Was ist nur mit den Ossis los
Maja Beckers, Alexander Cammann
Eine Sonderfolge, die sich ganz Ostdeutschland widmet: Vier Bücher kreisen um die Frage, warum der Osten anders tickt – von Steffen Maus soziologischer Analyse über Jessie Wellmers Entfremdungsdiagnose bis zum trinkfreudigen Balkon-Gespräch dreier ostdeutscher Frauen, die das Klischee der Ostfrau zerlegen. Anlass sind die drei anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen, die nach der Europawahl vielen Sorge bereiten.
„Woran ich wirklich kein Interesse und was ich drei Jahrzehnte erfolgreich vermieden habe, ist, eine Westfrau zu werden.“
Erwähnte Medien (10)
Die neue Entfremdung. Warum Ost- und Westdeutschland auseinanderdriften und was wir dagegen tun können
Jessie Wellmer · 2024
Vor mehr als 30 Jahren wurde Deutschland wiedervereinigt, doch seit dem Ukrainekrieg erlebt das Land beim Zusammenwachsen einen deutlichen Rückschritt. TV-Moderatorin Jessy Wellmer, die sich in Ost wie West zu Hause fühlt, spürt dem tiefen Riss nach – und macht sich auf die Suche nach einem Weg, wie die deutsche Vereinigung doch noch glücken könnte. Jessy Wellmer ist 1979 in Güstrow in Mecklenburg geboren. Sie war neun Jahre alt, als die Mauer fiel.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:02:12 „So, dann sprechen wir über Jessie Wellmer. Die hat das Buch geschrieben, Die neue Entfremdung. Warum Ost- und Westdeutschland auseinanderdriften und was wir dagegen tun können. Erschienen bei Gibmeuer & Witsch.“
Das Buch wird in der Übersicht der vier Bücher der Folge angekündigt, aber in diesem Transkript-Abschnitt noch nicht ausführlich besprochen. Es geht um das Auseinanderdriften von Ost- und Westdeutschland.
Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land
Wolfgang Engler · 2019
Endlich wieder lieferbar – das Standardwerk zur Mentalitätsgeschichte der Ostdeutschen. Lebendig und präzise schildert Wolfgang Engler, wie die ostdeutsche Gesellschaft in vierzig Jahren DDR das, was von oben in sie eingepflanzt wurde, verarbeitete und umdeutete. Er ergründet, wie die Menschen ihre Würde im Umgang mit der Macht verteidigten und was sie unter Reichtum, Glück und Freiheit verstanden. „Englers Kunde von einem verlorenen Land ist lesenswert.“ Deutsche Welle.
🗣 Alexander Cammann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:18 „Und unser Klassiker stammt diesmal von Wolfgang Engler und heißt Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land im Aufbau Verlag. 1999 erschienen.“
Der 'Klassiker' der Folge, den die Hosts am Ende besprechen wollen. Das 1999 erschienene Buch wird als zeitlos relevanter Text angekündigt, in den es sich aus aktuellen Gründen lohnt, nochmal reinzuschauen.
Ungleich vereint – Warum der Osten anders bleibt
Steffen Mau · 2024
Eine soziologische Analyse, die untersucht, warum Deutschland 34 Jahre nach der Wiedervereinigung strukturell unterschiedlich geblieben ist. Das Buch ergründet die bleibenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in Identität, Transformationserfahrungen und politischer Entwicklung.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:02:30 „Da wäre zum einen von Steffen Mau das Buch »Ungleich vereint – Warum der Osten anders bleibt«. Erschienen bei Surkamp.“
Eines der vier besprochenen Bücher der Episode. Der Soziologe argumentiert, dass sich der Osten nicht angleichen wird und die Ostidentität bestehen bleibt.
Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat
Annett Gröschner, Peggy Mädler, Wenke Seemann · 2024
Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause - mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist. Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte.
🗣 Maja Beckers empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:41 „Und jetzt starten wir mit unserem ersten Satz. Der kommt diesmal aus dem Buch wahrscheinlich mit dem schönsten Titel heute. Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat. Geschrieben haben es Annett Gröschner, Schriftstellerin und Journalistin, Peggy Mähdler, Autorin und Dramaturgin und Wenke Seemann, Künstlerin und Sozialwissenschaftlerin.“
Das erste ausführlich besprochene Buch der Folge. Es ist ein Gesprächsbuch, in dem drei ostdeutsche Frauen verschiedener Generationen sich auf einem Berliner Balkon treffen, trinken und über Ostidentität, Klischees, Emanzipation und Gesellschaftsutopien sprechen. Maja Beckers und Alexander Cammann diskutieren ausführlich die Klischees über Ost- und Westfrauen, die im Buch verhandelt werden, und loben das originelle, launige Gesprächsformat mit Fußnoten und Fotos.
Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft
Steffen Mau
Studie von Steffen Mau zur tatsächlichen gesellschaftlichen Spaltung in Deutschland. Zentrale Erkenntnis: Die Gesellschaft ist weniger gespalten als angenommen. Große Mehrheit befürwortet menschenfreundliche Migrationspolitik, lehnt Gendern ab. Zeigt Kluft zwischen medialer Wahrnehmung und tatsächlicher Bevölkerungsstimmung.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:11:54 „Er hat letztes Jahr, was viel Aufmerksamkeit bekommen hat, zusammen mit Kollegen die Studie Triggerpunkte, Konsens und Konflikt in der Gesellschaft veröffentlicht, wo er der Frage nachging, wie gespalten sind wir eigentlich als Gesellschaft? Und seine Antwort war, nicht so sehr.“
Maja Beckers erwähnt die vielbeachtete Studie von Steffen Mau als Hintergrund zu seinem neuen Buch. Die Kernthese war, dass die deutsche Gesellschaft weniger gespalten ist als angenommen – es gibt breiten Konsens bei großen Themen, aber einzelne Triggerpunkte wie gendersensible Sprache lösen heftige Reaktionen aus.
Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft
Steffen Mau · 2019
Steffen Mau wächst in den siebziger Jahren im Rostocker Neubauviertel Lütten Klein auf. 1989 dient er bei der NVA, nach der Wende studiert er, wird schließlich Professor. 30 Jahre nach dem Mauerfall zieht Mau eine persönliche und sozialwissenschaftliche Bilanz. Er nimmt die gesellschaftlichen Brüche in den Blick, an denen sich Verbitterung und Unmut entzünden. Er spricht mit Weggezogenen und Dagebliebenen, schaut zurück auf das Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:12:42 „Vorher hat er aber, also Steffen Mau ist selbst im Osten geboren, 1968 in Rostock und zwar im damals Neubauviertel Lüttenklein. Und darüber hat er 2019 schon ein Buch geschrieben, das hieß auch Lüttenklein, über die Schattenseiten der Wiedervereinigung, wie sie sich da zeigen in dem Viertel und wie sie das Leben bis heute prägen.“
Maja Beckers ordnet Steffen Maus neues Buch in sein bisheriges Schaffen ein. 'Lütten Klein' von 2019 behandelte bereits die Schattenseiten der Wiedervereinigung anhand seines Heimatviertels in Rostock und machte ihn zu einem der gefragtesten Soziologen zum Thema Ostdeutschland.
Triggerpunkte – Konsens und Konflikt in der Gesellschaft
Steffen Mau
Empirische Gesellschaftsstudie von Steffen Mau und Kollegen zur Verteilung von Konsens und Konflikt in Deutschland. Die Forschung identifiziert überraschend hohe Zustimmung zu zentralen gesellschaftlichen Themen, zeigt aber auch, dass einzelne polarisierende Triggerpunkte die öffentliche Debatte dominieren und Konflikte verstärken.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:13:51 „Er hat letztes Jahr, was viel Aufmerksamkeit bekommen hat, zusammen mit Kollegen die Studie Triggerpunkte, Konsens und Konflikt in der Gesellschaft veröffentlicht“
Steffen Maus vielbeachtete Studie wird als Hintergrund zu seinem neuen Buch erwähnt. Die These: Bei großen Themen gibt es überraschend viel Konsens, nur einzelne Triggerpunkte polarisieren.
Lüttenklein – Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft
Steffen Mau · 2019
30 Jahre nach 1989 zieht Mau mit dem ebenso scharfen wie empathischen Blick eines Lütten Kleiner Soziologen Bilanz. Er spricht mit Weggezogenen und Dagebliebenen, er schaut zurück auf das Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt. Wie veränderte sich die Sozialstruktur, wie die Mentalitäten? Was sind die Ursachen für Unzufriedenheit und politische Entfremdung in den neuen Ländern? Wie wurde aus der Stadt, in der er gemeinsam mit Kindern aller Schichten seine Jugend verbrachte, ein Ort soziale...
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:13:51 „Vorher hat er aber, also Steffen Mau ist selbst im Osten geboren, 1968 in Rostock und zwar im damals Neubauviertel Lüttenklein. Und darüber hat er 2019 schon ein Buch geschrieben, das hieß auch Lüttenklein, über die Schattenseiten der Wiedervereinigung“
Maus früheres Buch über sein Heimatviertel in Rostock wird als Vorläufer seines neuen Werks erwähnt. Es behandelt die Schattenseiten der Wiedervereinigung.
Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
Dirk Oschmann · 2023
»Der Osten hat keine Zukunft, solange er nur als Herkunft begriffen wird.« Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut zugeschrieben werden? Dirk Oschmann zeigt in seinem augenöffnenden Buch, dass der Westen sich über dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch immer als Norm definiert und d...
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:13:51 „Dirk Oschmanns Buch Der Osten, eine westdeutsche Erfindung, das spürt man, da wollte er ein bisschen was anders setzen, anders fokussieren“
Oschmanns Überraschungsbestseller wird als wichtiger Bezugspunkt genannt, auf den sowohl Mau als auch Wellmer in ihren Büchern reagieren.
Nie wieder blicken (Jessie Wellmers Buch)
Jessie Wellmer · 2021
Investoren oder Mitglieder − wer hat im Fußball das Sagen? Beim VfB Stuttgart, aber nicht nur dort, ist das derzeit eine brisante Frage. Der populäre Vorstandschef Thomas Hitzlsperger steht gegen den bei vielen Fans beliebten Präsidenten Claus Vogt. Im Hintergrund wabert ein Skandal um illegal aus dem Verein abgeflossene Mitgliederdaten, die Interessen der Daimler AG, Verflechtungen mit luxemburgischen Investoren, umstrittene Anwaltskanzleien als Aufklärer u.v.m.
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:55:59 „Es gibt einen Punkt, den Jessie Wellmer anspricht, dass sie sich ja so fragt, wie kann es sein, dass so viele Leute im Osten sich Russland noch so verbunden fühlen, obwohl doch... Ja, man könnte auch sagen, obwohl die uns die Diktatur aufgezwungen haben, obwohl die das Land ausgebeutet haben und so.“
Maja Beckers schlägt eine Brücke zwischen Englers Buch und Jessie Wellmers Buch, das offenbar in einem früheren Teil der Sendung besprochen wurde. Wellmer thematisiert die Frage, warum sich viele Ostdeutsche Russland noch verbunden fühlen. Bei Engler findet Beckers eine dialektische Erklärung dafür: Das Schuldabhängigkeitsverhältnis gegenüber den Sowjets sei gerade durch die Ausbeutung reproduziert worden.