Kunst aus ZEIT Verbrechen
28 Kunst aus 377 Episoden
Amor als Sieger
Caravaggio
Caravaggios Gemälde von 1602 zeigt Amor, den Gott der irdischen Liebe, als lächelnden Sieger über die höchsten menschlichen Werte. Zu seinen Füßen liegen die Symbole von Wissenschaft, Kunst, Macht und Ruhm verstreut: Musikinstrumente wie Violine und Laute, Geometrie-Werkzeuge, ein Manuskript und Krone sowie Zepter. Der jugendliche Gott sitzt auf einem sternenbesetzten blauen Globus und triumphiert damit über die ganze Welt, was Vergils Motto »Omnia vincit amor« (Die Liebe besiegt alles) umsetzt. Nach kunsthistorischer Interpretation verspottet die Darstellung ironisch die intellektuellen und moralischen Errungenschaften des Menschen und demütigt die Ziele des menschlichen Ehrgeizes.
Bernsteinzimmer
Das Bernsteinzimmer war eine prunkvolle Kunstkammer des 18. Jahrhunderts, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis geraubt und seitdem verschollen ist. Der Artikel von GEO untersucht diesen berühmtesten Fall von Kriegsbeute und beleuchtet die ungeklärten Fragen um den Verbleib dieses einzigartigen Kulturschatzes. Das Thema verdeutlicht die systematische Plünderung von Kunstwerken während des Nazi-Regimes und die bis heute andauernden Bemühungen, geraubte Kulturgüter zu lokalisieren.
Carry That Weight (Mattress Performance)
Emma Sulkowicz
Emma Sulkowicz führte 2014 eine performative Kunstaktion auf dem Campus der Columbia University durch, indem sie täglich eine Matratze trug. Mit dieser Protestaktion reagierte sie auf den unzureichenden Umgang der Universität mit ihrem Vergewaltigungsvorwurf. Die Mattress Performance wurde zur Ikone der studentischen Bewegung gegen sexuelle Übergriffe auf dem Campus.
Ceci N'est Pas Un Viol
Emma Sulkowicz
Emma Sulkowicz setzt sich in diesem Kunstfilm mit dem Thema Vergewaltigung und dessen künstlerischer Darstellung auseinander. Der Film zeigt aus der Perspektive einer Überwachungskamera eine sexuelle Szene und stellt dabei kritisch die Frage nach der Definition von Vergewaltigung. Der Titel spielt auf Magrittes „Dies ist keine Pfeife" an und hinterfragt provokativ, was als Vergewaltigung gilt. Das Werk folgt auf Sulkowicz' bekannte Mattress Performance und setzt ihre künstlerische Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt fort.
Codex Leicester
Leonardo da Vinci
Gates ersteigerte vor etwa 30 Jahren Leonardos berühmten Kodex, eines der bedeutendsten Werke des Universalgenies. In einer großangelegten Ausstellung in Berlin präsentierte er diese historische Sammlung der Öffentlichkeit. Dies verdeutlicht Gates' Vielseitigkeit: Er ist nicht nur Technologie-Unternehmer, sondern auch leidenschaftlicher Kunstsammler und Philanthrop mit tiefem Interesse an Geschichte und Wissenschaft.
David
Michelangelo
Die Autorin Kim de l'Horizon zieht in ihrem Werk Blutbuch eine Parallele zwischen klassischer Literatursprache und Michelangelos David-Skulptur: Beide repräsentieren ihrer Ansicht nach eine dominante, männlich-weiße Ästhetik, die sie als normativ und exklusiv kritisiert. Der Text hinterfragt damit grundsätzlich die Sprachnormen klassischer Literatur als hegemoniales Konzept.
Der Löwenbändiger
Max Beckmann
Max Beckmanns Aquarell "Der Löwenbändiger" von 1930 ist ein 97 × 64 cm großes Werk auf Papier, das verschiedene alternative Titel trägt (Zirkus, Dompteur). Das Werk hat eine bewegte Provenianzgeschichte: Nach dem Verkauf an die Berliner Galerie Flechtheim 1931 wechselte es mehrfach den Besitzer, kam 1934 in die Sammlung von Hildebrand Gurlitt und wurde nach dessen Tod auf Erben vererbt. 2011 erschien das Werk bei der Auktion Lempertz in Köln und erzielte einen Zuschlagspreis von 720.000 Euro. Das Werk wurde in zahlreichen bedeutenden Ausstellungen zwischen 1930 und 1956 präsentiert und ist im Werkverzeichnis der Aquarelle und Pastelle Beckmanns dokumentiert. Es befindet sich heute in privater Hand.
Durchdringung
Wolfgang Fischer (Beltracchi)
Das neosurrealistische Gemälde »Durchdringung« war das einzige Kunstwerk unter Wolfgang Fischers Namen, das vor seiner Enttarnung als Kunstfälscher Beltracchi verkauft wurde. Das Werk zeigt surreale Motive – eine Salvador-Dalí-ähnliche Szene mit Elementen aus einem Schrank. Während Beltracchis Fälschungen für Millionen erzielte dieses Original nur 1.300 Euro bei einer Auktion.
Entartete Kunst (Ausstellung 1937)
Die Ausstellung „Entartete Kunst" war eine NS-Propagandaschau von 1937, die moderne Kunstwerke absichtlich verunglimpfend präsentierte, um die Kunstideologie des Regimes zu verbreiten. Die als „degeneriert" diffamierten Werke wurden anschließend verkauft oder zerstört. Der Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung dokumentiert dieses wichtige Kapitel der Kunstzensur und seine Auswirkungen auf die Kunstgeschichte.
Foto 51
Rosalind Franklin
Foto 51 ist die berühmte Röntgenbeugungsaufnahme der DNA-Struktur, die Rosalind Franklin 1952 anfertigte. Das Bild lieferte den entscheidenden visuellen Beweis für die Doppelhelix-Struktur und wurde zum Schlüsselbeweis der modernen Molekularbiologie. Obwohl Franklin das Foto selbst aufnahm, gelangte es ohne ihre Zustimmung an Watson und Crick, die damit ihren Durchbruch bei der DNA-Entschlüsselung vollendeten.
Fotoserie aus Berliner Kriminalgerichten
Leo Rosenthal
Historische Fotoserie des jüdischen Fotografen Leo Rosenthal aus den 1920er und 1930er Jahren. Rosenthal fotografierte heimlich in Berliner Kriminalgerichten und dokumentierte auf seinen Originalaufnahmen berühmte Prozessbeteiligte wie Einstein und Hitler. Die Serie bietet einen seltenen visuellen Einblick in die deutsche Justizgeschichte der Weimarer Republik und zeigt die Arbeit eines Künstlers unter schwierigen historischen Bedingungen.
Fränzi
Ernst Ludwig Kirchner
Der Artikel behandelt Ernst Ludwig Kirchners Aktdarstellungen des Mädchens Fränzi, das als Muse und Modell für Kirchner und weitere expressionistische Künstler diente. Andreas Sentker analysiert diese Werke und ordnet sie in die kunsthistorische Tradition der erotisierten Darstellung von Kindern ein. Der Fokus liegt auf der offenen künstlerischen Praxis dieser Epoche und ihrer kunstgeschichtlichen Bedeutung.
Grabmal Adolf Loos
Adolf Loos
Das Ehrengrab von Adolf Loos auf dem Wiener Zentralfriedhof ist ein architektonisches Manifest seiner puristischen Designphilosophie. Der schmucklose Betonstruktur verzichtet vollständig auf Verzierungen und zeigt nur einen schlichten Quader mit Schriftzug – ohne Daten oder weitere Ornamente. Das Grabmal dokumentiert Loos' radikale Ablehnung überflüssigen Schmucks und gilt als bedeutender Ort für das Verständnis der modernen Architektur.
Juvenile in Justice
Richard Ross
Fotografische Langzeitdokumentation von Richard Ross über Kinder und Jugendliche in US-amerikanischen Gefängnissen. Die Serie zeigt verstörende Szenen aus Isolationszellen und dokumentiert psychologische Folgen von Erwachsenenstrafvollzug an Minderjährigen. Ein visueller Protest gegen die US-Politik 'Adult Crime, Adult Time'.
Kanzlerporträt Gerhard Schröder
Jörg Immendorff
Offizielles Kanzlerporträt von Gerhard Schröder, gemalt von Jörg Immendorff. Das Gemälde hängt bis heute im Bundeskanzleramt und dokumentiert eine Zeit, in der künstlerisches Genie in der deutschen Kulturelite höher bewertet wurde als persönliches Fehlverhalten.
Klavierspielerin
Carl Spitzweg
Zeichnung von Carl Spitzweg, zeigt eine Klavierspielerin. Das Werk ist ein prominenter Raubkunst-Fall: Es gehörte dem jüdischen Sammler Hinrichsen und war in Hildebrand Gurlitts Sammlung versteckt, obwohl die Familie es als im Krieg verbrannt deklariert hatte. Ein bedeutsames Zeugnis der Kunstplünderung während der Nazi-Herrschaft.
La Trahison des images (Dies ist keine Pfeife)
René Magritte
Surrealistisches Gemälde von 1929, das eine Pfeife mit französischem Text "Ceci n'est pas une pipe" zeigt. Das philosophische Meisterwerk hinterfragt die Beziehung zwischen künstlerischer Darstellung und Realität: Das Bild ist tatsächlich keine Pfeife, sondern nur ihre Abbildung. Magrittes Konzept der Repräsentation wurde später von zeitgenössischen Künstlern wie Emma Sulkowicz neu interpretiert.
Looshaus
Adolf Loos
Ikonisches Wohnhaus von Adolf Loos (1910) am Michaelerplatz Wien. Revolutionäres Meisterwerk der modernen Architektur mit strenger, ornamentloser Ästhetik. Das Gebäude verkörpert einen radikalen Bruch mit dem Wiener Jugendstil und steht symbolisch für die Spannung zwischen architektonischer Brillanz und der ethisch problematischen Persönlichkeit des Schöpfers.
Mattress Performance (Carry That Weight)
Emma Sulkowicz
Performative Kunstinstallation von Emma Sulkowicz, die täglich eine Matratze trägt, um erlittene sexuelle Gewalt zu verarbeiten und öffentlich zu machen. Die 2014-2015 realisierte Performance wurde zur Columbia-Abschlussarbeit und globales Symbol des Protests gegen Übergriffe an US-Universitäten. Sulkowicz nutzt ihren Körper als Medium für strukturelle Anklage – inspiriert von Künstlerinnen wie Marina Abramović.
Papageienbild
August Macke
Gemälde des deutschen Expressionisten August Macke mit Papageienmotiv, das bei einer Berliner Auktion für über zwei Millionen Euro versteigert wurde. Das Werk dokumentiert die Kunstsammlung der Familie Gurlitt und belegt deren frühe Profite aus dem Kunsthandel, noch vor dem Schwabinger Kunstfund.
Pietà
Michelangelo
Marmorskulptur von Michelangelo (1498-1499), zeigt die trauernde Maria, die ihren toten Sohn Jesus hält. Ein Renaissance-Meisterwerk der Schmerz und tiefe mütterliche Trauer verkörpert. Im Podcast dient es als Vergleich für die erstarnte Trauer einer Mutter beim Prozess um den Mord an ihrem Sohn.
Porträt der Contessa Collioni
Fra Galgario (Fra Gislandi)
Spätbarockes Porträt einer Gräfin von Fra Gislandi (Fra Galgario), entstanden um 1700. Das Gemälde ist ein typisches Beispiel für die Porträtmalerei des italienischen Barock und zeigt die charakteristische Eleganz und Prächtig der Epoche in der Darstellung der Contessa Collioni. Das Werk gewann historische Bedeutung als Beispiel von NS-Raubkunst: Es war dem jüdischen Galeristen Rautsticker in Amsterdam entrissen worden und gelangte über Nazi-Funktionäre nach Südamerika, wo es jahrzehntelang als verschollen galt.
Radierungen (Caprichos / Desastres de la Guerra)
Francisco de Goya
Goyas berühmte Radierungsserien Caprichos und Desastres de la Guerra zählen zu den wertvollsten Werken der europäischen Kunstgeschichte. Im Podcast-Beispiel werden sie als Teil einer kriminellen Geschichte erwähnt: Ein Hehler versucht, diese Kunstschätze zusammen mit antiken Texten für lediglich 45.000 Euro an einen Gangsterboss zu verkaufen — ein Beleg dafür, dass organisierte Kriminelle völlig den Marktwert solcher Werke verkannten.
Rotes Bild mit Pferden
Heinrich Campendonk
Expressionistisches Gemälde von Heinrich Campendonk, das zentrale Beweisstück in Wolfgang Beltracchis Kunstfälschungsskandal. 2006 für 2,8 Millionen Euro versteigert, wurde die Fälschung durch das anachronistische Pigment Titanweiß überführt, das in der Original-Periode nicht existierte.
Tatort Porzellanikon
Krimi-Ausstellung im Porzellanikon Selb, die Besucher interaktiv in die dunkle Geschichte von Betrug und Spionage rund um Porzellan und Keramik entführt. Das Kunstwerk verbindet Kunsthandwerk mit Kriminalgeschichte und erforscht spektakuläre Verbrechen im Kontext des wertvollen Gutes. Ein spielerisches, ortsspezifisches Werk, das Geschichte, Spannung und künstlerisches Handwerk vereint.
Thérèse Dreaming
Balthus
Gemälde des französischen Surrealisten Balthus aus dem 20. Jahrhundert, das ein sitzendes minderjähriges Mädchen in provokanter Pose zeigt. Das Werk ist zentral in Debatten über künstlerische Freiheit, Kunstzensur und den Schutz von Kindern – in den USA gab es Forderungen zum Abbau des Bildes.
Villa Müller
Adolf Loos
Modernistische Villa des österreichischen Architekten Adolf Loos, 1932 in Prag erbaut. Das Wohnhaus verkörpert Loos' puristische Designphilosophie mit klaren Linien und funktionaler Eleganz. Es ist ein Meisterwerk der klassischen Moderne und ein Schlüsselwerk der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Zwei Reiter am Strand
Max Liebermann
Gemälde des jüdischen Künstlers Max Liebermann, das zwei Reiter am Strand darstellt. Das Werk war Teil des Kunstfunds Gurlitt und wurde als NS-bedingte Kulturgutverlust aus der Sammlung des jüdischen Sammlers Friedmann aus Breslau identifiziert. Es wurde später an die Erben restituiert – ein bedeutsames Beispiel für die Rückgabe von verfolgungsbedingtem Kulturgut.