Unter Pfarrerstöchtern – Was sind Märtyrer
#155

Was sind Märtyrer

Unter Pfarrerstöchtern / 11. Juli 2025 / 11 Medien

Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler

Ausgehend von der Apostelgeschichte erzählen die Schwestern, wie die Urgemeinde ihre erste Organisationskrise meistert — griechischsprachige Witwen werden beim Essen benachteiligt, sieben Diakone werden gewählt — und wie Stephanus als erster christlicher Märtyrer gesteinigt wird, während ein junger Mann namens Saulus schweigend die Mäntel hält. Den Bogen in die Gegenwart schlägt ein langer Text von Volker Weidermann über Dietrich Bonhoeffer: wie der Theologe in seiner Gefängniszelle an Weihnachten 1944 das Gedicht 'Von guten Mächten' schrieb — nicht als frommes Wegleugnen des Schmerzes, sondern als Ergebnis einer vollständig durchschrittenen Todesangst.

„Nach dem ersten Märtyrer beginnt die Kirche.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (11)

Geschichte des Peloponnesischen Krieges

Geschichte des Peloponnesischen Krieges

Thukydides · 2014

Thukydides ist der Begründer der politischen Geschichtsschreibung. Er war ungefähr 30 Jahre alt, als 431 v. Chr. der Peloponnesische Krieg ausbrach, jener jahrzehntelage Machtkampf zwischen Athen und Sparta, an dessen Ende Athen - und mit ihm die Demokratie - gegen das spartanische Königtum unterlag. Thukydides hatte hier sein Lebensthema gefunden. Doch bevor er zum Chronisten der Kämpfe zwischen den beiden Blöcken wurde, hat er selbst an ihnen teilgenomnmen. Im Jahre 425/4 v. Chr.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:12:43 „Also der Thucydides, der alte große Geschichtsschreiber, der auch den Zweiten Peloponnesischen Krieg beschrieben hat und so, der hat auch versucht, eine möglichst objektive Erzählung zu liefern, auch zu recherchieren im Übrigen und Ähnliches. Und hat aber dann, wenn es Deutungskategorien der Geschichte gab, dann hat er Reden eingeführt.“

Johanna Haberer erklärt, warum die Apostelgeschichte so viele lange Reden enthält. Sie vergleicht die Erzähltechnik des Lukas mit der des antiken Historikers Thukydides, der in seinem Geschichtswerk eingebettete Reden als Mittel zur Geschichtsdeutung nutzte. So ordnet sie die Stephanus-Rede als bewussten literarischen Kommentar des Autors ein.

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Bonhoeffer-Artikel

Bonhoeffer-Artikel

Volker Weidermann

Wie der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer ein Gedicht für die Ewigkeit schuf – und doch 80 Jahre nach seiner Ermordung von den Falschen vereinnahmt wird.

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:15:42 „Ich habe einen wunderbaren Text gefunden von meinem Kollegen Volker Weidermann über Bonhoeffer.“

Sabine liest ausführlich aus einem ZEIT-Artikel von Volker Weidermann über Dietrich Bonhoeffer als modernen Märtyrer und Widerstandskämpfer.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Nexus

Nexus

Yuval Noah Harari

From the author of Sapiens comes the groundbreaking story of how information networks have made, and unmade, our world. For the last 100,000 years, we Sapiens have accumulated enormous power. But despite all our discoveries, inventions, and conquests, we now find ourselves in an existential crisis. The world is on the verge of ecological collapse. Misinformation abounds. And we are rushing headlong into the age of AI—a new information network that threatens to annihilate us.

🗣 Johanna Haberer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:15:47 „Da bist du jetzt bei deinem Harari, du bist eingesponnen in Bilder und Geschichte.“

Als Sabine Rückert beschreibt, wie sie sich den Märtyrer Stephanus bildlich vorstellt – mit dem verzückten Blick zum Himmel –, wirft Johanna Haberer scherzhaft ein, Sabine sei 'bei ihrem Harari' und in Bilder und Geschichten eingesponnen. Die Formulierung 'dein Harari' deutet darauf hin, dass Sabine offenbar kürzlich ein Buch von Yuval Noah Harari gelesen hat, das sich mit der Macht von Narrativen und Bildern beschäftigt.

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Von guten Mächten wunderbar geborgen

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Dietrich Bonhoeffer

Von guten Mächten treu und still umgeben ist ein geistliches Gedicht des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Verfasst im Dezember 1944 in der Gestapo-Haft, ist es Bonhoeffers letzter erhaltener theologischer Text vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945. Heute ist es ein viel gesungenes geistliches Lied.

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:21:30 „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“

Johanna liest das vollständige Gedicht 'Von guten Mächten' von Bonhoeffer vor, das er im Dezember 1944 kurz vor seiner Hinrichtung im Gefängnis schrieb.

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Von guten Mächten wunderbar geborgen

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Volker Weidermann

Volker Weidermann zeichnet die Lebensgeschichte des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer nach und beleuchtet die Entstehung seines berühmten Gedichts „Von guten Mächten wunderbar geborgen", das er 1944 in der Gestapo-Zelle schrieb. Der Artikel zeigt, wie dieses Gedicht zum zeitlosen Trostlied wurde und analysiert gleichzeitig, wie es in der heutigen Zeit von politischen Kräften vereinnahmt wird, die Bonhoeffers Vermächtnis widersprechen.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:21:54 „Wir hatten zu Ostern einen wunderbaren Titel, der geschrieben worden ist von meinem Kollegen aus dem Feuilleton Volker Weidermann. Die Überschrift war von guten Mächten wunderbar geborgen. Und es geht um die Biografie des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer und sein Gedicht für die Ewigkeit.“

Sabine Rückert leitet vom biblischen Märtyrer Stephanus zum modernen Märtyrer Dietrich Bonhoeffer über und liest ausführlich aus einer ZEIT-Titelgeschichte ihres Feuilleton-Kollegen Volker Weidermann vor. Der Artikel erzählt Bonhoeffers Lebensweg, seine Entstehungsgeschichte des berühmten Gedichts in der Gestapo-Zelle und seine Bedeutung als Trostlied bis heute. Sabine trägt den Text mit spürbarer Begeisterung und in großer Länge vor.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Topographie des Terrors

Topographie des Terrors

Installativer Kunstwerk am Ort der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Berlin. Leuchtend gelbe Bodenmarkierungen zeichnen die Zellenwände nach, durch die Besucher imaginativ hindurchgehen können. Die Ausstellung dokumentiert Schicksale von NS-Opfern, darunter Dietrich Bonhoeffer, der dort sein berühmtes Gedicht verfasste. Ein eindringliches Denkmal, das Geschichte durch räumliche Erfahrung vermittelt.

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:23:22 „Leuchtend gelbe Streifen auf einem Geröllfeld markieren die Zellenwände von einst. Heute ist es ein Luftgefängnis, Teil der Ausstellung Topografie des Terrors am Ort der ehemaligen Gestapo-Zentrale.“

Im Rahmen des vorgelesenen Weidermann-Artikels wird die Berliner Dauerausstellung 'Topographie des Terrors' erwähnt, die sich am Ort der ehemaligen Gestapo-Zentrale befindet. Die Zelle, in der Bonhoeffer sein berühmtes Gedicht schrieb, ist dort durch gelbe Bodenmarkierungen nachgezeichnet – Besucher können in die imaginäre Zelle hinein- und herausspringen.

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Wer bin ich?

Wer bin ich?

Dietrich Bonhoeffer · 2005

Gelassen und heiter und fest, frei und freundlich und klar, gleichmütig, lächelnd und stolz, oder? In dem Gedicht "Wer bin ich?" zeigt sich ein zwischen äußerlichem Verhalten und innerlichem Verzagen zerrissener Dietrich Bonhoeffer, der nur in einem ganz gewiss ist: Dass Gott allein ihn kennt und so annimmt, wie er ist! Dieses stilvolle Geschenkbuch widmet sich ausschließlich dem berührenden Gedicht: Einzelnen Passagen werden Texte aus dem Gesamtwerk Bonhoeffers gegenübergestellt, in denen sich ...

🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:25:15 „Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.“

Johanna liest Bonhoeffers Gedicht 'Wer bin ich?' vor, in dem er über den Widerspruch zwischen seiner äußeren Haltung und inneren Verzweiflung im Gefängnis reflektiert.

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Von guten Mächten (Vertonung)

Von guten Mächten (Vertonung)

Siegfried Fietz · 1970

Zeitgenössische Vertonung des Bonhoeffer-Gedichts mit eingängiger, tröstlicher Melodie. Das Kirchenlied wird in evangelischen Gemeinden weit verbreitet gesungen und verbindet Bonhoeffers spirituelle Tiefe mit musikalischer Unmittelbarkeit.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:25:15 „Es gibt eine wunderbare Vertonung von Siegfried Fietz.“

Johanna erwähnt die bekannte Vertonung von Bonhoeffers Gedicht durch Siegfried Fietz, die als Kirchenlied weit verbreitet ist.

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Führerrede in der Funkstunde Berlin

Führerrede in der Funkstunde Berlin

Dietrich Bonhoeffer

Dokumentation von Dietrich Bonhoeffers Radiorede vom 1. Februar 1933, in der er nur zwei Tage nach Hitlers Machtübernahme vor der Vergöttlichung politischer Führer warnte. Die Übertragung wurde abgebrochen – offiziell wegen Zeitüberschreitung, faktisch wegen des brisanten Inhalts. Die Rede illustriert Bonhoeffers frühe und furchtlose Opposition gegen das NS-Regime und seine ethische Haltung gegenüber autoritärer Herrschaft.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:25:42 „Schon am 1. Februar 1933 hatte er in einer Radiosendung des Senders Funkstunde Berlin gesagt, Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gottes. Daraufhin wurde die Übertragung abgebrochen, angeblich wegen Zeitüberschreitung.“

Im vorgelesenen Weidermann-Artikel wird Bonhoeffers berühmte Radiorede vom 1. Februar 1933 erwähnt, in der er nur zwei Tage nach Hitlers Machtergreifung vor der Vergöttlichung politischer Führer warnte. Die Übertragung wurde abgebrochen – offiziell wegen Zeitüberschreitung, faktisch wegen des brisanten Inhalts. Die Anekdote illustriert Bonhoeffers frühe und furchtlose Opposition gegen das NS-Regime.

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Über das Marionettentheater

Über das Marionettentheater

Heinrich von Kleist · 1810

Kleists philosophisches Essay verhandelt die Grazie als Phänomen, das durch das vollständige Durchschreiten des menschlichen Bewusstseins und seiner Abgründe – Schmerz, Einsamkeit, Todesangst – wiedererlangt wird. Die zentrale Argumentation: Der Verlust der Unschuld führt nicht zum endgültigen Fall, sondern zu einer reflektierten Grazie jenseits des bloßen Bewusstseins.

🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:40 „Da fällt mir der Kleist ein mit seinem Marionettentheater.“

Sabine verweist auf Kleists Essay über die Anmut der Marionetten im Zusammenhang mit der Frage, ob bewusste Haltung oder unbewusste Grazie authentischer ist.

Zum Artikel bei Projekt-gutenberg.org Details
Acht Tage im April

Acht Tage im April

John McCabe · 2025

Zum 80. Todestag Dietrich Bonhoeffers Eberhard Bethges große Bonhoeffer-Biografie umfasst mehr als 1.000 Seiten. Auf lediglich acht davon erzählt er von der letzten Woche in Dietrich Bonhoeffers Leben. Seine wichtigste Quelle ist dabei der 1950 erschienene Bestseller „Der Venlo Vorfall“ des britischen Agenten Captain Payne Best, der zu der Gruppe gehört hatte, mit der Bonhoeffer in seinen letzten Tagen unterwegs war.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:36:44 „Sein Biograf John McCabe hat diese letzte Reise Bonhoeffers jetzt in einem neuen Buch akribisch recherchiert und beschrieben. Es heißt Acht Tage im April im Gütersloher Verlagshaus erschienen.“

Sabine Rückert empfiehlt dieses neue Buch von Bonhoeffers Biograf John McCabe, das die letzten acht Tage im Leben Dietrich Bonhoeffers akribisch rekonstruiert — von der Verlegung aus dem Kellergefängnis über die absurde Busfahrt durch die Frühlingslandschaft Süddeutschlands bis zur Hinrichtung im KZ Flossenbürg.

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