Wim Wenders, was ist die Zukunft des Kinos?
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Wim Wenders erzählt von seiner Hartnäckigkeit gegenüber dem analogen Film — Rollfilme, die an Flughäfen durch Röntgenstrahlen verschleiert werden, Handkontrollen, die niemand mehr kennt, und die zähneknirschende Kapitulation auf Reisen hin zur Digitalkamera. Dazwischen Wenders pur: ein Berlin, in dem Godard, Antonioni, Fassbinder und Herzog alle gleichzeitig da waren, ein Rolling-Stones-Angebot, das offenbar real war, und die Überzeugung, dass Reue ihm völlig fremd ist — er nennt das umgekehrte Nostalgie.
„Kubrick hätte sich den Trump nicht ausdenken können.“
Erwähnte Medien (86)
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter
Wim Wenders · 1972
Torwart Josef Bloch beleidigt während eines Fußballspiels den Schiedsrichter und muss den Platz verlassen. Er bleibt in Wien, wohnt im Hotel, streift ziellos durch die Stadt, geht ins Kino. Bloch verbringt die Nacht mit der Kinokassiererin, die er am Morgen erwürgt. Er fährt mit dem Bus ins Burgenland, streitet mit Bauernburschen im Wirtshaus, versucht vergeblich, mit der früheren Geliebten ein neues Verhältnis anzufangen, verfolgt in der Zeitung die Fahndung der Polizei.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 00:08:49 „Das war mein erster Film nach der Firmerschule. Und das war nach dem Buch von Peter Handke, die Angst des Turmanns beim Elfmeter“
Wenders erzählt von seinem ersten Film nach der Filmhochschule, der auf Peter Handkes Roman basiert und ins MoMA nach New York eingeladen wurde.
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter
Peter Handke · 1970
»Dem Monteur Josef Bloch, der früher ein bekannter Torwart gewesen war, wurde, als er sich am Vormittag zur Arbeit meldete, mitgeteilt, daß er entlassen sei. Jedenfalls legte Bloch die Tatsache, daß bei seinem Erscheinen in der Tür der Bauhütte, wo sich die Arbeiter gerade aufhielten, nur der Polier von der Jause aufschaute, als eine solche Mitteilung aus und verließ das Baugelände.« Im März 1970 erscheint die Erzählung »Die Angst des Tormanns beim Elfmeter« in der Startauflage von 25 000 Exempl...
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 00:08:56 „Und das war nach dem Buch von Peter Handke, die Angst des Turmanns beim Elfmeter, deutet auch irgendwie Suspense an. Und Elfmeterschießen ist ja sehr aufregend. Aber es kommt da nicht vor im Film, das ist auch nur eine Metapher.“
Wim Wenders erzählt von seinem ersten Film nach der Filmhochschule, der auf Peter Handkes Roman basiert. Der Titel suggeriert Spannung, doch Wenders beschreibt den Film selbst als 'Hitchcock without Suspense' – eine Bezeichnung, die der New-York-Times-Kritiker Vincent Canby bei der MoMA-Premiere prägte.
Landschaftsgemälde
Jean-Baptiste Camille Corot
Landschaftsgemälde von Jean-Baptiste Camille Corot, dem Begründer der französischen Plein-Air-Malerei. Seine poetischen, lichtvollen Naturdarstellungen prägen die europäische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Ein Corot-Druck war für Wim Wenders als Kind sein erstes Kunstfenster — stundenlang betrachtete er die Bilder im Schlafzimmer seiner Eltern.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:32:50 „Ich wusste kurz nicht mehr, dass Jean-Baptiste Camille Corot existiert, bis ich mich auf sie vorbereitet habe. Der ist ein Maler und jetzt verlässt es mich schon, dieser Schule eher zuzurechnen, die sozusagen raus in die Natur gegangen sind. Also so Landschafts, diese ganz frühen, wilden Landschaftsmaler.“
Jochen Wegner bringt den Maler Corot ins Gespräch, weil Wenders als Kind zwei kleine Corot-Drucke im Schlafzimmer seiner Eltern hatte. Diese Bilder wurden für Wenders zum ersten Fenster in die Welt der Kunst, die er während des erzwungenen Mittagsschlafs stundenlang studierte.
Sonnenblumen
Vincent van Gogh · 1888
Postimpressionistische Ölgemälde von Vincent van Gogh aus den 1880er Jahren. Die Serie zeigt Sonnenblumen in charakteristischer Malweise – nicht botanisch präzise, sondern künstlerisch interpretiert, um das Wesen und die Vitalität der Blüten einzufangen. Ein Meisterwerk, das Schönheit, Vergänglichkeit und van Goghs persönliche emotionale Verbindung zur Natur ausdrückt.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 00:33:36 „Und dann gab es auch ein Sonnenblumen von Van Gogh. Das waren drei Bilder, die ich jeden Tag stundenlang studiert habe, weil ich meine Eltern bestanden auf dem Mittagsschlaf, obwohl ich eigentlich immer nur offenen Auges gelegen und die Tapete und eben diese drei Bilder, wo ich dann wirklich jedes Detail sehr gut kannte.“
Neben den beiden Corot-Drucken hing im Schlafzimmer der Familie Wenders auch ein Druck von Van Goghs Sonnenblumen. Zusammen mit den Corot-Bildern war es eines der drei Bilder, die Wenders als Kind während des Mittagsschlafs täglich studierte und die seine Liebe zur Kunst begründeten.
Kupferstiche und Radierungen
Johnny Friedlander
Kupferstiche und Radierungen des etablierten Pariser Meisters Johnny Friedlander (Mitte 20. Jahrhundert), bekannt für mehrfarbige Drucktechniken. Seine Werke präägten visuelle Künstler seiner Zeit durch handwerkliche Meisterschaft und innovative grafische Techniken – eine Ausbildung, die sein legendärster Schüler Wim Wenders später in seinen eigenen filmischen Arbeiten anwendete.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 00:42:55 „Johnny Friedlander war zu der Zeit auch sehr angesagt, hat auch Ausstellungen, hat Bücher illustriert und hat mehrfarbige Kupferstiche gemacht. Und das fand ich irgendwie am interessantesten. Da habe ich mich beworben, habe meine Zeichnungen gesehen, also die, die ich selbst gemacht hatte, habe ich sofort angenommen.“
Nachdem Wenders an der École des Beaux-Arts abgelehnt wurde, suchte er nach Alternativen und fand den Kupferstecher Johnny Friedlander, der damals in Paris als Meister arbeitete. Wenders wurde sein Schüler und lernte dort ein halbes Jahr lang das Handwerk der Radierung – eine Ausbildung, die sein visuelles Denken prägte.
Gesamtwerk / Retrospektive
Anthony Mann
Retrospektive des amerikanischen Filmemachers Anthony Mann mit etwa 25–30 seiner Filme. Für Filmemacher Wim Wenders war diese Schau in der Pariser Cinémathèque ein Schlüsselerlebnis: Durch das Sehen aller Werke hintereinander erkannte er erstmals, dass Film eine eigene Sprache mit eigenständiger Grammatik besitzt – ein Moment, der seinen Weg zum Filmemachen entscheidend prägte.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:48:31 „Die erste Retrospektive, die es dann wirklich gab in meinem Leben, die erste, allererste, die ich je gesehen habe, war von einem Amerikaner, Anthony Mann. Und da liefen alle Filme, die er je gemacht hatte. Und das waren so 25, 30 Filme.“
Wenders beschreibt die Anthony-Mann-Retrospektive in der Pariser Cinémathèque als Schlüsselerlebnis. Durch das Sehen aller 25–30 Filme hintereinander begriff er erstmals, dass Film eine eigene Sprache mit Grammatik und Regeln ist – ein Moment, der seinen Entschluss, Filmemacher zu werden, entscheidend beeinflusste.
Jagdszenen aus Niederbayern
Peter Fleischmann · 1969
In kleinen Gemeinden hat man es oft nicht leicht, da die Vorurteile dort sehr oft überwiegen. So auch in Unholzing, wo gegen alle Außenseiter hart vorgegangen wird. Sei es die Dorfhure, der Gastarbeiter oder ein zurückgebliebener Dorfbewohner, alle werden gemieden und schikaniert, wo es nur geht. Am schlimmsten hat es aber Abram getroffen, der wegen seiner Homosexualität von allen Seiten nur Hohn und Spott zu ertragen hat.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 00:51:24 „Und dann habe ich tatsächlich Peter Fleischmann getroffen. Einer der ersten Regisseur des neuen deutschen Films, Jagdszene aus Niederbayern, der hatte da studiert.“
Wenders erzählt, wie er in Paris zufällig den Regisseur Peter Fleischmann traf, als er sich am IDEC über ein Filmstudium informierte. Fleischmann, bekannt durch 'Jagdszenen aus Niederbayern', riet Wenders vom Studium dort ab, da die Wartezeiten für ausländische Studenten vier bis fünf Jahre betrugen – was Wenders letztlich zur HFF München führte.
Artikel über die Gründung der HFF München
Die Süddeutsche Zeitung berichtete im Feuilleton über die bevorstehende Gründung der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München, die 1966 ins Leben gerufen wurde. Der Artikel kündigte die neue staatliche Filmhochschule als erste ihrer Art in Deutschland an und informierte über Bewerbungsmöglichkeiten für den ersten Jahrgang. Für Wim Wenders, der den Artikel zufällig in Paris fand, wurde er zum Lebenswendepunkt: Er brach seinen Parisaufenthalt ab und bewarb sich erfolgreich – als einer der ersten Studenten der HFF München.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 00:53:00 „Dann habe ich eine Süddeutsche mitgenommen und habe in den Pausen in der Cinemathek zwischen den Filmen die Süddeutsche von vorne bis hinten gelesen und im Feuilleton war ein Artikel über die Gründung, die bevorstehende Gründung der Filmhochschule der HFF. In München.“
Wenders erzählt, wie er im Pariser Café Deux Magots eine liegen gelassene Süddeutsche Zeitung mitnahm und im Feuilleton zufällig einen Artikel über die Gründung der HFF München fand. Dieser Fund wurde zum Wendepunkt: Er brach seine Zeit in Paris ab und bewarb sich erfolgreich im ersten Jahrgang der Filmhochschule.
Hans im Glück
· 2025
Goldstücke – Die Hans im Glück Burger, Bowls und Drinks für Zuhause! Keine Zeit für aufwendiges Kochen? Mit dem Kochbuch "Goldstücke" holst du dir die märchenhafte Welt von Hans im Glück direkt in deine Küche. Das Buch bietet über 100 Originalrezepte der beliebten Fast-Casual-Kette – ideal für Berufstätige, Familien und alle, die gesund und lecker kochen möchten, ohne viel Zeit zu verlieren.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 01:04:28 „War so ein bisschen wie Hans im Glück. Ich wusste nicht wirklich, ist das jetzt eine Verbesserung oder was wird das jetzt?“
Wenders vergleicht seinen Tausch des Saxophons gegen eine Bolex-Filmkamera im Pfandhaus mit dem Märchen Hans im Glück. Er war sich unsicher, ob der Tausch eine Verbesserung war – ähnlich wie die Märchenfigur, die bei jedem Tausch etwas verliert, aber zufrieden bleibt.
Summer in the City
Wim Wenders · 1970
Summer in the City ist ein Film von Wim Wenders aus dem Jahr 1970 und dessen erster Film in Spielfilmlänge. Die Hauptrolle spielt Hanns Zischler. Der Film trägt den Untertitel Dedicated to The Kinks.
🗣 Wegner referenziert bei ⏱ 01:12:48 „Summer in the City hieß der Film und in den Quellen steht ja, dass der nicht verfügbar ist, weil irgendwelche Rechte der Musik nicht geklärt seien.“
Wegner erwähnt Wenders' frühen Film, der wegen ungeklärter Musikrechte nicht verfügbar ist. An der HFF hatte niemand den Studenten erklärt, dass man Musikrechte klären muss.
Monitor
ARD / WDR · 1958
Investigative Dokumentarsendung des ARD/WDR. Monitor recherchiert gründlich zu Missständen und Skandalen in Deutschland – bekannt für langsame, Details-orientierte Erzählweise, die Komplexität nicht vereinfacht und Komplizenschaft geduldig offenlegt.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:20:50 „Und dann gab es da so einen Monitorbeitrag, also die wichtige investigative Sendung. Da war erstmal, ich würde ungelogen sagen, zwei Minuten ein Tropfen zu sehen, der tropft auf irgendeiner Zeche im Ruhrgebiet in eine schwarze Pfütze rein.“
Jochen Wegner erzählt von seiner Zeit als Hospitant beim WDR, wo er alte Monitor-Sendungen sichten musste. Er nutzt einen konkreten Beitrag mit einer extrem langen Tropfen-Einstellung als Beispiel dafür, wie langsam Film und Fernsehen früher waren – im Kontrast zur heutigen Schnelligkeit.
Fast & Furious
· 2019
Secret-Service-Agent Luke Hobbs und Ex-Elitesoldat Deckard Shaw mussten in der Vergangenheit zwar bereits zusammenarbeiten, taten dies jedoch immer zähneknirschend. Doch die Sicherheit des Planeten hat natürlich Vorrang vor den Querelen der beiden und als der internationale Terrorist Brixton auf der Bildfläche auftaucht, sind Hobbs und Shaw gezwungen, einmal mehr zusammenzuarbeiten.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:23:44 „Es gibt sowohl im Kino die aberwitzig Fast & Furious Schnitte und das hat zum Teil auch großen Erfolg.“
Wenders nennt die Fast-&-Furious-Reihe als Gegenbeispiel zur Langsamkeit im Kino. In der Diskussion über die Zukunft des Kinos zwischen Schnelligkeit und Langsamkeit steht die Filmreihe für den Trend zu immer schnelleren Schnitten.
Filme / Retrospektive
Theo Angelopoulos
Retrospektive der Filme von Theo Angelopoulos, dem Meister des langsamen Kinos. Wim Wenders zeigte vier seiner Werke an aufeinanderfolgenden Tagen im Unterricht an der HFBK Hamburg, um Studenten für die Kraft langer Einstellungen und meditativer Filmgestaltung zu sensibilisieren. Eine Filmsammlung über minimalistisches, geduldiges Erzählen, das nachhaltig wirkt.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:25:12 „Und dann haben wir vier Angelopoulos-Filme hintereinander gesehen. Also in jedem Tag einen. Und der war ja der König der Langsamheit. Dagegen bin ich ja noch Speedy Gonzales.“
Wenders erzählt von seinem Unterricht an der HFBK Hamburg, wo er Studenten bewusst langsame Filme zumutete. Er zeigte vier Angelopoulos-Filme an vier aufeinanderfolgenden Tagen, was die Studenten so begeisterte, dass sie danach selbst lange Einstellungen als größte Entdeckung empfanden.
Der Himmel über Berlin
Wim Wenders · 1987
Die Engel Damiel und Cassiel treten als Beobachter der Welt auf, insbesondere in Berlin. Sie können nicht in das Leben der Menschen eingreifen und sich ihnen nicht zu erkennen geben. Sie können ihnen jedoch neuen Lebensmut einflößen. Der Wunsch, am Leben der Sterblichen teilzuhaben, wird bei Damiel so groß, dass er dafür bereit ist, auf seine Unsterblichkeit zu verzichten. Mit einer antiken Ritterrüstung als Startkapital wird er in die Welt hineingeworfen.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 01:42:19 „Himmel über Berlin, der große Wunsch war, diese Stadt so komplett wie möglich zu erzählen.“
Ausführliche Erzählung der Entstehungsgeschichte: kein Drehbuch, verschiedene Filmmaterialien, Peter Handkes Dialoge kamen zwei Tage vor Drehbeginn, Solveig Dommartin als rettende Entdeckung, Schwarz-Weiß zu Farbe beim Übergang vom Engel zum Menschen.
Crime and the City Solution (Auftritte/Musik)
Crime and the City Solution
Crime and the City Solution war eine australische Post-Punk-Band, die in den späten 80ern die Berliner Underground-Musikszene prägte. Ihr Sound prägte das Lebensgefühl einer Generation und wurde von Filmemacher Wim Wenders in seinem Klassiker „Der Himmel über Berlin" als Inbegriff dieser künstlerischen Ära dokumentiert. Neben Nick Cave and the Bad Seeds gehörten sie zum Kern der künstlerischen Bewegung, die Westberlin während des Kalten Krieges definierte.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 01:46:08 „Zu dem Lebensgefühl gehörten zum Beispiel diese australischen Underground-Musiker wie Nick Cave und Bad Seeds und die Crime and City Solution. Da gehörte auf jeden Fall Musik dazu.“
Wenders nennt die Band als Teil der einzigartigen Berliner Underground-Musikszene der späten 80er, die er in Der Himmel über Berlin abbilden wollte.
Konzertauftritt in Der Himmel über Berlin
Nick Cave and the Bad Seeds
„The Bad Seeds“ sind eine Rockband, deren Namen auf dem Titel des Romans „The Bad Seed“ (deutsch: „Böse Saat“) von William March basiert, der 1956 von Mervyn LeRoy verfilmt wurde. Die Band wurde 1984 in West-Berlin gegründet. Die Bandmitglieder waren damals: Nick Cave (Gesang), Blixa Bargeld (Gitarre), Mick Harvey (Schlagzeug), Barry Adamson (Gitarre und Klavier) und Hugo Race (Gitarre), ihr Debütalbum hieß „From Her to Eternity“.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 01:46:19 „Zu dem Lebensgefühl gehörten zum Beispiel diese australischen Underground-Musiker wie Nick Cave und Bad Seeds und die Crime and City Solution. Da gehörte auf jeden Fall Musik dazu. Diese Musikszene, die hier in Berlin schon grunge war, bevor das überhaupt jemand das Wort wusste.“
Wenders beschreibt die Berliner Musikszene der späten 80er als wesentlichen Bestandteil des Lebensgefühls, das er in Der Himmel über Berlin einfangen wollte. Nick Cave wird als 'König' dieser Szene bezeichnet, sein Konzert ist eine Schlüsselszene des Films.
Gesammelte Gedichte
Rainer Maria Rilke · 2017
Diese Gedichtsammlung wurde mit einem funktionalen Layout erstellt und sorgfältig formatiert. Dieses eBook ist mit interaktiven Inhalt und Begleitinformationen versehen, einfach zu navigieren und gut gegliedert. Rainer Maria Rilke (1875-1926) war ein Lyriker deutscher Sprache. Das Stunden-Buch, benannt nach traditionellen Gebetbüchern des Mittelalters, bildet den ersten Höhepunkt des Frühwerkes und ist Ausdruck eines pantheistischen Gottesbildes.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:48:50 „Meine Bibel war das kleine Inselbändchen mit den gesammelten Werken von, äh, Gedichten von Rilke. Ich habe jede Nacht mindestens eins gelesen, weil das ist das Schönste in der deutschen Sprache und da wollte ich wieder hin. Ich wollte das wieder zurückerobern, was ich da dabei gewesen war zu verlieren in Amerika. Und da waren natürlich Engel drin.“
Wenders erzählt, wie er nach acht Jahren in Amerika sein Deutsch zurückerobern wollte und jede Nacht Rilkes Gedichte las – ein Insel-Bändchen mit gesammelten Gedichten. In den Rilke-Texten fielen ihm die häufigen Engel-Motive auf, die er sich ankringelte. Zusammen mit den vielen Engelsfiguren im Berliner Stadtbild führte diese Lektüre zur zentralen Idee für Der Himmel über Berlin.
La Belle et la Bête
Henri Alekan · 1946
Es war einmal, vor langer Zeit..., da schrieb Madame Leprince de Beaumont das zeitlose Märchen über die wahre Schönheit – die Schönheit des Herzens. Es ist die Geschichte der Tochter eines verarmten Kaufmanns, die bereit ist, für ihren Vater ihr Leben aufzugeben. Um seine Schuld zu begleichen, zieht sie in das Schloss einer Bestie – halb Mensch, halb Tier. Doch bald schon erkennt sie, dass die Bestie eine gutmütige Natur hat und Menschen dagegen viel grausamer sein können.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:55:22 „Ich hatte einen tollen Kameramann, den Aurélien Lecon, der ein paar der großen Werke der französischen Filmkunst in Schwarz-Weiß gemacht hatte. Die Schöne und das Biest und solche richtigen Klassiker. Das war der Großmeister der Schwarz-Weiß-Kunst.“
Wenders erwähnt den Filmklassiker Die Schöne und das Biest als Referenz für die Meisterschaft seines Kameramanns in der Schwarz-Weiß-Fotografie. Der Kameramann wird als Großmeister dieser Kunst vorgestellt, der sich darauf freute, für Der Himmel über Berlin in die Trickkiste greifen zu können. Wenders nennt den Namen als 'Aurélien Lecon', meint aber vermutlich Henri Alekan, den berühmten Kameramann von Jean Cocteaus La Belle et la Bête.
Columbo
· 1971
Columbo ist ein unkonventioneller Polizist. Mit seinem zerknautschtem Trenchcoat löst er die auch noch so schwierigsten Fälle auf eine etwas andere Weise. Ganz ohne Gewalt und Drohungen überführt er die Täter mit geschickt platzierten Fragen und detaillierter Recherche, wobei sich die Verbrecher dank seiner scheinbar trotteligen Art fälschlicherweise meist in Sicherheit wiegen.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:05:30 „Und dann sind wir über Deduktionen auf Peter Fock gekommen. Columbo. Columbo, der wirklich... Das war die bekannteste Figur in der Fernsehgeschichte, Columbo.“
Wim Wenders erklärt, wie er und Claire Denis durch Ausschlussverfahren auf Peter Falk als ideale Besetzung für den Ex-Engel kamen. Falk war durch seine Rolle als Columbo einer der bekanntesten Fernsehstars der Welt – und genau diese Bekanntheit machte die Idee eines prominenten Ex-Engels so wirkungsvoll.
Cassavetes-Filme mit Peter Falk
John Cassavetes · 1974
Mabel Longhetti hat sich darauf eingerichtet, mit ihrem Mann Nick ein Wochenende allein zu haben, aber dann muss Nick, Vorarbeiter eines städtischen Bautrupps, absagen: ein Wasserbruch hält ihn und seine Leute über Nacht draußen fest. Aus Frust zieht Mabel durch die Kneipen und landet schließlich mit einem fremden Mann im Bett. Geplagt von Schuldgefühlen versucht sie, Nick die perfekte Hausfrau vorzuspielen…
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:05:34 „Auch als Schauspieler war er großartig in den Cassavetes-Filmen. Er war ja auch mal mein Held der Cassavetes. Und die haben ihre ganzen Filme mit Improvisation erarbeitet. Sehr legendär, wie Peter Falk und Cassavetes ohne Drehbuch gedreht haben.“
Wenders beschreibt, wie er auf die Idee kam, Peter Falk für Der Himmel über Berlin zu besetzen. Er verweist auf Cassavetes' Improvisationsfilme mit Falk als großes Vorbild für seine eigene Arbeitsweise ohne festes Drehbuch.
Kurt Bois – Dokumentarfilm
Otto Sander / Bruno Ganz
Dokumentarfilm über die Karriere des legendären Schauspielers Kurt Bois, gedreht von Otto Sander und Bruno Ganz kurz vor ihren Dreharbeiten zu 'Der Himmel über Berlin'. Ein Porträt eines über 90-jährigen Künstlers, dessen Werk die Regisseure zutiefst verehrten und der sie später für die Besetzung ihres Films inspirierte.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:19:38 „Das war ein 60-Minütiger-Dokumentarfilm über die Karriere des Claude Bois, mit dem sie auch am Theaterwissen gearbeitet hat. Und die liebten ihn beide.“
Wenders erzählt, dass Otto Sander und Bruno Ganz kurz vor den Dreharbeiten zu 'Der Himmel über Berlin' einen 60-minütigen Dokumentarfilm über die Karriere des legendären Schauspielers Kurt Bois gedreht hatten. Durch diese Zusammenarbeit kannten und verehrten beide den über 90-Jährigen und empfahlen ihn begeistert für die Rolle des Homer.
In weiter Ferne, so nah!
Wim Wenders · 1993
Engel Cassiel hat die Lust am himmlischen Dasein verloren. Tagaus, tagein beobachtet er die Menschen und ist dazu verurteilt, das Leben immer nur als Zeuge und als Teilnehmer zu erleben. Schließlich wechselt Cassiel die Seite und wird zum Menschen. Doch seine menschliche Existenz ist nicht vom Glück verfolgt, und Cassiel wird in seiner Not Assistent eines Gangsters. Als er aber erkennt, mit welchen Mitteln sein vermeintlicher Freund Geschäfte macht, entschließt er sich zum Eingreifen.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:24:53 „Otto sagt, lass mich auch, Mensch, ich kenne auch so Leute in Berlin, so Halbseidene, in das Milieu, das wäre doch toll. [...] Ein paar Jahre später in weiter Ferne so nah gemacht.“
Christoph Amend spielt darauf an, dass Otto Sanders Wunsch, als Mensch die dunklen Seiten Berlins zu erkunden, später im Nachfolgefilm erfüllt wurde. Wenders bestätigt dies knapp – der Sequel von 1993 gab Otto Sander die Gelegenheit, ebenfalls Mensch zu werden.
Das Gewicht der Welt
Peter Handke · 1977
Die Arbeitsmoral dieser exemplarischen Aufzeichnungen ist ihre Genauigkeit, die, selbst wo sie aus der Verzweiflung kommt, eine Art von Freundlichkeit ist gegenüber der Welt. Was hier niedergeschrieben wurde, will nicht zur Nachahmung anstiften; aber man kann daraus leben lernen.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:29:19 „Und dann habe ich ein Buch von Peter Handke gefunden und ihn auch angerufen und gesagt, er weiß ja, dass ich in meinem Film, auch so Menschenstimmen und so, ich habe jetzt gerade das Gewicht der Welt nochmal in die Hand genommen. Und das ist ein frühes Buch von ihm mit nur Notizen, die er geschrieben hat.“
Wenders erzählt, dass er für die inneren Monologe im Film verzweifelt nach geeignetem Material suchte. Peter Handkes 'Das Gewicht der Welt' — ein Buch mit kurzen Gedankennotizen — wurde zu einem reichen Fundus, aus dem er sich besonders für die Rolle der Marion (Solveig Dommartin) bediente.
Musikvideos für New Order
New Order / Henri Alekan (Kamera)
Ikonische Musikvideos geprägt von Henri Alekans charakteristischer Lichtkunst. Die atmosphärische Kameraführung setzte neue Maßstäbe für visuelle Eleganz und definierte die ästhetische Sprache elektronischer Popmusik der 80er Jahre.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:41:42 „New Order hat den Film gesehen und hat gesagt, mit dem Mann arbeiten wir. Die haben alle ihre Videos mit Henri gemacht, weil sie sagten, das ist der einzige Mann, der das so leuchten kann, wie wir uns das vorgestellt haben.“
Wenders erzählt, dass Kameramann Henri Alekan nach Der Himmel über Berlin von der Band New Order engagiert wurde, alle ihre Musikvideos zu drehen. Die Band war von Alekans Lichtkunst im Film so beeindruckt, dass sie exklusiv mit ihm arbeitete.
Publikumsbeschimpfung
Peter Handke
Peter Handkes experimentelles Skandal-Stück von 1966 verzichtet auf traditionelle Handlung und Charaktere. Stattdessen konfrontiert es das Publikum direkt mit verbaler Attacke und philosophischer Provokation. Das revolutionäre Werk hob die Grenze zwischen Bühne und Zuschauern auf und machte Handke international berühmt.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:49:12 „Und da lief ein halbes Jahr, bevor von Peter Handke die Publikumsbeschimpfung in Frankfurt rauskam, was ein Skandal war und ihn berühmt gemacht hat. Aber ein halbes Jahr vorher liefen seine ersten beiden Stücke in Oberhausen am Stadttheater.“
Im Kontext der Erzählung, wie Wenders Peter Handke kennenlernte, erwähnt er dessen berühmtes Theaterstück 'Publikumsbeschimpfung', das in Frankfurt für einen Skandal sorgte und Handke berühmt machte. Die ersten Begegnungen fanden jedoch bereits bei früheren Stücken in Oberhausen statt.
Weissagung
Peter Handke
Eines der ersten Theaterstücke von Peter Handke, uraufgeführt zusammen mit 'Selbstbezichtigung' in Oberhausen am Stadttheater unter der Regie von Günther Büch. Das Werk markiert den Beginn von Handkes innovativer Theaterkarriere, die ein halbes Jahr später mit der berühmten 'Publikumsbeschimpfung' ihren Durchbruch erzielte.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:49:25 „Aber ein halbes Jahr vorher liefen seine ersten beiden Stücke in Oberhausen am Stadttheater. Ein Regisseur namens Günther Büch, der tolle Arbeit gemacht hatte. Und der hat die Selbstbezichtigung und die, das andere war Selbstbezichtigung und Anklagen.“
Wenders erinnert sich an die Uraufführung von Peter Handkes ersten beiden Theaterstücken in Oberhausen, ein halbes Jahr vor der berühmten Publikumsbeschimpfung in Frankfurt. Er kann den zweiten Titel nicht genau erinnern. Es handelt sich um 'Weissagung', das zusammen mit 'Selbstbezichtigung' uraufgeführt wurde.
Selbstbezichtigung
Peter Handke
Frühes experimentelles Theaterstück von Peter Handke, kaum aufgeführt und vor der berühmten Publikumsbeschimpfung entstanden. Uraufführung am Stadttheater Oberhausen. Eines von zwei seltenen Werken aus Handkes früher avantgardistischer Phase.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:49:38 „Und der hat die Selbstbezichtigung und die, das andere war Selbstbezichtigung und Anklagen. Das sind zwei Stücke, die eigentlich kaum jemals gespielt wurden. Das sind die zwei Stücke, die Peter vor der Publikumsbestimmung geschrieben hat.“
Wenders erinnert sich an die Uraufführung von Handkes frühen Stücken am Stadttheater Oberhausen, inszeniert von Günther Büch. Diese kaum gespielten Stücke entstanden vor der berühmten 'Publikumsbeschimpfung' und waren der Anlass für Wenders' erste Begegnung mit Handke.
Rote Linie 7000
Howard Hawks · 1965
Durch den Unfalltod ihres Teamkollegen sind der Rennfahrer Mike Marsh und sein Boss Kazarian gezwungen, nach einem neuen talentierten Fahrer Ausschau zu halten. Sie können den ehrgeizigen Ned Arp für ihr Team gewinnen, müssen aber bald feststellen, dass Arp ein skrupelloser und eiskalter Typ ist. Erst als Marsh und Arp ihre ersten Siege bei einigen größeren Rennen herausfahren, glätten sich die Wogen.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:51:40 „Und ich bin da hingegangen zum Hauptbahnhof, weil ich einen Film von Howard Hawks sehen wollte, Rote Linie 7000, lief da im Kino. Und Peter hatte dieselbe Absicht.“
Wenders erzählt die Geschichte seines zweiten Zusammentreffens mit Peter Handke am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Beide wollten zufällig denselben Howard-Hawks-Film sehen — ein schöner Zufall, der ihre Freundschaft vertiefte und zu gemeinsamen Kinobesuchen und Bierabenden führte.
The Scarlet Letter
Nathaniel Hawthorne · 1991
Relates the tale of a young woman publically scorned for bearing an illegitimate child
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 02:58:41 „Und der hat gesagt, Wim, ich habe hier ein Drehbuch. Das wäre was für dich. Spielt in Amerika. Das ist Carl Letta von Nathaniel Hawthorne. Und ich hatte in der Oberstufe Englisch und habe mein Englischabitur mit Hawthorne und Scarlett Letta gemacht.“
WDR-Direktor Günther Rohrbach bietet Wenders ein Drehbuch an, das auf Nathaniel Hawthornes Roman 'The Scarlet Letter' basiert. Wenders kennt den Roman aus seinem Englisch-Abitur und fühlt sich geschmeichelt, sagt sofort zu – was sich als fataler Fehler herausstellen wird.
Der scharlachrote Buchstabe
Wim Wenders · 1973
17. Jahrhundert in Salem, einer Puritanersiedlung im noch wilden Amerika. Hester Prynne wird des Ehebruchs angeklagt und gezwungen, ein rotes 'A' auf der Brust zu tragen. Von der Gemeinschaft wird sie wegen ihrer unehelichen Tochter Pearl geächtet. Eines Tages taucht Hesters seit sieben Jahren verschollener Ehemann Chillingworth wieder auf. Unerkannt lässt er sich im Ort als Arzt nieder, um den Liebhaber seiner Frau ausfindig zu machen und sich zu rächen.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 03:11:07 „Und dann kam dieser Scarlett Letta, das war so ein Historiengemälde, aber am falschen Ort, mit den falschen Leuten und dem falschen Regisseur. Und das war irgendwie so ein – wer macht solche Historienfilme? Es war eigentlich nur ein Historienfilm für Arme.“
Wenders erzählt ausführlich vom Debakel seiner Verfilmung von Hawthornes 'Scarlet Letter'. Der Film musste aus Budgetgründen in einem Spaghetti-Western-Dorf in der La Mancha gedreht werden statt an der US-Ostküste. Das schwarz angemalte Westerndorf, fehlbesetzte Schauspieler und die ihm fremde historische Welt machten den Dreh zur Tortur. Nach Drehbuch von Tankred Dorst, mit Senta Berger in der Hauptrolle.
Alice in den Städten
Wim Wenders · 1974
Gerade als Journalist Philip Winter nach einer erfolglosen Reportagereise resigniert aus den USA abreisen möchte, lernt er Lisa und deren achtjährige Tochter Alice am Flughafen kennen. Nach einer gemeinsamen Nacht stellt Philip fest, dass Lisa verschwunden ist, ihre Tochter aber bei ihm zurückgelassen hat. Er findet lediglich eine Nachricht, in der Lisa ihn bittet, Alice mit nach Amsterdam zu nehmen.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:15:10 „Und daraus wurde Alice in den Städten.“
Nach dem Debakel von 'Der scharlachrote Buchstabe' entdeckt Wenders in zwei gelungenen Drehtagen mit Rüdiger Vogler und der kleinen Jella den Keim für seinen nächsten Film. Er schreibt eine Geschichte für die beiden, dreht chronologisch, mit kleinem Budget und in schwarz-weiß – und findet damit zu seiner eigenen Filmsprache. Christoph Amend fasst zusammen: Dieser Film machte ihn zu Wim Wenders.
Buena Vista Social Club
Wim Wenders · 1999
Der amerikanische Komponist Ry Cooder nahm 1996 in Havanna mit legendären kubanischen Musikern das Album Buena Vista Social Club auf. Auch Wim Wenders ließ sich von der weltweiten Euphorie um den Club anstecken und begleitete seinen Freund mit einem kleinen Filmteam nach Kuba. Entstanden ist ein einzigartiger Musikfilm, mit dem er den Soneros und ihrer Musik ein filmisches Denkmal gesetzt hat.
🗣 Amend referenziert bei ⏱ 03:17:12 „ich erinnere mich noch daran, weil Sie haben ja mit diesem Dokumentarfilm Buena Vista Social Club nicht nur diese gesamte Musikszene der Welt bekannt gemacht“
Ausführliche Diskussion über den Buena Vista Social Club. Die Musiker wurden zu Beatles über 80. Ry Cooder produzierte die Musik in Havanna, wo es 1998 fast nichts zu essen gab.
Chan Chan
Compay Segundo
Chan Chan ist ein Lied des kubanischen Musikers Compay Segundo. Ein Welterfolg wurde es als das erste Stück auf dem Album Buena Vista Social Club, das Compay Segundo zusammen mit Ry Cooder und kubanischen Künstlern wie Eliades Ochoa und Ibrahim Ferrer 1997 veröffentlichte. Zuvor war das 1984 entstandene Lied bereits von ihm selbst und einigen anderen aufgenommen, jedoch erst 1987 erstmals veröffentlicht worden.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:27:20 „Es fing an mit Chan Chan und da war ich natürlich schon mal Wahnsinnslied. Wahnsinnig.“
Chan Chan wird als Eröffnungsstück des Buena Vista Social Club-Albums erwähnt. Es war das erste Lied, das Wenders auf der Kassette hörte, und beeindruckte ihn sofort zutiefst.
Pina
Wim Wenders · 2011
Der Film ist ein abendfüllender Tanzfilm in 3D mit dem Ensemble des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und der mitreißenden, einzigartigen Kunst seiner großen, im Sommer 2009 verstorbenen Choreographin. Er lädt die Zuschauer ein auf eine sinnliche, bildgewaltige Entdeckungsreise in eine neue Dimension: mitten hinein auf die Bühne des legendären Ensembles und mit den Tänzern hinaus aus dem Theater in die Stadt und das Umland von Wuppertal - den Ort, der 35 Jahre für Pina Bausch Heimat und Zentrum ...
🗣 Amend referenziert bei ⏱ 03:29:52 „Pina Bausch irgendwann aufgehört hatte, mit Ihnen zusammen den Film zu drehen“
Wenders erzählt, wie er jahrzehntelang versuchte, einen Film über Pina Bausch zu machen. Sie fragte immer wieder: Wann machen wir es endlich? Die Lösung kam erst mit 3D-Technik. U2 drehten den ersten 3D-Konzertfilm, der Wenders inspirierte.
Musik zu Café Müller
Henry Purcell
Englische Barockmusik, die als emotionale Begleitmusik für Pina Bauschs revolutionäres Tanzwerk Café Müller fungiert. Die zartsinnigen Kompositionen unterstreichen die Tiefe und Verletzlichkeit der Tanzfiguren und prägen das Werk als untrennbares künstlerisches Ganzes. Eine Schlüsselrolle in einer der einflussreichsten Verbindungen von Tanz und klassischer Musik des 20. Jahrhunderts.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 03:32:18 „Und dann ging das los, das Café Müller. Und ich habe schon nach fünf Minuten, ich habe da auf dem Stuhlkante gesessen und geheult wie ein Schlosschen... Und die Musik von den englische Barockmusik. Henri Purcell war die Musik davon.“
Wenders beschreibt sein erstes Erlebnis von Pina Bauschs Tanztheater 1984 in Venedig, das sein Leben veränderte. Die Barockmusik von Purcell wird als wesentlicher Bestandteil der emotionalen Wirkung von Café Müller benannt.
Café Müller
Pina Bausch
Pina Bauschs Tanztheater-Klassiker Café Müller berührt Zuschauer durch innovative Bewegungssprache und emotionale Unmittelbarkeit tief. Das Werk verbindet Tanz mit authentischem Gefühlsausdruck und durchbricht traditionelle Ballettkonventionen. Es zeigt die transformative Kraft des modernen Tanztheaters, der sich selbst etablierte Künstler nicht entziehen können.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 03:32:22 „Und dann ging das los, das Café Müller. Und ich habe schon nach fünf Minuten, ich habe da auf dem Stuhlkante gesessen und geheult wie ein Schlosschen und saß da und konnte meinen Augen und Ohren, konnte es nicht fassen, was da abging und wie sehr mich das bewegt hat.“
Wenders beschreibt sein erstes Erlebnis mit Pina Bauschs Tanztheater 1984 in Venedig. Er war widerwillig mitgekommen, weil ihn Ballett nicht interessierte, wurde aber von 'Café Müller' so tief erschüttert, dass er nach fünf Minuten weinte und danach sagte, er wolle keine Filme mehr machen, sondern lernen, was Pina Bausch macht.
Le Sacre du printemps
Pina Bausch
Pina Bauschs choreographische Interpretation von Stravinskys Klassiker verbindet Tanz, Theater und rohe emotionale Kraft. Das Stück zelebriert primitive Rituale und menschliche Urgewalt durch moderne Tanzsprache. Bauschs revolutionärer Tanztheater-Ansatz transformiert das Publikum tiefgreifend – eine Erfahrung, die stärker wirkt als konventionelle Performance.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 03:33:13 „Und danach gab es Sacre de Menton. Und das war dann so wild und so unfassbar. Ich bin aus dieser einen Stunde rausgekommen und war ein anderer Mensch.“
Nach 'Café Müller' sah Wenders an demselben Abend in Venedig auch Pina Bauschs 'Le Sacre du printemps'. Die Kombination beider Stücke veränderte sein Leben grundlegend – er beschreibt es als eine Erfahrung, die stärker war als alles, was er je in einem Film gesehen hatte.
U2 3D
· 2008
U2 3D ist ein 2008 in Amerika produzierter 3D Konzertfilm, der Auftritte der Rock-Gruppe U2 auf ihrer Vertigo-Tour im Jahr 2006 zeigt.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 03:40:06 „Es war ein 16-minütiger Film mit den U2. Die haben dann auch auf den Treppen des Palais live gespielt, aber vorher gab es einen 16-minütigen Film und das war eine Attraktion, weil es war in 3D und das hatte es seit 50 Jahren nicht mehr gegeben.“
Wenders sah 2007 in Cannes einen kurzen 3D-Konzertfilm der Band U2, der mit digitalen Prototyp-Kameras gedreht wurde. Dieser Film war die Offenbarung, die ihm nach 23 Jahren zeigte, wie er Pina Bauschs Tanztheater räumlich filmen könnte – mit 3D-Technik könnte er in den dreidimensionalen Raum der Tänzer eindringen.
Napoléon
Abel Gance · 1927
Der junge Napoleon erweist sich schon als Kind als geschickter Stratege, indem er eine Schneeballschlacht wie einen militärischen Feldzug organisiert. Wenig überraschend landet er beim Militär, wo er sich langsam nach oben arbeiten kann. Nachdem sich seine Hoffnungen, im Rahmen der Französischen Revolution die Unabhängigkeit seiner Heimat Korsika erreichen zu können, zerschlagen haben, trägt Napoleon mit zur Eroberung der aufständischen Hafenstadt Toulon bei, die sich mit den Engländern verbünde
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 03:42:51 „Also zum Beispiel Abel Gons hat schon 1928 diesen Wahnsinnsfilm Napoleon gemacht. Da ist die Kamera an einem Seil durch einen gewaltigen Raum geflogen. An einem Seil haben sie die so fliegen lassen.“
Wenders erwähnt Abel Gances Napoleon von 1928 als historisches Beispiel für den Versuch, räumliche Wirkung im Kino zu erzeugen. Die fliegende Kamera an einem Seil machte das Publikum schwindelig – aber es blieb letztlich ein flaches Bild, kein echtes 3D.
Titanic
James Cameron · 1997
Atlantischer Ozean, 1912: Auf der Jungfernfahrt der Titanic trifft der mittellose Maler Jack Dawson auf die schöne, aber unglückliche Erste-Klasse-Passagierin Rose DeWitt Bukater. Rose reist gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem versnobten Verlobten Cal, den sie aus finanziellen Gründen heiraten soll, aber nicht liebt.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:48:18 „Das gab es als Gerücht, dass der Mann, der Titanic gedreht hatte, einen 3D-Film machen würde. Das gab es als Gerücht, während wir Pina vorbereitet haben.“
Titanic wird als Referenz für James Camerons Ruf erwähnt: Als Regisseur des bis dahin erfolgreichsten Films aller Zeiten sorgte allein das Gerücht, er plane einen 3D-Film, dafür, dass Kinos weltweit in neue Technik investierten.
Avatar
James Cameron · 2009
Ex-Marine Jake Sully nimmt auf dem Planeten Pandora an einem Experiment unter der Leitung der Wissenschaftlerin Dr. Grace Augustine teil. Als er sich im genetisch manipulierten Körper der Ureinwohner in die schöne Neytiri verliebt, gerät er zwischen die Fronten eines skrupellosen Konzerns und dem naturverbundenen Volk der Na'vi. Jake muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht - in einem ungleichen Kampf, in dem es um das Schicksal einer einzigartigen Welt geht ...
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 03:49:42 „Dieser James Cameron ist der Größte. Er hat das gemacht, was für mich noch ein Traum war. Ich habe auch nicht an Verwertung gedacht. Ich wollte nur endlich, dass Pina mein Versprechen wahrmacht und das dreht.“
James Camerons Avatar spielte eine entscheidende Rolle für Wenders' Pina-Film: Weil die ganze Welt auf Avatar wartete, rüsteten über 100 deutsche Kinos auf 3D um. Als Avatar auslief, standen diese Kinos mit ihren 3D-Projektoren ohne Content da – und zeigten dann Pina. Wenders war bei der deutschen Premiere von Avatar am ersten Tag dabei.
Hugo Cabret
Martin Scorsese · 2011
Der 12-jährige Waisenjunge Hugo lebt alleine in den Gemäuern eines gigantischen Pariser Bahnhofs. Seit sein Vater, ein talentierter Uhrenmacher, bei einem Brand ums Leben gekommen ist, versteckt sich Hugo auf dem Dachboden hinter einer großen Bahnhofsuhr. Statt zur Schule zu gehen, muss er die Arbeit seines Onkels übernehmen: Täglich macht er einen Kontrollweg durch die großen Hallen, um alle Bahnhofsuhren in Schuss zu halten und aufzuziehen.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:51:03 „Scorsese hat einen Film gemacht, der war auch sehr schön.“
Wenders erwähnt Scorseses 3D-Film beiläufig als eines der wenigen gelungenen Arthouse-3D-Werke neben seinem eigenen Film Pina. Der Film wird nicht namentlich genannt, gemeint ist höchstwahrscheinlich 'Hugo Cabret' (2011).
Die Höhle der vergessenen Träume
Werner Herzog · 2010
Die Höhle der vergessenen Träume heißt eigentlich Chauvet-Höhle und befindet sich im Süden Frankreichs. Sie beherbergt die ältesten vom Menschen produzierten Wandmalereien. Werner Herzog liefert mithilfe der neuesten 3D-Technik Einblicke in diese ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugängliche archäologische Stätte. Dabei beschränkt sich der Film nicht nur darauf, die bemalten Wände in plastischen Bildern zu zeigen.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:51:13 „Herzog hat den Film in der Höhle gedreht und war auch toll. Und dann kam irgendwie nichts mehr.“
Werner Herzogs 3D-Dokumentarfilm über die Chauvet-Höhle wird neben Wenders' Pina und Scorseses Film als eines der wenigen 3D-Arthouse-Werke erwähnt. Danach versiegte die kreative 3D-Filmproduktion weitgehend, was Wenders bedauert.
Chambre 666
Wim Wenders · 1982
Wim Wenders' Dokumentarfilm aus 1982, in dem Filmlegenden wie Spielberg, Godard, Fassbinder und Herzog in einem Hotelzimmer in Cannes einzeln vor der Kamera über die Zukunft des Kinos sprechen. Ein intimer Blick auf Filmemacher, die sich mit der existenziellen Bedrohung des Kinos durch Fernsehen und Video auseinandersetzen. Der Film verbindet konzeptionelle Eleganz mit bewegenden persönlichen Reflexionen über das Medium, das diese Künstler geprägt hat.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:53:13 „Sie haben mal 1982, also schon ein bisschen früher, ein Interviewfilm gedreht in Cannes, den ich nicht kannte. Es ist in einem Hotelzimmer in Cannes gedreht. Alle Weltstars des Films im Grunde treten auf, alle sind in Cannes und bekommen eine Frage gestellt, die sich um die Zukunft des Kinos dreht.“
Jochen Wegner bringt Wenders' Dokumentarfilm 'Zimmer 666' (Chambre 666) von 1982 ins Gespräch. Darin sitzen Filmgrößen wie Spielberg, Godard, Antonioni, Fassbinder und Herzog allein in einem Hotelzimmer in Cannes vor der Kamera und reflektieren über den drohenden Tod des Kinos durch Fernsehen und Video. Wegner findet den Film grandios und rührend zugleich.
Hammett
Wim Wenders · 1982
Hammett ist ein Spielfilm von Wim Wenders aus den 1980er Jahren, der 1984 beim Filmfestival in Cannes aufgeführt wurde. Der Regisseur nutzt den Film als persönliches Beispiel für die damalige Kinokrise, in der die traditionelle Filmsprache durch Werbefilmästhetik verdrängt wurde. Wenders war selbst nicht stolz auf das Ergebnis, sah darin aber ein symptomatisches Dokument der Sackgasse, in der sich das Kino befand.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:57:21 „Ich habe ja auch einen Film gezeigt, der in Cannes 1984, Hammett lief da, war auch nicht sehr stolz drauf und der war im selben Dilemma, das Kino war irgendwie in der Sackgasse.“
Wenders erwähnt seinen Film Hammett als persönliches Beispiel für die damalige Kinokrise. Er zeigte ihn 1984 in Cannes, war aber nicht stolz darauf. Der Film stand symptomatisch für die Sackgasse, in der sich das Kino befand, als die Werbefilmsprache die Filmsprache zu verdrängen begann.
Zimmer 666
Wim Wenders
Dokumentation von Wim Wenders aus den Cannes Film Festival, in der prominente Filmregisseure (Spielberg, Godard, Fassbinder, Herzog) in Einzelinterviews ihre Positionen zur Zukunft des Kinos darlegen. Ein historisches Archivdokument, das zentrale filmtheoretische Perspektiven der Zeit konserviert.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 03:58:05 „Zimmer 666, also der Film hatte auch einen französischen Titel, weil das so kurzfristig gemacht worden ist. Gab auch kein Geld dafür, aber war eine französische Kinosendung, Cinema Cinema hieß die, die das sagt, wir zeigen das sofort.“
Wim Wenders erzählt ausführlich die Entstehungsgeschichte seiner Dokumentation, die während der Filmfestspiele von Cannes entstand. Regisseure wie Spielberg, Godard, Fassbinder und Herzog setzten sich allein vor eine Kamera und beantworteten eine Frage zur Zukunft des Kinos. Der Film gilt als historisches Dokument der Filmgeschichte.
Der weiße Hai
Steven Spielberg · 1975
Ein weißer Hai terrorisiert eine Badeinsel an der amerikanischen Atlantikküste. Besonnene Einheimische unter Führung von Polizeichef Brody wollen alle Strände schließen und zur großen Jagd blasen, während die Schar der Kaufleute und Gastwirte angesichts der einträglichen Badesaison lieber zur Tagesordnung übergeht und sich damit auch durchsetzt.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:58:41 „Da sitzt zum Beispiel Steven Spielberg damals, weiß ich nicht, in seinen 30ern würde ich mal peilen oder so. Der so mit Fingern vorrechnet, wie viel das Budget für den weißen Hai war und wie viel es heute wäre und nächstes Jahr.“
Wegner beschreibt eine Szene aus 'Zimmer 666', in der der junge Spielberg das Budget von 'Der weiße Hai' hochrechnet und dabei auf kuriose Dollarbeträge kommt. Es sei ein rührender Moment, der zeigt, wie damals selbst die Größten des Kinos um dessen Zukunft bangten.
Superman
Richard Donner · 1978
Kurz vor der Zerstörung seines Heimatplaneten Krypton wird der kleine Kal-El von seinen Eltern in einer Raumkapsel Richtung Erde geschickt. Dort findet ihn das Farmerehepaar Kent, das ihm den Namen Clark gibt. Schon früh stellt sich heraus, dass ihr Ziehsohn außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Erwachsen geworden, arbeitet Clark als unscheinbarer Reporter beim Daily Planet, wo er sich in seine Kollegin Lois Lane verliebt. Die hat jedoch nur Augen für Superman, nicht ahnend, dass der Held und Cl
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:03:28 „Ich weiß nicht, wie viel jetzt der Superman, der jetzt rauskommt, ist für wievielte? Ich habe vergessen zu zählen. Der kommt jetzt gerade ins Kino.“
Im Kontext einer Diskussion über die Übersättigung durch Superheldenfilme erwähnt Wenders den neuesten Superman-Film als Beispiel für die endlose Fortsetzung formelhafter Franchise-Filme, die das Kino zwar gerettet, aber auch zu Versatzstücken geführt hätten.
Ich bin noch da (Noch nicht identifiziert – Walter Salles Film)
Walter Salles · 2024
The Secret Agent (Originaltitel: O Agente Secreto) ist ein Spielfilm von Kleber Mendonça Filho aus dem Jahr 2025. Der Thriller mit Wagner Moura in der Hauptrolle ist im Jahr 1977 in Brasilien während der Militärdiktatur angesiedelt und handelt von einem Mann, der wegen „subversiver Aktivitäten“ verfolgt wird. Die fiktive Geschichte wurde von Kindheitserinnerungen des Regisseurs an seine Heimatstadt Recife und seinem vorherigen Dokumentarfilm Pictures of Ghosts (2023) inspiriert.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:04:14 „Neulich gab es einen wunderschönen Film, den hat Walter Salles gemacht. Ein brasilianischer Filmmacher, der zehn Jahre lang keinen Film gemacht hat“
Wenders empfiehlt einen neuen Film von Walter Salles über eine brasilianische Familie während der Militärdiktatur, den er als unglaublich berührend beschreibt.
I Still Believe in the Future of Cinema (Ich glaube noch an das alte Kino)
Walter Salles
Filmemacher Walter Salles erzählt in diesem Oscar-prämierten Drama die Geschichte einer brasilianischen Familie während der Militärdiktatur, in der Menschen spurlos verschwunden sind. Der Film besticht durch seine authentische und emotional ergreifende Darstellung und wird als Beweis für die anhaltende Erneuerungskraft des Kinos gelobt. Nach einem zehnjährigen Rückzug vom Filmemachen hat Salles mit diesem Werk ein Meisterwerk geschaffen, das die Komplexität einer Familie in einer Zeit der Unterdrückung einfühlsam porträtiert.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:05:02 „Neulich gab es einen wunderschönen Film, den hat der Walter Salles gemacht. Brasilianischer Filmemacher, der zehn Jahre lang keinen Film gemacht hat und dann diesen Film gemacht hat über eine brasilianische Familie zu der Zeit, als es in Brasilien die Militärdiktatur gab und wo Menschen spurlos verschwunden sind, hat er einen unglaublich berührenden Film gemacht.“
Auf die Frage nach bemerkenswerten neuen Filmen nennt Wenders den jüngsten Film von Walter Salles als Beispiel für die Erneuerungsfähigkeit des Kinos. Der Film über eine Familie während der brasilianischen Militärdiktatur gewann bei den Oscars einen Preis für die beste Schauspielerin. Wenders lobt die authentische Darstellung der Familie als einzigartig in der Kinogeschichte.
Ainda Estou Aqui (I'm Still Here)
Walter Salles · 2024
Rio de Janeiro, Anfang der 1970er Jahre. In einem gemieteten Haus am Strand lebt die Familie Paiva: Vater Rubens, Mutter Eunice und ihre fünf Kinder. Auch mit der allgegenwärtigen Unterdrückung bewahren sie in ihrem Zuhause eine Atmosphäre der Liebe, des Humors und der Offenheit. Ihre Zuneigung zueinander wird zu einem stillen Akt des Widerstands gegen die Diktatur, die ihr Leben radikal verändert.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:05:02 „Neulich gab es einen wunderschönen Film, den hat der Walter Salles gemacht. Brasilianischer Filmemacher, der zehn Jahre lang keinen Film gemacht hat und dann diesen Film gemacht hat über eine brasilianische Familie zu der Zeit, als es in Brasilien die Militärdiktatur gab und wo Menschen spurlos verschwunden sind.“
Wenders nennt den Film als Beispiel dafür, dass das Kino sich ständig erneuert. Er lobt die Darstellung der Familie als einzigartig realistisch und erwähnt, dass der Film einen Oscar für die Schauspielerin gewonnen hat. Die bereits extrahierte Zuordnung zu Walter Salles unter falschem Titel ('I Still Believe in the Future of Cinema') ist fehlerhaft.
I'll Be Gone in June
Katharina Höhlis
Debütfilm der DFFB-Absolventin Katharina Höhlis, produziert von Wenders' Produktionsfirma. Eine intime Coming-of-Age-Geschichte, die mit innovativer filmischer Sprache einen frischen, eigenständigen Blick auf das Genre wirft. Der Film zeichnet sich durch seine künstlerische Originalität und unkonventionelle Erzählweise aus.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:05:52 „Wir haben gerade selbst einen Erstlingsfilm einer jungen Regisseurin gemacht, ihren ersten Film nach der DFFB, Katharina Höhlis, I'll Be Gone in June, der kommt aber jetzt erst im Herbst in China.“
Wenders erwähnt stolz den Debütfilm einer jungen DFFB-Absolventin, den seine Produktionsfirma realisiert hat. Er beschreibt ihn als einen Film, der eine ganz neue filmische Sprache erfindet – eine intime Coming-of-Age-Geschichte, die erzählt wird, als habe es noch nie einen Film zu diesem Thema gegeben.
Gesamtwerk / Filme
Jim Jarmusch
Jim Jarmusch ist ein Filmemacher, der das Kino kontinuierlich neu erfindet und bewusst auf etablierte Formeln verzichtet. Seine Filme zeichnen sich durch künstlerische Innovation und Originalität aus, die ihn von konventionellen Regisseuren unterscheidet. Sein unkonventioneller und experimenteller Zugang zum Filmemachen wird von Kollegen wie Wim Wenders als vorbildlich für zeitgenössisches, progressives Kino geschätzt.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:06:44 „Ich würde jeden Film von Jim Jarmusch gucken. Ganz einfach, weil ich denke, dass er das auch immer neu erfinden will und dass er auch einer ist, der nicht zufrieden ist, dass man irgendwelche Formeln benutzt.“
Auf die Frage nach bemerkenswerten neuen Filmen nennt Wenders neben Walter Salles auch Jim Jarmusch als Filmemacher, der das Kino ständig neu erfindet und keine Formeln benutzt.
Paris, Texas
Wim Wenders · 1984
Vier Jahre nach seinem Verschwinden taucht der tot geglaubte Travis in einer Steinwüste nahe der mexikanischen Grenze auf. Ein Arzt benachrichtigt seinen Bruder Walt, der den erinnerungslosen Mann in seinem noblen Haus in L.A. aufnimmt. Bei Walt trifft Travis auch auf seinen siebenjährigen Sohn Hunter, der seit der Trennung seiner Eltern bei seinem Onkel lebt. Zögerlich kehren Travis’ Erinnerungen zurück und auch sein zurückhaltender Sohn fasst langsam Vertrauen.
🗣 Amend referenziert bei ⏱ 04:07:35 „Wir müssen über Paris, Texas reden. Denn den haben Sie eben auch zu den schönsten Momenten Ihres Lebens gezählt.“
Ausführliche Erzählung der Entstehung von Paris, Texas: die Zusammenarbeit mit Sam Shepard, Harry Dean Stanton als 55-jährige Erstbesetzung in einer Hauptrolle, die Piraten-Dreharbeiten mit Touristen-Visa und der Teamster-Ausweis.
Perfect Days
Wim Wenders · 2023
Hirayama scheint mit seinem einfachen Leben als Toilettenreiniger in Tokio vollauf zufrieden zu sein. Außerhalb seines sehr strukturierten Alltags genießt er seine Leidenschaft für Musik und für Bücher. Und er liebt Bäume und fotografiert sie. Eine Reihe unerwarteter Begegnungen enthüllt nach und nach mehr über seine Vergangenheit.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 04:25:12 „Perfect Days zeigt, dass die Frage falsch gestellt ist.“
Wenders spricht über Perfect Days und erzählt die Geschichte, wie er und seine Frau nach dem letzten Drehtag die Overalls der Toilettenreinigungsfirma trugen und in einer Bar landeten.
Hexenmahnmal
Peter Zumthor
Das Hexenmahnmal (Steilneset Memorial) in Vardø ist ein Gedenkstätte des Schweizer Architekten Peter Zumthor für die Opfer der Hexenverfolgungen. Das minimalistisch gestaltete Monument vereint Architektur und Geschichte und gilt als eines der bedeutendsten Werke Zumthors neben der Bruder-Klaus-Feldkapelle. Der Ort dokumentiert ein düsteres Kapitel der Skandinavischen Geschichte und zeigt die tiefe humanistische Verantwortung zeitgenössischer Architektur.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:28:28 „Zumthor oder Chipperfield? Muss ich jetzt Zumthor sagen. Hexenmahnmal. Hexenmahnmal, Vardø oder Bruder Klaus Feldkapelle? Ich habe ja nur noch zwei. Dann sage ich Hexenmahnmal.“
Im A-oder-B-Spiel wählt Wenders Peter Zumthor gegenüber David Chipperfield, und dann das Hexenmahnmal (Steilneset Memorial) in Vardø gegenüber der Bruder-Klaus-Feldkapelle – beides Werke des Schweizer Architekten Zumthor.
Bruder Klaus Feldkapelle
Peter Zumthor
Die Bruder Klaus Feldkapelle ist ein minimalistisches Kapellengebäude von Stararchitekt Peter Zumthor in Mechernich. Das ungewöhnliche Bauwerk aus Beton wird als eines der bedeutendsten zeitgenössischen Sakralbauten betrachtet. Der Artikel wird im Podcast als interessante Architektur-Alternative zu anderen bekannten Memorialen diskutiert.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:28:38 „Hexenmahnmal, Wardö oder Bruder Klaus Feldkapelle? Ich habe ja nur noch zwei. Dann sage ich Hexenmahnmal.“
Die Bruder-Klaus-Feldkapelle in Mechernich, ein vielbeachtetes Bauwerk von Peter Zumthor, wird als Alternative zum Hexenmahnmal angeboten. Wenders entscheidet sich für das Hexenmahnmal.
Winnetou
Karl May · 2023
* Winnetou, l'Homme de la prairie * Le Trésor des Montagnes rocheuses * La Trahison des Commanches * Dans la forteresse des trappeurs Le narrateur, nouvel arrivé au FarWest, traité de greenhorn (piedtendre, novice) par ses compagnons avec qui il réalise l'arpentage du futur tracé d'une ligne de chemin de fer pour l'Atlantic and Pacific Company, ne tarde pas à réaliser, sans en avoir l'air, de tels exploits qu'on le surnomme rapidement Old Shatterhand (La main qui frappe).
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:31:00 „Winnetou oder Old Shatterhand? Winnetou. Winnetou oder kein Winnetou? Zwei Winnetous. Doch lieber Winnetou als keiner.“
In der Entweder-oder-Runde werden die Karl-May-Figuren Winnetou und Old Shatterhand gegenübergestellt. Wenders wählt Winnetou und bekräftigt, dass er lieber Winnetou als gar keinen hätte — eine Anspielung auf die Debatte um die Winnetou-Figur.
Bis ans Ende der Welt
Wim Wenders · 1991
‘Bis ans Ende der Welt’ ist für Wim Wenders ‘das ultimative Road Movie, eine Reise um den Globus, eine Odyssee der Gegenwart’. In Wenders' moderner Lesart ist Odysseus heute ein junger Mann, Sam, der im Auftrag seines Vaters unterwegs ist, um Bilder aus dem Leben seiner blinden Mutter aufzuzeichnen. Denn sein Vater will diese Bilder wieder ins Sehzentrum seiner Frau implementieren. In dem 1990 entstandenen Film behandelt Wim Wenders ein Thema, das ihn in diesen Jahren umtrieb: der Verlust authen
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:50:06 „Der Liebste ist der, der es am schwersten gehabt hat. Das war Bis ans Ende der Welt. So ein Science-Fiction-Film, den ich 1990 gemacht habe. Und der wirklich ein aberwitziges Unterfangen war, der ging durch vier Kontinente und zehn Länder und war ein Roadmovie, wie es es noch nie vorher gegeben hat.“
Auf die Frage nach seinem Lieblingsfilm nennt Wenders 'Bis ans Ende der Welt'. Er erzählt die dramatische Geschichte des Films: Gedreht in zehn Ländern mit damals 20 Millionen Dollar Budget, wurde er von den Verleihern auf zweieinhalb Stunden zusammengekürzt. Wenders rettete heimlich das Originalnegativ und konnte erst zehn Jahre später seinen viereinhalb Stunden langen Director's Cut veröffentlichen.
Die Reise nach Tokio (Tokyo Story)
Yasujiro Ozu · 1953
Als Shukichi und Tomi nach langer Reise in Tokio ankommen, merken sie schnell, dass ihre beiden ältesten Kinder - Kōichi (Sô Yamamura) und Shige (Haruko Sugimura) - wenig Zeit für sie haben. Sohn Kōichi ist Arzt, Tochter Shige hat einen Schönheitssalon. Wirkliche Aufmerksamkeit bekommt das angereiste Seniorenpärchen nur von Noriko (Setsuko Hara), der Witwe des im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sohnes.
🗣 Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:57:46 „Warum ist die Reise nach Tokio so ein guter Film? der 50. Film oder so von diesem japanischen Regisseur Yasuhiro Osu.“
Wenders erklärt ausführlich, warum Tokyo Story sein erklärter Lieblingsfilm ist. Er beschreibt Ozus einzigartige Kameraposition und die Kraft der Familiengeschichten.
La Jetée
Chris Marker · 1962
Ein Mann wird während eines Experiments mit seiner Vergangenheit konfrontiert, um eine Lösung für die Probleme einer post-apokalyptischen Welt zu finden, die durch einen Weltkrieg verursacht wurde.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 05:11:04 „in die ich seit dem ersten Mal in Tokio, seit 1978, wann immer ich da war, viele hundert Mal vielleicht, war ich in Tokio in dieser Bar, die heißt nach einem Film von Chris Marker, La Jetée, ein berühmter Kurzfilm von einem der großen Dokumentarfilmregisseure aller Zeiten, Chris Marker.“
Wenders erzählt die Geschichte seiner Lieblingsbar in Tokio, die nach Chris Markers berühmtem Kurzfilm benannt ist. Eine japanische Besitzerin liebte den Film so sehr, dass sie ihre winzige Bar danach benannte. Chris Marker selbst besuchte die Bar später und liebte sie ebenfalls. Die Anekdote entsteht im Kontext der Dreharbeiten zu Perfect Days.
Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten
Wim Wenders · 1989
Yohji Yamamoto - ein kreatives Genie zwischen den Metropolen Paris und Tokio. Wim Wenders findet in ihm einen Seelenverwandten und beobachtet den Mode-Avantgardisten mit der Kamera. Wenders' Film über die Kunst des Kleidens wird zum Porträt der Städte und zum Diskurs der Gemeinsamkeiten von Architektur, Design und Kino.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 05:26:55 „Einer Ihrer besten Freunde in Japan ist ja der Modemacher Yoshi Yamamoto, über den Sie einen fantastischen Dokumentarfilm auch gedreht haben. Tragen Sie eigentlich heute etwas von Yamamoto?“
Christoph Amend spricht Wenders' Dokumentarfilm über den japanischen Modedesigner Yohji Yamamoto an. Wenders erzählt, dass er den Film als Ein-Mann-Team komplett alleine gedreht hat – Ton, Bild, alles. Durch diese intensive Nähe habe er Yamamotos Arbeitsweise tief verstanden und Parallelen zwischen ihrer beider Nachkriegs-Prägung in Deutschland und Japan entdeckt.
Skaletta
Wim Wenders
Wim Wenders spricht über die frühe deutsche Filmförderung, die jungen Regisseuren nach Fehlschlägen weiterhalf. Trotz des Misserfolgs von Skaletta (vermutlich Der scharlachrote Buchstabe) konnte er zehn Jahre lang regelmäßig Filme drehen – ein heute verlorenes Privileg für ambitionierte Filmschaffende.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 05:39:28 „Ich habe damals, obwohl eigentlich Skaletta ein Fiasko war, war eigentlich deutlich, habe ich weiter Filme machen können. Ich habe zehn Jahre lang, jedes Jahr einen Film gemacht.“
Wenders spricht über die Großzügigkeit des frühen deutschen Filmbetriebs, der jungen Regisseuren zweite Chancen gab. Trotz des Misserfolgs von 'Skaletta' konnte er weiterdrehen – ein Luxus, den junge Filmemacher heute nicht mehr hätten. Der Titel ist möglicherweise eine Transkriptionsvariante von 'Der scharlachrote Buchstabe' (1973).
Der amerikanische Freund
Wim Wenders · 1977
Der Bilderrahmer und Restaurateur Jonathan Zimmerman leidet an einer gefährlichen Blutkrankheit. Der skrupellose amerikanische Kunsthändler Tom Riple erfährt davon und aus einer Laune heraus erzählt er dem Ganoven Minot von Jonathan. Der bietet dem todkranken Mann an, für ihn einen Mordauftrag durchzuführen. Dafür soll er hoch bezahlt werden, um so seiner Frau und seinem Kind etwas hinterlassen zu können.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 05:43:40 „der Coppola hat mich angeheuert und angerufen, weil er den amerikanischen Freund gesehen hat“
Wenders erzählt, wie Coppola ihn wegen des Amerikanischen Freundes engagierte. Dennis Hopper kam direkt von Apocalypse Now, war völlig zerstört und musste erst ins Tropeninstitut gebracht werden.
The Last Movie
Dennis Hopper · 1971
Dennis Hoppers experimenteller Film "The Last Movie" (1971) wurde von Hollywoods Filmindustrie völlig verachtet und konnte sich jahrelang nicht durchsetzen. Der Film wird im Podcast als zentrales Beispiel für Hoppers beruflichen Absturz Mitte der 1970er Jahre genannt, der ihn schließlich zur Flucht nach Europa führte. Es dokumentiert, wie ein gescheitertes Projekt eine ganze Karriere in Hollywood ruinieren konnte.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 05:50:15 „Und sein eigener Film, The Last Movie, war nie rausgekommen zu dem Zeitpunkt und war auch in Hollywood komplett verfemt. Der ist dann erst viele Jahre später rausgekommen.“
Wenders erklärt, warum Dennis Hopper Mitte der 70er Jahre in Europa lebte: Hollywood hatte ihm alles unter den Füßen weggezogen. Sein eigener Film 'The Last Movie' (1971) war komplett verfemt worden und nie regulär herausgekommen. Hopper brauchte Abstand von der amerikanischen Filmindustrie.
Apocalypse Now
Francis Ford Coppola · 1979
Im Jahr 1969, mitten im Vietnamkrieg, erhält Captain Benjamin L. Willard den Auftrag, den abtrünnigen Colonel Walter E. Kurtz zu liquidieren. Dieser hat sich von der amerikanischen Militärführung distanziert und lässt sich nicht mehr kontrollieren. Im kambodschanischen Dschungel hat er sich ein eigenes „Reich“ aufgebaut, über das er gebieterisch herrscht. Captain Willard macht sich in einem Patrouillenboot samt Besatzung von Saigon aus auf den Weg durch den Dschungel.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 05:51:06 „Da drehe ich mit Francis Ford Coppola, da kannte ich den noch nicht. Apokalypse Now. Da drehe ich und anschließend können wir das dann machen. Aber ich weiß nicht genau, wie lange das dauert, bis wir das machen.“
Dennis Hopper sagte Wenders zwar für den 'Amerikanischen Freund' zu, musste aber zuerst zu den Dreharbeiten von Apocalypse Now auf die Philippinen. Die legendär chaotischen Dreharbeiten zogen sich monatelang hin, und als Hopper schließlich in Hamburg ankam, war er sturzbesoffen, high und trug noch sein Filmkostüm – ein durchgeknallter Fotograf mit drei Kameras.
Hearts of Darkness: A Filmmaker's Apocalypse
Eleanor Coppola · 1991
1976 begann Francis Ford Coppola auf den Philippinen mit den Dreharbeiten zu "Apocalypse Now". Aus geplanten 6 Wochen Drehzeit wurden mehr als drei Jahre, und das hatte viele Gründe: Harvey Keitel wurde von Coppola gefeuert, sein Nachfolger Martin Sheen erlitt einen Herzanfall, der philippinische Bürgerkrieg brauch aus und dann zerstörte ein Taifun fast alle Requisiten. Für Coppola und sein Team wurden die Dreharbeiten zu einem Alptraum...
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 05:54:11 „Es gibt ja den Dokumentarfilm von Francis Ford Coppolas Frau. Darüber kann man das alles. Das gibt ein ziemlich genaues Bild der Dreharbeiten.“
Als Wenders die chaotischen Zustände am Set von Apocalypse Now schildert – Dennis Hoppers Drogenexzesse, die monatelangen Dreharbeiten im philippinischen Dschungel –, verweist Christoph Amend auf Eleanor Coppolas Dokumentarfilm, der ein genaues Bild dieser legendären Dreharbeiten zeichne.
Palermo Shooting
Wim Wenders · 2008
Als weltweit erfolgreicher Fotograf lebt Finn ein gleichermaßen prominentes wie hektisches Leben in der Rheinmetropole Düsseldorf. Seine Nächte sind ruhelos, sein Mobiltelefon steht nie still, und die Musik im Kopfhörer ist sein wichtigster Begleiter. Als seine Existenz urplötzlich aus den Fugen gerät, lässt Finn kurz entschlossen alles hinter sich. Seine Reise führt ihn nach Palermo. Dort wird er von einem mysteriösen Schützen verfolgt, der ihm nach dem Leben trachtet.
🗣 Wim Wenders erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:56:04 „Und als ich mit Dennis nochmal gedreht habe in Palermo Shooting, war jedem jener Satya de la Manitou, so hieß er tatsächlich, sein Dealer auch dabei, aber diesmal um ihn zu beschützen, damit er bloß nichts nimmt.“
Wenders erzählt, dass Dennis Hoppers ehemaliger Dealer bei den späteren gemeinsamen Dreharbeiten zu 'Palermo Shooting' (2008) eine umgekehrte Rolle einnahm: Statt Hopper mit Drogen zu versorgen, passte er auf, dass Hopper clean blieb. Hopper hatte seit dem 'Amerikanischen Freund' nie wieder etwas angerührt.
Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb
Stanley Kubrick · 1964
Ein geisteskranker amerikanischer General, Jack D. Ripper, fühlt sich durch die kommunistische Weltverschwörung mehr und mehr bedroht. Eines Tages dreht er völlig durch. Er setzt die amerikanische Atombombenflotte Richtung Sowjetunion in Marsch. Weil der General das Geheimnis des Rückruf-Codes schließlich mit ins Grab nimmt, ist der amerikanische Präsident Muffley gezwungen, dem Sowjetpremier am Roten Telefon alle Einzelheiten über die anschwebenden Todesbomber zu verraten.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 06:09:33 „Kubrick, als er lernte, die Bombe zu lieben, ist ja ein sehr satirischer Film. Aber das ist ja harmlos gegenüber dem, was da heute alles passiert ist. Kubrick hätte sich den Trump nicht ausdenken können.“
Wenders zieht einen Vergleich zwischen der politischen Satire in Kubricks Filmklassiker und der heutigen politischen Realität unter Trump. Er argumentiert, dass selbst Kubricks überspitzte Satire harmlos wirke im Vergleich zu dem, was in der US-Politik tatsächlich geschehe.
Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Theodor Fontane
Fontanes vierbändiges Reisewerk dokumentiert die Mark Brandenburg mit literarischem Blick: Landschaften, Orte, Menschen und ihre Geschichten. Ein erschöpfendes Porträt der Region rund um Berlin, das die Gegend kulturell und historisch erschließt.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 06:16:50 „Es geht mir eigentlich ein bisschen wie Fontane. Ich könnte die Wanderung durch die Mark Brandenburg, ich könnte viel erzählen von vielen Orten rund um Berlin und auch der ist ja rund um Berlin gewandert.“
Wenders vergleicht seine jahrelange Suche nach einem Landsitz rund um Berlin mit Fontanes berühmtem Reisewerk. Nachdem er zehn Jahre lang in alle Himmelsrichtungen gesucht hatte, kennt er die Gegend um Berlin ähnlich gut wie Fontane sie einst literarisch erschlossen hat.
Mythos Berlin
Eberhard Knödler-Bunte
Ausstellung zur Geschichte Berlins von Eberhard Knödler-Bunte, präsentiert Ende der 1980er Jahre. Sie beeinflusste Wim Wenders während der Vorbereitung zu 'Der Himmel über Berlin' und prägte seine künstlerische Vision der Stadt nachhaltig.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 06:21:52 „Ebert war in Berlin, hat Ausstellungen gemacht in Berlin und wenn irgendjemand sich erinnert an eine wunderbare Ausstellung »Mythos Berlin«, das war Ende der 80er Jahre. Eine ganz großartige Ausstellung über die Geschichte von Berlin.“
Wenders erinnert sich an die Ausstellung 'Mythos Berlin' von Eberhard Knödler-Bunte, die Ende der 1980er Jahre stattfand. Die Ausstellung beeinflusste ihn während der Vorbereitungszeit zu 'Der Himmel über Berlin' und gab ihm Ideen für seinen Film.
Ästhetik und Kommunikation
Eberhard Knödler-Bunte
Legendäre deutschsprachige Kulturzeitschrift zur Ästhetik und Kommunikation, gegründet von Eberhard Knödler-Bunte. Forum für intellektuelle Debatten über Kunst, Design und Gesellschaftskritik.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 06:23:36 „Eberhard hat auch eine hervorragende Zeitschrift rausgebracht, die ihr vielleicht kennt. Ästhetik und Kommunikation. Da war einer der Gründer, der hat das dann bloß auch nicht mehr gemacht, aber steht immer noch im Impressum.“
Wenders erwähnt die Zeitschrift 'Ästhetik und Kommunikation' als Herzensprojekt seines verstorbenen Nachbarn Eberhard Knödler-Bunte, der einer der Gründer war. Die Zeitschrift wird als Beleg für Knödler-Buntes intellektuelle Vielseitigkeit angeführt.
Non, je ne regrette rien
Édith Piaf · 1960
Non, je ne regrette rien (französisch, „Nein, ich bereue nichts“) ist das weltweit berühmteste Chanson von Édith Piaf, das 1956 von Charles Dumont (1929–2024) komponiert und von Michel Vaucaire (1904–1980) geschrieben wurde. Es wurde von Édith Piaf am 10. November 1960 zum ersten Mal aufgenommen und im Dezember veröffentlicht. Der Titel erreichte in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Kanada Platz 1 der Verkaufscharts.
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 06:29:20 „Bereue. Kann ich nur sagen, Edith Piaf. Schöne Regretterie, ja. Super Lied. Ist doch toll, dass diese Frau das so gesungen hat. Stimmt. Und die hat es auch gemeint und ich meine, dass sie es auch sang.“
Auf die Frage, ob er etwas in seinem Leben bereue, antwortet Wenders mit einem Verweis auf Édith Piafs berühmtes Chanson. Er teilt ihre Haltung: Reue sei ihm fremd, man könne die Vergangenheit nicht ändern und solle zu seinen Entscheidungen stehen.
The Act of Seeing / Logik der Bilder (Essays)
Wim Wenders
The Cinema of Wim Wenders: The Celluloid Highway is a new study of the films of this most prominent of German directors, and penetrates the seductive sounds and images for which he is best known. The book analyses the individual films in the context of a preoccupation central to all of Wenders' work and writings: why modern cinema - a recording art, solely composed of sounds and images - naturally developed into a primarily narrative medium, a domain traditionally associated with words and sente...
🗣 Wim Wenders referenziert bei ⏱ 06:29:38 „Das ist der erste Band von Essays, die ich gemacht habe. Der erste war, glaube ich, The Act of Seeing.“
Wenders blättert in seinen Essaybänden, die im Verlag der Autoren erschienen sind, dessen Mitbesitzer er ist.
Die Logik der Bilder
Wim Wenders
Essayband von Wim Wenders, der sich mit der visuellen Ästhetik und Bildsprache auseinandersetzt. Der Regisseur reflektiert darin über die Logik und Kraft von Bildern, ihre Wirkung und Bedeutung in Kultur und Kunst. Das Werk vermittelt Einblicke in Wenders' filmisches Denken und ist relevant für das Verständnis seiner künstlerischen Philosophie.
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:30:39 „Das ist zum Beispiel die Logik der Bilder, was sie gerade jetzt blättern, ne?“
Christoph Amend identifiziert eines der antiquarisch besorgten Bücher aus der Wenders-Bibliothek, die Jochen Wegner für das Gespräch mitgebracht hat. Es handelt sich um einen weiteren Essayband von Wim Wenders.
Anselm – Das Rauschen der Zeit
Wim Wenders · 2023
In Anselm zeichnet Wim Wenders das Porträt eines der innovativsten und bedeutendsten bildenden Künstler unserer Zeit: Anselm Kiefer. Gedreht in 3D und in einer Auflösung von 6K erlaubt der Film seinem Publikum eine filmische Reise durch das Werk eines Künstlers, dessen Kunst die menschliche Existenz und die zyklische Natur der Geschichte erforscht, inspiriert von Literatur und Poesie, Geschichte, Philosophie, Wissenschaft, Mythologie und Religion.
🗣 Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:32:51 „Stimmt es wirklich, dass Pina Bausch irgendwann aufgehört hatte, mit Ihnen zusammen den Film zu drehen“
Im Kontext der Diskussion über Wenders' Dokumentarfilme wird sein Film über Anselm Kiefer implizit erwähnt als Teil seines Spätwerks.
Peace by Peace
Wim Wenders · 2021
Science-Fiction-Drama von Wim Wenders über Frieden: Ein Blick aus der Zukunft auf die gegenwärtige Zeit zeigt, wie Frieden möglich ist. Das philosophische Projekt erforscht das Thema zwischen globalen Konflikten und menschlichen Hoffnungen – ein ambitioniertes Werk über Versöhnung, das 2025 zeitgenössischer denn je wirkt.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:00:42 „Ich habe ein großes Projekt, eine fiktive, eine Science-Fiction-Geschichte über Frieden. Wo man aus der Zukunft auf unsere Zeit guckt. Mein Arbeitstitel ist Peace by Peace.“
Wim Wenders verrät sein nächstes großes Filmprojekt: einen Science-Fiction-Film über Frieden mit dem Arbeitstitel 'Peace by Peace'. Er arbeitet seit zehn Jahren an der Idee und erklärt den Doppelsinn des Titels – 'Frieden durch Frieden' und 'Stück für Stück'. Das Thema sei 2025 wichtiger denn je.
2001: A Space Odyssey
Stanley Kubrick · 1968
Als im Jahr 2001 ein Monolith auf dem Mond entdeckt wird, wird diese Entdeckung als der Beweis für außerirdisches Leben gedeutet. Eineinhalb Jahre nach der Entdeckung des Monoliths werden 2 Astronauten, Bowman und Poole, mit dem Raumschiff Discovery zum Jupiter geschickt, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Das Raumschiff ist mit dem Supercomputer HAL-9000 ausgerüstet. Bald ergeben sich erste Komplikationen mit dem Computer...
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:02:20 „Was sind denn die guten Science-Fiction-Filme aus Ihrer Sicht? 2001.“
Im Gespräch über gute Science-Fiction-Filme nennt Wim Wenders spontan '2001' als erstes Beispiel. Er argumentiert, dass die besten Sci-Fi-Filme Sorgen und Hoffnungen der Gegenwart in die Zukunft extrapolieren und man aus ihnen viel über ihre Entstehungszeit lernen kann.
Her
Spike Jonze · 2013
In was verliebt man sich bei seinem Gegenüber zuerst? Die Augen, das Gesicht, die Hände, die Stimme? Im Falle von Theodore Twombly ist es die Stimme. Ihm bleibt auch nichts anderes als die Stimme, denn Samantha ist körperlos. Sie ist die Stimme von Theodores neuem Betriebssystem, das über eine künstliche Intelligenz verfügt – und anscheinend auch über Emotionen.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:02:43 „Blade Runner. Ridley Scott. Her. Spike Jonze. Es gibt schon ein paar. Aber die guten sind eigentlich alles Filme, die Sorgen, Probleme, Hoffnungen aus der Gegenwart sozusagen in die Zukunft transportieren und extrapolieren.“
Wim Wenders nennt 'Her' von Spike Jonze als drittes Beispiel für gelungene Science-Fiction-Filme. Er betont, dass man aus all diesen Filmen viel über die Zeit lernen kann, in der sie entstanden sind – genau das will er auch mit seinem geplanten Friedens-Sci-Fi-Film erreichen.
Bücher von Byung-Chul Han
Byung-Chul Han · 2013
Großverleger prophezeien den Untergang der Verlage, die Piraten reklamieren den Untergang der Verlage, Amazon forciert den Untergang der Verlage. Wie sieht die Zukunft des Buchs aus, wenn es groß angelegte epische Serienprojekte wie "The Wire", "Game of Thrones", "Sopranos" und "Breaking Bad" gibt, um unseren Hunger nach guten Geschichten zu stillen? Gibt es einen signifikanten Distinktionsgewinn durch eBooks? Lassen sich Klassiker wie Joyce' "Ulysses", Manns "Zauberberg" auch digital verstehen?...
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:06:29 „Ich lese gerade an mehreren Büchern eines koreanischen Philosophen Byung-Chul Han. Ah ja, der in Berlin lebt. Ja, da habe ich drei gleichzeitig jetzt dabei.“
Auf die Frage, was er gerade liest, nennt Wim Wenders als erstes drei Bücher des koreanischen Philosophen Byung-Chul Han, die er gleichzeitig liest. Konkrete Titel werden nicht genannt, aber Wenders liest sie parallel – passend zu seiner Gewohnheit, vier bis fünf Bücher gleichzeitig zu lesen.
1913: Der Sommer des Jahrhunderts
Florian Illies · 2012
Ein Buch so farbig, so schillernd, so vielgestaltig wie der Sommer des Jahrhunderts."Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen - Illies' Geschichten sind einfach großartig." Ferdinand von SchirachDie Geschichte eines ungeheuren Jahres, das ein ganzes Jahrhundert prägte: Florian Illies entfaltet virtuos ein historisches Panorama. 1913: Es ist das eine Jahr, in dem unsere Gegenwart begann. In Literatur, Kunst und Musik werden die Extreme ausgereizt, als gäbe es kein Morgen.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:06:40 „Dann habe ich was gelesen, was ich damals verpasst habe. Ich weiß nicht, warum. Ich war woanders. 1913 von dem Elias.“
Auf die Frage, was er gerade liest, nennt Wim Wenders Florian Illies' '1913' als ein Buch, das er damals verpasst hat und jetzt nachholt. Er kam über Illies' späteres Werk 'Liebe in Zeiten des Hasses' darauf und findet es ein fantastisches Buch.
Liebe in Zeiten des Hasses
Florian Illies · 2021
»Absolut mitreißend: Auf jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken.« Daily Telegraph In einem virtuosen Epochengemälde erweckt Florian Illies die dreißiger Jahre, dieses Jahrzehnt berstender politischer und kultureller Spannungen, zum Leben. Als Jean-Paul Sartre mit Simone de Beauvoir im Kranzler-Eck in Berlin Käsekuchen isst, Henry Miller und Anaïs Nin wilde Nächte in Paris und Stille Tage in Clichy erleben, F.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:06:54 „Liebe in Zeiten des Hasses gelesen. Als es rauskam, fand ich das sehr toll und habe dann erst nachträglich gemerkt, das beruht ja eigentlich auf einer anderen Erzählung, die lese ich gerade. Fantastisches Buch.“
Wim Wenders erzählt, dass er 'Liebe in Zeiten des Hasses' von Florian Illies bei Erscheinen gelesen und toll gefunden hat. Erst danach merkte er, dass es auf dem früheren Buch '1913' basiert, das er dann nachholte. Der Weg vom neueren zum älteren Illies-Buch zeigt Wenders' assoziative Leseweise.
Geschichte eines Deutschen
Sebastian Haffner
Sebastian Haffners autobiographisches Werk dokumentiert die prägenden Jahre seiner Jugend von 1914 bis 1933 in Deutschland. Die Erinnerungen bieten einen persönlichen Blick auf die Weimarer Republik und die Entstehung des Nationalsozialismus aus der Perspektive eines intellektuellen Zeitgenossen. Das Buch erfreut sich erneuerter Aufmerksamkeit, nachdem Haffners lange unveröffentlichter Roman kürzlich Bestseller-Status erreichte. Eine wichtige historische Quelle für das Verständnis dieser turbulenten Epoche.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:07:06 „Dann lese ich die Lebensgeschichte von Sebastian Haffner, die ich auch voll verpasst habe damals. Das ist ja ein antiquarisches Buch.“
Wim Wenders liest gerade Sebastian Haffners autobiographisches Werk, das er damals verpasst hat. Anlass ist offenbar die aktuelle Aufmerksamkeit für Haffner, dessen nie veröffentlichter erster Roman gerade auf den Bestsellerlisten steht. Wenders bezeichnet es als 'antiquarisches Buch'.
Sebastian Haffners erster Roman
Sebastian Haffner · 2025
Eine Entdeckung aus dem Nachlass von Sebastian Haffner. »Ein federleichter Roman über das kostbare Glück der Freiheit – und wie schnell es mit ihr vorbei sein kann.« Iris Berben Raimund ist verliebt. Ungeheuer verliebt. Nur für ein paar Tage ist er aus dem dumpfen Deutschland der frühen Dreißigerjahre nach Paris gereist. Jetzt naht bereits sein Abschied von der herrlichen Teddy, die mit all ihrem Esprit dorthin ausgewandert ist.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 07:07:15 „Achso, weil ja jetzt sein erster, nie veröffentlichter Roman gerade auf den Bestsellerlisten steht. Genau, aber deswegen lese ich, richtig lese ich aber jetzt gerade diese Lebensgeschichte von ihm.“
Christoph Amend erwähnt, dass Sebastian Haffners erster, nie veröffentlichter Roman gerade auf den Bestsellerlisten steht. Der konkrete Titel wird nicht genannt. Wenders bestätigt, dass er den Roman zwar angeschaut, aber noch nicht gelesen hat – er konzentriert sich derzeit auf Haffners autobiographisches Werk.
Bücher von Alexander Kluge
Alexander Kluge · 2007
Vielschichtige Sammlungen historischen und kulturellen Wissens, die auf jeder Seite neue Gedankenimpulse geben. Prägnant, witzig und intellektuell anregend – ein Leseerlebnis voller überraschender Verbindungen und Einsichten.
🗣 Wim Wenders empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:07:36 „Und dann lese ich im Moment an drei Büchern gleichzeitig von Alexander Kluge. Die Bücher von ihm sind ja unfassbar vielschichtig. Von Geschichtswissen gedrängt, wie kaum was anderes, was ich kenne. Und irre witzig anregend, weil jede Seite bringt einen auf tausend Gedanken.“
Wim Wenders schwärmt von Alexander Kluges Büchern, von denen er gerade drei gleichzeitig liest. Er beschreibt Kluge als einen der letzten Universalgelehrten, dessen Bücher unfassbar vielschichtig seien und auf jeder Seite tausend neue Gedanken anregen. Im letzten Jahr seien allein drei neue erschienen – und bevor er die geschafft hat, kam schon das vierte.
Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos
Alexander Kluge · 1968
Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos ist ein preisgekrönter Spielfilm von Alexander Kluge Er handelt von einer jungen Frau die einen Reformzirkus eröffnen will
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 07:08:25 „Artisten in der Manege. In der Zirkuskuppel. In der Zirkuskuppel. Das war sein, wahrscheinlich wichtigster, zu einer seiner großen Filme.“
Christoph Amend erinnert an Alexander Kluges Film 'Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos' als eines seiner wichtigsten Werke. Dies fällt in eine ausführliche Würdigung Kluges, den Wenders als Vorläufer des Neuen Deutschen Films und als einzigartigen Pionier beschreibt.