Unter Pfarrerstöchtern – Streit, Fake News und Lügen
#038

Streit, Fake News und Lügen

Unter Pfarrerstöchtern / 09. April 2021 / 8 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Das Volk Israel bricht vom Sinai auf, militärisch formiert wie eine Armee — doch kaum unterwegs, bricht der Streit los: Die Israeliten jammern nach ägyptischen Gurken und Knoblauch, Miriam und Aaron putschen gegen ihren Bruder Mose, und Kundschafter verbreiten Horrorgeschichten über Riesen im gelobten Land Kanaan. Eine biblische Fake-News-Kaskade mit erstaunlich modernen Parallelen — von Colin Powells Massenvernichtungswaffen bis zu Corona-Verschwörungstheorien —, die Gott mit 40 Jahren Wüstenwanderung bestraft.

„Du wirst in dieser ganzen biblischen Geschichte keinen Helden finden. Der Aaron scheitert, von der Miriam wissen wir zu wenig. Aber auch diese ganzen Führungsfiguren, sie haben Durchhänger.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (8)

Der Herr der Ringe

Der Herr der Ringe

J. R. R. Tolkien

Ein ungewöhnlicher Held. Eine Reise voller Gefahren. Das größte Abenteuer aller Zeiten. In einem ruhigen Dorf im Auenland bekommt der junge Frodo ein Geschenk, das sein Leben für immer verändern wird – den Einen Ring, der seit Jahrhunderten als verschollen galt. Ein mächtiges und furchterregendes Ding, mit dem der Dunkle Herrscher einst Mittelerde versklavte.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:07:35 „Diese Herrscharen, das erinnert ja fast an den Herrn der Ringe, da kommen die doch auch mit diesen Standarten immer und kommen dann, die verschiedenen Völker setzen sich dann in militärische Positionen. So sieht das ein bisschen aus.“

Johanna Haberer vergleicht den militärisch geordneten Aufbruch des Volkes Israel mit den Heereszügen in Der Herr der Ringe. Die verschiedenen Stämme mit ihren Feldzeichen erinnern sie an die Völker, die mit Standarten in militärische Positionen ziehen – ein bildlicher Vergleich, um die epische Dimension des biblischen Textes greifbar zu machen.

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Der Münchner im Himmel

Der Münchner im Himmel

Ludwig Thoma · 2023

In "Der Münchner im Himmel: Satiren und Humoresken" entführt Ludwig Thoma seine Leser in eine skurrile Welt voller feinsinnigem Humor und scharfer Gesellschaftskritik. Der Autor verwebt legendäre bayerische Eigenheiten mit satirischen Elementen, wobei die Erzählweise sowohl geistreiche Beobachtungen als auch pointierte Dialoge nutzt, um das Münchner Leben in seiner Vielfalt zu reflektieren.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:10:59 „Den Münchner im Himmel. Der Münchner im Himmel. Manna kann es selber saufen.“

Als das Volk Israel über das ewige Manna klagt und sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens sehnt, zieht Johanna Haberer eine humorvolle Parallele zu Ludwig Thomas 'Ein Münchner im Himmel', in dem der Protagonist Alois Hingerl im Paradies lieber ein Bier hätte statt der himmlischen Kost. Die Parallele unterstreicht das Motiv der menschlichen Unzufriedenheit trotz göttlicher Versorgung.

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Septuaginta

Septuaginta

Anonyme jüdische Gelehrte (3. Jh. v. Chr.)

Griechische Übersetzung der hebräischen Bibel für die griechischsprachigen Juden Ägyptens im 3. Jahrhundert v. Chr. Sie versetzte die hellenistischen Gemeinden in die Lage, die heiligen Schriften in ihrer eigenen Sprache zu lesen und ebnete damit dem frühen Christentum den Weg in die Mittelmeerdiaspora.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:18:23 „Die erste Übersetzung, die es dann in die griechische Welt von dem Alten Testament gibt, das ist so zwischen dem dritten und dem ersten Jahrhundert entstanden, nennt sich Septuaginta. Das sind die 70, die Schrift der 70. Und da stellen die sich vor, dass diese 70 in kürzester Zeit in einer sozusagen geistigen Erleuchtung diese ganze Bibel ins Griechische übersetzt haben.“

Im Zusammenhang mit den 70 Ältesten, die Mose zur Seite gestellt werden, erklärt Johanna Haberer die Bedeutung der Zahl 70 im Alten Testament. Sie verweist auf die Septuaginta, die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, die der Legende nach von 70 Gelehrten in göttlicher Erleuchtung angefertigt wurde. Die Verbindung zeigt, wie sich das Motiv der 70 Weisen durch die biblische Tradition zieht.

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Die Krankheit als Metapher

Die Krankheit als Metapher

Georg Seeßlen

Der Artikel von Georg Seeßlen untersucht, wie Krankheit in der Geschichte und Kultur als Metapher und Strafe interpretiert wird. Anhand der Corona-Pandemie zeigt Seeßlen, wie biblische Plagen verstanden werden können: als Ausdruck eines Konflikts zwischen dem Göttlichen und der Menschheit, als Prüfung, die dem Leiden einen Sinn gibt. Der Text hinterfragt, ob eine religiöse oder metaphorische Erklärung für Leid leichter zu ertragen ist als der sinnlose Zufall.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:44 „Ja, da habe ich hier einen interessanten Artikel gefunden von Georg Seslen. Ein Filmkritiker ist das. Ist das so? Ja, ganz toller Filmphilosoph. Der hat hier geschrieben über die Krankheit als Metapher. Und zwar anlässlich des Coronavirus. Die Krankheit als Strafe.“

Sabine Rückert liest ausführlich aus einem Artikel von Georg Seeßlen vor, der anlässlich der Corona-Pandemie über die Krankheit als Metapher und Strafe schreibt. Der Artikel wird herangezogen, um die biblischen Plagen zu deuten: Krankheit als Ausdruck eines Konflikts zwischen Gott und Volk, als Prüfung, die dem Leiden einen Sinn gibt. Johanna Haberer greift Seeßlens These auf, dass eine göttliche Erklärung für Leid leichter zu ertragen sei als sinnloser Zufall.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Rede vor dem UN-Sicherheitsrat (5. Februar 2003)

Rede vor dem UN-Sicherheitsrat (5. Februar 2003)

Colin Powell

Colin Powells Rede vom 5. Februar 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat als US-Außenminister, in der er behauptete, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen. Die Rede diente als Rechtfertigung für die anschließende US-Invasion und wird als historisches Beispiel für die Folgen von Desinformation in der Weltpolitik zitiert.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:39:55 „Der US-General Colin Powell hat am 5. Februar 2003 als Außenminister der Regierung George W. Bush im UN-Sicherheitsrat in New York behauptet, der irakische Diktator Saddam Hussein verfüge über mobile Labore für Chemiewaffen und andere Massenvernichtungswaffen. Und das war der Auslöser, warum die USA eine Invasion auf den Irak gestartet hat.“

Sabine Rückert und Johanna Haberer ziehen eine Parallele zwischen den lügnerischen Kundschaftern im Buch Numeri und modernen Fake News. Powells Rede wird als historisches Beispiel angeführt, wie falsche Berichte zu verheerenden politischen Entscheidungen führen können. Johanna Haberer ergänzt, dass das Guernica-Gemälde hinter Powell während der Rede verhängt wurde.

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G Kunst

Guernica

Pablo Picasso

Guernica ist Pablo Picassos kraftvolles Antikriegs-Gemälde, das die Schrecken des Krieges in abstrakten, verstörendell Bildern darstellt. Das Werk wurde während Colin Powells Rede vor dem UN-Sicherheitsrat im März 2003 absichtlich verhängt, als dieser falsche Gründe für den Irakkrieg vortrug. Die Verhüllung des pazifistischen Meisterwerks während einer Kriegsbegründung offenbart die bewusste Unterdrückung von Wahrheit und moralischem Gewissen in der politischen Kommunikation.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:40:47 „Und zwar hinter sich dieses große Gemälde Guernica übrigens, haben sie abgehängt, das hängt dort, um die Folgen des Krieges aufzuzeigen. Das haben sie verdunkelt und abgehängt und dann stand der arme, muss man sagen, Colin Powell, der heute das alles widerrufen hat.“

Im Kontext der Diskussion über Fake News und den Irakkrieg 2003 erwähnt Johanna Haberer, dass Picassos Guernica im UN-Sicherheitsrat verhängt wurde, als Colin Powell seine falsche Begründung für den Irakkrieg vortrug. Das Anti-Kriegs-Gemälde wurde verdeckt, um den Widerspruch zwischen dem Bild und der Kriegsankündigung zu kaschieren.

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Bruce Allmächtig

Bruce Allmächtig

Tom Shadyac · 2003

Weil man ihn bei der Beförderung übergangen hat, rastet der TV-Journalist Bruce Nolan dermaßen aus, dass man ihm den Stuhl vor die Tür stellt. Was folgt, ist unter anderem eine Wuttirade auf den lieben Gott. Der zufälligerweise zuhört - und seinem erzürnten Schäfchen kurzerhand für eine Woche die göttliche Allmacht überträgt. Bruce ist begeistert.

🗣 Unbekannt erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:41 „Spielt auch in einer wunderbaren Komödie, spielt er Gott. Ja, genau. Als Putzmann.“

Im Rahmen der Diskussion über die Fake-News-Meldung, Morgan Freeman sei gestorben, erwähnt der Sprecher beiläufig, dass Freeman in einer Komödie Gott spielt. Johanna Haberer ergänzt 'Als Putzmann', was auf den Film 'Bruce Allmächtig' verweist, in dem Freeman als Gott in Gestalt eines Hausmeisters auftritt.

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Odyssee

Odyssee

Homer

Homers Epos über die zehnjährige Irrfahrt des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Auf seiner Heimreise nach Ithaka begegnet er Kyklopen, Sirenen und anderen Gefahren. Eines der Gründungswerke der europäischen Literatur.

🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:52:30 „Und weißt du, an was mich das erinnert? Das ist die Geschichte vom Odysseus. Odysseus hat genau dieselbe Situation. Er hat zehn Jahre vor Troja gelegen, er fährt nach Hause, es geht relativ rasch.“

Der Sprecher zieht eine ausführliche Parallele zwischen der Situation der Israeliten vor Kanaan und der Odyssee. So wie die Israeliten kurz vor dem gelobten Land zurückgeworfen werden, sieht Odysseus bereits Ithaka, doch seine Gefährten öffnen den Windsack des Aeolus und werden zurückgeschleudert – in beiden Fällen führen Misstrauen und Gier dazu, dass das Ziel zum Greifen nah war und doch verfehlt wird.

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