Jagoda Marinić – Wie kann gesellschaftlicher Wandel gelingen
Matze Hielscher & Gäste
Jagoda Marinić spricht über ihr Buch „Sanfte Radikalität
„Die Macht dieses Passes versteht nur jener, der ihn nicht hat.“
Erwähnte Medien (33)
Freiheit Deluxe
Jagoda Marinić
Interview-Podcast von Jagoda Marinić, in dem prominente Persönlichkeiten wie Michelle Friedmann, Jan Böhmermann und Maren Kreumann zu ihrem persönlichen Freiheitsbegriff befragt werden. Ein Format, das vielfältige Perspektiven auf Freiheit durch Gespräche mit bekannten Gästen erkundet.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:01:44 „Und durch ihren Podcast Freiheit Deluxe, da interviewt sie Menschen wie Michelle Friedmann, Jan Böhmermann oder Maren Kreumann zu ihrem Freiheitsbegriff.“
Matze Hielscher erwähnt den Podcast von Jagoda Marinić in der Vorstellung seiner Gästin. Der Podcast wird als Format beschrieben, in dem prominente Persönlichkeiten zu ihrem Freiheitsbegriff interviewt werden.
Sanfte Radikalität
Jagoda Marinić · 2024
»Klug beobachtet, eisheiss geschlussfolgert. Jagoda Marinić beschreibt unsere Zeit, wie sie sein sollte.« Robert Habeck Die letzten Jahre waren geprägt von einer Aufbruchstimmung und dem Selbstbewusstsein vieler Minderheiten, gesellschaftlichen Wandel vor allem durch laute Töne und harte Forderungen voranbringen zu können. Die einen sahen darin die große Chance, die Machtverhältnisse umzukehren, die anderen eine große Gefahr, eine Art » woke Wutpropaganda«, die das Bestehende zersetzen will.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:01:59 „Gerade erschienen ist ihr neues Buch, das nennt sich Sanfte Radikalität und es ist der im Grunde eine Bedienungsanleitung, wie eben gesellschaftlicher Wandel funktionieren kann. Es geht um das Infragestellen von Strukturen, es geht um Identitäten, es geht um die Art und Weise, wie wir Geschichten erzählen.“
Matze Hielscher stellt seine Gästin Jagoda Marinić vor und beschreibt ihr neues Buch als eine Art Anleitung für gesellschaftlichen Wandel. Das Buch behandelt das Infragestellen von Strukturen, Identitäten und die Art, wie wir Geschichten erzählen. Es ist der zentrale Anlass für das Gespräch.
Gebrauchsanweisung für Kroatien
Jagoda Marinić · 2018
Jagoda Marinić weiß, weshalb Kroatien als Reiseland so beliebt ist und wo man im Sommer, wenn die Autokolonnen in den Süden strömen, noch auf »echte Einheimische« trifft. Sie lieben leidenschaftlich Familie, Fitness und Fußball und lassen abends in den weißen Städten die Tradition dalmatinischer Männerchöre hochleben. Die Autorin kennt Geheimtipp-Buchten und kleine Küstenorte jenseits der »Game of Thrones«-Fans.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:40 „Wir treffen uns ja gerade zum ersten Mal in echt und ich bin drauf gekommen, weil ich gesehen habe, dass du eine Gebrauchsanweisung geschrieben hast für Kroatien. Und ich habe mich gefragt, was in deiner Gebrauchsanweisung für dich stehen würde.“
Matze Hielscher nutzt Marinićs Buch 'Gebrauchsanweisung für Kroatien' als Gesprächseinstieg, um sie nach einer hypothetischen Gebrauchsanweisung für sich selbst zu fragen. Das Buch dient als Brücke zum persönlichen Gespräch.
Das Jahr des magischen Denkens
Joan Didion · 2014
Die große amerikanische Schriftstellerin Joan Didion schreibt über die Trauer nach dem Tod ihres Ehemannes und über ihren Versuch, das Unfassbare begreiflich zu machen. Ein sehr offenes, sehr persönliches Buch, das zugleich von beeindruckender Allgemeingültigkeit ist. Joan Didion wurde dafür in den USA mit dem National Book Award ausgezeichnet.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 00:09:36 „Ich sehe das dann mehr als Geschichte, dass quasi mein Leben, wie ich es baue und sein Leben, wie er es baute, sich an dieser Stelle gekreuzt haben und warum. Also da interessiert mich mehr so Wiedererzählungen und mehr so die Serendipity, vielleicht wie John Didion mit 'Das Jahr des magischen Denkens'.“
Jagoda Marinić vergleicht ihre eigene Art, Lebensereignisse und Zufälle zu deuten, mit Joan Didions Buch über magisches Denken. Sie beschreibt, wie sie in Zufälligkeiten Muster und Zeichen liest, die den nächsten Schritt im Leben weisen – ähnlich wie Didion es nach dem Tod ihres Mannes beschrieb.
Der Club der toten Dichter
Peter Weir · 1989
Der neue Literaturlehrer John Keating bringt 1959 frischen Wind in das Traditionsinternat Welton und inspiriert seine ansonsten zur Disziplin erzogenen Schüler durch sein unorthodoxes Vermitteln von Poesie zu freiem Denken. Des Nachts treffen sie sich zu Lesungen in einer alten Höhle. Der Junge Neil entdeckt seine Liebe zur Schauspielerei. Als sein gestrenger Vater davon erfährt, nimmt er Neil von der Schule. Seiner Träume beraubt, erschießt sich Neil.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 00:15:11 „Also ich bin vielleicht total infiziert von diesem Carpe Diem, Club der Toten Dichter Filmen und so ein Zeug. Also dass ich immer so ein Ding hatte, obwohl ich es hasse, dass das Leben dann so ein amerikanisches Selbstverwirklichungsding kriegen könnte.“
Jagoda Marinić beschreibt ihren Lebenshunger und die Angst, etwas Wesentliches zu verpassen. Sie verweist auf den Film 'Der Club der toten Dichter' und dessen Carpe-Diem-Botschaft als prägenden Einfluss, distanziert sich aber gleichzeitig von einer oberflächlichen amerikanischen Selbstverwirklichungsidee.
The Power of Myth
Joseph Campbell · 1988
Onversations between Joseph Campbell and Bill Moyers, a television journalist, discussing mythology and our ties to the past.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 00:26:34 „Ich glaube halt auch nicht, dass du von A nach B reisen, also ich glaube nicht dieses The Power of Myth und was es dann so an Joseph Campbell's Storytelling gibt. Ich bin wirklich geprägt mehr von Julia Cortázar.“
Jagoda Marinić grenzt sich explizit von Joseph Campbells Heldenreise-Konzept ab, das Matze als Erzählmodell für ihr Leben vorschlägt. Sie lehnt die klassische Heldenreise als Narrativ ab und verweist stattdessen auf den argentinischen Schriftsteller Julio Cortázar als prägenden Einfluss auf ihr Erzählverständnis.
Rayuela
Julio Cortázar · 1996
En esta edici n cr tica se re ne una serie de investigadores con miras plurales, pero unidos por una l cida admiraci n por la obra de Julio Cort zar y en su mayor a ligados a ella directamente por un v nculo amistoso. Entre los investigadores que participan en esta edici n se encuentran: Graciela Montaldo, Ana Mar a Barrenechea, Luis Harss, Carlos Fuentes, Jos Lezama Lima y Fernando Alegr a.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 00:26:57 „Ist ein argentinischer Autor, der zum Beispiel einen meiner Lieblingsromanen hat, Rajuela. Das heißt Himmel und Hölle, Hopscotch. Also das, was wir als Kinder spielen, wenn du eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, dieses Ding. Und so hat er diesen Roman geschrieben, dass du jedes Kapitel für sich lesen kannst.“
Jagoda Marinić beschreibt Cortázars 'Rayuela' als einen ihrer prägendsten Romane und als Gegenmodell zur klassischen Heldenreise. Der Roman, auch 'Anti-Novella' genannt, lässt sich in beliebiger Kapitelreihenfolge lesen – für sie eine Offenbarung, weil er Literatur so erlebbar macht, wie sie selbst das Leben wahrnimmt: fragmentarisch, ohne allwissenden Erzähler.
Das Verhängnis
Louis Malle · 1992
Erotikdrama aus dem Jahr 1992, das auf dem gleichnamigen Roman von Josephine Hart basiert. Der britische Politiker Stephen Fleming beginnt ein Verhältnis mit Anna Barton, der Freundin seines Sohnes. Mit der Zeit wird aus der Beziehung mehr als eine Affäre und es wird für Stephen immer schwieriger dies vor seiner Frau und seinem Sohn geheim zu halten.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 00:27:53 „das erste war auch mit Juliette Binoche das Verhängnis und Willem Dafoe, wo sie eine Affäre mit dem Mann ihres Geliebten hat“
Jagoda erwähnt den Film als weiteres prägendes Werk mit Juliette Binoche, das sie vor Bleu gesehen hatte
Trois couleurs: Bleu
Krzysztof Kieślowski · 1993
Erster Teil der "Drei Farben"-Trilogie: Julie wird nach einem tragischen Autounfall, bei dem ihr Mann und ihre kleine Tochter ums Leben kamen, von ihrer Trauer verfolgt. Ihre erste Reaktion ist es, sich aus ihren Beziehungen zurückzuziehen, sich in ihrer Wohnung einzuschließen und ihren Schmerz zu unterdrücken.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 00:29:55 „Der erste Film, der mich unglaublich fasziniert hat, war ein Autorenfilm mit Juliette Binoche, Blö. Und das war eben so ein Film, da hast du nicht die Heldenreise, da hast du eine Frau, nachdem sie ihre Familien in einem Autounfall verliert und du gehst mit ihr und ihrer Weltwahrnehmung durch das Bild.“
Jagoda Marinić nennt Kieślowskis 'Drei Farben: Blau' als den ersten Film, der sie zutiefst fasziniert hat. Sie beschreibt die Szene, in der die Protagonistin nur im Schwimmbad weinen kann, als Beispiel für eine Erzählweise, die ihr mehr über das Leben und seine Widersprüche vermittelt hat als jede konventionelle Heldenreise.
Die Namenlose
Jagoda Marinić · 2007
Fra omslaget: Gerade als die namenlose junge Frau sich in einem Leben allein einrichtet, begegnet ihr Ivan, ein Verehrer, wie er in keinem Buche steht.
🗣 Jagoda Marinić erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:46 „Die namenlose, mein Roman ist ja auch eine Anti-Geschichte gewesen, dass es da dann aber trotzdem eine Form gibt, eine Grenze zu haben, eine Einschränkung.“
Jagoda Marinić verweist auf ihren eigenen Roman als Beispiel für eine Anti-Geschichte in der Tradition von Cortázars Rayuela – eine Erzählung, die bewusst auf konventionelle Strukturen verzichtet und dennoch eine Form findet.
A Seventh Man
John Berger · 2025
Why does the Western world look to migrant laborers to perform the most menial tasks? What compels people to leave their homes and accept this humiliating situation? In A Seventh Man, John Berger and Jean Mohr come to grips with what it is to be a migrant worker—the material circumstances and the inner experience—and, in doing so, reveal how the migrant is not so much on the margins of modern life, but absolutely central to it.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 00:52:32 „Und ich habe jetzt erst später, ich habe im Sommer John Berger gelesen, der das auch beschreibt, da gibt es Bilder von türkischen Männern, Einwanderern, die wirklich fast nackt nebeneinander stehen und der Arzt guckt sie so alle an. Also auch eine entwürdigende Situation in diesem Eintritt ins andere Land zu schaffen.“
Jagoda Marinić erzählt von den entwürdigenden Gesundheitsprüfungen, die Gastarbeiter bei ihrer Ankunft in Deutschland über sich ergehen lassen mussten. John Bergers Buch über Migrationsarbeiter in Europa liefert ihr eine externe Perspektive auf die Erfahrungen ihrer eigenen Elterngeneration – mit Fotografien türkischer Männer bei eben solchen Untersuchungen.
Das Philosophische Quartett
In dieser ZDF-Sendung diskutieren Maxim Biller und Peter Sloterdijk Erkenntnisse der Hirnforschung über Vertrauen und Misstrauen. Im Fokus stehen neurologische Unterschiede bei marginalisierten Gruppen wie Juden, deren Gehirnstrukturen durch historische Erfahrungen geprägt wurden. Die Episode beleuchtet, wie geerbtes Misstrauen neurobiologisch verankert ist und verbindet damit die Erfahrungen von Juden mit denen von Einwandererkindern.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 00:58:44 „Ich glaube, in dem Gespräch im Philosophischen Quartett vor 20 Jahren mit Maxim Biller und Sloterdijk und so haben sie erzählt, dass tatsächlich die Hirnforschung damals herausfand, dass bei Jüdinnen und Juden Vernetzungen im Gehirn durch dieses Misstrauen gesellschaftlich so nicht zusammenkommen wie bei Leuten, die eben in einer Gemeinschaft aufgewachsen sind, wo sie Vertrauen als primäres Gefühl haben.“
Marinić erinnert sich an eine Sendung des ZDF-Philosophischen Quartetts mit Maxim Biller und Peter Sloterdijk, in der über Hirnforschung zu Vertrauen und Misstrauen bei marginalisierten Gruppen gesprochen wurde. Sie nutzt diese Erinnerung, um ihr eigenes geerbtes Misstrauen als Einwandererkind neurobiologisch einzuordnen und die Parallele zwischen jüdischen und migrantischen Erfahrungen zu ziehen.
Arabella
Arabella Kiesbauer · 1994
Arabela ist eine tschechische Märchenserie, die im Podcast erwähnt wurde und eine kurze Verwechslung mit der deutschen Talkshow von Arabella Kiesbauer auslöste. Diese Verwechslung verdeutlicht unterschiedliche Generationserfahrungen mit Kultur und Medien. Die Serie ist für Liebhaber klassischer Märchen und osteuropäischer Kindermedien relevant.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:02:33 „Das kenne ich nicht. Ich habe Arabella Kiesbauer sofort gedacht.“
Als Jagoda Marinić die tschechische Märchenserie Arabela erwähnt, denkt Matze Hielscher sofort an die Nachmittags-Talkshow von Arabella Kiesbauer. Jagoda verneint sofort – sie meinte die Märchenserie, nicht die Talkshow. Eine kurze Verwechslung, die den Generationsunterschied der Referenzen zeigt.
Arabela (Die Märchenbraut)
· 1980
Eines Tages findet Herr Maier, Märchenerzähler im Fernsehen, ein Glöckchen. Als er damit mehr zum Spaß läutet, erscheint ihm der Zauberer Rumburak aus dem Märchenreich. Rumburak entführt Herrn Maier in das Märchenreich, wo Herr Maier auf Rumburaks drängen den Wolf erschießt. Das führt zu Verwicklungen im Märchenreich, nicht nur, weil Rotkäppchen nunmehr die Großmutter anstelle des Wolfes verschlingen soll, nachdem Rumburak die Märchen in der Menschenwelt vollkommen verändert erzählt. Sowohl Köni
🗣 Jagoda Marinić empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:02:36 „Arabella war eine Figur, ich glaube ein tschechisches Märchen und da gab es lauter so Figuren mit Rumborak und Rabe und in dieser Welt habe ich gelebt als Kind und sie hatte einen Ring und ihr Ring konnte, wenn du ihn drehtest, dann konnte sie die Realität schaffen, die sie dachte.“
Marinić erzählt, wie sie als Kind die tschechische Märchenserie Arabela geschaut hat und von der Figur mit dem magischen Ring fasziniert war. Sie lieh sich heimlich einen ähnlichen Ring ihrer Mutter und übte damit, die Realität zu verändern – insbesondere die entwürdigenden Erfahrungen in der Ausländerbehörde. Die Serie wurde für sie zum Symbol kindlicher Ermächtigung gegen erlebte Machtlosigkeit.
Kurz eingemischt
Jagoda Marinić
Jagoda Marinić, geboren 1977 in Waiblingen, studierte Germanistik, Politische Wissenschaften und Anglistik in Heidelberg und arbeitet heute als Schriftstellerin, Theaterautorin, Journalistin und Kulturmanagerin in Heidelberg. Für ihren Text "Kurz eingemischt", der 1999 in der Frankfurter Rundschau erschien, erhielt sie das Hermann-Lenz-Stipendium.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:08:51 „Das war, glaube ich, einer meiner ersten Texte. Also war ich 21, kurz eingemischt. Und da ging es um die doppelte Staatsbürgerschaft. Und da hat damals Roland Koch in Hessen Unterschriften gesammelt gegen die doppelte Staatsbürgerschaft.“
Marinić erzählt von ihrem ersten veröffentlichten Text, in dem sie sich als 21-Jährige in die Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft einmischte. Roland Koch sammelte damals in Hessen Unterschriften dagegen, und sie schrieb aus der Perspektive einer Betroffenen auf, was diese Debatte mit den Millionen bereits in Deutschland lebenden Einwanderern macht.
Herkunft
Saša Stanišić · 2019
HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt. HERKUNFT ist ein Buch über ein Dorf, in dem nur noch dreizehn Menschen leben, ein Land, das es heute nicht mehr gibt, eine zersplitterte Familie, die meine ist. Es ist ein Buch über die Frage, was zu mir gehört, ein Selbstporträt mit Ahnen. Und ein Scheitern des Selbstporträts. HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:09:52 „Ich erwähne jetzt nur das Flanke, auch natürlich Sascha Stanisic und sein Buch Herkunft und die Willkür, das haben ja jetzt auch viele gelesen, dieser Ausländerbehörde, dass du weißt, da sind wir ja wieder, war ja bei ihm auch so, musst du jetzt weg oder der Typ da vor dir entscheidet das.“
Marinić zieht Stanišićs preisgekrönten Roman als Parallelbeispiel heran, um die Willkür der Ausländerbehörden zu illustrieren. Stanišić beschreibt darin ebenfalls, wie Beamte mit ihrem Ermessensspielraum über Bleiben oder Gehen entschieden. Marinić nutzt die Referenz, um zu zeigen, dass ihre persönliche Erfahrung kein Einzelfall war, sondern eine geteilte Realität vieler Eingewanderter.
Kurz eingemischt
Jagoda Marinić
Ein frühes Essay der Autorin Jagoda Marinić zur politischen Debatte um doppelte Staatsbürgerschaft. Der Text, verfasst als die Autorin 21 Jahre alt war, reflektiert persönliche Perspektiven auf die Frage nach mehrfacher Staatsangehörigkeit und ihre gesellschaftlichen Implikationen.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:10:15 „Ja, das war, glaube ich, einer meiner ersten Texte. Da war ich 21, kurz eingemischt. Und da ging es um die doppelte Staatsbürgerschaft.“
Jagoda erzählt von einem ihrer ersten veröffentlichten Texte über die Debatte zur doppelten Staatsbürgerschaft
Damage
Louis Malle · 1992
Erotikdrama aus dem Jahr 1992, das auf dem gleichnamigen Roman von Josephine Hart basiert. Der britische Politiker Stephen Fleming beginnt ein Verhältnis mit Anna Barton, der Freundin seines Sohnes. Mit der Zeit wird aus der Beziehung mehr als eine Affäre und es wird für Stephen immer schwieriger dies vor seiner Frau und seinem Sohn geheim zu halten.
🗣 Jagoda Marinić erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:14:59 „Das erste war auch mit Juliette Binoche, das Verhängnis und Willem Dafoe, wo sie eine Affäre mit dem Mann ihres Geliebten hat und am Ende stirbt ihr Geliebter, weil er sie mit dem Vater erwischt.“
Jagoda Marinić erwähnt Louis Malles 'Verhängnis' (Damage) als einen weiteren prägenden Film mit Juliette Binoche, den sie Anfang 20 gesehen hat. Sie nennt ihn im gleichen Atemzug wie 'Bleu' als Beispiel für Autorenfilme, die sie früh beeinflusst haben.
Das Literarische Quartett
Marcel Reich-Ranicki
Das Literarische Quartett ist eine deutsche Talkshow, in der Moderatoren und Gäste über aktuelle Bücher diskutieren und literarische Themen debattieren. Die Sendung wird von Thea Dorn moderiert und gilt als renommiertes Forum für kulturelle Debatten. Im Podcast wird die Show humorvoll als Beispiel für die Integration unerwarteter Personen in die Literaturszene erwähnt, was den absurden Gedanken eines Auftritts von Arafat Abou-Chaker dort verdeutlicht.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:17:23 „da war ich schon noch so bei Reich-Reniski, gibt so ein geiles literarisches Quartett, wo Reich-Reniski auch sagt so, ich werde den Deutschen nicht den Gefallen tun, dass ich ein Deutscher sein möchte“
Jagoda zitiert Marcel Reich-Ranicki aus dem Literarischen Quartett zu seiner Haltung gegenüber deutscher Identität und dem deutschen Pass
Arbeiter die Fabrik verlassen
Harun Farocki · 1995
Harun Farockis Kunstfilm beobachtet den Moment um 14:30 Uhr, wenn Arbeiter die Fabrik verlassen. Der deutsche Filmemacher dokumentiert auf reduktive Weise die Massenabfertigung von Arbeitern, die sich täglich durch Zäune und Tore bewegen – ein alltäglicher Moment, der die Rhythmen der Industrieproduktion sichtbar macht. Das Werk untersucht, wie Fabrikarbeit als kollektive, zeitlich strukturierte Erfahrung organisiert ist.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:26:39 „Es gibt einen deutschen Filmemacher, der fällt mir jetzt nicht ein, den habe ich in Barcelona in einem Museum gesehen, der das nur gefilmt hat, wie Leute rauskommen aus Fabriken, durch die Zäune gehen und rein, dieser Moment 14.30 Uhr, du stehst da und guckst, wie dieses Heer an Menschen rausgeht.“
Jagoda Marinić spricht über das Fabrikleben ihrer Elterngeneration und erwähnt ein Filmwerk eines deutschen Filmemachers, das sie in einem Museum in Barcelona gesehen hat. Es handelt sich erkennbar um Harun Farockis 'Arbeiter verlassen die Fabrik' – eine filmische Untersuchung des Moments, in dem Arbeiter die Fabrik verlassen. Der Name fällt ihr im Gespräch nicht ein.
Der arme Poet
Carl Spitzweg
Carl Spitzwegs Gemälde „Der arme Poet" symbolisiert das deutsche Klischee des weltfremden Träumers, der sich isoliert unterm Dach von der Realität abschottet. Jagoda Marinić kritisiert dieses verbreitete Bild der Träumerei und betont, dass ihr eigenes Verständnis von Träumen das genaue Gegenteil darstellt – nicht Flucht aus der Welt, sondern Engagement mit ihr.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:30:22 „Ich finde, in Deutschland hat Traum ganz schnell so, bist du ganz, ganz schnell bei Spitzweg und so. Ich hocke unterm Dach mit meinem Schirm und isoliere mich. Diese Art Traum meine ich eigentlich gar nicht.“
Jagoda Marinić kritisiert das deutsche Bild des Träumers als isolierter, weltfremder Figur. Sie verweist auf Spitzweg – erkennbar das berühmte Gemälde 'Der arme Poet' – als Inbegriff dieser Vorstellung: jemand, der unterm Dach mit Schirm hockt und sich von der Welt abkapselt. Ihr eigenes Traumverständnis sei das Gegenteil davon.
Feld der Träume
Phil Alden Robinson · 1989
Farmer Ray Kinsella will mit einer hübschen Frau und niedlichen Tochter in Iowa das Stadtleben hinter sich lassen. Doch dann hört er eine Stimme aus seinem Maisfeld. Er erfährt eine Botschaft, deren Sinn er nicht versteht: dass er einen Baseballplatz bauen soll. Kurz darauf erscheint die längst verstorbene Baseball-Legende Joe Jackson mit seinem alten Team und beginnt mit dem Training. Er bekommt einen Auftrag, der ihn in den Ruin führen wird.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:30:41 „Natürlich habe ich hundertmal dann geheult, wenn das Feld der Träume kam mit Kevin Costner. Weißt du, wenn sich dann so kurz vor Weihnachten kam, das glaube ich immer. Und dann erfüllt sich etwas, was sich irgendwie als Ruf in deiner Gegenwart spürbar war.“
Im Gespräch über die Kraft von Träumen und Heldenreisen erwähnt Jagoda Marinić den Film 'Field of Dreams' mit Kevin Costner als persönlich bewegendes Beispiel. Der Film verkörpert für sie die Erzählung, dass sich ein Ruf, den man in der Gegenwart spürt, tatsächlich erfüllen kann – eine Erzählung, die sie als Motor braucht.
Forrest Gump
Robert Zemeckis · 1994
Von seiner Mutter rückhaltlos unterstützt, macht sich der geistig ein wenig zurückgebliebene Forrest Gump in die Welt auf. Er bringt Elvis seinen Tanzstil bei, findet in der jungen Jenny eine echte Freundin, wird aufgrund seines Laufvermögens ein Football-Star, steht im Vietnamkrieg seinen Mann, rettet seinen Vorgesetzten Dan Taylor vor dem sicheren Tod und wird schließlich im Shrimps-Business zum Millionär. Doch all die Zeit kann er seine große Liebe Jenny nicht vergessen.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:31:27 „Jetzt gucken wir, ob die Gedankenübertragung schon funktioniert. Nein, noch nicht. Der auf dem Forrest Gump. So ist ja dieses, er rennt einfach los. Er rennt los und rennt und rennt. Wie wunderschön eigentlich. Lebensfreude total. Er war ja die ganze Zeit verträumt.“
Matze Hielscher greift das Thema Mut und Heldenreise auf und nennt Forrest Gump als Beispiel für jemanden, der einfach losrennt – als Sinnbild für verträumte Lebensfreude. Jagoda Marinić kritisiert daraufhin, dass der Träumer im Film als entrückt und 'ein bisschen bescheuert' gezeichnet wird, als dürfe nur ein Freak sich das Träumen erlauben.
The Scarlet Letter
Nathaniel Hawthorne · 1991
Relates the tale of a young woman publically scorned for bearing an illegitimate child
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:39:53 „Es gibt von Hawthorne, The Scarlet Letter. Das ist halt erzählt von einer Frau, die quasi in einem Dorf etwas Schlimmes erlebt und dann meint, erstmal weggehen zu müssen.“
Gegen Ende des Abschnitts reflektiert Jagoda Marinić darüber, ob sie ihrem Traum vom Schriftstellerleben nicht ganz getraut hat und deshalb in die strukturelle Arbeit zurückkehrte. Sie zieht eine Parallele zu Hawthornes 'The Scarlet Letter' – die Geschichte einer Frau, die nach einer schlimmen Erfahrung in ihrem Dorf erstmal weggehen muss.
The New York Trilogy
Paul Auster · 2012
Jeder der drei Romane der «New-York-Trilogie» wirkt zunächst wie eine klassische, spannungsgeladene Kriminalgeschichte. Alle drei ziehen den Leser mit raffiniert ausgelegten «Ködern» in ihren Bann. Aber bald scheinen die vordergründig logischen Zusammenhänge nicht mehr zu stimmen. Täter werden auf rätselhafte Weise zu Opfern, Verfolger zu Verfolgten. Schritt für Schritt wird auch der unabhängige Beobachter, ob Leser oder Detektiv, in ein Spiel mit seinen eigenen Erwartungen verstrickt.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:43:04 „Wenn Paul Austers Gedankenwelt stimmt, dass sein New York quasi so geschrieben wird, habe ich gedacht, dann könnte ich es ja auch so machen. Das heißt, ich schreibe meinen New York und denke an dem Tag so wie er.“
Jagoda Marinić erzählt eine Geschichte über ihre Zeit in Brooklyn, als sie in Park Slope um die Ecke von Paul Auster und Siri Hustvedt wohnte. Sie beschreibt, wie sie Austers literarische Methode, New York als geschriebene Welt zu begreifen, selbst anwendete und ihn dann tatsächlich traf.
Restaurant Dalmatia
Jagoda Marinić · 2024
Vor zehn Jahren erschien erstmals Jagoda Marinićs Roman "Restaurant Dalmatia". Von der Presse hochgelobt, thematisierte er literarisch Migration, Integration und die verschiedenen Generationen der sogenannten Gastarbeiter in Deutschland – und war seiner Zeit weit voraus. Denn erst heute finden seine Motive und Themen Widerhall in den aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen, weshalb der Roman neu aufgelegt wird.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:50:10 „Ich hatte das Buch fertig und habe dann parallel auch geguckt. Ich hatte fünf, sechs Jahre in diesem Buch geschrieben, dreimal die Perspektiven gewechselt, habe wirklich zehn Stunden am Tag eine Fiktion und wusste auch nicht, ob ich einen Verlag dafür kriege.“
Jagoda Marinić erzählt von ihrem Roman 'Restaurant Dalmatia', an dem sie fünf bis sechs Jahre intensiv geschrieben hat. Das Buch markiert einen Wendepunkt in ihrem Leben – nach dessen Fertigstellung entschied sie sich, parallel einen gesellschaftlichen Traum zu verfolgen und die Leitung des interkulturellen Zentrums in Heidelberg zu übernehmen. Die Vaterfigur im Roman wird später bei der Buchpremiere als jemand beschrieben, der auch das Scheitern benennen kann.
The Brief Wondrous Life of Oscar Wao
Junot Díaz · 2008
#11 in the New York Times '100 Best Books of the 21st Century' Things have never been easy for Oscar. A ghetto nerd living with his Dominican family in New Jersey, he's sweet but disastrously overweight. He dreams of becoming the next J. R. R. Tolkien and he keeps falling hopelessly in love. Poor Oscar may never get what he wants, thanks to the Fukú - the curse that has haunted his family for generations.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:51:26 „Ich habe Juno Dias gelesen und seine Art zu sagen, hey, englischsprachige Literatur kann von mir aus 40% Chicano sein, weil that's my reality. Und das kannst du nur haben, diesen Mut, wenn du unabhängig bist.“
Jagoda Marinić erwähnt Junot Díaz als literarisches Vorbild für den mutigen Umgang mit kultureller Vielfalt in der Literatur. Seine Haltung, dass englischsprachige Literatur selbstverständlich die Realität von Einwanderern abbilden kann, inspirierte sie dazu, auch im deutschen Kontext unabhängig und frei zu schreiben, statt sich dem Markt anzupassen.
Sinus-Migrantenmilieus-Studie
Sinus-Institut
Untersuchung der sozialen Milieus von Migranten in Deutschland durch das Sinus-Institut. Die Studie zeigt, dass Heidelberg mit 48 Prozent kosmopolitischem Milieu eine atypisch diverse deutsche Stadt darstellt.
🗣 Jagoda Marinić empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:52:24 „Heidelberg, ich hatte es dann nachgelesen in der Sinus-Studie, ist die atypische deutsche Stadt. Du hast ein migrantisches Milieu wie Toronto.“
Jagoda Marinić erklärt, warum Heidelberg als Standort für das interkulturelle Zentrum besonders geeignet war. Die Sinus-Studie belegte, dass Heidelberg mit 48 Prozent kosmopolitischem Milieu eine atypisch diverse deutsche Stadt war.
The Gods Went Elsewhere
C.G. Jung · 2012
Considered one of Jung's most controversial works, Answer to Job also stands as Jung's most extensive commentary on a biblical text. Here, he confronts the story of the man who challenged God, the man who experienced hell on earth and still did not reject his faith. Job's journey parallels Jung's own experience--as reported in The Red Book: Liber Novus--of descending into the depths of his own unconscious, confronting and reconciling the rejected aspects of his soul.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 01:56:23 „Ich hatte das Buch fertig und habe dann parallel auch geguckt und ich hatte dann auch schon einen Verlag, das war dann schon irgendwie sicher, dass es fuhr, aber dann war plötzlich, es gibt von C.G. Jung dieses The Gods Went Elsewhere. Weißt du, wir können es ja auch nicht immer beschreiben, warum.“
Jagoda Marinić zitiert C.G. Jungs Konzept 'The Gods Went Elsewhere', um zu beschreiben, wie sich ihr kreativer Eros plötzlich von der Fiktion hin zum gesellschaftlichen Engagement verschob. Sie nutzt Jungs Idee, um zu erklären, warum sie trotz gesichertem Verlag für ihren Roman die Leitung des interkulturellen Zentrums in Heidelberg übernahm.
Ganz unten
Günter Wallraff · 2022
Mit einer deutschsprachigen Auflage von über fünf Millionen Exemplaren und Übersetzungen in fast 40 Ländern ist »Ganz unten« einer der sensationellsten Bucherfolge des Landes und entwickelte eine durchschlagende politische Wirkung. Die Erfahrungen, die Günter Wallraff in seiner Rolle als Ali Levent macht, bei Mc Donald's, als Leiharbeiter auf einer Großbaustelle, als Versuchskaninchen bei Medikamentenversuchen, führten der deutschen Mehrheitsgesellschaft drastisch vor Augen, wie »Gastarbeiter« f...
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 02:21:12 „Dass Günter Wallraff gesagt hat, das sind eigentlich sklavenähnliche Zustände. Das sind alles Narrationen, die wir ganz schön schnell wegschieben.“
Jagoda Marinić spricht über die historische Behandlung von Gastarbeitern in Deutschland und verweist auf Wallraffs berühmte Enthüllungen über die Arbeitsbedingungen von Einwanderern, um die verschwiegene Kolonialgeschichte der Arbeitsmigration zu illustrieren.
Die Unfähigkeit zu trauern
Alexander und Margarete Mitscherlich · 1967
Die Unfähigkeit zu trauern ist ein psychoanalytisches Klassiker-Werk von Alexander und Margarete Mitscherlich über die gesellschaftliche Verdängung deutscher Vergangenheit. Der Titel wird im Podcast herangezogen, um die fehlende emotionale und gesellschaftliche Aufarbeitung von Gastarbeiter- und Einwanderungsgeschichte zu analysieren. Das Buch bietet theoretische Ansätze zum Verständnis kollektiver psychologischer Verdrängungsmechanismen in modernen Gesellschaften.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 02:21:18 „Also da gibt es schon auch eine große Scheu, in der vom Mitscherlich kommenden jetzt sozusagen wahrzunehmen, psychologisch, was da auch geschieht.“
Jagoda Marinić spricht über die gesellschaftliche Verdrängung der Gastarbeitergeschichte in Deutschland und verweist auf die Mitscherlich-Tradition der psychoanalytischen Aufarbeitung deutscher Vergangenheit, um eine Parallele zur fehlenden Auseinandersetzung mit der Einwanderungsgeschichte zu ziehen.
Non, je ne regrette rien
Édith Piaf · 1960
Non, je ne regrette rien (französisch, „Nein, ich bereue nichts“) ist das weltweit berühmteste Chanson von Édith Piaf, das 1956 von Charles Dumont (1929–2024) komponiert und von Michel Vaucaire (1904–1980) geschrieben wurde. Es wurde von Édith Piaf am 10. November 1960 zum ersten Mal aufgenommen und im Dezember veröffentlicht. Der Titel erreichte in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Kanada Platz 1 der Verkaufscharts.
🗣 Jagoda Marinić erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:38:40 „Also wäre auch diese Narration, dass wir, nein, je regrette rien, nein, je regrette quelque chose, quelque fois. Weißt du, so dass ich auch denke...“
Jagoda Marinić spielt auf Édith Piafs berühmtes Chanson an, um die gängige Narration zu hinterfragen, man dürfe nichts bereuen. Sie dreht das Zitat um und sagt, dass sie durchaus manchmal bereut, sich dem gesellschaftlichen Engagement ausgesetzt zu haben, auch wenn sie es nicht missen wollen würde.
Die Identitätsfalle
Amartya Sen · 2007
Amartya Sens Konzept der Identitätsfalle beschäftigt sich mit der Idee, dass Menschen nicht eine einzelne, fixe Identität haben, sondern mehrere, die sich je nach Situation und Kontext verändern. Der Artikel erläutert, wie diese multiplen Identitäten unser Selbstverständnis prägen und wie wir die Welt wahrnehmen. Sens These trägt dazu bei, Identität nicht als statisches Merkmal, sondern als dynamischen, kontextuellen Prozess zu verstehen.
🗣 Jagoda Marinić referenziert bei ⏱ 02:43:05 „Ja, aber das ist halt das, was ich von Amir Tiasen sage, dass wir unsere vielen Identitäten sind an einem Tag und in einem Leben.“
Der Name ist im Transkript verzerrt wiedergegeben (Amir Tiasen statt Amartya Sen). Jagoda Marinić bezieht sich auf Sens These der multiplen Identitäten aus seinem Buch 'Identity and Violence' (deutsch: 'Die Identitätsfalle'), um ihre eigene Erfahrung mit verschiedenen Identitäten zu beschreiben.