Carolin Emcke, wie finden wir Glück
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Die öffentliche Philosophin und Friedenspreisträgerin Carolin Emcke spricht über die Klimakrise als Existenzkrise, die Handlungsfähigkeit der Demokratie und die prägende Rolle der Shoah-Reflexion in ihrem Denken und Schreiben. Zwischen politischer Analyse und persönlicher Offenheit bekennt sie überraschend, wie vergnügt und glücklich sie heute sei — ein Glück, das sie sich selbst nie zugetraut hätte.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich so vergnügt und glücklich sein könnte.“
Erwähnte Medien (36)
Kollektive Identitäten
Carolin Emcke · 2000
Im sogenannten "Kampf um Anerkennung" berufen sich aggressive Nationalismen heutzutage ebenso auf eine "kollektive Identität" wie soziale Bewegungen. Der politischen Philosophie geht es dagegen meist um normative Fragen von Integration und Toleranz, ohne Analyse der zugrundeliegenden Konzepte von kollektiver Identität. Carolin Emcke untersucht unterschiedliche Modelle der Entstehung kollektiver Identitäten und entwickelt eine systematisierte Typologie.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:07:54 „Hat bei Habermas den Magister gemacht und in Harvard promoviert über kollektive Identitäten. Ich erwähne das deswegen, weil mir viele Leute aus der Wissenschaft versichern, das sei heute so eine Art Standardwerk.“
Jochen Wegner erwähnt Emckes Dissertation über kollektive Identitäten im Rahmen ihrer Vorstellung. Er betont, dass viele Wissenschaftler das Werk als Standardwerk betrachten, was ihm von Fachleuten versichert wurde.
Streitraum
Carolin Emcke
Regelmäßige Diskussionsveranstaltung an der Berliner Schaubühne von Carolin Emcke seit 2004. Eine öffentliche Gesprächsreihe, in der gesellschaftliche Themen debattiert werden.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:09:52 „Und macht seit 2004 in Berlin in der Schaubühne eine Veranstaltung, die heißt Streitraum, die vielleicht viele kennen.“
Im Rahmen der Vorstellung von Carolin Emcke erwähnt Jochen Wegner ihre regelmäßige Diskussionsveranstaltung 'Streitraum' an der Berliner Schaubühne, die seit 2004 stattfindet. Es handelt sich um eine öffentliche Gesprächsreihe, die vielen Zuhörern bekannt sein dürfte.
Star Wars
George Lucas · 1977
Seit der Vernichtung der Jedi-Ritter steht die Galaxie unter der grausamen Herrschaft des Imperiums. Nur eine kleine Gruppe von Rebellen, angeführt von der schönen Prinzessin Leia, widersetzt sich der dunklen Macht. Als es ihnen gelingt, die geheimen Baupläne für den gefährlichen Todesstern zu entwenden, gerät das Imperium in Aufruhr. Durch Zufall gelangen die Pläne ausgerechnet in die Hände des Farmerjungen Luke Skywalker, der spürt, dass er sein bisheriges Leben hinter sich lassen muss. Gemein
🗣 Carolin Emcke erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:16:09 „Ich habe es ein einziges Mal versucht unter vehementem Einsatz meines Freundeskreises, die meinten, ich müsste das gesehen haben. Dann wurde sehr lange diskutiert, bei welcher Folge ich anfangen sollte. Für jemanden, die noch nie eine gesehen hatte, war es eine nicht nachvollziehbare Diskussion, ob Abfolge 4 oder Abfolge 1.“
Im Studio werden Star-Wars-Tassen benutzt, woraufhin Carolin Emcke sich als Nicht-Kennerin outet. Sie erzählt, dass Freunde sie einmal überredet haben, Star Wars zu schauen, sie aber nach zehn Minuten aufgegeben hat. Die Diskussion darüber, mit welchem Film man anfangen sollte, war für sie als Neuling nicht nachvollziehbar.
Gegen den Hass
Carolin Emcke · 2016
Carolin Emcke, eine der wichtigsten Intellektuellen der Gegenwart, äußert sich in ihrem engagierten Essay ›Gegen den Hass‹ zu den großen Themen unserer Zeit: Rassismus, Fanatismus, Demokratiefeindlichkeit. In der zunehmend polarisierten, fragmentierten Öffentlichkeit dominiert vor allem jenes Denken, das Zweifel nur an den Positionen der anderen, aber nicht an den eigenen zulässt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:41:13 „die berührendste Stelle, für mich berührendste Stelle in deinem Buch gegen den Hass“
Wegner verweist auf eine Passage über Eric Garner im Buch, die ihn besonders berührt hat
Schnelles Denken, langsames Denken
Daniel Kahneman · 2012
Der Weltbestseller, der das Denken von Millionen Menschen verändert hat - jetzt als hochwertige Erfolgsausgabe Dieses Buch hat die Welt erobert und die Art und Weise, wie wir über unser Verhalten nachdenken, revolutioniert. Ein Kompass für den Alltag, ein Handbuch für Entscheider - ein Bestseller, der von einer jüngeren Generation immer wieder aufs Neue entdeckt wird.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:02:27 „Es gibt das fantastische Buch von Daniel Kahnemann, eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Heißt, glaube ich, schnelles Denken. Der ja, genau, der das erklärt. Der erklärt, dass das menschliche Gehirn offenbar so tickt, dass wir uns im Nachhinein unser Leben als Folge von logischen Ereignissen erzählen.“
Carolin Emcke äußert sich skeptisch darüber, das eigene Leben rückblickend zu rationalisieren. Christoph Amend greift das auf und nennt Kahnemans Buch als eines seiner absoluten Lieblingsbücher, weil es genau diesen Mechanismus erklärt: Das Gehirn konstruiert nachträglich eine logische Abfolge von Ereignissen, auch wenn das Leben so nicht verlaufen ist.
Imagined Communities
Benedict Anderson · 1991
What makes people love and die for nations, as well as hate and kill in their name? While many studies have been written on nationalist political movements, the sense of nationality—the personal and cultural feeling of belonging to the nation—has not received proportionate attention. In this widely acclaimed work, Benedict Anderson examines the creation and global spread of the 'imagined communities' of nationality.
🗣 Carolin Emcke referenziert bei ⏱ 01:29:20 „Und das ist, was Benedict Anderson Imagined Communities immer nannte. Also es gibt ein Buch von einem Soziologen und Historiker, der heißt Benedict Anderson. Und dieses Buch hieß Imagined Communities. Also eingebildete, fantasierte, imaginierte Communities.“
Carolin Emcke greift in eine Debatte über den gesellschaftlichen Zusammenhalt nach dem Bedeutungsverlust der Kirchen ein. Sie nutzt Andersons Konzept der 'Imagined Communities', um zu zeigen, dass auch Nationen nicht auf realer Verbundenheit beruhen, sondern auf dem Glauben, etwas miteinander zu teilen – und dass dieser Zusammenhalt nicht zwingend von Kirchen gestiftet werden muss.
Gespräch zwischen Carolin Emcke und Otto Schilly (taz, Juni 2015)
Ein Streitgespräch zwischen Otto Schilly und Carolin Emcke über die deutsche Flüchtlingspolitik und die Frage, ob Politiker sich an Bürgerbedenken orientieren sollten. Das Interview aus dem Juni 2015 dokumentiert eine prophetische Debatte: Emcke warnte darin vor der Angst als Objekt politischer Instrumentalisierung und prognostizierte, dass eine humanitäre Geste des Staates zunächst positive mediale Resonanz erzeugen würde – drei Monate vor Merkels Grenzöffnung im September 2015. Das Gespräch zeigt, wie präzise die intellektuelle Analyse der damaligen Debatten war.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:40:52 „Ich habe in der Vorbereitung auf unseren Podcast heute ein Interview gefunden, ich weiß nicht, ob du dich daran noch erinnerst im Detail. Das ist im Juni 2015 erschienen, das heißt also drei Monate vor diesem berühmten Freitagabend. In der Taz ein Gespräch zwischen Otto Schilly und dir.“
Christoph Amend hat für die Vorbereitung ein taz-Interview von Juni 2015 ausgegraben, in dem Carolin Emcke und Otto Schilly über Flüchtlingspolitik debattieren. Bemerkenswert ist, dass Emcke darin drei Monate vor der Grenzöffnung prognostizierte, eine humanitäre Geste Merkels würde positive mediale Aufmerksamkeit erzeugen – was sich zunächst auch bewahrheitete. Emcke selbst hatte das Interview inhaltlich komplett vergessen.
Taz-Interview Carolin Emcke und Otto Schilly (Juni 2015)
Otto Schily und Carolin Emcke diskutieren in diesem Taz-Interview von 2015 über die richtige Flüchtlingspolitik und die Frage, wie Politiker mit Bürgerbedenken umgehen sollten. Emcke warnt damals bereits vor der politischen Zuspitzung, die sich wenige Monate später mit der Flüchtlingskrise bewahrheitet. Das Streitgespräch zeigt, wie präzise ihre damalige Analyse der gesellschaftlichen Spannungen war.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:41:10 „Ich habe in der Vorbereitung auf unseren Podcast heute ein Interview gefunden ... Das ist im Juni 2015 erschienen ... In der Taz ein Gespräch zwischen Otto Schilly und dir.“
Amend liest aus einem Taz-Interview vor, in dem Emcke und Schilly drei Monate vor der Flüchtlingskrise über Flüchtlingspolitik diskutierten – Emckes damalige Prognose erwies sich als zutreffend
Muppet Show
Jim Henson · 1976
Die Muppet Show ist ein Varieté mit verschiedensten Unterhaltungs-Darbietungen von Puppen, mit jeweils einem prominenten (menschlichen) Gaststar pro Folge. Die Show wird von Kermit dem Frosch vor einem sehr bunten Puppen-Publikum präsentiert. Kermit hat dabei alle Mühe, das Chaos vor und hinter der Bühne im Rahmen zu halten.
🗣 Carolin Emcke erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:52:04 „Das ist wie so ein altes E, weil die beiden Alten in der Loge bei der Muppet Show. Waldorf und Städtler.“
Carolin Emcke vergleicht das Zusammenspiel von Christoph Amend und Jochen Wegner scherzhaft mit Waldorf und Statler, den beiden meckernden alten Herren aus der Muppet Show, die von ihrer Loge aus das Geschehen kommentieren.
Masse und Macht
Elias Canetti · 2016
In seinem philosophischen Hauptwerk "Masse und Macht" beschäftigt sich Elias Canetti mit zwei Schlu?sselbegriffen zum Verständnis unseres Zeitalters. Damit das Zusammenleben funktioniert, folgt die Masse bestehenden Gesetzen – doch kennt die Geschichte auch viele Beispiele, wo sie blind der Macht eines Diktators oder einer Weltanschauung folgt.
🗣 Carolin Emcke referenziert bei ⏱ 02:09:47 „Es macht mir wirklich Angst und ich habe auch das Gefühl, es ist nicht... Also so eine richtige große Masse, das ist wie Elias Canetti, ja, in Masse und Macht, diese Beschreibungen hat von eben wütenden Massen, Meuten, Mob, also der hat da unterschiedliche Terminologien für dieses auch in der Physiognomie der Gesichter erkennbare Zorn, Wut, das Unkontrollierte daran.“
Carolin Emcke spricht über ihre größte Angst: unkontrollierbare Menschenmassen, Hooligans, wütende Mobs. Sie verweist auf Canettis Klassiker als treffende Beschreibung dieses Phänomens — die Physiognomie des Zorns in Gesichtern, die organische Bewegung einer wütenden Masse. Für sie ist das bedrohlicher als jede Kriegssituation.
Von den Kriegen. Briefe an Freunde
Carolin Emcke · 2004
Eine Sammlung von Briefen, in denen sich eine Kriegsreporterin mit ihren persönlichen Erlebnissen an Kriegsschauplätzen auseinandersetzt. Entstanden aus dem Bedürfnis, diese intensiven Erfahrungen jenseits der klassischen Reportageform zu erzählen, bietet das Buch einen intimen, reflektierenden Zugang zu den menschlichen Dimensionen von Krieg.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:17:03 „Interessanterweise hast du ja für mich eines deiner stärksten Bücher geschrieben, wenn ich es richtig verstanden habe, auch ein bisschen aus diesem Impuls heraus geschrieben, dass du deine Erlebnisse als Kriegsreporterin eigentlich in deinem eigentlichen Hauptberuf nicht aufschreiben konntest.“
Christoph Amend spricht Emcke auf ein Buch an, das aus der Frustration entstand, ihre Kriegserlebnisse nicht in der klassischen Reportageform des Spiegel unterbringen zu können. Das Buch wird nicht beim Titel genannt, aber aus dem Kontext — Briefe, Kriegsreportage, andere Erzählform — handelt es sich um 'Von den Kriegen'. Emcke bestätigt den Impuls und beschreibt, wie das Zeitmagazin ihr später mehr Freiheit in der Erzählform gab.
Artikel über deutsche Intellektuelle und Aktivismus
Der NZZ-Artikel analysiert einen Generationenwechsel unter deutschen Intellektuellen: Statt der alten 'weisen Männer' prägen nun jüngere Figuren wie Carolin Emcke, Jan Böhmermann und Sophie Passmann den öffentlichen Diskurs. Kritisiert wird, dass diese neue Generation kaum zwischen intellektuellem Denken und politischem Aktivismus trennt. Emcke und Böhmermann fehle Selbstironie und Leichtigkeit, während Passmann positiver bewertet wird. Der Artikel stellt die Frage, ob öffentliche Intellektuelle noch eigenständig denken oder primär moralisch mobilisieren.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:23:28 „Die Neuzüricher Zeitung hat ja mal einen Artikel veröffentlicht, ich glaube im letzten Jahr oder vorletzten Jahr. Jedenfalls geht es um darum, warum werden Intellektuelle heutzutage immer gleich Aktivisten. Und die beiden prominentesten Beispiele sind bist du und Jan Böhmermann. Und Sophie Passmann.“
Christoph Amend und Jochen Wegner diskutieren einen NZZ-Artikel, der eine neue Generation deutscher Intellektueller beschreibt, die die alten 'weißen oder weisen Männer' abgelöst habe. Der Artikel kritisiert fehlende Selbstironie und Leichtigkeit bei Emcke und Böhmermann, während Sophie Passmann besser wegkomme. Wegner hat den Artikel 'mit Begeisterung gelesen' und zitiert daraus, dass dort stehe, Emcke lächle nie.
Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung über deutsche Intellektuelle
Eine neue Generation öffentlicher Intellektueller hat übernommen. Etwa in der Person von Carolin Emcke oder Jan Böhmermann. Warum aber werden die immer gleich zu Aktivisten?
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:24:23 „Die Neuzüricher Zeitung hat ja mal einen Artikel veröffentlicht, ich glaube im letzten Jahr oder vorletzten Jahr. Großartig. ... warum werden Intellektuelle heutzutage immer gleich Aktivisten.“
Amend und Wegner diskutieren einen NZZ-Artikel, der Emcke, Jan Böhmermann und Sophie Passmann als neue Generation deutscher Intellektueller beschreibt und deren vermeintlichen Aktivismus und fehlende Selbstironie kritisiert
Artikel über Carolin Emcke in der NZZ
Carolin Emcke ist in der linken Szene ein Star. Die Intellektuelle schreibt gegen Gewalt und Hass an, manche sehen in ihr eine Retterin der Demokratie. Wenn da bloss nicht diese Betroffenheit wäre, mit der sie ihre eigene Empathiefähigkeit vorzeigt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:55:08 „Ich fand das so lustig, dieses NZZ-Klischee, das haftet dir schon an über die NZZ hinaus, dass du eine ernste Denkerin bist und man leicht irritiert ist. Ich war es zumindest, als ich mich tiefer in deine Fußballabgründe eingearbeitet habe.“
Im Gespräch wird ein kritischer Artikel der NZZ über Carolin Emcke diskutiert, der das Klischee bedient, sie sei humorlos und zu ernst. Christoph Amend zitiert sinngemäß die Frage 'Lacht die denn jemals?' aus dem Text. Alle drei diskutieren, ob solche Zuschreibungen fair sind, wobei Emcke sich weigert, den Artikel direkt zu kommentieren.
Hitzlsperger-Interview (Coming Out)
Thomas Hitzlsperger spricht mit Moritz Müller-Wirt, einem der Interviewer seines berühmten Coming-Out-Interviews, über die damals epochalen Ereignisse und deren Nachwirkungen. Der Artikel reflektiert das historische Sportjournalismus-Moment, in dem Hitzlsperger 2014 seine Homosexualität öffentlich machte. Das ursprüngliche Gespräch war medial so bedeutsam, dass es die Server von Zeit Online zum Absturz brachte.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:57:24 „Ihr großes Interview, das sie gemeinsam mit Moritz Müller-Wirt geführt hat ... Das große Outing. Ja. Zum ersten Mal kein aktiver Spieler mehr, aber immerhin doch.“
Amend und Wegner sprechen über das berühmte Interview mit Thomas Hitzlsperger, in dem dieser sein Coming Out hatte – es brachte die Server von Zeit Online zum Absturz
Thomas Hitzlsberger Coming-Out-Interview
Moritz Müller-Wirth, Carolin Emcke
Der Artikel zeigt das historische Coming-out-Interview mit dem ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger aus dem Jahr 2014. Darin spricht der Fußballer über seine Homosexualität, ein damals bahnbrechendes Thema im deutschen Profifußball. Das Interview löste weltweit so großes Interesse aus, dass die Server von Zeit Online zusammenbrachen.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:01:42 „Als das veröffentlicht worden ist, das Interview, das Karolin zusammen mit einem lieben Kollegen, Moritz Müller-Wirt, geführt hat mit Thomas Hitzesberger, in dem er gesagt hat, also quasi eine Art Coming-out hatte, übrigens ein schwuler Fußballer, tolle Sache, da flog uns echt der Server weg. Wir sind komplett zusammengebrochen.“
Jochen Wegner erinnert sich als damaliger Chefredakteur von Zeit Online an das Interview, das Carolin Emcke gemeinsam mit Moritz Müller-Wirth mit dem ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsberger führte, in dem dieser sich als schwul outete. Das Interview erzeugte weltweit so viel Traffic, dass die gesamte Server-Infrastruktur von Zeit Online zusammenbrach – ein Ereignis, das laut Wegner bis heute eine komplette Erneuerung der technischen Infrastruktur nach sich zog.
Friedenspreisrede in der Paulskirche
Carolin Emcke · 2019
In den derzeitigen Umbrüchen von Gemeinden und Kirchen erweisen sich kleine Gruppen als erstaunlich anpassungsfähig: Menschen bauen Netzwerke auf, starten Kleingruppen, binden sich an Hauskreise, bewirken Veränderungen in Initiativgruppen, kommunizieren in digitalen Communities. Gelingt es, selbstbestimmte Nähe und Distanz in diesen Kirchengestalten auszutarieren, oder endet die Reichweite der Kirche irgendwo zwischen einengender Verwohnzimmerung und Mitgliedschaft ohne Teilnahme? Ist die Gemein...
🗣 Jochen Wegner zitiert daraus bei ⏱ 03:21:18 „Ich möchte mal aus deiner Rede zitieren, ich glaube aus der Paulskirche. ... Als ich mich das erste Mal in eine Frau verliebte, ahnte ich ehrlich gesagt nicht, dass damit eine Zugehörigkeit verbunden wäre.“
Wegner zitiert aus Emckes Friedenspreisrede 2016, in der sie über Sexualität und Identitätszuschreibungen sprach
Friedenspreis-Rede (Paulskirche)
Carolin Emcke
Carolin Emckes Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels reflektiert ihre persönliche Erfahrung beim Coming-Out und hinterfragt, wie Liebe zur Identitätskategorie wird. Sie argumentiert, dass Homosexualität zunächst eine private Frage ist, erst durch gesellschaftliche Zuschreibungen aber zur Marker von Zugehörigkeit wird. Die Rede behandelt zentrale Fragen von Stereotypisierung, Sichtbarkeit und der Grenzziehung zwischen Privatem und Politischem.
🗣 Jochen Wegner zitiert daraus bei ⏱ 03:21:36 „Ich möchte mal aus deiner Rede zitieren, ich glaube aus der Paulskirche. Als ich mich das erste Mal in eine Frau verliebte, ahnte ich ehrlich gesagt nicht, dass damit eine Zugehörigkeit verbunden wäre. Ich glaubte noch, wie und wen ich liebe, sei eine individuelle Frage, eine, die vor allem mein Leben auszeichnete und für andere, Fremde oder gar den Staat nicht von belangte.“
Jochen Wegner zitiert aus Carolin Emckes Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche. Das Zitat unterstreicht Emckes Punkt, dass Homosexualität zunächst eine private Angelegenheit sei, die erst durch gesellschaftliche Zuschreibungen zu einer Identitätskategorie werde – ein zentrales Thema des Gesprächsabschnitts über Coming-Out und Stereotypisierung.
Making All the Difference: Inclusion, Exclusion, and American Law
Martha Minow · 1990
Martha Minow takes a hard look at the way our legal system functions in dealing with people on the basis of race, gender, age, ethnicity, religion, and disability.
🗣 Carolin Emcke zitiert daraus bei ⏱ 03:24:58 „Und es gab eine amerikanische Philosophin, Martha Minow, die hat, Rechtsphilosophin, die hat mal gesagt, es ist ausgesprochen schwierig zu entscheiden, wann es diskriminierend ist, dass jemand als anders wahrgenommen wird. Und wann es anerkennend ist, dass jemand als anders wahrgenommen wird.“
Im Gespräch über Identitätszuschreibungen und die Frage, wann das Benennen von Differenz diskriminierend und wann anerkennend ist, zitiert Emcke die amerikanische Rechtsphilosophin Martha Minow. Das zentrale Dilemma – Minows 'dilemma of difference' – stammt aus ihrem Hauptwerk und wird hier als philosophischer Rahmen für die Diskussion über Homosexualität, Religionszugehörigkeit und Herkunft herangezogen.
Ausstellung über Essen und seine Bedeutung
Eat Art ist eine Kunstrichtung, die 1970 in Düsseldorf durch den Künstler Daniel Spoerri begründet wurde und Lebensmittel als künstlerisches Material nutzt. Das Konzept verbindet die Kunst bewusst mit alltäglicher Lebenspraxis und verbindet dies häufig mit Sozialkritik, etwa zur Überflussproduktion und Abfallwirtschaft in der Konsumgesellschaft. Die Ausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf dokumentiert die Entwicklung von den historischen Anfängen bis zur internationalen Gegenwartskunst seit den 1990er Jahren und setzt sich mit zeitgenössischen Themen wie Identitätsbildung durch Essgewohnheiten, moderne Ernährungslehren und globalisierungskritischen Fragen der Nahrungsmittelproduktion auseinander.
🗣 Carolin Emcke erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:27:42 „Und es gab, glaube ich, im Jüdischen Museum eine wunderbare Ausstellung über das Essen und welche Bedeutung sozusagen das Essen hat. Einerseits zum Erhalt einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder überhaupt Gemeinschaft und möglicherweise dann aber eben auch zur Trennung.“
Im Gesprächskontext über Essen als vergemeinschaftendes Ritual und politisches Thema erinnert sich Carolin Emcke an eine Ausstellung im Jüdischen Museum, die die ambivalente Rolle von Essen beleuchtete — einerseits als Bindemittel von Gemeinschaften, andererseits als Trennungsmerkmal durch religiöse Speisevorschriften.
Ausstellung über Essen im Jüdischen Museum
Das Jüdische Museum Berlin zeigte die Ausstellung "Koscher & Co. Über Essen und Religion", die die jüdischen Speisegesetze (Kaschrut) verständlich erklärt. Besucher lernen, dass nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kochgeschirr koscher sein müssen und dass Milch und Fleisch nicht gemeinsam gegessen werden dürfen. Ausstellungsstücke, Spiele und Interviews vermitteln diese Regeln anschaulich. Ein innovatives Feature ermöglichte es Besuchern, mit einem codierten Plastiklöffel Rezepte zu sammeln und später nachzukochen.
🗣 Carolin Emcke erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:28:16 „ich glaube, im Jüdischen Museum eine wunderbare Ausstellung über das Essen und welche Bedeutung sozusagen das Essen hat“
Emcke verweist auf eine Ausstellung im Jüdischen Museum über die soziale und religiöse Bedeutung von Essen – als Mittel der Gemeinschaftsbildung und Trennung
Friedenspreis-Rede (Paulskirche, 1998)
Martin Walser
Martin Walsers Friedenspreis-Rede von 1998 in der Paulskirche ist ein vielbeachtetes Beispiel einer umstrittenen und gescheiterten Rede, die breite Kritik hervorrief. Die Rede gilt als warnendes Beispiel dafür, dass eine Friedenspreis-Rede auch misslingen kann – ein Referenzpunkt für nachfolgende Träger wie Carolin Emcke, die sich bei ihrer eigenen Rede 2016 bewusst damit auseinandersetzten. Walsers Rede zeigt die Risiken und Verantwortung, die mit einer solchen öffentlichen Stellungnahme verbunden sind.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:34:47 „Es gibt ja die berühmt-berüchtigte Rede von Martin Walser in der Paulskirche. Kann auch schief gehen. Es kann auch schief gehen.“
Im Gespräch über Carolin Emckes eigene Friedenspreis-Rede 2016 verweist Christoph Amend auf die kontroverse Rede Martin Walsers als Beispiel dafür, dass eine solche Rede auch scheitern kann. Emcke bestätigt, dass Walsers Rede für sie eine Rolle bei der Vorbereitung ihrer eigenen Rede spielte.
Rede von Martin Walser (Friedenspreis 1998)
Martin Walser · 1999
Documents the reaction from the political right of the speech that Martin Walser gave on October 11, 1998 at the Frankfurt Book Fair upon his receipt of the Peace Prize of the German Book Trade.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:34:54 „es gibt ja die berühmt-berüchtigte Rede von Martin Walser in der Paulskirche“
Amend erwähnt Walsers kontroverse Friedenspreisrede als Beispiel dafür, dass solche Reden auch schiefgehen können
Dissertation über die Vorgeschichte von Rosa Parks
Die Analyse korrigiert das vereinfachte Bild von Rosa Parks als spontan handelnde Einzelperson. Basierend auf einer US-amerikanischen Dissertation wird gezeigt, dass Parks eine politische Vorgeschichte als Rechercheurin für Bürgerrechtsgruppen hatte, wo sie Fälle von sexualisierter Gewalt gegen schwarze Frauen dokumentierte. Sie wurde bewusst als Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung ausgewählt, nicht zufällig zur Ikone.
🗣 Carolin Emcke referenziert bei ⏱ 03:41:40 „Es gibt eine Dissertation, die sich mit der Vorgeschichte von Rosa Parks beschäftigt, die in den USA erschienen ist. Und darin wird erzählt, dass Rosa Parks selber als Rechercheurin gearbeitet hat für verschiedene Bürgerrechtsgruppen, um Vergewaltigung oder sexualisierte Gewalt von weißen Männern gegenüber schwarzen Frauen zu recherchieren.“
Emcke spricht über die verbreitete Erzählung von Rosa Parks als spontan handelnder Einzelperson und korrigiert dieses Bild. Sie verweist auf eine in den USA erschienene Dissertation, die zeigt, dass Parks eine politisch organisierte Vorgeschichte hatte und gezielt als Symbolfigur ausgewählt wurde. Der genaue Titel und Autor der Dissertation werden nicht genannt.
Jessye Norman (Gesang)
Jessye Norman
Gesang (auch: Singen) ist der musikalische Gebrauch der menschlichen Stimme und wahrscheinlich die älteste und ursprünglichste musikalische Ausdrucksform des Menschen. Gesang existiert in sehr unterschiedlichen Formen, vom spontanen, improvisierten Singen einzelner Töne oder Tonfolgen über Volkslieder bis zu Kunstliedern, virtuos verziertem Kunstgesang (Belcanto) sowie einstimmiger, homophoner und polyphoner Chormusik.
🗣 Carolin Emcke referenziert bei ⏱ 03:43:54 „Jesse Norman, erst mal Jesse Norman hören, ja. Erschütternd, erschütternd, erschütternd, ja, dass man einfach denkt, dass es sowas gibt.“
Emcke nennt das erstmalige Hören der Opernsängerin Jessye Norman als einen der wichtigsten und beglückendsten Momente ihres Lebens
Interview mit Carolin Emcke (Oktober 2016)
Carolin Emcke, renommierte Journalistin und Publizistin, erhielt den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Der Artikel beleuchtet die prestigeträchtige Auszeichnung, die seit 1950 an Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler verliehen wird. Es wird auch ein Interview vom Oktober 2016 erwähnt, das Emcke kurz vor ihrer Preisrede gab und in dem sie detailliert über den Inhalt ihrer Rede schwieg.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:46:29 „Ich habe jetzt nur in der Vorbereitung ein Interview mit dir gefunden, im Oktober 2016, da hattest du die Rede noch nicht gehalten, im Tagesspiegel. Und da versuchen die immer, was Journalisten ja auch machen, wenn sie gute Fragen stellen, irgendwas rauszukriegen, was du da reden würdest in dieser Rede.“
Christoph Amend zitiert ein Tagesspiegel-Interview mit Carolin Emcke von Oktober 2016, kurz vor der Friedenspreisverleihung. Darin versuchten die Journalisten, Details über die geplante Rede zu erfahren, doch Emcke verriet nur, dass sich nach der Rede die öffentliche Aufmerksamkeit verändern könnte.
Stumme Gewalt
Carolin Emcke · 2009
Am 30. November 1989 wurde der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Alfred Herrhausen in Bad Homburg mit einer Sprengladung getötet – einer der letzten Morde der Rote Armee Fraktion. Achtzehn Jahre lang hat die Journalistin und Autorin Carolin Emcke geschwiegen zu dem Terror der RAF und damit auch über das Attentat an ihrem Patenonkel Alfred Herrhausen.
🗣 Carolin Emcke referenziert bei ⏱ 04:07:49 „Das war mir jetzt bei dem Text und dann bei dem späteren Buch, also diese Stumme Gewalt, eben wichtig, sich nicht in die dogmatischen Zuschreibungen hineinfallen zu lassen, auch nicht drängen zu lassen in eine Verhärtung, in eine hasserfüllte, menschenverachtende Position, nur weil man so behandelt wird.“
Emcke erwähnt ihr Buch 'Stumme Gewalt' als Weiterführung des Zeitmagazin-Essays über den RAF-Mord an Alfred Herrhausen. Es geht ihr darum, sich nicht in dogmatische Zuschreibungen oder Verhärtungen drängen zu lassen – weder durch Fanatismus noch durch die Feindseligkeit eines Gegners, der einen zu dem machen will, was er sich wünscht.
Essay über Alfred Herrhausen und die RAF
Carolin Emcke
Carolin Emcke, deren Patenonkel Alfred Herrhausen 1989 von der RAF ermordet wurde, hat ein Buch über dieses traumatische Ereignis geschrieben. Der preisgekrönte Essay verbindet ihre persönliche Geschichte mit einer politischen Forderung nach Amnestie für die Täter, um diese zum Reden zu bewegen. Der Text zeigt, wie persönliche Trauer und politisches Engagement ineinander greifen.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 04:10:19 „Du hast ja 2007, wenn ich mich richtig erinnere, dazu diesen sehr persönlichen und auch sehr politischen Essay im Zeitmagazin geschrieben, hast den Theodor-Wolff-Preis auch dafür bekommen. Und was ich damals schon so stark fand an dem Text, und da kommt jetzt die Verbindung zu dem Thema, worüber wir gerade gesprochen haben, war, du beschreibst dann die persönliche Situation, das, was du erlebt hast und stellst dir im Laufe des Textes eine politische Forderung auf.“
Christoph Amend spricht über Emckes Essay im Zeitmagazin von 2007, in dem sie den Mord an ihrem Patenonkel Alfred Herrhausen durch die RAF verarbeitet. Der Text verbindet persönliche Erfahrung mit einer politischen Forderung nach Amnestie, um die RAF-Täter zum Reden zu bringen. Der Essay wurde mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet.
1000 Zeilen Lüge
Juan Moreno · 2019
Juan Morenos Bericht über den größten Fälschungsskandal seit Jahrzehnten Ein Reporter des «Spiegel» lieferte Reportagen und Interviews aus dem In- und Ausland, bewegend und oftmals mit dem Anstrich des Besonderen. Sie alle wurden vom «Spiegel» und seiner legendären Dokumentation geprüft und abgenommen, sie wurden gedruckt, und der Autor Claas Relotius wurde mit Preisen geradezu überhäuft. Aber: Sie waren – ganz oder zum Teil – frei erfunden.
🗣 Christoph Amend empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:35:54 „Ich habe gerade das Buch von Juan Moreno gelesen, 1000 Zeilen Lüge, der sich ja mit dieser Affäre sehr beschäftigt“
Amend erwähnt das Buch im Kontext der Diskussion über den Fall Klaas Relotius und journalistische Glaubwürdigkeit
Tausend Zeilen Lüge
Juan Moreno · 2019
Juan Morenos Bericht über den größten Fälschungsskandal seit Jahrzehnten Ein Reporter des «Spiegel» lieferte Reportagen und Interviews aus dem In- und Ausland, bewegend und oftmals mit dem Anstrich des Besonderen. Sie alle wurden vom «Spiegel» und seiner legendären Dokumentation geprüft und abgenommen, sie wurden gedruckt, und der Autor Claas Relotius wurde mit Preisen geradezu überhäuft. Aber: Sie waren – ganz oder zum Teil – frei erfunden.
🗣 Christoph Amend empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:36:49 „Ich habe gerade das Buch von Juan Moreno gelesen, 1000 Zeilen Lüge, der sich ja mit dieser Affäre sehr beschäftigt, weil er derjenige ist, ein freier Reporter, der für den Spiegel schreibt, der die Affäre aufgedeckt hat, den Fall Klaas Relotius. Und wenn man das Buch liest, ich glaube es gibt auch ein großes Interesse an dem Buch, zu Recht auch.“
Im Gespräch über die Grenzen des Fact-Checkings und den Fall Klaas Relotius beim Spiegel empfiehlt Christoph Amend das Buch von Juan Moreno, dem freien Reporter, der den Fälschungsskandal aufgedeckt hat. Amend betont, dass das Buch mehrere Ebenen des Falls sichtbar macht — vom individuellen Betrug bis hin zu strukturellen Problemen in Redaktionen, etwa wenn Geschichten schon vor der Recherche wie ein Drehbuch entworfen werden.
New Yorker-Artikel über Al-Qaida und Saddam Hussein
Jeffrey Goldberg
Der New-Yorker-Artikel von Jeffrey Goldberg untersucht die angebliche Verbindung zwischen dem irakischen Diktator Saddam Hussein und der Terrororganisation Al-Qaida. Der Artikel basiert auf Aussagen eines Kronzeugen und wurde später als Rechtfertigung für die US-amerikanische Invasion des Iraks herangezogen. Journalistische Recherchen im Nordirak stellten die Glaubwürdigkeit dieser Darstellung später in Frage.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 04:50:29 „in diesem Artikel im New Yorker von damals präsentierte der Reporter nämlich den Kronzeugen ... für die Verbindung von, also die angebliche Verbindung von Al-Qaida und Saddam Hussein“
Amend spricht über einen New Yorker-Artikel von Jeffrey Goldberg, den Emcke durch eigene Recherche im Nordirak als fragwürdig entlarvte – der Artikel diente als Rechtfertigung für den Irakkrieg
The Great Terror
Jeffrey Goldberg
Der Artikel von Jeffrey Goldberg untersucht Beweise für Saddams Genozid gegen die Kurden im Nordirak und präsentiert einen Kronzeugen für angebliche Verbindungen zwischen Saddam Hussein und Al-Qaida. Der Bericht wurde von der Bush-Regierung zur Rechtfertigung des Irakkriegs verwendet. Journalisten wie Carolin Emcke recherchierten später nach und stellten die Glaubwürdigkeit des Zeugen in Frage.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 04:51:26 „In der Vorbereitung auf unser Gespräch heute einen Artikel gefunden von Frank Schirrmacher aus dem Jahr 2004, der über dich schreibt und über deine Arbeit und dabei über einen Fall schreibt, den du nachrecherchiert hast. Und zwar ein Artikel, der im New Yorker erschienen ist, im Vorfeld des Irakkriegs, am 25. März 2002. Eine große Recherche und in diesem Artikel im New Yorker von damals präsentierte der Reporter nämlich den Kronzeugen für die Verbindung von Al-Qaida und Saddam Hussein.“
Christoph Amend bringt einen konkreten Fall aus Carolin Emckes journalistischer Vergangenheit ein: einen Artikel von Jeffrey Goldberg im New Yorker von 2002, der den angeblichen Kronzeugen für die Verbindung zwischen Al-Qaida und Saddam Hussein präsentierte. Der Artikel wurde von der Bush-Regierung zur Rechtfertigung des Irakkriegs herangezogen. Emcke reiste selbst in den Nordirak, traf den Kronzeugen im Gefängnis und kam zu dem Schluss, dass dieser völlig unglaubwürdig war.
Artikel über Carolin Emcke und ihre Irak-Recherche (FAZ, 2004)
Frank Schirrmacher
Frank Schirrmacher porträtiert 2004 Carolin Emckes Recherche, die den Hauptzeugen für eine angebliche Verbindung zwischen Al-Qaida und Saddam Hussein als unglaubwürdig entlarvte. Jeffrey Goldbergs einflussreicher New-Yorker-Artikel hatte diesen Zeugen als Beweis für eine irakisch-islamistische Achse präsentiert – ein zentrales Argument für den Irak-Krieg 2003. Emckes Nachrecherche vor Ort erschütterte diese Darstellung und zeigte, wie fragwürdig die journalistischen Grundlagen für die Kriegsbegründung waren. Der Artikel ist ein frühes Beispiel investigativer Kriegsberichterstattung, die öffentlich gemachte Fehlinformationen systematisch dekonstruiert.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 04:51:26 „In der Vorbereitung auf unser Gespräch heute einen Artikel gefunden von Frank Schirrmacher aus dem Jahr 2004, der über dich schreibt und über deine Arbeit und dabei über einen Fall schreibt, den du nachrecherchiert hast.“
Christoph Amend führt einen FAZ-Artikel von Frank Schirrmacher aus dem Jahr 2004 ein, der Emckes Nachrecherche zum Fall des Jeffrey-Goldberg-Artikels im New Yorker beschreibt – jene Recherche, die den angeblichen Kronzeugen für die Verbindung von Al-Qaida und Saddam Hussein als unglaubwürdig entlarvte.
Recherche über Marie Sophie Hingst
Der Spiegel
Die Bloggerin Marie Sophie Hingst verbreitete eine erfundene jüdische Familiengeschichte und erfundene Holocaust-Opfer in ihren Texten. Der Spiegel recherchierte den Fall und konfrontierte sie mit seinen Erkenntnissen. Die 31-Jährige starb nach der Aufdeckung des Skandals.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 05:01:42 „Ich bekam irgendwann eine Mail von einem Kollegen vom Spiegel, der mich, also es ist mir noch, ich werde jetzt nicht so oft konfrontiert, heißt das, wenn sozusagen Journalisten recherchieren und eigentlich kurz vor Ende sind, konfrontieren sie die andere Seite mit Informationen.“
Jochen Wegner schildert, wie Der Spiegel ihn mit Recherche-Ergebnissen über eine Bloggerin konfrontierte, die bei Zeit Online einen Text veröffentlicht hatte und deren Biografie – einschließlich einer erfundenen jüdischen Familiengeschichte und Holocaust-Bezüge – sich als fabriziert herausstellte. Der Fall wird ausführlich als journalistisches und moralisches Dilemma diskutiert, weil die Frau sich nach der Veröffentlichung wahrscheinlich das Leben nahm.
Recherche über den Fall der Bloggerin
Derek Scully
Recherche des irischen Journalisten Derek Scully über einen aufgedeckten Fall, die zunächst vom Spiegel veröffentlicht wurde. Der Artikel beschreibt Scullys persönliches und moralisches Ringen mit der Verantwortung des Journalisten, entscheiden zu müssen, über welche Fälle berichtet wird und wie. Ein einfühlsam und nachdenklich geschriebener Text über die ethischen Grenzen des Journalismus.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:09:40 „Es gibt eine sehr, wie ich finde, sehr gute Recherche von Derek Scully, einem Kollegen der Irish Times, der über die Geschichte dann geschrieben hat, nachdem sozusagen der Spiegel sie veröffentlicht hatte, der wohl auch schon an dem Fall länger war.“
Jochen Wegner empfiehlt die Recherche des Irish-Times-Journalisten Derek Scully als besonders gelungen. Scully beschreibe darin sehr detailliert sein eigenes moralisches Ringen – ob er sich 'versündige', wenn er über den Fall schreibe. Carolin Emcke ergänzt, der Text sei 'fantastisch, sehr einfühlsam, sehr nachdenklich' und zeige, dass Journalisten auch Entscheidungen treffen müssten, etwas nicht zu schreiben.
Recherche von Derek Scully (Irish Times)
Derek Scully
Der Artikel erzählt von einer Bloggerin, deren Biografie sich als erfunden herausstellte. Scully recherchiert die Hintergründe dieser Täuschung und beleuchtet die menschlichen Beweggründe dahinter mit Einfühlsamkeit. Seine Reportage verbindet journalistische Gründlichkeit mit Verständnis für die Ambivalenz dieses Falls und deren Folgen.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:10:11 „Es gibt eine sehr, wie ich finde, sehr gute Recherche von Derek Scully, einem Kollegen der Irish Times, der über die Geschichte dann geschrieben hat“
Wegner empfiehlt den Artikel von Scully über den Fall einer Bloggerin mit erfundener Biografie als besonders einfühlsam und nachdenklich