Unter Pfarrerstöchtern – Simson und Delila
#052

Simson und Delila

Unter Pfarrerstöchtern / 22. Oktober 2021 / 11 Medien

Sabine Rückert & Johanna Haberer

Die Episode widmet sich Simson, dem muskelbepackten Antihelden des Richterbuches, dessen Geschichte mit einer göttlichen Geburtsankündigung beginnt: Ein Engel erscheint seiner unfruchtbaren Mutter und kündigt einen Nasiräer an — einen Gottgeweihten, dem niemals ein Schermesser das Haupt berühren soll. Eingebettet in die 40-jährige Unterdrückung durch die Philister, die als brutalste und fremdeste aller bisherigen Feinde Israels auftreten, entfaltet sich die Geschichte eines Helden, der eigentlich nur für sich selbst kämpft.

„Er hat viel, viel Testosteron, ziemlich viele Muskeln. Ab und zu fährt der Geist Gottes in ihm und er schlägt um sich, aber eigentlich nur für sich. Also er ist auf jeden Fall eine drollige Figur. Es ist ein Antiheld.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (11)

Rembrandt-Gemälde zu Simson (fünf Werke)

Rembrandt-Gemälde zu Simson (fünf Werke)

Rembrandt van Rijn

Fünf Gemälde von Rembrandt van Rijn, die die biblische Figur Simson in verschiedenen Lebensphasen darstellen. Die Serie zeigt Rembrandts intensive künstlerische Auseinandersetzung mit diesem dramatischen Stoff und demonstriert die Entwicklung des Motivs über sein Werk hinweg. Ein Meisterwerk der Kunstgeschichte und Bibelinterpretation der Frühen Neuzeit.

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:00:38 „Und jetzt kommen wir zu einer wunderbaren biblischen Gestalt, die allein Rembrandt fünfmal gemalt hat, in fünf verschiedenen Lebensphasen, die wir hier alle auch noch durchgehen werden.“

Sabine Rückert erwähnt zu Beginn der Episode, dass Rembrandt die Figur Simson fünfmal gemalt hat, in verschiedenen Lebensphasen. Dies dient als Einstieg, um die kulturelle Bedeutung der Simson-Geschichte zu unterstreichen.

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Alttestamentlicher Kommentar zum Richterbuch

Alttestamentlicher Kommentar zum Richterbuch

Ernst Axel Knauf · 2016

In seinem Kommentar zum Richter-Buch schliesst Ernst Axel Knauf an seinen Josua-Kommentar an. Den Rahmen für das Verständnis des Richter-Buchs bilden die beiden ersten Teile der Hebräischen Bibel: Tora und Propheten. Diese werden als autoritative Texte des antiken Judentums gelesen, für deren Endgestalt die Schriftgelehrten und Lehrer der Schule des Zweiten Tempels verantwortlich sind. Dabei geht Redaktionsgeschichte nahtlos in Kanongeschichte über.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:05:05 „Also mein wunderbarer alttestamentlicher Kommentator, der Herr Knauf, das ist ein Schweizer Alttestamentler, der sich tief in die hebräischen Texte hineinbegeben hat. Der sagt also, der Mann, dem sie das erzählt, ist nicht ganz grundlos beunruhigt, denn in dem, was die Frau erzählt, ist eine gewisse Doppeldeutigkeit.“

Johanna Haberer zitiert den Schweizer Alttestamentler Knauf und seinen Kommentar zur Simson-Geschichte. Knauf hat die hebräischen Texte analysiert und eine sexuelle Doppeldeutigkeit in der Begegnung zwischen dem Engel und Manoachs Frau herausgearbeitet, die in deutschen Übersetzungen verloren geht.

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Harry Potter

Harry Potter

J. K. Rowling · 2024

Harry Potter is leaving Privet Drive for the last time. But as he climbs into the sidecar of Hagrid’s motorbike and they take to the skies, he knows Lord Voldemort and the Death Eaters will not be far behind. The protective charm that has kept him safe until now is broken. But the Dark Lord is breathing fear into everything he loves.

🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:29 „Ja, das ist ein bisschen wie der Flugzauber mit Flohpulver bei Harry Potter.“

Johanna Haberer vergleicht die Szene, in der der Engel des Herrn in der Opferflamme zum Himmel aufsteigt, humorvoll mit dem Flohpulver-Reisezauber aus Harry Potter. Ein beiläufiger Vergleich, der die Szene für heutige Hörer greifbar machen soll.

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Gilgamesch-Epos

Gilgamesch-Epos

Der Artikel untersucht das Gilgamesch-Epos als eines der ältesten Beispiele für die universelle Heldenreise in der Literaturgeschichte. Maximilian Probst analysiert, wie dieses babylonische Epos von einem König, der teils Mensch und teils Gott war, ein zeitloses Erzählmuster prägt, das sich über Kulturen hinweg in biblischen und mythologischen Geschichten wiederholt. Der Artikel zeigt auf, wie jahrhundertealte Mythen verschiedener Kulturen und Zeiten ein gemeinsames narratives Grundmuster teilen, obwohl die Menschen, die sie aufschrieben, voneinander nichts wussten.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:10:16 „Also jetzt haben wir den Simson hier und der gemahnt an eine ganze Menge mesopotamischer, ägyptischer Helden, die alle so von Sonnengöttern kommen. Und Gilgamesch, dieser Held im Ugarit übrigens auch, die haben alle so ein Sonnengesicht und dann sind ihre Haare, stehen dann vom Kopf ab, also die Sonnenstrahlen sind sozusagen Haare.“

Johanna Haberer vergleicht die Simson-Figur mit Gilgamesch und anderen mesopotamischen Helden, die alle mit Sonnengottheiten assoziiert sind. Die Haare, die vom Kopf abstehen, symbolisieren Sonnenstrahlen – eine Verbindung, die auch Simsons Namen ('kleine Sonne') und sein Haargebot erklärt.

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Der Struwwelpeter

Der Struwwelpeter

Heinrich Hoffmann · 2024

Überarbeitete Fassung in maximaler Auflösung (2048 × 1536 Pixel) »Der Struwwelpeter« gilt noch vor Max und Moritz als das erfolgreichste deutsche Kinderbuch überhaupt und wurde in viele Sprachen übersetzt. Im Jahr 1844 bemühte sich der Arzt Heinrich Hoffmann um ein Bilderbuch, das er seinem dreijährigen Sohn Carl zu Weihnachten schenken könne. Leider (oder zum Glück für den Leser) fand er nichts, was ihm für ein Kind in Carls Alter angemessen schien.

🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:10:16 „Die haben alle so ein Sonnengesicht und dann sind ihre Haare, stehen dann vom Kopf ab, also die Sonnenstrahlen sind sozusagen Haare. So ein bisschen wie beim Struwwelpeter. So sehen diese Darstellungen aus.“

Johanna Haberer nutzt den Struwwelpeter als visuellen Vergleich, um zu veranschaulichen, wie mesopotamische Sonnenhelden-Darstellungen aussehen: mit wild vom Kopf abstehenden Haaren, die Sonnenstrahlen symbolisieren – genau wie bei der Simson-Figur.

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Herkules-Sage

Herkules-Sage

· 1882

Hercules is a tragedy of great theatrical, poetic, and cultural value, addressing central issues of early imperial Rome, even as it speaks profoundly to our times. This edition offers a newly edited Latin text, English verse translation, and a detailed commentary setting the work in its theatrical and historical context.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:11:08 „Und die Frage ist auch wieder, haben die Autoren des Richterbuches die Herkules-Sage gekannt oder wurde die Herkules-Sage im Wissen um das Richterbuch und um den Simson geschrieben? Also auf jeden Fall, das ist ja praktisch ein Zwillingsbruder hier, Simson und Herkules.“

Sabine Rückert und Johanna Haberer diskutieren die frappierenden Parallelen zwischen Simson und Herkules – insbesondere den Löwenkampf mit bloßen Händen (nemeischer Löwe). Sie debattieren die Richtung der kulturellen Beeinflussung, wobei Johanna Haberer die Hellenisierung ab dem 4. Jahrhundert als wahrscheinlichere Erklärung sieht.

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Manhunt: Unabomber

Manhunt: Unabomber

· 2017

Seit Jahren terrorisiert der sogenannte Unabomber die Menschen in den USA mit Briefbomben, die er vorwiegend an Uni-Professoren und die Vorstände von Fluggesellschaften schickt (die vom FBI und den Medien geprägte Bezeichnung für den Unbekannten steht als Abkürzung für "university and airline bomber"). Um endlich herauszufinden, wer hinter den Anschlägen steckt, wird 1995 der Profiler Jim Fitzgerald zum Fall hinzugezogen.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:37 „Dann gibt es eine ganz tolle Serie auf Netflix, da kann man sich das angucken, in einer sensationellen Besetzung. Der konnte sich nicht einordnen. Der Una Bomber hat alleine in einem, den hat man ewig gesucht und die Geschichte in der Netflix-Serie handelt davon, wie man ihn findet.“

Sabine Rückert empfiehlt eine Netflix-Serie über den Unabomber, um die Parallele zwischen Ted Kaczynski und der biblischen Simson-Figur zu verdeutlichen: Beide sind hochintelligent, sozial isoliert und leben als Einsiedler. Die Serie zeigt, wie man Kaczynski nach jahrelanger Suche in einer Waldhütte findet – ähnlich wie Simson in seiner Felsenhöhle.

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Art (Zeitschrift)

Art (Zeitschrift)

Die Kunstzeitschrift art beleuchtet die Bedeutung des Simson-Motivs in Rembrandts Werk und erklärt die Häufigkeit dieser Darstellungen aus dem kalvinistischen Weltbild der Niederlande. Der Artikel zeigt, wie die Reformation zur Ablehnung heidnisch-antiker Themen führte, während die biblische Simson-Geschichte ideal in die protestantische Bilderwelt passte. Damit wird deutlich, wie religiöse und kulturelle Überzeugungen die künstlerischen Entscheidungen der Frühen Neuzeit prägte. Die Analyse verbindet Kunstgeschichte mit Religionsgeschichte und bietet Einblick in die ideologischen Grundlagen niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts. Die aktuelle Ausgabe steht als ePaper im iKiosk zur Verfügung.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:40:28 „Und da schreiben diese Leute von Art, Art heißt die Zeitung, aus der ich das habe, Kunst. Simson passt ins kalvinistische Weltbild. Rembrandt hat ihn gemalt.“

Sabine Rückert zitiert aus einem Artikel der Kunstzeitschrift Art, der erklärt, warum Rembrandt Simson so häufig malte. Der Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen kalvinistischer Frömmigkeit und der Ablehnung heidnisch-antiker Themen in der niederländischen Malerei.

Zum Artikel bei Ikiosk.de Details
Die Blendung Simsons

Die Blendung Simsons

Rembrandt van Rijn

Rembrandts Gemälde zeigt die Blendung Simsons als drastische biblische Szene im Frankfurter Städel. Der holländische Meister wählte das Motiv nicht zufällig: Als Kalvinist durfte er keine antiken Götter malen, aber Simson passte ins religiöse Weltbild. Bemerkenswert ist die erschreckend realistische Darstellung des Augenblicks, in dem Simson geblendet wird – vom Schmerz eingekrümmte Zehen bis zum Messer im Auge.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:41:48 „Und jetzt kommen Sie auf das Bild, die Blendung des Simson. Da sieht man auch hinten, wie die Delilah mit den Haaren davonrennt. Die hat sie ihm selbst abgeschnitten. Und im Vordergrund, ganz schrecklich, und deswegen wurde es auch lange versteckt und nicht gezeigt, das Bild, Vordergrund der Kopf des Simson, wo gerade ihm einer mit dem Messer ins Auge reinfährt.“

Sabine Rückert beschreibt ausführlich Rembrandts Gemälde der Blendung Simsons, das im Frankfurter Städel hängt. Sie erklärt, warum Rembrandt biblische Szenen statt antiker Heldensagen malte: Als Kalvinist durfte er keinen Herkules malen, aber Simson passte ins kalvinistische Weltbild. Sie hebt hervor, wie schmerzhaft realistisch Rembrandt die Szene darstellte – bis hin zu den vor Schmerz eingekrümmten Zehen.

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Samson und Delilah

Samson und Delilah

Peter Paul Rubens

Barockes Gemälde von Peter Paul Rubens, das die biblische Liebesszene zwischen Samson und Delilah darstellt. Das Werk zeigt den Moment der Verletzlichkeit und des Vertrauens, in dem Samson auf Delilahs Schoß einschläft – kurz vor seinem Verrat. Rubens charakteristische, sinnlich-opulente Malweise verleiht der Szene dramatische Intensität und körperliche Präsenz.

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:09 „Es gibt auch ein Bild von Rubens, glaube ich. Ja. Das heißt auch, Samson und Delilah, das ist ganz rührend, da hat Delilah ihre Brüste ausgepackt und der Samson liegt auf ihren Schoß. Das ist wie er einschläft.“

Neben Rembrandts Version erwähnt Sabine Rückert auch Rubens' Gemälde von Samson und Delilah, das die Szene des Einschlafens auf Delilahs Schoß zeigt – ein Moment des vollen Vertrauens kurz vor dem Verrat.

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V Essay

Vom Sunny Boy zum Selbstmordattentäter. Zur profanen und theologischen Simson-Figur

Erasmus Gast

Theologische Analyse der Simson-Figur, die seinen Racheakt als erstes Selbstmordattentat der Literaturgeschichte deutet. Der Essay zieht Parallelen zu modernen Selbstmordattentätern und untersucht gemeinsame Muster: religiöse Verbrämung, Rache für erlittenes Unrecht und die Wiederherstellung der Ehre Gottes.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:48:10 „Ich habe auch etwas und zwar von einem katholischen Theologen namens Erasmus Gast. Er hat einen Aufsatz geschrieben über den Simson mit dem schönen Titel vom Sunny Boy zum Selbstmordattentäter. Zur profanen und theologischen Simson-Figur.“

Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einem Aufsatz des katholischen Theologen Erasmus Gast, der Simsons letzten Racheakt als erstes Selbstmordattentat der Literaturgeschichte deutet. Gast zieht Parallelen zu modernen Selbstmordattentätern: religiöse Verbrämung, Rache für erlittenes Unrecht, Wiederherstellung der Ehre Gottes und die Einbettung in einen heiligen Krieg.

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