Gesellschaft sei weniger polarisiert als angenommen. Lars ergänzt, es sei auf dem ZEIT-Titel gewesen. Steinmeier zitiere Mau gern, weil er damit ein Argument gegen übertriebene Polarisierungsdiagnosen habe. Die beschriebene These passt zu 'Triggerpunkte' (2023, mit Lux/Westheuser), nicht zu 'Ungleich vereint'.

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Ungleich vereint – Warum der Osten anders bleibt

Ungleich vereint – Warum der Osten anders bleibt

Steffen Mau · 2024

Eine soziologische Analyse, die untersucht, warum Deutschland 34 Jahre nach der Wiedervereinigung strukturell unterschiedlich geblieben ist. Das Buch ergründet die bleibenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in Identität, Transformationserfahrungen und politischer Entwicklung.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:54:38 „Unter anderem Steffen Mau, Soziologe hier in Berlin an der Humboldt-Universität, der sehr viel Zuspruch aus der Mitte der Gesellschaft, wenn man so möchte, bekommen hat für sein Buch, indem er nachweist, das war so ein bisschen Kontrafakt.“

Mangold erwähnt den Soziologen Steffen Mau als einen der intellektuellen Gewährsleute, nach denen Steinmeier greift, um die Stabilität seines 'Wir'-Konzepts zu untermauern. Weisbrod ergänzt, dass Maus Buch sogar auf dem ZEIT-Titel war – also selbst nahe am konsensuellen Nullpunkt des Diskurses.

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Hyperpolitik

Hyperpolitik

Anton Jäger · 2023

Die Ära der Postpolitik ist vorbei Dass die Politik wieder da ist, dass Debatten um Corona oder »Wokeness« längst über Twitter hinausgeschwappt sind, wird bestätigen, wer im Privaten heftige Streite erlebt. Nach einer Ära der Postpolitik, in der technokratisch verwaltet wurde, während die Bürger dies höchstens vom Sofa aus kommentierten, stehen wir vor einem allgegenwärtigen Zittern und Beben. Anton Jäger hat dafür den Begriff »Hyperpolitik« geprägt.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:57:24 „Er heißt Anton Jäger. Er ist Belgier, wenn ich das richtig verstanden habe. Spricht aber, glaube ich, gut Deutsch. Er hat ein Buch geschrieben und vorher ein Essay, der heißt Hyperpolitik. Auch bei Suhrkamp erschienen.“

Lars Weisbrod stellt Anton Jägers Konzept der Hyperpolitik vor: Was als Identitätspolitik und Wokeness kritisiert wird, ist eine Form von Überpolitisierung ohne echte institutionelle Wirkung. Die Pointe ist, dass Steinmeier diesen linken Theoretiker zitiert, dessen These dann aber elegant umdreht — er lobt die Agenda 2010 als Beispiel gelungener institutioneller Politik, also genau das, was Jäger bekämpfen würde.

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Sapiens. Eine kurze Geschichte der Menschheit

Sapiens. Eine kurze Geschichte der Menschheit

Yuval Noah Harari · 2013

Der internationale Bestseller des preisgekrönten Historikers Yuval Noah Harari Vor 100 000 Jahren war der Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das unauffällig in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents lebte. Unsere Vorfahren teilten sich den Planeten mit mindestens fünf weiteren menschlichen Spezies, und die Rolle, die sie im Ökosystem spielten, war nicht größer als die von Gorillas, Libellen oder Quallen.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:03:58 „Das ist ja der Grundgedanke von Yuval Harari, der sagt, Die Entwicklung von Zivilisation läuft immer darüber, dass man eine Narration entwickelt, die in der Lage ist, große Gruppen zu koordinieren.“

Hararis These über fiktive Erzählungen als Grundlage menschlicher Kooperation wird zur Verteidigung der Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wir herangezogen.

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Eine kurze Geschichte der Menschheit

Eine kurze Geschichte der Menschheit

Yuval Noah Harari · 2024

Der Millionenseller jetzt aktualisiert und mit neuem Nachwort Vor 100.000 Jahren lebte Homo Sapiens als unbedeutende Spezies in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents. Heute ist der Mensch Herr und Schrecken des Planeten. Wie konnte es dazu kommen? In seiner fulminanten Reise von den Menschenaffen bis zum Cyborg entwirft Yuval Noah Harari mit seinem international gefeierten Bestseller »Sapiens - Eine kurze Geschichte der Menschheit« das große Panorama unserer eigenen Geschichte – ...

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:06:29 „Das ist ja der Grundgedanke von Yuval Harari, der sagt, die Entwicklung von Zivilisation läuft immer darüber, dass man eine Narration entwickelt, die in der Lage ist, große Gruppen zu koordinieren. Da spielt diese sogenannte Dunbar's Number, die Dunbar-Zahl, eine große Rolle.“

Ijoma Mangold greift auf Hararis Kernthese zurück, um zu erklären, warum Gesellschaften ein konstruiertes Wir brauchen: Über die Dunbar-Zahl von 150 Personen hinaus funktioniert Vergemeinschaftung nur über gemeinsame Erzählungen — Religionen, Nationen, Mythen. Lars Weisbrod kontert, das sei ein naturalistischer Fehlschluss und Harari verkaufe damit zwar viele Bücher, beschreibe aber nur deskriptiv, warum Leute glauben zusammenzugehören.

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The Invention of Tradition

The Invention of Tradition

Eric Hobsbawm · 2020

First published in 1985, A History of the Highland Clearances: Volume 2 explores the various types of communal and intellectual responses, contemporary and retrospective, to the experience of the clearances. The first section considers the legacy of the two hundred years’ debate about the Highland problem and the place of the clearances therein. The second section assesses the scale, range and timing of the emigrations of the Highlanders, as well as some of the motivations.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:08:25 „Die Invented Traditions, also zum Beispiel all das, was wir heute als Tracht erleben, der schottische Kilt oder die berühmten bayerischen Trachten, die sind ja nichts organisch Urwüchsiges, sondern das wurde, um ein bayerisches Staatsbewusstsein zu schaffen, am Anfang des 19. Jahrhunderts erfunden.“

Im Zusammenhang mit der Frage, wie Nationen ihr Wir-Gefühl konstruieren, verweist Mangold auf das Konzept der Invented Traditions. Gustav Seibt habe in seiner Rezension von Steinmeiers Buch auf die Nationswerdungsforschung des 19. Jahrhunderts hingewiesen, zu der dieses Konzept gehört.

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Imagined Communities

Imagined Communities

Benedict Anderson · 1991

What makes people love and die for nations, as well as hate and kill in their name? While many studies have been written on nationalist political movements, the sense of nationality—the personal and cultural feeling of belonging to the nation—has not received proportionate attention. In this widely acclaimed work, Benedict Anderson examines the creation and global spread of the 'imagined communities' of nationality.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:08:44 „Und so sind die sogenannten Imagine Communities entstanden. Als solche können wir die Nationen lesen. Die erfinden sich eine bestimmte Geschichte.“

Ijoma Mangold verweist auf das Konzept der Imagined Communities im Kontext der Nationenbildung: Nationen sind konstruierte Gemeinschaften, die sich über erfundene Traditionen — wie den schottischen Kilt oder bayerische Trachten — ein gemeinsames Narrativ geben. Das Konzept dient ihm als Argument dafür, dass ein konstruiertes Wir für das Funktionieren moderner Gesellschaften notwendig ist.

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A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit)

A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit)

John Rawls · 2005

John Rawls aims to express an essential part of the common core of the democratic tradition—justice as fairness—and to provide an alternative to utilitarianism, which had dominated the Anglo-Saxon tradition of political thought since the nineteenth century. Rawls substitutes the ideal of the social contract as a more satisfactory account of the basic rights and liberties of citizens as free and equal persons.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:14:57 „Also das ist alles noch okay, das ist fast sozusagen, das ist Rawls, der große Theory of Justice politische Philosoph, der letztlich irgendwie versucht, rational zu begründen, warum wir in einer Gesellschaft leben sollten.“

Lars Weisbrod ordnet Steinmeiers Argumentation philosophisch ein: Dessen Formel von Zusammenhalt durch wechselseitige Verpflichtung und Solidarität sei im Kern Rawlssche Vertragstheorie. Steinmeier gehe aber darüber hinaus, indem er fordert, diese Prinzipien müssten erlebt und erfahren werden — was schließlich in seinen Vorschlag einer sozialen Pflichtzeit mündet.

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Soumission

Soumission

Michel Houellebecq · 2016

Cet ouvrage fournit une analyse approfondie de Soumission de Michel Houellebecq avec toutes les clés pour analyse l'œuvre. Avec Soumission, roman de politique-fiction, Michel Houellebecq déclenche la polémique avant même sa publication. En effet, ce roman raconte les circonstances dans lesquelles un parti islamiste gagne l'élection présidentielle française de 2022 et islamise la société, avec la complicité des élites, sans rencontrer aucune résistance.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:15:53 „so im Sinne von Raoul Wellbecks Zukunftsszenarien, wird es in zehn Jahren eine starke migrantische Jugendbewegung geben, die vom Kalifat träumt?“

Houellebecqs dystopische Zukunftsszenarien werden als Referenzrahmen für die Frage nach einer islamistischen Jugendbewegung in Deutschland herangezogen.

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Dune

Dune

Frank Herbert

Set on the desert planet Arrakis, Dune is the story of the boy Paul Atreides, heir to a noble family tasked with ruling an inhospitable world where the only thing of value is the "spice" melange, a drug capable of extending life and enhancing consciousness. Coveted across the known universe, melange is a prize worth killing for... When House Atreides is betrayed, the destruction of Paul's family will set the boy on a journey toward a destiny greater than he could ever have imagined.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:18:55 „Da komme ich natürlich wirklich aus der Science Fiction und weiß natürlich, wie toll zum Beispiel Frank Herbert in Dune die alten islamischen Wörter benutzt hat, um in 30.000 Jahren in der Zukunft irgendwelche Sachen zu beschreiben.“

Bei der Frage, ob das Wort Kalifat eine politische Zukunft hat, zieht Lars Weisbrod eine Parallele zu Frank Herberts Dune-Universum: Dort wird der Begriff Dschihad in 30.000 Jahren benutzt, aber befreit von heutigen Konnotationen. Weisbrod merkt an, dass die Filme dieses islamische Vokabular allerdings abgeschwächt haben.

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Dune (2021)

Dune (2021)

Denis Villeneuve · 2021

„Dune“ erzählt die packende Geschichte des brillanten jungen Helden Paul Atreides, dem das Schicksal eine Rolle vorherbestimmt hat, von der er niemals geträumt hätte. Um die Zukunft seiner Familie und seines gesamten Volkes zu sichern, muss Paul auf den gefährlichsten Planeten des Universums reisen. Nur auf dieser Welt existiert ein wertvoller Rohstoff, der es der Menschheit ermöglichen könnte, ihr vollständiges geistiges Potenzial auszuschöpfen.

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:19:07 „Haben sie natürlich aus, weiß ich, zwischen den 60ern und 2024 da ein bisschen was getan hat, haben sie das aus den Filmen jetzt rausgelassen, dass natürlich es immer um den Dschihad geht.“

Lars Weisbrod spricht über Frank Herberts Dune und erwähnt dabei explizit die neueren Filmadaptionen, die islamische Begriffe wie 'Dschihad' entfernt haben. Er nutzt dies im Kontext seiner Zukunftsprognose zur Bedeutungsverschiebung des Wortes 'Kalifat'.

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Allegro Pastel

Allegro Pastel

Alain Finkielkraut · 2020

Germany's next Lovestory. Leif Randt erzählt vom Glück. Von Tanja und Jerome, von Wirklichkeit und Badminton, von idealen Zuständen und den Hochzeiten der anderen. Eine Lovestory aus den späten Zehnerjahren. Tanja Arnheim, deren Debütroman PanoptikumNeu Kultstatus genießt, wird in wenigen Wochen dreißig. Mit Blick auf den Berliner Volkspark Hasenheide wartet sie auf eine explosive Idee für ihr neues Buch.

🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:20:03 „Unser allererster Podcast der sogenannten Gegenwart galt Alain Franz Buch Allegro Pastel. Unser vorerst letzter gilt dem Buch des Bundespräsidenten. Wenn das nicht mal eine weite Spanne an Tonlagen ist, die wir hier abbilden.“

Zum Abschluss der Folge zieht Ijoma Mangold einen Bogen vom allerersten Podcast der Reihe — über Alain Finkielkrauts (im Transkript als 'Alain Franz' verschrieben) Roman Allegro Pastel — bis zur aktuellen Folge über Steinmeiers Buch, um die thematische Bandbreite des Podcasts zu illustrieren.

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