Die Leiden der jungen Wahl
Iris Radisch, Adam Soboczynski
Adam und Iris diskutieren einen Roman, in dem die Protagonistin Charlotte darüber grübelt, ob verbale Attacken schlimmer sein können als körperliche Übergriffe — und ob das, was ihr widerfahren ist, überhaupt als sexuelle Belästigung zählt. Das Gespräch dreht sich um Wehrlosigkeit, juristische Grenzen und die Frage, ab wann Worte zur Waffe werden.
„Also wenn ich jetzt hier in dem Podcast sage, Adam, du bist doof, passiert mir nichts.“
Erwähnte Medien (21)
Die Assistentin
Caroline Wahl
Caroline Wahls neuer Roman "Die Assistentin" ist ihr drittes Buch und erschien Ende August. Das Werk wird in einem Podcast-Gespräch hervorgehoben und auf Amazon angeboten. Die Autorin kündigte den Titel zunächst auf Instagram an.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:06:51 „Das Zitat spielt eine große Rolle in einem gerade heiß diskutierten Buch. Das ist von der Bestseller-Autorin Caroline Wahl und heißt »Die Assistentin«. Und die Assistentin, das ist in diesem Roman eben diese Charlotte, von der wir hier schon gehört haben und die wird eben von ihrem Chef, das ist ein, weiß ich nicht, gibt es glaube ich kein Vorbild für, ein Verleger in München, wer immer das sein könnte, von ihrem Chef wird sie, so empfindet sie es zumindest, sehr schlecht behandelt.“
Das Hauptbuch der ersten Diskussionsrunde. Iris Radisch und Adam Soboczynski besprechen den neuen Roman von Caroline Wahl über eine junge Assistentin, die von ihrem Chef verbal attackiert wird. Das Buch löst eine Debatte über Sexismus, verbale vs. körperliche Gewalt und die Frage aus, ob Unterhaltungsliteratur im Feuilleton besprochen werden sollte. Radisch kritisiert das Buch als belanglose Unterhaltungsliteratur.
22 Bahnen
Caroline Wahl · 2025
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🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:12:09 „Und auch andere Vorwürfe, die ihr da in den sozialen Medien, ich meine, wer auf Platz 1 der Bestsellerliste steht, kriegt eben auch viel Kritik. Da ist ihr vorgeworfen worden, dass sie in 22 Bahnen, was jetzt auch gerade verfilmt wurde, dass sie da eine Familie schildert, wo die Mutter alkoholkrank ist.“
Iris Radisch erwähnt Caroline Wahls früheren Roman im Kontext der Kritik, die die Autorin in sozialen Medien erhalten hat. Wahl wurde vorgeworfen, ein Milieu zu schildern, das nicht ihrem eigenen entspricht – ein Vorwurf, den Radisch als völlig albern zurückweist, da jeder Autor frei in der Wahl seiner Stoffe sein müsse.
22 Bahnen (Verfilmung)
· 2025
Tildas Tage sind streng durchstrukturiert: Sie studiert, arbeitet an der Supermarktkasse und kümmert sich um ihre kleine Schwester Ida – an manchen Tagen muss sie sich auch um ihre alkoholkranke Mutter kümmern. Doch dieser Sommer bringt eine Veränderung: Tilda erhält ein vielversprechendes Jobangebot für eine Promotion in Berlin, das eine Zukunft voller Freiheit verspricht. Zudem taucht Viktor auf, der genau wie sie stets 22 Bahnen im Schwimmbad zurücklegt.
🗣 Iris Radisch erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:16 „Da ist ihr vorgeworfen worden, dass sie in 22 Bahnen, was jetzt auch gerade verfilmt wurde, dass sie da eine Familie schildert, wo die Mutter alkoholkrank ist.“
Beiläufige Erwähnung, dass Caroline Wahls Roman '22 Bahnen' verfilmt wurde. Es wird nicht weiter auf den Film eingegangen, er dient nur als Kontextinformation zur wachsenden Popularität der Autorin.
Milo Rau (Reenactments/Theaterarbeiten)
Milo Rau
Schweizer Theaterregisseur, bekannt für seine Reenactment-Methode, die historische oder gesellschaftliche Ereignisse auf der Bühne rekonstruiert und neu inszeniert. Seine konzeptuelle Arbeitsweise verbindet dokumentarisches Theater mit künstlerischer Intervention und gesellschaftskritischer Reflexion.
🗣 Soboczynski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:21 „es gibt ja in der Tat einen recht bekannten Schweizer Theaterregisseur, der genau so eine Sachen immer macht. Das ist Milo Rau.“
Milo Raus Reenactment-Methode als Hintergrund für den Theaterregisseur in Elmigers Roman, der das Verschwinden der Holländerinnen nachempfinden will.
Christoph Schlingensief (Theaterarbeiten)
Christoph Schlingensief
Christoph Schlingensief war ein Pionier des politischen Reenactment-Theaters und experimenteller Kunstpraxis. Seine provokativ-aktivistische Arbeit etablierte künstlerische Methoden, die später von Künstlern wie Milo Rau weitergeführt wurden. Die Website dokumentiert sein künstlerisches Schaffen und kulturelles Vermächtnis.
🗣 Soboczynski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:21 „Da gibt es ja auch einen Vorläufer, Christoph Schlingensief zum Beispiel, der Ähnliches gemacht hat.“
Als Vorläufer von Milo Raus Reenactment-Theater erwähnt.
Die Holländerinnen
Dorothee Elmiger · 2025
»Die Holländerinnen« ist ein Roman der Schweizer Autorin Dorothee Elmiger, der auf dem realen Verschwinden zweier Frauen 2014 in Panama basiert. Als Poetikvorlesung in indirekter Rede verfasst, erinnert das Werk an ein literarisches Reenactment dieser rätselhaften Ereignisse. Der Roman wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert und wird für seine außergewöhnliche sprachliche Qualität und intellektuelle Tiefe gelobt.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:14:11 „Naja, also jetzt besprechen wir ein Buch, was in der Tat den Sprung auf diese Longlist für den Deutschen Buchpreis bereits geschafft hat. Also das, was Caroline Wahl sich ja so sehr wünscht. Jetzt sagen wir ja den Titel. Das Buch heißt »Die Holländerinnen« und die Autorin heißt Dorothee Elmiger.“
Das zweite ausführlich besprochene Buch der Episode. Der Roman der Schweizer Autorin Dorothee Elmiger basiert auf dem realen Verschwinden zweier Holländerinnen 2014 in Panama. Das Buch ist als Poetikvorlesung in indirekter Rede verfasst und handelt von einem Reenactment dieser Ereignisse. Beide Kritiker loben die sprachliche Qualität und die intellektuelle Tiefe des Werks.
Bartleby, der Schreiber
Herman Melville · 1853
Herman Melville: Bartleby, der Schreiber | Neu lektoriert und mit modernisierter Rechtschreibung. Voll verlinkt, mit eBook-Inhaltsverzeichnis und Fußnoten »I would prefer not to«, in der deutschen Übersetzung »Ich würde vorziehen, das nicht zu tun« – dieser sanft und leise vorgetragene Satz ist das Kernstück von Herman Melvilles Erzählung ›Bartleby, der Schreiber‹.
🗣 Soboczynski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:00 „Es handele sich um ein geradezu Bartlebyisches Nicht und widersetzte sich folglich und so weiter. Also dieser Verweis auf Bartleby und auf Melville“
Elmigers Roman referenziert Melvilles Bartleby direkt am Anfang. Soboczynski bemerkt, dass das Buch Weltliteratur-Kenntnisse voraussetzt.
Werner Herzog (Filme)
Werner Herzog · 2022
Werner Herzog ist eine Ikone. Jedes Jahr wächst sein Ruhm. Viele Bilder seiner Filme sind heute Teil des kollektiven Gedächtnisses, um die Umstände seiner Produktionen ranken sich Mythen.Vor allem in Hollywood hat seine Person mittlerweile Kultstatus erlangt
🗣 Soboczynski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:00 „dann werden noch ganz viele Schriftsteller genannt, die sich mit ähnlichen Problemen beschäftigt haben, also Autoren wie Werner Herzog“
Herzogs Filme über das Dunkle und Unheimliche werden als Referenz in Elmigers Roman erwähnt.
Bartleby, the Scrivener
Herman Melville · 2015
"Bartleby the Scrivener: A Story of Wall Street" is a short story by Herman Melville. The story first appeared, anonymously, in Putnam's Magazine in two parts. The first part appeared in November 1853, with the conclusion published in December 1853. It was reprinted in Melville's The Piazza Tales in 1856 with minor textual alterations.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:18:10 „Aber diese Vorgänge folgen in Wahrheit keinen Regeln, er habe kein System. Es handelt sich um ein geradezu Bartlebyisches Nicht und widersetzte sich folglich und so weiter. Also dieser Verweis auf Bartleby und auf Melville und... Es setzt voraus, dass man die Weltliteratur schon ganz gut im Griff hat.“
Adam Soboczynski zitiert eine Passage aus 'Die Holländerinnen', in der auf Melvilles Bartleby verwiesen wird. Er nutzt diese Referenz, um zu illustrieren, wie anspruchsvoll und referenzreich Elmigers Roman ist – er setzt eine gründliche Kenntnis der Weltliteratur voraus.
Dialektik der Aufklärung
Theodor W. Adorno, Max Horkheimer · 2010
Die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gemeinsam verfasste »Dialektik der Aufklärung« ist der wichtigste Text der Kritischen Theorie und zugleich eines der klassischen Werke der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Philosophische Kritik, Auseinandersetzung mit dem Faschismus und die Resultate langjähriger empirischer Untersuchungen in den USA verschmelzen hier zu einer Theorie der modernen Massenkultur.
🗣 Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:22:48 „Der andere Verweis ist, bezieht sich hier ganz genau auf Adorno und Horkheimer, du hast es schon erwähnt, nämlich auf die Dialektik der Aufklärung.“
Als philosophischer Hintergrund für Elmigers Roman identifiziert: die Aufklärung als Versuch, dem Menschen die Furcht zu nehmen, und die ständige Gefahr des Rückfalls in Barbarei.
Herz der Finsternis
Joseph Conrad · 1899
Auf der nächtlich an der Themsemündung in Gravesend stillliegenden Seeyacht Nellie erzählt der ehemalige Seemann Marlow seinen vier Freunden, die das Band der See eint, eine Episode aus seinem Leben.Er beschreibt seine Sehnsucht, die letzten weißen Flecken des Globus kennenzulernen, und wie sie nach einigen Mühen dazu führte, dass er Flusskapitän wurde. Der Leser kann unschwer erkennen, dass die Geschichte am Kongo zu Zeiten des Kongo-Freistaats spielt. Marlow, der den Indischen Ozean, den Pazif
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:23:30 „Es gibt ein paar Referenzen, nicht wahr? Die eine Referenz ist hier auch direkt in diesem Zitat, das ist ein Verweis auf Joseph Conrad, Herz der Finsternis, seine Kongo-Erzählung, wo er den Schrecken auch des Kolonialismus beschreibt und die Gewalt.“
Soboczynski identifiziert Conrads 'Herz der Finsternis' als eine der literarischen Referenzen in Elmigers Roman. Das berühmte 'Der Horror, der Horror'-Zitat aus dem Buch wird in 'Die Holländerinnen' aufgegriffen, um das Unsagbare und den Schrecken der Wildnis zu beschreiben.
Jacques Lacan (Das Reale)
Jacques Lacan
Jacques Lacans philosophisches Konzept des Realen als das Unfassbare und Unerreichbare wird in diesem Werk behandelt. Das Reale steht für unsere tiefste Urangst – das, was sich unserer rationalen Erfassung entzieht. Lacan bietet damit eine psychoanalytische Perspektive auf existenzielle Angst und Auflösung, die in der zeitgenössischen Literatur, etwa in Elmigers Werken, als zentrale philosophische Referenz dient.
🗣 Radisch erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:24:14 „übrigens auch Lacan, da hat sie auch mit seinem letzten realen, was eben das nicht reale eigentlich ist, das was wir nicht fassen können, unsere Urangst im Grunde“
Lacans Konzept des Realen als weitere philosophische Referenz in Elmigers Roman über die Urangst vor der Auflösung.
Seminare / Das Reale (psychoanalytische Theorie)
Jacques Lacan · 1990
Lacans theoretische Untersuchung des 'Realen' als das Unfassbare jenseits der symbolischen Ordnung – das, was sich dem Verstehen entzieht und unsere fundamentale Angst vor Auflösung und Chaos verkörpert. Ein Schlüsselwerk psychoanalytischer Philosophie.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:25:20 „Es kommt Werner Herzog, übrigens auch Lacan, da hat sie auch mit seinem letzten Realen, was eben das nicht Reale eigentlich ist, das was wir nicht fassen können, unsere Urangst im Grunde, unsere Urangst vor der Auflösung, vor dem Chaos.“
Iris Radisch zählt die kulturellen Referenzen in Elmigers Roman auf und nennt neben Werner Herzog und Adorno auch Lacans Konzept des 'Realen' – des Unfassbaren jenseits der symbolischen Ordnung – als philosophischen Bezugspunkt des Buches.
Duineser Elegien
Rainer Maria Rilke
Rilkes Duineser Elegien gehören zu den bedeutendsten Werken der Moderne. Der Podcast dokumentiert, wie ein Mentor dem jungen Schüler die Elegien persönlich näherbrachte – Elegie für Elegie. Das Exemplar mit den handschriftlichen Anmerkungen ist bis heute erhalten und bezeugt eine intensive, persönliche literarische Bildung.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:25:49 „Oder ein bisschen ist ja auch mein Rilke drin, das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, das wir gerade noch ertragen. Davon ist hier natürlich auch ganz viel. Also dass die Literatur im Grunde immer nur ein Bollwerk ist und im Grunde schon immer einen Schritt weiter gehen muss auch, damit sie interessant ist.“
Iris Radisch zitiert den berühmten Vers aus Rilkes erster Duineser Elegie, um die thematische Verwandtschaft mit Elmigers Roman zu verdeutlichen: Die Schönheit der Literatur liegt darin, dass sie sich an die Grenze des Schrecklichen vorwagt, an den Punkt der Auflösung.
Was wir wissen können
Ian McEwan · 2025
Im Jahr 2119: Die Welt ist überschwemmt, Europa eine Insellandschaft, Freiheit und Reichtum unserer Gegenwart – ein ferner Traum. Der Literaturwissenschaftler Thomas Metcalfe sucht ein verschollenes Gedicht von Weltrang. Der Dichter Francis Blundy hat es 2014 seiner Frau Vivien gewidmet und nur ein einziges Mal vorgetragen. In all den Spuren, die das berühmte Paar hinterlassen hat, stößt Thomas auf eine geheime Liebe, aber auch auf ein Verbrechen. Ian McEwan entwirft meisterhaft eine zukünftige
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:27:34 „Ian McEwan, von ihm kommt in den nächsten Tagen heraus ein großer Roman nochmal, Was wir wissen können, heißt er. Fast 500-seitiges Werk, ist jetzt 77 Jahre alt, finde ich fast ein bisschen untypisch.“
Adam Soboczynski stellt den neuen Roman von Ian McEwan vor, der als nächstes Buch in der Episode besprochen werden soll. Er bemerkt, dass das fast 500-seitige Werk untypisch für ein Alterswerk sei, da ältere Autoren meist zu Kargheit und Schlichtheit neigen.
Die Leiden des jungen Werther
Johann Wolfgang von Goethe
Die Leiden des jungen Werther ist einer der wichtigsten Romane der deutschsprachigen Literatur und gilt neben Faust als Goethes Hauptwerk. Das autobiografisch inspirierte Werk aus dem 18. Jahrhundert erzählt die Geschichte einer unglücklichen Liebe und hatte große kulturelle Wirkung. In der Podcast-Episode wurde der Roman als Antwort auf die Quiz-Frage genannt, welche anderen Werke Goethe außer Faust geschrieben hat.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:38:19 „Also was ist es? Es ist der Nobelpreiskandidat Johann Wolfgang von Goethe. Und das ist eines, nicht sein absoluter Erstling, aber ein sehr frühes Werk. Die Leiden des jungen Werte. Ein Buch, in dem unendlich viel geweint wird.“
In der Klassiker-Rubrik des Podcasts besprechen Iris Radisch und Adam Soboczynski Goethes Briefroman von 1774. Radisch hat das Buch vielfach gelesen und entdeckt bei der erneuten Lektüre eine bisher übersehene Distanzierung Goethes von seiner Hauptfigur. Beide diskutieren, ob der Roman bereits satirische Züge gegenüber dem Empfindsamkeitskult der Zeit enthält, und betonen seine Bedeutung als Befreiungsbuch der aufkommenden bürgerlichen Gesellschaft.
Émile oder Über die Erziehung
Jean-Jacques Rousseau · 1762
Philosophischer Erziehungsroman, der das Ideal einer natürlichen Erziehung begründet: dem Kind eine gute Umgebung schaffen, statt es aktiv zu prägen. Rousseaus Ansatz wird zur Grundlage der «Gärtner-Schule» der Pädagogik, im Gegensatz zur «Töpfer-Schule», die Kinder bewusst formt.
🗣 Soboczynski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:37 „Da gibt es auch eine Zivilisationskritik, die von dem französischen Schriftsteller Rousseau her stammt.“
Rousseaus Zivilisationskritik als geistesgeschichtlicher Hintergrund von Goethes Werther erwähnt.
Zivilisationskritische Schriften (Discours sur l'inégalité u.a.)
Jean-Jacques Rousseau · 1997
In den beiden Streitschriften Über Kunst und Wissenschaft (1750) und Über den Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen (1755) entwickelt Rousseau den Grundgedanken seiner radikalen Kultur- und Zivilisationskritik. Die Entfaltung des Verstandes und die Entstehung des Eigentums brandmarkt er als Ursachen für die Ausbildung der gesellschaftlichen Ungleichheit unter den Menschen und setzt so ein erstes Signal für die Freiheits- und Gleichheitsforderungen der Revolution von 1789.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:40:15 „Es geht schon gegen den Ständestaat auch. Gegen die religiöse Etikette, die so starr und so brutal ist. Da gibt es auch eine Zivilisationskritik, die von dem französischen Schriftsteller Rousseau her stammt.“
Bei der Besprechung von Goethes 'Werther' ordnet Adam Soboczynski die darin enthaltene Zivilisationskritik ideengeschichtlich ein und verweist auf Rousseau als geistigen Vorläufer der Sturm-und-Drang-Bewegung.
Frühlingsfeier
Friedrich Gottlieb Klopstock · 1759
Friedrich Gottlieb Klopstocks »Frühlingsfeier« ist eines der bedeutendsten Gedichte der deutschen Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts. Das Werk wird besonders berühmt durch die Szene in Goethes »Die Leiden des jungen Werthers«, in der Werther und Lotte über dem Gedicht zu Tränen gerührt werden – ein prägendes Beispiel für den gefühlsbetonten Zeitgeist dieser Epoche. Das Gedicht steht exemplarisch für die lyrische Intensität und emotionale Tiefe der Empfindsamkeitsbewegung.
🗣 Soboczynski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:20 „Da gibt es ja auch diese eine Szene, wo so ein Klopfstockgedicht auftaucht und dann steht er da mit Lotte. Frühlingsfeier und sie weinen schon wieder, alle beide.“
Die berühmte Klopstock-Szene im Werther, in der Werther und Lotte über einem Gedicht weinen, als Beispiel für den Empfindsamkeitskult der Zeit.
Ossian-Dichtung
James Macpherson · 1760
Scheinbar antike schottische Gedichte, die James Macpherson 1760 als Übersetzung veröffentlichte – tatsächlich aber eine berühmte literarische Fälschung. Ossian wurde weltberühmt durch Goethes „Werther", wo die Verse die Gefühlskrise des Protagonisten widerspiegeln.
🗣 Radisch erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:08 „Und dann kommt noch Ossian ganz am Schluss, dann liest er seine Ossian-Übertragung vor und sie halten das ja für ein ganz altes, großes Werk und dabei war es ja eine Fälschung.“
Im Werther liest der Protagonist seine Ossian-Übertragung vor. Radisch betont, dass Goethe zeigt, wie Gefühle aus Literatur entstehen - und Ossian war eine berühmte Fälschung.
Ossian
James Macpherson · 2020
Keine ausführliche Beschreibung für "GEDICHTE OSSIAN (MACPHERSON) BD. 1 GO E-BOOK" verfügbar.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:46:23 „Und dann kommt noch Ossian ganz am Schluss, dann liest er seine Ossian-Übertragung vor und sie halten das ja für ein ganz altes, großes Werk und dabei war es ja eine Fälschung. Also ich denke auch, dass Goethe auch so klar zeigt, wie Gefühle aus Literatur entstehen.“
Iris Radisch verweist auf die Ossian-Szene am Ende des Werther, in der Werther Lotte seine Übersetzung der vermeintlich altgälischen Dichtung vorliest. Radisch nutzt die Tatsache, dass Ossian eine literarische Fälschung Macphersons war, als Beleg für ihre These, dass Goethe bereits zeigt, wie Gefühle durch Literatur erzeugt werden — und sich damit von seinem Protagonisten distanziert.