Lanz & Precht – Ausgabe Sechsunddreissig
#036

Ausgabe Sechsunddreissig

Lanz & Precht / 06. Mai 2022 / 11 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Ausgangspunkt ist ein Treffen mit einem jungen Silicon-Valley-Investor, der sich als Erzkapitalist überraschend für das bedingungslose Grundeinkommen begeistert — ein Widerspruch, der die ganze Folge antreibt. Am Beispiel eines genüsslich polemischen FAZ-Artikels von Rainer Hank sezieren die beiden das tief sitzende Menschenbild hinter der Ablehnung des Grundeinkommens: die Angst, dass ohne Arbeitszwang alle in dumpfer Trägheit versinken.

„Jeder alberne Gedanke braucht jemanden, der ihn in aller Klarheit ausspricht.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (11)

Capitalism and Freedom

Capitalism and Freedom

Milton Friedman · 1962

In the process, he outlines the role that government should play in a society dedicated to freedom and relying primarily on the market to organize economic activity.".

🗣 Richard David Precht referenziert „Der Neoliberale, Milton Friedman, also der Chicago Boy, in Begriff von der Markt regelt alles, der Staat soll quasi gar nichts machen. Der hat sich überlegt, angesichts der 60er Jahre, Bürgerrechtsbewegung, Schwarzenbewegung, soziale Unruhen, naja, okay, also irgendwas muss der Staat schon machen, um die Leute existenziell abzusichern.“

Precht schildert ausführlich Friedmans Konzept der negativen Einkommensteuer als Vorläufer des bedingungslosen Grundeinkommens. Friedman formulierte diese Idee erstmals 1962 in 'Capitalism and Freedom', dem Werk, das hier inhaltlich nacherzählt wird.

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Jäger, Hirten, Kritiker – Eine Utopie für die digitale Gesellschaft

Jäger, Hirten, Kritiker – Eine Utopie für die digitale Gesellschaft

Richard David Precht · 2018

Dass unsere Welt sich gegenwärtig rasant verändert, weiß inzwischen jeder. Doch wie reagieren wir darauf? Die einen feiern die digitale Zukunft mit erschreckender Naivität und erwarten die Veränderungen wie das Wetter. Die Politik scheint den großen Umbruch nicht ernst zu nehmen. Sie dekoriert noch einmal auf der Titanic die Liegestühle um. Andere warnen vor der Diktatur der Digitalkonzerne aus dem Silicon Valley.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:37 „Richard, wir haben jetzt schon zweimal über Arbeit gesprochen. Und es gibt ein Thema, über das ich nicht nur in deinem Buch, schreibst da sehr ausführlich drüber, sondern auch in meiner Arbeit generell immer wieder stolpere und zuletzt drüber gestolpert bin.“

Markus Lanz verweist auf Prechts Buch über die Zukunft der Arbeit im digitalen Zeitalter, das ein ausführliches Kapitel über das bedingungslose Grundeinkommen enthält. Das Buch bildet die inhaltliche Grundlage für die gesamte Folge. Lanz zitiert daraus das Kapitel 'Die faulen Anderen' mit dem Untertitel 'Anthropologische Einwände gegen das bedingungslose Grundeinkommen'.

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Artikel über das bedingungslose Grundeinkommen

Artikel über das bedingungslose Grundeinkommen

Rainer Hank

Rainer Hank kritisiert in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens. Er greift auf das Bild von Pieter Brueghels Gemälde 'Schlaraffenland' (1567) zurück, um zu illustrieren, was passiert, wenn Menschen ohne Gegenleistung versorgt werden: Trägheit und Passivität statt produktiver Teilhabe. Der Artikel setzt sich kritisch mit der Idee auseinander, jedem Bürger ein garantiertes Einkommen zu zahlen, und argumentiert gegen eine solche Umverteilungspolitik.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:38 „Dann beschwerst du dich über einen Artikel, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, wo der Autor einen Satz zitiert, der sozusagen mit Peter Brügels Gemälde Schlaraffenland aus dem 16. Jahrhundert am besten beschrieben wäre. Und es fällt folgender schöner Satz mit Blick auf das bedingungslose Grundeinkommen: Da liegen sie, vollgestopft und abgefüllt, schlafen in dumpfer Schwere oder starren mit offenen Augen geistlos ins Nichts.“

Lanz zitiert aus Prechts Buch einen Artikel von Rainer Hank in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der sich kritisch mit dem bedingungslosen Grundeinkommen auseinandersetzt. Der Artikel verwendet das Bild von Brueghels Schlaraffenland, um zu beschreiben, was angeblich mit Menschen passiert, die ein Grundeinkommen erhalten. Lanz findet die Formulierung großartig provokant.

Zum Artikel bei FAZ Details
Schlaraffenland

Schlaraffenland

Pieter Bruegel der Ältere

Ölgemälde des flämischen Künstlers Pieter Bruegel der Ältere aus dem 16. Jahrhundert. Das Werk zeigt eine fantastische Welt des Überflusses mit trägen Menschen, die inmitten herumliegender Speisen und Getränke liegen. Das Gemälde symbolisiert die Faulheit und die menschliche Trägheit ohne Arbeitszwang, wurde aber auch als Warnung vor falschen Erwartungen gelesen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:38 „Dann beschwerst du dich über einen Artikel, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, wo der Autor einen Satz zitiert, der sozusagen mit Peter Brügels Gemälde Schlaraffenland aus dem 16. Jahrhundert am besten beschrieben wäre.“

Lanz erwähnt Pieter Bruegels berühmtes Gemälde 'Schlaraffenland' aus dem 16. Jahrhundert als Vergleich für die Kritik am bedingungslosen Grundeinkommen. Das Bild der im Überfluss herumliegenden, trägen Menschen dient als Sinnbild für die Befürchtung, Menschen würden ohne Arbeitszwang in Faulheit verfallen.

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B Musik

Bist du eher so der regungslose Sofa, Fernseher und Trainingshose

Yandi Ley

Songzeile von Yandi Ley, die das Klischee eines unmotivierten Menschen auf dem Sofa illustriert. Der Podcast-Host nutzt das Zitat, um seinen skeptischen Standpunkt zur Debatte über bedingungsloses Grundeinkommen zu veranschaulichen – die Befürchtung, dass finanzielle Absicherung ohne Arbeitsanreiz zu Passivität führt. Das Lied thematisiert die kulturelle Angst vor sozialer Ungerechtigkeit und mangelnder Produktivität.

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:04:07 „Ich habe eine schöne Zeile, fällt mir gerade ein. Ich hoffe, ich zitiere sie richtig von Yandi Lei. Und die hatte ich, deswegen habe ich die im Kopf, weil ich bei der Zeile schon früher immer ans bedingungslose Grundeinkommen denken musste. Da heißt es in einem Lied von Yandi Ley, bist du eher so der regungslose Sofa, Fernseher und Trainingshose.“

Lanz zitiert eine Songzeile von Yandi Ley, die er assoziativ mit der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen verbindet. Das Bild des regungslosen Menschen auf dem Sofa in Trainingshose steht für die Befürchtung, Menschen könnten ohne Arbeitsanreiz in Passivität verfallen. Lanz nutzt das Zitat, um seinen eigenen instinktiven Vorbehalt gegen das Grundeinkommen zu illustrieren.

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The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation?

The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation?

Carl Benedikt Frey, Michael A. Osborne

Einflussreiche Studie der Universität Oxford untersucht, welche Berufe durch Automatisierung und Computerisierung gefährdet sind. Frey und Osborne prognostizieren mit bemerkenswert hoher Genauigkeit den massiven Jobverlust durch Robotisierung und künstliche Intelligenz.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:12:44 „So, dann habe ich auch nicht mehr weiter darüber nachgedacht und dann habe ich mich ja angefangen, mit der Digitalisierung zu beschäftigen. Und eben auch so vor acht Jahren, neun Jahren, so angefangen, Arbeitsmarktstudien zu lesen. Das war ja gerade die Zeit, wo die berühmte Oxford-Studie rauskam.“

Precht verweist auf die einflussreiche Oxford-Studie von Frey und Osborne (2013), die prognostizierte, dass 47% aller US-Arbeitsplätze durch Automatisierung gefährdet seien. Er beschreibt, wie diese Studie und weitere Arbeitsmarktforschung ihn dazu brachten, seine anfängliche Skepsis gegenüber dem bedingungslosen Grundeinkommen zu überdenken und sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

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The Second Machine Age

The Second Machine Age

Erik Brynjolfsson, Andrew McAfee · 2014

The big stories -- The skills of the new machines : technology races ahead -- Moore's law and the second half of the chessboard -- The digitization of just about everything -- Innovation : declining or recombining? -- Artificial and human intelligence in the second machine age -- Computing bounty -- Beyond GDP -- The spread -- The biggest winners : stars and superstars -- Implications of the bounty and the spread -- Learning to race with machines : recommendations for individuals -- Policy recom...

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:13:00 „Und je mehr ich mich damit beschäftigte, umso klarer wurde mir, wir brauchen sicherlich ein ganz anderes Sozialsystem für das zweite Maschinenzeitalter.“

Precht verwendet den Begriff 'zweites Maschinenzeitalter' als feststehenden Terminus für die aktuelle technologische Umwälzung. Dies ist eine direkte Referenz auf das einflussreiche Buch von Brynjolfsson und McAfee, das die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitsmärkte analysiert.

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On the Principles of Political Economy and Taxation

On the Principles of Political Economy and Taxation

David Ricardo · 1817

Ricardos Hauptwerk der politischen Ökonomie behandelt die Grundprinzipien wirtschaftlicher Systeme und ihre Besteuerung. Die zentrale These: Steuern dürfen die Grenze von 4% nicht überschreiten, ohne das gesamte Wirtschaftssystem zu gefährden. Das Werk etablierte Ricardo als einen der einflussreichsten Ökonomen nach Adam Smith und prägte die ökonomische Theorie des 19. Jahrhunderts.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:29:02 „Also David Ricardo, der große Theoretiker, also einer der größten Nationalökonomen, der noch gesagt hat, also bloß nicht mehr als vier Prozent Steuern auf irgendwas in der Arbeitswelt.“

Precht zitiert Ricardo als historische Autorität zur Besteuerung von Arbeit. Ricardos Hauptwerk von 1817 behandelt genau diese Fragen der Steuerpolitik und ihrer Auswirkungen auf Produktion und Handel.

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Der Mensch ist gut, aber die Leute sind ein Gesindel

Der Mensch ist gut, aber die Leute sind ein Gesindel

Johann Nestroy

Nestroy verdeutlicht in diesem berühmten Bonmot einen grundlegenden psychologischen Widerspruch: Während wir an die Güte des Menschen im Allgemeinen glauben, misstrauen wir den einzelnen Mitmenschen. Das Zitat zeigt die Diskrepanz zwischen abstrakter Menschenfreundlichkeit und konkretem Misstrauen gegenüber dem Nächsten und eignet sich daher hervorragend zur Illustration kognitiver Verzerrungen in der Debatte über Grundeinkommen und menschliche Motivation.

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:37:30 „Du kennst den schönen Satz von Johann Nestreu, diesem österreichischen Komödiendichter, der gesagt hat, der Mensch ist gut, aber die Leute sind ein Gesindel.“

Im Gespräch über den psychologischen Bias, dass Menschen sich selbst für fleißiger und ehrlicher halten als andere, bringt Precht ein Bonmot des Wiener Komödiendichters Johann Nestroy. Das Zitat illustriert pointiert die menschliche Neigung, abstrakt an das Gute im Menschen zu glauben, aber den konkreten Mitmenschen zu misstrauen – ein zentrales Gegenargument zur Befürchtung, ein Grundeinkommen würde zur Faulheit verleiten.

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Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Richard David Precht · 2022

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Und warum eigentlich? Nichts, was die Arbeit anbelangt, ist heute mehr selbstverständlich. Das zweite Maschinenzeitalter selbstlernender Computer und Roboter revolutioniert unseren Arbeitsmarkt. Es definiert neu was »Arbeit« ist, und wozu wir eigentlich noch arbeiten. Schon seit einiger Zeit arbeiten wir in den westlichen Industrieländern nicht mehr, um unsere Existenz zu sichern. Wir arbeiten, um zur Erwerbsarbeitsgesellschaft dazuzugehören.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 01:03:50 „In diesem Geist noch habe ich auch mein Buch geschrieben. Als ich das Buch vollendete, war von Inflation noch nicht die Rede. Nun ist es aber so, dass im Zusammenhang mit Corona der Staat genau das gemacht hat, was man nicht machen darf. Er hat Geld erfunden.“

Im Kontext der Inflationsgefahr als Gegenargument zum bedingungslosen Grundeinkommen verweist Precht auf sein eigenes Buch, das er noch in einer Phase der Deflationsgefahr geschrieben habe. Er räumt ein, dass sich die ökonomische Lage seither durch die Corona-Geldpolitik verändert hat, was die Finanzierungsfrage des Grundeinkommens komplizierter macht.

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Sie nannten es Arbeit

Sie nannten es Arbeit

James Suzman · 2021

VOM FAUSTKEIL ZUM HANDY - DIE GESCHICHTE DER MENSCHHEIT NEU ERZÄHLT Heute bestimmt unsere Arbeit, wer wir sind, und das rastlose Konsumieren gilt als natürliche Eigenschaft des Homo Sapiens. Doch das war nicht immer so. James Suzman legt eine andere Geschichte der Menschheit vor, die zeigt, wie die Arbeit von uns Besitz ergreifen und unser Leben dominieren konnte. Doch wenn unsere Art zu arbeiten ein Produkt unserer Geschichte ist, dann lässt sie sich auch verändern.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:06:43 „Ja, super Typ, von dem lese ich gerade Bücher, ist toll. Sie nannten es Arbeit, heißt das. Sie nannten es Arbeit, genau. Der das biologistisch erklärt und eigentlich sagt, weißt du, das ist Zellteilung und alles das, was in Zellen stattfindet, das ist alles Arbeit. Und das ist so tief in uns drin, das ist wirklich Teil unserer DNA.“

Im Gespräch über das Menschenbild hinter dem bedingungslosen Grundeinkommen kommt Lanz auf den amerikanischen Anthropologen James Suzman zu sprechen, dessen Buch er gerade liest. Suzman erklärt Arbeit biologistisch – als etwas, das bis in die Zellteilung hinein in uns angelegt sei. Lanz nutzt das Buch als Argument dafür, dass Arbeit tiefer in der menschlichen Natur verankert ist, als Befürworter des Grundeinkommens annehmen.

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