Episoden von Unter Pfarrerstöchtern
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Die Power des Zweifels
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Der Podcast nähert sich seinem Ende: Wenn die Bibel auserzählt ist — irgendwann im Sommer oder Herbst — endet auch „Unter Pfarrerstöchtern
Was ist eine Auferstehung
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Zur sechsten Osterfolge lesen die beiden Bertolt Brechts Karsamstagslegende — ein Gedicht, das den Tod Jesu ohne Würde beschreibt und doch in stilles Aufblühen mündet. Johanna Haberer zeigt, wie tief die Bibel Brechts Sprache und Weltbild geprägt hat, und beide entfalten, wie er die Auferstehungsidee ins Politische übersetzt: Widerständler, die würdelos verscharrt wurden, lassen sich nicht zum Schweigen bringen, gerade weil sie vorher etwas getan haben.
Ein Justizopfer wird zum Religionsstifter
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Schwestern verfolgen die Passionsgeschichte nach Matthäus von der Verhandlung vor Pilatus bis zur Kreuzigung — ein Justizskandal, in dem ein feiger Statthalter sich die Hände wäscht und ein Unschuldiger den Verbrechertod stirbt. Dabei legen sie offen, wie die Evangelien den Pilatus zunehmend entlasten und die Schuld auf »die Juden« verschieben, und zeigen mit Jack Miles, dass Jesu Konfrontation mit Pilatus den Beginn des gewaltlosen Widerstands markiert. Den Bogen schlagen sie zu Bachs Matthäuspassion, deren universelle Harmonie selbst Nietzsche das Christentum wieder wie ein Evangelium hören ließ.
Ein Feigling und ein Verräter
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Auf der Zielgeraden zur Passionszeit nehmen sich die Schwestern die zwei schillerndsten Figuren des Neuen Testaments vor: Petrus, den großspurigen Feigling, und Judas, den Verräter, der beim letzten Abendmahl noch seelenruhig mit Jesus aus derselben Schüssel isst. Im Matthäusevangelium — gewählt auch wegen Bachs Matthäuspassion — entfaltet sich das Drama zweier Männer, die beide an Jesus scheitern, aber auf völlig unterschiedliche Weise: der eine aus Selbstüberschätzung, der andere mit kaltem Kalkül.
13 bei Tisch
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Diese Folge widmet sich dem letzten Abendmahl Jesu — jener berühmten Tischszene kurz vor seiner Gefangennahme, die auch Leonardo da Vinci hundertfach verewigt hat. Nach Jesu Einzug in Jerusalem und zahlreichen Streitereien mit Pharisäern und Sadduzäern versammelt er seine Apostel zum Passamahl, bricht das Brot, teilt den Wein und kündigt seinen Verrat an. Besonders faszinierend: Die Jünger fragen sich gegenseitig — und Jesus selbst — ‚Herr, bin ich's?', weil keiner von ihnen sicher ist, wer der Verräter sein wird.
Ritt ohne Wiederkehr
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Diese Folge widmet sich dem Einzug Jesu in Jerusalem — dem einzigen Bibeltext, der zweimal im Kirchenjahr gelesen wird: am Palmsonntag und am 1. Advent. Er rahmt die gesamte Jesusgeschichte ein, von der Geburt bis zum Tod. Zwischendurch entspinnt sich ein vergnüglicher Schwesternstreit darüber, ob der Dichter Friedrich Rückert ein Vorfahr der Familie ist — die Ahnenforschung wurde vorsichtshalber eingestellt, als es eng wurde.
Den Wüstenprediger packt die Wut
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Episode widmet sich der Tempelreinigung — jener Szene, in der Jesus die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel jagt. Spannend dabei: Alle vier Evangelisten berichten davon, ordnen die Szene aber völlig unterschiedlich ein — bei den Synoptikern ist sie Auftakt der Passionsgeschichte, bei Johannes steht sie programmatisch am Anfang, weil für ihn Jesus selbst der neue Tempel ist. Die Frage, ob hier ein durch und durch wütender Mensch handelt oder ein Prophet eine Symbolhandlung inszeniert, bleibt bewusst offen.
Die Idee vom Weltgericht
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Ausgangspunkt ist die Bibelstelle, in der Jesus über Jerusalem weint und die Zerstörung der Stadt voraussagt — ein Text, der nach der tatsächlichen Vernichtung durch Titus im Jahr 70 verfasst wurde. Die Schwestern ordnen Jerusalem als traumatischen Erinnerungsort des Judentums ein: die Stadt, in der die Propheten den Weltfrieden verheißen hatten, wurde zum Trümmerfeld, ihre Bewohner für fast 2000 Jahre in alle Welt zerstreut. Dabei entfalten sie, wie sich in der Idee vom Weltgericht historische Katastrophe, prophetische Hoffnung und die weibliche Personifizierung Zions als Tochter des Friedens überlagern.
Mission impossible
Sabine Rückert & Johanna Haberer
In der letzten Folge der achtteiligen Gleichnis-Serie widmen sich die Schwestern dem Gleichnis vom Sämann aus dem Matthäus-Evangelium: Jesus predigt aus einem Boot am See Genezareth und erzählt von Samen, der auf den Weg, auf Felsen, unter Dornen und auf fruchtbaren Boden fällt. Johanna ordnet es als Missionsgleichnis ein — es beschreibt, wie die Botschaft vom Reich Gottes bei den Menschen ankommt oder eben nicht. Dabei zeigen die Naturbilder der Bibel immer dasselbe: Einmal ausgesät, ist der Vorgang nicht mehr aufzuhalten.
Die Macht der Kränkung
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Am Gleichnis vom großen Gastmahl (Lukas 14) entfaltet sich das Thema Kränkung in all seinen Dimensionen: Der Gastgeber, dessen Einladung alle ausschlagen, lädt stattdessen die Armen und Ausgestoßenen ein — eine Parabel, die allegorisch die Hinwendung der frühen Christen zu den Heiden spiegelt. Über einen Artikel aus GEO Wissen erkunden die Schwestern, wie Demütigungen neurologisch wie körperlicher Schmerz wirken und von vergessenen Geburtstagen bis zum Amoklauf reichen — und erinnern sich dabei an den eigenen Vater, der als Hausmeisterkind auf dem Gymnasium ein Leben lang seine Kränkung mit sich trug. Den Bogen zurück zum Gleichnis schlagen zwei Zeitungsgeschichten über Festessen für Obdachlose in Bielefeld und Berlin, bei denen genau das passiert, was Jesus fordert: Die Ausgestoßenen sitzen an den gedeckten Tischen.