Kim de l'Horizon, warum sind Hexen politisch
Christoph Amend, Jochen Wegner & Kim de l'Horizon
Kim de l'Horizon, gefeiert für den Doppelerfolg mit dem Debütroman «Blutbuch» (Deutscher und Schweizer Buchpreis 2022), spricht über radikale Unvorbereitetheit als Lebenskonzept, die Frage, warum Heiraten überhaupt erstrebenswert sein soll, und darüber, dass nicht das Individuum, sondern Politik und Konzerne für den CO2-Ausstoß zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Dabei verschiebt Kim konsequent die Schuldfrage vom Kapitalismus noch weiter zurück — zum Patriarchat als eigentlichem Ursprung.
„Der Kapitalismus ist schuld. Nee, nee, ich würde sagen, das Patriarchat ist am Anfang. Der Kapitalismus joined the team.“
Erwähnte Medien (53)
Und was machst du am Wochenende?
Christoph Amend
Jede Woche fragen Ubin Eoh und Christoph Amend eine Gästin oder einen Gast “Und was machst du am Wochenende?“. Eine Stunde lang geht es um die zwei kürzesten Tage der Woche – um Rituale, Erinnerungen, Erholungsversuche und um jede Menge Empfehlungen für ein gelungenes Wochenende: Bücher und Spiele, Serien und Filme, Getränke und Snacks, der nächste große Hit und Produkte aller Qualität und Art.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:05:04 „Herausgeber der Weltkunst und Podcast-Zweithost bei Und was machst du am Wochenende?“
Erwähnt als weiterer Podcast von Christoph Amend bei der Vorstellung der Gastgeber
Blutbuch
Kim de l'Horizon · 2022
Die Erzählfigur in ›Blutbuch‹ identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem Schweizer Vorort, lebt sie nun in Zürich, ist den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und in der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh...
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:05:58 „Kim de l'Horizon ist eine genderfluide Person aus der Schweiz, die Lyrik, Prosa und Dramen verfasst und 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis mit dem autofiktionalen Roman Debüt Blutbuch gewonnen hat. Das Buch ist ein Bestseller. Und auch ein Knaller.“
Blutbuch ist das zentrale Thema der Folge. Jochen Wegner stellt Kim de l'Horizon vor und beschreibt den autofiktionalen Debütroman, der sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis 2022 gewonnen hat. Beide Gastgeber betonen ihre Begeisterung für das Buch, Wegner sagt, er habe nach drei Seiten gewusst, dass er mit diesem Menschen sprechen wolle.
2666
Roberto Bolaño · 2016
Imprescindible. Apocalíptica. Única. La novela que abrió el camino a seguir por la narrativa del siglo XXI. La ciudad mexicana de Santa Teresa -trasunto de Ciudad Juárez- atrae como un imán a los protagonistas. Cuatro críticos literarios europeos viajan hasta Sonora tras las huellas del escritor desaparecido Benno von Archimboldi, cuya vida se refiere en la parte final de la novela.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:08:51 „Und witzigerweise, es gibt ja so eine Art offiziellen Lebenslauf des Verlags, geboren 2666, was schon mal super war, übrigens tolles Buch, 2666, Roberto Bolano.“
Wegner erwähnt, dass Kim de l'Horizons fiktiver Verlagslebenslauf das Geburtsjahr 2666 angibt. Er erkennt darin sofort eine Anspielung auf Roberto Bolaños gleichnamigen Roman und kommentiert begeistert, es sei ein tolles Buch.
Die Abschaffung der Arten
Dietmar Dath · 2008
Science-Fiction-Roman von Dietmar Dath (2008), in dem die Menschheit spurlos verschwunden ist und die verbleibenden Tiere versuchen zu verstehen, was geschah. Das Buch erkundet eine Welt ohne menschliche Dominanz und Artengrenzen – eine Vision, die Fragen zur Identität und Körperlichkeit aufwirft. Daths spekulatives Gedankenexperiment verbindet existenzielle Rätsel mit einer dystopischen Tierwelt und wurde besonders für seine radikale Neuperspektivierung bekannt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:11:34 „In Dietmar Darts, die Abschaffung der Arten, eine Untersuchung zur Biopolitik der Zukunft“
Erwähnt im Zusammenhang mit Kims Bachelorarbeit, die sich mit diesem Roman beschäftigt. Kim empfiehlt das Buch ausdrücklich als tolles Buch
Modekolumne über das Älterwerden
What exactly is ‘ageless’ dressing? Is it self-hating to worry about the size of my bum in jeans? Viv Groskop (nearly 50) navigates the daunting world of midlife fashion
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:15:13 „Es gibt einen ganz tollen Modekolumnisten, dessen Name ich nicht einfinde, im Guardian, der irgendwann vor ein paar Jahren eine Kolumne geschrieben hat, hey, ich bin jetzt über 50. Ich habe einen kompletten Kleiderschrank voll mit diesen jungen, hippen Dingen und ich ziehe jetzt aufs Land und bin alt und werde grau und sollte ich mich vielleicht mal anders kleiden.“
Im Gespräch über gesellschaftlichen Druck bei Kleidung und Auftreten erinnert sich Jochen Wegner an eine Guardian-Kolumne eines Modekolumnisten, dessen Name ihm entfallen ist. Der Autor reflektiert darin, ob man sich mit über 50 anders kleiden sollte – etwa keine Sneakers mehr tragen. Wegner erzählt, dass er daraufhin wochenlang andere Schuhe trug, es dann aber wieder ließ.
Night Call
Kavinsky
Ikonisches Elektrostück mit Synthwave-Elementen und atmosphärischer, melancholischer Stimmung. Das Lied wurde durch den Film "Drive" zum kulturellen Phänomen. Eine zeitlose Meditation zwischen Neon und Nostalgie, die Elektronik und menschliche Emotion verbindet.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:20:00 „Cover-Version eines fantastischen Liedes von Kavinsky“
Kim hat dieses Lied bei der Deutschen Buchpreisverleihung gesungen, bevor die Haare rasiert wurden
Drive
Nicolas Winding Refn · 2011
Tagsüber arbeitet "Driver" unauffällig als Stuntfahrer in Hollywood, abends holt er sich seinen Kick, indem er Aufträge für die Mafia erledigt und sein Können als halsbrecherischer Fahrer von Fluchtautos unter Beweis stellt. Als einer der Raubzüge schiefgeht, gerät er unter Verdacht seiner Auftraggeber, die ein Kopfgeld auf ihn aussetzen. Fortan muss er beweisen, wie viel ihm an seinem Überleben gelegen ist.
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:20:00 „Aus dem Film Drive.“
Erwähnt als Herkunft des Original-Songs Night Call von Kavinsky
Nightcall
Kavinsky und Lovefoxxx
Atmosphärisches Synthwave-Stück mit hypnotischen Synthesizern und melancholischem Charakter. Die Komposition besticht durch ihren slowburn-Aufbau und wurde in verschiedenen Interpretationen, von elektronisch dicht bis seelenvoll, dargeboten. Ein ikonischer Song, der Elektronik und emotionale Tiefe vereint.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:20:19 „Auch das, ja. Auch das noch. Night Call. Cover-Version eines fantastischen Liedes von Kavinsky.“
Bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises sang Kim de l'Horizon den Song 'Nightcall' auf der Bühne, bevor die Kopfrasur folgte. Christoph Amend bezeichnet das Original von Kavinsky als 'fantastisches Lied'. Es wird diskutiert, dass Kim eher die langsamere, soulful Cover-Version von London Grammar gesungen hat.
Night Call (Cover)
London Grammar
London Grammar ist eine dreiköpfige britische Indie-Pop-Band. Sie besteht aus Hannah Reid, Dot Major und Dan Rothman. Sängerin Reid und Gitarrist Rothman lernten sich im Studentenwohnheim der Nottinghamer Universität kennen. 2009 gründeten sie London Grammar und traten zunächst nur als Coverband auf. Nachdem Schlagzeuger Major zur Gruppe hinzugestoßen war, entstanden die ersten eigenen Lieder. Es folgten weitere lokale Auftritte vor zumeist kleinem Publikum; die Band blieb jedoch noch weitgehend unbekannt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:20:43 „Und dann gibt es diese Cover-Version von London Grammar. Die ist so richtig soulful und langsam. Du hast mehr die London Grammar-Version gesungen, oder?“
Wegner unterscheidet zwischen dem Elektro-Original von Kavinsky und der langsameren Cover-Version von London Grammar. Kim bestätigt, eher die London-Grammar-Version auf der Buchpreisverleihung gesungen zu haben.
Inglourious Basterds
Quentin Tarantino · 2009
Im von Deutschland besetzten Frankreich muss Shosanna ansehen wie ihre Familie durch Oberst Hans Landa brutal ermordet wird. Sie kann entkommen und flieht nach Paris. Gemeinsam mit seinen 8 Männern, einer Elitetruppe aus jüdisch-amerikanischen Soldaten, will Offizier Aldo Raine systematische Vergeltungsschläge gegen Nazis durchführen. Sie werden in Frankreich abgesetzt, um dort unterzutauchen. Von den Deutschen als ‚Die Bastarde' gefürchtet versuchen sie den Führer des III. Reichs zu töten.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:35:25 „Und der wurde dann eben gecastet für diesen Film von Quentin Tarantino, Inglourious Basterds. Und der Film hatte dann Weltpremiere in Cannes. Und er hat mir eben erzählt, dass sie im Hotel gemeinsam losgefahren sind und Quentin Tarantino, wenn ich mich richtig erinnere, saß neben ihm und meinte zu ihm, genieß noch die letzten drei Minuten deines Lebens, die du nicht bekannt bist.“
Christoph Amend erzählt eine Anekdote über den Schauspieler Christoph Waltz, den er einmal porträtiert hat. Waltz war lange nur mittelmäßig erfolgreich, bis er für Tarantinos Film gecastet wurde. Amend zieht eine Parallele zu Kim de l'Horizons plötzlicher Bekanntheit nach der Buchpreisverleihung.
Subito
Rainald Goetz · 2018
In addition to established playwrights such as Heinar Kipphardt, Franz Xaver Kroetz, and Heiner Muller, the book looks at the younger generation of playwrights not yet fully taken into account by research: writers such as Oliver Bukowski, Dea Loher, Marius von Mayenburg, Albert Ostermaier, and Theresia Walser.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:37:11 „Es gab eben die legendäre Szene, die auch so ikonisch ist bis heute, dass Reinhard Götz, ein Autor, der dort auftrat, sich die Stirn aufgeritzt hat. An mehr erinnere ich mich nicht mehr, aber es war eine irre Erfahrung, das zu sehen.“
Jochen Wegner zieht einen Vergleich zwischen Kims Performance bei der Buchpreisverleihung und Rainald Goetz' legendärem Auftritt beim Ingeborg-Bachmann-Preis 1983 in Klagenfurt, bei dem sich Goetz die Stirn aufritzte. Kim ordnet dies als wichtige Punk-Geste gegen den bürgerlichen Literaturbetrieb ein.
The White Lotus
Mike White · 2021
The White Lotus folgt dem Aufenthalt verschiedener Gäste in exklusiven Resorts der fiktiven Hotelkette "The White Lotus". Jede Staffel spielt an einem anderen Ort und begleitet eine Woche im Leben der Hotelgäste und des Personals – von der Ankunft bis zu einem meist tragischen Ende. Hinter der glamourösen Fassade entspinnen sich persönliche Dramen, zwischenmenschliche Konflikte und gesellschaftliche Spannungen, die langsam eskalieren.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:39 „Und da gibt es auch so, ich habe gerade in diesem White Lotus, dieser Serie von, ich weiß gar nicht, HBO oder was ist das? ... Also das ist jetzt die zweite Staffel, ich fand die erste wahnsinnig viel besser, aber in der zweiten Staffel gibt es eine Szene, die dieses Gefühl des eigentlich immer schon Gewalt angetan worden Seins so wahnsinnig gut bebildert für mich hat.“
Kim de l'Horizon beschreibt ausführlich eine Szene aus der zweiten Staffel von The White Lotus, in der eine Frau in einem sizilianischen Städtchen plötzlich von Männerblicken umzingelt wird. Für Kim ist diese Szene ein perfektes filmisches Abbild des Gefühls, als queere Person im öffentlichen Raum ständig latenter Gewalt ausgesetzt zu sein. Die Szene wird sehr detailliert nacherzählt und dient als zentrales Beispiel für die Diskussion über Gewalterfahrungen markierter Körper.
Phantom und Fixierung. Zur Philosophie des Besitzes
Eva von Redecker
A Harvard evolutionary biologist presents an engaging discussion of how the human body has evolved over millions of years, examining how an increasing disparity between the needs of Stone Age bodies and the realities of the modern world are fueling a paradox of greater longevity and chronic disease.
🗣 Kim de l'Horizon zitiert daraus bei ⏱ 00:58:08 „Hier zitiere ich auch gerne eben Eva von Redecker, diese tolle Philosophin, die über Besitz spricht oder schreibt und sagt, Besitz ist ein Kapitalismus, so verstehe ich sie eigentlich, das Recht zu zerstören. Also wenn ich ein Land besitze, ein Stück Land, dann darf ich darauf bauen, aber de facto habe ich eigentlich auch das Recht, da Giftstoffe reinzupumpen.“
Kim de l'Horizon zitiert die Philosophin Eva von Redecker und deren These, dass Besitz im Kapitalismus das Recht zu zerstören bedeute. Kim nutzt diesen Gedanken, um zu erklären, wie heteropatriarchale und koloniale Strukturen das Gefühl erzeugen, dass bestimmten Körpern Gewalt angetan werden dürfe – analog zum Recht, Besitz zu zerstören.
Balkanstraße
Zeitungsartikel über die sogenannte "Balkanstraße" in einem Zürcher Vorort, wo Autorin Kim de l'Horizon als Studentin lebte. Die Artikel thematisieren diese Straße und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Im Roman reflektiert die Figur Kim über ihre Erfahrungen dort, Klassenunterschiede und eigene Vorurteile, die mit der sozialen Realität dieser Wohngegend verknüpft sind.
🗣 Kim de l'Horizon erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:02:56 „Genau und die Figur ist da und das war eben da, wo die Figur noch jünger war, wirklich so, wie das so ist, irgendwie billiger und die hat da in so einer Studenten-WG gewohnt. Es gibt auch so Zeitungsartikel darüber, wo das eben Balkanstraße genannt wird, also es ist nicht mein Begriff so.“
Kim de l'Horizon spricht über eine Straße in einem Zürcher Vorort, die in Zeitungsartikeln als 'Balkanstraße' bezeichnet wird. Die Figur Kim im Buch wohnt dort als Studentin und reflektiert über Klasse und eigene Vorurteile. Die konkreten Artikel werden nicht namentlich benannt.
Dossier über KI-Selbstbewusstsein bei Google
Das Dossier behandelt den kontroversen Fall eines Google-Forschers, der behauptete, dass das Chatprogramm LaMDA Bewusstsein entwickelt habe, und deshalb entlassen wurde. Der Artikel untersucht die Frage, ob KI-Systeme echte Persönlichkeit und Selbstbewusstsein besitzen können oder ob dies eine Illusion durch geschickte Sprachmodellierung ist. Das Stück beleuchtet die wissenschaftlichen und ethischen Debatten darüber, wie man Bewusstsein bei künstlicher Intelligenz überhaupt testen und nachweisen kann.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:25:45 „Der Fall wurde auch vor kurzem in der Zeit sehr ausführlich in einem Dossier behandelt.“
Nachdem Jochen Wegner den Fall eines Google-Forschers erwähnt, der gefeuert wurde, weil er behauptete, ein Chatprogramm habe Selbstbewusstsein entwickelt, verweist Christoph Amend auf ein ausführliches Dossier in der Zeit, das diesen Fall behandelt hat.
Die Neue Rundschau
S. Fischer Verlag
Die Neue Rundschau ist eine traditionsreiche Literaturzeitschrift des S. Fischer Verlags mit langer Geschichte. Die Zeitschrift publiziert hochwertige literarische Arbeiten und ist vergleichbar mit anderen angesehenen Literaturmagazinen wie dem Merkur. Für diese renommierte Publication entstand ein Auftragstext in Form eines Hexen-Gedichts von Kim de l'Horizon.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 01:55:54 „Also das eine ist eigentlich so ein Auftragstext, also für so die neue Rundschau, ich glaube vom Fischer Verlag oder so.“
Kim de l'Horizon erzählt, dass eines der mitgebrachten Hexen-Gedichte als Auftragstext für die traditionsreiche Literaturzeitschrift Die Neue Rundschau entstanden ist. Christoph Amend ordnet sie als 'altwürdige Literaturzeitschrift' ein, vergleichbar mit dem Merkur.
Das Leben der infamen Menschen
Michel Foucault · 2001
Infamie (lateinisch infamia „Schande, Schimpf“, wörtlich „Unaussprechliches“) bezeichnet im gewöhnlichen Sprachgebrauch ein ehrloses (gemeines oder heimtückisches) Handeln oder die Ehrlosigkeit als solche. Begrifflich setzt Infamie eine Gesellschaft voraus, die ein bestimmtes Verständnis von „Ehre“ besitzt. Rechtshistorisch versteht man unter Infamie oder Verrufenheit den Zustand eingeschränkter Rechtsfähigkeit infolge der Aberkennung oder Schmälerung der bürgerlichen Ehrenrechte einer Person.
🗣 Kim de l'Horizon zitiert daraus bei ⏱ 01:57:14 „Foucault hat es so beschrieben, das Leben der Infamen, dass eigentlich diese Menschen, die irgendwie anders waren und irgendwie gegen die Regeln verstoßen haben, sie treten in Existenz zu uns zurück. Durch einen Blitzschlag in dem Moment, in dem sie mit dem Gericht und der Obrigkeit eigentlich aufeinandertreffen.“
Kim de l'Horizon greift Foucaults Essay auf, um zu erklären, warum wir von den als Hexen verfolgten Menschen so wenig wissen. Foucaults Kerngedanke – dass marginalisierte Menschen nur im Moment ihrer Konfrontation mit der Macht kurz sichtbar werden und dann wieder verschwinden – wird direkt auf die Hexenprozess-Akten übertragen.
Sagt mir, was ich gestehen soll
Historische Monografie über Hexenverfolgung und die erzwungenen Geständnisse von Verfolgten unter Folter. Die Studie untersucht systematisch, wie Geständnisse während Hexenprozessen nicht aus freiem Willen entstanden, sondern gezielt durch Torture extrahiert wurden.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 02:05:27 „die eine Historikerin, die hat auch einen Text geschrieben, sagt, was ich gestehen soll. Das ist so der Titel ihrer Monografie. Sagt mir, was ich gestehen soll, wenn ihr mich foltert.“
Eine Monografie über Hexenverfolgung, die zeigt, dass Geständnisse unter Folter erzwungen wurden – Autorin wird nicht klar benannt
Sagt mir, was ich gestehen soll
· 2021
Ein gefälschter Sexblog, zwei umwerfende Männer und die komplizierteste Liebesgeschichte Irlands! Claire Kennedy – alias NiceGirl – ist die Verfasserin eines heißen Sexblogs. Was ihre zahlreichen Fans jedoch nicht wissen: Bücherwurm Claire ist nicht ganz so erfahren und experimentierfreudig im Bett wie ihre Online-Persona ... Doch dann wird der Londoner Verleger Mark Bell auf Claire aufmerksam, und zwischen den beiden sprühen die Funken.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 02:05:45 „Also die eine Historikerin, die hat auch einen Text geschrieben, sagt, was ich gestehen soll. Das ist so der Titel ihrer Monografie.“
Kim de l'Horizon verweist auf eine wissenschaftliche Monografie über Hexenverfolgung, deren Titel die Absurdität erzwungener Geständnisse unter Folter zusammenfasst. Kim kann sich im Moment nicht an den Namen der Historikerin erinnern, der Titel der Monografie wird aber als besonders treffend hervorgehoben.
Anrufung an die schimmlige Hebamme Ann Vollmers
Kim de l'Horizon
Kim de l'Horizon performt ein Gedicht zum Gedenken an Ann Vollmers, eine in Köln als vermeintliche Hexe ermordete Hebamme. Das Gedicht wurde im Schauspiel Köln uraufgeführt und setzt sich künstlerisch mit diesem historischen Unrecht auseinander. Es dokumentiert eine Form der künstlerischen Aufarbeitung von Hexenverfolgungen und deren Opfern in der deutschen Geschichte.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:09:34 „Anrufung an die schimmlige Hebamme Ann Vollmers. Enfolmas, Enfolmas, Enfolmas, wir sind heute hier und du, du bist es heute nicht.“
Kim performt ein eigenes Gedicht zum Gedenken an eine in Köln als Hexe ermordete Hebamme – das Gedicht wurde tags zuvor im Schauspiel Köln uraufgeführt
Caliban und die Hexe
Silvia Federici · 2017
Caliban and the Witch: Women, the Body and Primitive Accumulation ist ein Buch der italienisch-US-amerikanischen Wissenschaftlerin und Aktivistin Silvia Federici, das 2004 veröffentlicht wurde. Es gilt als ein einflussreiches Werk der feministischen Theorie, insbesondere des marxistischen Feminismus. Das Buch bietet eine alternative Lesart zur marxistischen Theorie der „ursprünglichen Akkumulation“ und legt dabei den Fokus auf die Rolle der Frauen und der Reproduktionsarbeit im Übergang zum Kapi...
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 02:24:11 „Ich würde gerne noch über die Hexenverfolgung aus Silvia Federicis Sicht sprechen, die auch sehr wichtig war für mein Buch, die die Hexenverfolgung aus feministischer, marxistischer Perspektive anguckt.“
Kim de l'Horizon stellt Silvia Federicis Analyse der Hexenverfolgung als zentrale Inspiration für das eigene Schaffen vor. Federici argumentiert, dass die Hexenverfolgung eng mit der Herausbildung des modernen Kapitalismus zusammenhängt – insbesondere mit der Einhegung der Allmende, der Privatisierung von Gemeingütern und der Kriminalisierung weiblichen Heilwissens. Kim referiert Federicis Thesen ausführlich und zeigt, wie die Unterdrückung von Hebammen und Kräuterkundigen der Konzentration medizinischen Wissens an Universitäten und männlichen Ärzten diente.
Monografie über die Hexenverfolgung am Niederrhein
· 2021
In Gerresheim (heute: Düsseldorf) kam es 1737 zum letzten Hexenprozess im Rheinland. Angeklagt waren zwei Frauen: Helene Mechthild Curtens (ca. 15 Jahre) und Agnes Olmans (ca. 45 Jahre). Das Buch zeichnet ihren Lebens- und Leidensweg nach und beleuchtet die Rolle der beiden ermittelnden Richter. Hierfür hat der Autor alle erhaltenen Original-Akten gesichtet und ausgewertet.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 02:51:22 „Ich hab so eine tolle Monografie eben über die Hexenverfolgung im Niederrhein, am Niederrhein gefunden, dass auch den Haare, also dass oft die Männer, die dann diese Frauen angeklagt haben, irgendwie sagen, sie hat mir so ein Haarbüschel unters Ross gelegt und deshalb ist das dann gestorben.“
Kim spricht über die symbolische Aufladung von Haaren im Kontext von Hexenverfolgungen und hat dazu eine Monografie gefunden, die historische Fälle vom Niederrhein dokumentiert. Der Titel und Autor werden nicht genannt, aber Kim beschreibt konkrete Inhalte wie die Anklage von Frauen wegen angeblicher Hexerei mit Haarbüscheln.
Werke über Sexismus, Geschlechterbinarität und Kolonialismus
Alok Vaid-Menon · 2020
In his debut essay collection, award-winning poet Jaswinder Bolina meditates on "how race," as he puts it, "becomes metaphysical" the cumulative toll of the microaggressions and macro-pressures lurking in the academic market, on the literary circuit, in the dating pool, and on the sidewalks of any given U.S. city.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 02:53:51 „Also eben diese non-binäre Person, Alec Ray Menon, die ich schon erwähnt habe, die ist in Texas aufgewachsen, ist aber, glaube ich, hat auch einen indischen Hintergrund und die schreibt sehr viel über diesen Zusammenhang von eben Sexismus, Geschlechterbinarität und Kolonialismus.“
Kim führt Alok Vaid-Menon als wichtige Stimme an, die den Zusammenhang zwischen der Herausbildung der Geschlechterbinarität und dem kolonialistischen Gedankengut erforscht. Kim beschreibt, wie Vaid-Menon verschiedene Theorien und historische Untersuchungen zusammenträgt, die zeigen, dass die strenge Zweigeschlechtlichkeit als Zivilisationsargument für koloniale Überlegenheit genutzt wurde. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt.
Sternstunde Philosophie
Schweizer Talk-Show mit tiefgründigen philosophischen Gesprächen zwischen Moderator und Gästen aus Wissenschaft und Gesellschaft. Behandelt existenzielle Fragen und gesellschaftliche Herausforderungen in nachdenklichem, analytischem Ton ohne Sensationalismus.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:57:00 „ich hatte ja dieses Gespräch, Sternstunde Philosophie. Haben wir gesehen.“
Schweizer TV-Gesprächssendung, in der Kim über Geschlecht und Silvia Federici gesprochen hat. Die Gastgeber empfehlen das Gespräch ausdrücklich
Caliban and the Witch
Silvia Federici · 2021
'A groundbreaking work . . . Federici has become a crucial figure for . . . a new generation of feminists' Rachel Kushner, author of The Mars Room A cult classic since its publication in the early years of this century, Caliban and the Witch is Silvia Federici's history of the body in the transition to capitalism.
🗣 Kim de l'Horizon erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:58:23 „Ich wollte ja dann auf Silvia Federici kommen. Und dann war die Zeit um. Das kann bei uns nicht passieren.“
Kim erwähnt Silvia Federici als Autorin, auf die sie im Sternstunde-Philosophie-Gespräch noch zu sprechen kommen wollte, bevor die Zeit ablief. Im Kontext der Diskussion über Hexenverfolgung, Geschlechterbinarität und Körperlichkeit ist Federicis bekanntestes Werk der naheliegende Bezugspunkt, auch wenn der Titel nicht explizit genannt wird.
Sternstunde Philosophie (Episode mit Kim de l'Horizon)
Yves Bossart
Schweizer Philosophie-Interview-Sendung, in der führende Denker zu Themen von gesellschaftlicher Bedeutung befragt werden. Moderiert mit präziser Fragen-Kunstfertigkeit zur Vermittlung komplexer Theorien. Seltenes Gesprächsformat mit hohem intellektuellem Anspruch.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:58:41 „Das wieder, in jedem Podcast empfehlen wir am Ende ein Video. Fällt mir so auf, das solltet ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, wirklich sehen. War es ein tolles Gespräch? Ich fand es ein wirklich gutes Gespräch. Grüße an den Interviewer, dessen Namen mir gerade nicht einfällt. Yves Bassard.“
Jochen Wegner empfiehlt die Sternstunde-Philosophie-Episode auf SRF mit Kim de l'Horizon enthusiastisch. Er lobt Moderator Yves Bossart überschwänglich dafür, wie präzise dieser komplexe Theorien in Fragen übersetzen konnte, und bedauert, dass es ein solches Gesprächsformat im deutschen Fernsehen kaum noch gebe.
Testo Junkie
Paul B. Preciado · 2013
This visionary book on gender and sexuality weaves together high theory and intimate memoir, with "spectacular" results—"and the gendered body will never be the same again" (Jack Halberstam). What constitutes a "real" man or woman in the twenty-first century? Since birth control pills, erectile dysfunction remedies, and factory-made testosterone and estrogen were developed, biology is definitely no longer destiny. In this penetrating analysis of gender, Paul B.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 03:07:37 „Es gibt diesen Philosophen, Paul B. Preciado, der sehr schlüssig in meinen Augen formuliert, dass Geschlecht heutzutage in allen Formen durch Chemie auch hervorgebracht ist. Also auch, dass wir durch die Pille, schon nur, wird so krass mit dem weiblichen Reproduktionszyklus gepanscht.“
Kim zitiert Paul B. Preciados These, dass wir längst in einem 'chemischen Geschlecht' leben, weil sowohl Cis-Frauen (Pille) als auch Cis-Männer (Testosteron bei zu niedriger Spermien-Dichte) hormonelle Chemie einsetzen. Kim nutzt diese Argumentation, um das Natürlichkeitsargument gegen trans Menschen zu entkräften. Der Buchtitel wird nicht explizit genannt, aber die beschriebenen Thesen stammen aus Preciados bekanntestem Werk.
Gender Trouble
Judith Butler · 1990
Since its publication in 1990, "Gender Trouble" has become one of the key works of contemporary feminist theory, and an essential work for anyone interested in the study of gender, queer theory, or the politics of sexuality in culture. As Judith Butler writes in the major essay that stands as preface to the new edition, one point of "Gender Trouble" was 'not to prescribe a new gendered way of life, but to open of the field of possibility for gender.' Widely taught, and widely debated, "Gender Tr...
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 03:11:23 „Also Judith Butler sagt ja, es gibt einen Unterschied zwischen Sex und Gender. Und Sex ist eben das biologische Geschlecht und Gender ist das soziale Geschlecht.“
Kim greift Judith Butlers grundlegende Unterscheidung zwischen Sex und Gender auf, nachdem Jochen bemerkt hat, dass Butler in diesem Podcast schon häufiger besprochen wurde. Kim nutzt die Unterscheidung, um zu argumentieren, dass wir im Alltag fast ausschließlich mit dem sozialen Geschlecht zu tun haben und das biologische Geschlecht unter der Kleidung irrelevant sei. Der Buchtitel wird nicht genannt, aber die Sex/Gender-Unterscheidung ist Butlers bekannteste These.
La Distinction (Die feinen Unterschiede)
Pierre Bourdieu · 2015
Wie vollzieht sich eine symbolische Revolution? Wann hat sie Erfolg? Am Beispiel des Begründers der modernen Malerei, Édouard Manet, geht Pierre Bourdieu diesen Fragen in seinen bahnbrechenden Vorlesungen am Collège de France aus den Jahren 1998 bis 2000 nach. Bourdieu situiert Manets Malerei in der Krise der Kunst Mitte des 19. Jahrhunderts. Manet bricht mit den Regeln der akademischen Malerei und revolutioniert die gesamte ästhetische Ordnung.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 03:28:00 „Also nicht ich, aber Bourdieu sagt ja, dass, also Geschmack gibt's eigentlich nicht. Also ich, mein Geschmack ist das und das und ich trage eben nur noch Brillen aus Holz oder so, keine Ahnung, das ist jetzt mein Geschmack.“
Als das Gespräch auf Klasse und Geschmack kommt, verweist Kim de l'Horizon auf Bourdieus zentrale These, dass individueller Geschmack keine persönliche Eigenschaft ist, sondern Ausdruck von Klassenzugehörigkeit. Kim betont, dass viele Menschen immer noch glauben, ihr Geschmack sei Ausdruck ihrer ureigenen Individualität, obwohl er klassenbedingt sei.
Prince (Musikschaffen)
Prince
Funk- und Soul-durchtränktes künstlerisches Gesamtwerk, das als Vorreiter für geschlechtsnonkonformes Auftreten und die Auflösung von Geschlechtergrenzen in der modernen Popmusik steht.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:38:39 „In deinem Buch kommt auch an der Stelle auch Prince vor. Und war nicht Prince so, also das ist jetzt sehr vereinfacht gesprochen, aber im Grunde genommen durch sein Auftreten und seine Performance auch sowas wie Harry Styles seiner Zeit?“
Im Gespräch über Harry Styles und geschlechtsnonkonformes Auftreten in der Popkultur verweist Christoph Amend darauf, dass Prince im Blutbuch vorkommt. Prince wird neben David Bowie als Vorreiter für die Auflösung von Geschlechtergrenzen in der Popmusik genannt.
David Bowie (Musikschaffen)
David Bowie
David Bowie ist eine Ikone der Popmusik, der durch sein innovatives Musikschaffen und sein provokatives Auftreten Geschlechtergrenzen in der Kunstwelt aufgelöst hat. Der Podcast nutzt ihn als zentrales Beispiel für Künstler, die durch geschlechtsnonkonforme Ästhetik und visuelle Grenzenüberschreitung die Popkultur nachhaltig geprägt haben. Seine Karriere zeigt, wie künstlerische Innovation, visuelle Inszenierung und gesellschaftliche Grenzüberschreitung zusammengehen, um kulturelle Normen zu hinterfragen und neue Möglichkeiten für künstlerische Identität zu schaffen.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 03:38:54 „Voll, aber ich glaube, da gibt es ja wahnsinnig viele eben eigentlich, also Pop ist ja so eigentlich... David Bowie. David Bowie, also David...“
Kim de l'Horizon nennt David Bowie als Beispiel für KünstlerInnen, die durch ihr Auftreten Geschlechtergrenzen aufgelöst haben, im Zusammenhang mit der Diskussion über Harry Styles und geschlechtsnonkonforme Performance in der Popkultur.
Porträt über Kim de l'Horizon
Die New York Times porträtiert Kim de l'Horizons mehrsprachiges Werk und dessen Herausforderungen bei der Übersetzung. Der Artikel beleuchtet, wie das konstante Wechseln zwischen verschiedenen Sprachen im Text das Buch für eine Übersetzung praktisch ungeeignet macht. Das Porträt setzt sich mit der künstlerischen Absicht und den sprachlichen Besonderheiten des Werks auseinander.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:49:21 „Ich glaube, in der New York Times, die haben ein bisschen darüber nachgedacht, in einem Porträt. Und eigentlich geht das ja nicht.“
Jochen Wegner erwähnt ein Porträt in der New York Times, das sich mit der Frage der Übersetzbarkeit von Kim de l'Horizons Werk beschäftigt hat. Wegner argumentiert, dass das Buch aufgrund des ständigen Springens zwischen Sprachen für Laien eigentlich unübersetzbar sei, und die NYT habe darüber ebenfalls nachgedacht.
The Archival Turn in Feminism
Kate Eichhorn · 2013
In the 1990s, a generation of women born during the rise of the second wave feminist movement plotted a revolution. These young activists funneled their outrage and energy into creating music, and zines using salvaged audio equipment and stolen time on copy machines. By 2000, the cultural artifacts of this movement had started to migrate from basements and storage units to community and university archives, establishing new sites of storytelling and political activism.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:05:26 „Ich zitiere auch so eine Feministin, Kate Eichhorn, die auch darüber nachdenkt. Genau, also Archive sind Orte, an denen Wissen gespeichert ist, das noch kein Wissen ist. Also das noch nicht in das Denken einer Gesellschaft eingespeist worden ist.“
Im Gespräch über Archive und deren Bedeutung für queere und feministische Wissensproduktion erwähnt Kim de l'Horizon die feministische Theoretikerin Kate Eichhorn, die über Archive als Orte des noch-nicht-gewussten Wissens nachdenkt. Der genaue Buchtitel wird nicht genannt, es handelt sich wahrscheinlich um 'The Archival Turn in Feminism' oder ein verwandtes Werk Eichhorns.
Histoire de la sexualité
Michel Foucault · 1976
Foucaults grundlegendes Werk analysiert die Geschichte der Sexualität von der Antike bis zur Moderne und zeigt, wie Sexualitätskonzepte gesellschaftlich geprägt und historisch variabel sind. Durch die Untersuchung antiker Geschlechterverhältnisse wird deutlich, dass heutige Vorstellungen von Sexualität nicht naturgegeben, sondern historische Konstrukte sind.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:06:41 „Foucault untersucht das ja so an der frühen Antike irgendwie, dass er sagt, dass da diese Geschlechtlichkeit, also Sexualität zwischen Männern eine sehr wichtige gesellschaftliche Funktion war. Dass es jetzt aber auch nicht so war, aber das war ein anderes Sexualitätsmodell als jetzt heutzutage.“
Kim de l'Horizon verweist auf Foucaults Untersuchung der Sexualität in der griechischen Antike, um zu zeigen, dass Geschlechter- und Sexualitätsmodelle historisch variabel sind. Die Beschreibung der Mentor-Beziehungen zwischen älteren und jüngeren Männern und der damit verbundenen Regeln verweist auf Foucaults 'Geschichte der Sexualität', insbesondere die Bände über den antiken Gebrauch der Lüste.
Psalm der Wüstenwürstchen zu Ehren von Alice Samuel
Kim de l'Horizon
Langes Gedicht von Kim de l'Horizon für die Neue Rundschau – ein Gedenk- und Anrufungstext für Alice Samuel aus Warboys, England, die als Hexe hingerichtet wurde. Der Psalm verbindet Humor und Ernst in einer literarischen Hommage an ein Opfer der Hexenverfolgung.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:25:14 „Das heißt Psalm der Wüstenwürstchen zu Ehren von Alice Samuel. Genau, und eben Alice Samuel ist für die kritische Hexenforschung sehr wichtig, weil eben sie war eine der, oder nach ihr, also es gibt oftmals bei diesen Hexen, also bei den Wellen der Hexenverfolgung gibt es so einen Paradefall oder so.“
Kim de l'Horizon liest die Einleitung eines eigenen Textes vor, der Alice Samuel gewidmet ist – eine historische Figur, die als 'Witch of War Boys' bekannt ist und für die kritische Hexenforschung zentral wurde. Das Stück ist als singbarer Psalm konzipiert, mit der Anleitung, dazu 'eine schöne Popkacke' anzumachen. Kim entscheidet sich dann aber spontan, statt des Gedichts lieber zu singen.
Psalm der Wüstenwürstchen zu Ehren von Alice Samuel
Kim de l'Horizon
Langes Gedicht von Kim de l'Horizon für die Neue Rundschau – ein Gedenk- und Anrufungstext für Alice Samuel aus Warboys, England, die als Hexe hingerichtet wurde. Der Psalm verbindet Humor und Ernst in einer literarischen Hommage an ein Opfer der Hexenverfolgung.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:27:46 „Psalm der Wüstenwürstchen zu Ehren von Alice Samuel. Dies ist ein Psalm, geeignet für wüste Würstchen zum Mitsingen at the stroke of the midnight hour.“
Langes Gedicht, das Kim für die Neue Rundschau geschrieben hat – ein Gedenk- und Anrufungstext für die als Hexe ermordete Alice Samuel aus Warboys, England
Schamelixier
Kim de l'Horizon
Deutschsprachige Cover des Pop-Klassikers mit queerer Neuinterpretation. Der Song wird als Hymne der Selbstbehauptung und Existenzrechtfertigung umgedeutet – eine Performance zwischen Fabulation und Empowerment, die Sexualität und Gender-Fluidität feiert.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:28:07 „Ich trink nicht aus, euer Schamelixier, euer Schamelixier. Ich existier wie ein Fabeltier, fucking Fabeltier.“
Kims deutsche Neuinterpretation von Sias Chandelier, die als queere Hymne im Podcast live performt wird
Chandelier
Sia
Sia Kate Isobelle Furler [siːə] (* 18. Dezember 1975 in Adelaide) ist eine australische Sängerin, die bekannt ist durch ihre Arbeit mit Zero7 und vier eigene Soloalben. Sia ist die (nicht blutsverwandte) Nichte des Men-at-Work-Frontmanns Colin Hay. Er bezeichnet sie lediglich als seine Nichte, da er sie seit ihrer Geburt kennt. Sia Furler war Teil der australischen Acid-Jazz-Formation Crisp, welche 2 Alben OnlySee und Word and the Deal 1995 auf einem inzwischen nicht mehr existierenden Independent Label veröffentlichte.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:28:45 „Okay, dann würde ich meine Cover-Version von Chandelier vorsingen, aber ich habe das schon so lange nicht mehr gesungen. Also Chandelier von Sia. Ich habe da so einen deutschen Text dazu geschrieben.“
Kim de l'Horizon kündigt an, eine eigene deutsche Cover-Version von Sias Hit 'Chandelier' zu singen, statt das vorbereitete Gedicht vorzulesen. Kim erklärt, das Lied sei für viele Queers eine Hymne, weil es Weiblichkeit mit Kraft, Stärke und dem Recht auf Lautsein verbinde – ähnlich wie bei Beyoncé oder Lady Gaga. Anschließend performt Kim die Cover-Version 'Schamelixier' live im Podcast.
Schamelixier (Chandelier-Cover)
Kim de l'Horizon
Deutschsprachige Neufassung des Sia-Hits als queere Hymne der Selbstbehauptung. Der Kronleuchter wird zur Droge der Widerspenstigkeit – der Text transformiert die ursprüngliche Club-Anthem zu einem kraftvollen Bekenntnis queer-feministischer Resistenz und Selbsterhaltung.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:32:09 „Also Chandelier von Sia. Ich habe da so einen deutschen Text dazu geschrieben. [...] Ich trink nicht aus euer Schamelixier, euer Schamelixier. Ich existier wie ein Fabeltier, fucking Fabeltier.“
Kim de l'Horizon performt eine eigene deutschsprachige Version von Sias Chandelier mit dem Titel Schamelixier, die als queere Hymne der Selbstbehauptung fungiert und den Kronleuchter zum Schamelixier umwidmet.
Einkommens- und Glücksstudie
Wissenschaftliche Studie zum Zusammenhang zwischen Einkommen und persönlichem Wohlbefinden. Die Forschung zeigt, dass das Glück bis zu einem Jahreseinkommen von etwa 60.000 bis 70.000 US-Dollar deutlich ansteigt, danach jedoch stagniert – zusätzliches Einkommen führt nicht zu proportional mehr Zufriedenheit, sondern kann neue Sorgen mit sich bringen. Die Studie ist relevant für die Debatte, wie viel Geld tatsächlich notwendig ist, um ein erfülltes Leben zu führen, und hinterfragt damit das verbreitete Axiom, dass mehr Verdienst automatisch mehr Lebensqualität bedeutet.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:38:30 „Ja, wie viel Geld brauchen wir, um ein gutes Leben zu führen? Und da gibt es ja ganz klar, also so eine Glücksstudie, glaube ich, so eine, kennst du die? Also ich glaube die Studie, die ich kenne, dachte ich, war in den USA gemacht worden und da gab es so 60.000 oder 70.000 US-Dollar im Jahr.“
Im Gespräch über Gehälter und die Frage, wie viel Geld man wirklich braucht, verweist Kim de l'Horizon auf eine bekannte Glücksstudie aus den USA – vermutlich die vielzitierte Studie von Kahneman und Deaton. Die zentrale Erkenntnis: Bis etwa 60.000–70.000 Dollar Jahreseinkommen steigt das Wohlbefinden deutlich, danach flacht die Kurve ab, weil mehr Geld eher neue Sorgen erzeugt.
Fragebogen
Max Frisch · 2019
Max Frischs legendäre Sammlung von elf Fragebogen zu existentiellen Themen wie Freundschaft, Ehe, Heimat oder Humor wird hier in einer erweiterten Fassung vorgelegt: Hinzu kommen drei neu entdeckte und bislang unpublizierte Fragebogen aus dem Nachlass von Max Frisch zu Technik, Alkohol und Moral. Auch diese ebenso erhellenden wie amüsanten Fragebogen laden durch die Intensität der Fragestellungen dazu ein, über sich selbst nachzudenken und mit anderen ins Gespräch zu kommen.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 05:12:06 „Es gibt ja von Max Frisch irgendwie diesen Fragebogen und so und da ist doch diese Frage, wenn du und alle, die du kanntest, gestorben sind, wird es... Wirst dich dann noch interessieren, was auf der Welt geschieht oder irgend sowas.“
Im Gespräch über Empathie und die Frage, ob Menschen sich wirklich für das Wohl aller interessieren, zitiert Kim de l'Horizon Max Frischs berühmten Fragebogen. Kim kritisiert die Frage als zynisch und väterlich belehrend – sie ziele darauf ab, dass alle zugeben, eigentlich nur an der eigenen Sippschaft interessiert zu sein. Kim widerspricht dem und beschreibt stattdessen eine grundsätzliche Zärtlichkeit für alles.
The Carrier Bag Theory of Fiction
Ursula K. Le Guin · 2024
Le Guins einflussreiches Essay entwirft ein alternatives Erzählmodell: Die 'Carrier Bag' des Sammelns gegen die 'Jagd'-Narrative des patriarchalen Helden. Sie stellt das zentrale Argument auf, dass Sammeln – nicht Jagen – die kulturelle Grundform war, und hinterfragt damit biologistische Stammesnarrative. Der Essay begründet eine inklusive Empathie, die auch Nichtmenschliches einschließt und eröffnet feministische Alternativen zum linearen Kampfnarrativ.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:14:15 „Ursula K. Le Guin, diese Autorin, Theoretikerin, die auch eben eingeflossen ist im Blutbuch, dann so diesen wichtigen Aufsatz geschrieben hat, die, wieder auf Deutsch, die Tragetaschentheorie der Fiktion, wo sie sagt eben, Leute, also so Fleisch essen war ein kleiner Bestandteil für die längste Zeit des Menschseins, so viel wichtiger war das Sammeln.“
Kim de l'Horizon stellt Le Guins Essay als Gegenentwurf zur patriarchalen Heldenerzählung vor: Statt des linearen Kampfnarrativs – der Held wird gerufen, besteht Abenteuer, kehrt zurück – argumentiert Le Guin, dass das Sammeln viel zentraler war als das Jagen. Kim nutzt den Essay, um biologistische Stammesnarrative zu hinterfragen und ein alternatives Verständnis von Empathie zu entwickeln, das auch Nichtmenschliches einschließt. Der Essay ist laut Kim auch ins Blutbuch eingeflossen.
Artikel über Ueli Maurer in der NZZ
Kim de l'Horizon
Kim de l'Horizon, Träger des Deutschen Buchpreises für den autobiografischen Roman Blutbuch mit einer nicht-binären Figur, adressiert in einem NZZ-Artikel Bundesrat Ueli Maurer, der non-binäre Menschen auf einer Pressekonferenz von politischen Ämtern ausschließen wollte. Anstatt gegenseitiger Vorwürfe schlägt de l'Horizon ein Gespräch bei einem Bier vor und hinterfragt Maurers Ablehnung. Der Artikel erregte ausreichend Aufmerksamkeit, um eine Reaktion von Maurers Pressesprecher hervorzurufen.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 05:21:25 „Man kann es ja einfach googeln, weil du auch in der NZZ darüber geschrieben hast, unter anderem.“
Kim de l'Horizon erzählt von Bundesrat Ueli Maurer, der auf einer Pressekonferenz non-binäre Menschen von politischen Ämtern ausschloss. Kim verfasste daraufhin einen NZZ-Artikel, in dem eine Einladung auf ein Bier ausgesprochen wurde statt gegenseitiger Schuldzuweisung. Der Artikel erregte genug Aufmerksamkeit, dass Maurers Pressesprecher reagierte.
Die Tragetaschentheorie der Fiktion
Ursula K. Le Guin · 2024
Ricardas Kiel reflektiert über Ursula K. Le Guins Essay „Die Tragetaschentheorie der Fiktion", der sein Denken und Arbeiten seit der Pandemie fundamental geprägt hat. Le Guin unterscheidet zwei Literaturformen: „Beutel-Texte", die offen, chaotisch und vernetzend wirken, und „Pfeil-Texte", die linear, zielgerichtet und mit klarem Höhepunkt und Ende strukturiert sind. Dieser Gegensatz bewirkte bei Kiel eine Umgestaltung seiner eigenen Praxis: Seine Sprache wurde textiler, seine Beratungsarbeit kollektiver, seine Website wechselte vom chronologischen Blog zum verzweigten Garten. Kiel versucht bewusst, Beutel zu schreiben – Texte, die Stimmen, Widersprüche und Hoffnungen sammeln und miteinander verflechten, statt sie einem linearen Ende entgegenzuführen.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:25:47 „Ursula K. Le Guin, diese Autoren-Theoretikerin, die auch eben eingeflossen ist im Blutbuch, dann so diesen wichtigen Aufsatz geschrieben hat, die, wieder auf Deutsch, die Tragetaschentheorie der Fiktion“
Kim erklärt Le Guins feministische Kritik an patriarchalen Heldenerzählungen und ihr alternatives Narrativmodell des Sammelns statt des Kampfes
NZZ-Essay über Gewalterfahrungen
Kim de l'Horizon
Der Essay schildert zwei Gewalterfahrungen von Kim de l'Horizon – einen körperlichen Übergriff und eine verbale Attacke durch Bundesrat Ueli Maurer – und reflektiert, wie Gewalt immer von einer bestimmten gesellschaftlichen Position ausgeht. Die zentrale These: Diese Positionen sind nie Zufall, sondern strukturell bedingt.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 05:27:46 „Also ich glaube, ja. Voll, aber ich glaube, also eben, das habe ich auch in diesem Essay versucht darzustellen, es ist ja auch wieder kein Zufall, von welcher gesellschaftlichen Position aus das gesprochen wird.“
Kim de l'Horizon verweist mehrfach auf einen Essay, der in der NZZ erschienen ist und zwei Gewalterfahrungen schildert – einen körperlichen Übergriff durch einen Fremden und eine verbale Attacke durch den Schweizer Bundesrat Ueli Maurer. Der Essay reflektiert, wie Gewalt von unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen ausgeht. Später wird klar, dass dieser Text als Büchlein 'Fäuste und Küsse' gedruckt erschien.
Fäuste und Küsse
Kim de l'Horizon · 2016
Der Boss, ein sexsüchtiger exzentrischer Millionär, lässt sich jede Woche "Frischfleisch" einfliegen, um seinen unersättlichen Trieben ungehemmt freien Lauf zu lassen. Auch Angelina ist eine dieser gutbezahlten Sexsklavinnen, doch die verliebt sich in ihn und erlebt eine bittere Überraschung.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:46:16 „Genau, das ist in diesem NZZ-Artikel, der jetzt auch, also kleiner Werbeblock, der auch gedruckt wurde, unter dem Titel Fäuste und Küsse als ganz kleines Büchlein beim Lockwort Verlag. Der NZZ-Artikel? Der NZZ-Artikel, ja. Ist als Buch erschienen? Also als Büchlein oder als Heftlein.“
Kim de l'Horizon erwähnt, dass ein zuvor in der NZZ veröffentlichter Essay über zwei Gewalterfahrungen – einen körperlichen Angriff auf der Straße und eine verbale Attacke durch den Schweizer Bundesrat Ueli Maurer – als eigenständige Publikation unter dem Titel 'Fäuste und Küsse' beim Lockwort Verlag erschienen ist.
Lieder von Mani Matter
Mani Matter
Schweizer Volksliedtradition mit philosophischem Tiefgang: Charakteristische Lieder mit halbgestimmter Gitarre, die Kindheitsbilder mit existenziellen Gedanken verbinden. Intelligente, poetische Texte zwischen alltäglicher Einfachheit und intellektueller Verdichtung – ein prägender Klassiker berndeutscher Liedermacherkunst.
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:52:06 „dieser, wir nennen den Troubadour, der heißt Mani Mater … Genau, also Manuel Manimata“
Kim liest ein Berndeutsches Lied von Mani Matter aus dem Blutbuch vor und beschreibt ihn als unerreichten Schweizer Liedermacher, der mit halbgestimmter Gitarre intelligente Texte zwischen Kinderlied und Philosophie schuf
Dr Fritz
Mani Matter
Mani Matter war ein Schweizer Liedermacher und Autor, dessen Werk sich durch philosophische Tiefe auszeichnet. Der Artikel behandelt eines seiner bekanntesten Lieder über einen schnellen Jungen auf Berndeutsch, das im Buch "Blutbuch" zitiert wird. Das Lied besticht durch seine poetische Form, die ernsthafte existenzielle Fragen in die Gestalt eines scheinbar harmlosen Kinderliedes verpackt. Relevanz liegt in der literarischen und kulturellen Bedeutung von Matters Berner Mundart-Werken für deutschsprachige Literatur.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:52:12 „Kleiner, während wir essen, jetzt habe ich den Namen vergessen, ich bin in einen weiteren Kaninchenbau geplumpst bei einem Zitat, dem ich nachgegangen bin aus dem Buch. Du hast die ganzen Verse aufgeschrieben von dem jungen Franz, der so schnell rennt, dass er nicht zu sehen ist. Also ein auf Berner Deutsch, glaube ich, verfasstes Lied, was ich fantastisch finde.“
Jochen Wegner ist beim Lesen von 'Blutbuch' auf die dort zitierten Verse von Mani Matter gestoßen und hat das Lied über den Jungen Fritz, der so schnell rennt, dass niemand ihn sieht, recherchiert. Kim trägt den Text dann auf Berndeutsch vor. Wegner findet es 'bezaubernd' – ein philosophisches Stück, das sich als Kinderlied versteckt.
Venus in Two Acts / Critical Fabulation
Saidiya Hartman · 2024
Das Geheime ist ein Ort mannigfaltiger Beziehungen. An diesem Ort begegnen sich nicht nur Menschen, sondern zeigen sich auch ihre Verstrickungen in Macht-, Begehrens- und Wissensfelder. Lotte Warnsholdt legt einen Schwerpunkt auf die sozialen und historischen Effekte des Geheimen und adressiert die ambivalenten Wirkungsverhältnisse von Emanzipation und Ausgrenzung. Dazu bedient sie sich bei Theoretiker*innen wie Koselleck, Kittler, Horkheimer oder Hartman.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 06:22:20 „Hat mir dann von Saidiya Hartman erzählt, eine afroamerikanische Theoretikerin, die von Critical Fabulation spricht, die über die Sklavengeschichte schreibt und dem sagt, also diesen Begriff kritische Fabulation verwendet für Geschichten, die ausradiert wurden.“
Kim de l'Horizon erklärt den Unterschied zwischen Autofiktion und Autofabulation. Eine Freundin machte Kim auf Saidiya Hartmans Konzept der 'Critical Fabulation' aufmerksam, das beschreibt, wie man ausradierte Geschichten – etwa von Sklav*innen, Frauen oder queeren Menschen – durch sorgfältige Recherche und das Erfinden von Leerstellen erzählen kann. Kim erkennt darin das eigene Verfahren bei den Stammbäumen im Buch.
Critical Fabulation
Saidiya Hartman · 2020
A proposal to redefine design in a way that not only challenges the field's dominant paradigms but also changes the practice of design itself. In Critical Fabulations, Daniela Rosner proposes redefining design as investigative and activist, personal and culturally situated, responsive and responsible. Challenging the field's dominant paradigms and reinterpreting its history, Rosner wants to change the way we historicize the practice, reworking it from the inside.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 06:23:43 „sie hat mir dann von Saidiya Hartman geschrieben … eine afroamerikanische Theoretikerin, die von Critical Fabulation spricht, die über die Sklavengeschichte schreibt“
Kim erklärt Hartmans Konzept der kritischen Fabulation – das genaue Recherchieren und fiktionale Füllen von Leerstellen in marginalisierten Geschichten – als verwandt mit dem eigenen Ansatz im Blutbuch
Artikel über die Blutbuch-Kür beim Deutschen Buchpreis
»Dieser Preis ist nicht nur für mich«: Aus Solidarität mit den iranischen Frauen rasiert sich Kim de l
🗣 Jochen Wegner zitiert daraus bei ⏱ 06:27:52 „Ich habe ein Zitat aus dem Spiegel rauskopiert. Ich hoffe, es stimmt. Die Kür von Blutbuch wird das Vorurteil bestätigen. Hier klopfe sich ein elitäres und progressives Establishment selbst auf die Schulter.“
Jochen Wegner zitiert aus einem Spiegel-Artikel, der die Verleihung des Deutschen Buchpreises an Kim de l'Horizon kritisch kommentiert. Der Artikel suggeriert, die Jury habe sich mit der Wahl selbst auf die Schulter geklopft. Kim und Jochen diskutieren daraufhin, ob der Preis primär für die literarische Qualität oder auch als gesellschaftspolitisches Signal vergeben wurde.
Erstes Buch von Sascha Lobo
Sascha Lobo · 2015
Mit der Digitalisierung und der Vernetzung verändern sich sowohl das Buch als auch die Buchbranche. Aber wie? Und muss das überhaupt so schlimm sein? Der Frankfurter Journalist Martin Schmitz-Kuhl hat hierzu verschiedene Experten befragt: Juergen Boos (Frankfurter Buchmesse), Dr. Harald Henzler (Berater), Nina Hugendubel (Buchhändlerin), Jens Klingelhöfer (Digitalvertrieb Bookwire), Beate Kuckertz (Digitalverlag dotbooks), Sascha Lobo (Bücherplattform Sobooks), Matthias Matting ("Selfpublisher-P...
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:32:40 „Wir hatten vor ein paar Folgen Sascha Lobo zu Gast und der hat ja noch erzählt, als er das erste Mal mit seinem ersten Buch oder so auf der Buchmesse war, hat er sich halt diesen Irokesenschnitt zugelegt, weil er auf der verzweifelten Suche nach Aufmerksamkeit war.“
Christoph Amend zieht einen Vergleich zwischen Kims unfreiwilliger medialer Aufmerksamkeit nach dem Buchpreis und Sascha Lobos bewusster Inszenierung bei seinem ersten Buchmesse-Auftritt, bei dem er sich einen Irokesenschnitt zulegte, um aufzufallen. Das konkrete Buch wird nicht namentlich genannt.
Inflamed: Deep Medicine and the Anatomy of Injustice
Rupa Marya, Raj Patel · 2021
'A work of exhilarating scope and relevance ... What a rare and powerful experience to feel a book in your very body' Naomi Klein 'Health is not something we can attain as individuals, for ourselves, hermetically sealed off from the world around us. An injury to one is an injury to all.' Our bodies, societies and planet are inflamed.
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 06:54:44 „Also ich bin da in ein Buch drauf gestoßen, das heißt Inflamed. Das ist eigentlich so was postkolonialer Sicht so Medizin, ja, die Schulmedizin anguckt, also postkolonial marxistisch natürlich, und die über, also welche Körper haben welche Krankheiten.“
Auf die Frage, wie Kim die Geschichte von Alice Samuel recherchiert hat, erzählt Kim von dem Buch 'Inflamed', das Schulmedizin aus postkolonialer und marxistischer Perspektive betrachtet. Das Buch untersucht, welche Körper welche Krankheiten bekommen, wie stille Entzündungen durch gesellschaftlichen Stress entstehen und warum People of Color in der Corona-Pandemie die höchste Sterblichkeit hatten. Über den Aspekt der Heilungspraktiken kam Kim dann auf den historischen Hexenfall von Alice Samuel.