Ferdinand von Schirach, was ist ein gelungenes Leben
Christoph Amend, Jochen Wegner & Ferdinand von Schirach
Ferdinand von Schirach — Autor, Jurist und selbsterklärter Superraucher — empfängt den Podcast in seiner Wohnung, zwischen Aschenbecher und drei Tafeln Schokolade unterschiedlicher Kakaoanteile. Schon in den ersten Minuten blitzen seine lakonischen Pointen auf: vom Glück der Milka-Kindheit über die Langeweile als Schreibantrieb bis zur These, dass Liebe nur in der Endlichkeit Sinn ergibt.
„Wenn Sie jetzt jemanden lieben, ergibt das überhaupt keinen Sinn, wenn die Zeit unendlich ist. Denn die Liebe wird erst sinnvoll in einer Beschränkung.“
Erwähnte Medien (42)
Der Zauberberg
Thomas Mann · 2022
Der Zauberberg Thomas Mann - Geplant als Novelle, als heiteres Gegenstück zum Tod in Venedig, entstand mit dem Zauberberg einer der großen Romane der klassischen Moderne. Ein kurzer Besuch in einem Davoser Sanatorium wird für den Protagonisten Hans Castorp zu einem siebenjährigen Aufenthalt, der Kurort wird zur Bühne für die europäische Befindlichkeit vor dem Ersten Weltkrieg.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:11:19 „Und dann hatte ich noch in den Nebenfächern Deutsch. Und das war auch sehr gut. Da war Thomas Mann, Zauberwerk.“
Ferdinand von Schirach erzählt von seinem Abitur am Jesuiteninternat St. Blasien. Im Leistungskurs Deutsch behandelte er Thomas Manns 'Zauberberg' – er sagt 'Zauberwerk', meint aber offensichtlich den Roman. Es war eines seiner besten Fächer, im Gegensatz zu Biologie.
BBC-Bericht über den Antikythera-Mechanismus
BBC
Melvyn Bragg and guests discuss the mysterious ancient Greek astronomical computer.
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:13:45 „Vor kurzem gibt es einen sehr schönen Bericht, man kann ihn immer noch abrufen, auf der BBC-Seite, ein Gerät gefunden in dem Bauch eines untergegangenen griechischen Schiffes. Das ist ein berühmtes Gerät, das kennt man schon lange, aber jetzt wurde es irgendwie neu zusammengesetzt.“
Ferdinand von Schirach erzählt von der Freiheit des griechischen Denkens und empfiehlt einen BBC-Bericht über den Antikythera-Mechanismus, einen antiken mechanischen Computer, als Beleg für die technologische Überlegenheit der Griechen.
Antikythera-Mechanismus (BBC-Bericht)
Melvyn Bragg und seine Gäste diskutieren in dieser BBC-Radiosendung den Antikythera-Mechanismus, einen rätselhaften Apparat der antiken Griechen. Bei diesem Fund handelt es sich um ein astronomisches Rechengerät aus der Antike, dessen genaue Funktion und Herkunft lange ungeklärt blieben. Die Sendung beleuchtet die Bedeutung dieser archäologischen Entdeckung für unser Verständnis antiker Technologie und Wissenschaft. Der Antikythera-Mechanismus gilt als Vorläufer moderner Rechner und dokumentiert das erstaunliche Niveau der hellenistischen Ingenieurskunst. Die Episode erschien am 12. Dezember 2024 im BBC-Podcast „In Our Time", der sich regelmäßig mit historischen und wissenschaftlichen Themen auseinandersetzt.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:15:27 „Vor kurzem gibt es einen sehr schönen Bericht, man kann ihn immer noch abrufen, auf der BBC-Seite, ein Gerät gefunden in dem Bauch eines untergegangenen griechischen Schiffes“
Von Schirach verweist auf einen BBC-Bericht über den Antikythera-Mechanismus als Beleg für die technische Überlegenheit der antiken Griechen
Tusculanae disputationes (Gespräche in Tusculum)
Cicero · 2013
Tusculum ist der Name der kleinen altetruskischen Ortschaft, in der sich der Landsitz von Cicero befand. Die fünf Dialoge der "Gespräche in Tusculum" haben ein gemeinsames Thema: die Bewältigung des Schmerzes. Glückseligkeit kann der Weise nur erreichen, wenn er sich weder durch Todesfurcht, körperliche Schmerzen, Leidenschaften noch durch äußere Übel aus der Bahn werfen lässt. Herausgegeben und übersetzt von Olof Gigon. Mit Einführung, Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Register.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:17:30 „Das waren die Gespräche in Tusculum, die wir hatten. Und in diesem Buch, das beginnt praktisch damit, dass Cicero oder der Sprecher sozusagen da sagt, aber du glaubst doch nicht an den Hades“
Von Schirach beschreibt Ciceros Werk über die Überwindung der Todesangst als Beispiel für die Freiheit des antiken Denkens
De rerum natura (Über die Natur der Dinge)
Lukrez · 2018
De rerum natura (deutsch Über die Natur der Dinge oder Vom Wesen des Weltalls) ist ein aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. stammendes Lehrgedicht des römischen Dichters, Philosophen und Epikureers Titus Lucretius Carus, genannt Lukrez. Die Hommage an Epikur handelt von der Stellung des Menschen in einem von den Göttern nicht beeinflussten Universum.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:18:53 „Also wir können das an vielen Dingen festmachen, beispielsweise an dem großen Gedicht von Lukrez, wo es wirklich um Freiheit geht. Sie müssen sich vorstellen, die Griechen sind durch Nachdenklichkeit, durch reines Nachdenken darauf gekommen, dass es kleinste, unteilbare Teile geben muss, Atome.“
Von Schirach spricht über die Freiheit des antiken Denkens und wie die Griechen durch bloßes Nachdenken auf die Atomtheorie kamen. Er verweist auf das 'große Gedicht von Lukrez' – gemeint ist 'De rerum natura' (Über die Natur der Dinge) – als Beleg dafür, wie das antike Denken den Menschen von Todesangst befreien wollte.
Epistulae morales ad Lucilium
Seneca · 2015
Die Briefe an Lucilius über Ethik sind das reifste und eingängigste Werk des großen römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca. Im allerbesten Sinne des Wortes populärphilosophisch, präsentieren sie sich dem Leser als kurze und kompakte Lebensratgeber. Jeder einzelne Brief ist voll der Weisheit, des lebenspraktischen Rates, der ermutigenden Worte und an den fruchtbarsten Stellen mit prägnanten Merksätzen, sogenannten Sentenzen, versehen. Dieser Band enthält das 6.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:20:07 „ich habe den halben Morgen damit verbracht, meinen durchgekrabbelten Seneca zu finden, die Epistole Morales“
Wegner erzählt, dass er sein persönliches Exemplar von Senecas Briefen gesucht hat, die für ihn bedeutend waren
Lehrgespräche
Epiktet · 2017
Wie findet man das wahre Glück? Wie lässt sich Erfolg wirklich bemessen? Und wie geht man mit den Herausforderungen des Alltags wie Wut, Trauer und der Frage nach dem Sinn des Ganzen um? Was große Geister wie George Washington, Friedrich der Große, Weltklassesportler oder Top-Performer längst für sich entdeckt haben, liegt mit »Der tägliche Stoiker« erstmals gesammelt vor.
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:33 „Es gibt ein ganz dünnes Bändchen und das können Sie lesen. Das hat immer verschiedene Namen. Ich glaube, es heißt Handbüchlein der Moral und dann gibt es noch Lehrbücher.“
Ferdinand von Schirach empfiehlt Epiktets Werke und unterscheidet zwischen dem Handbüchlein der Moral und den Lehrgesprächen (Diatribai) als zwei separate Werke des Stoikers.
Selbstbetrachtungen
Marc Aurel · 2012
Marc Aurel: Selbstbetrachtungen • Für die eBook-Ausgabe neu editiert • Voll verlinkt, und mit detailliertem Inhaltsverzeichnis • Mit ausführlichen Erläuterungen im Anhang • Mit Bildergalerie der berühmtesten Skulpturen Marc Aurels in Museen überall auf der Welt »Als ›Ta eis heautón‹ wurden diese Aufzeichnungen zusammengefasst, was etwa heißt: ›Das an sich selbst Gerichtete‹, ›Das zu sich selbst Gesagte‹.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:22:58 „Und wenn Sie das Menschlichste lesen wollen von diesen dreien, dann lesen Sie Marc Aurel. Das ist deshalb so toll. Es wiederholt sich auch ständig, aber man merkt seinen Kampf damit, seine Bedrückung, dass es ihm nicht so gut gelingt.“
Von Schirach empfiehlt Marc Aurels Selbstbetrachtungen als das menschlichste Werk der drei großen Stoiker. Besonders berührt ihn, dass man Marc Aurels persönlichen Kampf mit den stoischen Idealen spürt – vermutlich abends geschriebene Aufforderungen an sich selbst, nachdem es den ganzen Tag schiefgelaufen war. Von Schirach sagt, Marc Aurel sei ihm persönlich der nächste.
Handbüchlein der Moral (Encheiridion)
Epiktet · 2017
Epiktet (50-138) war ein antiker Philosoph. Er z�hlt zu den einflussreichsten Vertretern der sp�ten Stoa. Als Sklave gelangte Epiktet nach Rom, wo er in Kontakt mit stoischen Lehren kam und auch selbst zu unterrichten begann. Aus Rom vertrieben begr�ndete er in Nikopolis eine Philosophenschule, an der er bis zu seinem Tod lehrte. Da Epiktet selbst keine Werke verfasste, ist seine Philosophie nur in den Schriften seines Sch�lers Arrian �berliefert, der seine Vorlesungen aufzeichnete.
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:38 „Es gibt ein ganz dünnes Bändchen und das können Sie lesen. Das hat immer verschiedene Namen. Ich glaube, es heißt Handbüchlein der Moral und dann gibt es noch Lehrbücher.“
Von Schirach empfiehlt Epiktets Hauptwerk als Einstieg in die stoische Philosophie und beschreibt es als Sammlung von Übungen
Über Zufall und Schicksal
Jochen Wegner · 2004
Philosophisches Sachbuch, das sich mit der Grenze zwischen Zufall und Schicksal auseinandersetzt. Untersucht, welche Dinge außerhalb der menschlichen Kontrolle liegen und wie wir mit Unsicherheit umgehen können. Das Werk verbindet klassische stoische Philosophie mit zeitgenössischen Fragen über Determination und freien Willen.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:23 „Ich habe mal ein Buch über Zufall und Schicksal geschrieben, deswegen bin ich minimal im Stoff. Diese Grenze zwischen dem, was Sie beschreiben, nämlich zwischen dem, was man Zufall nennt.“
Jochen Wegner erwähnt beiläufig, dass er selbst ein Buch über Zufall und Schicksal geschrieben hat, um zu erklären, warum er bei der Diskussion über Stoizismus und die Grenze menschlicher Kontrolle mitreden kann. Der genaue Titel ist unklar, es könnte sich um ein nicht weit verbreitetes Werk handeln.
Zufall und Schicksal
Jochen Wegner · 2004
Das Buch untersucht das philosophische Verhältnis zwischen Zufall und Schicksal aus stoischer Perspektive. Es behandelt die Frage, wo die Grenzen zwischen unvermeidbarem Schicksal und echtem Zufall liegen und welche Bedeutung dies für menschliches Handeln hat.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:55 „Ich habe mal ein Buch über Zufall und Schicksal geschrieben, deswegen bin ich minimal im Stoff.“
Wegner erwähnt sein eigenes Buch im Kontext der Diskussion über den Stoizismus und die Grenzen des Zufalls
Petrocelli
· 1974
Tony Petrocelli ist kein „Staranwalt“, sondern ein Anwalt, der in eher bescheidenen Verhältnissen in San Remo, einer Kleinstadt in Arizona, arbeitet und versucht, durch persönliches Engagement das Maximale für seine Klienten zu erreichen. Diese Klienten entstammten meist dem gleichen sozialen Umfeld wie er und sind oft nicht in der Lage, ihn für seine Arbeit zu bezahlen, weshalb er sich oft mit einem ideell moralischen Lohn zufriedengeben muss.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:46:06 „Also es gab zwei. Es gab Petrocelli, den mochte ich sehr gerne, weil der... Das war eine unglaublich schlechte Serie. Aber der war so ein Unterschichtler-Anwalt und der baute aber immer vor der Stadt an seinem Haus. Das war so der Running Gag, dass dieses Haus, ich weiß nicht, 2000 Folgen nie fertig war.“
Im Gespräch über Schirachs Weg zum Jurastudium erwähnt Christoph Amend, dass ein amerikanischer Fernsehanwalt eine Rolle gespielt habe. Schirach erinnert sich an zwei Serien und nennt zuerst Petrocelli, eine Serie über einen einfachen Anwalt, die er trotz ihrer schlechten Qualität sympathisch fand – vor allem wegen des Running Gags mit dem nie fertigen Haus.
Perry Mason
· 1957
Es wird ein Verbrechen begangen, die Polizei ermittelt und verhaftet einen Unschuldigen. Dieser wird durch den Staatsanwalt Hamilton Burger angeklagt. Perry Mason wird mit der Verteidigung dieses Unschuldigen beauftragt und klärt mit Hilfe des Privatdetektivs Paul Drake und seiner Sekretärin Della Street die wahre Sachlage auf. In einem dramatischen Finale im Gerichtssaal wird der tatsächliche Täter entlarvt und der gerechten Strafe zugeführt. Nur wenige Folgen weichen von diesem Schema ab.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:46:25 „Sie trug immer so einen weißen Anzug und war sehr elegant. Aber mir fällt der nicht an. Perry Mason. Ich gucke unser Popkultur-Helm an. Ja, genau. Unsere Produzentin nickt.“
Schirach versucht sich an den Namen der zweiten amerikanischen Anwaltsserie zu erinnern, die ihn als junger Mann beeindruckt hat – er beschreibt eine elegante Figur im weißen Anzug. Christoph Amend löst das Rätsel: Es ist Perry Mason. Die Szene zeigt, wie Popkultur Schirachs Berufswahl mitgeprägt hat.
Verbrechen
Ferdinand von Schirach · 2012
Irina und Kalle sehen sich plötzlich gezwungen, ihr zerbrechliches Glück mit allen Mitteln zu verteidigen. Von Doris Dörrie verfilmt und von den Lesern geliebt: Die Kurzgeschichte "Glück" aus dem Weltbestseller "Verbrechen".
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:03:11 „Wie kam es dann dazu, dass Sie plötzlich dachten oder dass daraus plötzlich Ihr Buch wurde? Sie haben ja erst mit 45 Ihr erstes Buch, Verbrechen, veröffentlicht, ist dann gleich ein Millionen-Bestseller geworden.“
Christoph Amend fragt nach der Entstehungsgeschichte von Schirachs literarischer Karriere. Schirach beschreibt, wie er aus Schlaflosigkeit und Langeweile nachts zu schreiben begann, bis daraus sein Debüt wurde. Das Buch erschien bei Piper, nachdem es zunächst als Sachbuch abgelehnt worden war, und wurde sofort ein Millionenerfolg.
Regen
Ferdinand von Schirach · 2023
Der Nr. 1- SPIEGEL-Bestseller. Eine ebenso mutige wie sehr persönliche Erzählung des internationalen Bestsellerautors. Ein Mann kommt durchnässt aus dem Regen in eine Bar – auf die Bühne – und denkt über Verbrechen und Strafen nach, über das Großartige und das Schreckliche unserer Zeit, über die Würde des Menschen, die Einsamkeit, die Liebe, den Verlust und das Scheitern.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:05:44 „In Ihrem neuen Buch Regen schreiben Sie auch darüber und sagen, ich zitiere jetzt aus dem Gedächtnis, es sei kein Wunder, dass es keine guten Filme gibt über Schriftsteller gebe, weil nichts sei langweiliger zum Filmen als Schreiben, Schriftsteller sein.“
Im Gespräch über das Schreiben als Schirachs eigentliches Zuhause zitiert Christoph Amend aus dessen neuem Buch 'Regen'. Darin reflektiert Schirach über die Unmöglichkeit, das Schriftstellerdasein filmisch darzustellen, weil alles Wesentliche im Kopf stattfindet. Schirach bestätigt und ergänzt die Beobachtung.
DCTP-Interviews
Alexander Kluge
DCTP.tv ist Alexander Kluges Internetfernsehen-Projekt mit legendären, hochwertigen Interviews, die heute kostenlos auf YouTube verfügbar sind. Kluge, ein renommierter Kulturschaffender und Filmemacher, hat sich in den 1980er Jahren Sendeplätze bei deutschen Privatsendern juristisch gesichert und präsentiert Interviews, die für ihre intellektuelle Tiefe und kritische Originalität bekannt sind.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:10:35 „Aber das Tolle ist wirklich, wenn Sie die Gelegenheit haben, jetzt für Ihre Hörer, wenn Sie die Gelegenheit haben, geben Sie ein, DCTP, Alexander Kluge, YouTube. Es sind die wunderbarsten Interviews, die es überhaupt gibt. So unglaublich klug, weitführend, nicht haftend, fließend, also alles toll daran.“
Ferdinand von Schirach schwärmt von Alexander Kluges legendären Fernsehinterviews, die über seinen Sender DCTP ausgestrahlt wurden und heute auf YouTube verfügbar sind. Er erzählt ausführlich die Geschichte, wie Kluge sich in den 80er Jahren Sendeplätze bei Privatsendern wie RTL und Sat.1 juristisch gesichert hat, und empfiehlt die Interviews als die besten, die es gibt.
DCTP-Interview mit Josef Ackermann
Alexander Kluge
Alexander Kluges webTV-Archiv dctp.tv dokumentiert prägende Interviews mit Kulturschaffenden und Führungspersönlichkeiten. Ein besonders geschätztes Gespräch mit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zeigt Kluges charakteristische Gesprächskunst: Er verglich eine Bankvorstandssitzung mit der obersten Heeresleitung 1943 und schuf damit brillante und komische Einsichten über Macht, Hierarchie und Wirtschaftsdenken. Das Interview exemplifiziert Kluges Fähigkeit, durch historische und kulturelle Vergleiche verborgene Zusammenhänge sichtbar zu machen.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:13:19 „das war der Chef der Deutschen Bank, Ackermann. Ackermann wurde eingeladen von Kluge... und Kluge ist erste Frage, wie ist das denn so mit einer Vorstandssitzung der Deutschen Bank?... Daraufhin Kluge. Das ist genau wie die oberste Heeresleitung 1943.“
Von Schirach erzählt begeistert von einem legendären Kluge-Interview, in dem dieser Deutsche-Bank-Vorstandssitzungen mit der Heeresleitung 1943 vergleicht
Kluge-Interview über Epiktet mit Ferdinand von Schirach
Alexander Kluge
Interview über den Stoiker Epiktet und die überraschenden Parallelen zwischen Anwalts- und Schriftstellerberuf. Das Gespräch erkundet, wie beide Berufe sich mit Ethik, Narration und der Wahrheit befassen.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:13:56 „Ich wollte ja nur kurz sagen, es gibt eine Kluge-Folge, wo Sie über Epiktet sprechen und am Anfang fragt Kluge, deswegen kam ich gerade kurz assoziativ drauf, was sind eigentlich die Parallelen zwischen Anwälten und Schriftstellern und Sie sagen eben, dass Geschichten erzählen.“
Jochen Wegner verweist auf eine konkrete DCTP-Folge, in der Alexander Kluge Ferdinand von Schirach interviewt und sie über den Philosophen Epiktet sowie die Parallelen zwischen dem Anwalts- und dem Schriftstellerberuf sprechen.
Die Fähne (aus: Verbrechen)
Ferdinand von Schirach · 2009
Der renommierte Strafverteidiger Ferdinand von Schirach kennt die Brüche der Welt. Der Umgang mit Schuld und Unschuld bestimmt seinen Alltag. Doch was ist Schuld eigentlich? Wer will richten über Täter, die zugleich auch Opfer sind? Mit dem scharfen Blick eines begnadeten Analytikers erzählt Ferdinand von Schirach von menschlichen Dramen und vielfachem Scheitern, von seelischen Abgründen, die sich einer einfachen Bewertung entziehen.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:16:53 „Und jedenfalls, ich wurde dort eingeladen und las auf dieser Vertreterkonferenz. Und das ist ein größerer Saal gewesen und ich sitze vorne und lese diese Geschichte, die Fähne heißt, vor.“
Von Schirach erzählt die Anekdote von der Vertreterkonferenz, bei der er die Geschichte über einen Arzt, der seine Frau umbringt, vorlas
Die Leiden des jungen Werther
Johann Wolfgang von Goethe
Die Leiden des jungen Werther ist einer der wichtigsten Romane der deutschsprachigen Literatur und gilt neben Faust als Goethes Hauptwerk. Das autobiografisch inspirierte Werk aus dem 18. Jahrhundert erzählt die Geschichte einer unglücklichen Liebe und hatte große kulturelle Wirkung. In der Podcast-Episode wurde der Roman als Antwort auf die Quiz-Frage genannt, welche anderen Werke Goethe außer Faust geschrieben hat.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:23:21 „Der Werte soll ja auch Nachahmer gehabt haben und Leute, die sich dann mit Blau und Gelbe umgebreitet haben“
Von Schirach diskutiert den sogenannten Werther-Effekt und Goethes eigene Reflexion darüber, wie er aus der Realität Poesie machte
Tod eines Schülers
· 1981
Der Schüler Claus Wagner begeht Selbstmord indem er sich vor einen fahrenden Zug wirft. Kommissar Löschner ermittelt im Umfeld des Schülers und befragt dessen Eltern sowie Freunde und Lehrer.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:23:42 „Das war ein Film, seltsamerweise, Tod eines Schülers. Das war ein Internatsfilm, ich glaube in den 80er Jahren. Und da soll es dann tatsächlich eine ganze Reihe von Suiziden danach gegeben haben.“
Von Schirach erwähnt diesen Film als Gegenbeispiel zum umstrittenen Werther-Effekt. Beim Internatsfilm 'Tod eines Schülers' aus den 80er Jahren habe es einen messbaren Nachahmungseffekt mit einer Reihe von Suiziden gegeben, anders als beim historisch schwer belegbaren Werther-Effekt.
Tod eines Kritikers
Martin Walser · 2009
Hans Lach wird verhaftet: Mordverdacht. Auf der Party seines Verlegers hatte er einen für seine Verrisse gefürchteten Kritiker bedroht. Am nächsten Morgen findet sich dessen blutdurchtränkter Pullover, nur von der Leiche fehlt jede Spur. Dafür treten immer neue Verdächtige auf den Plan. Ein Vexierspiel auf Leben und Tod nimmt seinen Anfang, denn über die Schuld oder Unschuld des Schriftstellers, so scheint es, ist viel zu sagen, aber schwer zu entscheiden.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:26:51 „Und selbst bei dem jetzt gerade verstorbenen Martin Walser war es ja so, obwohl er schon wirklich ein über die Maßen arrivierter Schriftsteller war, hat ihn das, was Reich Ranitzky über ihn gesagt hat, furchtbar verletzt, dass er so blöd war, darüber noch ein Buch zu schreiben. Der Tod eines Kritikers.“
Ferdinand von Schirach spricht darüber, wie Kritik Schriftsteller verletzen kann. Er nennt Martin Walser als Beispiel, der sich so von Marcel Reich-Ranickis Kritik getroffen fühlte, dass er darüber einen Roman schrieb – was Schirach als Fehler betrachtet.
Urworte. Orphisch
Johann Wolfgang von Goethe · 1921
Goethes philosophisch-dichterisches Werk über die Urformen aller Dinge – archetype Konzepte und Grundprinzipien, aus denen sich die Vielfalt der Wirklichkeit entwickelt. Eine Meditation über die tiefsten Strukturen des Seins, vergleichbar mit seiner Idee der Urpflanze als Ursprung aller Pflanzen.
🗣 Ferdinand von Schirach erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:35:23 „Goethe suchte ja immer nach der Urform. Seine große Idee war die Urpflanze, aus der alle Pflanzen entstanden sind. Oder die Urworte, Orpheus.“
Von Schirach erwähnt Goethes 'Urworte. Orphisch' beiläufig in einer Analogie über den Mercedes Strich 8 als 'Urform des Autos'. Er vergleicht die Designklarheit des Autos mit Goethes Suche nach der Urform aller Dinge.
Schnelles Denken, langsames Denken
Daniel Kahneman · 2012
Der Weltbestseller, der das Denken von Millionen Menschen verändert hat - jetzt als hochwertige Erfolgsausgabe Dieses Buch hat die Welt erobert und die Art und Weise, wie wir über unser Verhalten nachdenken, revolutioniert. Ein Kompass für den Alltag, ein Handbuch für Entscheider - ein Bestseller, der von einer jüngeren Generation immer wieder aufs Neue entdeckt wird.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:37:28 „Nach Danny Kahnemann, die Begrüße, muss es das ja auch geben. Bewundern Sie den auch so? Ja, ich kenne den auch. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher.“
Wegner und von Schirach sprechen über Kahnemans Buch über die zwei Denksysteme, das von Schirach als eines seiner absoluten Lieblingsbücher bezeichnet
Sein oder Nicht Sein
Reiner Holzemer · 2023
Lars Eidinger ist mit seiner Liebe zur Improvisation und seiner intensiven, körperbetonten Spielweise einer der talentiertesten und vielseitigsten Schauspieler Deutschlands. In LARS EIDINGER – SEIN ODER NICHT SEIN zeigt Reiner Holzemer zum allerersten Mal Eidinger intensive Arbeitsweise und gibt damit einen spannenden Einblick in den Beruf des Schauspielers sowie in die Welt des Theaters und Filmemachens.
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:44:55 „Ich habe gerade diesen Film über Lars Eidinger gesehen. Der spielt seit vielen Jahren an der Schaubühne. Der spielt und der, also für mich tatsächlich einer der ganz wenigen wirklich genialen Menschen ist, die ich kennengelernt habe.“
Ferdinand von Schirach schwärmt von einem Dokumentarfilm über den Schauspieler Lars Eidinger. Er beschreibt eine Szene, in der Eidinger den Hamlet-Monolog beim Abschminken vorträgt, und sagt, er wisse nicht, wann er zuletzt im Kino so ergriffen gewesen sei. Er empfiehlt den Film ausdrücklich.
Lars Eidinger – Sein oder Nichtsein
· 2023
Ein Dokumentarfilm über den Schauspieler Lars Eidinger, der seine künstlerische Arbeit und persönliche Entwicklung dokumentiert. Bekannt für intensive Szenen mit klassischen Rollen wie Hamlet, bietet der Film einen introspektiven Blick auf den Künstler und seinen kreativen Prozess.
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:46:45 „ich habe gerade diesen Film über Lars Eidinger gesehen“
Von Schirach spricht begeistert über einen Dokumentarfilm über den Schauspieler Lars Eidinger, insbesondere eine Szene mit dem Hamlet-Monolog
Richard III.
William Shakespeare
Shakespeares Tragödie über die Machtergreifung des englischen Königs Richard III. während der Rosenkriege. Das Stück dient häufig als Spiegel für zeitgenössische politische Verhältnisse, wie eine israelische Inszenierung bei den Wiener Festwochen zeigte, die das Klassische nutzte, um subtil über gegenwärtige Konflikte zu reflektieren.
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:46:45 „Sie müssen einmal Lars Eidinger schauen als Richard III. Das ist so hinreichend. Also Richard III., er spielt das ja praktisch komplett nackt mit einer völlig grotesken Maske.“
Von Schirach empfiehlt eindringlich die Schaubühnen-Inszenierung von Richard III. mit Lars Eidinger und beschreibt dessen überwältigende Bühnenpräsenz
Hamlet
William Shakespeare
Regisseur Johann Simons inszeniert Shakespeares Hamlet am Schauspielhaus Bochum mit der Schauspielerin Sandra Hüller in der Hauptrolle. Die Produktion gewinnt durch Hüllers internationale Bekanntheit nach ihrer Oscar-Nominierung zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Inszenierung tourt mittlerweile über Bochum hinaus und bildet einen Schwerpunkt des Regisseurs in der zeitgenössischen Shakespeare-Interpretation.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:46:45 „In dem Film wird auch Hamlet gezeigt, also Ausschnitte aus Hamlet. Und der Auftritt von Eidinger als Hamlet ist merkwürdig, weil er eine lange Bahn rennt und dann ein Salto macht“
Von Schirach beschreibt Lars Eidingers Hamlet-Inszenierung an der Schaubühne, insbesondere die berührende Szene des Sein-oder-Nichtsein-Monologs in der Garderobe
Aufsätze über Gott und Religion
Albert Einstein · 1979
Einsteins Essay-Sammlung präsentiert sein Stufenmodell der Gottesvorstellungen: vom primitiven Furchtgott über den moralischen Gott bis zum kosmischen Gott, den man nur erfahren, nicht glauben kann. Diese philosophische Analyse verbindet Wissenschaft und Spiritualität und bietet einen neuen Zugang zur Frage nach Gott jenseits von Glaube und Atheismus.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:58:40 „Vor ein paar Tagen habe ich so Aufsätze von Einstein gelesen. Über Gott. Das ist wahnsinnig interessant. Einstein unterscheidet die Entwicklung der Götter. Zunächst ist es eine Art Rache oder Furchtgott.“
Im Kontext der Frage 'Gott oder kein Gott?' erzählt Ferdinand von Schirach, dass er kürzlich Einsteins Essays über Gott gelesen hat. Er referiert Einsteins Stufenmodell der Gottesvorstellungen – vom Furchtgott über den moralischen Gott bis zum 'kosmischen Gott', an den man nicht glauben, sondern den man nur erfahren könne. Schirach findet das Bild schön, widerspricht aber Einsteins Naturverehrung.
Interview mit Andreas Voßkuhle
Andreas Voßkuhle
Hass und Hetze im Internet bedrohten unsere Demokratie, warnt Andreas Voßkuhle. Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts fordert deshalb eine Klarnamenpflicht. Rechtlich sei das aber „nicht ganz einfach“.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:02:11 „Voskula hat das, also der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hat das neulich mal gesagt in einem Interview, das fand ich bemerkenswert, sagt, wenn Sie ganz reich sind und ganz mächtig sind, brauchen sie keine Grundgesetze. Das Grundgesetz brauchen sie sozusagen, wenn sie schwach sind.“
Ferdinand von Schirach zitiert ein Interview des ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Andreas Voßkuhle, um seine These zu untermauern, dass das Recht das Gegenteil von Natur sei. Voßkuhles Aussage, dass das Grundgesetz vor allem die Schwachen schütze, dient Schirach als Beleg dafür, dass Zivilisation und Recht der Gegenentwurf zur rücksichtslosen Natur sind.
Oppenheimer
Christopher Nolan · 2023
Als dem Physiker Julius Robert Oppenheimer während des Zweiten Weltkriegs die wissenschaftliche Leitung des Manhattan-Projekts übertragen wird, können er und seine Ehefrau Kitty sich nicht vorstellen, welche Auswirkungen Oppenheimers Arbeit nicht nur auf ihr Leben, sondern auf die ganze Welt haben wird. Im Los Alamos National Laboratory in New Mexico sollen er und sein Team unter der Aufsicht von Lt. Leslie Groves eine Nuklearwaffe entwickeln – was ihnen auch gelingt.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:02:56 „Also auch er war aber limitiert durch diesen... Also dass die Tragik von Einstein ist, man kann das gerade in diesem Oppenheimer Film, den alle gucken, ich habe ihn auch geguckt, nochmal bewundern“
Wegner verweist auf den aktuellen Oppenheimer-Film als Illustration von Einsteins Tragik und der Grenzen seines Denkens
Der Club der toten Dichter
Peter Weir · 1989
Der neue Literaturlehrer John Keating bringt 1959 frischen Wind in das Traditionsinternat Welton und inspiriert seine ansonsten zur Disziplin erzogenen Schüler durch sein unorthodoxes Vermitteln von Poesie zu freiem Denken. Des Nachts treffen sie sich zu Lesungen in einer alten Höhle. Der Junge Neil entdeckt seine Liebe zur Schauspielerei. Als sein gestrenger Vater davon erfährt, nimmt er Neil von der Schule. Seiner Träume beraubt, erschießt sich Neil.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:20:26 „Sie erinnern sich an den Film Club der Toten Dichter. Robin Williams steigt auf den Tisch. Er steigt auf den Tisch, um seinen Schülern klarzumachen, du musst die Perspektive immer mal wieder wechseln. Ich fand das wahnsinnig toll.“
Von Schirach nutzt die berühmte Szene aus dem Film, in der Robin Williams auf den Tisch steigt, als Illustration für die stoische Übung des Perspektivwechsels. Er leitet daraus zwei eigene Methoden ab: den Blick aus der Ferne (Voyager 2) und den Blick vom Tod aus auf das eigene Leben.
Pale Blue Dot
Carl Sagan
Ikonische Fotografie der Erde aus dem All, aufgenommen von der Voyager-Raumsonde. Zeigt unseren Planeten als winzigen, blass blauen Punkt in der kosmischen Leere — ein Symbol für menschliche Demut und die Unbedeutendheit alltäglicher Konflikte. Dient als visuelles Meditationsobjekt zur Perspektivveränderung.
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:22:02 „Und das heißt, das können Sie im Internet nachschauen, Pale Blue Dot, also blassblauer Punkt. Und dieses Foto hing ganz lange über meinem Schreibtisch. Und das ist wahnsinnig schön, weil Sie diese Galaxie sehen. Und dann sehen Sie tatsächlich einen winzigen Punkt.“
Von Schirach beschreibt das berühmte Foto der Erde, aufgenommen von der Raumsonde Voyager 2, als eine seiner zwei zentralen Übungen zum Perspektivwechsel. Das Bild hing lange über seinem Schreibtisch und hilft ihm, die Bedeutungslosigkeit alltäglicher Konflikte zu erkennen — von Kriegen bis hin zum falschen Tisch im Restaurant.
Essais
Michel de Montaigne · 1980
The complete essays of Michel de Montaigne, 1533-1592.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:25:09 „Montaigne, der wirklich ein origineller und eigenständiger und großer Denker war, hat die erste Hälfte seines Lebens damit verbracht, sich auf den Tod vorzubereiten, bis ihm klar geworden ist, was für ein absoluter Unsinn das ist.“
Ferdinand von Schirach spricht über die Perspektive, das Leben vom Tod her zu betrachten, und verweist auf Montaigne als Denker, der die Vorbereitung auf den Tod zunächst praktizierte und dann als Unsinn verwarf. Montaignes Essais sind sein einziges Hauptwerk.
Sterben im Mittelalter
Arno Borst
Historische Analyse des Sterbens im Mittelalter. Das Werk zeigt, wie der Tod allgegenwärtig war und das Sterben einen öffentlichen, langwierigen Prozess bildete — ganz anders als die moderne Abgrenzung des Todes ins Private.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:26:54 „Also zunächst, es gibt ein berühmtes Buch von Arno Borst hieß der, glaube ich. Das war ein Historiker über das Sterben im Mittelalter. Das ist so in den 80er Jahren. Und das ist sehr interessant, weil für den mittelalterlichen Menschen war das Allerschlimmste ein plötzlicher Tod.“
Von Schirach zitiert das Buch des Historikers Arno Borst, um Wegners Einwand zu widerlegen, man solle einem 17-Jährigen nicht zumuten, das Leben vom Ende her zu denken. Er beschreibt, wie im Mittelalter der Tod gesellschaftlich allgegenwärtig war und das Sterben ein öffentlicher, langwieriger Prozess war — ganz anders als heute.
Pendelentfernung und Lebenszufriedenheit
Frey
Ökonom Bruno Freys Studie basiert auf dem deutschen soziodemografischen Panel und zeigt eine starke negative Korrelation zwischen Pendelentfernung und Lebenszufriedenheit. Die Erkenntnisse belegen, dass jede zusätzliche Minute Pendeln die Lebenszufriedenheit messbar senkt – unabhängig von anderen Faktoren.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:35:51 „Und deswegen gibt es eine ganz tolle Studie von, wie heißt er, Frey heißt er glaube ich, einem Ökonomen, der aus dem deutschen soziodemografischen Panel ermittelt hat, dass es eine strenge Korrelation gibt nach Abzug aller Faktoren zwischen Pendelentfernung und Lebenszufriedenheit.“
Wegner zitiert eine Studie des Ökonomen Frey, die auf Basis des deutschen soziodemografischen Panels zeigt, dass jede zusätzliche Minute Pendelzeit die Lebenszufriedenheit messbar senkt. Er nutzt sie als Beleg dafür, dass man sich an materielle Güter gewöhnt, aber an chaotische Alltagsstörungen wie Pendeln niemals.
Terror
Ferdinand von Schirach
Theaterstück von Ferdinand von Schirach über ein ethisches Dilemma: Ein Kampfpilot muss entscheiden, ob er ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abschießen soll, das über ein volles Fußballstadion fliegt. Das Stück verhandelt die moralische Frage von Triage-Entscheidungen und Verantwortung in Krisensituationen.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:43:14 „Sie haben eines der erfolgreichsten Theaterstücke unserer Zeit geschrieben. Zu einer ganz anders gelagerten Frage, aber auch einer großen moralischen Frage. Terror? Heißt das Stück?“
Amend verbindet die Diskussion über Impfpflicht und Triage-Entscheidungen während der Pandemie mit von Schirachs Theaterstück Terror, das ebenfalls eine große moralische Abwägungsfrage behandelt. Er fragt, ob von Schirach sich hätte vorstellen können, solche Dilemmata selbst in der Realität zu erleben.
Ich bin ein Freund der Verfassung
Dieter Grimm · 2017
Dieter Grimm ist einer der fuhrenden Gelehrten des Offentlichen Rechts und einer der wichtigsten juristischen Zeitzeugen der Bundesrepublik. Er hat nicht nur in herausgehobener Funktion an der deutschen Rechtsentwicklung mitgewirkt und uber sie nachgedacht, er ist auch ein international wahrgenommener Beobachter und Themensetzer.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:44:23 „Grimm, ein großer Richter am Bundesverfassungsgericht und ein großer Rechtslehrer, der schrieb ein Buch, ich bin ein Freund der Verfassung. Und das bin ich auch.“
Von Schirach zitiert den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Dieter Grimm und dessen Buch als Ausdruck seiner eigenen Haltung zur Verfassung. Er nutzt das Buch als Ausgangspunkt, um über die Menschenwürde im Grundgesetz und die Subjektqualität des Menschen zu sprechen – Kerngedanken, die auch seinem Theaterstück Terror zugrunde liegen.
Eurovision Song Contest
· 1956
Der Eurovision Song Contest ist ein internationaler Gesangswettbewerb, der jährlich von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) organisiert wird und dessen Teilnehmer hauptsächlich europäische Länder vertreten. Jedes teilnehmende Land reicht einen Originalsong ein, der live im Fernsehen und im Radio vorgetragen und über die Eurovisions- und Euroradio-Netze der EBU an die nationalen Rundfunkanstalten übertragen wird.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:48:33 „Und dann haben die ihm gesagt, ach, kommen Sie, wir machen hier mit diesem Abstimmungstool diesen Song Contest. Eurovision Song Contest. Also soll schief gehen.“
Der Eurovision Song Contest wird als Vergleich herangezogen: Die ARD-Techniker versicherten Oliver Berben, ihr Abstimmungstool sei für den ESC ausgelegt und würde problemlos funktionieren. Der Server brach dann trotzdem nach wenigen Sekunden zusammen – eine Anekdote, die den unerwarteten Ansturm auf die Terror-Abstimmung illustriert.
Tatort
ARD · 1970
Unter dem Titel Tatort sind streng genommen Dutzende von Krimiserien vereint. Jede ARD-Anstalt produziert innerhalb der Tatort-Reihe 90 Minuten lange Filme mit eigenen Ermittlern, die in der Regel Mordfälle aufzuklären haben. Auch das Schweizer und das Österreichische Fernsehen schicken eigene Polizisten ins Rennen. Einige Folgen wurden vom ORF außerhalb der offiziellen Tatort-Reihe ohne die ARD produziert und in der Erstausstrahlung nur in Österreich in der Erstausstrahlung gesendet.
🗣 Ferdinand von Schirach erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:49:10 „Und mich hat das sehr gefreut, weil das erfolgreicher war in dem Jahr als die Tatort-Filme und alles Mögliche.“
Von Schirach erwähnt die Tatort-Reihe nur als Vergleichsmaßstab, um den überraschenden Erfolg der ARD-Ausstrahlung seines Theaterstücks Terror zu verdeutlichen – ein philosophisches Stück über Ethik hatte höhere Einschaltquoten als der populärste Krimi-Dauerbrenner des deutschen Fernsehens.
Gott
Ferdinand von Schirach
Theaterstück von Ferdinand von Schirach über Sterbehilfe und ethische Fragen. Das Stück prägte die öffentliche Debatte vor dem Bundesverfassungsgerichtsurteil mit, indem es verschiedene Positionen und Meinungen zum Thema gegeneinander stellte und das Publikum zur intensiven Auseinandersetzung mit dieser kontroversen Frage bewegte.
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:50:22 „Ich habe ja danach noch ein anderes Stück gemacht über die Sterbehilfe und auch mit sehr vielen Zuschauern. Und da habe ich auch nur aufgeschrieben, was es sozusagen an Meinungen gibt und die gegeneinander gestellt haben.“
Von Schirach erwähnt sein zweites großes Theaterstück über Sterbehilfe, ohne den Titel zu nennen – gemeint ist 'Gott'. Er beschreibt es als Fortsetzung seines Ansatzes, ethische Fragen zur Diskussion zu stellen, und betont, dass auch hier das Publikum die Debatte ernst nahm. Das Stück habe die Diskussion vor dem großen Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Sterbehilfe mitgeprägt.
Leitartikel zur EU-Abhängigkeit Deutschlands
Max Scheritz
Max Scheritz erörtert in seinem Zeit-Leitartikel die Frage, wie Deutschland und Europa ihre Rolle im 21. Jahrhundert gestalten sollten. Dabei warnt er vor oberflächlichen Vergleichen mit den USA und hebt hervor, dass die deutsche Wirtschaft viel stärker von europäischen Strukturen abhängt als die amerikanische von globalen Verflechtungen. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit muss seiner Ansicht nach bei politischen Entscheidungen zentral berücksichtigt werden.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:57:17 „Max Scheritz hat in der aktuellen Zeit in seinem Leitartikel darüber geschrieben, weil ja viele auch sagen, naja, guck mal in den USA, wo diese Polarisierung schon viel weiter ist, ist ja auch gut gegangen, dass leider der fundamentale Unterschied ist, dass die Ökonomie der USA erheblich autarker ist als die deutsche.“
Jochen Wegner verweist auf einen aktuellen Zeit-Leitartikel von Max Scheritz, der argumentiert, dass der Vergleich mit den USA bei der Polarisierungsdebatte hinke, weil die deutsche Wirtschaft viel stärker von der EU abhänge als die US-Wirtschaft von internationalen Strukturen. Wegner bedauert, dass genau dieser Artikel die Menschen nicht erreiche, die ihn lesen müssten.