Zwischen Gruenen und AfD - Wohin steuert der Konservativismus
Markus Lanz, Richard David Precht
Die Episode kreist um die Frage, was Konservativismus heute noch bedeutet — ausgelöst durch Friedrich Merz' Bruch seines Ehrenworts, niemals mit der AfD zu stimmen. Dabei wird ein beunruhigendes Muster sichtbar: Die AfD zielt längst nicht mehr auf die Grünen, sondern auf die Zerstörung der CDU selbst — genau wie in Italien, Österreich und den USA konservative Parteien von rechtsautoritären Kräften verdrängt wurden. Robert Habeck wiederum versucht, die entstandene Merkel-Lücke für sich zu nutzen, indem er konservativ als anständig und verlässlich umdeutet.
„Da rutscht sozusagen etwas, was mal konservativ, bürgerlich war, rutscht plötzlich ab in etwas Rechtsautoritäres und geht einfach unter, einfach verschwunden, einfach weg.“
Erwähnte Medien (19)
Kommentar von Mariam Lau zur Merz-Debatte
Mariam Lau
Mariam Lau, Journalistin und Autorin der Zeit, setzt sich kritisch mit Friedrich Merz und dessen Umgang mit der AfD auseinander. Sie argumentiert, dass Merz mit einem politischen Manöver sein Ehrenwort als Konservativer geopfert habe und damit die moralische Integrität der konservativen Bewegung beschädigt. Der Artikel behandelt die Frage, wie ein solches Vorgehen letztlich nur Demokraten schadet, während Extremisten gestärkt werden.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:26 „Und ich habe dieser Tage einen Kommentar gelesen von Mariam Lau, sehr geschätzte Kollegin von der Zeit, die einen Satz geschrieben hat, den ich echt gut finde und von dem aus ich heute mal gerne mit dir reden würde. Sie schreibt, in jener Woche hat Friedrich Merz die kostbarste Ressource, die ein Konservativer hat, nämlich sein Ehrenwort, für ein Manöver geopfert, das am Ende nur Verlierer unter Demokraten produziert und triumphierende Extremisten.“
Markus Lanz eröffnet das Gespräch mit einem Kommentar von Mariam Lau aus der Zeit, der die Merz-Debatte um die Zusammenarbeit mit der AfD einordnet. Lau argumentiert, dass Merz sein Ehrenwort geopfert habe und mit dem Tod Wolfgang Schäubles seinen letzten verlässlichen Anker verloren habe. Lanz nutzt den Kommentar als Ausgangspunkt für die gesamte Diskussion über die Krise des Konservatismus.
Rede zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1985)
Richard von Weizsäcker
Bundespräsident Richard von Weizsäckers Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes definierte den 8. Mai 1985 als "Tag der Befreiung" statt Niederlage – eine wegweisende Umdeutung für die deutsche Erinnerungskultur. Die Rede löste heftige Debatten aus und wird bis heute als zentral für das deutsche Geschichtsverständnis der Nachkriegszeit diskutiert.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:23 „Ich erinnere nochmal an Leute wie Alfred Dregger, die also sich unter anderem mit Veteranen der SS getroffen haben, die gesagt haben, der Zweite Weltkrieg war für mich nicht der Tag der Befreiung, wie Richard von Weizsäcker, der Bundespräsident, damals gesagt hat, sondern das war eine Niederlage.“
Precht beschreibt die historische Bandbreite der CDU und wie das Rechtsautoritäre früher Teil des Markenkerns der Union war. Er kontrastiert die Position von Alfred Dregger, der den Kriegsausgang als Niederlage empfand, mit der berühmten Rede von Bundespräsident Weizsäcker, der den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung bezeichnete.
Die geistig-moralische Wende
Thomas Biebricher · 2018
Nach 13 Jahren Großer Koalition wird klar, dass sich neben der Sozialdemokratie auch der Konservatismus und seine traditionelle politische Heimat, die CDU, in einer tiefen Identitätskrise befinden. Das zeigen nicht zuletzt das Aufkommen der AfD und ministeriale Revolutionsaufrufe gegen die vermeintliche liberale Kulturhegemonie.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:07:14 „Thomas Biebricher, ich weiß nicht, sagt dir wahrscheinlich was, Professor von der Goethe-Uni in Frankfurt-Main. Der hat mehrfach Bücher über genau das veröffentlicht und beschreibt schon 2018, das ist wirklich interessant, die geistig-moralische Wende, so heißt das Buch. Die Erschöpfung des deutschen Konservatismus.“
Lanz zieht den Frankfurter Politikwissenschaftler Thomas Biebricher heran, um die These zu untermauern, dass der deutsche Konservatismus bereits seit Jahren in einer tiefen Krise steckt. Das Buch von 2018 diagnostiziert eine Erschöpfung des konservativen Projekts in Deutschland — lange bevor die aktuelle Merz-AfD-Debatte eskalierte.
Mitte/Rechts. Die internationale Krise des Konservativismus
Thomas Biebricher · 2023
Das Buch analysiert die internationale Krise des modernen Konservativismus. Es widerlegt empirisch die Strategie, rechtsautoritäre Parteien durch Kooperation zu neutralisieren — es gibt keinen historischen Fall, in dem dies erfolgreich war.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:07:25 „Und dann später nochmal 2023 gibt es ein Buch von ihm Mitte rechts, wo er wieder über die internationale Krise des Konservatismus schreibt und sagt, es gibt diese komische weit verbreitete Vorstellung und das hört man auch hierzulande immer mal wieder. Man könne sozusagen das Rechtsautoritäre durch Zusammenarbeit entzaubern.“
Lanz verweist auf Biebrichers zweites Buch von 2023, das die internationale Krise des Konservatismus analysiert. Die zentrale These: Die Vorstellung, man könne rechtsautoritäre Parteien durch Kooperation entzaubern, sei empirisch komplett falsch — es gebe keinen einzigen Fall, in dem das funktioniert habe. Lanz nutzt das als Argument gegen die Merz-Strategie.
Die Gesellschaft der Singularitäten
Andreas Reckwitz
Andreas Reckwitz untersucht in diesem Werk, wie die Digitalisierung traditionelle Rollen aufgelöst hat: Durch Smartphones und Internetplattformen kann heute jeder zum Kulturproduzenten werden, nicht nur passiv konsumieren. Diese Demokratisierung führt zu einer beispiellosen Überproduktion digitaler Inhalte und stellt zentrale Fragen zur kulturellen Wertbildung in der Spätmoderne. Das Buch bietet einen kritischen, soziologischen Blick auf die Konsequenzen dieser technologischen Verschiebung für Gesellschaft und Kultur.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:18:42 „Die Menschen sind heute anders, die Menschen sind heute individueller oder wie Reckwitz sagt, singulärer, jeder ist darauf bedacht etwas Besonderes zu sein, muss er auch sein, er muss seine besondere Performance in dieser Welt leisten.“
Precht greift auf Andreas Reckwitz' Konzept der Singularisierung zurück, um die gesellschaftliche Unruhe zu erklären. Die These: In einer Gesellschaft, in der jeder etwas Besonderes sein muss, entsteht ein massives Anerkennungsdefizit bei denen, die trotz aller Bemühungen nicht genug Aufmerksamkeit bekommen — was Frustration und politische Radikalisierung befeuert.
Tony Blair Interview in der Zeit
Tony Blair
Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair diskutiert in einem ZEIT-Interview sein neues Buch über erfolgreiches Regieren. Er warnt vor einer neuen politischen Ära und plädiert dafür, dass westliche Politiker proaktiv disruptive Veränderungen einleiten, um nicht selbst von ihnen überrollt zu werden. Blair betont dabei die Bedeutung von Technologiethemen wie künstlicher Intelligenz für die politische Gestaltung der Zukunft.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:12 „hörst du Tony Blair dieser Tage erzählen. In der Zeit, der sagt, was ich im Moment jedem Politiker sage, ist, besonders denen im Westen, Achtung, wir befinden uns in einer neuen politischen Ära“
Lanz zitiert ein aktuelles Interview Tony Blairs in der Zeit über die Notwendigkeit politischer Disruption
Nexus
Yuval Noah Harari
From the author of Sapiens comes the groundbreaking story of how information networks have made, and unmade, our world. For the last 100,000 years, we Sapiens have accumulated enormous power. But despite all our discoveries, inventions, and conquests, we now find ourselves in an existential crisis. The world is on the verge of ecological collapse. Misinformation abounds. And we are rushing headlong into the age of AI—a new information network that threatens to annihilate us.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:40 „Ich würde gerne noch einmal mit dir darüber reden, ob Harari, der gerade ein neues Buch rausgebracht hat, da geht es auch um dieses Thema. Ich weiß nicht, ob du das gesehen hast. Da gibt es ein Kapitel, der Selbstmord der Konservativen.“
Lanz kündigt Hararis neues Buch an, das ein Kapitel über den 'Selbstmord der Konservativen' enthält. Er zitiert daraus ausführlich Hararis These, dass Konservativismus eigentlich immer eine Frage des Tempos war, nicht der Ideologie — und dass konservative Parteien weltweit von Nicht-Konservativen gekapert und radikalisiert werden.
Die Schlafwandler
Christopher Clark · 2013
Das Standardwerk zum Ersten Weltkrieg Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass das deutsche Kaiserreich wegen seiner Großmachtträume die Hauptverantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkriegs trug. In seinem bahnbrechenden Werk kommt der renommierte Historiker und Bestsellerautor (Preußen) zu einer anderen Einschätzung. Christopher Clark beschreibt minutiös die Interessen und Motivationen der wichtigsten politischen Akteure in den europäischen Metropolen.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:54 „Und ich weiß, wir hatten Christopher Clarke vor ein paar Jahren schon in der Sendung, ein australischer Historiker, der dieses berühmte Schlafwandlerbuch geschrieben hat. Also die These, wie sozusagen ganz Europa schlafwandlerisch in den Ersten Weltkrieg reingestolpert ist, ohne wirklich zu kapieren, was man da eigentlich tut.“
Lanz verweist auf Christopher Clarks berühmtes Buch über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Parallele zur aktuellen politischen Lage. Die Schlafwandler-Metapher dient ihm als Bild dafür, wie politische Akteure in eine Krise hineinstolpern, ohne die Tragweite ihres Handelns zu begreifen.
Interview mit Tony Blair in der Zeit
Tony Blair
Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair warnt westliche Politiker vor dem Stillstand: In einer neuen politischen Ära müssen sie selbst zu Disruptoren werden und die Verhältnisse verändern, sonst werden sie von ihnen umgestürzt. Im Interview mit der ZEIT stellt Blair sein Buch über Regierungsführung vor und argumentiert, dass Politiker künstliche Intelligenz und Innovationen nutzen müssen, um relevant und gestaltungsfähig zu bleiben.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:23:18 „Und dann hörst du Tony Blair dieser Tage erzählen. In der Zeit, der sagt, was ich im Moment jedem Politiker sage, ist, besonders denen im Westen, Achtung, wir befinden uns in einer neuen politischen Ära und das bedeutet, entweder bist du Disruptor, also du stürzt die Verhältnisse um oder die Verhältnisse werden dich umstürzen.“
Lanz zitiert ein aktuelles Interview von Tony Blair in der Zeit, in dem der Ex-Premierminister westliche Politiker warnt: Wer in der neuen politischen Ära nicht selbst zum Disruptor wird, wird von den Verhältnissen umgestürzt. Lanz nutzt das Zitat, um die Dringlichkeit der konservativen Krise zu unterstreichen.
Politeia (Der Staat)
Platon · 2019
Platon Politeia - Der Staat Platon's Politeia - Der Staat als Studienausgabe Da gibt es, sagte ich, noch ein Drittes: die Möglichkeit, daß ihr uns fortlassen müßt.Vermögt ihr, fragte er, auch Leute zu überzeugen, die nicht hören? Das nicht, versetzte Glaukon. So richtet euch darauf ein, daß wir nicht hören werden, erwiderte er. Und Adeimantos sagte: Am Ende wißt ihr nicht einmal, daß auf den Abend ein Fackelrennen zu Roß der Göttin zu Ehren stattfinden wird? Zu Roß? sagte ich; das ist neu.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:28:48 „die Kernthese ist, Tyrannei, Autoritäres, kommt fast zwangsläufig aus einer sich immer weiter entwickelnden Demokratie. Weil sozusagen Demokratie irgendwann eine völlig übertriebene Freiheit ist, die fast zwangsläufig in strenge, wilde Knechtschaft führt. Und das Interessante ist, Richard, das schreibt nicht er, das geht direkt zurück zu Platon.“
Platons Demokratiekritik aus der Politeia wird als zentrales philosophisches Fundament für Benders AfD-Analyse herangezogen
Was will die AfD?
Justus Bender · 2017
Wie sähe Deutschland aus, wenn die AfD an der Macht wäre? Aktueller denn je: Ein erschreckend weitsichtiges Buch über die zunehmende Radikalisierung der AfD und die Bedrohung für unsere Demokratie »Hammer! 2017 schreibt Justus Bender, dass 2021 Olaf Scholz Kanzler ist – nicht genau dieses Bündnis, aber fast ganz genau.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:28:49 „Und das ist genau dieser noch größere Kontext, Richard, über den ich mit dir sprechen wollte und der mich letzte Nacht wirklich wach gehalten hat, bis vier Uhr morgens gelesen, in mal wieder dem Buch von Justus Bender, über das wir letzte Woche schon gesprochen haben. Was will die AfD?“
Das Buch von Justus Bender ist das zentrale Werk dieser Episode. Lanz hat es bis vier Uhr morgens gelesen und diskutiert ausführlich die Kernthese: Tyrannei und autoritäre Tendenzen entstehen fast zwangsläufig aus einer sich immer weiter entwickelnden Demokratie. Bender stützt sich dabei auf Platon und untersucht die AfD in hunderten Gesprächen mit Parteivertretern. Das Buch stammt von 2017, vor der deutlichen Radikalisierung der AfD.
Cowboy-Kitsch
Richard David Precht · 2024
Die hier behandelten Essays, Analysen und Briefe beschäftigen sich mit aktuellen Themen, entstanden in Diskussionen und als Reaktionen auf vorherige Inhalte. Die Herausforderung liegt darin, die gegenwärtigen Ereignisse zu verstehen, da klassische Begriffe wie Links/Rechts an Bedeutung verloren haben.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:34:57 „Also ich habe im Spiegel ein Essay geschrieben vor einigen Jahren. Cowboy-Kitsch heißt der. Und da habe ich gesagt, die AfD besteht aus zwei Zutaten, die nicht zusammenpassen. Das eine ist das Libertäre, was du gerade beschrieben hast.“
Precht verweist auf seinen eigenen Spiegel-Essay, in dem er die AfD als Partei mit zwei widersprüchlichen Zutaten analysiert: einerseits das Libertäre (Cowboy-Mentalität, kein Staat, keine Steuern) und andererseits das Autoritär-Konservative (Law and Order, starker Staat, traditionelle Familienbilder). Diese beiden Komponenten passen nicht zusammen, ziehen aber jeweils unterschiedliche Wählergruppen an.
Rio Bravo
Howard Hawks · 1959
John T. Chance ist Sheriff in der Stadt Rio Bravo. Als er den Mörder Burdette einsperrt, geraten er und sein Gehilfe Stumpy in große Bedrängnis, da der Bruder des Täters das Gefängnis stürmen lassen will. Der stadtbekannte Säufer Dude, der vor einer unglücklichen Frauengeschichte sein Stellvertreter war, und der junge Revolverheld Colorado schließen sich Chance an. Burdettes Männer nehmen Dude als Geisel, um den Mörder freizupressen. Am Rande der Stadt kommt es zum Showdown.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:35:06 „Ja, my pony, my rifle and me, wie Dean Martin in Rio Bravo singt. Das ist sozusagen der Cowboy, der nichts braucht über sich, der sein Pony braucht, also sein Pferd braucht, seine Knarre.“
Precht nutzt den Song von Dean Martin aus dem Western Rio Bravo als Metapher für die libertäre Seite der AfD: den selbstgenügsamen Cowboy, der keinen Staat braucht, keine Steuern zahlen will und niemandem Rechenschaft schuldet — der Paläo-Libertarismus in Reinform.
My Rifle, My Pony and Me
Dean Martin
Dean Martin eigentl. Dino Paul Crocetti * 7. Juni 1917 in Steubenville, Ohio; † 25. Dezember 1995 in Beverly Hills, Kalifornien; war ein US-amerikanischer Sänger, Schauspieler und Entertainer. Frühe Jahre Dino Paul Crocetti wurde am 7. Juni 1917 in Steubenville (Ohio) als Sohn des 1913 aus Italien eingewanderten Gaetano Crocetti und seiner aus Ohio stammenden Frau Angela Barra geboren. Er sprach bis zu seinem fünften Lebensjahr nur Italienisch und tat sich danach in der Schule mit seinem gebrochenen Englisch sehr schwer.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:35:06 „Ja, my pony, my rifle and me, wie Dean Martin in Rio Bravo singt. Das ist sozusagen der Cowboy, der nichts braucht über sich, der sein Pony braucht, also sein Pferd braucht, seine Knarre.“
Precht zitiert den Song von Dean Martin aus dem Film Rio Bravo als eingängige Metapher für die libertäre Grundhaltung: absolute Selbstgenügsamkeit, Unabhängigkeit vom Staat, niemand hat einem reinzureden.
Democracies End When They Are Too Democratic
Andrew Sullivan
Sullivan analysiert in diesem Artikel die Gefahr einer Tyrannis in der amerikanischen Demokratie und verbindet Platons antike Kritik an der Demokratie mit Donald Trumps politischem Aufstieg. Er zeigt, wie die historischen Bedingungen, unter denen Tyrannen in der Antike entstanden, auch in der modernen amerikanischen Gesellschaft vorhanden sind und die Stabilität der Demokratie gefährden.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:37:03 „Und dann stolpert er irgendwann über einen Text im New York Magazine von einem Autor namens Andrew Sullivan. Und der schreibt dort natürlich nicht über die AfD, der schreibt über Donald Trump. Und er sagt auf einmal, ich lese die ersten Zeilen und auf einmal dreht sich alles an Theorien in meinem Kopf noch einmal um die eigene Achse und plötzlich setzt sich das Ganze zu einem Gefüge zusammen.“
Lanz berichtet, wie Justus Bender in seinem Buch beschreibt, dass ein Artikel von Andrew Sullivan im New York Magazine über Trump und Platon der Schlüsselmoment war, in dem sich alle seine Theorien über die AfD zu einem kohärenten Bild fügten. Sullivan verknüpft darin Platons Demokratiekritik mit dem Aufstieg Trumps.
Reflections on the Revolution in France
Edmund Burke · 1821
Edmund Burke's Reflections on the Revolution in France, written and published during 1789-90, has become a classic of English conservatism, and that is the reason it is still being read nearly two hundred years later. John Pocock's edition of Burke's Reflections is two classics in one: Burke's Reflections and Pocock's reflections on Burke and the eighteenth century. - Publisher.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:38:44 „Aus diesem Geist ist das konservative Denkmal entstanden und zwar als Gegenreaktion auf die französische Revolution in Form von Edmund Burke in England, eigentlich ihre und ein hohes Mitglied der Regierung.“
Precht ordnet die Entstehung des konservativen Denkens ideengeschichtlich ein und verweist auf Edmund Burke als Begründer des Konservatismus. Burke formulierte seine Kritik als Reaktion auf die Französische Revolution: Wenn jeder Rechte bekommt und Ansprüche entwickelt, kann das Gemeinwesen nicht mehr funktionieren.
Théorie du pouvoir politique et religieux
Louis de Bonald
Politische und religiöse Theorie des französischen Konservativen Louis de Bonald aus dem Exil nach der Revolution. Zentrale These: Eine Gesellschaft scheitert, wenn zu viele Bürger Rechtsansprüche entwickeln – ein Gründungswerk des modernen Konservativismus.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:39:04 „Und das Vicomte de Bonald, der im Schweizer Exil ein Buch über die französische Revolution schreibt. Und die Kritik der Konservativen ist genau die, also wenn jeder jetzt Rechte kriegt, und jeder dann Ansprüche entwickelt, dann wird das Gemeinwesen auf die Dauer nicht mehr funktionieren können.“
Precht nennt neben Burke auch den Vicomte de Bonald als zweiten Gründervater des konservativen Denkens, der im Schweizer Exil ein Buch über die Französische Revolution verfasste. Beide formulierten die Grundkritik: Unbegrenzte individuelle Rechte gefährden das Gemeinwesen.
Nie zweimal in denselben Fluss
Björn Höcke · 2018
Die Berichterstattung zu Björn Höcke besteht überwiegend aus Meinungen ü b e r ihn. Äußerungen v o n ihm sind den Medien eher selten zu entnehmen. Wenn es dann doch geschieht, werden seine Worte nur ausschnittsweise mit skandalisierender Absicht wiedergegeben. Derart wie ein bedrohliches Phänomen analysiert, kommt er als eigenständiger Autor seiner Äußerungen nicht in Betracht. Er dient nur als die harte Kante, an der die gegen ihn ausgesandten Signale zur Resonanz kommen.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:42:59 „Wir hatten in dieser Woche Tino Chrupalla zu Gast und ich konfrontiere ihn mit diesen wirklich ekelhaften Sätzen von Höcke aus seinem Buch von 2018. Und ich meine, was wäre einfacher, als zu sagen, ich distanziere mich davon. Er tut es aber nicht.“
Lanz erwähnt Björn Höckes Buch im Zusammenhang mit seiner Konfrontation von Tino Chrupalla in einer Sendung. Er verweist auf die ekelhaften Passagen über den Volkskörper und kritisiert, dass Chrupalla sich nicht davon distanziert. Das Buch wird nicht namentlich genannt, aber als Höckes Buch von 2018 identifiziert.
Nomoi (Die Gesetze)
Platon · 2011
Books VIII–XII of the Nomoi conclude Plato's thoughts on the political order he created for a fictitious society. They contain texts that are of particular importance to Plato's later theories of political philosophy and theology: regulations for sexual behavior, a surprisingly modern theory of punishment, a long theological treatise that includes a rebuttal of atheism and a detailed proof of the existence of God including a theodicy, and finally the role of the so-called night assembly that ser...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:46:51 „Und dann hat der gleiche Platon später in Nommoi, in den Gesetzen, wieder einen Idealstaat konstruieren lassen namens Magnesia. Und da geht es schon sehr viel liberaler zu. Man muss jeden platonischen Dialog als Gedankenspiel verstehen.“
Precht erwähnt Platons späteres Werk als Gegengewicht zur Politeia, um zu zeigen, dass Platon kein dogmatischer Denker war. In den Gesetzen entwirft Platon mit Magnesia einen deutlich liberaleren Idealstaat, was Precht als Argument dafür anführt, dass die platonischen Dialoge als Gedankenspiele und nicht als endgültige Wahrheiten zu verstehen sind.