Episoden
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Ausgabe Achtundvierzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Ein herrlich abseitiger Einstieg: Richard David Precht gewährt Einblick in seine Kemenate – ein mit über tausend Büchern vollgestopftes Studierzimmer, das auch als Gästezimmer dient – und vor allem in sein imposantes Süßwasser-Aquarium, das in seiner Kölner Altbauwohnung fast den Fußboden zum Einsturz brachte. Was als Aquarien-Plauderei beginnt, wird zur unterhaltsamen Abgrenzung vom Spießer-Aquarium à la Helmut Kohl und vom Oligarchen-Hai-Becken, während Schützenfische Insekten aus anderthalb Metern Entfernung von Blättern rotzen.
Das Raubtier und sein Opfer
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Am 7. August 2011 ereignet sich in der Lübecker Bucht ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Surfer und einer Motorjacht — ein Unfall, der das Leben des 61-jährigen Herrn Luhmann für immer verändert. Reporter Henning Sußebach stößt Jahre später per Zufall auf die Geschichte, als er in einem Ausflugslokal einen Mann beobachtet, der trotzig im strömenden Regen weiterisst, weil er mit seinen Krücken nicht schnell genug ins Trockene kommt.
Ausgabe Siebenundvierzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Was als Folge über den Müßiggang angekündigt wird, mündet schnell in eine liebevolle Hommage an die Kunst der Übersetzung und Synchronisation — von Erika Fuchs' genialen Disney-Eindeutschungen über die legendären Bud-Spencer-Sprüche bis hin zu Sergio Leones Italo-Western. Den Höhepunkt bildet die Anekdote, wie Henry Fonda bei den Dreharbeiten zu Spiel mir das Lied vom Tod täglich ein Schurken-Accessoire ablegen musste, bis er aussah wie ein amerikanischer Präsident — laut Leone genau die Sorte Mensch, die wirklich Grauenhaftes anrichtet.
Das salomonische Urteil
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Nach Davids Tod erbt Salomo nicht nur den Thron, sondern auch blutige Mordaufträge seines Vaters — eine vergiftete Hinterlassenschaft, die er abarbeiten muss, bevor er überhaupt regieren kann. Derweil versucht der übergangene Thronfolger Adonia über Batseba an Davids letzte Bettgenossin Abischag heranzukommen, ein politisch brisantes Manöver, das Salomo als Machtanspruch deuten wird.
Ausgabe Sechsundvierzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Richard David Precht berichtet, dass er gemeinsam mit Harald Welzer ein Buch über die Mechanismen der deutschen Medienlandschaft schreibt — und sich bereits vor Erscheinen vernichtende Kritik einhandelt. Journalisten wie Miriam Holstein von T-Online und Joachim Huber vom Tagesspiegel haben das noch ungeschriebene Werk schon rezensiert, was Precht als unfreiwillige Kabaretteinlage und zugleich als besorgniserregendes Symptom des Journalismus empfindet.
Armut ist tatsächlich eine politische Entscheidung
Roman Pletter & Gäste
Ricarda Lang und Michael Kruse streiten über ihre Vorstellungen eines gerechten Sozialstaats: Für Lang ist Armut kein persönliches Scheitern, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen — für Kruse soll der Staat Menschen befähigen, ihr Glück selbst zu finden, statt es zu verwalten. Moderiert von Anna Meyer, zeigt das Gespräch von der Langen Nacht der Zeit in Hamburg, wie unterschiedlich Grüne und FDP Gerechtigkeit denken — und wo sie sich, etwa bei fairen Löhnen, unerwartet treffen.
Ausgabe Fuenfundvierzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode kreist um ein wachsendes Gefühl kollektiver Überforderung angesichts globaler Machtverschiebungen — der Aufstieg Chinas und Indiens, der schwindende Einfluss Europas und Amerikas, der Rückgang demokratischer Systeme weltweit. Beide diskutieren, wie eng sozialer Frieden an Wohlstand gekoppelt ist und was passiert, wenn dieser schmilzt. Persönlich gerahmt wird das Ganze durch ein Gespräch über Schlafgewohnheiten und die innere Unruhe, die niemanden mehr zur Ruhe kommen lässt.
Jens Spahn, was werden wir uns alles verzeihen müssen
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Jens Spahn sitzt locker im Hemd im Wohnzimmerstudio und erklärt sich für ausrecherchiert — nach zwanzig Investigativ-Teams in der Pandemie-Zeit könne ihn nichts mehr schocken. Zwischen Bekenntnissen zu Kernenergie, Deutschlandflaggen und dem Satz, dass auch die Ökonomie Leben rette, zeigt sich ein CDU-Mann, der die Konfrontation sucht und das Wort *Call me opposition* als Selbstbeschreibung setzt.
Solidarität werden wir in Deutschland noch brauchen
Roman Pletter & Gäste
Robert Habeck stellt sich bei der Langen Nacht der Zeit den Fragen von Roman Pletter und Mariam Lau — über seinen Weg vom Oppositionspolitiker in der Pandemie zum Wirtschaftsminister im Krieg, über Gas, Russland und die Last der Verantwortung. Trotz der Dauerkrise zeigt sich Habeck erstaunlich gelassen und reflektiert, was Mariam Lau auch nach langer Bekanntschaft noch beeindruckt.
Die Täuschung des sterbenden David
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Warum steht Davids Tod nicht im Buch Samuel, sondern im Buch der Könige? Johanna Haberer erklärt die überraschend verworrene Entstehungsgeschichte der biblischen Bücher: In der hebräischen Tradition wurden sie den Propheten Samuel und Nathan zugeordnet, die griechische Übersetzung machte vier Königsbücher daraus, und erst im 13. Jahrhundert entstand die heutige Aufteilung — ein Remix beider Traditionen. Dabei wird deutlich, wie sich die Bibel von Geschichten einfacher Menschen, die Gottes Stimme hören, zu Palastintrigen und Machtpolitik wandelt.