Wann ist Kapitalismuskritik antisemitisch
Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Eine Spurensuche in einer der eigentümlichsten Strömungen der deutschen Linken: den Antideutschen, die als Linke gerade wegen Auschwitz solidarisch mit Israel sind — eine Position, die international befremdet. Aus aktuellem Anlass wird gefragt, wo legitime Kapitalismuskritik endet und antisemitische Muster beginnen, und warum diese Debatte nach dem 7. Oktober neue Schärfe gewonnen hat.
„Antideutsche sehen gerade angesichts der deutschen Verbrechen ihre Verantwortung darin, links sein zu denken, immer vom Dreh- und Angelpunkt des Antisemitismus aus, der eben die Nazis antrieb.“
Erwähnte Medien (26)
Bitcoin-Buch
Ijoma Mangold · 2023
Das größte Gerechtigkeitsversprechen seit Karl Marx »Mangold unternimmt eine ›Reise in den Kaninchenbau‹, die auch für den Leser zu einem intellektuellen Abenteuer wird.« Süddeutsche Zeitung Im Film »Matrix« muss sich der Held entscheiden, ob er die blaue oder die rote Pille schluckt. Die blaue lässt ihn vergessen, die rote die Wahrheit über die Welt erkennen.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:26 „Ich bin dieses Jahr auch selber mit meinem Bitcoin-Buch von jemandem gefragt worden, ob ich das nicht als signiertes Buch stifte“
Ijoma Mangold erwähnt sein eigenes Buch über Bitcoin im Kontext der Adventskalender-Diskussion
Brandenburg
Rainald Grebe
Rainald Grebes Lied "Brandenburg" wird von Jan Böhmermann und Olli Schulz humorvoll herangezogen, um zur Wahl in Brandenburg aufzurufen. Das bekannte Stück dient als musikalische Untermalung des Wahlaufrufs am Ende der Podcast-Episode und zeigt die zeitgenössische Relevanz des Songs für politische Diskussionen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:12:40 „Reisanbau in Brandenburg, das klingt irgendwie schon wie aus so einem Reinhard-Grebel-Lied oder irgendwie wie so irgendwas Kultiges ist sofort. Natürlich auch wegen dem Brandenburg.“
Lars Weisbrod vergibt einen Gegenwartscheck-Punkt für den Vorschlag 'Reisanbau in Brandenburg' und vergleicht die Formulierung spontan mit einem Lied von Rainald Grebe, dessen bekanntestes Stück 'Brandenburg' heißt. Die Assoziation entsteht durch den Ortsnamen und die kuriose Kombination.
Mein Kampf
Adolf Hitler · 2008
Autobiography of the founder of the National Socialist (Nazi) and dictator of Germany.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:24:46 „Adolf Hitler sowohl in Mein Kampf, aber auch in vielen Reden, kommt immer wieder auf den Genozid, und zwar in den 20er und frühen 30er, immer wieder auf den Genozid der Amerikaner an den Indianern zu sprechen.“
Im Gespräch über die antideutsche Linke und die Singularität deutscher Verbrechen erwähnt Mangold Hitlers Buch 'Mein Kampf'. Er weist darauf hin, dass Hitler darin wiederholt den Genozid an den indigenen Völkern Amerikas anführte – als eine Art vorauseilende Relativierung des noch bevorstehenden Holocausts.
Deutschland muss sterben, damit wir leben können
Slime
Slime aus Hamburg ist eine der bis heute einflussreichsten Punkbands in Deutschland. Sie wurde 1979 gegründet und löste sich 1994 nach einer vorübergehenden Trennung (während der jedoch immer mal wieder Konzerte stattfanden) und Wiedervereinigung auf. Slime war prägend für die damals dominierende politische Grundhaltung eines großen Teiles der deutschen Punkbewegung. Sie hatten extrem provozierende Texte. So besangen sie in "Deutschland muss sterben" den Untergang Deutschlands
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:26:37 „Nie, nie wieder Deutschland, das ist natürlich, aber da können sich vielleicht viele Linke dahinter stellen. Es gibt den berühmten Slime-Song, Deutschland muss sterben, damit wir leben können, als Antwort auf den Spruch, wir müssen sterben, damit Deutschland leben kann, mit dem die Soldaten in den Krieg gezogen sind.“
Lars Weisbrod zitiert den Punk-Song von Slime, um die Tradition der radikalen Deutschland-Ablehnung in der deutschen Linken zu illustrieren. Der Song kehrt einen nationalistischen Soldatenspruch um und steht für eine grundsätzliche Absage an den deutschen Staat, die über die spezifisch antideutsche Bewegung hinausgeht.
Das Leben des Brian
Terry Jones / Monty Python · 1979
Brian Cohen ist ein durchschnittlicher junger Jude, doch durch eine Reihe lächerlicher Ereignisse erlangt er den Ruf, der Messias zu sein. Wenn er nicht gerade seinen Anhängern ausweicht oder von seiner schrillen Mutter gescholten wird, muss sich der unglückliche Brian mit dem aufgeblasenen Pontius Pilatus und den von Akronymen besessenen Mitgliedern einer separatistischen Bewegung herumschlagen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:40 „Ja, es gibt den berühmten Witz aus Leben des Brian, wo sich die Volksfront von Palästina verstreitet mit der palästinensischen Volksfremden.“
Lars Weisbrod zieht eine Parallele zwischen den internen Streitigkeiten der Linken und der berühmten Szene aus dem Monty-Python-Film, in der sich linke Splittergruppen gegenseitig bekämpfen. Der Vergleich illustriert die Kleinteiligkeit ideologischer Auseinandersetzungen.
Der ewige Antisemit
Henryk M. Broder · 1986
Examines the prevalence of antisemitism in all classes of society and denies the contention that it is an exceptional symptom, specific to time and place. Although antisemitism is officially taboo in Germany, it still exists and is as popular as ever. The crime of the Holocaust has not abolished hatred of the Jews; on the contrary, Germans cannot forgive the Jews for what happened at Auschwitz.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:31:09 „In den 80er Jahren erscheint ein Buch, 1986 von Henrik M. Broder, der damals noch nicht die gewissermaßen schon fast Popfigur war, die er dann später geworden ist, aber durchaus eine vernehmliche Stimme und in diesem Buch geht er eben mit linken Antizionismus scharf ins Gericht und nennt diesen Antizionismus auch die zeitgemäße Form von Antisemitismus.“
Ijoma Mangold zeichnet die Vorgeschichte der antideutschen Bewegung nach. Henryk M. Broders Buch von 1986 wird als wichtiger intellektueller Vorläufer beschrieben, weil es erstmals die These aufstellte, dass linker Antizionismus eine moderne Form des Antisemitismus sei – eine Debatte, die bis heute andauert.
Ihr bleibt die Kinder eurer Eltern
Henryk M. Broder
Henryk Marcin Broder (Eigenbezeichnung Henryk Modest Broder; * 20. August 1946 in Katowice, Polen) ist ein deutscher Publizist und Buchautor. Broder schrieb nach der Schulzeit für Konkret, die Frankfurter Rundschau und die St. Pauli-Nachrichten. Von 1995 bis 2010 schrieb er hauptsächlich Kolumnen und Polemiken für das Magazin Der Spiegel und für die Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel. Seit 2011 ist er für Die Welt, Welt am Sonntag und Welt Online tätig.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:31:46 „Schon in einem offenen Brief an die Zeit 1981, etwas früher, der die Überschrift trug, Ihr, angesprochen sind natürlich die Deutschen, ihr bleibt die Kinder eurer Eltern, da fällt dann der Satz, euer Jude von heute ist der Staat Israel.“
Mangold erwähnt einen offenen Brief Broders in der ZEIT von 1981, der die provokante These enthielt, Israel sei der neue Jude der Deutschen. Der Brief wird als noch früherer Vorläufer der antideutschen Debatte eingeordnet.
Titanic
Titanic, British luxury passenger liner that sank on April 14–15, 1912, during its maiden voyage, en route to New York City from Southampton, England, killing about 1,500 people. One of the most famous tragedies in modern history, it inspired numerous works of art and has been the subject of much scholarship.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:35:28 „Ich bin ja so begeisterter Titanic-Leser. Und bei der Titanic steht bis heute im Impressum der Satz, die endgültige Teilung Deutschlands ist unser Auftrag.“
Lars Weisbrod erwähnt das Satiremagazin Titanic und dessen berühmten Impressum-Satz als Beispiel dafür, wie weit die Ablehnung der Wiedervereinigung im linken Milieu ging. Die Titanic wird dem antideutschen Lager zugeordnet.
Wolf Biermanns Text zur Israel-Solidarität im Golfkrieg
Wolf Biermann
Wolf Biermann, bekannt als DDR-Dissident und Musiker, schreibt 1991 für Die Zeit einen Kommentar zum Golfkrieg. Darin positioniert er sich erstmals öffentlich als Jude und befürwortet den Krieg gegen den Irak, was in linken Kreisen große Überraschung auslöst. Der Text markiert eine wichtige intellektuelle Intervention, in der Biermann sich von der friedensbewegten Haltung vieler Linker absetzt und für die Sicherheit Israels eintritt.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:38:56 „Aber dann gab es einen zentralen Text, auch damals in der Zeit veröffentlicht von Wolf Biermann. Und der schreibt nun, er fühlt sich als Jude und damit in der Israel-Solidarität und kann nicht verstehen, weshalb Deutsche gegen diesen Krieg protestieren, wo doch Saddam Hussein androht, Israel mit Gas wieder anzugreifen.“
Mangold beschreibt einen ZEIT-Text von Wolf Biermann zum Golfkrieg 1991 als zweite entscheidende Intervention im linken Lager. Biermann, bis dahin vor allem als DDR-Dissident bekannt, positionierte sich erstmals öffentlich als Jude und für den Krieg – was für Linke eine Schockwirkung hatte.
Saddam Hussein – ein Hitler von heute
Hans Magnus Enzensberger
Als Adolf Hitler am 30. April 1945 in seinem Bunker verendete, glaubten die meisten Überlebenden an die Einmaligkeit einer Figur, die keinen Vergleich mit anderen Gewalttätern der Geschichte zuzulassen schien. Diese Überzeugung, in der das Entsetzen…
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:40:26 „Und die andere entscheidende Intervention kam tatsächlich von Hans Magnus Enzensberger, die war im Spiegel veröffentlicht und da war der zentrale Punkt nicht Israel, sondern da wurde Saddam Hussein als ein Wiedergänger von Hitler, wäre falsch gesagt, aber der macht einfach die Rechnung auf zu sagen, so wie es richtig war, einen Krieg gegen Nazi-Deutschland zu führen, weil Hitler ein Weltvernichter war. So ist auch Saddam Hussein ein Weltvernichter und muss selbstverständlich gestoppt werden.“
Mangold beschreibt Enzensbergers im Spiegel veröffentlichten Beitrag zum Golfkrieg 1991 als eine der entscheidenden Interventionen, die einen Bruch im linken Lager auslösten. Enzensberger verglich Saddam Hussein mit Hitler und argumentierte für militärisches Eingreifen – eine für Linke damals unerhörte Position.
Essay zum Falklandkrieg
Karl Heinz Bohrer · 2015
Es gibt kulturelle, ästhetische und politische Handlungsformen, die einer Ökonomie der Zurückhaltung folgen. Handlung erscheint hier nicht nur als freiwilliges, affirmatives Tun, sondern auch als Zusammenspiel von Sich-Zurückhalten (Zaudern, Zögern, Diskretion) und Zurückgehalten-Werden (Nicht-Können, Nicht-Dürfen).
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:41:41 „Der hatte immer schon, der hatte in einem brillanten Essay den Falklandkrieg von Maggie Thatcher verteidigt. Wann war das? 86 oder so.“
Mangold erwähnt beiläufig einen Essay von Karl Heinz Bohrer, in dem dieser den Falklandkrieg verteidigte, um Bohrers Außenseiterrolle im linken Milieu zu illustrieren. Bohrer wird als jemand beschrieben, der die bundesrepublikanische Flucht vor der Weltgeschichte kritisierte.
konkret
Hermann L. Gremliza
"Vielleicht der größte Stilist des Landes": Hermann L. Gremliza, furioser Leitartikler und über fast ein halbes Jahrhundert lang Herausgeber von "konkret", ist mit 79 Jahren gestorben.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:43:05 „Der Denker Wolfgang Pauwels. Port war da sicher wichtig und der Herausgeber der Zeitschrift konkret Gremlitzer. Das sind vielleicht zwei Vordenker, die jetzt sozusagen jenseits dieses Enzensberger Milieus ja antideutsch wirklich vorgedacht haben.“
Weisbrod nennt die Zeitschrift konkret und ihren Herausgeber Gremliza als intellektuelle Leitmedien der antideutschen Bewegung im linksradikalen Lager – in Abgrenzung zur Feuilleton-Debatte um Enzensberger und Biermann.
Die Abstiegsgesellschaft / Libertärer Autoritarismus
Oliver Nachtwey · 2022
Oliver Nachtwey untersucht in seinem Werk den libertären Autoritarismus als prägende Strömung unserer Zeit: Menschen, die wirtschaftliche Freiheit fordern, aber gleichzeitig autoritäre Politik unterstützen. Seine Analyse hilft zu verstehen, wie sich politische Ideologien verschoben haben und welche neuen Bewegungen zwischen klassischen linken und rechten Grenzen entstehen.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:19 „Ein mittlerweile auch berühmter, ähnlich wie Danger Dan, auch ziemlich berühmter Soziologe. Durch ein Buch über den libertären Autoritarismus.“
Lars Weisbrod stellt den Soziologen Oliver Nachtwey vor und erwähnt sein bekanntes Buch als Referenz für dessen Expertise
Sex and the City
Darren Star · 1998
Die Protagonistinnen sind vier New Yorker Frauen, deren amouröse und sexuelle Erlebnisse und Freundschaft ebenso wie ihre Auseinandersetzungen, Diskussionen und Gedanken zu fast allen Fragen menschlicher Beziehungen dargestellt werden.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:53 „Ja, genau, da hätte man ein Bild aus Sex and the City drauf machen können, so als... um es zu unterminieren.“
Weisbrod erwähnt Sex and the City scherzhaft als Symbol für die sexuelle Befreiung, die als einziger tatsächlicher Erfolg der 68er-Bewegung gelten könnte – im Gegensatz zu deren gescheiterten politischen Zielen.
Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
Danger Dan
Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt ist ein aus der Ich-Perspektive geschriebenes Lied des Rappers Danger Dan. Der melodisch vorgetragene Text erklärt dem Zuhörer, es gehe in dem Stück darum, „die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten“ ist. Das Musikstück erschien am 26. März 2021 als erste Singleauskopplung aus seinem gleichnamigen Album bei dem eigenen Musiklabel seiner Band Antilopen Gang.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:50:02 „Und übrigens Danger Dan, der ja mittlerweile, glaube ich, der berühmteste der Antilopen Gang ist und vielleicht auch über die Berühmtheit der Antilopen Gang hinaus durch seine Solo-Art. Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt. Genau, ja.“
Ijoma Mangold verweist auf Danger Dans Solo-Erfolg, der ihn über die Antilopen Gang hinaus bekannt machte. Das Lied wird als Erkennungsmerkmal seiner Berühmtheit genannt, im Kontext einer Diskussion über die antideutsche Popkultur.
Interview mit Oliver Nachtwey
Lars Weisbrod
Der Soziologe Oliver Nachtwey („Zerstörungslust") über die Frustration großer Teile der Gesellschaft, die enttäuschte und in ihrem Status bedrohte Mitte, das Gefühl der Blockade und warum Faktenchecks gegen die Destruktivität nicht helfen
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:51:16 „Ich habe vor kurzem, vor zwei Jahren oder so, Oliver Nachtwey interviewt und es ging so ein bisschen um die Frage, was ist eigentlich noch links? Wann gibt es Querfronten zwischen links und rechts?“
Weisbrod erwähnt ein eigenes Interview mit dem Soziologen Oliver Nachtwey, in dem es um die Grenzziehung zwischen links und rechts ging. Nachtweys Position zu Occupy wird zitiert, um eine Gegenposition zur antideutschen Kritik an der Bewegung zu illustrieren.
Libertärer Autoritarismus
Oliver Nachtwey · 2022
Ein wichtiger und hochaktueller Beitrag zur Debatte über den Zustand unserer Demokratie Querdenker, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse infrage stellen, Journalisten, die sich als Rebellen gegen angebliche Sprechverbote inszenieren: Die Spätmoderne bringt einen Protesttypus hervor, der lautstark für individuelle Freiheiten streitet, etwa frei zu sein von Rücksichtnahme, von gesellschaftlichen Zwängen – und frei von gesellschaftlicher Solidarität.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:51:25 „Du musst kurz trotzdem sagen, wer Oliver Nachtwey ist. Ein mittlerweile auch berühmter, ähnlich wie Danger Dan, auch ziemlich berühmter Soziologe. Durch ein Buch über den libertären Autoritarismus.“
Weisbrod stellt den Soziologen Oliver Nachtwey vor und identifiziert ihn über sein bekanntestes Buch. Das Werk wird als Referenz für Nachtweys Expertise in Fragen der politischen Verschiebung zwischen links und rechts genannt.
Artikel über Antideutsche im Zeitmagazin
Mohamed Amjahid
Sie hassen Deutschland, stehen fest an der Seite Israels und lehnen jede Kritik an den USA ab. "Antideutsche" nennt sich diese Gruppe. Was sind das für Leute?
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:54:04 „Es gibt einen ganz lustigen Artikel von unserem früheren Kollegen Mohamed Amjahid im Zeitmagazin aus dem Jahr 2017“
Ijoma Mangold zitiert den Artikel als Beschreibung des antideutschen Lifestyles und Pop-Milieus, inklusive der Anekdote, Antideutsche seien Linke die sich duschen
Antideutsche in Connewitz (Zeitmagazin-Artikel)
Mohamed Amjahid
Sie hassen Deutschland, stehen fest an der Seite Israels und lehnen jede Kritik an den USA ab. "Antideutsche" nennt sich diese Gruppe. Was sind das für Leute?
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:56:24 „Es gibt einen ganz lustigen Artikel von unserem früheren Kollegen Mohamed Amjahid im Zeitmagazin aus dem Jahr 2017. Und da spricht er mit einer, erzählt er von einer antideutschen Kneipe in Connewitz in Leipzig.“
Ijoma Mangold zitiert den Zeitmagazin-Artikel, um die popkulturelle und ästhetische Seite der Antideutschen zu illustrieren. Der Artikel beschreibt den Lifestyle antideutscher Szenen und wird mehrfach im Gespräch referenziert – etwa die Bemerkung, Antideutsche seien 'Linke, die sich duschen', oder die Israel-Solidaritäts-Eat-Ins bei McDonald's.
Ungeduscht, Geduzt und Ausgebot
Max Goldt · 1988
Max Goldts humorvoller Essay-Band behandelt gesellschaftliche Phänomene und Lifestyle-Marker, die soziale Zugehörigkeit und kulturelle Identität signalisieren. Das Buch hinterfragt mit typisch Goldtscher Ironie die Codes und Distinktionsmittel verschiedener gesellschaftlicher Gruppen – vom Körperkult über Umgangsformen bis zur öffentlichen Wahrnehmung. Der Band ist relevant, da er die im Podcast diskutierten Themen um Antideutsche, Duschen als politisches Signalsystem und Lifestyle-Distinktion satirisch aufgreift und gesellschaftliche Konventionen spielerisch dekonstruiert.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:57:16 „Und ein Titel wie das herrliche Buch von Max Gold, Ungeduscht, Geduzt und Ausgebot, ist dann für dich auch schon heikel?“
Im Gespräch über das ästhetische Distinktionsmerkmal der Antideutschen – sie seien 'Linke, die sich duschen' – bringt Ijoma Mangold scherzhaft diesen Buchtitel ins Spiel, um Lars' Unbehagen gegenüber der Duschen-Metaphorik in politischen Kontexten zu testen. Es ist eine humorvolle Randbemerkung im Kontext der Lifestyle-Diskussion.
Alle gegen Alle
Zugezogen Maskulin
Zugezogen Maskulin war ein Berliner Hip-Hop-Duo, bestehend aus Grim104 und Testo. Das Duo präsentierte sich als Persiflage auf Gangsta-Rap und Macho-Attitüde, indem es verschiedene Klischees überspitzt und pointiert darstellte. Hinzu traten sarkastische und ironische Kommentare zum Zeitgeist. Testo hatte bereits 2024 sein Karriereende verkündet.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:58:15 „Es gibt einen anderen interessanten Song, der so von oben drauf guckt, von der von mir auch sehr geschätzten Rap-Crew, zugezogen maskulin, heißt Alle gegen Alle und beleuchtet sozusagen so Atomisierung der Gesellschaft und verschiedene Fraktionen, die nur noch gegeneinander sich äußern.“
Lars Weisbrod empfiehlt den Song als treffende Beschreibung der Zersplitterung innerhalb der Linken. Der Track thematisiert, wie verschiedene Fraktionen nur noch gegeneinander agieren, und bringt den innerlinken Konflikt zwischen Antideutschen und Antiimperialisten auf den Punkt: ob man für Merkava oder Makarov ist.
Leitartikel über Islamofaschismus
Josef Joffe
Leitartikel von Josef Joffe zur Islamofaschismus-Debatte, die in deutschen Medien große Aufmerksamkeit erregte. Der Text war Teil der damaligen öffentlichen Diskussion über Islamkritik und die Frage, wie man religiöse Extremismus-Phänomene angemessen beschreibt.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:03:27 „ich erinnere auch an einen Leitartikel von Josef Joffe, der damals große Wellen schlug vom Islamofaschismus“
Ijoma Mangold erwähnt den Leitartikel als Teil der damaligen Islamkritik-Debatte, in der der Begriff Islamofaschismus geprägt wurde
Deutschland schafft sich ab
Thilo Sarrazin · 2025
"Deutschland schafft sich ab" löste 2010 bei seinem Erscheinen eine heftige gesellschaftspolitische Debatte aus. Es gab Versuche, den Inhalt zu skandalisieren, den Autor moralisch in die Ecke zu stellen und die inhaltlichen Argumente, die das Buch tragen, lächerlich zu machen. Von den Vorschlägen zur Abhilfe, die er in dem Buch machte, hat die deutsche Politik wenig bis gar nichts umgesetzt.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:03:56 „Auch weil das Buch von Sarrazin Deutschland schafft sich ab, dann damals erschien. Ich glaube, das erschien 2010. Aber schon vorher gab es diese Diskussion.“
Mangold nennt Sarrazins Buch als zeithistorischen Marker für die Islamkritik-Debatte, in der sich die Antideutschen auf die Seite der scharfen Islamkritik schlugen. Es dient als Referenzpunkt, um die Spannungen zwischen verschiedenen linken Positionen zur Islamkritik einzuordnen.
Die Achse des Guten
Die Achse des Guten ist ein rechtsgerichtetes Politikblog aus Berlin, das sich selbst als "pro-westlich" beschreibt und seit 2004 täglich aktualisiert wird. Es bietet eine Plattform für kritische Stimmen zu Themen wie Islam, Antisemitismus und Klimapolitik. Der Titel ist ein Wortspiel auf George W. Bushs "Achse des Bösen". Gründer Michael Miersch verließ das Blog 2015 mit der Kritik, dass sich eine Stimmung ausgebreitet habe, die mit der ursprünglichen liberalen und aufgeklärten Ausrichtung unvereinbar sei. Das Portal erreicht zwischen eine und fünf Millionen Besuche und bietet alle Inhalte kostenlos an.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:05:48 „Ich glaube, man kann da ganz gut das Blog die Achse des Guten nennen, die sicher ihre Wurzeln im Antideutschen haben, die dann aber einfach zu einem, ja, mindestens einem rechtsliberal-konservativen Projekt, der gegen Medien wurden.“
Lars Weisbrod nennt das Blog 'Achse des Guten' als Beispiel dafür, wie Teile der antideutschen Bewegung nach rechts drifteten. Das Blog habe seine Wurzeln im antideutschen Milieu, sei aber zu einem rechtsliberal-konservativen Medienprojekt geworden – ein Beleg für den von Oliver Nachtwey beschriebenen 'Drift'.
Aufsätze über Antikapitalismus und Antisemitismus
Moishe Postone · 1997
Postones Aufsätze analysieren die strukturelle Verbindung von Antikapitalismus und Antisemitismus: Der Begriff des Abstrakten wird sowohl zur Kapitalismuskritik als auch zur antisemitischen Konstruktion des Juden als wurzelloses Wesen einer entwurzelten, universellen Macht herangezogen.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:08:50 „Ich beschließe diese Diskussion mit einer Fußnote, nämlich zu einem wichtigen marxistischen Historiker, Moishe Postone. Ich glaube in Chicago hat er gelehrt, der hat einige wesentliche Aufsätze veröffentlicht, die im Merkur nachzulesen sind, über den Zusammenhang von Antikapitalismus und Antisemitismus.“
Mangold bringt Postones Aufsätze als theoretischen Schlussstein der Diskussion ein. Postone argumentiert, dass der Begriff des Abstrakten das Verbindungsstück zwischen Antikapitalismus und Antisemitismus sei – der Kapitalismus gelte als abstrakt, und im Antisemitismus werde der Jude als wurzelloser Träger dieses Abstrakten wahrgenommen. Lars Weisbrod ergänzt, dass Postone als Antikapitalist die Analyse anders akzentuiere als Mangold es darstellt.
Dialektik der Aufklärung
Theodor W. Adorno, Max Horkheimer · 2010
Die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gemeinsam verfasste »Dialektik der Aufklärung« ist der wichtigste Text der Kritischen Theorie und zugleich eines der klassischen Werke der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Philosophische Kritik, Auseinandersetzung mit dem Faschismus und die Resultate langjähriger empirischer Untersuchungen in den USA verschmelzen hier zu einer Theorie der modernen Massenkultur.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:11:04 „Jetzt wird es sehr philosophisch, aber das sind natürlich auch Gedanken, die man sicher auch bei Adorno und in der Dialektik der Aufklärung findet. Da heißt es dann das Allgemeine und das Besondere und da ist es dann eher die Moderne, die Aufklärung, die das irgendwie falsch auseinanderzieht.“
Lars Weisbrod verweist auf die 'Dialektik der Aufklärung', um Postones Gedanken zum falschen Widerspruch zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten philosophiegeschichtlich einzuordnen. Bei Adorno und Horkheimer werde ein ähnliches Motiv verhandelt: die Aufklärung ziehe das Allgemeine und das Besondere falsch auseinander.