Das Ende der Faulheit
Nina Pauer, Lars Weisbrod
Die Folge widmet sich der Frage, was Faulheit eigentlich ist – angestoßen durch die Bürgergeld-Debatte und den Generationenkonflikt zwischen Boomern und Gen Z um Homeoffice, Work-Life-Balance und den Stellenwert von Lohnarbeit. Zum Auftakt experimentieren die Hosts mit einem KI-generierten Jingle als Siri-Vertretung und sezieren dabei gleich die kreative Leere maschinell erzeugter Musik.
„Sie kann natürlich nicht in dem Sinne kreativ sein, sondern muss immer absolute gegenwärtige Durchschnittlichkeit bilden.“
Erwähnte Medien (12)
Steinmeier-Buch
Frank-Walter Steinmeier · 2024
Vor 75 Jahren wurde das Grundgesetz verkündet. Vor 35 Jahren fiel die Berliner Mauer. Die Bundesrepublik begeht 2024 ein doppeltes Jubiläum und kann es doch nicht mit ruhiger Selbstzufriedenheit feiern. Zu groß sind die Aufgaben, vor denen das Land steht. Internationale Krisen und Aufgaben der wirtschaftlichen Transformation setzen unsere Gesellschaft unter Stress, das Vertrauen in die Politik leidet, der Ton wird schärfer.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:01:33 „Im letzten Podcast haben wir ja über den Nullpunkt des Diskurses gesprochen, den das Steinmeier-Buch verkörpert.“
Lars Weisbrod verweist beiläufig auf eine vorherige Folge, in der das Buch von Frank-Walter Steinmeier besprochen wurde. Es dient hier als Referenzpunkt für den Begriff 'Nullpunkt des Diskurses', der nun auf die KI-generierten Songs übertragen wird. Der genaue Titel des Buchs wird nicht genannt.
Low Performer im Homeoffice
Der Artikel versammelt anonyme Erfahrungsberichte von Homeoffice-Mitarbeitern, die während der Arbeitszeit nicht produktiv sind. Verschiedene Strategien werden beschrieben, wie Arbeit vorgetäuscht wird – von künstlichen Technikproblemen bis zu anderen Ablenkungen. Die Sammlung zeigt eine veränderte gesellschaftliche Haltung zum Thema Faulheit und Arbeit in der modernen Arbeitswelt.
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:17 „bei Zeit Online eine sehr schöne Zusammenstellung von Testimonials von Leuten, die im Homeoffice, ja man kann schon sagen, fast alles andere tun als arbeiten“
Eine Sammlung von anonymen Erfahrungsberichten über Nicht-Arbeiten im Homeoffice, die als Beleg für die veränderte Haltung zu Faulheit und Arbeit dient
Beschleunigung
Hartmut Rosa · 2005
Das Buch unternimmt erstmals den Versuch, die sich potenzierende Dynamisierung gesellschaftlicher Verhältnisse, wie sie in der jüngsten politischen und digitalen Beschleunigungswelle etwa unter dem Stichwort >Globalisierung
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:25:39 „Also es kommt so ein Bündel an Begriffen und Bildern auf. Vielleicht können wir auch gleich die nochmal abschreiten, also Müsiggang, ne? Das sind auch so ein bisschen die Modebegriffe der... Ja, weiß ich nicht, wann hat das angefangen? Also diese ganzen, klar, Hartmut Rosa, Entschleunigungsbegriff.“
Nina Pauer ordnet den Faulheitsdiskurs historisch ein und nennt Hartmut Rosa namentlich als Urheber des Entschleunigungsbegriffs, der die Debatte um Muße, Regeneration und Selfcare seit etwa zehn Jahren prägt.
Low Performer – Testimonials
Eine Sammlung ehrlicher Leserbekenntnisse auf Zeit Online, in denen Menschen beschreiben, was sie während der Arbeitszeit im Homeoffice statt arbeiten tun – von Sport bis zum Studienabschluss. Nina Pauer nutzt diese Beispiele, um zu hinterfragen, ob Faulheit wirklich Nichtstun bedeutet oder einfach, etwas anderes zu tun als erwartet.
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:05 „Was ich noch ganz, also einfach toll fand, wer es nicht gelesen hat, bitte unbedingt nachholen, diese Sammlung von Low Performer, Zitaten, Testimonials bei Zeit Online und über das, was Leute während ihrer eigentlichen Arbeitszeit im Homeoffice tun. Ja, ist einfach toll, sich das durchzulesen.“
Nina Pauer empfiehlt begeistert eine Sammlung von Leserbekenntnissen auf Zeit Online, in denen Menschen ehrlich beschreiben, was sie während der Arbeitszeit im Homeoffice wirklich tun – etwa nur den Laptop laufen lassen, Sport machen oder sogar ein ganzes Studium abschließen. Sie nutzt die Beispiele, um die Frage aufzuwerfen, ob Faulheit bedeutet, nichts zu tun, oder etwas anderes zu tun als das, was von einem erwartet wird.
Lost in Translation
Sofia Coppola · 2003
Bob Harris und Charlotte sind zwei ziellose Amerikaner in Tokio. Bob, ein Schauspieler, der gerade in der Stadt einen Werbespot für Whiskey dreht und Charlotte, eine junge, frisch verheiratete Frau, die ihren Mann, einen vielbeschäftigten Fotografen, begleitet. In einer schlaflosen Nacht lernen sich Bob und Charlotte an der Bar eines Luxushotels kennen. Was als eine zufällige Begegnung beginnt, entwickelt sich überraschend schnell zu einer ungewöhnlichen Freundschaft.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:28:25 „Nur ist das Problem nicht schon vor vielen, vielen Jahren in unserem Lieblingsfilm gelöst worden, in Lost in Translation. Da gibt es diese wunderbare Szene, wo die junge Scarlett Johansson zu Bill Murray sagt, sie würde gerne Schriftstellerin werden, aber sie glaubt, sie ist nur so mittelmäßig begabt. Und Bill Murray sagt dann eben nicht, was man erwarten würde, nein, du bist ganz bestimmt ganz toll oder so, sondern Bill Murray sagt, ja, ist egal, es merkt gar keiner.“
Lars Weisbrod nennt Lost in Translation seinen 'Lieblingsfilm' und zitiert eine konkrete Szene zwischen Scarlett Johansson und Bill Murray, um das Imposter-Syndrom zu kommentieren. Seine These: Das Problem sei längst gelöst – nicht durch Selbstbestätigung, sondern durch die ernüchternde Einsicht, dass Mittelmäßigkeit ohnehin niemandem auffällt.
Laziness Does Not Exist
Devon Price · 2021
From social psychologist Dr. Devon Price, a conversational, stirring call to “a better, more human way to live” (Cal Newport, New York Times bestselling author) that examines the “laziness lie”—which falsely tells us we are not working or learning hard enough. Extra-curricular activities. Honors classes. 60-hour work weeks. Side hustles. Like many Americans, Dr. Devon Price believed that productivity was the best way to measure self-worth.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:02 „Man kann ja alles, was wir gerade gesprochen haben, auch zusammennehmen und zu dieser Großthese verbinden. Da gibt es auch ein erfolgreiches Buch, was so heißt, Laziness does not exist. Also dass man gleich sagt, der ganze Begriff muss weg.“
Lars Weisbrod führt das Buch als Beispiel für die radikalste Position in der Faulheitsdebatte ein: eine sogenannte 'Error-Theory', die behauptet, dass der Begriff 'faul' auf gar nichts Reales verweist und komplett abgeschafft werden sollte. Er ordnet es philosophisch als Gegenposition zu den zuvor besprochenen Strategien ein – weder Attest noch Umdeutung, sondern vollständige Abschaffung des Konzepts.
Oblomow
Iwan Gontscharow · 2025
Iwan Gontscharows Roman "Oblomow" (1859) zählt zu den bedeutendsten Werken der russischen Literatur. Die Geschichte des adeligen Titelhelden, der vor lauter Trägheit und Grübeleien sein Leben ungenutzt verstreichen lässt, ist eine eindringliche Charakterstudie. Oblomow verkörpert die sogenannte "Oblomowerei" – eine Lethargie, die nicht aus Dummheit, sondern aus einer Mischung aus Überforderung und Gewohnheit entsteht.
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:44:18 „Ich habe eine mitgebracht, an die ich gedacht habe, und zwar der Oblomov aus dem 19. Jahrhundert, aus einem Roman von Ivan Goncharov, der sozusagen zur Chiffre wurde, der Apathie und der Antriebslosigkeit. Also von jemandem, der nie über die Hubbel herauskam, der letztlich auch, glaube ich, daran gestorben ist in diesem Buch.“
Nina Pauer bringt Gontscharows Roman als literarische Ur-Figur der Faulheit in die Diskussion ein und liest eine längere Passage vor, in der Oblomow ein Buch bestellt, kurz Interesse zeigt und dann doch wieder apathisch an die Decke starrt. Sie nutzt die Figur, um das Konzept 'Oblomowerei' – das Scheitern am eigenen inneren Hubbel – als historisches Gegenstück zur heutigen Antriebslosigkeitsdebatte zu illustrieren.
Donald Duck
Carl Barks
Collects comic adventures of Donald Duck and his friends and family, featuring "A Christmas for Shacktown," in which Donald and the ducks raise money to throw a Christmas party for less-fortunate children; and including "The Golden Helmet" and "The Gilded Man."
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:46:10 „ist der natürlich der Prototyp des Faulen. Das ist ja auch der Kern immer der Geschichten und vor allem seines Zwists mit seinem Onkel Dagobert, der wiederum gerade diese Faulheit ja nicht schätzt. Und Donald Duck liegt halt immer in der Hängematte.“
Im Hauptthema über Faulheit werden literarische und popkulturelle Figuren als Archetypen des Faulseins besprochen. Lars Weisbrod bringt Donald Duck als klassisches Beispiel für eine alte, nicht mehr zeitgemäße Vorstellung von Faulheit – das absolute Nichtstun in der Hängematte.
In Praise of Idleness
Bertrand Russell · 2004
In this collection of essays, Russell surveys the social and political consequences of his beliefs with characteristic clarity and humour. In Praise of Idleness is a tour de force that only Bertrand Russell could perform.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:48:55 „aus diesem Bertrand Russell Essay, also es ist kein Buch, sondern nur ein kurzer Text, in Praise of Idleness“
Russell's Essay wird ausführlich besprochen und zitiert als historischer Schlüsseltext zur Verteidigung von Faulheit und Arbeitszeitverkürzung
Alle Zeit
Teresa Bücker · 2022
Soziale Gerechtigkeit bedeutet gerechte Verteilung von Zeit. Zeit ist die zentrale Ressource unserer Gesellschaft. Doch sie steht nicht allen gleichermaßen zur Verfügung. Teresa Bücker, eine der einflussreichsten Journalistinnen in Deutschland, macht konkrete Vorschläge, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann, die für mehr Gerechtigkeit, Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgt.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:50:54 „ich denke an unsere Folge zu Theresa Büker, wo er auch gesagt hat, wenn wir weniger arbeiten, dann hätten wir die Kraft, uns politisch zu engagieren und das und das zu machen.“
Im Kontext der Debatte um Arbeitszeitverkürzung und Faulheit verweist Lars Weisbrod auf Theresa Bückers These, dass weniger Arbeit mehr politisches Engagement ermögliche – eine zentrale These aus ihrem Buch über Zeitgerechtigkeit.
Die Simpsons
Matt Groening · 1989
Die Simpsons sind eine amerikanische Durchschnittsfamilie. Immer neue Geschichten gibt es über Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie und über die weiteren Bewohner von Springfield zu erzählen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:07 „Und Homer Simpson steht hier. Stimmt, Homer Simpson ist sozusagen der Nachfolger von Donald Duck, der hängt auch noch in der Hängematte. Er säuft allerdings schon dabei, also er konsumiert dann wieder mehr als Donald.“
Im Kontext der popkulturellen Faulheitsfiguren wird Homer Simpson als Nachfolger von Donald Duck genannt – beide verkörpern das Hängemattenbild, wobei Homer bereits den modernen passiven Konsum repräsentiert.
A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit)
John Rawls · 2005
John Rawls aims to express an essential part of the common core of the democratic tradition—justice as fairness—and to provide an alternative to utilitarianism, which had dominated the Anglo-Saxon tradition of political thought since the nineteenth century. Rawls substitutes the ideal of the social contract as a more satisfactory account of the basic rights and liberties of citizens as free and equal persons.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:53:26 „Und dann ist mir jetzt in der Recherche für die Folge aufgefallen, dass wirklich in der großen analytischen, politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, ja in den ganzen Debatten, ich habe in der letzten Folge zufälligerweise schon mal erwähnt, um John Rawls große Theory of Justice, große Gerechtigkeitstheorie, immer der Surfer als so ein Problemfall auftaucht.“
Lars Weisbrod verweist auf Rawls' Gerechtigkeitstheorie im Zusammenhang mit der Figur des faulen Surfers in Malibu. Rawls habe den Surfer als Problemfall seiner Theorie benannt – jemand, der nur surfen und nicht arbeiten will, stellt die Frage, wie eine gerechte Gesellschaft mit Menschen umgeht, die keinen Beitrag leisten wollen.