Lanz & Precht – Generationenkonflikte
#104

Generationenkonflikte

Lanz & Precht / 01. September 2023 / 11 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die beiden blicken auf eine sommerliche Medienkontroverse zurück: Ein gemeinsamer Auftritt beim Handwerkskongress in München wurde zum viralen Aufreger, weil Boulevardmedien und Social Media ihnen vorwarfen, über junge Menschen zu lästern. Dabei ging es eigentlich um die handfeste Sorge des Handwerks, kaum noch Nachwuchs zu finden — und um die Frage, ob sich die Ansprüche an Arbeit über die Generationen hinweg grundlegend verändert haben. Besonders der Begriff Hafermilchtruppe schlug Wellen, obwohl er auf die gesamte Gesellschaft gemünzt war, nicht nur auf die Generation Z.

„Wir sind eine wirklich gefühlige Gesellschaft geworden, so eine Hafermilchtruppe.“
🗣 Markus Lanz

Erwähnte Medien (11)

Spiegel-Online-Artikel über Lanz & Precht

Spiegel-Online-Artikel über Lanz & Precht

Precht und Lanz kritisieren einen Spiegel-Artikel, der ihren Auftritt auf dem Handwerkskongress aus dem Kontext gerissen haben soll. Der Artikel unterstellte ihnen, über junge Leute zu lästern, obwohl Precht bemängelt, dass nicht das gesamte Gespräch berücksichtigt wurde und damit journalistische Standards verletzt wurden.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:39 „Der Tenor zum Beispiel im Berliner Kurier, auch Spiegel Online hat sich über lange Strecke mit uns beschäftigt und so weiter. Und der Tenor war 'Precht und Lanz lästern über junge Leute'.“

Lanz und Precht kritisieren einen langen Artikel auf Spiegel Online, der ihren Auftritt auf dem Handwerkskongress aus dem Zusammenhang gerissen und ihnen vorgeworfen habe, über junge Leute zu lästern. Precht bemängelt, dass der Artikel nicht einmal grundlegende journalistische Standards erfülle, weil offenbar nicht das gesamte Gespräch angehört worden sei.

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Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Richard David Precht · 2022

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Und warum eigentlich? Nichts, was die Arbeit anbelangt, ist heute mehr selbstverständlich. Das zweite Maschinenzeitalter selbstlernender Computer und Roboter revolutioniert unseren Arbeitsmarkt. Es definiert neu was »Arbeit« ist, und wozu wir eigentlich noch arbeiten. Schon seit einiger Zeit arbeiten wir in den westlichen Industrieländern nicht mehr, um unsere Existenz zu sichern. Wir arbeiten, um zur Erwerbsarbeitsgesellschaft dazuzugehören.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:07:13 „Ich habe ein 500 Seiten Buch geschrieben über die Arbeitsgesellschaft. Ein 500 Seiten Buch, in dem ich diesen Wandel von der klassischen Arbeitsgesellschaft zur Sinngesellschaft, wie ich sie nenne, erkläre.“

Precht verteidigt sich gegen den Vorwurf, er würde junge Menschen kritisieren, indem er auf sein umfangreiches Buch über den Wandel der Arbeitsgesellschaft verweist. Er betont, dass er den Wandel zur Sinngesellschaft dort ausführlich beschrieben und begrüßt habe – das Gegenteil dessen, was ihm in der Presse vorgeworfen wurde.

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Rede im neuseeländischen Parlament ('OK Boomer')

Rede im neuseeländischen Parlament ('OK Boomer')

Chloe Swarbrick · 2022

Im neuseeländischen Parlament antwortete die 25-jährige Politikerin Chloe Swarbrick 2019 einem älteren Abgeordneten mit zwei Worten: "OK Boomer". Dieser prägnante Moment wurde viral und markierte den Beginn des "Boomer-Bashings" als generationenübergreifendes politisches Phänomen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:09:49 „Es gibt eine junge neuseeländische Politikerin, Chloe Swarbrick heißt die. 25 Jahre alt war sie damals, 2019. Und hat eine Rede eines deutlich älteren Parlamentsabgeordneten zur Schnecke gemacht. Und sie hat ihn mit zwei Wörtern außer Gefecht gesetzt, und zwar rief es ihm zu, okay, Boomer.“

Lanz erzählt die Ursprungsgeschichte des Begriffs 'OK Boomer' als Schimpfwort. Die neuseeländische Politikerin Chloe Swarbrick setzte 2019 im Parlament einen älteren Abgeordneten mit diesen zwei Wörtern außer Gefecht. Lanz sieht dies als Beginn des 'Boomer-Bashings' und warnt davor, solche Fronten aufzubauen.

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Generation Golf

Generation Golf

Florian Illies

Generation Golf von Florian Illies ist ein Kulturessay, das die Generation der 1960er- und 1970er-Geborenen porträtiert. Das Buch charakterisiert diese Altersgruppe als politisch desinteressiert und eher von Alltäglichem, Grau und Konformismus geprägt als von idealistischen Idealen. Illies' Werk wurde zur Leitidee für die Beschreibung einer unpolitischen, konsumorientierten Generationsmentalität und gilt als wichtiges Zeitdokument der deutschen Kulturgeschichte.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:11:42 „Die Generation Golf und so weiter. Ich kenne das.“

Markus Lanz und Richard David Precht diskutieren darüber, wie Generationen zu Marketingkategorien gemacht werden. Lanz verweist auf 'Generation Golf' als Beispiel dafür, dass Generationenlabels aus dem Marketing stammen und keine soziologischen Kategorien sind.

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Die Kosmonauten

Die Kosmonauten

Richard David Precht · 2009

Richard David Prechts wunderbarer Liebesroman In einer Kölner Straßenbahn erobert Georg das Herz einer Unbekannten – Rosalie. Schon bald zieht es die beiden jungen Liebenden aus dem Westen nach Berlin, wo nach Wende und Wiedervereinigung für einen kurzen Moment alles möglich scheint. Während weit oben im All ein letzter sowjetischer Kosmonaut in der letzten sowjetischen Raumkapsel seine Bahnen zieht, erkunden Georg und Rosalie die Stadt wie einen fremden Planeten und lassen sich treiben.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:12:16 „Ich fremdele mit dem Begriff Generation allgemein. Ich habe mal in meinem Roman »Die Kosmonauten« mich über den Begriff der Generation lustig gemacht.“

Precht erwähnt seinen eigenen Roman im Kontext der Diskussion über Generationenbegriffe. Er nutzt das Werk als Beleg dafür, dass er sich schon lange kritisch mit dem Konzept von Generationszugehörigkeit auseinandersetzt.

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Porträt über Christian Wulff

Porträt über Christian Wulff

Frank Schirrmacher

Der Bundespräsident spricht dem "Bild"-Chef erzürnt auf die Mailbox, der Anruf wird durch andere Medien bekannt. Der sonderbare Vorgang markiert das Ende einer Symbiose, die lange bestens funktioniert hat: "Bild" bekam die schönsten Geschichten von Wulff, Wulff die schönsten Geschichten von "Bild".

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:15:19 „Das erste Mal, als Frank Schumacher noch lebte, und schrieb er ein Porträt, ich meine über Christian Wulff. Und da ging es darum, dass die Generation der Leute, die jetzt auf die 50 zugehen, an den Schlüsselpositionen der Politik sitzen. Und dann stellt er die Frage, was haben die eigentlich bisher geleistet?“

Precht erinnert sich an einen Artikel von Frank Schirrmacher (im Transkript als 'Schumacher' verschrieben), der noch vor Wulffs Bundespräsidentschaft fragte, was die damals aufsteigende Politikergeneration eigentlich geleistet habe. Precht nennt den Text 'sehr klug' und nutzt ihn als frühes Beispiel für generationenkritische Selbstreflexion der Boomer.

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Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch

Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch

Francis Fukuyama · 2022

Ist Geschichte eine endlose Wiederholung von Aufstieg und Verfall? In seinem weltberühmten Grundlagenwerk legt Francis Fukuyama dar, warum für ihn die liberale Demokratie den Endpunkt der Geschichte bedeutet. Im Sommer 1989 elektrisierte ein Artikel eines bis dato unbekannten Politikwissenschaftlers in der Zeitschrift The National Interest die Welt. Er führte zu Kontroversen bis in die Leitartikel diverser Zeitungen.

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:22:07 „Oder wie Francis Fukuyama gesagt hat, am Ende der Geschichte. Jetzt kommt nichts grundlegend anderes mehr. Das heißt, die gleiche Generation, die noch in diesem Geist erzogen ist, man kann mit Politik die Dinge verändern, hat eigentlich das Hauptaugenmerk darauf gelenkt, die Dinge nicht zu verändern, sondern zu bewahren.“

Precht beschreibt, wie die Boomer-Generation nach dem Mauerfall das Gefühl hatte, in der besten aller Welten angekommen zu sein. Er zitiert Fukuyamas These vom 'Ende der Geschichte', um zu erklären, warum diese Generation den Status quo bewahren wollte, statt grundlegende Veränderungen anzustreben – bis die ökologische Krise diesem Denken einen Strich durch die Rechnung machte.

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Artikel über die Boomer-Generation

Artikel über die Boomer-Generation

Tilman Prüfer

Tilman Prüfers Artikel in der ZEIT verteidigt die Boomer-Generation gegen pauschale Kritik und würdigt ihren Einfluss auf Popkultur und Technologie. Prüfer argumentiert, dass Boomer die Grundlagen der modernen Welt schafften – von Queen über Steve Jobs bis Techno – und damit nachfolgenden Generationen Freiräume für persönliche Entfaltung ermöglichten.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:23:43 „Tilman Prüfer von der Zeit bricht in einem total guten Stück eine Lanze für euch Boomer, Richard. Beste Generation aller Zeiten und sagt, ich liebe die Boomer, ich bin ihnen dankbar. Alles, was ich im Leben erfahren habe, jede Phase meiner Identitätssuche, meine sogenannte wilde Jugend, all das konnte ich durchleben, weil Boomer es mir vorgemacht hatten.“

Lanz zitiert ausführlich aus einem Artikel des Zeit-Journalisten Tilman Prüfer, der eine leidenschaftliche Verteidigung der Boomer-Generation geschrieben hat. Der Artikel argumentiert, dass die Boomer praktisch alles geschaffen haben, was die heutige Popkultur und Technologie ausmacht – von Queen über Steve Jobs bis Techno.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Die Kunst, kein Egoist zu sein

Die Kunst, kein Egoist zu sein

Richard David Precht · 2010

Warum wir uns so schwer tun, gut zu sein Ist der Mensch gut oder schlecht? Ist er in der Tiefe seines Herzens ein Egoist oder hilfsbereit? Und wie kommt es eigentlich, dass sich fast alle Menschen mehr oder weniger für die »Guten« halten und es trotzdem so viel Unheil in der Welt gibt? Das Buch stellt keine Forderung auf, wie der Mensch zu sein hat.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:25:01 „Das habe ich schon mal geschrieben in die Kunst kein Egoist zu sein. Da habe ich mein Kapitel zu dem Thema geschrieben.“

Precht erklärt seinen Begriff des 'kategorischen Komparativs' – dass Neid vor allem ein Mittelschichtsproblem ist. Auf Lanz' bewundernde Nachfrage, wie ihm so etwas einfalle, verweist Precht auf sein Buch, in dem er bereits ein ganzes Kapitel über Neid und Statusvergleiche geschrieben hat.

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Interview / Gastbeitrag Roman Herzog in der Süddeutschen Zeitung (2010)

Interview / Gastbeitrag Roman Herzog in der Süddeutschen Zeitung (2010)

Roman Herzog

Roman Herzog analysiert für die Süddeutsche Zeitung, wie der Einzug einer fünften Partei in Bundestag und Länderparlamente das deutsche Regierungssystem fundamental verändert hat. Während die Grundgesetz-Vorschriften unverändert blieben, sorgten bis 1980 das Zweieinhalb-Parteien-System (CDU/CSU, SPD, FDP) und das Wahlverhalten der Deutschen für Stabilität und sichere absolute Mehrheiten. Wähler wählten faktisch die Kanzler, nicht nur Abgeordnete, und Regierungswechsel während der Legislaturperiode galten als illegitim. Mit zunehmender Fraktionalisierung schwinden diese informellen Stabilisierungsmechanismen der Volksparteien, weshalb Herzog eine Verfassungsänderung fordert.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:28:42 „Roman Herzog, 2010 in der Süddeutschen Zeitung, zitiere mal: Ich fürchte, wir sehen die Vorboten einer Rentnerdemokratie. Die Älteren werden immer mehr. Alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Und das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern.“

Markus Lanz zitiert den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog aus einem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung von 2010, um seine These zu untermauern, dass die Interessen junger Menschen in der Politik systematisch vernachlässigt werden. Das Zitat dient als Ausgangspunkt für eine längere Diskussion über die demografische Schieflage und die Rentenproblematik.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
After Europe

After Europe

Ivan Krastev · 2017

In this provocative book, renowned public intellectual Ivan Krastev reflects on the future of the European Union—and its potential lack of a future. With far-right nationalist parties on the rise across the continent and the United Kingdom planning for Brexit, the European Union is in disarray and plagued by doubts as never before.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:49:33 „Da hat Ivan Krastev sich viele Gedanken darüber gemacht. Das finde ich total interessant.“

Lanz spricht über die demografischen Folgen in Zentral- und Osteuropa: Abwanderung junger Menschen, ethnische Homogenisierung, und die Frage, ob Demokratie funktioniert, wenn 20 Prozent der Arbeitenden nicht wahlberechtigt sind. Diese Themen decken sich mit Krastevs Buch 'After Europe' (2017), in dem er genau diese Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Demokratie in Osteuropa analysiert.

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