Was liest du gerade? – Früher ging's auch ohne Patriarchat
#012

Früher ging's auch ohne Patriarchat

Was liest du gerade? / 24. Februar 2024 / 13 Medien

Maja Beckers, Alexander Cammann

Die Sachbuchausgabe widmet sich Karin Beuys' "Mütter Europas", das die Rolle der Frauen in 43.000 Jahren europäischer Steinzeit neu beleuchtet, sowie Uwe Wittstocks "Marseille 1940" über die dramatische Flucht der Literatur vor den Nazis. Dazu wird Paul Austers Essay "Bloodbath Nation" vorgestellt, in dem der Schriftsteller seine ganz persönliche Geschichte mit Amerikas Waffengewalt erzählt — von Spielzeugpistolen in der Kindheit bis zur Familientragödie, als seine Großmutter seinen Großvater erschoss.

„Er beschreibt sehr persönlich seine Geschichte mit Waffen auch, von den Cartoons, die er als Kind gesehen hat, bis zu den Spielzeugwaffen, die man dann da selbstverständlich getragen hat, bis zu als Achtjähriger das erste Mal eine echte Waffe in der Hand halten.“
🗣 Maja Beckers

Erwähnte Medien (13)

Mütter Europas. Die letzten 43.000 Jahre

Mütter Europas. Die letzten 43.000 Jahre

Karin Beuys

Eine archäologische Untersuchung der Rolle von Frauen in der europäischen Stein- und Bronzezeit basierend auf neuesten DNA-Analysen und archäologischen Befunden. Das Werk bestätigt teilweise die Thesen der Prähistorikerin Maria Gimbutas über matrifokale Gesellschaften im alten Europa, die lange als spekulativ galten. Eine differenzierte, nicht forciert feministische Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse zur prähistorischen Gesellschaftsstruktur.

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:00:10 „Mütter Europas, die letzten 43.000 Jahre. Ein Buch über die Rolle der Frauen in der Steinzeit in Europa von der Schwedin Karin Beuys.“

Eines der zwei Hauptbücher der Episode, das ausführlich besprochen wird. Es geht um die Rolle der Frauen in der europäischen Stein- und Bronzezeit anhand neuer DNA-Analysen und archäologischer Erkenntnisse.

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Bloodbath Nation

Bloodbath Nation

Paul Auster · 2024

Dies ist Paul Austers sehr persönliche Abrechnung mit der Vergottung des Waffentragens in der amerikanischen Kultur und Gesellschaft. Er erzählt davon zunächst in biografischen Vignetten, beginnend bei den Spielzeugcolts der Kindheit und den Western im Fernsehen. Es folgen die ersten Einschläge im näheren Umfeld, der von der Großmutter erschossene Großvater – lange Zeit ein Familiengeheimnis, von dem Auster nur durch Zufall erfuhr.

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:01:15 „Diesmal wird er geliefert von Paul Orster mit seinem Essay Bloodbath Nation, soeben erschienen. Darin geht es um die Gewalt und das seltsame Recht des Schusswaffentragens in den Vereinigten Staaten von Amerika.“

Paul Austers erster Essay bzw. erstes Sachbuch behandelt die amerikanische Schusswaffengewalt. Das Buch verbindet persönliche Familiengeschichte – Austers Großmutter erschoss seinen Großvater – mit einer Analyse der tief verwurzelten Waffenkultur der USA. Es enthält Fotos von Spencer Ostrander, der Orte von Amokläufen dokumentiert hat. Die Hosts betonen, dass es keine politische Anklageschrift ist, sondern tief in die amerikanische Psychologie eindringt.

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The New York Trilogy

The New York Trilogy

Paul Auster · 2012

Jeder der drei Romane der «New-York-Trilogie» wirkt zunächst wie eine klassische, spannungsgeladene Kriminalgeschichte. Alle drei ziehen den Leser mit raffiniert ausgelegten «Ködern» in ihren Bann. Aber bald scheinen die vordergründig logischen Zusammenhänge nicht mehr zu stimmen. Täter werden auf rätselhafte Weise zu Opfern, Verfolger zu Verfolgten. Schritt für Schritt wird auch der unabhängige Beobachter, ob Leser oder Detektiv, in ein Spiel mit seinen eigenen Erwartungen verstrickt.

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:01:44 „Paul Auster, einer der erfolgreichsten und prominentesten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart, 1947 geboren, lebt seit langem in New York und ist eigentlich auch mit dieser Stadt literarisch berühmt geworden weltweit, also in den 80ern mit seiner New York Trilogie und so.“

Alexander Cammann erwähnt die New York Trilogie als das Werk, mit dem Paul Auster in den 1980er Jahren weltweit berühmt wurde, um den Autor von Bloodbath Nation vorzustellen und einzuordnen.

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Stadt aus Glas

Stadt aus Glas

Paul Auster · 2004

Der Krimiautor Daniel Quinn kann kaum noch tiefer sinken. Nach dem Tod seiner Frau und seines Sohnes sieht er keinen Sinn mehr im Leben und zieht sich immer weiter in die Einsamkeit zurück. Doch da klingelt eines Nachts plötzlich das Telefon. Mit einem Mal hat Quinn völlig unerwartet einen geheimen Auftrag: Er schlüpft in die Rolle eines mysteriösen Privatdetektivs namens Paul Auster.

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:01:59 „Dem bekanntesten Buch wahrscheinlich auch daraus, Stadt aus Glas, mit seiner Frau Siri Hustvedt lebt er in der Stadt.“

Cammann nennt Stadt aus Glas als wahrscheinlich bekanntesten Teil der New York Trilogie, um Austers literarisches Profil zu skizzieren, bevor er auf den neuen Essay Bloodbath Nation eingeht.

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Mr. Vertigo

Mr. Vertigo

Paul Auster · 1995

“Nobody—nobody—has produced a better parable about the condition of the national consciousness at century’s end.”—The Boston Globe An enduringly brilliant novel of trial and triumph set in America in the 1920s, from New York Times bestselling author Paul Auster “A charmer pure and simple . . . Nothing less than the story of America itself.”—Jonathan Yardley, The Washington Post Paul Auster’s dazzling, picaresque novel is the story of Walter Claireborne Rawley, renowned nationwide as “Walt the Wo...

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:02:06 „Wichtige Titel über Manhattan, Mr. Vertigo und zuletzt im letzten Jahr Baumgartner, sein neuestes Buch.“

Wird als eines von Austers wichtigen Werken aufgezählt, als Cammann dessen literarisches Schaffen zusammenfasst.

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Baumgartner

Baumgartner

Paul Auster · 2023

Der neue Roman von Paul Auster nach seinem großen Bestseller «4321» – ein weises Buch über die Liebe und eine Mut machende, tröstliche Betrachtung der letzten Lebensjahre, die sich der Endlichkeit alles Irdischen stoisch bewusst ist. Professor Seymour T. Baumgartner, unter Freunden Sy, ist ein über siebzigjähriger emeritierter Phänomenologe aus Princeton, der sich dem Schreiben philosophischer Bücher und, zunehmend, seinen Jugendreminiszenzen widmet: seiner kleinbürgerlichen Herkunft aus Newark;...

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:02:07 „Wichtige Titel über Manhattan, Mr. Vertigo und zuletzt im letzten Jahr Baumgartner, sein neuestes Buch und wirklich überraschend schnell oder parallel jetzt dieser Essay, aus dem wir eben dieses Zitat gehört haben, Bloodbath Nation.“

Cammann erwähnt Baumgartner als Austers neuestes Buch und zeigt sich überrascht, dass parallel dazu so schnell auch der Essay Bloodbath Nation erschienen ist.

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Meine europäische Familie, die letzten 54.000 Jahre

Meine europäische Familie, die letzten 54.000 Jahre

Karin Beuys · 2017

The story of Europe and its people, told through its genetic legacy. 'An extraordinary book ... part travel narrative, part family history, part scientific study.' - Financial Times Karin Bojs grew up in a small, broken family. At her mother's funeral she felt this more keenly than ever. As a science journalist she was eager to learn more about herself, her family and the interconnectedness of society. After all, we're all related. And in a sense, we are all family.

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:10:21 „Karin Beuys hatte 2015 einen riesen Bestseller, Meine europäische Familie, die letzten 54.000 Jahre geschrieben. Darin nahm sie ihre eigene Abstammung zur Hilfe, um von der Frühgeschichte Europas zu erzählen.“

Maja Beckers stellt die Autorin Karin Beuys vor und nennt deren früheres Erfolgsbuch als Vorgänger des besprochenen Werks 'Mütter Europas'. Das Buch wurde in 16 Sprachen übersetzt und gehörte zu den ersten, die über DNA-Forschung und Menschheitsgeschichte berichteten.

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Svenskarna och deras fäder: de senaste 11 000 åren

Svenskarna och deras fäder: de senaste 11 000 åren

Karin Beuys · 2023

Erforscht die genetische Geschichte der schwedischen Väter-Linie über 11.000 Jahre hinweg. Eines der ersten Werke, das DNA-Forschung nutzt, um unser Verständnis der Menschheitsgeschichte durch Familienabstammungslinien neu zu schreiben.

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:10:47 „2016 kam dann Svenskarna Ogderas Fäder, also die Schweden und ihre Väter, die letzten 11.000 Jahre. Und beide Bücher gehörten zu den ersten, die davon berichteten, wie DNA-Forschung unser Wissen über die Menschheitsgeschichte verändert.“

Beckers erwähnt Beuys' zweites Buch über die schwedische Väter-Linie als Vorläufer von Mütter Europas. Bei Lesungen zu diesem Buch fragten Leser immer wieder nach den Müttern, was den Anstoß für das neue Buch gab.

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Marseille 1940 – Die große Flucht der Literatur

Marseille 1940 – Die große Flucht der Literatur

Uwe Wittstock · 2024

Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Uwe Wittstock erzählt die aufwühlende Geschichte ihrer Flucht unter tödlichen Gefahren.

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:21:58 „Tja, unser nächstes Buch, Uwe Wittstock, Marseille 1940, die große Flucht der Literatur. Uwe Wittstock, der ist eigentlich Journalist und Literaturkritiker und hat lange, vier Jahre für die FAZ, für die Welt und Fokus gearbeitet und hat vor zwei Jahren einen Bestseller geschrieben, der hieß Februar 1933.“

Das zweite Hauptbuch der Episode. Wittstock erzählt chronologisch und in Montagetechnik das Drama der deutschen Emigranten, die 1940 nach dem Fall Frankreichs aus Marseille fliehen mussten. Im Zentrum steht der amerikanische Journalist Varian Fry, der über 2000 Menschen zur Flucht verhalf. Beide Hosts loben das atemlose Erzähltempo und die packende Darstellung des bürokratischen Fluchtdramas.

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Februar 1933

Februar 1933

Uwe Wittstock · 1988

Février 33, un livre d’histoire pas comme les autres, revient sur les événements qui se sont déroulés pendant le mois de février 1933 en Allemagne. Hitler a été nommé à la chancellerie le 30 janvier, et les jours qui suivent vont décider du destin de l’Allemagne et de l’Europe tout entière. Nous savons aujourd’hui de quelle manière ces quelques jours ont changé la face du monde, mais Uwe Wittstock a choisi de les évoquer en se plaçant à la hauteur des personnes qui les ont vécus dans l’ignorance...

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:21:58 „Uwe Wittstock, der ist eigentlich Journalist und Literaturkritiker und hat lange, vier Jahre für die FAZ, für die Welt und Fokus gearbeitet und hat vor zwei Jahren einen Bestseller geschrieben, der hieß Februar 1933.“

Cammann stellt Wittstocks vorheriges Buch als Bestseller vor, das die Lage der Literatur nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten beschrieb. Es dient als Kontext und zeigt, dass Wittstock sich thematisch bereits mit der Bedrohung von Literaten durch die Nazis befasst hat.

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Marseille 1940

Marseille 1940

Uwe Wittstock

Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Uwe Wittstock erzählt die aufwühlende Geschichte ihrer Flucht unter tödlichen Gefahren.

🗣 Alexander Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:27:58 „Wittstock schafft es auch diese Personen natürlich enorm zu zeigen. Also Varian Frey wird eben geschildert in seiner Aktivität. Dann gibt es tolle Figuren wie der in Albert O. Hirschmann, der später einer der ganz großen Soziologen werden wird in Amerika.“

Cammann bespricht ausführlich Wittstocks Buch über die Rettungsaktionen von Varian Fry im besetzten Frankreich 1940. Er lobt das breite Panorama bekannter Persönlichkeiten – von Hannah Arendt über Alma Mahler-Werfel bis Heinrich Mann – deren Fluchtgeschichten spannend wie ein Thriller miteinander verschränkt erzählt werden. Das Buch verbindet biografische Tiefe mit historischer Aufklärung über die restriktive US-Einwanderungspolitik jener Zeit.

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Betrunkenes Betragen (Drunken Comportment)

Betrunkenes Betragen (Drunken Comportment)

Craig McAndrew, Robert B. Edgerton

Ethnologische Studie zweier amerikanischer Forscher, die weltweit untersuchten, ob Alkohol psychische Hemmungen abbaut. Das zentrale Ergebnis: Betrunkenes Verhalten ist nicht biologisch durch Alkohol ausgelöst, sondern kulturell bedingt. Die Klassiker-Studie von 1969 erscheint hier erstmals in deutscher Übersetzung.

🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:33:15 „Betrunkenes Betragen heißt der und ist eine Studie aus den 60er Jahren. Der Psychiater und Schriftsteller und Übersetzer Jakob Hein hat sich diese alte Studie jetzt genommen und übersetzt. Damit erscheint sie zum ersten Mal auf Deutsch.“

Beckers stellt die ethnologische Studie von 1969 als den ‚Klassiker' der Folge vor. Zwei amerikanische Ethnologen untersuchten weltweit, ob Alkohol tatsächlich psychische Hemmungen abbaut – und konnten es nicht nachweisen. Jakob Hein hat die Studie nun erstmals ins Deutsche übersetzt und aktualisiert kommentiert, weil ihre Kernthese – betrunkenes Verhalten ist kulturell, nicht biologisch bedingt – bis heute gilt.

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Rabelais und seine Welt

Rabelais und seine Welt

Michail Bachtin

Bachtins kulturanthropologische Studie untersucht die Rolle des Karnevals in Rabelais' Werk als archaisches Exzess-Kontinuum, das gesellschaftliche Normen und Hierarchien aufzulösen vermag. Die Analyse dient als kultureller Kontrastpunkt zu modernen Konzepten sozialer Regulation und Verhaltenskontrolle.

🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:40:10 „Ich hatte immer im Kopf gewiesen, den berühmten russischen Kulturanthropologen Mikhail Bakhtin und mit seinen Studien über Karneval. Da wird immer der Karneval als großes archaisches Exzess-Kontinuum gezeigt.“

Im Kontext der Diskussion über kulturell bedingtes Trinkverhalten zieht Cammann Bachtins berühmte Karnevalstheorie als Kontrastfolie heran. Während Bachtin Karneval als archaisches Exzess-Kontinuum beschreibt, zeige die Studie von McAndrew und Edgerton Alkohol eher als gesellschaftliches Regulatorium mit kommunikativ-gemeinschaftlicher Funktion.

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