Richard David Precht - Wo endet deine Toleranz
Matze Hielscher & Gäste
Richard David Precht spricht über sein neues Buch *Das Jahrhundert der Toleranz* und diagnostiziert einen Zeitgeist, in dem Rüstungsmilliarden und Freund-Feind-Denken jede Utopie-Debatte erstickt haben. Er beschreibt seinen eigenen Weg von jugendlicher Intoleranz zu der Überzeugung, dass Reden mit Andersdenkenden der einzige Ausweg ist, und grenzt sich dabei hörbar von den Grünen ab. Dazwischen geht es um Putin, Trump, das Näherrücken seines 60. Geburtstags und darum, warum Philosophie in Kriegszeiten kaum noch jemanden interessiert.
„Ich bin in meinem Leben immer toleranter geworden, aber ich bin aus einer Position sehr großer Intoleranz gestartet.“
Erwähnte Medien (18)
Das Jahrhundert der Toleranz
Richard David Precht · 2024
Der Essay von Richard David Precht zur neuen Weltordnung Die Welt befindet sich im Umbruch. Von einer von den USA dominierten zu einer multipolaren Weltordnung mit China und Indien als neuen Machtzentren. Das schleichende Ende der Pax Americana stellt die Europäer vor eine enorme Herausforderung: Wie gehen wir mit dem Aufstieg dieser Länder um? Die Gefahr wächst, dass wir es nicht schaffen, auf globaler Ebene auf neue Feindbilder zu verzichten.
🗣 Matze Hielscher empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:28 „Sein neues Buch, das Jahrhundert der Toleranz, erscheint jetzt demnächst. Wir haben uns das erste Mal vor zwei Jahren unterhalten. Damals ging es sehr viel um seine Biografie und in der Zwischenzeit ist doch einiges passiert in seinem Leben, aber auch in der Welt.“
Matze Hielscher stellt in der Einleitung des Gesprächs Richard David Prechts neuestes Buch vor. Es handelt von wertegeleiteter Außenpolitik und Toleranz — zentrale Themen, die das gesamte Gespräch durchziehen werden.
Erkenne die Welt – Eine Geschichte der Philosophie
Richard David Precht · 2015
Vierbändiges Nachschlagewerk zur Philosophiegeschichte, das die historischen Denkwege von den Ursprüngen bis zur Gegenwart nachzeichnet. Das Werk vermittelt nicht nur philosophische Antworten, sondern zeigt den Weg zum eigenständigen kritischen Denken – als Anleitung zum tieferen Verstehen der Welt.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:08:31 „Aber was sich natürlich verändert hat, man wird älter und man kann also nicht mehr mit dem Argument kommen, der hat ja irgendwie nichts drauf, wenn man 20 Bücher geschrieben hat und weiß ich nicht, unter anderem eine bislang vierbändige Geschichte der Philosophie, ein Projekt von insgesamt 3000 Seiten.“
Precht verweist auf seine vierbändige Philosophiegeschichte als Beleg dafür, dass die frühere Kritik — er sei nur ein oberflächlicher Popphilosoph — mit wachsendem Werk nicht mehr haltbar sei. Das 3000-Seiten-Projekt dient ihm als Argument gegen die Geringschätzung seiner akademischen Tiefe.
Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?
Richard David Precht · 2024
Der große Bestseller in neuer Ausgabe! Bücher über Philosophie gibt es viele. Aber Richard David Prechts Buch ist anders als alle anderen. Denn es gibt bisher keines, das den Leser so umfassend und kompetent – und unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse – an die großen philosophischen Fragen des Lebens herangeführt hätte: Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Was darf die Hirnforschung? Prechts Buch schlägt einen weiten Bogen über die verschiedenen Disziplinen und is...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:01 „Ich meine, mein Erfolg kam mit, wer bin ich, 2007, 2008 auf dem Höhepunkt der Merkel-Ära. Mein Gott, was waren wir, ein Land ohne Probleme.“
Precht reflektiert über seinen Durchbruch als öffentlicher Intellektueller. Er verortet den Erfolg von 'Wer bin ich' in einer damaligen Konsensgesellschaft, in der die Menschen sich mit Sinnsuche beschäftigten — ein Kontrast zur heutigen polarisierten Zeit.
Die vierte Gewalt
Richard David Precht, Harald Welzer · 2022
Analyse wie Medien ohne bewusste Absprache eine veröffentlichte Meinung schaffen, die von der tatsächlichen öffentlichen Meinung abweicht. Das Werk untersucht die Selbstangleichung der Presse am Beispiel der Ukraine-Berichterstattung und hinterfragt die Rolle der Medien als vierte Gewalt in der Demokratie.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:41 „Ich habe mit Harald Felser zusammen ein Buch gemacht und versucht zu erklären, warum die Medien sich so sehr stark verändert haben. Und da gehört die Polarisierung und Ausgrenzung dazu.“
Precht verweist auf sein gemeinsam mit Harald Welzer verfasstes Medienbuch, um seine These über die Veränderung der Medienlandschaft zu untermauern. Er beklagt, dass die Kernbotschaft — die Gefährdung der Demokratie durch Vertrauensverlust in die Medien — in der Rezeption nicht verstanden wurde.
Von der Pflicht. Eine Betrachtung
Richard David Precht
Richard David Precht fragt in seinem Buch, das während der Covid-19-Pandemie entstand: Was schulden wir einander? Während die meisten Menschen Empathie mit den Schwachen zeigten, entpflichteten sich andere im Namen der Freiheit. Ein philosophischer Appell an Verantwortung und Gemeinsinn.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:11:31 „Zu den bevorzugten Opfern der Querdenker-Szene, die mich ja massiv angegriffen haben wegen meines Buches über die Pflicht. Der netteste, was man gemacht hat, war mich einen Staatsphilosophen zu nennen. Es gab aber auch ganz, ganz andere Sachen, ne?“
Precht erzählt, wie sein Buch über Pflicht während der Corona-Zeit ihn zur Zielscheibe der Querdenker-Szene machte. Er nutzt das Beispiel, um die Absurdität zu illustrieren, dass er gleichzeitig von Querdenkern als 'Staatsphilosoph' und von Leitmedien als Querdenker angefeindet wurde.
Hart aber fair
Louis Klamroth · 2001
„Hart aber fair“ ist eine wöchentliche politische Talkshow. Moderator Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen ein aktuelles kontroverses Thema. Vor dem Wechsel ins Hauptprogramm der ARD lief die Sendung sieben Jahre lang im WDR-Fernsehen.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:23:32 „Es ist jetzt ganz kurze Zeit her, da kam eine Hart aber fair Sendung zu dem Thema, soll man die AfD oder darf man die AfD weiter vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachten lassen. Da gab es eine Hart-Aber-Fair-Sendung nach genau dem gleichen Muster.“
Precht kritisiert eine konkrete Hart-aber-fair-Sendung als Beispiel für unfaire Medienmethoden im Umgang mit der AfD. Er beschreibt das Muster, dass nach Aussagen von AfD-Politikern sofort belastende Einspieler gezeigt werden, statt einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen.
Politik (Politeia)
Aristoteles · 2012
Die acht Bücher der »Politik«, in denen Aristoteles nach der bestmöglichen Staatsform sucht, welche die berechtigten Interessen des Einzelnen und die der Gemeinschaft vereint, bilden noch heute eines der Fundamente für jede Reflexion auf die richtige Ordnung des Gemeinwesens. Die Neuausgabe in der PhB bietet den Text jetzt in der heute maßgeblichen Übersetzung.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:30:40 „Das ist übrigens eine Erkenntnis schon von Aristoteles. Aristoteles war kein Freund der Demokratie, weil er sagte, sie ist zu anspruchsvoll. Sie ist die gerechteste Form, aber die, die am schlechtesten funktioniert.“
Precht referenziert Aristoteles' Analyse der Demokratie als die gerechteste, aber zugleich fragilste Regierungsform, um seine eigene These zu untermauern, dass wir die Zerbrechlichkeit der Demokratie unterschätzen. Er nutzt die antike Erkenntnis als Beleg dafür, dass demokratiegefährdende Tendenzen nicht neu sind.
Mont Sainte-Victoire (Gemäldeserie)
Paul Cézanne
Cézannes ikonische Gemäldeserie des Mont Sainte-Victoire, gemalt zwischen 1882 und 1906. Der französische Maler setzte das provenzalische Bergmotiv mehr als 60 Mal um, jedes Gemälde erforscht Licht, Form und Perspektive neu. Die Serie zeigt sein revolutionäres Verfahren: durch wiederholtes, intensives Betrachten desselben Motivs neue visuelle Wahrheiten zu entdecken. Ein Schlüsselwerk der Moderne und Vorläufer des Kubismus.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:36:22 „Also ich kann Paul Cézanne, der sich den Mont Saint-Victoire jeden Tag angeguckt hat und ein Bild nach dem anderen drüber gemalt hat.“
Precht nennt Cézannes berühmte Serie von Gemälden des Mont Sainte-Victoire als Beispiel dafür, wie man durch wiederholtes Betrachten desselben Motivs immer Neues entdecken kann. Er zieht eine Parallele zu seiner eigenen Fähigkeit, stundenlang auf einen Felsen zu schauen und dabei nie Langeweile zu empfinden.
Stillleben (Flaschen-Bilder)
Giorgio Morandi
Giorgio Morandis Stillleben aus Flaschen und Schachteln sind Studien in subtiler Reduktion. Der italienische Künstler malte dieselben Objekte hundertfach neu an, in gedeckten Tönen von Weiß, Braun und Gelb, mit gipsartiger Temperafarbe. Diese meditativen Kompositionen entzaubern das Alltägliche und schaffen Raum für tiefe Kontemplation – ein Gegenprogramm zur modernen Reizüberflutung.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:36:31 „Oder mein Lieblingsmaler Giorgio Morandi, der Flaschen angemalt hat. Flaschen und Schachteln. Die hat er mit so einer gipshaltigen Farbe angemalt. So weiß und braun und gelb.“
Precht beschreibt ausführlich die Arbeitsweise seines Lieblingsmalers Giorgio Morandi, der alltägliche Gegenstände entgegenständlichte und hundertfach neu arrangierte. Für Precht sind diese Stillleben das Gegenprogramm zur hektischen Medienwelt – man kann immer wieder in sie eintauchen und versinken, ähnlich wie beim Betrachten eines Felsens.
Tankerkönig
Hannes Wader
Nachdenkliches Lied über das Paradoxe des reinen Glücks: Wer sich ganz dem Schönen hingibt, ohne geistige Wachsamkeit, riskiert dabei zu verblöden. Das Werk verkörpert eine kritische, intellektuelle Auseinandersetzung mit Lebensentwürfen, die nur auf Entspannung und Schönheit setzen.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:39:08 „Es gibt diese schöne Liedzeile von Hannes Wader aus dem Tankerkönig. Dann legt er sich irgendwie mit dem Kofferradio in die Hängematte und sagt, ich war glücklich. Aber wie alle glücklichen Menschen dabei, nach einer Weile zu verblöden.“
Precht zitiert eine Liedzeile von Hannes Wader, um zu erklären, warum er sich nicht ausschließlich in seine stille Welt aus Pflanzen und Kunst zurückziehen kann. Das Lied illustriert seine These: Wer sich nur dem Schönen hingibt, ohne intellektuelle Herausforderung, verblödet mit der Zeit.
Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten
Richard David Precht · 2022
Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Und warum eigentlich? Nichts, was die Arbeit anbelangt, ist heute mehr selbstverständlich. Das zweite Maschinenzeitalter selbstlernender Computer und Roboter revolutioniert unseren Arbeitsmarkt. Es definiert neu was »Arbeit« ist, und wozu wir eigentlich noch arbeiten. Schon seit einiger Zeit arbeiten wir in den westlichen Industrieländern nicht mehr, um unsere Existenz zu sichern. Wir arbeiten, um zur Erwerbsarbeitsgesellschaft dazuzugehören.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:54:14 „Und wenn man mal überlegt, dass ich noch vor zweieinhalb Jahren oder zwei Jahren ein Buch geschrieben habe über die Zukunft der Arbeit, was ändert sich durch die Digitalisierung der Stellenwert, ich glaube wir haben auch drüber gesprochen und das war damals ein wahnsinnig relevantes Thema, dann ist das heute zwar als Thema nicht weg, aber es ist völlig verdrängt von diesen geostrategischen Fragen.“
Precht erwähnt sein früheres Buch über die Zukunft der Arbeit und Digitalisierung, um den Wandel des gesellschaftlichen Diskurses zu illustrieren. Was vor zwei Jahren noch hochrelevant war — Grundeinkommen, Vier-Stunden-Woche — wird heute unter dem Gesichtspunkt des geopolitischen Wettbewerbs zwischen Europa und Asien diskutiert.
Star Wars
George Lucas · 1977
Seit der Vernichtung der Jedi-Ritter steht die Galaxie unter der grausamen Herrschaft des Imperiums. Nur eine kleine Gruppe von Rebellen, angeführt von der schönen Prinzessin Leia, widersetzt sich der dunklen Macht. Als es ihnen gelingt, die geheimen Baupläne für den gefährlichen Todesstern zu entwenden, gerät das Imperium in Aufruhr. Durch Zufall gelangen die Pläne ausgerechnet in die Hände des Farmerjungen Luke Skywalker, der spürt, dass er sein bisheriges Leben hinter sich lassen muss. Gemein
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:55:06 „Aber brauchen wir nicht Utopien, um auf neue Gedanken zu kommen? Also brauchen wir nicht im Grunde Filme wie Star Wars, dass man irgendwie denkt, so könnte das sein und all diese, also so eine Idee davon, wie das in zehn Jahren auch sein könnte?“
Matze Hielscher bringt Star Wars als Beispiel für utopische Erzählungen ins Gespräch. Er argumentiert, dass solche Filme Menschen inspirieren können, sich eine andere Zukunft vorzustellen — ein Gegengewicht zur restaurativen, kriegsbetonten Stimmung, die Precht zuvor beschrieben hat.
Tribale Kriege
Jörg Helbling · 2021
1914-1918 und 1941-1945 waren deutsche Streitkräfte auf dem Balkan im Kriegseinsatz. Beide Male waren die Soldaten mit dem Kleinen Krieg (Partisanenkrieg) in einem schwierig zu meisterndem Raum konfrontiert. Wie nahmen sie den Kleinen Krieg wahr, wie versuchten sie, ihm Herr zu werden, und welche Veränderungen gab es dabei? Das vorliegende Buch gibt darauf Antworten. Es zeigt die Bedeutung der taktisch-operativen sowie der strategisch-politischen Ebene auf.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:58:17 „Das habe ich von früher, ich erkläre gleich von früher, von Jörg Helbling gelernt. Ein faszinierender Schweizer Anthropologe, der seine Habilitation geschrieben hat mit einem Buch Tribale Kriege, wo er also auf 600 Seiten erklärt, dass Wildbeutergesellschaften keine Kriege führen.“
Precht erklärt die Ursprünge von Kriegen und stützt sich dabei auf die Habilitationsschrift des Schweizer Anthropologen Jörg Helbling. Das Buch argumentiert auf 600 Seiten, dass Wildbeutergesellschaften zwar aggressiv waren, aber keine strategisch geplanten Kriege führten — diese seien erst mit der Sesshaftigkeit entstanden.
Leviathan
Thomas Hobbes · 2016
Thomas Hobbes argues for a social contract and rule by an absolute sovereign. Influenced by the English Civil War, Hobbes wrote that chaos or civil war-situations identified with a state of nature and the famous motto Bellum omnium contra omnes ("the war of all against all")-could only be averted by strong central government. He thus denied any right of rebellion toward the social contract, which would be later added by John Locke and conserved by Jean-Jacques Rousseau.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 01:00:25 „Das ist ein alter Gedanke von Thomas Hobbes. Thomas Hobbes hat dem Leviathan gesagt, wir brauchen eine starke Zentralgewalt, die überwacht, damit der Krieg jeder gegen jeden.“
Im Kontext von Helblings Vorschlag, Kriege durch eine starke Zentralgewalt zu vermeiden, verweist Precht auf Thomas Hobbes' Leviathan als philosophischen Vorläufer dieser Idee. Hobbes argumentierte, dass eine Zentralgewalt nötig sei, um den Krieg aller gegen alle einzudämmen.
European Council on Foreign Relations Survey (Studie zur globalen Wahrnehmung westlicher Demokratien)
Ivan Krastev, Mark Leonard, Timothy Garton Ash
Internationale Studie zur globalen Wahrnehmung westlicher Demokratien von Krastev, Garton Ash und Leonard. Untersucht, wie Menschen weltweit leben möchten und wie sie auf den Westen blicken. Zentrale Erkenntnis: Westliche Lebensqualität wird bewundert, aber kaum jemand glaubt an die Zukunftsfähigkeit des westlichen Modells — stattdessen erfolgt selektive 'à la carte'-Übernahme.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:17:46 „Was mir die Augen geöffnet hat, wovon ich unheimlich viel gelernt habe, ist eine Studie. Ich schätze Ivan Krastev sehr, den hatte ich zweimal als Gast, bulgarischer Politologe, der in Wien ist. Und der hat zusammen mit Timothy Garten-Ash, auch so ein Schwergewicht in der Politologenszene, und mit Marc Leonard zusammen, einem englischen Politologen, eine Studie gemacht, ganz umfangreich, die Leute überall in der Welt gefragt, wie sie leben möchten.“
Precht beschreibt eine umfangreiche internationale Studie, die untersucht hat, wie Menschen weltweit auf den Westen blicken. Das zentrale Ergebnis: Zwar bewundern viele die westliche Lebensqualität, aber kaum jemand glaubt an die Zukunftsfähigkeit des westlichen Modells — stattdessen wird 'à la carte bestellt', also selektiv übernommen, was passt. Die Studie hat Precht nach eigener Aussage die Augen geöffnet und prägt seine Argumentation zur multipolaren Weltordnung maßgeblich.
Timbuktu-Handschriften
· 2012
Andrea Vogel begibt sich auf eine außergewöhnliche Reise: Startpunkt Timbuktu, Ziel Marrakesch; dazwischen eine der gefährlichsten Landschaften der Erde. Seine authentischen Beschreibungen und Reflexionen stellen uns vor die Frage, wie wir entdecken können, was wir wirklich wollen, und wie wir unsere Grenzen überwinden, um uns zu finden.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 01:40:15 „Abgesehen davon, dass wichtige Vorentwicklungen der Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen beim Sklavenaufstand in Haiti entstanden sind, also nicht Teil der westlichen Welt. Dass wir auch in Afrika in den Timbuktu-Handschriften, die ins Mittelalter zurückgehen, die Abschaffung der Sklaverei und die Gleichheit aller Menschen schwarz auf weiß finden.“
Precht argumentiert gegen den Begriff 'westliche Werte' für die Menschenrechte und zeigt, dass Vorläufer-Ideen der Menschenrechte auch außerhalb Europas entstanden sind – unter anderem in den mittelalterlichen Timbuktu-Handschriften aus Mali.
Not One Inch: America, Russia, and the Making of Post-Cold War Stalemate
Mary Elise Sarotte · 2014
How the political events of 1989 shaped Europe after the Cold War 1989 explores the momentous events following the fall of the Berlin Wall and the effects they have had on our world ever since. Based on documents, interviews, and television broadcasts from Washington, London, Paris, Bonn, Berlin, Warsaw, Moscow, and a dozen other locations, 1989 describes how Germany unified, NATO expansion began, and Russia got left on the periphery of the new Europe.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:56:21 „Es gibt ein sehr, sehr gutes Buch. Marie-Elise Sarotti heißt die Autorin, Sarotte geschrieben. Das heißt nicht einen Schritt weiter nach Osten. Da sind die ganzen Dokumente drin. Weil das wird ja immer in den Talkshows darüber geredet, haben wir versprochen, hat Genscher versprochen, dass die NATO sich nicht ausweitet, haben die Amerikaner das versprochen.“
Precht empfiehlt dieses Buch als umfassende Dokumentation der Frage, ob es Zusagen gab, die NATO nicht nach Osten auszuweiten. Er beschreibt die Autorin als amerikanische Professorin, die völlig neutral das gesamte historische Material gesichtet habe. Im Kontext seiner Argumentation, dass der Westen eine Mitverantwortung an der Eskalation mit Russland trägt, dient das Buch als Beleg für den Desillusionierungsprozess Russlands.
Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007
Wladimir Putin · 2016
In zwölf Einzelstudien und einem Problemaufriss stellt der Sammelband die sozialen, psychologischen und politischen Zusammenhänge von alltäglichen privaten Konflikten und eskalierender Gewalt dar. Anlass war eine interdisziplinäre Konferenz des Sir Peter Ustinov-Instituts in Wien, bei der Historiker, Politik- und Sozialwissenschaftler sowie Psychologen die Wurzeln und Wirkungen von Vorurteilen und Feindbildern als Triebkräfte in Gesellschaft und Politik analysierten.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:57:34 „Münchner Sicherheitskonferenz 2007, eine Rede gehalten. Die ganze Rede kann man sich anhören. Ich weiß auch noch, wie die Schlagzeilen waren. Putin droht und was weiß ich was. Das war die Rede eines verzweifelten Mannes, der gesagt hat, hör mal, was macht ihr denn da?“
Precht deutet Putins vielbeachtete Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 um: Statt einer Drohgebärde, wie sie damals in den Medien dargestellt wurde, sieht er darin den verzweifelten Appell eines Mannes, der sich durch die NATO-Osterweiterung und den Irakkrieg verraten fühlte. Er empfiehlt, sich die gesamte Rede anzuhören, und markiert sie als Wendepunkt, ab dem Russland selbst Großmachtpolitik betrieben habe.