Trumps Strippenzieher - Tech-Oligarch Peter Thiel
Markus Lanz, Richard David Precht
Die Episode widmet sich dem Silicon-Valley-Investor und neurechten Vordenker Peter Thiel, der maßgeblich dazu beigetragen hat, Donald Trump ins Weiße Haus und J.D. Vance ins Amt des Vizepräsidenten zu bringen. Anlass ist ein sechsteiliger Deutschlandfunk-Podcast von Fritz Espenlaub über Thiel, dessen Biografie von der Uranmine im Apartheid-Südafrika über die PayPal-Gründung mit Elon Musk bis zu seinem Überwachungskonzern Palantir reicht — garniert mit einem libertären Inselstaat in Honduras und dem Wunsch, sich nach dem Tod einfrieren zu lassen.
„Wenn Drehbuchautoren sich sowas ausdenken, würde ich sagen, komm, ein paar Motive abspecken, das ist alles zu viel, das reicht ja für drei Böse.“
Erwähnte Medien (8)
Peter Thiel – Podcast-Serie (6 Teile)
Fritz Espenlaub
Peter Thiel ist der Strippenzieher hinter dem kulturellen Rechtsruck in den USA und einer der wichtigsten Unterstützer von Donald Trump. Mit Paypal und Facebook ist er reich geworden. Das ist die Geschichte des geheimnisvollen Tech-Milliardärs.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:37 „Das ist ein, darf ich sagen, weil ich ein älterer Herr bin, meine Boomerhaftigkeit, 34-jähriger Kollege, der gerade für den Deutschlandfunk einen sechsteiligen Podcast gemacht hat, sehr, sehr erfolgreich über Peter Thiel, diesen Neurechten-Vordenker.“
Markus Lanz stellt den Deutschlandfunk-Podcast von Fritz Espenlaub über Peter Thiel vor, der als Ausgangspunkt für das gesamte Gespräch dient. Er beschreibt Espenlaub als jungen Philosophen mit großer moralischer Klarheit, der die Gefahr durch Tech-Oligarchen wie Thiel eindringlich analysiert. Der Podcast bildet den roten Faden der Episode.
Es fühlt sich vielleicht an wie in den 60ern, aber es ist schlimmer
Serge Schmemann
Serge Schmemann analysiert in der New York Times die heutige politische Polarisierung in den USA und vergleicht sie mit den 1960er Jahren. Damals herrschte trotz sozialer Konflikte ein Gefühl der Gestaltungsmöglichkeiten und des Wandels. Heute dagegen wirkt die gesellschaftliche Spaltung hoffnungsloser – die Türen scheinen sich zuzuschließen statt zu öffnen.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:05:28 „Das ist ein Wahnsinnstext von Serge Schmemann aus der New York Times und ist überschrieben mit der Überschrift, es fühlt sich vielleicht an wie in den 60ern, aber es ist schlimmer. Das klingt so ein bisschen apokalyptisch und trotzdem hat mich dieser Text wahnsinnig gekriegt. Ich dachte, genau, das ist exakt das Gefühl, das wir alle gerade so haben.“
Markus Lanz liest ausführlich aus einem New-York-Times-Artikel von Serge Schmemann vor, der die heutige politische Polarisierung in den USA mit den 1960er Jahren vergleicht. Die zentrale These: Damals herrschte trotz aller Konflikte das Gefühl, dass Veränderung möglich ist – heute fühlt es sich an, als würden sich die Türen schließen. Der Artikel wird als emotionaler Ankerpunkt für das Gespräch genutzt.
Politik (Politika)
Aristoteles · 1879
Die Politik (altgriechisch Πολιτικά Politiká „die politischen Dinge“) ist die wichtigste staatsphilosophische Schrift des Aristoteles. Das in acht Bücher aufgeteilte Werk behandelt hauptsächlich verschiedene real existierende und abstrakte Verfassungen. In diesem Werk stellt Aristoteles vier Thesen auf, die „jahrhundertelang widerspruchslos anerkannt“ wurden.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:29:58 „Interessant ist, dass Aristoteles, als er die Staatsformen miteinander vergleicht, die Diktatur, also die Monarchie, für die stabilste Regierungsform hielt. Die Demokratie für die gerechteste, aber zugleich für die fragilste. Und ich denke, das ist eine zeitlose Erkenntnis.“
Precht greift auf Aristoteles' Vergleich der Staatsformen zurück, um die zweieinhalbtausend Jahre alte Erkenntnis zu illustrieren, dass Demokratie zwar die gerechteste, aber zugleich die zerbrechlichste Regierungsform ist. Er nutzt dies als historischen Rahmen für die aktuelle Diskussion über die Defizite demokratischer Systeme, die Lanz anhand von Brexit, Berlusconi und Trump aufgezeigt hat.
Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation
Ernst-Wolfgang Böckenförde · 1995
Böckenfördes klassisches Werk zur Säkularisation des Staates analysiert die Paradoxie, dass der freiheitliche Rechtsstaat auf Werte angewiesen ist, die er selbst nicht erzwingen kann. Das berühmte Böckenförde-Diktum verdeutlicht, warum Demokratie auf kulturellen und moralischen Grundlagen beruht, die außerhalb ihrer eigenen institutionellen Reichweite liegen und daher besonders schutzbedürftig sind.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:30:49 „Was der ehemalige Verfassungsrichter Wolfgang Bockenförde erzählt hat, sehr, sehr häufig zitiert, dass die liberale Demokratie an Voraussetzungen gebunden ist, die sie nicht selbst erzeugen kann.“
Precht zitiert das berühmte Böckenförde-Diktum, um die Fragilität liberaler Demokratien zu erklären. Er argumentiert, dass Demokratie auf Werte wie Gemeinsinn, Pflichtgefühl und gegenseitiges Interesse angewiesen ist, die sie selbst nicht erzeugen kann, sondern die durch Erziehung und Kultur vermittelt werden müssen. Precht wendet dieses Diktum später auch gegen die libertäre Weltanschauung von Peter Thiel: Auch der Libertarismus sei an Voraussetzungen gebunden, die er nicht selbst hervorbringt, sondern parasitär ausschlachtet.
Der Streik (Atlas Shrugged)
Ayn Rand · 2025
Hier spricht eine der schärfsten Stimmen des 20. Jahrhunderts - unverblümt, furchtlos und kristallklar: Ayn Rand. In diesen objektivistischen Essays führt sie ihre berühmte Philosophie aus: Metaphysik - objektive Realität; Erkenntnistheorie - Vernunft; Ethik - Egoismus; Politik - Kapitalismus. Die Spannweite ist elektrisierend: vom Bankrott des staatlichen Bildungswesens über Antitrust und den Vietnamkrieg bis hin zur Klarstellung, warum der Kapitalismus die einzig moralische Gesellschaftsordnun...
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:35:17 „Gibt es dieses berühmte Buch, der Streik von 1957. Dicker Roman. Hast du das mal gelesen? Nee, habe ich nie gelesen. Hier kennt das keiner. Das ist eines der meistverkauften Bücher der USA und es hilft wirklich die Amerikaner zu verstehen.“
Lanz und Precht diskutieren die ideologischen Grundlagen von Peter Thiels Weltanschauung. Lanz stellt Ayn Rands Roman ausführlich vor, schildert dessen beeindruckende Verkaufszahlen über die Jahrzehnte und fasst die Handlung zusammen: ein libertäres Manifest in Romanform, in dem sich die Wirtschaftseliten zurückziehen und die Gesellschaft daraufhin kollabiert. Das Buch wird als Schlüssel zum Verständnis der amerikanischen libertären Bewegung und der aktuellen politischen Lage präsentiert.
Politische Theologie / Der Begriff des Politischen
Carl Schmitt · 2015
Politiktheoretisches Werk zur Kritik der parlamentarischen Demokratie und Theorie politischer Entscheidung in Krisenzeiten. Behandelt Souveränität und Autorität als zentrale Konzepte des Politischen und Grundlagen staatlicher Ordnung.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:43:50 „Und der andere Hofideologe für Peter Thiel ist Karl Schmitt. Karl Schmitt, der 97 Jahre alt geworden ist und seine ersten Schriften in der Weimarer Republik in den 20er Jahren veröffentlicht hat und dann sich unter dem Eindruck des Siegeszuges von Mussolini zum Faschisten entwickelt hat.“
Precht stellt Carl Schmitt als zweiten zentralen intellektuellen Einfluss auf Peter Thiel vor. Schmitts staatsrechtliche und politisch-philosophische Schriften, insbesondere seine Kritik an der parlamentarischen Demokratie und seine Theorie der starken Führung in Krisenzeiten, werden als ideologische Grundlage für Thiels antidemokratisches Denken dargestellt.
Der Untergang des Abendlandes
Oswald Spengler · 2021
Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte ist das kulturphilosophische Hauptwerk von Oswald Spengler. Spengler vergleicht das europäisch-nordamerikanische Abendland unter kulturmorphologischen Gesichtspunkten mit sieben anderen Hochkulturen. Er entwirft so das Panorama einer spezifischen Geschichtsphilosophie.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:14 „Das ist sozusagen das Muster war, neben Oswald Spengler, über den wir mal eine ganze Sendung gemacht haben, für konservatives bis sehr rechtes Denken.“
Precht erwähnt Oswald Spengler beiläufig als Parallelfigur zu Carl Schmitt im Kontext konservativen bis rechtsextremen Denkens der Weimarer Republik. Spengler ist vor allem durch sein kulturpessimistisches Hauptwerk bekannt, das Precht hier als geistigen Hintergrund für die Ideenwelt einordnet, die auch Peter Thiel beeinflusst.
The Apprentice
· 2004
The Apprentice (engl. für Der Auszubildende) ist eine amerikanische Reality-TV-Show, die von 2004 bis 2017 von NBC ausgestrahlt wurde. Der Moderator der ersten 14 Staffeln war der spätere Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump. Die erste Staffel der Sendung wurde vom Januar bis April 2004 gezeigt.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:48:10 „Alle haben gelacht, das ist der Typ von The Apprentice, was will der denn jetzt? Der will jetzt Präsident werden, ha ha ha und hihihi. Und am Ende war es nur Peter Thiel, der hat sofort kapiert, was das für ein disruptives Potenzial hat.“
Lanz beschreibt, wie Peter Thiel als Einziger das politische Potenzial von Donald Trump erkannte, während alle anderen ihn nur als Reality-TV-Star aus The Apprentice belächelten. Die Erwähnung der Show dient als Kontrast zwischen Trumps öffentlicher Wahrnehmung als Entertainer und seiner späteren politischen Sprengkraft.