Ausgabe Siebenundvierzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Was als Folge über den Müßiggang angekündigt wird, mündet schnell in eine liebevolle Hommage an die Kunst der Übersetzung und Synchronisation — von Erika Fuchs' genialen Disney-Eindeutschungen über die legendären Bud-Spencer-Sprüche bis hin zu Sergio Leones Italo-Western. Den Höhepunkt bildet die Anekdote, wie Henry Fonda bei den Dreharbeiten zu Spiel mir das Lied vom Tod täglich ein Schurken-Accessoire ablegen musste, bis er aussah wie ein amerikanischer Präsident — laut Leone genau die Sorte Mensch, die wirklich Grauenhaftes anrichtet.
„Wenn bei John Ford jemand aus dem Fenster guckt, hat er den Blick in eine strahlende Zukunft. Und wenn bei mir einer aus dem Fenster guckt, dann weiß jeder, der wird jetzt erschossen.“
Erwähnte Medien (14)
Lustiges Taschenbuch
Erika Fuchs · 2015
Die Sonderbände von Disneys Lustigen Taschenbüchern in gebundener Ausgabe beinhalten die besten Geschichten zu bestimmten Themen.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:07 „Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt. Weißt du, was das ist? Ewige Grundwahrheit aus Tick, Trick und Track. Lustiges Taschenbuch. Drei große Philosophen.“
Markus Lanz leitet das Thema Müßiggang mit einem humorvollen Zitat aus dem Lustigen Taschenbuch ein. Er bezeichnet Tick, Trick und Track scherzhaft als 'drei große Philosophen' und stellt deren Lebensweisheit über die Arbeit den klassischen Philosophen gegenüber.
Asterix
René Goscinny, Albert Uderzo
El primer álbum de la serie de comics más popular del mundo. Las aventuras del galo han vendido hasta el momento 350 millones de ejemplares. Con este título nace Astérix, el mítico héroe galo creado por los famosos Goscinny y Uderzo. Para lograr hacerse con el secreto de la poción mágica que les da a los habitantes de la irreductible aldea una fuerza sobrehumana, los romanos secuestran a Panorámix, el druida. Astérix, acompañado por su fiel amigo Obélix, tendrá que rescatarlo. -...
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:01:23 „Ich würde gerne wissen, wie das im englischen Original hieß, weil du weißt ja, Erika Fuchs. Die Dame, die das für die Deutschen übersetzt hat, die war ja zum Teil genialer als die Originale. Ähnlich bei Asterix auch.“
Precht vergleicht die geniale deutsche Übersetzung der Disney-Comics durch Erika Fuchs mit den deutschen Asterix-Übersetzungen. Beide Übertragungen seien zum Teil besser als die Originale – ein Nebengedanke beim Thema Lustiges Taschenbuch.
Spiel mir das Lied vom Tod
Sergio Leone · 1968
Während die Eisenbahnbauer auf ihrem Weg zum Meer unaufhaltsam durch die Wüste Arizonas marschieren, kommt Jill in der kleinen Stadt Flagstone an, um ein neues Leben zu beginnen.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:03:09 „Er hat ja Henry Fonda als den Bösen besetzt in Spielen das Lied vom Tod. Und jetzt war er natürlich so froh, das ist gar keine teure Produktion gewesen. Kann man sich gar nicht vorstellen, weil das so monumental wirkt.“
Richard David Precht erzählt ausführlich die Entstehungsgeschichte von Sergio Leones Meisterwerk. Er beschreibt, wie Leone Henry Fonda bewusst als Bösewicht besetzte, weil er wollte, dass der Verbrecher aussieht wie die amerikanischen Präsidenten mit babyblauen Augen – das gute Gesicht für die böse Rolle.
Young Mr. Lincoln
John Ford · 1939
Der Film schildert den Karrierebeginn von Abraham Lincoln (1809-1865), des 16. amerikanischen Präsidenten. In der Titelrolle glänzt Henry Fonda, der als Rechtsanwalt zwei des Mordes beschuldigte Brüder verteidigt und in einer dramatischen Gerichtsverhandlung den wahren Täter überführt.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:04:23 „Das gute Gesicht des Henry Fonda, der Lincoln gespielt hat und so weiter, das wollte er als Verbrecher haben.“
Precht erzählt ausführlich die Entstehungsgeschichte von 'Spiel mir das Lied vom Tod' und wie Sergio Leone bewusst Henry Fondas Image als Darsteller des ehrenhaften Abraham Lincoln unterlaufen wollte, indem er ihn als Bösewicht besetzte.
Der Struwwelpeter
Heinrich Hoffmann · 2024
Überarbeitete Fassung in maximaler Auflösung (2048 × 1536 Pixel) »Der Struwwelpeter« gilt noch vor Max und Moritz als das erfolgreichste deutsche Kinderbuch überhaupt und wurde in viele Sprachen übersetzt. Im Jahr 1844 bemühte sich der Arzt Heinrich Hoffmann um ein Bilderbuch, das er seinem dreijährigen Sohn Carl zu Weihnachten schenken könne. Leider (oder zum Glück für den Leser) fand er nichts, was ihm für ein Kind in Carls Alter angemessen schien.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:05:58 „Oder so ein fliegender Robert oder sowas. Es gibt, glaube ich, eine ganze Reihe von abwertenden Begriffen für Leute, die auch jenseits der Arbeit gerne glücklich sind.“
Precht erwähnt die Figur des 'fliegenden Robert' aus dem Struwwelpeter als Beispiel für abwertende Begriffe für Müßiggänger. Die Referenz ist implizit – der fliegende Robert ist eine der bekannten Geschichten aus Heinrich Hoffmanns Kinderbuchklassiker.
Die Fete ist zu Ende
Rainhard Fendrich
Das Lied thematisiert Müßiggang und die Gestaltung von Freizeit. Mit humorvoller Ironie beschreibt es, wie Menschen ihre freie Zeit verbringen und mit den Konsequenzen umgehen. Es veranschaulicht die These, dass die sinnvolle Nutzung von Freizeit eine der anspruchsvollsten menschlichen Aufgaben ist.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:13:23 „Oder um Reinhard Grebe zu zitieren, der in seinem schönen Lied, die Fete ist zu Ende. Wo also alle morgens um fünf in den Seilen hängen. Mit einem riesen Kater und was weiß ich was und so weiter. Dann singt er, ich trinke noch einen Averna auf Johannes B. Kerner. Freizeit und was man draus machen kann, das ist ein langes Thema.“
Im Gespräch über die Gestaltung von Freizeit und Müßiggang zitiert Precht ein Lied, das er Rainhard Grebe zuschreibt. Das Zitat dient als humorvolle Illustration der These, dass Freizeitgestaltung eines der anspruchsvollsten Themen überhaupt ist.
Stille
Erling Kagge · 2017
See work: https://openlibrary.org/works/OL19722737W
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:16:31 „Und er hat ein unheimlich schönes Buch geschrieben, mal über die Stille. So ein kleines Büchlein, wenn du dich wirklich mal versenken willst in die Idee von Stille, dann musst du dieses Buch von Arling Kage lesen. Das ist ein fantastisches Buch.“
Markus Lanz empfiehlt begeistert das Buch des norwegischen Abenteurers Erling Kagge über Stille. Er erzählt, wie Kagge darin den Südpol als stillsten Ort der Welt beschreibt und wie die vermeintlich eintönige Schneelandschaft plötzlich Farben bekommt. Das Buch passt perfekt zum Gesprächsthema Müßiggang und Kontemplation.
Die Biene Maja
Waldemar Bonsels · 1975
Im Bienenstock auf der Klatschmohnwiese wird eine Biene geboren, die gleich nachdem sie aus ihrer Zelle geschlüpft ist, besonders auffällt: die Biene Maja. Sie lacht, tanzt sofort aus der Reihe und bringt die Königin mit ihren Fragen durcheinander. Frau Kassandra, ihre Lehrerin, wundert sich sehr über diese kleine, freche, neugierige Biene. Für sie ist es wichtig, dass alle Bienen in der Gemeinschaft ihre Arbeit leisten.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:20:10 „Ja, aber diese Biene-Maja-Momente, die sind schön. Das ist zutiefst kontemplativ.“
Markus Lanz beschreibt das Erlebnis, auf einer Bergwiese zu liegen und den Himmel zu beobachten. Precht ergänzt humorvoll, wie die Tiere der Wiese in die Ärmel krabbeln. Lanz greift das Bild auf und vergleicht es mit der bekannten Zeichentrickserie.
Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral
Heinrich Böll · 2009
Die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral ist eine Anekdote des deutschen Schriftstellers Heinrich Böll. Sie handelt von einem Touristen, der im Gespräch mit einem Fischer begreift, dass man auch ohne große Karriere glücklich sein kann. Böll schrieb sie für eine Sendung des Norddeutschen Rundfunks zum Tag der Arbeit am 1. Mai 1963. Die Erzählung wurde in den 1970er und 1980er Jahren an vielen bundesdeutschen Schulen zur Pflichtlektüre und gilt als Klassiker der Zivilisationskritik.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:33:26 „Das ist die Geschichte, die ist ursprünglich von Heinrich Böll. Das ist die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral. So heißt sie. Und die hat er geschrieben so in der Wirtschaftswunderzeit.“
Precht erzählt ausführlich Bölls berühmte Parabel vom Fischer und dem Touristen, um die Absurdität kapitalistischer Verwertungslogik zu illustrieren. Er ergänzt eine persönliche Anekdote aus dem Deutschunterricht, wo er für seine Interpretation der Geschichte eine schlechte Note bekam, weil seine Lehrerin sie als Satire las, während er die Position des Fischers verteidigte.
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Max Weber · 2016
Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, 20. Bd., Heft 1, S. 1-54, 1904; 21. Bd., Heft 1, S. 1-110, 1905. Erstdruck der vorliegenden, umgearbeiteten Fassung in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I, Tübingen (Mohr Siebeck) 1920, S. 17-206. Vollständige Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016, 2. Auflage.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:36:27 „Du kennst die Geschichte, hier Max Weber und so weiter, hat das immer protestantische Ethik genannt. Dieses nur noch arbeiten, schlafen ist für Idioten und so weiter.“
Lanz verweist auf Max Webers These der protestantischen Arbeitsethik im Zusammenhang mit der Frage, warum moderne Menschen nicht mehr zum Müßiggang fähig sind. Weber wird als Erklärung dafür herangezogen, dass Kapitalismus und Zufriedenheit sich kategorisch ausschließen.
365 Tage Freiheit
Volker Kitz · 2012
Volker Kitz hinterfragt in seinem Buch die Notwendigkeit von Arbeit und Arbeitssucht als vermeintliche Grundlage geistiger Leistung. Er argumentiert, dass viele tägliche Aufgaben nur stupide Routine sind, denen Menschen keinen eigentlichen Sinn zuordnen. Die zentrale These: Man muss nicht aufhören zu arbeiten, sondern darf diese Entscheidung bewusst treffen.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:08 „Es gibt so einen schönen Satz, ich glaube, der findet sich in einem tollen Buch von Volker Kitz aus München. Der hat ein Buch gemacht über die 365-Tage-Freiheit. Und er sagt, sie müssen nicht aufhören zu arbeiten, aber sie können es.“
Lanz zitiert aus Volker Kitz' Buch die These, dass Arbeitswut die Grundlage für eine geistige Holzklasse sei. Er nutzt das Buch als Beleg dafür, dass vieles, was als anstrengende Arbeit gilt, in Wahrheit stupide und repetitiv ist, ohne dass jemand den Sinn hinterfragt.
Sie nannten es Arbeit
James Suzman · 2021
VOM FAUSTKEIL ZUM HANDY - DIE GESCHICHTE DER MENSCHHEIT NEU ERZÄHLT Heute bestimmt unsere Arbeit, wer wir sind, und das rastlose Konsumieren gilt als natürliche Eigenschaft des Homo Sapiens. Doch das war nicht immer so. James Suzman legt eine andere Geschichte der Menschheit vor, die zeigt, wie die Arbeit von uns Besitz ergreifen und unser Leben dominieren konnte. Doch wenn unsere Art zu arbeiten ein Produkt unserer Geschichte ist, dann lässt sie sich auch verändern.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:39 „Du erinnerst dich an dieses Buch, haben wir mal darüber gesprochen, James Sussman, glaube ich, heißt er. Sie nannten es Arbeit.“
Lanz empfiehlt das Buch des Anthropologen James Suzman, das beschreibt, wie Arbeit als Konzept erst mit der Sesshaftwerdung entstand. Beide Hosts hatten offenbar schon einmal darüber gesprochen. Precht greift später die These auf und verknüpft sie mit Marx' Ideen über die Abhängigkeit der Lebensbedingungen von der Nahrungsmittelproduktion.
Lebensgewohnheiten von Südtiroler Bergbauern
Psychologische Untersuchung der Lebensgewohnheiten von Südtiroler Bergbauern. Italienische Forscher entdeckten, dass diese Bergbauern keine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit kennen, sondern Arbeit und Müßiggang als eine verschmolzene Einheit erleben.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:42:37 „Ich habe eine alte Untersuchung gefunden. Italienische Psychologen haben vor ein paar Jahren mal die Lebensgewohnheiten von Südtiroler Bergbauern sich angeschaut. Und haben eine völlig interessante Entdeckung gemacht, nämlich die Entdeckung, dass die alten Bergbauern die unterscheiden nicht zwischen Arbeit und Müßiggang.“
Lanz zitiert eine Studie italienischer Psychologen, die zeigt, dass Südtiroler Bergbauern keine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit kennen. Er verbindet die Studie mit seiner eigenen Erfahrung aus Südtirol und argumentiert, dass dieses Verschmelzen von Arbeit und Muße das erstrebenswerte Lebensmodell sei.
Brüder, zur Sonne, zur Freiheit
Das klassische Arbeiterlied »Brüder, zur Sonne, zur Freiheit« wird humorvoll zu »Freizeit« verfremdet, um eine historische Wahrheit zu verdeutlichen: Freizeit als eigenständiges Konzept entstand nicht natürlich, sondern wurde durch den Gewerkschaftskampf gegen unmenschliche Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden täglich erkämpft. Der Text zeigt, wie ein heute selbstverständliches Recht auf hartnäckigen Widerstand hinweist.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:43 „Die Freizeit ist eine Erfindung der Gewerkschaften. Brüder zur Sonne, zur Freizeit. Eigentlich heißt es Freiheit, aber Freizeit trifft die Sache besser, weil Freizeit heißt, freien Raum zu erkämpfen für Arbeiter, die 16 Stunden am Tag gearbeitet haben.“
Precht spielt humorvoll auf das bekannte Arbeiterlied an und verfremdet es zu 'Brüder, zur Sonne, zur Freizeit', um seinen Punkt zu unterstreichen, dass der Freizeitbegriff historisch aus dem Gewerkschaftskampf gegen 16-Stunden-Arbeitstage entstanden ist.