Hotel Matze – Ferdinand von Schirach (2026) - Was ist ein Mensch wert
#514

Ferdinand von Schirach (2026) - Was ist ein Mensch wert

Hotel Matze / 22. Februar 2026 / 27 Medien

Matze Hielscher & Ferdinand von Schirach

Ferdinand von Schirach spricht über die faszinierende Fähigkeit des Menschen, Gesichter in Bruchteilen von Sekunden zu lesen — und warum der erste Eindruck in 90 Prozent der Fälle stimmt. Dabei geht es um die fest verdrahteten Strukturen im Gehirn, die evolutionären Ursprünge unserer Menschenkenntnis und die zunehmend verloren gehende Kunst, eine Geschichte zu erzählen.

„Sie sitzen im Café und es kommt jemand rein und Sie sehen ihn eine hundertstel Sekunde und Sie haben sofort einen Eindruck von ihm. Und noch weniger zu erklären ist, dass es in 90 Prozent der Fälle stimmt.“
🗣 Ferdinand von Schirach

Erwähnte Medien (27)

Kanon

Kanon

Polyklet · 2003

Das Klassische kann als ein konstitutiver Teil der Moderne gelten. So ist die Auseinandersetzung mit dem antiken Denken immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. In verständlich und anschaulich geschriebenen Texten stellen die Autoren dieses Bandes die Frage nach der Aktualität antiker Ideen und Konzepte in den Wissenschaften und den kreativen Künsten, in der Politik und in der Alltagskultur.

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:08:32 „Der größte griechische Bildhauer war Polyklet. Und das war der, der genaue Maße festgelegt hat. Also wie ein perfekter Mensch aussieht. Die Länge des Daumens im Vergleich zum Unterarm, der Unterarm im Vergleich zum Oberarm und so weiter. Und er hatte so ein ganzes System aufgestellt, wie der perfekte. Leider ist es verloren gegangen.“

Im Gespräch über Schönheit und Symmetrie von Gesichtern verweist Schirach auf den antiken Bildhauer Polyklet und dessen verlorene Schrift, in der exakte Proportionen des idealen menschlichen Körpers festgehalten waren. Besonders hebt er Polyklets Einsicht hervor, dass man dem perfekten Maß etwas wegnehmen und hinzufügen müsse, damit es als schön empfunden wird.

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Thomas Bernhard - Monologe auf Mallorca

Thomas Bernhard - Monologe auf Mallorca

Thomas Bernhard · 1981

Einen unfilmischeren Erzähler als Thomas Bernhard kann man sich kaum vorstellen: Er verachtete Details und Beschreibungen, vermied es peinlich genau, mit der Sprache die Möglichkeiten des Bilds nachzuahmen. „Ich schreib’ immer nur Begriffe, und da heißt’s immer Berge oder eine Stadt oder Straßen, aber wie die ausschauen …“ Welchen Mehrwert das Medium Film trotz oder gerade wegen der Bernhardschen Invektivkaskaden haben kann, dokumentieren die beiden langen Interviews, die die Journalistin Krista...

🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:14:34 „es gibt es glaube ich sogar noch zu sehen, Thomas Bernhard auf Mallorca und der sitzt da und gibt ein langes Interview in eine Frau, in der er glaube ich ein bisschen verliebt war. Und die sagt dann zu ihm, weil er oft in Mallorca ist, lernen Sie doch jetzt mal Spanisch. Und dann sagt er, nein, auf gar keinen Fall lerne ich Spanisch, weil er möchte sich lieber vorstellen, was die gerade sprechen.“

Von Schirach erzählt von Thomas Bernhards berühmtem Interview auf Mallorca, in dem Bernhard erklärt, warum er kein Spanisch lernen will: Er stellt sich lieber vor, dass die Marktfrauen über Fermats letzten Satz reden. Schirach nutzt das als Beispiel für seine eigene Lust am Beobachten und Geschichten-Erfinden.

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Thomas Bernhard auf Mallorca

Thomas Bernhard auf Mallorca

· 1981

Einen unfilmischeren Erzähler als Thomas Bernhard kann man sich kaum vorstellen: Er verachtete Details und Beschreibungen, vermied es peinlich genau, mit der Sprache die Möglichkeiten des Bilds nachzuahmen. „Ich schreib’ immer nur Begriffe, und da heißt’s immer Berge oder eine Stadt oder Straßen, aber wie die ausschauen …“ Welchen Mehrwert das Medium Film trotz oder gerade wegen der Bernhardschen Invektivkaskaden haben kann, dokumentieren die beiden langen Interviews, die die Journalistin Krista...

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:14:58 „Es gibt eine tolle, es gibt es glaube ich sogar noch zu sehen, Thomas Bernhard auf Mallorca und der sitzt da und gibt ein langes Interview in eine Frau, in der er glaube ich ein bisschen verliebt war. Und die sagt dann zu ihm, weil er oft in Mallorca ist, lernen Sie doch jetzt mal Spanisch. Und dann sagt er, nein, auf gar keinen Fall lerne ich Spanisch, weil er möchte sich lieber vorstellen, was die gerade sprechen.“

Ferdinand von Schirach erzählt von einem Interview-Film mit Thomas Bernhard auf Mallorca, in dem Bernhard erklärt, warum er kein Spanisch lernen will – er stellt sich lieber vor, dass Marktfrauen über Fermats letzten Satz sprechen. Von Schirach nutzt die Anekdote, um sein eigenes Vergnügen zu beschreiben, sich am Flughafen oder im Café Geschichten über Fremde auszudenken.

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Nachmittag

Nachmittag

Ferdinand von Schirach · 2022

Nummer 1-SPIEGEL-Bestseller. - Eines der persönlichsten Bücher des internationalen Bestsellerautors. Ferdinand von Schirach erzählt von milden Frühsommermorgen, verregneten Nachmittagen und schwarzen Nächten. Seine Geschichten spielen in Berlin, Pamplona, Oslo, Tokio, Zürich, New York, Marrakesch, Taipeh und Wien. Es sind kurze Geschichten über die Dinge, die unser Leben verändern, über Zufälle, falsche Entscheidungen und die Flüchtigkeit des Glücks.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:20:23 „Und dann später war diese Geschichte im Nachmittag drin. Und dann habe ich gedacht, ah, der übt das auch natürlich.“

Matze Hielscher erinnert sich an ein früheres Kaffeetrinken mit von Schirach, bei dem dieser ihm eine fesselnde Geschichte über einen Mann in einer Burg erzählte. Später fand Hielscher diese Geschichte in von Schirachs Buch 'Nachmittag' wieder und erkannte, dass der Schriftsteller seine Geschichten im Gespräch testet, bevor er sie veröffentlicht.

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Max und Moritz

Max und Moritz

Wilhelm Busch

Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen ist eine Bildergeschichte des deutschen humoristischen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch. Sie wurde Ende Oktober 1865 erstveröffentlicht und zählt damit zum Frühwerk von Wilhelm Busch. Im Handlungsgefüge weist sie auffällige Gesetzmäßigkeiten und Grundmuster inhaltlicher, stilistischer und wirkungsästhetischer Art auf, die sich auch in den späteren Arbeiten von Wilhelm Busch wiederholen.

🗣 Ferdinand von Schirach erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:22:42 „Auf dem Weg hierher habe ich telefoniert mit einem Freund, ich weiß nicht, wie wir da drauf gekommen sind, und der erzählte mir die ganze Max-und-Moritz-Geschichte. Ach ja, wir haben darüber gesprochen, dass ich jetzt zu Ihnen fahre wegen des Kinderbuchs.“

Ferdinand von Schirach erzählt, wie sein Freund ihm auf dem Weg zum Interview die ganze Max-und-Moritz-Geschichte nacherzählte – als Beispiel dafür, wie man im Alltag Geschichten erlebt, wenn man offen und neugierig ist. Die Anekdote illustriert seine These, dass gutes Erzählen eine Kunst ist, die im Alltag immer seltener wird.

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Alexander

Alexander

Ferdinand von Schirach · 2025

Wie können wir friedlich miteinander leben? Anhand der Geschichte eines Jungen aus der antiken Stadt Kaliste, erklärt Ferdinand von Schirach die Grundzüge der Demokratie. Alexander wird von den Einwohnern seiner Heimatstadt Kaliste der Auftrag erteilt, „gute Gesetze“ zu finden. Nie wieder soll eine Tyrannei möglich sein, und nur einem Kind traut man zu, frei von Vorurteilen gerechte Regeln für das Zusammenleben zu finden.

🗣 Matze Hielscher zitiert daraus bei ⏱ 00:23:19 „In Ihrem Buch, wir sprechen gleich noch ein bisschen näher drüber, Alexander, da gibt es ein Orakel. Und dieses Orakel sagt, man muss immer ganz genau hinsehen. Wer hat Ihnen das beigebracht, dieses genaue Hinsehen?“

Matze Hielscher leitet zum Hauptthema des Gesprächs über: Ferdinand von Schirachs neues Kinderbuch 'Alexander'. Er greift ein Motiv aus dem Buch auf – ein Orakel, das sagt, man müsse genau hinsehen – und nutzt es als Brücke zu einer längeren Erzählung von Schirachs über seine Erfahrungen bei Obduktionen als Strafverteidiger.

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Casino Royale

Casino Royale

Martin Campbell · 2006

Sein erster Auftrag, nachdem er die Lizenz zum Töten erhalten hat, führt den MI6-Agenten James Bond nach Madagaskar, wo er auf den Terroristen Mollaka angesetzt wird. Zwar verläuft nicht alles nach Plan, doch als Bond auf eigene Faust weiter ermittelt, kommt er auf die Spur von Le Chiffre, dem Bankier einer weltweit operierenden Terror-Organisation.

🗣 Ferdinand von Schirach erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:25 „Genau, Casino Royale, da wird ja irgendwie gefoltert. Sowas ertrage ich nicht.“

Im Gespräch über Dinge, die Ferdinand von Schirach nicht ertragen kann, nennt er das bewusste Zufügen von Schmerzen als etwas zutiefst Ekelhaftes. Als Matze Hielscher 'James-Bondige Filme' erwähnt, bestätigt von Schirach mit dem konkreten Beispiel Casino Royale, dass er solche Folterszenen im Film nicht ansehen kann.

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Alexanderschlacht (Alexander-Mosaik)

Alexanderschlacht (Alexander-Mosaik)

Das Alexandermosaik im Nationalmuseum Neapel ist eine über sechs Meter lange Kopie eines griechischen Tafelgemäldes aus dem 4. Jahrhundert v.Chr., die 1831 in Pompeji entdeckt wurde. Das Kunstwerk stellt die Schlacht von Gaugamela (331 v.Chr.) dar, in der Alexander der Große gegen den persischen Großkönig Dareios III. kämpfte. Alexander ist ohne Helm dargestellt, mit dem Gorgonenhaupt auf seiner Brust, während er entscheidend vorstößt und den entsetzt fliehenden Dareios verfolgt. Die Komposition zeigt die dramatische Wendung der Schlacht: Dareios dreht seinen Kriegswagen zur Flucht, während seine Truppen in Panik auseinanderstieben. Das Mosaik gilt als eines der bedeutendsten Beispiele antiker Mosaikkunst und dokumentiert sowohl die historische Episode als auch die künstlerische Meisterschaft römischer Kopisten.

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:33:46 „Aber er mochte vor allen Dingen, das kennen Sie auch, dieses große Alexander-Mosaik, wo Alexander abgebaut ist, in jedem Geschichtsbuch drin. Das ist das einzige Bildnis, was wir von Alexander haben. Und das ist die Alexander-Schlacht, das ist gegen Darius die Schlacht.“

Ferdinand von Schirach erzählt die Entstehungsgeschichte seines Kinderbuchs: Vor über 30 Jahren besuchte er mit seinem Patenkind das Archäologische Museum in Neapel. Der Junge war besonders fasziniert vom berühmten Alexander-Mosaik aus Pompeji, das die Schlacht gegen Darius zeigt – das einzige erhaltene Bildnis Alexanders des Großen.

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Alexandermosaik (Schlacht von Issos)

Alexandermosaik (Schlacht von Issos)

Das Alexandermosaik aus Pompeji zeigt die Schlacht von Issos und ist eines der bedeutendsten antiken Kunstwerke, das heute im Museum von Neapel ausgestellt ist. Das monumentale Mosaik wird berühmt durch Ferdinand von Schirachs literarische Verarbeitung einer persönlichen Begegnung: Die Beobachtung eines Jungen, dass Alexander der Große und sein Pferd auf dem Mosaik identische traurige Blicke haben, inspirierte den Schriftsteller zu einem Kinderbuch und macht das antike Werk zu einem Fenster auf tiefere menschliche Gefühle.

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:34:21 „Das ist ein Bild, ein ganz großes Mosaik aus Pompeji. Und das Original ist eben dort in dem Museum.“

Ferdinand von Schirach erzählt, wie er mit dem Sohn eines Freundes in Neapel vor dem berühmten Alexandermosaik stand. Der Junge bemerkte, dass Alexander und sein Pferd die gleichen traurigen Augen hätten – eine Beobachtung, die von Schirach nicht mehr losließ und die den Anstoß für sein Kinderbuch gab.

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Nur jedem das Seine

Nur jedem das Seine

Johann Sebastian Bach

Barocke Kantate mit kontrapunktischem Gefüge und geistlichem Anspruch. Der Titel bezieht sich auf den klassischen Gerechtigkeitsbegriff 'jedem das Seine' – eine philosophische Idee, die später zur zynischen Inschrift über dem KZ Buchenwald pervertiert wurde. Ein Werk, das zeigt, wie humane Ideale in dunkle Kontexte missbraucht werden können.

🗣 Ferdinand von Schirach erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:41:05 „Und jedem das Seine war ja nicht nur eine Kantate von Bach, sondern das stand auch über dem KZ von Auschwitz, jedem das Seine.“

Im Gespräch über Platons Gerechtigkeitsbegriff – 'jedem das Seine' – verweist von Schirach auf die doppelte Bedeutungsgeschichte dieses Satzes: einerseits Bachs Kantate, andererseits die zynische Inschrift über dem KZ Buchenwald, um zu zeigen, wie gefährlich die Idee ist, wenn jemand festlegt, was 'das Seine' ist.

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Die Bibel

Die Bibel

Die Bibel als Klassiker der Weltliteratur und religiöses Fundament – ein Werk, das in westlichen Kulturen ständig zitiert wird, vielen Menschen aber weitgehend unbekannt bleibt. Jan Böhmermann nennt sie als eine seiner größten Wissenslücken und beschreibt das Unbehagen, nicht mitreden zu können, wenn andere Bibelreferenzen einbauen. Eine Anleitung zum Nachschlagen für alle, die ihre Kulturkompetenz erweitern möchten.

🗣 Ferdinand von Schirach erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:42 „Bei uns ist das einfach ein Sprichwort gewesen, aber die ursprüngliche Idee ist ja immer gleich, die gab es auch schon in der Bibel, die gab es schon bei den Ägyptern und so weiter.“

Im Zusammenhang mit der Goldenen Regel ('Was du nicht willst, dass man dir tut...') verweist von Schirach darauf, dass diese Idee in nahezu jeder Kultur vorkommt, unter anderem in der Bibel. Es ist eine beiläufige Erwähnung zur Illustration der universellen Verbreitung dieses Gerechtigkeitsprinzips.

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Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

Immanuel Kant · 1906

Immanuel Kant: 1724-1804 Grundlegung Zur Metaphysik Der Sitten was originally published in 1785

🗣 Ferdinand von Schirach zitiert daraus bei ⏱ 00:44:33 „Kant hat das dann sozusagen noch überhöht und einen wirklich schönen Satz daraus gemacht. Ich lese ihn vor, weil ich ihn immer vergesse. Handle nur nach der Maxime, von der du zugleich wünschen kannst, dass hier ein allgemeines Gesetz werde.“

Ferdinand von Schirach erläutert die Geschichte der Gerechtigkeitstheorien von Platon über die Goldene Regel bis zu Kant. Er zitiert den kategorischen Imperativ wörtlich als Weiterentwicklung der Goldenen Regel, kritisiert aber, dass auch Kants Formel die Gerechtigkeit bereits voraussetzt und sie nicht definiert.

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Was ist Gerechtigkeit?

Was ist Gerechtigkeit?

Hans Kelsen · 2000

Hans Kelsen, einer der bedeutendsten Verfassungs- und Völkerrechtler des 20. Jahrhunderts und Hauptvertreter der so genannten 'reinen Rechtslehre', erörtert in seiner kleinen Schrift von 1953, die hier neu aufgelegt wird, Gerechtigkeit als Problem der Lösung von Interessen- und Wertkonflikten und als Problem der Rechtfertigung menschlichen Verhaltens. Absolute Gerechtigkeit kann es nicht geben. Relative Gerechtigkeit aber führt immerhin zu Toleranz.

🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:45:58 „Und ich habe als Student hatte ich ein Buch gefunden von einem Juristen, den ich sehr verehre, Hans Kelsen, heißt der. Hans Kelsen wurde berühmt mit einem Buch, reine Rechtslehre. Und Hans Kelsen hatte jedenfalls ein ganz kleines, dünnes Buch geschrieben, das können Sie heute noch kaufen, das hieß Was ist Gerechtigkeit?“

Von Schirach empfiehlt Kelsens Büchlein als zugängliche Einführung in die Gerechtigkeitsfrage. Er beschreibt, wie er es als Student voller Hoffnung in die Hand nahm – und wie Kelsen nach der Auflistung aller Theorien mit dem frustrierenden Satz endet: 'Ich weiß nicht, was Gerechtigkeit ist.' Trotzdem empfiehlt er es ausdrücklich den Hörern.

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Reine Rechtslehre

Reine Rechtslehre

Hans Kelsen · 1934

Nachdem die 1934 erschienene Erstauflage von Hans Kelsens Reine[r] Rechtslehre im Jahre 2008 als Studienausgabe erschienen ist, folgt nun im selben Format die Studienausgabe der Zweitauflage aus dem Jahre 1960. Zwischen den Auflagen 1934 und 1960 liegt nicht nur ein Vierteljahrhundert und ein Weltkrieg, sondern auch ein Umfangswachstum auf den fünffachen Wert und ein vielfältiger Reifungsprozess von Kelsens Allgemeiner Rechtslehre.

🗣 Ferdinand von Schirach erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:08 „Hans Kelsen wurde berühmt mit einem Buch, reine Rechtslehre.“

Von Schirach erwähnt Kelsens Hauptwerk 'Reine Rechtslehre' als das Buch, mit dem der österreichische Jurist berühmt wurde, bevor er auf das kleinere Werk 'Was ist Gerechtigkeit?' zu sprechen kommt. Es dient der Einordnung von Kelsens Bedeutung als einer der großen Juristen Österreichs.

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A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit)

A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit)

John Rawls · 2005

John Rawls aims to express an essential part of the common core of the democratic tradition—justice as fairness—and to provide an alternative to utilitarianism, which had dominated the Anglo-Saxon tradition of political thought since the nineteenth century. Rawls substitutes the ideal of the social contract as a more satisfactory account of the basic rights and liberties of citizens as free and equal persons.

🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:04:10 „1973 wurde in Amerika ein Buch veröffentlicht, das hieß A Theory of Justice, eine Theorie der Gerechtigkeit, von einem Professor, der hieß John Rawls. Und das war tatsächlich bahnbrechend und eine Unverschämtheit, weil nach zweieinhalbtausend Jahren Nachdenken kam dieser damals noch relativ junge Professor und sagte, ich habe jetzt eine Theorie der Gerechtigkeit.“

Von Schirach stellt Rawls' Werk als den Durchbruch in der jahrtausendealten Gerechtigkeitsfrage dar. Er erklärt ausführlich Rawls' Denkfigur des 'Schleiers des Nichtwissens' und empfiehlt das Buch trotz seiner Komplexität ausdrücklich zum Lesen – es sei die einzige vernünftige Theorie über Gerechtigkeit, die er kenne.

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Bundessteuergesetzbuch

Bundessteuergesetzbuch

Paul Kirchhof · 2011

Das Einkommensteuergesetzbuch, EStGB (umgangssprachlich Kirchhof-Modell), ist ein von der Forschungsgruppe Bundessteuergesetzbuch unter der Leitung von Paul Kirchhof entwickelter Vorschlag zur Reform des deutschen Ertragsteuerrechts. Es wurde 2001 dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestags und der Fachpresse vorgestellt. Es ist nicht mit dem Einkommensteuergesetz zu verwechseln.

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:09:35 „Es gibt ein Gesetzbuch, das geschrieben worden ist, das ist vollkommen fertig, von einem Heidelberger Professor, der das Steuersystem regelt. Stark vereinfacht, der war mal Vorsitzender des Bundesverfassungsgerichts, also das ist kein Mann, der irgendwie ein Spinner ist und das ist ganz vernünftig.“

Schirach verweist auf den Steuerreform-Entwurf des Heidelberger Juristen Paul Kirchhof, der ein radikal vereinfachtes Steuersystem mit nur drei Steuerklassen und ohne Absetzungsmöglichkeiten vorschlägt. Schirach bedauert, dass dieser fertig ausgearbeitete Entwurf – der unter Merkel im Gespräch war – nie umgesetzt wurde, und sieht darin ein Beispiel für politischen Reformstau.

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Jeder Mensch

Jeder Mensch

Ferdinand von Schirach · 2021

Jeder Mensch hat das Recht ... Mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1776 und der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789 in Frankreich wurden die Grundsteine für unsere moderne Gesellschaft gelegt, für unsere Freiheit und unsere unveräußerlichen Rechte. Das Erstaunliche an diesen Deklarationen ist, dass sie nicht die Wirklichkeit widerspiegelten. Die großen Manifeste der Menschheit verlangten eine Ordnung der Gesellschaft, die es noch nicht gab. Es waren Utopien.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:13:45 „Sie haben in den letzten Jahren immer wieder Vorschläge gemacht für Gesetzesänderungen. Also ich erinnere mich an jeder Mensch. Zum einen haben wir das letzte Mal hier drüber gesprochen, aber ich erinnere mich auch an eine Sendung, Sie waren bei Karin Miosga im letzten Jahr, da haben Sie auch Vorschläge gemacht.“

Matze Hielscher leitet über zu Schirachs politischen Reformvorschlägen und erinnert dabei an dessen Buch 'Jeder Mensch', in dem Schirach sechs neue Grundrechte für Europa vorschlägt. Das Buch dient als Beispiel dafür, dass Schirach immer wieder konkrete Gesetzesänderungen anregt.

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Caren Miosga

Caren Miosga

Caren Miosga · 2024

Caren Miosga diskutiert mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft das Thema der Woche. Dabei sollen unterschiedliche Standpunkte und Sichtweisen auf ein Problem sowie die dahinterstehenden politischen Prozesse deutlich werden.

🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:13:45 „Ich erinnere mich auch an eine Sendung, Sie waren bei Karin Miosga im letzten Jahr, da haben Sie auch Vorschläge gemacht, die Zeit der Kanzlerschaft zu begrenzen auf sechs oder sieben Jahre.“

Matze verweist auf einen Auftritt Schirachs in der ARD-Talkshow 'Caren Miosga', bei dem dieser politische Reformvorschläge wie die Begrenzung der Kanzlerschaft und die Zusammenlegung von Wahlterminen vorgestellt hat. Die Sendung wird als Beleg für Schirachs wiederkehrendes politisches Engagement herangezogen.

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Epistulae morales ad Lucilium

Epistulae morales ad Lucilium

Seneca · 2015

Die Briefe an Lucilius über Ethik sind das reifste und eingängigste Werk des großen römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca. Im allerbesten Sinne des Wortes populärphilosophisch, präsentieren sie sich dem Leser als kurze und kompakte Lebensratgeber. Jeder einzelne Brief ist voll der Weisheit, des lebenspraktischen Rates, der ermutigenden Worte und an den fruchtbarsten Stellen mit prägnanten Merksätzen, sogenannten Sentenzen, versehen. Dieser Band enthält das 6.

🗣 Ferdinand von Schirach zitiert daraus bei ⏱ 01:25:46 „Es gibt von Seneca eine Stelle, wo er sich empört über die Tierkämpfe, Tiere gegen Menschen und Menschen gegen Menschen im Kolosseum. Aber nicht, weil das die Würde dieser Leute verletzen würde, sondern weil es auf die Zuschauer einen unangenehmen Eindruck machen würde.“

Im Gespräch über die historische Entstehung des Würdebegriffs zitiert Schirach eine Passage Senecas über die Gladiatorenkämpfe im Kolosseum. Er nutzt das Beispiel, um zu zeigen, dass die Antike noch keinen Würdebegriff kannte – Senecas Kritik richtete sich nicht gegen die Verletzung menschlicher Würde, sondern gegen die ästhetische Zumutung für die Zuschauer.

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Was ich noch sagen wollte

Was ich noch sagen wollte

Helmut Schmidt · 2015

Sieben Jahre nach Außer Dienst legte Helmut Schmidt ein neues eigenes Buch vor. Seine Ausgangsfrage lautet: Brauchen wir heute noch Vorbilder, und wenn ja, zu welchen Zielen sollen sie uns anleiten? Schmidt erzählt von Menschen, die ihn prägten und an deren Beispiel er sich orientierte. Politik ist pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken, hat Helmut Schmidt einmal gesagt. Weil er stets pragmatisch handelte, hat man ihm früh das Etikett des "Machers" angeheftet.

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:35:31 „Es gibt in dem letzten Buch, das Helmut Schmidt geschrieben hat, habe ich neulich gelesen, das heißt, was ich noch sagen wollte. Da beschreibt er die Entführung der Maschine Landsrud in Mogadischu. Und dann schreibt er diesen merkwürdigen Satz, es steht wirklich so in dem Buch drin, dass er Wisniewski, also seinem Atlantis dort, einen Blankoscheck gab, der über das Grundgesetz hinausgeht.“

Von Schirach nutzt Helmut Schmidts letztes Buch, um das Weichensteller-Dilemma zu illustrieren: Es gibt Situationen, in denen Menschen über die Verfassung hinausgehen müssen. Schmidt beschreibt darin, wie er bei der Entführung der Landshut in Mogadischu seinem Beauftragten Wisniewski einen Freibrief erteilte, der über das Grundgesetz hinausging — etwas, das er nur schreiben konnte, weil die Aktion erfolgreich war.

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...trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager

...trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager

Viktor Frankl · 2010

»Leben heißt letztlich eben nichts anderes als: Verantwortung tragen [...] für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem einzelnen das Leben stellt.« (Viktor E. Frankl) Mit 35 Jahren kam der österreichische Psychiater Viktor E. Frankl in ein Konzentrationslager. In den Jahren der Gefangenschaft lernte er, wie Menschen mit unvorstellbarem Leid umgehen und wie es selbst an Orten größter Unmenschlichkeit möglich ist, einen Sinn im Leben zu sehen.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:38:48 „Viktor Frankl hat das ja auch geschrieben.“

Als von Schirach ein Interview mit einer belarussischen Oppositionellen erwähnt, die trotz fünf Jahren Haft durch Shakespeare-Lektüre innerlich frei blieb, zieht Matze Hielscher die Parallele zu Viktor Frankl. Frankl beschrieb in seinem bekanntesten Werk, wie er im Konzentrationslager innere Freiheit und Würde bewahrte — genau die These, die von Schirach gerade über die Unantastbarkeit der Menschenwürde entfaltet.

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Die Würde ist antastbar

Die Würde ist antastbar

Ferdinand von Schirach · 2017

»Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz. Aber das ist falsch. Denn sie wird jeden Tag angetastet.« Ferdinand von Schirach beschäftigt sich in seinen Essays mit den großen Themen unserer Zeit – warum der Terrorismus letztlich über die Demokratie entscheidet – und geht zugleich sehr persönlichen Gedanken nach, über das Schreiben, das Lesen mit dem iPad und das Rauchen. Oft ist es nur der Zufall, der den Einzelnen zum Täter oder Opfer macht.

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:43:23 „Ich habe ein Buch geschrieben, das heißt, die Würde des Menschen ist antastbar. Natürlich wird sie dauernd angetastet und dauernd verletzt und dauernd mit Füßen getreten, überall auf der Welt.“

Im Gespräch über den Epstein-Fall und die Frage, wie systematische Würdeverletzungen mit dem Grundgesetz-Artikel vereinbar sind, verweist von Schirach auf sein eigenes Buch. Er argumentiert, dass die Menschenwürde zwar ständig verletzt wird, aber trotzdem nicht verloren gehen kann — sie ist untrennbar mit dem Menschsein verbunden.

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Rabe 12

Rabe 12

Ferdinand von Schirach · 2022

Die bewährte Dokumentation der zeitgenössischen deutschsprachigen Literaturszene umfasst über 9.000 Einträge lebender Verfasserinnen und Verfasser schöngeistiger Literatur in deutscher Sprache: Adressen, Lebensdaten, Mitgliedschaften, Auszeichnungen sowie 140.000 Veröffentlichungen; im Anhang u. a.: Übersetzer, Verlage, Literaturpreise, Fachverbände, Literaturhäuser, Zeitschriften, Agenturen; Festkalender, Nekrolog, geographische Übersicht.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:44:36 „Es gibt im Buch ganz am Ende ein Foto von ihnen als Kind. Das ist ein ganz, ganz bezauberndes Bild. Was haben Sie gedacht, als Sie dieses Bild wieder gesehen haben?“

Matze Hielscher spricht über das aktuelle Buch von Schirachs, das Anlass des Gesprächs ist. Er bezieht sich auf ein Kindheitsfoto am Ende des Buches, das von Schirach in seinem von seinem Vater ausgemalten Kinderzimmer zeigt. Von Schirach erzählt daraufhin, wie sein Vater einen Dschungel mit Tieren an die Wand malte, und wie der Elefant daraus auch in seinem Buch vorkommt.

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Apologie des Sokrates

Apologie des Sokrates

Platon

Platons Darstellung der Verteidigungsrede des Sokrates vor dem athenischen Gericht 399 v. Chr. Angeklagt wegen Gottlosigkeit und Verführung der Jugend, verteidigt Sokrates sein philosophisches Wirken und bekennt sich zu seinem Grundsatz: Ein ungeprüftes Leben ist nicht lebenswert.

🗣 Ferdinand von Schirach zitiert daraus bei ⏱ 02:00:40 „Da kann ich Ihnen mit Sokrates antworten. Also entweder es ist nichts. Davor muss man keine Angst haben, das ist einfach nichts. Oder, sagt Sokrates, es ist ein Wiedersehen mit Museus und den anderen großen griechischen Helden. Das wäre auch nicht schlecht.“

Auf Matze Hielschers Frage nach Todesangst antwortet von Schirach mit dem berühmten Argument des Sokrates aus der Apologie: Der Tod ist entweder ein Nichts oder ein Wiedersehen mit den großen Gestalten der Vergangenheit — beides kein Grund zur Angst. Von Schirach nutzt dieses klassische philosophische Argument als Teil seiner Argumentation, warum Nachdenken über den Tod letztlich sinnlos sei.

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Brief an Menoikeus

Brief an Menoikeus

Epikur · 2016

Epikur (altgriechisch Ἐπίκουρος Epíkouros; * um 341 v. Chr. auf Samos; † 271 oder 270 v. Chr. in Athen) war ein griechischer Philosoph, Begründer des Epikureismus und der epikureischen Schule. Diese im Hellenismus parallel zur Stoa entstandene philosophische Schule hat durch die von Epikur entwickelte hedonistische Lehre seit ihren Anfängen zwischen Anhängern und Gegnern polarisierend gewirkt.

🗣 Ferdinand von Schirach zitiert daraus bei ⏱ 02:00:59 „Vielleicht hilft Ihnen ein anderer griechischer Philosoph ein bisschen mehr, Epikur. Und der sagte, und das fand ich immer schon ganz beruhigend und sehr schlau, der Tod geht uns nichts an. Weil solange wir da sind, ist der Tod nicht da und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr da.“

Von Schirach ergänzt sein Sokrates-Zitat mit Epikurs berühmtem Argument gegen die Todesangst. Er findet es schlauer als es zunächst klingt und empfiehlt, lange darüber nachzudenken. Die Passage ist Teil von Schirachs philosophischer Argumentation, dass wir als Menschen so wenig über die Existenz wissen, dass Grübeln über den Tod sinnlos ist.

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Leonce und Lena

Leonce und Lena

Georg Büchner

Absurdes Theaterstück von Georg Büchner über eine Liebe in surrealer Atmosphäre. Büchner schrieb das Werk kurz vor seinem frühen Tod; es bleibt ein meisterliches Beispiel seiner innovativen dramatischen Kunst und wird bis heute inszeniert.

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:27:37 „Ich spielte die Hauptrolle in einem Stück im Internat, das hieß »Leon's und Lena« von Büchner und ich spielte den Leon's und das ging ganz gut und danach inszenierte ich selbst ein Stück.“

Ferdinand von Schirach erzählt von seiner Jugend im Jesuiteninternat und der ersten Person, die an sein Talent glaubte. Er spielte die Hauptrolle des Leonce in Büchners Stück – eine frühe künstlerische Erfahrung, die seine spätere Laufbahn vorwegnahm.

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P Theater

Die Physiker

Friedrich Dürrenmatt

Dürrenmatts Komödie "Die Physiker" wird als Theaterstück mit zeitgeschichtlichen Anspielungen analysiert, dessen Protagonist Möbius dem Atomphysiker Oppenheimer ähnelt – beide kämpfen mit moralischen Bedenken gegenüber ihren wissenschaftlichen Erfindungen. Das Stück kritisiert sowohl die amerikanische als auch die sowjetische Großmacht, wobei Dürrenmatt beide Systeme als gleichermaßen bedrohlich für die Menschheit darstellt. Das zentrale Thema ist die Verantwortung von Wissenschaftlern für die unvorhersehbaren Folgen ihrer Erfindungen im Kontext des Kalten Krieges und des absurden Vernichtungspotentials. Möbius versucht, sich dieser Tragik durch Wahnsinn zu entziehen und zieht sich mit seiner Weltformel in eine Anstalt zurück – das Irrenhaus fungiert als Metapher für die von Wahnsinn heimgesuchte Welt. Dürrenmatts pessimistische, aber radikal ideologiefreie Weltsicht zeigt sich darin, dass er aggressive Kriegspolitik und hochmodernes Wettrüsten als Symptome einer erkrankten Menschheit begreift.

🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:27:37 „Danach inszenierte ich selbst ein Stück und zwar »Die Physiker« von Dürrnmatt. Ich war 16, ja.“

Im Anschluss an seine Rolle in Büchners Stück inszenierte der 16-jährige Schirach Dürrenmatts Komödie selbst. Die Anekdote dient als Beleg für sein frühes künstlerisches Talent, das ein Ordensbruder im Internat als Erster erkannte.

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