Die sogenannte Gegenwart – Sechs Strategien, unsterblich zu werden
#083

Sechs Strategien, unsterblich zu werden

Die sogenannte Gegenwart / 26. Februar 2024 / 12 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold

Was haben Putins halbstündige Geschichtslektion bei Tucker Carlson, Caspar David Friedrichs Ölgemälde und Taylor Swift gemeinsam? Sie alle treiben dieselbe Sehnsucht an: die eigene Vergänglichkeit zu besiegen. Die Folge fragt, ob der uralte Drang nach Unsterblichkeit — ob durch imperiale Geschichtspolitik, große Kunst oder Pop-Überwältigung — in der flüchtigen Gegenwart anachronistisch geworden ist oder nur neue Formen annimmt.

„Diese Motivation aus der Tiefe der Geschichte, das eigene Handeln zu definieren, scheint mir etwas mit einem Unsterblichkeitsanspruch, mit einem wahnhaften Bezug auf das Dauernde zu tun zu haben.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (12)

Lichtspiele

Lichtspiele

Daniel Kehlmann · 2023

Einer der Größten des Kinos, vielleicht der größte Regisseur seiner Epoche: Zur Machtergreifung dreht G. W. Pabst in Frankreich; vor den Gräueln des neuen Deutschlands flieht er nach Hollywood. Aber unter der blendenden Sonne Kaliforniens sieht der weltberühmte Regisseur mit einem Mal aus wie ein Zwerg. Nicht einmal Greta Garbo, die er unsterblich gemacht hat, kann ihm helfen. Und so findet Pabst sich, fast wie ohne eigenes Zutun, in seiner Heimat Österreich wieder, die nun Ostmark heißt.

🗣 Ijoma Mangold referenziert „Es erinnert mich an den schönen neuen Roman von Daniel Kehlmann, Lichtspiele, der ja ein historischer Roman ist und von einem bedeutenden Filmregisseur handelt. Der muss emigrieren 1933 nach Amerika und hofft auf eine Karriere in Hollywood und kann mit den Sprachliniencodes noch gar nicht umgehen.“

Ijoma Mangold bringt Kehlmanns Roman als Illustration für das Thema Feedforward vs. Feedback ein. Die Romanfigur – ein deutscher Filmregisseur, der 1933 nach Hollywood emigriert – versteht die amerikanischen Höflichkeitscodes nicht und deutet überschwängliches Lob fälschlich als echte Begeisterung. Mangold nutzt das als literarisches Beispiel für kulturelle Kommunikationsunterschiede.

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Tucker Carlson interviewt Wladimir Putin

Tucker Carlson interviewt Wladimir Putin

Tucker Carlson

Ein Gespräch zwischen einem amerikanischen Fernsehjournalisten und dem russischen Präsidenten über die Ursprünge des Ukraine-Konflikts. Statt direkter Antworten folgt eine ausführliche historische Darlegung, die Jahrhunderte russischer Geschichte durchleuchtet. Das Interview gewährt Einblick in geopolitische Perspektiven und Argumentationsmuster.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:01:58 „Ich bin da drauf gekommen, interessanterweise nach dem Interview, das der Tucker Carlson mit Putin geführt hat. Tucker Carlson fragte, wie kam es zu diesem Krieg Russlands gegen die Ukraine? Und er dachte, dass jetzt irgendwie eine Antwort aus dem Jahr 2022 kommt. Aber nein, weit gefehlt. Der russische Präsident Putin bot ihm ein halbstündiges Referat, eine Geschichtslektion, die ging zurück bis ins 8. Jahrhundert.“

Ijoma Mangold beschreibt das Tucker-Carlson-Interview mit Putin als Auslöser für das Folgenthema Unsterblichkeit. Putins ausschweifende Geschichtslektion, die bis zu den Wikingern und Mongolen zurückreichte, deutet Mangold als Ausdruck eines wahnhaften Unsterblichkeitsanspruchs – der Versuch, das eigene imperiale Handeln aus der Tiefe der Geschichte zu legitimieren.

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Prediger Salomo (Kohelet 3)

Prediger Salomo (Kohelet 3)

· 1883

Ein Bibelkapitel, das lehrt, dass es für alles eine bestimmte Zeit gibt – vom Bauen bis zum Zerstören, vom Weinen bis zum Lachen. Der Text reflektiert über Zeitstrukturierung als menschliche Quelle für Sinn und Ordnung.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:12:07 „Heißt es nicht in der Bibel auch, es gibt eine Zeit zu blub, blub, blub und eine Zeit zu blub, blub, blub? Ich weiß noch nicht mehr gerade für was. Eine Zeit des bla.“

Ijoma Mangold versucht im Gespräch über Fasten und Zeitstrukturierung die berühmte Bibelstelle aus Kohelet 3 zu zitieren ('Alles hat seine Zeit'), kann sich aber nicht an den genauen Wortlaut erinnern. Er verbindet die Stelle mit der Idee, dass Zeitstrukturierung eine Form der Sinnstiftung ist.

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Trigonometry

Trigonometry

Konstantin Kisin and Francis Foster create honest conversations with fascinating people. New episodes every Sunday and Wednesday. Become a Premium Member to receive exclusive benefits https://www.triggerpod.co.uk/

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:22:17 „Ich erinnere gerade, ein Podcast Trigonometry mit einem eminenten amerikanischen Historiker, auf dessen Namen ich komme, und der hatte ein Buch über Alexander den Großen, Hannibal und Julius Cäsar geschrieben.“

Ijoma Mangold verweist auf eine Episode des Podcasts Trigonometry, in der ein amerikanischer Historiker über Ruhmsucht als Antriebsmotor großer historischer Figuren sprach. Mangold nutzt diese Referenz, um seine These zu stützen, dass die Sehnsucht nach Unsterblichkeit immer schon ein zentraler Motor menschlichen Handelns war – oft auch mit destruktiven Folgen.

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Odyssee

Odyssee

Homer

Homers Epos über die zehnjährige Irrfahrt des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Auf seiner Heimreise nach Ithaka begegnet er Kyklopen, Sirenen und anderen Gefahren. Eines der Gründungswerke der europäischen Literatur.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:27:14 „Es gibt berühmte Stellen sowohl in der Odyssee als auch in Vergils Buchstaben, wo einmal Odysseus und ein anderes Mal Aeneas in die Unterwelt herabsteigt, und zwar, wie es antik heißt, zu den Schatten.“

Ijoma Mangold zeichnet eine Kulturgeschichte der Unsterblichkeit und verweist auf die Odyssee als Schlüsseltext der antiken Jenseitsvorstellung. In Homers Epos steigt Odysseus in den Hades hinab und trifft dort auf die Toten als bloße Schatten – ein trostloser Zustand, der zeigt, dass die Antike kein erstrebenswertes Leben nach dem Tod kannte und Ruhm daher die einzige Form von Unsterblichkeit war.

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Aeneis

Aeneis

Vergil · 2022

Das lateinische Epos Aeneis erzählt vom Fall Troias nach zehnjähriger Belagerung durch die Griechen sowie von den abenteuerlichen Irrfahrten des Troianers Aeneas bis zu seiner Landung an der Westküste Italiens und seinem Sieg über den einheimischen Fürsten Turnus. Es wurde zum Nationalepos der Römer und übte nach Ende des Römischen Reiches starken Einfluss auf die europäische Literatur- und Geistesgeschichte aus.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:27:14 „Es gibt berühmte Stellen sowohl in der Odyssee als auch in Vergils Buchstaben, wo einmal Odysseus und ein anderes Mal Aeneas in die Unterwelt herabsteigt, und zwar, wie es antik heißt, zu den Schatten.“

Neben der Odyssee nennt Mangold Vergils Aeneis als zweites antikes Werk, in dem ein Held in die Unterwelt hinabsteigt. Beide Texte dienen ihm als Beleg für die antike Vorstellung, dass das Jenseits kein erstrebenswerter Ort war – im Gegensatz zum christlichen Himmel –, weshalb irdischer Ruhm die einzige Unsterblichkeit darstellte.

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Metamorphosen

Metamorphosen

Ovid · 2016

Ovid: Metamorphosen Entstanden um 2–8 n. Chr. Der Text folgt der Übersetzung von Reinhart Suchier. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016. Textgrundlage sind die Ausgaben: [Ovidius Naso, Publius]: Ovids Metamorphosen. 3 Bde., Über, Üs. v. Reinhart Suchier, 5. Aufl. (Bd 2: 6. Aufl.), Berlin: Langenscheidtsche Verlgasbuchhandlung, [um 1911–1916] [Ovidius Naso, Publius]: Ovids Metamorphosen. 3 Bde., Übers. v. Reinhart Suchier, 5.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:29:14 „Ich weiß aus Schulzeiten, als wir, keine Ahnung, in der 10. Klasse oder so, Ovid's Metamorphose im Lateinunterricht übersetzen mussten, dass ich mich aufregte über die letzten Verse von Ovid's Metamorphosen.“

Mangold erinnert sich an seine Schulzeit, als er Ovids Metamorphosen im Lateinunterricht übersetzte. Er zitiert ausführlich die berühmten Schlussverse, in denen Ovid prophezeit, sein Werk werde ewig bestehen – eine Behauptung, die Mangold als Schüler frech und arrogant fand, deren Wahrheit er aber anerkennen musste, da das Werk tatsächlich 2000 Jahre überdauert hat.

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Die letzte Welt

Die letzte Welt

Christoph Ransmayr · 1991

Christoph Ransmayrs »Die letzte Welt« ist ein Roman, der Ovids Verbannung ans Schwarze Meer literarisch verarbeitet. Das Werk setzt sich intensiv mit den »Metamorphosen« auseinander und folgt dem römischen Dichter während seines Exils unter Kaiser Tiberius. Ransmayr kombiniert antike Mythologie mit moderner Erzählweise und schafft so eine fesselnde Neuinterpretation von Ovids Schicksal und literarischem Vermächtnis.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:29:26 „Der lebte zur Zeit im Kaiserreich, zur Zeit von Kaiser Tiberius, wurde verbannt ans Schwarze Meer und schreibt da seine Metamorphosen zu Ende. Christoph Ranzmeier hat daraus einen tollen Roman, Die letzte Welt, geschrieben.“

Im Kontext von Ovids Verbannung ans Schwarze Meer erwähnt Mangold beiläufig Christoph Ransmayrs Roman 'Die letzte Welt', der Ovids Exil und die Metamorphosen literarisch verarbeitet. Er bezeichnet ihn als 'tollen Roman'.

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Oden (Exegi monumentum aere perennius)

Oden (Exegi monumentum aere perennius)

Horaz · 2016

Horaz: Oden und Epoden Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Bildes: Albert Dreßler, Frauen am Brunnen, vor 1897. Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.

🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:31:05 „Ähnlich übrigens bei Horatz, der von sich sagt, ich habe ein Denkmal errichtet, dauerhafter als Erz. Also das Vertrauen, das durch die gebundene Rede, durch den Vers etwas geschaffen wird, das wie der Marmor dem Zahn der Zeit zu widerstehen vermag, war tief eingewurzelt.“

Mangold zieht eine Parallele zwischen Ovids Unsterblichkeitsanspruch und dem berühmten Horaz-Vers 'Exegi monumentum aere perennius'. Beide antiken Dichter teilten das Vertrauen, dass die gebundene Rede – der Vers – dem Zahn der Zeit widerstehen könne.

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Sonett 18 (Shall I compare thee to a summer's day?)

Sonett 18 (Shall I compare thee to a summer's day?)

William Shakespeare · 2018

Classic Books Library presents this new beautiful edition of “Shakespeare's Sonnets” (1609). Featuring a specially commissioned new biography of William Shakespeare, it is a must for classical poetry enthusiasts and newcomers alike. Shakespeare’s collection of 154 sonnets beautifully explore the age-old human themes of love and beauty, time and mortality, and contain some of the most revered lines in poetry such as, “Shall I compare thee to a summer’s day?” from sonnet no. 18.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:34:54 „Eines der berühmtesten Sonette ist das 18., ... ein Liebessonett, geht es genau um diese Frage, wie kann der Vergötterte möglichst ewig dauern“

Shakespeares Sonett 18 wird als berühmtes Beispiel für den Kunstglauben besprochen, dass Liebe durch das dichterische Werk unsterblich werden kann. Nina liest es vor.

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Der Ernährungskompass

Der Ernährungskompass

Bas Kast · 2018

Der Millionenbestseller – jetzt erweitert um ein neues Kapitel und Beispielrezepte Bas Kast, Autor und Wissenschaftsjournalist, war erst 40 Jahre alt, als er mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach. Danach fasste er den Entschluss, seine Ernährung radikal umzustellen. Aus Tausenden von Studien hat er die wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über eine wirklich gesunde Kost herausgefiltert, die wichtigsten Aspekte leicht verständlich zusammengestellt – und damit einen ungeheuren Erfolg gelan...

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:43:33 „wo für uns das krasseste Beispiel so ein Basskast ist, der die alle Studien gelesen hat und uns die Essenz sagt, so hier, ihr müsst die drei Stoffe und dann müsst ihr das so runterbrechen.“

Nina Pauer spricht über Selbstoptimierung und Longevity-Trends und verweist auf Bas Kast als bekanntestes Beispiel für evidenzbasierte Ernährungsratgeber. Sie erwähnt auch Spermidin als eines seiner Themen. Der Verweis dient als Vorstufe zum Extrembeispiel Brian Johnson.

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Das egoistische Gen

Das egoistische Gen

Richard Dawkins · 2014

p”Ein auch heute noch bedeutsamer Klassiker“ Daily Express Sind wir Marionetten unserer Gene? Nach Richard Dawkins ́ vor über 30 Jahren entworfener und heute noch immer provozierender These steuern und dirigieren unsere von Generation zu Generation weitergegebenen Gene uns, um sich selbst zu erhalten. Alle biologischen Organismen dienen somit vor allem dem Überleben und der Unsterblichkeit der Erbanlagen und sind letztlich nur die "Einweg-Behälter" der "egoistischen" Gene.

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:51:24 „Von außen könnte man aber, aus der Außenperspektive lautet es, naja, das ist unsere genetische Programmierung. Es gibt das berühmte Buch, das egoistische Gen und dann würde man sagen, so ist nun mal die Evolution gesteuert, die Handlungseinheit.“

Im Gespräch über Kinder als Form der Unsterblichkeit verweist Mangold auf Dawkins' 'Das egoistische Gen', um die Außenperspektive zu illustrieren: Nicht das Individuum sei die Handlungseinheit der Evolution, sondern der Genpool, der weitergegeben werden müsse.

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