Werden wir jetzt wieder Freunde
Nina Pauer, Lars Weisbrod
Anlass der Folge ist ein Feuilleton-Text von Lars über das Ende von Social Media — ein schleichendes Vorbeigefühl, das die beiden Millennials zum Anlass nehmen, ihre eigene Social-Media-Biografie abzuschreiten: von der Freundschaftsanfrage über die Follower-Ära bis zur heutigen Ernüchterung. Die zentrale Frage dabei: Was kommt nach Social Media, und wie lässt sich verhindern, dass es noch schlimmer wird als das, was war?
„Viele Leute, ich auch, sind nicht so glücklich in Hindsight damit, was Social Media aus uns gemacht hat. Also wie können wir dafür sorgen, dass was auch immer danach kommt, zumindest nicht noch schlimmer wird?“
Erwähnte Medien (21)
Das Ende von Social Media
Lars Weisbrod
Der Artikel untersucht das schleichende Ende der sozialen Netzwerke, deren Versprechen von Vernetzung sich zunehmend in Erschöpfung und Langeweile verwandelt haben. Lars Weisbrods Feuilleton-Text hinterfragt, ob die etablierten Plattformen wirklich tot sind oder nur transformieren, und stellt die Frage nach dem, was danach kommt. Im Mittelpunkt steht ein diffuses Gefühl der digitalen Entwöhnung und die Hoffnung auf authentischere Formen von Freundschaft und Austausch jenseits der großen Plattformen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:35 „Du hast nämlich Mitte Februar im Feuilleton der Zeit einen Text geschrieben über das Ende von Social Media. Und genau darüber wollen wir heute nachdenken.“
Nina Pauer stellt Lars Weisbrods Feuilleton-Text in der ZEIT als Ausgangspunkt der gesamten Episode vor. Es ist das erste Mal, dass der Podcast explizit über einen eigenen Text eines der Hosts spricht. Der Text handelt vom schleichenden Ende der sozialen Medien und einem diffusen 'Vorbeigefühl'.
Der Ernährungskompass
Bas Kast · 2018
Der Millionenbestseller – jetzt erweitert um ein neues Kapitel und Beispielrezepte Bas Kast, Autor und Wissenschaftsjournalist, war erst 40 Jahre alt, als er mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach. Danach fasste er den Entschluss, seine Ernährung radikal umzustellen. Aus Tausenden von Studien hat er die wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über eine wirklich gesunde Kost herausgefiltert, die wichtigsten Aspekte leicht verständlich zusammengestellt – und damit einen ungeheuren Erfolg gelan...
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:13:12 „Wahrscheinlich das schlechteste, wahrscheinlich Ernährungskompass Rot F-. Aber es sind so schöne Kindheitserinnerungen.“
Lars Weisbrod erwähnt den Ernährungskompass beiläufig als humorvolle Referenz, um zu verdeutlichen, wie ungesund Knack-und-Back-Produkte sind – sie wären laut Ernährungskompass die schlechteste Kategorie, aber die Kindheitserinnerungen überwiegen.
The End of the Social Network
The Social Network ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 2010 von Regisseur David Fincher, das die Entstehungsgeschichte des sozialen Netzwerks Facebook thematisiert. Das Drehbuch wurde von Aaron Sorkin geschrieben und basiert auf dem Buch Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug von Ben Mezrich. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wirkte nicht direkt auf die Verfilmung ein. Der Film hatte am 24.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:23:44 „Der Economist hatte sogar eine Titelgeschichte mit, titelte mit, The End of the Social Network. Und die hatten dann tatsächlich auch, also die hatten wahnsinnig viele Zahlen in ihrem Text, aber eine zahlte dann direkt auf die These ein, dass soziale Netzwerke an sich vorbei sind.“
Lars Weisbrod zitiert die Titelgeschichte des Economist als Beleg für seine These vom Ende der sozialen Medien. Er hebt eine konkrete Zahl hervor: 2020 sagten noch 40 Prozent der Amerikaner, sie dokumentieren gern ihr Leben online, 2024 nur noch 28 Prozent.
Atlantic-Artikel über Social Media
Ian Bogost
Der Medienwissenschaftler Ian Bogost argumentiert in diesem Atlantic-Artikel, dass die Ära der sozialen Medien zu Ende geht. Er analysiert die strukturellen Veränderungen und den Bedeutungsverlust dieser Plattformen im digitalen Ökosystem. Der Text reflektiert über die Zukunft der Online-Kommunikation jenseits der klassischen sozialen Netzwerke.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:24:13 „Im Atlantic gab es einen Beitrag dazu und auch anderswo, wir verlinken das ja unten alles“
Lars verweist auf einen Atlantic-Artikel des Medienwissenschaftlers Ian Bogost über das Ende der sozialen Medien
Beitrag über das Ende der sozialen Medien
The Atlantic untersucht das Ende der Ära sozialer Medien und dessen gesellschaftliche Konsequenzen. Der Artikel analysiert, wie die ehemals dominanten Plattformen an Einfluss verlieren und welche neuen Formen digitaler Kommunikation sie ablösen. Eine kritische Betrachtung des Wandels in der Online-Kommunikationslandschaft und deren Auswirkungen auf Nutzerverhalten und öffentliche Debatten.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:25:01 „Im Atlantic gab es einen Beitrag dazu und auch anders so, wir verlinken das ja unten alles.“
Lars Weisbrod verweist neben dem Economist-Artikel auch auf einen Beitrag im Atlantic, der sich ebenfalls mit dem Ende der sozialen Medien beschäftigt. Der genaue Titel wird nicht genannt, aber er wird als Teil einer breiteren Debatte eingeordnet.
HDGDL
HDGDL ist eine Millennial-Biografie als Podcast: nostalgisch und kulturhistorisch wertvoll blickt er auf digitale Phänomene der Jugendzeit zurück – von ICQ bis MySpace – und verbindet persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen der frühen Internetzeit.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:27:59 „Es gibt einen Podcast, der heißt HDGDL und der ist so ein bisschen so eine Art, ja, Allgemeinbiografie von Millennials, die rückblickend auf ihre Phänomene gucken, die haben eine Folge über ICQ gemacht, weil das glaube ich schon alle von uns, dieses Logo, diese Blume und die Geräusche davon, da werden sofort Erinnerungen wach.“
Im Gespräch über die frühe Social-Media-Geschichte und Messenger-Dienste wie ICQ empfiehlt Lars Weisbrod diesen Podcast als Vertiefung. HDGDL wird als eine Art kollektive Millennial-Biografie beschrieben, die nostalgisch auf digitale Phänomene der Jugend zurückblickt. Er kündigt an, die Folge über ICQ in den Shownotes zu verlinken.
Friends
David Crane, Marta Kauffman · 1994
Ross, Rachel, Monica, Chandler und Joey sind beste Freunde. Ob bei regelmäßigen Treffen im Café Central Perk oder in der WG mit den lilafarbenen Wänden, gemeinsam wird getratscht, gestritten und gelacht. Dabei ergeben sich im Laufe der Zeit immer wieder auch amouröse Verbindungen in und außerhalb der Gruppe, die zu Konflikten, aber auch zu herrlich romantischen Momenten führen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:31:41 „Die Kopie, also der Social-Aspekt an Social Media, der einstige, ist ja von begeisterten Friends, also der Serie Friends, dass das zusammentrifft, dass man das damals geguckt hat und sich dann mit den eigenen Freunden und sich dann noch bei Facebook als Freunde befreundet hat, obwohl man natürlich eh Freunde war.“
Nina Pauer stellt eine kulturelle Verbindung her zwischen der TV-Serie Friends und dem Freundschaftsbegriff bei Facebook. Sie argumentiert, dass die kuschelige Freunde-Welt der Serie und das frühe Facebook-Erlebnis, sich mit realen Freunden auch digital zu befreunden, zeitlich und emotional zusammenfielen.
The Age of Social Media Is Ending
Ian Bogost
Ian Bogost analysiert in diesem Artikel das Phänomen der sozialen Medien und wie sie Millionen von Menschen dazu verführt haben, sich selbst als Prominente, Experten oder Trendsetter zu sehen. Der Medienwissenschaftler argumentiert, dass soziale Medien in ihre Bestandteile zerfallen und dass die menschliche Kapazität für diese Form der Massenkommunikation überfordert ist. Der Artikel hinterfragt grundlegend, wie Social-Media-Plattformen unser Selbstverständnis und unsere Gesellschaft verändert haben.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:33:54 „In diesem Atlantic-Artikel, den wir verlinken, schreibt der Medienwissenschaftler Ian Bogost, denke ich, spricht er sich aus, den schönen Satz, plötzlich hielten sich mehrere Milliarden Menschen für Prominente, für Experten, für Trendsetter.“
Lars Weisbrod zitiert einen Artikel des Medienwissenschaftlers Ian Bogost im Atlantic, der analysiert, wie Social Media Menschen dazu verführte, sich als Prominente und Trendsetter zu sehen. Der Artikel wird als zentrale Referenz für die These des Gesprächs herangezogen, dass Social Media in seine Bestandteile zerfällt. Bogost wird auch mit der These zitiert, dass wir eigentlich nicht dafür gemacht sind, so viel miteinander zu kommunizieren.
Perhaps millennials have simply aged out of the Internet
Max Read
Max Read argumentiert in seinem NYT-Artikel, dass Millennials nicht einfach altersbedingt aus dem Internet herausgewachsen sind, sondern dass es sich um eine echte, objektiv nachweisbare Übersättigung durch soziale Medien handelt. Die These stellt die gängige Annahme in Frage, dass die Müdigkeit gegenüber digitalen Plattformen nur eine generationsspezifische Alterserscheinung ist.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:41:23 „New York Times hat auch einer geschrieben hier, Max Red, geschrieben, perhaps millennials have simply aged out of the Internet. Also man kann auch sagen, und natürlich bin ich da jetzt ja auch nicht die 19-jährige TikTok-Userin.“
Nina Pauer zitiert einen New-York-Times-Text von Max Read, der die Gegenthese formuliert: Vielleicht sind Millennials schlicht aus dem Internet herausgewachsen. Sie nutzt das Zitat, um den naheliegenden Einwand zu adressieren, dass ihre Social-Media-Müdigkeit nur eine Altersfrage sein könnte, bevor sie argumentiert, dass die Übersättigung objektiv existiert.
TikTok-Trendbaiting
Auf TikTok entsteht derzeit eine Flut von erfundenen Slang-Begriffen wie „orange peel theory", „loud budgeting" oder „girl hobby", die von Creatoren bewusst geprägt werden, um viral zu gehen – nicht weil sie notwendig oder sinnvoll sind. Dies ist eine direkte Folge der beschleunigten Trend-Zyklen der Plattform, die starke Anreize schafft, ständig neue Modeerscheinungen zu produzieren und schnell wieder zu verwerfen. Während einige darin eine echte Wertschätzung für Sprache und menschliche Verbindung sehen, kritisieren andere wie die 20-jährige New Yorker Studentin Brenna Connolly diesen Trend als oberflächlich und unnötig kompliziert: Viele dieser Phänomene ließen sich einfach in normalen Sätzen beschreiben. Connolly vermutet hinter der Flut von Kunstbegriffen eine kollektive Identitätssuche, bei der das Etiketieren und Kategorisieren jeden Aspekt menschlicher Erfahrung zum Mittel der Selbstfindung geworden ist.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:43:36 „Und da gab es einen schönen Text bei, ich glaube Vox, verlinken wir auch unten, also dieser amerikanischen Plattform Vox, über TikTok-Trendbaiting. Und das beschrieb auch sozusagen ein analoges Gefühl, dass man das Gefühl hat, auf TikTok versuchen dauernd Leute so Begriffe, das ist ja dein Lieblingsthema, heute versucht jeder für alles einen Begriff zu erfinden.“
Lars Weisbrod verweist auf einen Vox-Artikel über das Phänomen des TikTok-Trendbaitings, bei dem Nutzer ständig neue Begriffe für alltägliche Gefühle erfinden. Der Text unterstützt seine These, dass die kulturelle Bedeutung von TikTok abnimmt, weil die ständig neuen Trends eine kurze Halbwertszeit haben und sich schal anfühlen.
Seinfeld
Larry David, Jerry Seinfeld · 1989
Oft löst ein kleines Ereignis das größte Chaos aus. Jerry Seinfeld und seine drei Freunde Elaine, Kramer und George sind eine Chaotenclique: Ein Kampf um einen Sitzplatz im Restaurant, ein illegaler Kabelanschluss, die Frage nach der richtigen Höhe des Trinkgeldes oder auch nur eine falsche Bemerkung auf dem Anrufbeantworter der neuen Flamme...
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:47:36 „Gleichzeitig muss man auch dazu sagen, ich weiß aber, da gilt der alte Jerry Seinfeld Satz Breaking up is like knocking over a Coke machine. You can't do it in one push. You have to go back and forth a bit.“
Lars Weisbrod zitiert einen bekannten Seinfeld-Witz über Trennungen – man kann einen Cola-Automaten nicht mit einem Stoß umwerfen, man muss ihn zum Wackeln bringen – als Metapher für den langen Prozess der Ablösung von Social Media. Das Zitat dient als humorvolle Millennial-Referenz in einem ansonsten analytischen Gespräch.
Capital Is Dead: Is This Something Worse?
McKenzie Wark · 2019
It’s not capitalism, it’s not neoliberalism—what if it’s something worse? In this radical and visionary new book, McKenzie Wark argues that information has empowered a new kind of ruling class. Through the ownership and control of information, this emergent class dominates not only labour but capital as traditionally understood as well. And it’s not just tech companies like Amazon and Google.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:48:27 „Dann aber denke ich an diesen tollen Buchtitel von der marxistischen Intellektuellen Mackenzie Walk, die hat mal dieses Buch geschrieben, Capital is dead, is this something worse? Also die These war, der Kapitalismus ist eigentlich vorbei, darauf haben wir uns als Marxisten immer gefreut, aber ist es eigentlich was Schlimmeres, was jetzt an seine Stelle getreten ist?“
Lars Weisbrod nutzt McKenzie Warks Buchtitel als Analogie für seine Social-Media-These: So wie Wark fragte, ob nach dem Kapitalismus etwas Schlimmeres kam (Technofeudalismus), fragt er, ob nach Social Media etwas Schlimmeres kommt – etwa TikTok als reines Konsummedium ohne sozialen Austausch. Der Buchtitel dient als intellektuelle Rahmung für seine ambivalente Haltung zwischen Hoffnung und Sorge.
Minima Moralia
Theodor W. Adorno · 2018
»Adornos Werk Minima Moralia erdrückt alles, was unser Jahrhundert bisher an kulturdiagnostischen und kulturkritischen Dokumenten vorgelegt hat.« Hans Kudszus
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:52:57 „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen, alter ausgenudelter Adorno-Satz. Und genauso würde man doch sagen, es gibt keinen richtigen Content in der falschen Form. Also wenn am Ende alles Bits and Pieces and snackable kleine Häppchen sein sollen, dann komme ich ja auch nur so und so weit damit.“
Lars Weisbrod adaptiert Adornos berühmten Aphorismus aus den Minima Moralia, um seine Skepsis gegenüber Microlearning auszudrücken. Seine These: Wenn das Format grundsätzlich falsch ist – kleine Häppchen statt vertiefter Auseinandersetzung –, kann auch der Inhalt nicht richtig sein. Der Adorno-Verweis verleiht seiner Kritik an der Snackification von Wissen philosophisches Gewicht.
Radical Attention
Julia Bell · 2020
An essay on the battle for our attention in the age of distraction. Attention pays. In today's online economy it has become a commodity to be bought and sold. Bombarding us with free smartphone apps and news websites, developers and advertisers have turned what and how focus our attention into the world's fastest growing industry. In exchange for our attention, information and entertainment is ever at our fingertips.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:56:06 „Eins heißt Radical Attention von Julia Bell. Habe ich irgendwie mal so als Spontankauf auf der Documenta in Kassel. Sie hatten so einen riesen Documenta-Buchladen, da lag das irgendwo. Schlechtes Buch, bitte nicht lesen, es sind nur langweilige Sachen drin. Aber der Titel ist geil.“
Lars Weisbrod nennt den Buchtitel als programmatisch für sein Argument gegen Micro-Learning. Er empfiehlt das Buch ausdrücklich nicht zum Lesen, findet aber den Titel treffend: Der politisch radikale Akt heute sei es, die eigene Aufmerksamkeit zurückzugewinnen, statt sie in snackable Content zu investieren.
Stolen Focus
· 2022
THE SUNDAY TIMES AND NEW YORK TIMES BESTSELLER A SPECTATOR AND FINANCIAL TIMES BEST BOOK OF 2022 'If you read just one book about how the modern world is driving us crazy, read this one' TELEGRAPH 'This book is exactly what the world needs right now' OPRAH WINFREY 'A beautifully researched and argued exploration of the breakdown of humankind's ability to pay attention' STEPHEN FRY 'A really important book . . .
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:56:31 „Und ein anderer Buchtel, der das auf den Punkt bringt, da habe ich gerade den Autor vergessen, der heißt Stolen Focus. Also was uns passiert ist, dass unser Fokus, unsere Aufmerksamkeit uns gestohlen wurde von mit viel Kapital versorgten Psychologie-Ingenieuren im Silicon Valley, die alles dafür getan haben, dass es dann nochmal blinkt, damit ich dann nochmal drei Sekunden in diese App investiere.“
Lars Weisbrod nennt den zweiten Buchtitel als Ergänzung zu 'Radical Attention'. Er kann sich nicht an den Autor erinnern, fasst aber die These zusammen: Unsere Aufmerksamkeit wurde uns systematisch von Tech-Konzernen im Silicon Valley gestohlen. Das sei das eigentliche Problem, nicht mangelndes Micro-Learning.
Inside
Bo Burnham · 2021
"Inside Bo Burnham" ist ein Netflix-Special des amerikanischen Comedians Bo Burnham, das sich kritisch mit der Manipulation durch Tech-Konzerne auseinandersetzt. Der Podcast bezieht sich auf Burnhams sarkastische Charakterisierung der Tech-Milliardäre als „Bug-Eyed Salamanders" und beleuchtet, wie diese Konzerne gezielt unsere Aufmerksamkeit und neurochemischen Reaktionen ausbeuten. Das Special ist relevant, weil es die manipulativen Mechanismen hinter Social-Media- und Tech-Plattformen entlarvt und damit zu einem kritischen Verständnis unserer digitalen Umwelt beiträgt.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:57:31 „Vor ein paar Jahren ist ein Film erschienen, der heißt Inside von einem amerikanischen Komiker Bo Burnham. Für mich ist es einer der großartigsten Filme der letzten Jahre. Es ist schwierig zu beschreiben, was er da macht. Bo Burnham ist Komiker, aber er macht so eine Art Musikkomödie.“
Lars Weisbrod feiert den Netflix-Film als einen der großartigsten der letzten Jahre und bedauert, nie eine eigene Folge dazu gemacht zu haben. Bo Burnham drehte den Film allein während des Lockdowns in seiner Wohnung. Für Weisbrod steht der Film symbolisch für den Ausbruch aus der digitalen Snack-Kultur: Burnham hat nichts vorab veröffentlicht, sondern auf Delayed Gratification gesetzt und ein abgeschlossenes Werk geschaffen.
White Woman's Instagram
Bo Burnham
Satirischer Song aus dem Comedy-Special 'Inside' mit progressiver Struktur: Leichte Popmelodie über Internet-Kultur, die sich im letzten Drittel zu einer verstörenderen künstlerischen Aussage entwickelt. Der unerwartete Twist transformiert die vorherige Satire in tiefere soziale Kritik.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:59:07 „Also, ich kann für diesen Film, wir haben schon gleich das zweite oder dritte Lied, White Women's Instagram, hat sozusagen im letzten Drittel einen Twist, für den ich finde, nach dem kann man hat sich für mich alles geändert. Danach kann man nicht mehr die gleichen Witze machen.“
Lars Weisbrod hebt den Song 'White Woman's Instagram' aus dem Film 'Inside' besonders hervor. Der Song habe im letzten Drittel einen Twist, der für ihn alles verändert habe – danach könne man nicht mehr die gleichen Witze machen. Er bezeichnet den Weg bis zu diesem Twist als Geniestreich von Bo Burnham.
Ich hasse dieses Internet
Jarett Kobek · 2016
Jared Kobacks fragmentierter Roman »Ich hasse dieses Internet« offenbart die Hippie-Wurzeln des Silicon Valley und wie Tech-Plattformen Content-Produzenten enteignen. Mit hoher Schlagfertigkeit und performativer Erzählweise gelingt es dem Buch besser als Sachbüchern, die Pervertierung der ursprünglichen digitalen Utopien zu zeigen. Ein Schlüsselwerk zum Verständnis moderner Netzkultur und ihrer Widersprüche.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:02:48 „Jared Kobach, den ich sehr schätze, der hat ein Buch geschrieben, ich hasse dieses Internet, was wahnsinnig vorausblickend und interessant ist. Auch das kann ich jedem nochmal empfehlen.“
Lars empfiehlt das Buch als vorausschauende Kritik am Internet und erinnert sich an eine Aussage des Autors auf der Buchmesse
Fabian Hinrichs Interview im Zeitfilter
Fabian Hinrichs
Felix Voss steht erstmals ohne seine langjährige Partnerin Paula Ringelhahn im Mittelpunkt. Im Interview spricht Schauspieler Fabian Hinrichs über die Herausforderung, mit körperlichen Einschränkungen zu ermitteln, die besondere Dynamik mit Sigi Zimmerschied � und warum er im Leben lieber Umwege nimmt, statt einer geraden Bahn zu folgen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:04:39 „Dieser Schauspieler Fabian Hinrichs war in einem sehr interessanten Interview vor ein paar Wochen bei uns im Zeitfilter. Der hat das da auch so schön gesagt. Er wäre gern ein Mensch, der einfach dazu stehen könnte, dass er einsam ist.“
Lars zitiert den Schauspieler Fabian Hinrichs, der in einem Interview über Einsamkeit als bewusstes Projekt gesprochen hat
Die drei Sonnen
Liu Cixin · 2016
Science-Fiction-Roman der Trisolaris-Trilogie über das Spannungsfeld zwischen individueller Gedankenfreiheit und technologischer Kontrolle. Die Geschichte verhandelt in einer UN-Debatte tiefgreifende Fragen zur Zukunft der Menschheit.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:06:38 „Bei Liu Xixin, dem Science-Fiction-Schriftsteller, über den wir hier gelegentlich gesprochen haben und eine Folge gemacht haben, gibt es die Wandschauer. Das ist so ein alter, glaube ich, aus dem Buddhismus so ein Begriff von der Meditation, der sozusagen nur an die Wand guckt, nicht an den Screen.“
Lars Weisbrod greift auf Liu Cixins Science-Fiction zurück, um das Konzept der 'Wandschauer' einzuführen – jemand, der meditativ an die Wand statt auf den Bildschirm schaut. In Liu Cixins Zukunftsvision sind alle Wände Screens, aber hier geht es um eine Wand ohne Augen, die nicht zurückblickt. Nina Pauer greift die Metapher auf als positives Gegenbild zur permanenten digitalen Beobachtung.
Everybody Hurts
R.E.M.
Everybody Hurts ist ein Lied der US-amerikanischen Rockband R.E.M. aus ihrem achten Studioalbum Automatic for the People. Es wurde am 15. März 1993 als Single veröffentlicht und erreichte Platz 29 in den amerikanischen Billboard Charts.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 01:09:06 „Dieses REM-Video. Everybody Hurts ist das, glaube ich, von ganz früher, wo so gelangweilte Menschen und Kinder im Stau, die alle so rausgucken und dann irgendwann aus ihren Autos steigen und auf diese Blechkisten und sich so befreien, wenn das Lied so losdonnert.“
Nina Pauer erinnert sich im Kontext der Prognosefrage über autofreie Innenstädte an das Musikvideo von R.E.M. als Millennial-Nostalgie. Die Szene mit gelangweilten Menschen im Stau, die sich aus ihren Autos befreien, dient ihr als Metapher dafür, dass Autos in Innenstädten anachronistisch und dysfunktional wirken.