Hipster gegen Nerds, Wokeness gegen Deutschrap
Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Anlass der Folge ist eine ZEIT-Sonderausgabe über die besten kulturellen Einfälle des 21. Jahrhunderts, an der Lars Weisbrod hauptverantwortlich beteiligt war. Von dort aus spannen die beiden einen großen Bogen über 25 Jahre Gegenwartskultur — strukturiert anhand von Gegenpaaren wie Hipster vs. Nerds und Wokeness vs. Deutschrap, die das kulturelle Klima der Nullerjahre bis heute geprägt haben.
„Wenn ich was am Podcast hasse, ist, wenn die am Anfang lange ausholen — in medias res, wie wir Altphilologen zu sagen pflegen.“
Erwähnte Medien (39)
Beyond the Obvious
Daniel Stelter
In Mizuho | Greenhill’s Beyond The Obvious podcast channel, we uncover the value that others miss. Our podcast is a source for the latest discussions on topics related to capital markets, dealmaking activity, business leadership and more. Delve into insights from our investment & corporate banking thought leaders to hear their unique perspectives on current trends and market influences.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:00:42 „Daniel Stelter, der Ökonom Daniel Stelter, beginnt jede seiner Folgen. Sein Podcast heißt Beyond the Obvious. Ich begrüße Sie zu meinem Podcast.“
Ijoma Mangold erwähnt den Podcast des Ökonomen Daniel Stelter als Vergleich, weil die Begrüßung von Lars ihn an Stelters Podcast-Eröffnung erinnert. Er schätzt Stelter als einen der wenigen liberalen Köpfe im deutschen Podcast-Kosmos.
ZEIT-Sonderausgabe: Die besten Einfälle des 21. Jahrhunderts
Die Zeit · 2025
Die ZEIT-Edition »Die besten Einfälle des 21. Jahrhunderts« wirft einen Blick zurück auf ein Vierteljahrhundert Kulturgeschichte und untersucht, welche Filme, Bücher, Technologien und künstlerische Werke unser Leben geprägt haben. ZEIT-Autorinnen, -Autoren und prominente Stimmen würdigen darin epochemachende Erfindungen und Werke wie das iPhone, soziale Medien sowie Serien und Kunstprojekte wie Mad Men und Olafur Elíassons »The Weather Project«. Die hochwertigen Buchausgabe fasst Texte zusammen, die ursprünglich in einer Sonderausgabe vom Mai 2025 erschienen sind, und ergänzt sie durch kuratierte Bestenlisten der prägendsten kulturellen Highlights. Das Buch kostet 34,99 Euro und bietet einen lebendigen Überblick darüber, was die Gesellschaft in den letzten 25 Jahren bewegt hat und bis heute nachwirkt.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:31 „eine ganze dicke Zeitausgabe, die sich nur mit den letzten 25 Jahren und nicht, primär politisch-wissenschaftlich-wirtschaftlichen Entwicklungen, sondern kulturell-fötonistischen Entwicklungen“
Anlass der Folge – Weisbrod hat die Sonderausgabe mitverantwortet, die einen Kanon der besten Bücher, Filme, Serien und Popsongs der letzten 25 Jahre enthält.
Wer wird Millionär?
Günther Jauch / RTL · 1999
Seitdem die Sendung im September 1999 gestartet wurde, führt Günther Jauch als Moderator und Fragensteller durch die Show. Potenzieller Höchstgewinn ist seit 2002 die Summe von 1 Millionen Euro (vorher 1 Million DM). Gestellt werden maximal 15 Fragen, bei denen aus vier Antwortmöglichkeiten die richtige gewählt werden sollte.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:06:54 „Und die antwortet einem dann wie so ein Telefon-Joker bei Günther Jauch.“
Ijoma Mangold beschreibt die neue Meta-KI bei WhatsApp und vergleicht sie mit dem Telefon-Joker aus der Quizshow Wer wird Millionär?, die untrennbar mit Moderator Günther Jauch verbunden ist.
Margin Call
J.C. Chandor · 2011
Wie viele andere Kollegen wird auch Eric Dale kurzfristig entlassen. Doch sein Vermächtnis, eine Analyse über die Finanzen seines Ex-Arbeitgebers, zwingt das Führungspersonal einer New Yorker Investmentfirma zu einer Blitzkonferenz. Die Firma ist pleite, weil in der Vergangenheit Warnungen ignoriert wurden. Um den Schaden zu begrenzen, will Firmenchef Tuld alle Handelspositionen, die jetzt eigentlich wertlos sind, sofort abstoßen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:08:16 „Und das ist ein Zitat. Aus Margin Call, ja. Mit Jeremy Irons. Der ist dann das CEO einer großen Bank und jetzt soll der sogenannte Quant, also der Harvard-Absolvent aus der Physik, das Quantitative hinter den Finanzmärkten berechnen.“
Ijoma Mangold erklärt den Ursprung seiner Redewendung 'Erklär es mir, als wäre ich ein Golden Retriever' – sie stammt aus dem Film Margin Call mit Jeremy Irons, in dem ein Bankchef seinen Quant bittet, den drohenden Finanzkollaps in einfachen Worten zu erklären. Lars korrigiert das Zitat: Im Film heißt es tatsächlich 'like I'm a little child'.
Big Brother
John de Mol · 2000
100 Tage, 24 Stunden Überwachung, ein Container und kein Kontakt zur Außenwelt: Die Bewohner leben 100 Tage gemeinsam in ihrer neuen Wohngemeinschaft im Container und stehen dabei unter 24-stündiger Kameraüberwachung. Big Brother sieht alles. Big Brother gibt die Regeln vor. Big Brother ist unberechenbar.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:13:54 „Gleichzeitig gab es eben sowas wie Big Brother, was anfing. Also das Reality-TV, wo man plötzlich echte andere Menschen sah, wurde eingeführt.“
Big Brother wird als Schlüsselphänomen der frühen 2000er besprochen, als Gegenpol zur neuen Bürgerlichkeit. Mangold ergänzt, dass junge Feuilletonisten ihre Karriere damit machten, das Geschehen im Big-Brother-Container mit Adorno oder Luhmann zu deuten – statt Romane zu besprechen.
Manieren
Asfa-Wossén Asserate
Ein Sachbuch über Manieren und Etikette, das in der deutschen Debatte über Bürgertum und kulturelle Distinktion der 2000er Jahre zentral war. Asserate reflektiert gesellschaftliche Verhaltenskodizes als Ausdruck von Geschmack und sozialem Status — und diente Lesern wie ein Werkzeugkasten zur Reflexion der eigenen Position in kulturellen Hierarchien.
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:16:28 „Es gab von dem Prinzen Asferwossen Asserate, der Neffe des letzten äthiopischen Kaisers, ein ganz wunderbarer Mensch, Frankfurter, dieses herrliche Buch Manieren. Da bin ich jetzt nicht ganz sicher, ob das nicht 2006 erschienen ist oder schon 2005.“
Im Kontext der Debatte um 'neue Bürgerlichkeit' Anfang der 2000er nennt Mangold das Buch als Ausdruck einer neuen Lust an Umgangsformen. Er lobt es als voller Esprit, herrlicher Formulierungen und wunderbarer soziologischer Gesellschaftsbeobachtungen.
Die Harald Schmidt Show
Harald Schmidt / SAT.1 · 1995
Die Harald-Schmidt-Show war eine deutsche Unterhaltungssendung, die von Harald Schmidt moderiert wurde.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:18:50 „Harald Schmidt, der für mich so eine ganz wichtige Figur auch noch der Nullerjahre war, wo er das aufgegriffen hat und er war vielleicht auch so eine dialektische Versöhnung der beiden Welten, weil er sozusagen die Hochkultur auf seine Harald Schmidt zynische Art bespielt hat.“
Lars beschreibt Harald Schmidt als Schlüsselfigur, die den Widerspruch zwischen neuer Bürgerlichkeit und Unterschichtenfernsehen in seiner Show dialektisch vereinte. Schmidt brachte Hochkultur und den Begriff Unterschichtenfernsehen zynisch zusammen.
Vom Bordstein bis zur Skyline
Bushido
Vom Bordstein bis zur Skyline ist das erste Soloalbum des Berliner Gangsta-Rappers Bushido. Es erschien am 14. Juli 2003 über das Independent-Label Aggro Berlin und ist gleichzeitig das letzte vollwertige Album, das Bushido bei diesem Label veröffentlichte. Vom Bordstein bis zur Skyline gilt als eines der einflussreichsten Alben des deutschsprachigen Gangsta-Raps.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:20:40 „Und dann muss man sich, der wichtige erste Bushido-Albumtitel, vom Bordstein bis zur Skyline durchkämpfen. Das war diese eine Geschichte.“
Lars erwähnt Bushidos erstes Album im Zusammenhang mit dem Aufkommen des deutschen Straßenraps Anfang der 2000er. Der Albumtitel verkörpert für ihn die neoliberale Aufstiegserzählung, die sich auch in der Rap-Szene niederschlug – als Gegenpol zur neuen Bürgerlichkeit.
Harry Potter (Filmreihe)
J. K. Rowling · 2001
Harry Potter erfährt an seinem 11. Geburtstag, dass seine verstorbenen Eltern mächtige Zauberer waren und auch er selbst magische Kräfte besitzt. Als er von Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, aufgenommen wird, erlebt Harry das Abenteuer seines Lebens. Er lernt Quidditch, das hoch in der Luft gespielt wird, und auf dem Weg, sich einem schwarzen Magier zu stellen, der ihn vernichten will, muss Harry eine spannende Schachpartie mit lebenden Figuren überstehen…
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:21:15 „Harry Potter erschien schon in den 90ern, das erste Buch Ende der 90er, aber die Filme fangen dann 2001 an und dann wird Harry Potter sozusagen zu diesem kulturellen Code des 21. Jahrhunderts. Sozusagen, was die Ilias fürs Abendland ist, wurde dann irgendwie Harry Potter für unsere Gegenwart.“
Lars stellt Harry Potter als den kulturellen Code des 21. Jahrhunderts dar und verbindet die Faszination für Hogwarts mit der gleichzeitigen Sehnsucht nach elitären Bildungseinrichtungen. Er sieht darin eine Traumwelt, die möglicherweise darauf hindeutet, dass das Ideal elitärer Bildung sich bereits in die Fantasy verschiebt.
Vampire Weekend (Debütalbum)
Vampire Weekend
Vampire Weekend ist eine im Jahr 2006 gegründete Indie-Pop-Band aus New York, die bei XL Recordings unter Vertrag steht. Als Studenten der New Yorker Columbia University traten Ezra Koenig und Chris Tomson zunächst als Comedy-Rap-Duo unter dem Namen L'Homme Run auf, bevor sie mit ihren Kommilitonen Rostam Batmanglij und Chris Baio die aktuelle Formation der Band bildeten und sich nach dem Titel eines Films benannten, den Koenig mit Freunden aufnahm.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:21:39 „Vampire Weekend war eine sehr interessante Rockband aus New York und die haben so einen interessanten Zeichenraum bespielt, der vielleicht vorher nicht so richtig von solchen coolen Rockbands bespielt wurde, nämlich so den der Ostküsten-Eliten-Unis, also diesen Preppy-Wasp-Zeichenraum.“
Lars nennt Vampire Weekend als musikalisches Pendant zur Faszination für elitäre Bildungseinrichtungen Anfang der 2000er. Die Band bespielte mit Segelschuhen und Songtiteln über Cape Cod bewusst den Preppy-Wasp-Zeichenraum der Ostküsten-Eliten-Unis – ein Feld, das zuvor von Rockbands nicht bedient wurde. Das erste Album erschien 2008.
Dialektik der Aufklärung
Theodor W. Adorno, Max Horkheimer · 2010
Die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gemeinsam verfasste »Dialektik der Aufklärung« ist der wichtigste Text der Kritischen Theorie und zugleich eines der klassischen Werke der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Philosophische Kritik, Auseinandersetzung mit dem Faschismus und die Resultate langjähriger empirischer Untersuchungen in den USA verschmelzen hier zu einer Theorie der modernen Massenkultur.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:25:36 „Die Altvorderen, die eben noch in einer anderen Weise der kritischen Theorie verhaftet waren, für die klar war, Fun ist ein Stahlbad und was da jetzt passiert auf RTL im Big Brother Container, das ist die schlimmste Vorstellung des totalitär gewordenen Kapitalismus und Neoliberalismus.“
Ijoma Mangold beschreibt den Generationenkonflikt im Feuilleton der frühen Nullerjahre: Die ältere Generation deutete Big Brother mit dem Instrumentarium der Kritischen Theorie als Kulturverfall. Das berühmte Zitat 'Fun ist ein Stahlbad' stammt aus der Dialektik der Aufklärung.
What Was the Hipster?
Mark Greif
Literaturwissenschaftlicher Essay von Mark Greif zur Analyse des Hipster-Phänomens. Der amerikanische Literaturwissenschaftler datiert die Ursprünge dieser kulturellen Bewegung auf das Ende der 1990er und frühen 2000er Jahre zurück und untersucht ihre Charakteristika und gesellschaftliche Bedeutung.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:26:36 „Es gibt einen sehr wichtigen Aufsatz des Literaturwissenschaftlers Mark Greif, des amerikanischen Literaturwissenschaftlers, der sich beschäftigt hat mit dem Phänomen Hipster. Und der schreibt, dass man ihn mindestens zurückdatieren kann, so bis ganz Ende der 90er, ganz Anfang der Nullerjahre.“
Lars führt den Übergang zum Jahrfünft 2006-2010 ein mit dem Gegensatzpaar Hipster und Nerd. Als wichtige intellektuelle Referenz nennt er den Aufsatz von Mark Greif, der das Hipster-Phänomen literaturwissenschaftlich analysiert und dessen Anfänge auf Ende der 90er datiert.
Das konsumistische Manifest
Norbert Bolz · 2002
Der Konsumismus ist das Immunsystem der Weltgesellschaft gegen den Virus der fanatischen Religionen. Die Apologie dieses Lebensstils, bis hinein in die Sphäre der Liebe, muß nicht die Augen verschließen vor den Folgelasten der Modernisierung, den Ausschlußmechanismen unserer westlichen Rationalität und den Schicksalen der Globalisierungsopfer.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:30:23 „Das erinnert mich übrigens, ich weiß nicht wann das erschienen ist, ein Buch von dem Medienteoretiker, Professor an der Humboldt-Universität, Norbert Bolz, der schrieb damals das konsumistische Manifest.“
Im Gespräch über den Hipster als Verkörperung eines neuen Hedonismus erinnert sich Mangold an Norbert Bolz' Buch. Die Assoziation entsteht, weil der Hipster-Konsum nicht aus ökologisch-ideologischen, sondern aus hedonistischen Gründen stattfindet — man kauft im Bioladen ein, weil es besser schmeckt.
The Social Network
David Fincher · 2010
Harvard Student Mark Zuckerberg ist alles andere als sozial: der schüchterne, außergewöhnlich intelligente Computernerd hat außer seinem Kommilitonen Eduardo Saverin wenig Freunde und keinerlei Erfolg bei der Frauenwelt. Als Mark sich eines einsamen Herbstabends an seinen Computer setzt und beginnt sich in die Netzwerke seiner Universität zu hacken und Informationen über die weiblichen Studentinnen ins Netz zu stellen, weiß er selbst noch nicht, dass er etwas begonnen hat, was später als Interne...
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:31:07 „Wir haben 2004, das ist ein Ticken jetzt vor diesem Jahr 5, aber trotzdem 2004 die Gründung von Facebook und 2010 schon, das ist sehr interessant, den sehr wichtigen Aaron Sorkin-Film The Social Network über die Gründung von Facebook. Also wo sozusagen dieser historische Moment schon fiktionalisiert und mythologisiert wird.“
Nina Pauer nennt den Film als Schlüsselwerk, das die Gründung von Facebook bereits kurz nach dem Geschehen mythologisiert. Der Film wird zum Referenzpunkt für die Diskussion über den Aufstieg der Nerd-Figur und die These, dass ausgeschlossene Außenseiter durch digitale Projekte soziales Kapital anhäufen konnten.
Revenge of the Nerds
· 1984
Die besten Freunde Lewis Skolnick und Gilbert Lowell schreiben sie sich am Adams College ein, um Informatik zu studieren. Die beiden Studienanfänger sind Nerds der ersten Stunde, weswegen ihnen die Studentenverbindung der Alpha Betas, die hauptsächlich aus Football-Spielern besteht, das Leben schon bald zur Hölle macht. Nachdem die Alpha Betas bei einer Studentenparty ihr eigenes Verbindungshaus abfackeln, werden ihnen vorübergehend die Behausungen der Erstsemestler angeboten.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:32:36 „Es gibt diesen berühmten Film The Revenge of the Nerds, also sich rächen können an dem, was ihnen angetan wurde.“
Nina Pauer erwähnt den Film als kulturelle Vorlage für die Rache-Erzählung der Nerds — die These, dass gesellschaftlich Ausgeschlossene durch ihre technischen Fähigkeiten schließlich die Welt beherrschen und sich an jenen rächen, die sie ausgrenzten.
The Dark Knight
Christopher Nolan · 2008
Gemeinsam mit Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent und Lieutenant James Gordon versucht der im Fledermauskostüm agierende Milliardär Bruce Wayne dem Verbrechen in Gotham City Einhalt zu gebieten. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein psychotischer Superverbrecher auf - der Joker. In seiner wahnhaften Vision möchte er die Stadt in Chaos und Anarchie stürzen und Batman scheint der einzige, der ihn stoppen kann.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:33:12 „Wir sehen spätestens seit den Mitte der Nullerjahren diese riesige Welle an Comics, Superheldenverfilmungen im Kino. 2008 dann vielleicht in einem Meisterwerk kulminierend, dem The Dark Knight Film von Christopher Nolan mit Heath Ledger als Joker.“
Der Film wird als Höhepunkt der Superheldenfilmwelle genannt, die mit dem kulturellen Aufstieg des Nerds einherging. Pauer argumentiert, dass der kulturelle Kanon der Nerds — Comics, Superhelden, Science-Fiction — in den Mainstream drängte, auch wenn das technische Wissen der Nerds nie in der breiten Gesellschaft ankam.
Der Herr der Ringe
J. R. R. Tolkien · 2001
Dem Hobbit Bilbo Beutlin fällt zufällig ein machtvoller Ring in die kleinen Hände. Dieses Schmuckstück erlaubte es dem finsteren Herrscher Sauron einst, die Welt zu unterjochen. Der Ring schien über Jahrhunderte verloren, bis Bilbo ihn an sich nahm und seinen „Schatz“ sechzig Jahre lang bewahrte. An seinem 111. Geburtstag gibt er ihn schweren Herzens an seinen Neffen Frodo weiter und verlässt seine Heimat Mittelerde. Für den jungen Hobbit Frodo wird der Ring jedoch zur schweren Bürde.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:29 „Wir sehen auch mehr sozusagen Science Fiction, die in den Mainstream drängt, mehr Fantasy. Wir beginnen ja auch das Jahrhundert mit der großen Herr-der-Ringe-Verfilmung.“
Die Herr-der-Ringe-Verfilmung wird als frühes Beispiel für das Eindringen der Nerd-Kultur in den Mainstream genannt. Zusammen mit Superheldenfilmen und Science-Fiction illustriert sie, wie ein ehemals nischenhafter kultureller Kanon zum dominanten Unterhaltungsformat des 21. Jahrhunderts wurde.
Breaking Bad
Vince Gilligan · 2008
Ein krebskranker Chemielehrer tut sich mit einem ehemaligen Schüler zusammen, um die Zukunft seiner Familie durch die Herstellung und den Verkauf von Meth zu sichern.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:41 „Und dann gab es diese Serien, die sich damit beschäftigt haben, Breaking Bad, dann so in dem Zeitraum vorher schon die Sopranos. Und auch da ging es irgendwie darum, ob das jetzt Männer, das waren die Männerrollenangebote.“
Breaking Bad wird im Kontext der Krise der Männlichkeit erwähnt. Pauer argumentiert, dass Serien wie Breaking Bad und die Sopranos Männerrollenangebote waren, die sich mit den Figuren Hipster und Nerd ergänzten — allesamt Versuche, männliche Identität in einer sich wandelnden Gesellschaft zu verhandeln.
The Sopranos
David Chase · 1999
Der Mafiaboss Tony Soprano aus New Jersey hat mit persönlichen und beruflichen Problemen zu kämpfen, die sich auf seine psychische Verfassung auswirken und ihn dazu bringen, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:41 „Und dann gab es diese Serien, die sich damit beschäftigt haben, Breaking Bad, dann so in dem Zeitraum vorher schon die Sopranos. Und auch da ging es irgendwie darum, ob das jetzt Männer, das waren die Männerrollenangebote.“
Die Sopranos werden zusammen mit Breaking Bad als Serien genannt, die sich mit der Krise der Männlichkeit auseinandersetzten. Sie stehen für die Männerrollenangebote einer Ära, in der Hipster und Nerd die dominanten kulturellen Figuren waren.
Iron Man
· 2008
Der Großindustrielle und Erfinder Tony Stark weiß zu leben: Als Milliardär liegen ihm die Frauen zu Füßen, er feiert Partys im Privatjet und verspielt Riesensummen im Casino, während seine Rüstungsfirma unter Obadiah Stane Rekordumsätze erzielt. Bei einem Waffentestlauf in Afghanistan wird er jedoch Opfer eines Bombenanschlags. Stark überlebt schwer verletzt und wird von einer Gruppe Aufständischer unter Führung des Warlords Raza dazu gezwungen, eine Superwaffe zu entwickeln.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:37:40 „Wie er sich selbst erfunden hat, ist extrem beeinflusst von der Darstellung von Iron Man durch den Schauspieler Robert Downey Jr. in den Iron Man Filmen. Er hat sozusagen seine Personalität als Supermilliardär erfunden, abgeguckt, wie Robert Downey Jr. das macht.“
Nina Pauer zieht eine Verbindung zwischen Elon Musks Selbstinszenierung und den Iron-Man-Filmen. Musk habe sich nicht als klassischer Nerd, sondern als arroganter Superingenieur à la Tony Stark inszeniert — eine These, die zeigt, wie Superhelden-Popkultur reale Unternehmeridentitäten formte.
Bon Iver
Bon Iver
Bon Iver ist ein US-amerikanisches Folk- beziehungsweise Singer-Songwriter-Projekt, dessen Hauptfigur der Sänger, Gitarrist und Organist Justin Vernon (* 30. April 1981 in Eau Claire) ist. Der Name Bon Iver leitet sich aus dem Französischen ,Bon hiver‘ („guter Winter“) ab. Bekannt wurde Bon Iver durch das 2007 veröffentlichte Album For Emma, Forever Ago, das Vernon alleine in einer Jagdhütte im US-Bundesstaat Wisconsin aufgenommen hat. 2009 folgte die EP Blood Bank. 2011 erschien das zweite Studioalbum Bon Iver, Bon Iver, welches bei den 54. Grammy Awards im Jahr 2012 die Auszeichnung als bestes Alternativ-Album erhielt. Außerdem wurde Bon Iver als bester neuer
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:42:26 „Aus unserer Liste der 50 besten Popsongs des 21. Jahrhunderts müsste man da unbedingt Bon Iver nennen, einen Musiker, der diese Form des Hips, das besonders verkörpert hat, also den Walschrad, der natürlich eigentlich kein Walschrad war, sondern ein besonders trendbewusster Hipster.“
Bon Iver wird als musikalische Verkörperung des Hipster-Phänomens genannt. Pauer verweist auf eine offenbar zuvor erstellte Liste der besten Popsongs des 21. Jahrhunderts und beschreibt den Musiker als jemanden, der den Waldschrat-Habitus pflegte, in Wahrheit aber ein distinktionsbedürftiger Großstadtbewohner war.
Schulden: Die ersten 5000 Jahre
David Graeber
Eine Wirtschaftsgeschichte, die die gesamte Menschheit durch die Linse des Kreditwesens und der Verschuldung betrachtet. Das Werk erklärt, wie Schuld- und Kreditsysteme Gesellschaften über 5000 Jahre hinweg geprägt haben, und zeigt alternative Perspektiven auf die gegenwärtige Wirtschaftsordnung.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:47 „Was damals erschien, jetzt habe ich peinlicherweise das genaue Datum vergessen, ist Schulden von David Graeber, den ich ja sehr liebe, wie du weißt. David Graeber schrieb damals Schulden, die ersten 5000 Jahre. Und es erschien auf Englisch 2011.“
Graebers Buch wird als eines der größten Sachbücher der letzten 25 Jahre eingeführt und bildet einen Pol im Gegensatzpaar des Jahrfünfts 2011–2015. Graeber, ein linker Anarchist und Ethnologe, untersucht die Geschichte der Schulden mit ethnologischem Blick und wird als Vordenker von Occupy Wall Street und als Vorlage für eine staatskiritische, anti-zentrische Denkrichtung positioniert.
Schnelles Denken, langsames Denken
Daniel Kahneman · 2012
Der Weltbestseller, der das Denken von Millionen Menschen verändert hat - jetzt als hochwertige Erfolgsausgabe Dieses Buch hat die Welt erobert und die Art und Weise, wie wir über unser Verhalten nachdenken, revolutioniert. Ein Kompass für den Alltag, ein Handbuch für Entscheider - ein Bestseller, der von einer jüngeren Generation immer wieder aufs Neue entdeckt wird.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:44:23 „Okay, ich hoffe, alle kennen den Gegensatz, weil eigentlich müssten sie ihn kennen, denn es ist ein wahnsinnig erfolgreiches Buch, vielleicht eins der größten Sachbücher der letzten 25 Jahre, ebenso wie Schulden. Das Buch Schnelles Denken, Langsames Denken von Daniel Kahnemann. Auch 2011 auf Englisch erschienen.“
Kahnemans Buch wird als Gegenpol zu Graebers Schulden im Jahrfünft 2011–2015 positioniert. Beide reagieren auf die Finanzkrise, aber auf gegensätzliche Weise: Kahneman popularisiert das Denken in kognitiven Verzerrungen (Biases) und wird zur Vorlage für ein zentristisch-technokratisches Modell. Mangold erläutert ausführlich die These der zwei Denksysteme und deren Bedeutung für die Kritik am Homo economicus.
Das Kapital im 21. Jahrhundert
Thomas Piketty
Wie funktioniert die Akkumulation und Distribution von Kapital? Welche dynamischen Faktoren sind dafür entscheidend? Jede politische Ökonomie umkreist die Fragen nach der langfristigen Evolution von Ungleichheit, der Konzentration von Wohlstand und den Chancen für ökonomisches Wachstum. Aber befriedigende Antworten gab es bislang kaum, weil geeignete Daten und eine klare Theorie fehlten. In "Das Kapital im 21.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:52:20 „Und deswegen ist es, glaube ich, wichtig, Piketty zu erwähnen. Der große französische Ökonom mit seinem Buch Kapital über die zunehmende Ungleichheit war, glaube ich, ein ganz entscheidender, also ein sehr markanter Teilnehmer im Diskurs und in der Art, über Gesellschaft nachzudenken.“
Im Kontext der intellektuellen Verarbeitung der Finanzkrise 2008 wird Pikettys Hauptwerk als entscheidender Beitrag zum Diskurs über zunehmende Ungleichheit genannt. Mangold ordnet ihn als dritten großen Denker neben Kahneman und Graeber ein, der die Debatte über Gesellschaft und Ökonomie maßgeblich geprägt hat.
Brahmin Left vs Merchant Right
Thomas Piketty
Piketty analysiert eine neue politische Spaltung zwischen der "Merchant Right" (ökonomische Elite) und der "Brahmin Left" (akademische Elite). Die Studie untersucht, wie sich moderne Gesellschaften nicht mehr entlang klassischer Links-Rechts-Achsen spalten, sondern entlang der Grenze zwischen wirtschaftlicher und intellektueller Macht.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:53:31 „Der statistisch extrem versierte Wirtschaftshistoriker Piketty hat in einer anderen Arbeit versucht zu zeigen, dass es eine neue politische Verwerfungslinie gibt. Er nennt das die Verwerfungslinie zwischen der Merchant Right, also der kaufmännischen Rechten, und der Brahmanian Left, also der Brahmanischen Linken.“
Im Kontext der intellektuellen Verarbeitung der Finanzkrise wird neben Pikettys Hauptwerk eine weitere Arbeit von ihm besprochen, in der er die neue Spaltung zwischen ökonomischer Elite (rechts) und akademischer Elite (links) beschreibt. Ijoma Mangold reinterpretiert diese Unterscheidung dann als accountable vs. unaccountable Klasse.
Bitcoin-Whitepaper
Satoshi Nakamoto
Das Bitcoin-Whitepaper von Satoshi Nakamoto ist das Gründungsdokument der Kryptowährung Bitcoin. Es entstand 2008 als direkte Reaktion auf die Finanzkrise und die Rettung von Banken durch die Regierung. Das Whitepaper beschreibt ein dezentrales, nicht manipulierbares Geldsystem, das der Kontrolle durch Wall Street und zentrale Finanzinstitutionen entgegengesetzt werden sollte.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:57:04 „Im ersten Block der Bitcoin-Blockchain hat Satoshi Nakamoto tatsächlich die Titelseite der Londoner Times mit abgebildet, wo davon die Rede ist, dass der englische Schatzkanzler mit einem zweiten Rettungspaket die Banken wieder rauspaukt. Es ist also genau der Versuch gegen diesen Zentrismus, aus der Allianz aus Wall Street und Washington, ein dezentrales, nicht manipulierbares, nicht zensierbares Geld entgegenzusetzen.“
Mangold beklagt leidenschaftlich, dass Bitcoin in der Sonderausgabe der ZEIT nicht vorkommt, obwohl es eine direkte Reaktion auf die Finanzkrise 2008 war. Er verweist auf den Genesis Block der Blockchain, in dem Satoshi Nakamoto die Times-Titelseite über Bankenrettungen verewigte, als Beleg für die politische Dimension von Bitcoin.
Chancellor on brink of second bailout for banks
Titelseite der Londoner Times vom 3. Januar 2009 über das zweite Rettungspaket der britischen Regierung für angeschlagene Banken. Die Titelseite wurde von Bitcoin-Gründer Satoshi Nakamoto im Genesis Block der Bitcoin-Blockchain verewigt und symbolisiert, dass Bitcoin als direkte Reaktion auf die Finanzkrise und das Versagen des traditionellen Bankensystems entstand. Der Artikel belegt das fundamentale Anliegen von Bitcoin: eine dezentralisierte Alternative zur Zentralbankpolitik zu schaffen.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:57:04 „Im ersten Block der Bitcoin-Blockchain hat Satoshi Nakamoto tatsächlich die Titelseite der Londoner Times mit abgebildet, wo davon die Rede ist, dass der englische Schatzkanzler mit einem zweiten Rettungspaket die Banken wieder rauspaukt.“
Mangold erwähnt die berühmte Titelseite der Londoner Times vom 3. Januar 2009 über das zweite Banken-Rettungspaket, die Satoshi Nakamoto im Genesis Block der Bitcoin-Blockchain verewigte. Die Erwähnung dient als Beleg dafür, dass Bitcoin eine direkte Antwort auf die Finanzkrise war.
Chabos wissen wer der Babo ist
Haftbefehl
Chabos wissen wer der Babo ist ist ein Lied des deutschen Rappers Haftbefehl. Es wurde am 21. Oktober 2012 als Musikvideo veröffentlicht und erschien am 25. Januar 2013 als Teil von Haftbefehls drittem Album Blockplatin. In der Albumversion wird Haftbefehl vom Rapper Farid Bang begleitet. In dieser Version avancierte es zu Haftbefehls erstem Charthit. Dem Lied wird insbesondere für die Etablierung der Worte „Chabo“ und „Babo“ eine größere sprachliche Bedeutung zugesprochen.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:01:21 „Die Renaissance beginnt, das steht auch in der Sonderausgabe, auf jeden Fall 2012, eigentlich mit einem Song, da kann man mal so ein Datum festlegen. Ja, ist auch der höchstplatzierte Song in unserem Top 550 der wichtigsten Popsongs des 21. Jahrhunderts. Es ist natürlich Chabos »Wissen, wer der Babo ist« von Haftbefehl.“
Weisbrod beschreibt den Song als Initialzündung der Deutschrap-Renaissance ab 2012. Nach diesem Track interessierten sich plötzlich Feuilletons und neue Milieus für Deutschrap, Studenten begannen Straßenrap zu hören, und Jan Böhmermann rappte im Haftbefehl-Flow. Der Song steht für die kulturelle Umkodierung der Unterschicht als Quelle künstlerischer Innovation.
Hurra die Welt geht unter
K.I.Z.
Hurra die Welt geht unter ist das fünfte Studioalbum der Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z.. Es erschien am 10. Juli 2015 über das zu Universal gehörende Label Vertigo als Standard- und Limited-Special-Edition, inklusive Mixtape und DVD. Ende 2016 wurde mit Hurra die Welt geht unter – Live aus der Wuhlheide Berlin ein zugehöriges Live-Album veröffentlicht.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:03:16 „Also da gibt es ein ganz großes Panorama geht auf. Und ich könnte ganz viel noch aufzählen, das Wichtige, die Kehre im Werk von Kai Z, sie sind plötzlich sehr ernsthaft auf Hurra, die Welt geht unter.“
Weisbrod erwähnt das Album als wichtige Kehre im Werk von K.I.Z., die plötzlich ernsthafter wurden. Es wird als Teil des breiten Deutschrap-Panoramas um 2015 eingeordnet, in dem verschiedene Stilrichtungen und Figuren gleichzeitig aufblühten.
Zugezogen Maskulin (Debütalbum)
Zugezogen Maskulin
Zugezogen Maskulin sind die Rapper Testo & Grim104. Nach ersten Sololäufen in ihren Heimatstädten Stralsund und Zetel, trafen sie sich erstmals 2010 in ihrer Wahlheimat Berlin und stellten schnell fest, dass ihre Herangehensweise an das Thema Rap Gemeinsamkeiten aufweist und man zu zweit fast schon eine Partei gründen könnte. Sie gründeten jedoch eine Band. Auch ein Statement irgendwie. Mit bissigem Humor, überziehen sie ihre Hörer mit Alltagsbeobachtungen über Hedonismus
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:03:16 „Dann gibt es so Rap-Crews in Deutschland wie Zugezogen Maskulin, die sind eigentlich so eine Art Feuilleton, die ersetzen eigentlich das Feuilleton plötzlich, das sind so Zeitgeist-Beobachter ihres eigenen Milieus, ganz wichtig, 2015 das erste Album.“
Weisbrod beschreibt Zugezogen Maskulin als Rap-Crew, die ab 2015 mit ihrem Debütalbum das Feuilleton als Zeitgeist-Beobachter ihres eigenen Milieus quasi ersetzten. Sie werden als Teil des Deutschrap-Panoramas eingeordnet, das in diesem Zeitraum kulturell dominant wurde.
Dreh den Swag auf
Moneyboy
Moneyboys »Dreh den Swag auf« aus 2010 ist eine bewusst fehlerhafte deutsche Interpretation eines englischen Songs. Der Wiener Künstler nutzte dabei absichtlich schlechte Übersetzungen und Vorträge als konzeptuelle Kunstform. Der Song wirkte zunächst wie ein Trash-Phänomen, wurde aber extrem einflussreich für ironische Sprachspiele in Social Media und gilt als Wegbereiter einer neuen Internetkultur.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:03:58 „Es ist der Wiener Künstler Moneyboy, der 2010 schon einen Song veröffentlichte, der heißt Dreh den Swag auf, wo er einen englischen Song bewusst schlecht ins Deutsche übertragen hat und ohne Rap-Künste ihn vorträgt.“
Weisbrod beschreibt Moneyboy als Konzeptkünstler, dessen Song 2010 zunächst wie ein Trash-Phänomen wirkte, der aber extrem einflussreich für die Entwicklung ironischer Sprachspiele in Social Media wurde. Er vergleicht seinen Einfluss mit dem von Udo Lindenberg und sieht ihn als Wegbereiter einer neuen Internet-Sprachkultur.
Deutschland sucht den Superstar
· 2002
Die 22. Staffel der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar aus 2026. Ein Sieger dieser Show ähnelt dem ESC-Kandidaten Isaac optisch so stark, dass eine Verwechslung naheliegt. Der Podcast diskutiert diese auffällige Ähnlichkeit zwischen den beiden TV-Kandidaten.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:04:18 „Und da gibt es ja auch noch so Deutschland sucht den Superstar, wo Dieter Bohlen sich über irgendwelche Leute lustig macht. Und es ist so, ah, da macht man sich lustig über wen im Internet.“
Im Zusammenhang mit der Besprechung von Moneyboys Debüt 2010 wird die TV-Castingshow als Vergleichspunkt herangezogen, um die damalige Kultur des öffentlichen Sich-lustig-Machens über andere zu illustrieren, in der Moneyboy zunächst verortet wurde.
Interview mit Ross Douthat über die Vernünftigkeit des Glaubens
Sascha Czajmowicz
Der amerikanische Intellektuelle und NYT-Kolumnist Ross Douthat argumentiert in diesem Interview, dass Glaube an Gott nicht irrational, sondern logisch begründbar ist. Er kritisiert Atheisten dafür, dass sie ein fundamentales Missverständnis haben, und vertritt die These, dass gerade heute eine gute Zeit ist, um sich dem Glauben zuzuwenden.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:20:49 „Zeitleser werden ihn kennen, denn unser Kollege Sascha Czajmowicz hatte in der Ausgabe vor zwei oder drei Wochen ein langes Interview über den Glauben, über die Vernünftigkeit des Glaubens mit Russ Dothard geführt.“
Mangold erwähnt ein Interview, das sein ZEIT-Kollege Sascha Czajmowicz mit dem NYT-Kolumnisten Ross Douthat über die Vernünftigkeit des Glaubens geführt hat, erschienen wenige Wochen zuvor in der ZEIT.
Interview mit J.D. Vance in Rom
Ross Douthat
Ross Douthat interviewte US-Vizepräsident JD Vance in Rom nach dessen Besuch bei Papst Leo XIV. Im Zentrum standen Vances Konversion zum Katholizismus und ihre Auswirkungen auf seine Politik, insbesondere bezüglich Einwanderung und Abschiebungen, wo sich Douthat kritisch zur Trump-Administration äußerte. Vance zeigte sich bei Handelskriegen und DOGE-Sparmaßnahmen selbstsicherer, verwies beim Thema KI-Wettrüsten jedoch auf den neuen Papst als potenziellen Lösungsträger für diese Herausforderungen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:21:07 „Und es gibt ein sehr interessantes Interview des katholisch-konservativen New York Times-Kolumnisten Russ Dothard. Russ Dothard kriegt J.D. Vance für ein langes Interview an die Strippe in Rom. Und die haben natürlich viele politische Gegensätze, namentlich was die Frage Migration, Flüchtlinge, Deportation und so weiter betrifft.“
Mangold verweist auf ein Interview, das der konservative NYT-Kolumnist Ross Douthat mit J.D. Vance in Rom geführt hat, wo Vance als Staatsgast beim verstorbenen Papst Franziskus war. Das Interview belegt Mangolds These einer Verbindung von KI-Themen und Katholizismus in der politischen Rechten.
Rerum Novarum
Papst Leo XIII.
Enzyklika von Papst Leo XIII., die die kirchliche Haltung zur Industriellen Revolution und Modernisierung formuliert. Ein theologisches Lehrschreiben über die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Industrialisierung und die Reaktion der Kirche darauf.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:22:45 „Leo XIII. Der Papst war während der Industriellen Revolution und damals ein Enzykliker oder wie man das nennt, geschrieben hat, Rerum Novarum. Lateinunterricht, verrät mir, es muss sowas heißen wie das über die neuen Dinge oder das neue Ding oder so. Und da hat er eben über die Industrielle Revolution geschrieben und wie die Kirche sich verhält gegenüber dieser Modernisierung der Welt.“
Weisbrod erklärt, dass der neue Papst Leo seinen Namen nach Leo XIII. gewählt hat, der mit der Enzyklika Rerum Novarum die Haltung der Kirche zur Industriellen Revolution formulierte. Die Parallele wird gezogen, weil der neue Papst eine ähnliche Positionierung gegenüber der KI-Revolution anstreben will.
Dune (2021)
Denis Villeneuve · 2021
„Dune“ erzählt die packende Geschichte des brillanten jungen Helden Paul Atreides, dem das Schicksal eine Rolle vorherbestimmt hat, von der er niemals geträumt hätte. Um die Zukunft seiner Familie und seines gesamten Volkes zu sichern, muss Paul auf den gefährlichsten Planeten des Universums reisen. Nur auf dieser Welt existiert ein wertvoller Rohstoff, der es der Menschheit ermöglichen könnte, ihr vollständiges geistiges Potenzial auszuschöpfen.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:24:44 „Außerdem kann ich natürlich nicht diese Folge des 21. Jahrhunderts schließen, ohne einmal über Dune gesprochen zu haben, über die Dune-Filme von Denis Villeneuve. Und da muss ich dann schon sagen, wenn man jetzt im großen Popcorn-Kino irgendwie prognostische Kräfte am Walden sieht, würde ich schon sagen, dass Denis Villeneuve über dieses Dune-Universum, diese Dune-Geschichte verfilmt hat, die ja letztlich von nichts anderem handelt als vom Kampf zwischen Technologie und vor allem künstlicher Intelligenz auf der einen Seite und auf der anderen Seite nicht mehr dem Katholizismus, aber einer strengen religiösen Bewegung.“
Weisbrod nutzt die Dune-Filme als popkulturellen Beleg für seine These 'KI versus Katholizismus'. Er sieht in Villeneuves Verfilmung eine prognostische Kraft, weil die Geschichte den Konflikt zwischen Technologie/KI und einer strengen religiösen Bewegung ins Zentrum stellt – inklusive der 'Orange Catholic Bible' im Dune-Universum.
Der Zauberberg
Thomas Mann · 2022
Der Zauberberg Thomas Mann - Geplant als Novelle, als heiteres Gegenstück zum Tod in Venedig, entstand mit dem Zauberberg einer der großen Romane der klassischen Moderne. Ein kurzer Besuch in einem Davoser Sanatorium wird für den Protagonisten Hans Castorp zu einem siebenjährigen Aufenthalt, der Kurort wird zur Bühne für die europäische Befindlichkeit vor dem Ersten Weltkrieg.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:26:17 „Welches Kunstwerk der letzten 25 Jahre wird auch noch die nächsten 25 überdauern? Sag jetzt nicht der Zauberberg oder der Ring der Nibelungen oder so, sondern welches Kunstwerk der letzten 25 Jahre wird auch noch die nächsten 25 überdauern?“
Weisbrod erwähnt den Zauberberg als Beispiel für ein kanonisches Werk, das man bei seiner Frage nach bleibenden Kunstwerken gerade nicht nennen soll – er sucht nach Werken der letzten 25 Jahre, nicht nach etablierten Klassikern.
Der Ring des Nibelungen
Richard Wagner
Richard Wagners »Der Ring des Nibelungen« ist ein vierteiliges Opernwerk auf Grundlage germanischer Mythologie. Der Britannica-Artikel bietet einen Überblick über Charaktere und kulturelle Bedeutung des Werks. Wagners Oper verkörpert für Meese zeitlose künstlerische Freiheit, wird aber häufig ideologisch missbraucht – der Artikel zeigt die Komplexität dieses bedeutenden Kunstwerks und seiner Rezeptionsgeschichte.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:26:17 „Sag jetzt nicht der Zauberberg oder der Ring der Nibelungen oder so, sondern welches Kunstwerk der letzten 25 Jahre wird auch noch die nächsten 25 überdauern?“
Weisbrod nennt Wagners Ring des Nibelungen zusammen mit dem Zauberberg als Beispiel für Werke, die man nicht nennen soll – er will bewusst keine alten Klassiker hören, sondern Kunstwerke aus den letzten 25 Jahren.
Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System
Satoshi Nakamoto
Das Bitcoin-Whitepaper von Satoshi Nakamoto ist das Gründungsdokument des ersten dezentralen Zahlungssystems ohne zentrale Autorität. Das Dokument beschreibt eine Peer-to-Peer-Lösung für elektronischen Geldtransfer, die Kryptografie statt Vertrauen nutzt. Das Whitepaper gilt vielen als zeitloses konzeptionelles Werk, das auch in Jahrzehnten noch Relevanz haben könnte – nicht nur technologisch, sondern als philosophisches Werk über dezentrale Systeme.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:26:37 „Welches Kunstwerk der letzten 25 Jahre wird auch noch die nächsten 25 überdauern? Das White Paper des Bitcoin. Weil im Jahr 2050 haben wir Hyper-Bitcoinization und jeder wird in seinem Wallet sein Erspartes in Form von Bitcoin sichern.“
Auf Weisbrods Frage, welches Kunstwerk der letzten 25 Jahre auch 2050 noch relevant sein wird, antwortet Mangold provokant mit dem Bitcoin-Whitepaper. Er prognostiziert eine 'Hyper-Bitcoinization', bei der alle ihr Erspartes in Bitcoin halten werden – eine bewusst überraschende Antwort auf eine Kunstwerk-Frage.