Narzisstisch sind immer nur die anderen
Nina Pauer, Ijoma Mangold
Mit entwaffnender Ehrlichkeit gestehen die Hosts, dass sie das Thema Narzissmus gewählt haben, weil kaum ein Wort zuverlässiger Klicks generiert — und sie endlich die 100.000-Hörer-Marke knacken wollen. Doch hinter dem zynischen Kalkül steckt eine ernsthafte Beobachtung: Während andere Buzzwords kommen und gehen, hält sich der Narzissmus-Hype seit über zehn Jahren, was selbst schon eine Diagnose über unsere Gegenwart ist.
„Wenn in irgendeinem Artikel in der Überschrift das Wort Narzissmus vorkommt, dann kann man sich darauf verlassen, dieser Artikel läuft.“
Erwähnte Medien (21)
Ottolenghi (Kochbücher)
Yotam Ottolenghi
In Ottolenghi Simple, powerhouse author and chef Yotam Ottolenghi presents 130 streamlined recipes packed with his signature Middle Eastern-inspired flavors. Each dish can be made in 30 minutes or less, with 10 or fewer ingredients, in a single pot, using pantry staples, or prepared ahead of time for brilliantly, deliciously simple meals.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:06:48 „noch einen Hauch Ottolenghi vielleicht, könnte man sagen, weiter gedreht, weil es natürlich dieses levantinische Pistazien-Backlava-Ding noch mit drin hat“
Ottolenghi wird als kulinarische Referenz genannt, um den levantinischen Einfluss der Dubai-Schokolade einzuordnen
Artikel über Dubai in der Süddeutschen Zeitung
Ijoma Mangold
Ijoma Mangold besuchte Dubai und verfasste 2007 einen Artikel für die Süddeutsche Zeitung, in dem er seine starken Eindrücke von der Stadt schilderte. Der Artikel löste Kritik aus, vermutlich weil Mangold trotz der bekannten Schattenseiten Dubais – Menschenrechtslage, Arbeitsbedingungen für Migranten, artifizielle Stadtentwicklung – eine gewisse Faszination oder sogar Bewunderung für das Emirat zum Ausdruck brachte. Mangold thematisierte wohl den Widerspruch zwischen westlicher Kritik an Dubai und dem tatsächlichen Erleben der Stadt.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:10:46 „als ich zurückkam und wirklich schwer beeindruckt war und einen Artikel auch in der Süddeutschen damals darüber schrieb“
Mangold erwähnt einen eigenen Artikel über Dubai aus dem Jahr 2007, für den er Kritik erhielt
Das Zeitalter des Narzissmus (The Culture of Narcissism)
Christopher Lasch · 1991
When The Culture of Narcissism was first published, it was clear that Christopher Lasch had identified something important: what was happening to American society in the wake of the decline of the family over the last century. The book quickly became a bestseller. This edition includes a new afterword, "The Culture of Narcissism Revisited."
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:24:50 „Die FAZ von 2015 schreibt schon, jede Kultur produziert ihre Krankheitsbilder. Auch Neurosen unterliegen einem Wandel. Christopher Lasch sprach bereits 1979 vom Zeitalter des Narzissmus.“
Nina Pauer zitiert einen FAZ-Artikel von 2015, der seinerseits auf Christopher Laschs Klassiker von 1979 verweist. Es geht darum, dass die Diagnose einer narzisstischen Gesellschaft keine neue Erkenntnis ist, sondern seit Jahrzehnten gestellt wird – was die zentrale Frage der Episode untermauert, warum dieses Thema nie an Aktualität verliert.
FAZ-Artikel über Narzissmus (2015)
Der Artikel argumentiert, dass jede Kultur ihre eigenen charakteristischen Krankheitsbilder hervorbringt und dass sich psychische Störungen im Laufe der Zeit verändern. Narzissmus wird darin als eines der Krankheitsbilder unserer gegenwärtigen Zeit analysiert und zeigt, wie kulturelle Wertungen und gesellschaftliche Bedingungen psychische Phänomene prägen.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:24:52 „die FAZ von 2015 schreibt schon, jede Kultur produziert ihre Krankheitsbilder, auch Neurosen unterliegen einem Wandel“
Ein FAZ-Artikel aus 2015, der als Beleg dafür dient, dass die Meta-Diskussion über Narzissmus schon lange läuft
Planet Wissen – Sendung über Narzissmus
· 2021
Deutsche TV-Wissenssendung, die wissenschaftliche Themen verständlich macht. Diese Folge untersucht Narzissmus als psychologisches Phänomen und illustriert es mit Beispielen aus Politik und Gesellschaft.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:25:41 „jetzt weiß ich gar nicht, wie hieß diese Sendung, auf Planet Wissen gibt es auch eine Sendung, die ganz interessant gemacht ist, auf die wir auch glaube ich im Laufe unserer Folge immer wieder zurückkommen werden“
Eine TV-Wissenssendung über Narzissmus, in der Berlusconi und Trump als Illustrationen genutzt werden
Narzissmus-Sendung auf Planet Wissen
Eine Folge der ARD-Sendungsreihe zum Thema Narzissmus, die psychologische Konzepte mit bekannten Persönlichkeiten wie Berlusconi und Trump illustriert. Sachlich, informativ und verständlich aufbereitet.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:26:09 „Auf Planet Wissen gibt es auch eine Sendung, die ganz interessant gemacht ist, auf die wir auch, glaube ich, im Laufe unserer Folge immer wieder zurückkommen werden. Da geht es eben auch um Narzissmus und die Illustration, weil man natürlich allgemein bekannte Figuren braucht, sind dann Berlusconi und Trump.“
Ijoma Mangold verweist auf eine konkrete Sendung der Reihe Planet Wissen zum Thema Narzissmus, die Berlusconi und Trump als Illustrationsbeispiele nutzt. Er kündigt an, im Laufe der Folge darauf zurückzukommen, was zeigt, dass diese Sendung als inhaltliche Referenz für die Diskussion dient.
Interview mit einer Therapeutin in New York über Narzissmus
Heike Faller
Ein Interview mit der New Yorker Therapeutin Elinor Greenberg über Narzissmus. Der Artikel beleuchtet, was einen echten Narzissten ausmacht, über das bloße Abtun egoistischer Ex-Partner hinaus. Die stark gestiegenen Google-Suchanfragen zum Thema zeigen das wachsende gesellschaftliche Interesse an dieser Persönlichkeitsstörung.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:26:38 „2019, da interviewt unsere Kollegin Heike Faller im Zeitmagazin eine Therapeutin in New York und die sagt nochmal, das Thema wurde bei der Zahl der Google-Suchanfragen für Narzissmus habe sich das in den letzten zehn Jahren vervierfacht.“
Nina Pauer verweist auf ein konkretes Interview ihrer Kollegin Heike Faller im Zeitmagazin von 2019, in dem eine New Yorker Therapeutin die Vervierfachung der Google-Suchanfragen zu Narzissmus belegt. Der Artikel dient als Beleg dafür, wie lange das Thema schon boomt.
Neue Irre – Wir behandeln die Falschen
Manfred Lütz
Das Sachbuch kritisiert die populäre Vorstellung von psychischen Erkrankungen, besonders Narzissmus. Es argumentiert, dass die öffentliche Wahrnehmung dieser Störungen nicht dem klinischen Krankheitsbild entspricht und echte Patienten völlig andere Charakteristiken aufweisen als die gesellschaftlichen Stereotype vermuten lassen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:28:13 „Da ist der Manfred Lütz zu Gast, der hat ein Buch geschrieben, das heißt Neue Irre, wir behandeln die Falschen.“
Nina Pauer erwähnt das Buch im Zusammenhang mit einer WDR-Sendung, in der Manfred Lütz zu Gast war. Er argumentiert dort, dass die populäre Vorstellung von Narzissmus nichts mit dem klinischen Krankheitsbild zu tun hat und dass echte Patienten viel netter seien als die öffentlich so bezeichneten Personen. Ijoma Mangold ergänzt, das Buch sei vor zehn Jahren ein großer Bestseller gewesen.
Das Kind in dir muss Heimat finden
Stefanie Stahl
Zweifache Auszeichnung als #BookTok Community Buch des Jahres 2023 und #BookTok Bestseller des Jahres 2023 Jeder Mensch sehnt sich danach, angenommen und geliebt zu werden. Im Idealfall entwickeln wir während unserer Kindheit das nötige Urvertrauen, das uns als Erwachsene durchs Leben trägt. Doch auch die erfahrenen Kränkungen prägen sich ein und bestimmen unbewusst unser gesamtes Beziehungsleben.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:30:37 „Stefanie Stahl steht ja für das innere Kind heilen“
Stefanie Stahls bekanntestes Werk wird implizit referenziert, als ihr therapeutischer Ansatz des 'inneren Kindes' beschrieben wird
König Ödipus
Sophokles
Antikes griechisches Trauerspiel von Sophokles, in dem Ödipus die schicksalhafte Wahrheit über seine Abstammung enthüllt. Das Stück konzentriert sich auf die psychologische Tragik dieser Erkenntnis und setzt die Kenntnis der mythologischen Hintergründe voraus. Als Klassiker der antiken Tragödie demonstriert es die menschliche Suche nach Wahrheit und die Übermacht des Schicksals.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:20 „Natürlich geht es in der griechischen Sage um Oedipus, nicht um den Oedipus-Komplex. Aber Freud entdeckt um 1900 ein bestimmtes psychologisches Prägemuster und braucht dafür einen Namen, deutet dann die Sophocles-Tragödie gewesen an in diesem Sinne.“
Ijoma Mangold zieht die Parallele zwischen Freuds Ödipus-Komplex und dem Narzissmus-Begriff, um zu zeigen, wie antike Mythen erst Jahrtausende später als Namensgeber für psychologische Konzepte herangezogen wurden. Sophokles' Tragödie dient dabei als Analogie zur Ovid-Erzählung über Narziss.
Metamorphosen
Ovid · 2016
Ovid: Metamorphosen Entstanden um 2–8 n. Chr. Der Text folgt der Übersetzung von Reinhart Suchier. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016. Textgrundlage sind die Ausgaben: [Ovidius Naso, Publius]: Ovids Metamorphosen. 3 Bde., Über, Üs. v. Reinhart Suchier, 5. Aufl. (Bd 2: 6. Aufl.), Berlin: Langenscheidtsche Verlgasbuchhandlung, [um 1911–1916] [Ovidius Naso, Publius]: Ovids Metamorphosen. 3 Bde., Übers. v. Reinhart Suchier, 5.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:43:02 „Der schreibt die berühmten Metamorphosen, was eine Gesamtschau des antiken mythologischen Erzählkosmoses ist und da wird eben auch die Geschichte von Narzis und Echo erzählt.“
Ijoma Mangold verweist auf Ovids Metamorphosen als die literarische Hauptquelle des Narziss-Mythos. Er erklärt, dass der Mythos zwar mündlich überliefert wurde, aber Ovid die prägendste schriftliche Fassung verfasst hat. Daraus entwickelt sich ein längerer Exkurs über die Originalerzählung von Narziss und Echo.
Narziss
Caravaggio
Caravaggios berühmtes Gemälde zeigt den sterblichen Narziss, wie er sich über einen Teich beugt und sein glanzvolles Spiegelbild betrachtet. Der jugendlich schöne Jüngling verkörpert visuell die antike Myth des Narzissmus und der Eigenverliebtheit – eine Verdichtung von Schönheit, Vergänglichkeit und Verhängnis.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:14 „Es gibt übrigens ein ganz tolles Gemälde über Narzis von Caravaggio, wo man so ein knackigen, fast noch mit Babyspeckhaut versehenen Jüngling sieht, der sich so gestürzt auf beide Arme in so einen Teich lehnt und dann sein eigenes Gesicht sieht, das vor Schönheit glänzt.“
Während Ijoma Mangold die mythologische Narziss-Erzählung nachzeichnet, verweist er begeistert auf Caravaggios berühmtes Gemälde. Er beschreibt das Bild anschaulich – den jungen Mann, der sich über einen Teich beugt und sein eigenes Spiegelbild betrachtet – als visuelle Verdichtung des Mythos.
Die Leiden des jungen Werther
Johann Wolfgang von Goethe
Die Leiden des jungen Werther ist einer der wichtigsten Romane der deutschsprachigen Literatur und gilt neben Faust als Goethes Hauptwerk. Das autobiografisch inspirierte Werk aus dem 18. Jahrhundert erzählt die Geschichte einer unglücklichen Liebe und hatte große kulturelle Wirkung. In der Podcast-Episode wurde der Roman als Antwort auf die Quiz-Frage genannt, welche anderen Werke Goethe außer Faust geschrieben hat.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:41 „Dann gibt es einen sehr, sehr langen Teil über die Qual, also diese Liebesqual, die wir ja sonst irgendwie, was weiß ich, vom jungen Werther oder von all dem Geschmachte nur auf andere hinkennen, aber er vergeht durch das eigene Gesicht.“
Nina Pauer zieht den Vergleich zwischen Narziss' Selbstliebe und der klassischen Liebesqual, wie sie aus Goethes Werther bekannt ist. Der Punkt ist, dass die schmachtende Sehnsucht, die man sonst nur als Verliebtheit in andere kennt, bei Narziss auf das eigene Spiegelbild gerichtet ist.
Moralspektakel
Philipp Hübl
Das Buch untersucht Narzissmus neu und argumentiert, dass Narzissten nicht in sich selbst verliebt sind, sondern von dem unmäßigen Wunsch erfüllt, von anderen bewundert zu werden. Die zentrale These: Narzissmus ist nicht Ich-Bezogenheit, sondern Ihr-Bezogenheit – eine fundamentale Uminterpretation des Konzepts.
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:46:33 „Ich bin mir gar nicht auch sicher, ob man das so sagen kann, wie wurde früher Narzissmus beschrieben, dann geht man in die antike Mythologie zurück... Narzissten, schreibt Philipp Hübel, sind weder in sich selbst verliebt, wie man in der Alltagssprache sagt, noch unablässig mit sich selbst beschäftigt, wie Siegmund Freund dachte, sondern von dem unmäßigen Wunsch erfüllt, von anderen bewundert zu werden. Genau genommen ist Narzissmus keine Ich-Bezogenheit, sondern eine Ihr-Bezogenheit.“
Ijoma Mangold zitiert ausführlich aus Philipp Hübls Buch 'Das Moralspektakel', das er gerade liest. Er nutzt eine Passage über moralischen Narzissmus, um die zentrale These zu unterstreichen: Narzissmus sei keine Selbstverliebtheit, sondern der Wunsch, von anderen bewundert zu werden – also eine 'Ihr-Bezogenheit' statt einer 'Ich-Bezogenheit'. Das Buch wird in der Folge zweimal herangezogen.
Die Gesellschaft der Singularitäten
Andreas Reckwitz
Andreas Reckwitz untersucht in diesem Werk, wie die Digitalisierung traditionelle Rollen aufgelöst hat: Durch Smartphones und Internetplattformen kann heute jeder zum Kulturproduzenten werden, nicht nur passiv konsumieren. Diese Demokratisierung führt zu einer beispiellosen Überproduktion digitaler Inhalte und stellt zentrale Fragen zur kulturellen Wertbildung in der Spätmoderne. Das Buch bietet einen kritischen, soziologischen Blick auf die Konsequenzen dieser technologischen Verschiebung für Gesellschaft und Kultur.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:49:57 „Da würde ich jetzt allseits bekannte Schlagwort von dem Soziologen Andreas Reckwitz nehmen, eine Gesellschaft der Singularitäten, die prämiert immer die Abweichung, das Besondere, die Unverwechselbarkeit, die Singularität eben.“
Ijoma Mangold nutzt Andreas Reckwitz' soziologisches Konzept der Singularitäten-Gesellschaft, um Narzissmus strukturell zu erklären. Seine These: In der fordistischen Gesellschaft wurde Anpassung belohnt, in der heutigen Gesellschaft hingegen Einzigartigkeit und Abweichung – weshalb narzisstische Züge geradezu funktional geworden seien.
Podcasts von Stefanie Stahl
Stefanie Stahl
Psychologische Podcasts von Stefanie Stahl über Familienbeziehungen und psychologische Muster wie narzisstische Verhaltensweisen. Die Serie bietet Einsichten in moderne psychologische Phänomene und deren Auswirkungen auf persönliche Entwicklung. Ideal für alle, die an Psychologie und Selbstreflexion interessiert sind.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:50:43 „Wenn heute in den Podcasts von Stephanie Stahl und so weiter zum Beispiel oft über den narzisstischen Vater geklagt wird, dann war der Vater in den 50er und 60er Jahren in der Literatur klischeehafterweise immer der Familientyrann.“
Ijoma Mangold kontrastiert das heutige populärpsychologische Sprechen über narzisstische Väter – wie es in den Podcasts von Stefanie Stahl verbreitet wird – mit dem literarischen Vaterbild der 50er und 60er Jahre. Er nutzt die Podcasts als Beispiel für einen kulturellen Wandel: vom tyrannischen, sadistischen Vater zum narzisstischen Vater.
Artikel über Diagnosewahn und Influencer
Der Artikel kritisiert den Trend, dass Influencerinnen und Influencer auf Social Media psychologische Diagnosen popularisieren und verbreiten, die oft wenig mit der klinischen Realität zu tun haben. Immer mehr Menschen diagnostizieren sich selbst oder andere öffentlich mit Störungen wie ADHS, Borderline oder Autismus, beeinflusst durch vereinfachte Darstellungen in sozialen Medien. Die Autorin Nina Pauer argumentiert, dass diese Popularisierung das Verständnis psychischer Erkrankungen verzerrt und die Grenze zwischen echter Diagnose und Selbststilisierung verwischt.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:24 „Da hatten wir gerade auch auf Zeit Online einen Artikel zu und immer reden die Falschen, nämlich da ging es nochmal darum, auch wieder der Diagnosewahn von irgendwelchen Influencerinnen und Influencern, die eigentlich nichts mehr, wie auch bei unserem Thema heute, nichts mehr damit zu tun haben, was die klinische Diagnose und diese wirkliche, das Vorkommen von ein bis zwei Prozent, die das betrifft.“
Nina Pauer verweist auf einen kürzlich erschienenen Artikel auf Zeit Online, der den Trend kritisiert, dass Influencerinnen und Influencer psychologische Diagnosen popularisieren, ohne Bezug zur klinischen Realität. Sie nutzt den Artikel, um ihr Argument zu untermauern, dass das populäre Sprechen über Narzissmus nichts mehr mit der tatsächlichen Störung zu tun hat.
Zeit-Online-Artikel über Diagnosewahn und Influencer
Der Artikel analysiert, wie Influencer klinische Fachbegriffe in den sozialen Medien popularisieren und dabei oft zu Fehldiagnosen beitragen. Statt von ausgebildeten Fachleuten beziehen viele Menschen ihre medizinischen Informationen von Content-Creatorn, wodurch Diagnosestandards verwässert werden. Die ZEIT kritisiert diese Entwicklung als problematische Vermischung persönlicher Erlebnisse mit medizinischer Expertise, die realen Schaden anrichten kann.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:54:24 „da hatten wir gerade auch auf Zeit Online einen Artikel zu und immer reden die Falschen, nämlich da ging es nochmal darum, auch wieder der Diagnosewahn von irgendwelchen Influencerinnen und Influencern“
Ein aktueller Zeit-Online-Artikel über den populären Diagnosewahn, bei dem Influencer klinische Begriffe verwässern
Die Sorge um sich (Le souci de soi)
Michel Foucault · 2008
Michel Foucault, Philosoph und Historiker, politischer Aktivist und Professor am Collège de France, verband die Arbeit im Archiv mit unmittelbarem politischem Engagement und verstand es wie kein zweiter, die historisch-philosophische Analyse unserer Kultur für eine kritische Diagnose der Gegenwart fruchtbar zu machen.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:55:07 „Nämlich dann sagen wir nicht Narzissmus, dann sagen wir, wenn wir mit Foucault sprechen würden, so etwas wie Selbstsorge. Aber man kann die Selbstsorge ja auch so beschreiben oder den Narzissmus so beschreiben wie Selbstsorge.“
Ijoma Mangold greift Foucaults Konzept der 'Selbstsorge' (souci de soi) auf, um zu zeigen, dass Narzissmus und Selbstsorge zwei Seiten derselben Medaille sein können. Was im pathologisierenden Sprachgebrauch 'Narzissmus' heißt, lässt sich aus philosophischer Perspektive auch als produktive Selbsterkenntnis und Selbstbeobachtung verstehen – etwa beim Blick in die Spiegel im Fitnessstudio.
Jesper Juul (Erziehungsratgeber)
Jesper Juul
Jesper Juuls Erziehungsratgeber behandelt alternative Kommunikationsmethoden zwischen Eltern und Kindern. Sein zentraler Ansatz ist es, Kindern statt klassisches Lob zu geben, präsente Aufmerksamkeit zu signalisieren – etwa durch die Aussage „ich sehe dich". Diese Methode soll gezielter die emotionale Sicherheit von Kindern fördern und übertriebenes Selbstbild sowie Narzissmus vermeiden.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:57:02 „wir hatten das ja schon mal bei Jasper Juhl, der Erziehungswissenschaftler gesagt hat, man soll immer nur sagen, ich sehe dich“
Juuls Erziehungsphilosophie wird als Referenz für den Umgang mit kindlichem Lob und Narzissmus herangezogen
Erziehungsratgeber von Jesper Juul
Jesper Juul · 2015
Erstmals im Taschenbuch: Jesper Juuls Quintessenz aus 35 Jahren Familientherapie Der bekannte Familientherapeut Jesper Juul stellt in diesem Buch die fünf Grundsteine vor, auf deren Basis Familienleben gelingen kann: Er erklärt, was es mit Kooperation und Integrität auf sich hat, betont den Vorrang des Selbstwertgefühls gegenüber dem Selbstvertrauen, beschreibt, wie man persönliche Verantwortung übernimmt, warum Eltern als Leuchttürme wirken müssen und wie man die Kunst, »Nein« zu sagen, richtig...
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:58:00 „Wir hatten das ja schon mal bei Jasper Juhl, der Erziehungswissenschaftler gesagt hat, man soll immer nur sagen, ich sehe dich. Also wenn jemand irgendwie, wenn das Kind wieder irgendwas gemacht hat, was völlig random ist und dann erwartet, dass man irgendwie irgendwas dazu sagt, dann soll man nicht sagen, oh toll.“
Nina Pauer bezieht sich auf den dänischen Familientherapeuten Jesper Juul und dessen bekannte Erziehungsempfehlung, Kinder nicht übermäßig zu loben, sondern ihnen stattdessen zu signalisieren 'Ich sehe dich'. Sie nutzt sein Konzept, um zu zeigen, wie sich die Begründung gegen übermäßiges Loben verschoben hat: Früher warnte man vor Leistungsdruck, heute vor Narzissmus.