Episoden von Unter Pfarrerstöchtern
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Die Trennung der Religionen
Sabine Rückert & Johanna Haberer
In dieser Übergangsfolge vom Alten zum Neuen Testament erkunden die Schwestern die zwischentestamentarische Zeit: Warum verstummte Gott, warum endete die hebräische Bibel — und wie trennten sich Judentum und Christentum als Schwesterreligionen? Johanna Haberer erklärt, wie die Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. und die Synode von Jamnia beide Seiten zwangen, ihre Identität neu zu definieren — die Juden über das Gesetz und die Schriften, die Christen über die Botschaft an alle Völker. Besonders eindrücklich: Jack Miles' literarische Lesart, wonach Gott im Alten Testament als Romanfigur verstummt — und im Neuen Testament den Sprung vom Werk ins Leben wagt, indem er Mensch wird.
Die Poesie der Erotik
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Mit dem Hohelied Salomos endet die Erkundung des Alten Testaments — und die Schwestern haben sich bewusst für diesen Schluss entschieden: Nicht Hiobs Klage, sondern die glutvolle Liebespoesie der Bibel soll die Brücke zum Neuen Testament schlagen. Sie tauchen ein in die bildreiche Erotik des Textes, in dem Gazellen, Granatäpfel und Myrrhenberge die Schönheit einer Frau besingen — ein überraschend sinnlicher Kontrapunkt nach eifernden Propheten und einem strafenden Gott.
Hiob besiegt Gott
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Gott antwortet Hiob endlich aus dem Wettersturm — doch statt Gerechtigkeit liefert er einen überwältigenden Naturvortrag über Nilpferde, Krokodile und die Gesetze der Schöpfung. Die Schwestern streiten darüber, ob Hiob am Ende einknickt oder triumphiert: Jack Miles argumentiert, dass Hiob Gott moralisch besiegt und ihn für den Rest des Alten Testaments zum Schweigen bringt.
Hiob – warum muss der Mensch leiden
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Im Buch Hiob inszeniert die Bibel eine spektakuläre Himmelswette: Gott setzt seinen treuesten Diener aufs Spiel, weil der Satan bezweifelt, dass Hiobs Frömmigkeit mehr ist als ein gutes Geschäft. Der reiche, untadelige Hiob aus dem Lande Us wird zum Versuchsobjekt einer Frage, die bis heute unbequem bleibt — ob Glaube ohne Gegenleistung überhaupt existiert.
Ein Ende im Chaos
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Schwestern schließen das erste Buch der Makkabäer ab und streifen dabei eine spannende Frage: War es der Tyrann Antiochus IV., der den Juden ihren Glauben nahm — oder waren es liberale Juden selbst, die ihn zum Eingreifen einluden? Das zweite Makkabäer-Buch erzählt nämlich von einem innerjüdischen Parteienstreit zwischen Frommen und Griechenfreunden, der die Katastrophe erst auslöste. Ein klassisches Henne-Ei-Problem der Religionsgeschichte.
Judas, genannt der Hammer
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Episode erzählt die Geschichte des Judas Makkabäus, Sohn des Matathias, der den jüdischen Aufstand gegen die griechische Übermacht anführte — lange bevor der Name Judas einen schlechten Klang bekam. Mit einer Handvoll schlecht versorgter Kämpfer besiegte er erst den Statthalter Apollonius, dann den syrischen Befehlshaber Zeron, angetrieben von der Überzeugung, dass der Sieg nicht von der Truppenstärke abhängt, sondern vom Himmel kommt. Die David-gegen-Goliath-Parallele wird bis in die Gegenwart gezogen — etwa zur Ukraine gegen Russland.
Alles ein Haschen nach Wind
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Diese Folge widmet sich dem Buch Kohelet, dem Prediger — ein Text, der beide Schwestern an die morgendlichen Bibellesungen ihrer Kindheit erinnert, inklusive fragwürdiger Weisheiten über Schweine mit goldenen Halsbändern. Eingebettet in die hellenistische Zeit nach Alexander dem Großen, entsteht die jüdische Weisheitsliteratur als intellektuelle Antwort auf die griechische Philosophie — mit der provokanten These, dass sich die Welt mit reinem Verstand eben nicht fassen lässt.
Die Apachen des Nahen Ostens
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Makkabäer-Bücher führen mitten hinein in die blutige Besatzungsgeschichte Israels — von den Assyrern über die Perser bis zu Alexander dem Großen, der mit gerade mal 18 Jahren seinen Feldzug begann und mit 30 bereits tot war. Johanna Haberer berichtet von ihrem jüngsten Israel-Besuch, wo ein Führer auf dem Tempelberg ihr erklärte, das Land sei 35 Mal von fremden Mächten überrannt worden. Im Zentrum steht die Familie der Hasmonäer, deren Beiname „Makkabäer
Auf Du und Du mit dem Göttlichen
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil drehen sich alle Bemühungen der Israeliten um den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem — das theologische Großprojekt der Zentralisierung des Glaubens findet hier seinen Höhepunkt. Die Schwestern unterbrechen die chronologische Erzählung des Volkes Israel, um einen Blick in den Zweiten Tempel zu werfen: Wie sah der Gottesdienst aus, was wurde dort eigentlich getrieben? Die Makkabäer-Aufstände und den jüdischen Bürgerkrieg, der Jahrhunderte später folgt, kündigen sie für die nächste Folge an.
Wer sind die wahren Juden
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Diese Folge widmet sich dem Buch Esra, das in Kirchen und Religionsunterricht kaum vorkommt, aber für die Entstehung des heutigen Judentums zentral ist. Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil darf das Volk Israel den Tempel in Jerusalem nur wiederaufbauen, weil der persische König Kyros es ausdrücklich genehmigt — eine Abhängigkeit von fremden Machthabern, in der sich die Rückkehrer eingerichtet haben.